Hu(hn)man - Florian Schedlberger - E-Book

Hu(hn)man E-Book

Florian Schedlberger

0,0
6,90 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Jutta Hoffmann, verheiratet und Mutter von zwei Töchtern, lebt ein glückliches Leben mit ihrem Mann Georg in der kleinen Provinzstadt Aschberg. Ihren "Kinder-Küche-Kabinett"-Alltag hat die gelernte Versicherungskauffrau und momentane Vollzeit-Mama perfekt im Griff und sie denkt über einen beruflichen Wiedereinstieg nach. Doch seit kurzem wird Jutta von extremen, sehr intensiven Alpträumen heimgesucht, die sie mit einer völlig anderen Art der Existenz konfrontieren und ihr kontinuierlich die Lebensenergie entziehen - bis zum Zusammenbruch. Sie beginnt zu zweifeln. An sich.. ...und an allem anderen. Irgendwann ist sie nicht mehr sicher, welche Wirklichkeit die ihre ist. Sie klammert sich mit aller Kraft an "ihren" gelebten, wahr gewordenen Familientraum. Aber ist er wirklich wahr geworden? Oder nur Wunschtraum ? Hat sich Jutta in ihrer archaisch, brutalen "Fressen-oder-Gefressen-werden"-Existenz ein falsches Leben im richtigen erträumt? Sie will "ihre" Familie auf keinen Fall verlieren, doch hatte sie jemals eine....? ...und dann wacht sie auf …..

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Hu(hn)man

Ich wollt, ich wär‘ ein Huhn*

© 2017 Autor+Rechteinhaber: Florian, Schedlberger + Martin, Schedlberger

1.Auflage

Autor: Florian, Schedlberger + Martin, Schedlberger

Umschlaggestaltung, Illustration: Martin, Schedlberger

Lektorat, Korrektorat: Renate, Dr. Feikes

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-7439-1801-6 (Paperback)

978-3-7439-1802-3 (Hardcover)

978-3-7439-1803-0 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf

und sind sie nicht im Kopf,

dann sind sie nirgendwo

Urheber: André Heller / Ingfried Hoffmann

(LP "Abendland" 1976, Deutschland)

 

60% Genidentität Mensch/Huhn - ein paar evolutionär wenig ausgetretene Pfade, andersartige Abzweigungen oder der banale natürliche Zufall und die Entwicklungsgeschichte terrestrischen Lebens wird zur geflügelten Story…

Prolog

Jutta tritt mit dem Fuß auf den Öffnungsmechanismus des Mülleimers und wischt die übriggebliebenen Haut-, Fleisch- und Knochenreste der geflügelten Mahlzeit hinein.

Mit hörbarem Unwillen steckt sie die Teller in den Geschirrspüler.

Auch der Rest der Küche schreit nach Meister Proper – lautlos.

Das kann warten.

Morgen ist auch noch ein Tag.

Vor dem zu Bett gehen wirft sie noch einen kurzen Blick in die Zimmer ihrer beiden Töchter.

Lena, die vor einer Woche ihren sechsten Geburtstag feierte, schläft tief und fest mit ihrem Teddy im Arm.

Ulla, die die letzte Klasse Oberstufe besucht, trägt Kopfhörer und tippt auf ihrem Laptop.

Fast Mitternacht.

Egal, morgen wird Jutta definitiv nicht zu nachtschlafender Zeit aufstehen.

Einfach liegen bleiben, solange sie müde ist und liegenbleiben will.

Sie hat keine Lust mehr auf noch eine Auseinandersetzung mit ihrer Großen.

Führt zu nichts.

Georg, ihr Mann, ist auch noch nicht zuhause.

Kein Anruf, keine SMS,..…

Nicht die kleinste Information, wo er steckt.

Interessiert sie auch nicht mehr.

Sie schläft ein, kurz nachdem ihr Kopf das Kissen berührt.

1.

„Ich wollt', ich wär' ein Huhn,...“*

„Kmeeen…

Froouu kmeeen…

kmeeen!“

Kaum die Augen aufgeschlagen, wird Jutta von einem Arm halb hochgerissen und mitgeschleift.

„Was...was ist denn?

Lassen Sie mich sofort los!

Loslassen!!“

Energisch versucht sie sich vom festen Griff dieser fremden Hand loszureißen.

Vergeblich.

„Wo bin ich?

Wer ist das?

Wo ist meine Familie...?“

Tausend Fragen prasseln augenblicklich auf ihren Kopf ein.

Gleichzeitig versucht sie diese Gedankenflut einigermaßen zu ordnen und mit dieser Fremden - die sie noch immer sicher im Griff hat - Schritt zu halten.

Jutta hat ihre anfängliche Gegenwehr aufgegeben.

Dieses weibliche Wesen, diese Frau ist nackt.

Sie hat keine Haare auf dem Kopf.

Sie ist schmutzig.

Und sie stinkt.

Wie alles hier.

Ein permanenter, fast penetranter Geruch, Gestank. Jutta versucht sich - während sie von dieser nackten, streng riechenden Frau mitgezogen wird - zu orientieren.

„Ich bin im Freien.

Die Sonne scheint und es ist heiß.

Verdammt!!

Wo bin ich hier !?“

Die Fremde bleibt stehen, lässt Jutta los.

„Frou hirrr…

Frou hirrr“ , kommt aus dem Mund der fremden Nackten.

Sie weist auf eine beschädigte Stelle eines Holzzauns, die eine Möglichkeit des Durchschlüpfens bietet. Die Worte sind herausgepresst, in einer sehr abgehackten, ruppig rauhen, tierischen Lauten ähnelnden Sprechart.

Ihre Fluchthelferin zwängt sich durch den Spalt der hölzernen Abgrenzung.

Jutta greift sich an die schmerzende Stelle an der rechten Stirnseite und fühlt eine Erhebung, eine Beule nicht unerheblichen Ausmaßes - vielleicht die Folge eines Zusammenstoßes oder Schlages.

Juttas Gedächtnis gibt ihr keine Auflösung.

Kein adäquater Schmerz abgespeichert.

Jetzt bemerkt sie auch an ihrem linken Handgelenk einen metallisch glänzenden Ring. Er sitzt ziemlich eng und hat eine Gravur, die Jutta auf die Schnelle nicht entziffern kann.

Ist dieser Armreif ein Geschenk von Georg? Sie kann sich nicht erinnern.

Hier stimmt etwas nicht.

Sie lässt ihren Blick an diesem unbekannten, mysteriösen Ort schweifen.

Diese hölzerne Abgrenzung, alles was sie sieht, die ganze Umgebung …

Alles zu überdimensioniert.

Nackte Frauen, alle - soweit sie das überblicken kann - ungefähr in ihrer Größe ohne ein einziges Haar am Kopf und wie es scheint auch nicht am restlichen Körper, laufen in Panik – man könnte fast meinen in Todesangst - kreuz und quer über ein unüberschaubares Gelände.

Massenpanik unter nackten Frauen.

„Bin ich hier am Drehort eines billigen Sexstreifens?“, kommt Jutta spontan in den Sinn.

Sie haben alle panische Angst.

Aber vor wem oder was?

Da spürt Jutta wieder die Hand der Fremden, die sie nun auch durch den Zaunspalt hineinzieht. Die Frau trägt ebenfalls dieses Metallarmband am linken Handgelenk.

Sie setzt sich, ohne sich weiter um Jutta zu kümmern.

Jutta kneift die Augen fest zusammen, in der Hoffnung diese Irrealität einfach wieder wegblinzeln zu können.

Sie öffnet die Augen und blickt sich um.

Alles unverändert.

Immer wieder steigt dieses unkontrollierbare Panikgefühl in ihr hoch.

„Komm runter, Jutta, nur jetzt nicht durchdrehen“, versucht sie sich zu beruhigen.

Ein geschlossenes Tor und Holzfenster, Heuballen, Heugabel und andere etwas fremdartige Dinge, die allesamt unter den Sammelbegriff „Landwir tschaftswerkzeug und -geräte“ fallen.

Alles, inklusive dieses riesigen Geräteschuppens, passt nicht in die Größenverhältnisse, so wie Jutta sie kennt.

Für wen sind diese Geräte? Für Gulliver?

„Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiih!“ hört sie plötzlich von draußen.

Ein hohes „C“ in Todesangst.

Schrill, panisch.

Jutta lugt durch den Spalt, durch den sie geschlüpft sind.

Zwei Frauen, gefangen in einer Art Fischernetz, werden in diesem Augenblick von irgendwem oder irgendwas am Boden dahin geschleift.

Jutta kann den Träger des Netzes mit der weiblichen Fracht nicht sehen.

Er ist gerade hinter der Scheune verschwunden.

Die Gefangenen wehren sich heftig, aber dennoch wirkungslos.

Sie kämpfen mit aller verbliebenen körperlichen Kraft gegen das gerade Passierende, wissend um das ihnen noch Bevorstehende.

Keine der anderen Frauen scheint dieser Vorfall zu kümmern.

Keine rührt einen Finger.

Sie scheinen fast erleichtert.

Erleichtert, nicht selbst betroffen zu sein.

So als ob das gerade Geschehene nichts Außergewöhnliches wäre, sondern eher als etwas längst Alltägliches, Unabwendbares akzeptiert worden ist.

Die Entfernung dämpft die schrillen, panischen Schreie der Entführten.

„Mein Gott, was passiert hier?“,

Jutta packt die am Boden neben ihr sitzende kleine Frau an den dünnen Oberarmen und schüttelt sie.

„Was ist hier, verdammt noch mal, los!!!!!!!!!“, brüllt sie der Unbekannten ins Gesicht. Doch die Apathie lässt sich nicht herausschütteln aus ihrem Gegenüber.

Jutta sieht in die völlig teilnahmslosen Augen der Fremden.

Vielleicht steht sie auch unter einer Art von Drogen.

Sie muss unbedingt herausfinden, was mit den Verschleppten passiert, oder schon passiert ist.

Nach kurzem Überlegen schlüpft sie durch den Spalt aus dem Versteck.

Gebückt und mit äußerster Vorsicht läuft sie an der Scheune entlang, immer versuchend sich an den Schreien der entführten nackten Frauen zu orientieren.

An der nächsten Ecke bleibt sie kurz stehen und schaut sich um – keine Gefahr.

„Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhh!“

Abrupt verstummen die Schreie, die Panikgeräusche der Frauen.

Stille.

Unheimliche Stille.

Todesstille.

Jutta horcht ganz intensiv.

Als ob sie jedwede Gefahr akustisch wahrnehmen könnte.

Und läuft los.

Sie läuft zur nächstgelegenen Gebäudekante der Scheune, hinter der sie die gefangenen Frauen vermutet und unterschätzt dabei die Entfernung.

Die Strecke bringt Jutta dabei fast an die Grenze ihrer Kondition.

An der Ecke angekommen, rast ihr Puls im Staccato eines Sturmgewehres.

Aber sie muss unbedingt wissen, was das Schicksal für diese Frauen bereithält.

Der Herzschlag hat sich ein wenig beruhigt.

Jutta späht um die Ecke.

Und erstarrt.

Sie kann gerade noch einen reflexartigen Entsetzensschrei ob dieses Anblicks unterdrücken und hat allergrößte Mühe sich auf den Beinen zu halten.

Sie übergibt sich.

Zwanghaft versucht sie, geräuschlos zu bleiben.

Die beiden Frauen baumeln enthauptet, mit den Füßen nach oben an eine Art Wäschetrockenleine gebunden, leblos in der Sonne.

Geköpft und zum Ausbluten aufgehängt.

Noch immer rinnt Blut aus den offenen Hälsen der Frauen.

Geschockt, mit offenem Mund wankt Jutta in Richtung der Leichen.

Der ekelhafte Geschmack des Erbrochenen hat sich auf der Zunge und in sämtlichen Winkeln ihres Mundraumes festgesetzt.

Und er bildet mit diesem visuellen Schlachthausszenario eine groteske Symbiose.

Sie blickt nach unten.

Leere Augen sehen sie an.

Vor Schreck dreht sie reflexartig ihren Kopf...

… und blickt direkt in das zweite tote Augenpaar.

Jutta sinkt auf die Knie.

„Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiin!!!!!!!!!!!!!!“

Absolute Hoffnungslosigkeit hat von ihr Besitz ergriffen.

Und ein heftiger Weinkrampf lässt alles um sie herum in Tränen verschwimmen

„Ich werde hier sterben. Ich werde hier sterben. Ich werde hier sterben…..“

Dieser Satz setzt sich in ihren Synapsen und Gehirngängen fest.

Minutenlang – nach Juttas Empfinden endlos – fließen die Tränen über ihre Wangen.

Kraftlos und auch völlig antriebslos steht sie auf, dreht den Kopf zur Seite und sieht – kurz bevor sie durch einen kräftigen Schlag das Bewusstsein verliert - „Gulliver“:

Einen Riesen in Gestalt eines…Huhnes!!!!!!!!

2.

Schweißnass und mit einem lauten Schrei schreckt Jutta im Bett hoch.

Sie atmet tief und schwer.

„Mama, was ist denn los?“ Ulla steht etwas verstört in ihrem, zu einem Nachthemd umfunktionierten T-Shirt in der Schlafzimmertür.

Jutta sieht auf die Uhr. Halb zwei Uhr früh.

Es ist finster, bis auf den Lichtschein, der aus dem Vorzimmer einfällt. Regentropfen prasseln ans Fenster.

„Gott sei Dank!", flüstert Jutta leise in sich hinein.

„Nichts, Ulla, ich hab‘ nur ganz schlecht geträumt. Es ist alles in Ordnung. Geh wieder ins Bett und schlaf' weiter, meine Große. Und schau mal kurz bei Lena rein. Ich hoffe, ich habe sie nicht auch geweckt.“

„Du hast mich nicht geweckt, ich war noch wach. Nochmals gute Nacht und versuch’s mal mit schönen Träumen!“

Keck dreht sie sich um und verschwindet in Richtung ihres Zimmers.

Jutta streift ihr komplett verschwitztes Nachthemd über den Kopf und wirft es Richtung Schlafzimmertür.

Sie wird morgen die komplette Bettwäsche wechseln müssen.

Alles ist feucht, um nicht zu sagen nass.

Das war ein absoluter Horrortraum.

So was hatte sie noch nie geträumt.

Nicht einmal in annähernder Intensität.

Jutta überlegt kurz unter die Dusche zu gehen, entscheidet sich aber dagegen, um die Kleine nicht aufzuwecken.

Georg ist noch immer nicht zu Hause.

Sie legt sich auf den Rücken, verschränkt ihre Hände hinter dem Kopf und versucht sich gedanklich Klarheit zu verschaffen.

„Woher hab' ich bloß diese grauenhaften Bilder.......?

Woher kommt diese groteske Traumwelt. …....?

Aus welcher Ecke in meinem Kopf werden solche Informationen abgerufen?

Ich kann mich beim besten Willen an keine auch nur oberflächliche Auseinandersetzung mit solchen Themen erinnern.“

Derart aufgewühlt ist an Schlaf nicht zu denken.

„Das ist alles schon ewig lange her“, Juttas Gedanken schweifen ab und wühlen im Langzeitgedächtnis. Schöne, emotionale und ungemein prägende Erlebnisse, die das bloße Existieren zu einem ganz persönlichen, individuellen und einzigartigen Ereignis machen:

„Georg ist kein klassischer Frauentyp, falls es den überhaupt gibt, aber er hatte schon damals – und an dieser Eigenschaft, an dieser Ausstrahlung hat sich bis heute nichts geändert - etwas unglaublich Interessantes an sich.

Wir kennen uns jetzt einundzwanzig Jahre und sind fast 18 Jahre verheiratet.

Er war groß, schlank, hatte dunkle, kurze Haare, dunkle Augen und einen kurzen gepflegten Vollbart, schmale Lippen und eine relativ große Nase.

Was Kleidung anbelangt, war und ist er schon immer sehr unkompliziert. Soweit ich das noch im Kopf habe, trug er an diesem Spätsommerwochentag - bei unserem ersten schicksalhaften Zusammentreffen - eine Jeans, ein helles Polo-Hemd, dunkle Schuhe und ein ebenso dunkles, leichtes Sakko.

An mich schmiegte sich ein dunkles, ich glaube blaues, mittellanges Sommerkleid, darüber eine schwarze Lederjacke und für die Füße was Luftiges, Bequemes: flache, dunkle Sandaletten.

An solchen Tagen prägen sich selbst Nebensächlichkeiten, wie die Farben des Kleides oder der Schuhe in die eigene Festplatte ein.

Ich hatte zuletzt eine eher kurzfristige Beziehung und war alles andere als einsam.

Beruflich hatte ich gerade Fuß gefasst. Als Gebietsleiterin einer mittelgroßen Versicherung mit eigenem Büro, sprich Filiale in unserer kleinen Stadt.

Meine damalige Wohnung befand sich im Zentrum, nicht weit von unserer örtlichen Niederlassung entfernt, ich war praktischerweise unabhängig vom Auto und auch zu Fuß nicht länger als 30 Minuten in mein Büro unterwegs.

An diesem Spätnachmittag wollte ich nur um die Ecke in den kleinen Lebensmittelladen, um mir die Zutaten für mein Abendessen zu besorgen.

Ich sperrte die Tür zu meiner Wohnung im ersten Stock ab und benutzte die Treppe ins Erdgeschoss in Richtung Haustür.

Als sich die Aluminium-Glas-Tür des Mehrparteienhauses hinter mir schon wieder schloss, da spürte ich von hinten einen heftigen Rempler, der mich zu Fall brachte und mir eine stark schmerzende Wunde am Knie bescherte.

Und der „Schubser“ war – ja richtig – Georg.

Er kam aus dem „Sich-entschuldigen“-Modus erst mal gar nicht mehr raus, half mir ganz vorsichtig auf und bot sich auch an, mich ins Krankenhaus zu fahren.

Was sich letztendlich als nicht notwendig erwies.

Mich stützend und auf eine sehr angenehm unaufdringliche Weise umsorgend, gingen wir zurück in meine Wohnung. Er verarztete mich dort erstklassig und erwies sich auch sonst als zurückhaltendes, zuvorkommendes, sanftes, witziges, interessantes, männliches Wesen.

Denn wir redeten und redeten und redeten und redeten und jeder wurde für den anderen immer interessanter.

Häufige Treffen, Liebe, Sehnsucht, ….

Georg war in einem mittelgroßen Betrieb nahe der Stadtgrenze, der sich mit Objektsicherung und allem, was damit zusammenhängt, beschäftigt.

Wir zogen zusammen – in meine Wohnung.

Ulla kam zur Welt. Wir zogen an die Stadtgrenze in die Nähe seiner Arbeitsstelle in ein neu gebautes Siedlungshaus mit Garten.

Er verdiente mittlerweile gut im Außendienst „seiner“ Sicherheitsfirma. Ich hatte meinen Versicherungsjob aufgegeben und gegen Kind, Haus und Garten getauscht.

Nach einer ungeplanten, mittellangen Pause kam Lena….“

Jutta wird aus ihrer Langzeiterinnerung gerissen. Sie ist noch immer wach, sehr wach. Zu wach, um den Schlaf zu bekommen, den sie ganz dringend braucht.

Sie steht auf, geht zum Badezimmer, öffnet das Apothekenkästchen und holt sich Abhilfe in Tablettenform.

Die Wirkung setzt nach ein paar Minuten ein.

3.

„...ich hätt' nicht viel zu tun,...“*

Jutta zwinkert, lässt jedoch ihre Augen noch geschlossen.

Der Wecker wird seinen Zweck schon erfüllen.

„Feucht, warum ist es so feucht unter mir?

Bauchschmerzen...und diese Kopfschmerzen..

Mir zerspringt gleich der Schädel.

Ich bin reif für 'nen langfristigen Aufenthalt im Bett.“

Kein weicher Bettpolster, keine Falten in den Laken und kein...

Irgendetwas stimmt hier wieder nicht.

Sie schlägt die Augen auf und blickt direkt in ein totes Paar Augen.

Alles ist sofort wieder präsent.

Übelkeit kommt wieder hoch.

Um einen Schrei zu unterdrücken, hält sie sich entsetzt eine Hand vor den Mund.

Langsam dreht Jutta sich um.

Der zweite Kopf liegt auch noch an der gleichen Stelle.

Sie übergibt sich wieder.

Sie fühlt sich wie ein ausgetrockneter Schwamm.

Und da war doch dieses...Wesen.

Dieses......Huhn.

Wahrscheinlich war es nur eine optische Täuschung, ein stressbedingter Aussetzer.

Hoffentlich…

„Wie lange bin ich eigentlich ohnmächtig gewesen?“

Automatisch blickt Jutta auf ihr linkes Handgelenk. Aber anstelle ihrer neonfarbenen Swatch „Edition Summer“ befindet sich dort ein eng anliegender Metallreifen, der mit ihr unbekannten Zeichen markiert ist.

Zeit ist auch nicht mehr wichtig.

Soweit es ihre Kräfte zulassen, setzt sie sich auf.

Sie blickt sich um.

Jede Bewegung eine Anstrengung.

Die kopflos baumelnden Leichen sind nicht mehr zu sehen.

Das geronnene Blut am Boden und die beiden Frauenköpfe zeugen noch von den bestialischen Geschehnissen.

Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und diese absolute Ahnungslosigkeit lassen wieder Tränen über ihre Wangen fließen.

„Denk nach, denk nach, denk, verdammt noch mal, nach“, schluchzt sie in sich hinein.

Ihr kommen alle diese grauenvollen Bilder wieder in Erinnerung.

Die nackten, haarlosen Frauen, das Netz, das Geschrei, das Blut, die hängenden geköpften Leichen…

Aber ich bin doch aufgewacht!!!!

Da war doch mein gutes, altes, herrlich normales, wirkliches Leben.

Die schwierige Ulla.

Die kleine Lena.

Meine Töchter!

Mein Mann. Georg.

OK, er war mal wieder nicht nach Hause gekommen, aber trotzdem ist er noch immer mein Mann

Unser Haus?

Unser Schlafzimmer?

Unser Bett?“

Unser…Leben?

Sie schaut auf den Ringfinger ihrer rechten Hand.

Kein Ehering.

Auch keine Spuren davon.

Lange hockt Jutta zusammengekauert wie ein Häufchen Elend an Ort und Stelle.

Sie denkt nach und versucht unbewusst in ihrer Konzentration den gravierten Metallring am linken Handgelenk zu drehen, was ihr nur leidlich gelingt. Die mystischen Zeichen darauf sind Jutta völlig unbekannt.

Nicht einmal im Ansatz kann sie die Gravur irgendeiner Schrift oder einem ähnlichen Firmenlogo zuordnen.

Sie darf ihre Mädchen nicht im Stich lassen.

Auf keinen Fall!!

Sie sind das Einzige für das es sich lohnt, Antworten zu finden.

Antworten auf diese unendlich vielen Fragen in diesem real gewordenen Albtraum.

Wo bin ich hier?

Was mache ich hier?

Wie bin ich hierhergekommen?

Oder viel wichtiger, wie komme ich wieder weg?

Wer hat diese Frauen umgebracht?

Und warum?

Und wohin ist mein verdammtes, herrlich langweiliges, normal dahinfließendes Leben verschwunden?

„Also, Jutta, reiß’ dich um deiner Töchter Willen zusammen und geh’ diesen Fragen auf den Grund!“ hört sie sich selbst aus dem Mund pressen.

Ihr ist immer noch schlecht.

Sie braucht unbedingt Flüssigkeit und steht trotz aller körperlichen Widerstände auf.

Es ist Nacht geworden.

Juttas Blick schweift umher, kann jedoch in der Dunkelheit wenig erkennen.

Wenn sie jetzt den Weg zurückgeht, den sie bei ihrer Verfolgung hergelaufen war, dann findet sie sicherlich diesen Spalt wieder.

Und vielleicht auch diese Frau, die ihr geholfen hat.

Alles andere muss im Moment warten.

Die riesige Scheune türmt sich schwarz im Mondlicht auf.

Jutta geht zielstrebig und unbeirrbar an der Wand entlang.

Eine Ecke, die nächste Ecke.

Die Öffnung müsste leicht zu finden sein.

Jutta bleib abrupt stehen und geht nochmals ein, zwei Schritte zurück.

Eine Glasscherbe. Im Mondlicht spiegelt sich ihr Antlitz.

Sie hat bis jetzt nicht darauf geachtet, doch auch sie hat keine Haare mehr. Weder auf dem Kopf, noch unter den Achseln und auch ihre Scham ist unbehaart.

Sie kann auch die Stirnbeule zum ersten Mal sehen. Ganz behutsam befühlt sie den kleinen Höcker. Der Schmerz ist kleiner oder sie hat ihn verdrängt

Ihre Brüste dezent, aber weiblich und ihr ganzer Körper sieht durchtrainiert und sehnig aus.

Jutta betrachtet ihr Spiegelbild.

Sie war niemals dick, auch nicht mollig, hatte niemals auch nur die Anlage übergewichtig zu werden.

Aber dieses Spiegelbild zeigt ihr ein sehr mageres, absolut fettfreies Abbild ihres Körpers.

Ein Stück weiter schlüpft Jutta in das Gebäude, das ihr als Versteck gedient hat. Jetzt ist es noch dunkler und ihre Augen brauchen noch länger, um sich an die Finsternis zu gewöhnen.

Fast stolpert Jutta über einen am Boden liegenden Körper.

Also doch!

Die Frau ist noch hier.

„Hey, du, aufwachen!“ schreit Jutta lauter, als sie es vorhatte und rüttelt an der Schulter der Fremden.

Diese öffnet die Augen und sieht Jutta an.

Uninteressiert und abwesend ist ihr Blick.

„Schlfnn...“ kommt es teilnahmslos verschlafen aus ihrem Mund.

Bevor sie sich jedoch wieder wegdrehen kann, hält Jutta sie fest.

„Bitte, wo bin ich?

Was tun wir hier?

Wer bin ich oder besser was bin ich?

Sprechen Sie eine andere Sprache?

Bitte, bitte!

Antworten Sie mir, bitte!“, schluchzt sie.

„Schlfn …schlfenn.“, fordert die Fremde in ihrem Dämmerzustand Jutta erneut auf.

Ihr Erregungszustand hat die Frau nicht berührt oder sie ist nicht fähig, ihn zu erkennen und danach zu handeln.

Jutta sieht sich um und kann trotz der Dunkelheit dicht nebeneinander liegende und auch einzeln verstreute tief schlafende Bündel - Artgenossinnen - auf dem Stroh wahrnehmen.

Die Frau, die ihr geholfen hatte, ist bereits wieder eingeschlafen.

Ihr Bitten war umsonst.

Sie kann von diesen Wesen höchstwahrscheinlich keine Solidarität, keine Hilfe – in welcher Form auch immer - erwarten.

Wenn sie etwas unternehmen will, so ist sie auf sich alleine gestellt.

Aber sie muss zuerst wissen, WAS das Ganze hier ist.

„…was das Ganze hier ist,

was das Ganze hier ist,

was das Ganze hier ist,

was das Ganze hier ist!“

Der Satz wiederholt sich mantrahaft in ihrem Kopf.

Auf einem dieser Riesenstrohballen kauernd, gewinnt ihre Müdigkeit die Oberhand und Jutta schläft ein.

4.

„...ich legte vormittags ein Ei...“*

Drei laute „Uuaaaaaaaaaah!!!“-Rufe lassen Jutta aufschrecken.

Ihre neue „Freundin“ liegt noch immer ungerührt und ungestört schlafend vor ihr. Ein Blick in die Runde zeigt ihr, dass auch die anderen Frauen entweder noch ruhig schlummern oder sich bereits gemütlich strecken.

Ausnahmslos alle anwesenden Frauen haben diesen Metallring am linken Handgelenk.

Wieder dieser Schrei – laut, männlich und ....

Jutta schüttelt den Kopf, um diese komischen Gedanken beiseite zu schieben.

Sie bemerkt, dass sich ihre – ja, wie sollte Jutta diese Frauen nennen – „Leidensgenossinnen“ um zwei große, neben einander platzierte, hölzerne Tröge versammeln.

Auch ihre Freundin ist aufgestanden und sitzt nun mit gespreizten Beinen vor dem Trog.

Diese Frauen haben jegliches Schamgefühl, so wie viele andere zivile Benimmregeln, des gesellschaftlichen Zusammenlebens verloren.

Vielleicht auch nie besessen.

Die Notdurft – egal ob klein oder groß – wird ebenfalls, so hat es Jutta schon beobachtet, schamlos und ohne irgendeine Vorankündigung verrichtet. Ihre Füße haben schon mit diesen Hinterlassenschaften Bekanntschaft machen müssen.

Alle schaufeln mit den Händen irgendetwas Unbestimmbares, aber anscheinend mehr oder weniger Genießbares in sich hinein.

Keine der Frauen kümmert sich um Jutta.

Sie hat nun Zeit, alle etwas genauer zu betrachten:

Eine Alterseinschätzung scheint Jutta schwierig bis unmöglich.

Das Gewichts- und Größenspektrum ist breit gefächert.

Von klein bis groß, von sehr dünn bis weniger schlank – alles vorhanden.

Doch soweit Jutta diese Frauenschar überblickt, ist keine Einzige als mollig, geschweige denn als dick zu bezeichnen.

Wahrscheinlich liegt das an den sehr fettfeindlichen Fütterungs- und Bewegungsumständen dieser menschlichen Kreaturen.

„Fünfundzwanzig…ja, was eigentlich? Fünfundzwanzig fettreduzierte, weibliche Wesen in sämtlichen Größen und Körperformen, die sich – und das ist vielleicht das Allerschlimmste – intellektuell in einer animalischen Liga befinden.

Eine Fluchtplanung mit diesen Artgenossinnen scheint beim jetzigen Stand der Dinge sehr unwahrscheinlich“, denkt Jutta.

Sie steht auf.

Der Hunger und der Durst lassen sie näher an die Tröge treten.

„Apfelstücke, Salatblätter und verschiedenste Körner gemischt mit ... Matsch!? Müsli.

Besser als nichts.“

Jutta versucht sich an einer Jüngeren, die bereits einen Sitzplatz ergattert hat, vorbei zu drängeln.

Da springt diese auf, stößt Jutta wieder zurück und schreit:

„Wgg! Wgg!...

Frou wgg!“

Die Frau setzt sich wieder hin und isst weiter, als ob nichts geschehen wäre.

„Sie können sich primitiv artikulieren, wenn es sein muss. Aber sie reden nicht miteinander. Und es gibt scheinbar eine Rangordnung“, fällt Jutta auf.

Einige Frauen sind mittlerweile wieder aufgestanden und so nimmt Jutta an einer frei gewordenen Futterstelle Platz, von der sie glücklicherweise Zugriff auf Festes als auch Flüssiges hat.

Sie stillt ihren Riesendurst zuallererst direkt aus dem Wassertrog.

Lebensenergie kehrt zurück.

Aber es kostet sie Überwindung von der festen Nahrung zu kosten.

Doch der Hunger lässt den Ekel in den Hintergrund rücken.

Jutta löffelt mit den Händen in sich hinein, bis sie satt ist.

Sie steht auf, entfernt sich wieder vom Rest der Frauen, geht langsam an der Mauer der riesigen Scheunenhalle entlang.

„Heustadel klingt ein bisschen zu klein für diesen Megaschuppen“ denkt Jutta.

Sie kann die Größe dieses Gebäudes gar nicht abschätzen.

Links ein paar Gemüsebeete, so wie sie auch in Juttas Garten angelegt sind, rechts einige Stachelbeersträucher.

Das Erstaunliche und Faszinierende ist wiederum das Größenverhältnis der verschiedenen Obst- und Gemüsesorten zu ihrer Körpergröße.

Die Zwiebelknollen sind noch in der Erde, aber nach den röhrenförmigen, grünen Zwiebelblättern zu urteilen, die übererdig wachsen und Jutta um einiges überragen, ist die Knolle unter der Erde mindestens so groß wie ihr Kopf.

Mit einem Salatblatt vom Beet daneben kann sie sich fast zudecken.

Und sie ist nicht in der Lage, die Krautköpfe mit ihren Armen zu umfassen.

Sie lässt die Gemüsebeete hinter sich.

Auch die Obstbäume, die hier überall herumstehen – egal ob Apfel, Birne, Kirsche oder Pfirsich – erinnern Jutta in den Ausmaßen an eine genmanipulierte Gigantenzucht.

So war und ist ihre Erinnerung aus ihrem alten, richtigen, wirklichen Leben.

Plötzlich hört sie ein Geräusch – ein Rattern, ähnlich dem eines Modellhubschraubers.

Sie dreht sich um, kann sich gerade noch ins Gras werfen und so eine Kollision mit einem Riesenfluginsekt verhindern.

Auf den ersten Blick ähnelt dieses unbekannte Flugobjekt einer Hornisse in Spatzengröße.

„Gott sei Dank, knapp vorbei ist auch daneben!“ Sie rappelt sich auf und setzt ihre Erkundungstour fort.

Ihr fällt auf, dass es anscheinend keine Abgrenzung des Grundstückes gibt.

Kein Lattenzaun, keine Mauer, kein auf den ersten Blick ersichtliches Hindernis, das eine Flucht beeinträchtigen oder gar unmöglich machen könnte.

„Außer der technische Fortschritt in dieser „Realität“ hat den Geschöpfen, die hier am Ruder sind – wer immer sie sind und wie sie auch aussehen – neue Dimensionen der Objektsicherung beschert...“

Georg arbeitet schließlich in dieser Branche, da ist man auch als Ehefrau immer am neuesten Stand.

„Rational betrachtet lohnt es den Aufwand nicht“, spricht sie ihre Gedanken leise aus.

Es würde Juttas Fluchtpläne auf jeden Fall verkomplizieren und die Flucht könnte schon beim Verlassen dieses Areals zu Ende sein.

Ein Ende, das vielleicht einen weiteren Fluchtversuch nicht mehr zulässt.

„Jutta, hör auf, dich in diesen pessimistischen Gedankenlabyrinthen zu verlieren“, hört sie sich selber zwischen ihren Lippen herauspressen.

Geistig völlig abwesend stolpert sie über einen heruntergefallenen Apfel, der locker als Basketball durchgehen könnte.

„Man bräuchte nur ein Viertel dieses Megaapfels, um ein Backblech Apfelstrudel zu produzieren“, geht es Jutta völlig pragmatisch durch den Kopf.

Aber für den berühmten „Apfelerstbiss“ sind Ausführungen dieser Größe völlig ungeeignet. Anbeißen unmöglich. Um diesen XXL-Apfel in mundgerechte Stücke zu zerkleinern, ist ein Schneidewerkzeug unumgänglich.

Sie liegt rücklings auf dem Gras und schaut in den strahlenden Sommerhimmel. Kein einziges Wölkchen trübt das Hellblau und die Sonne blitzt durch das Geäst des Apfelbaumes. In Jutta kommt zum ersten Mal seit langem so etwas Ähnliches wie Entspannung auf.

„Urlaub auf dem Bauernhof. Ja, wie ein Werbefilm für Urlaub auf dem Bauernhof“, geht es ihr durch den Kopf, „grüne, saftige ungespritzte Weidewiesen, auf denen gesunde, glückliche Kühe grasen.

Herrliches Sommerwetter mit strahlendem Sonnenschein. Auf Bäumen und Sträuchern hängen unbehandelte, überreife, wunderschön anzusehende Früchte, das freilaufende Geflügel ist unberührt von medizinischen Mitteln der Nutztierindustrie und der muskelbepackte, weißbezahnte Landwirt mäht sein Gras noch mit der Sense...Aber Werbung und Wahrheit gehen selten einen gemeinsamen Weg."

Jutta nimmt von hinten ein langsam lauter werdendes Motorengeräusch wahr. Sie richtet ihren Oberkörper auf, schaut in Richtung des Motorlärms und sieht in einiger Entfernung ein traktorähnliches Fahrzeug. Doch es ist noch zu weit weg, um Einzelheiten zu erkennen.

Sie steht auf und sucht geduckt hinter dem Apfelbaumstamm Deckung.

Gespannt späht sie aus ihrem Versteck auf das näher kommende Gefährt.

Und als sie den Fahrer erkennt ist das wie ein Déjá-vu-Erlebnis, das sie dennoch nicht wahrhaben will.

Sie starrt wie in Trance auf die Steuerkabine des Riesentraktors und hofft insgeheim auf eine Fata Morgana, auf eine optische Täuschung, auf eine visuelle Halluzination.

Jutta macht die Augen zu und presst sie ganz fest zusammen, gleichzeitig kneift sie sich in den Oberschenkel.