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Wer schräge Gedanken hat, sieht die Welt wieder gerade. Mit dieser Weisheit im Herzen startet Philipp Kauthe die Humoriade und betrachtet unseren Alltag durch die fröhliche Brille. Der Autor fasst unsere Zeit mit gepfefferter Satire und scharf gewürzten Glossen zusammen. Da bleibt kein Auge trocken! Lesen Sie, warum der St. Nimmerleinstag gesetzlicher Feiertag wird, wer den Bachelor-Studiengang Entenfüttern belegt, warum Blitzer für Fußgänger aufgestellt werden und warum Marder so oft Nachtdienst haben.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 98
Veröffentlichungsjahr: 2020
Vor Beginn des Anfangs starten wir mit dem Auftakt
Mitleid mit Robotern!
Wöchentlicher Trainerwechsel
Strafzettel
Meetings
Rote Ampeln
St. Nimmerleinstag
Warnhinweise
Lange Nacht des Schlafes
Begeisterte Fans
Partygespräche
Rankingshows
Emotionen
Strumpf-Erlass
Das Orakel
Historischer Dopingfall
Motorgeräusche
Weihnachten wird verschenkt
Das Begrüßungs-NA
Magische Maschinen
Zertifikate
Flachwitz-Meldestelle
Sportskanone
Pfandsystem für Drogentütchen
Brief an die Nachbarn
Datenschutz für Wespen!
Zerstreute Menschen
Videoüberwachung
Ehrenpreise allerorten
Postkarte an die Oma
Zahlungsfreudige Kunden
Handtücher
Obacht bei Zusagen!
Mein Ofen lügt
Aber bitte ohne Qualität!
Wieso auf dem Teppich bleiben?
Wollen Sie es als Menü?
Autonomes Joggen
Beuteschau
Selbst ist der Kunde
Job-Rotation bei Tieren
Diskretion beim Bäcker
Wer sucht, der kauft
Die Kennzahlen müssen stimmen
Gen-Baby spricht kein Schwäbisch
Befristung wird befristet
Plastik jetzt auch mit Inhalt
Verkaufen ist alles
Warteschleifenband
Gespräche mit dem Kühlschrank
Weihnachtsmann tritt zurück
Stressige Schulzeit
Helft dem armen DAX!
Der 5-Minuten-Prozess
Überwachung durch Tauben
Inhaltsangabe bei Partnersuche
Tourismus am Elektromüllberg
Erneuertes Update
Neuer BA-Studiengang »Finanzhai«
Hacker-Kurse für Passwortloser
Durchgangsverbote für Säufer
Komiker sabotieren Bauprojekte
Fußballclub entlässt Fans
Auf Befehl der Geräte
Fasten vom Fasten
Cheese – Spaghetti – und klick!
Vögel sind zum Piepen
Panzer für Privatgebrauch
Raucher-Seminar
Hisst die Siegel!
Vernetzte Geräte
Studiengang »Entenfüttern«
Kunst des Federschwingens
Kampf gegen Terror-Hühnchen
Ärger mit Schnursenkeln
Invasion der Marder
»Folgen Sie mir unauffällig«
Erste Blitzer für Fußgänger
Smartphone mit Wählscheibe
Vegetarier-Kurs für Wölfe
Warum Pförtner Gänse lieben
Zugabe 1: Belehrung
Zugabe 2: Welch ein Gedicht
Die gute Nachricht zuerst: Sie können die 80 Glossen in diesem Büchlein in beliebiger Reihenfolge lesen. Das haben der Papst, der Geheimdienst CIA und das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes einhellig genehmigt.
Noch besser ist es, zunächst nur die Texte mit einer geraden Nummer zu lesen. Die Glossen mit ungerader Zahl sollten nur bei Nebel, Wolfsgeheul, Vollmond und nur von Menschen mit Sternzeichen Feierabend Aszendent Wochenende gelesen werden. Aber das ist nur eine Empfehlung, keine Pflicht.
Die schlechte Nachricht ist, dass es keine schlechte Nachricht gibt. Also blättern Sie am besten gleich um. Aber nehmen Sie bitte kein Blatt vor den Mund. Der Autor tut es auch nicht.
Es ist vollbracht! Unsere Zivilisation ist wieder einen Schritt weiter. Bislang soll es in einigen Industrienationen mancherorts durchaus üblich gewesen sein, Roboter in Seniorenheimen einzusetzen. Die Maschinen sollten den betagten Damen und Herren ein bisschen Gesellschaft leisten. Denn die Bewohner in Seniorenheimen fühlten sich ja häufig sehr einsam. Nun haben die Roboter aber menschliche Züge angenommen, brauchten demzufolge selbst immer mehr Hilfe – und genau dafür haben scharfsinnige Forscher und Politiker eine Lösung ausgeheckt. Künftig wird es Menschen geben, die einsamen Robotern Gesellschaft leisten.
Man stelle sich nur einmal das Leben eines Roboters vor: Eintönig, arbeitsreich, hart, entbehrend und ohne Freund und Gevatter. Doch jetzt halten sich landauf, landab mit Tatendrang angefüllte Bundesfreiwilligendienstler bereit. Die sozial engagierten Männer und Frauen sind künftig im Einsatz, um vereinsamten Robotern das Leben zu versüßen. Das tun sie in Werkshallen, an Fließbändern und in der Logistik. Sie dürfen den putzigen Maschinen Geschichten vorlesen (Roboter sollen am liebsten Science Fiction mögen), dürfen ihnen Lieder vorträllern und sie vor allem streicheln und liebkosen. Inzwischen ist gar angedacht, den in der Pflege eingesetzten Robotern täglich eine Stunde Pause zu gönnen. Während dieser Stunde sollen die Bundesfreiwilligen den Robotern eine Massage angedeihen lassen oder mit ihnen Rumba tanzen. Auch Meditationsräume für Roboter befinden sich mittlerweile im Bau. Ist es nicht herrlich, Zeitzeuge und Mitglied einer so fortschrittlichen Nation zu sein?!
Die Fußball-Bundesliga wird bald noch spannender, noch packender und noch mitreißender. Die Zeiten, da nur einmal im Monat irgendein Verein seinen Trainer gefeuert hat, waren ja langweilig und gehören Fortuna sei Dank der Vergangenheit an. Ein neuer Spielmodus sieht vor, dass die Vereine praktisch jede Woche einen neuen Trainer bekommen. Wie das funktioniert? Ganz einfach. Die Übungsleiter sind vertraglich nicht mehr an einen Verein, sondern an einen Tabellenplatz gebunden. Ein Trainer coacht also eine ganze Saison über die Mannschaft auf Tabellenplatz 4, egal welches Team diesen Platz nun gerade innehat. Das bringt Frische ins Geschäft. Oder möchten Sie in der S-Bahn jeden Tag vom selben Prüfer kontrolliert werden? Leihläden machen es uns doch vor: Dort können Kunden für drei Wochen gegen eine Leihgebühr ein Kleidungsstück erwerben und es anschließend wieder zurückgeben. Somit haben sie immer ein neues Outfit. Diese Rotation würde in der Bundesliga zu völlig neuen Gesprächen auf Trainerseminaren führen. »Wollen wir uns in drei Wochen in Dortmund auf ein Bier treffen? Ich bin zu der Zeit gerade BVB-Trainer.« - »In drei Wochen? Tut mir leid, da werde ich schon beim VfL Wolfsburg unter Vertrag sein. Aber die Woche darauf trainiere ich Schalke, das ist in der Nähe!« – »Das hilft leider nicht, bis dahin hat mich schon längst der VfB Stuttgart unter Vertrag genommen«. Und die darauffolgende Saison wird im deutschen Fußball noch spannender: Da werden die Fans in die Rotation eingebunden und wechseln wöchentlich die Mannschaft, der sie zujubeln. Bis es Schlagzeilen gibt wie: Hertha BSC Berlin trennt sich von seinen Fans.
Reden wir über eine Zeit, die Kinderherzen höher schlagen lässt. Die höchsten und heiligsten Tage, an denen sich üblicherweise die Familie versammelt. Das Fest der Liebe, der Gemeinschaft und des Beisammenseins: Ja, ich rede von der Fußball-Weltmeisterschaft. Während einer Fußball-WM tauschen kleinere Kinder, ältere Kinder und auch ganz alte Kinder, bekannt als Männer, untereinander Fotos der Fußball-Nationalspieler. Sie sammeln all diese Bilder und kleben sie dann in ein Heft. Nun ist es kein Geheimnis, dass Kommunen Geld brauchen. Wieso sollte man nicht die Festtage einer Fußball-WM, Tage also, an denen alle den kleinen Fotos der Fußball-Nationalspieler hinterherjagen, sinnvoll nutzen, um die Stadtkasse zu füllen? Das Konzept wäre ganz simpel: Falschparker werden bekanntlich mit einem Strafzettel, einem Knöllchen, sanktioniert. Nun ließe sich doch die Liebe der Männer zum Fußball nutzen, um die kommunalen Haushalte zu sanieren. Auf der Rückseite eines jeden Strafzettels müsste nur das Konterfei eines Nationalspielers abgedruckt sein. Und schon würden Millionen von Männern in den betroffenen Gemeinden absichtlich verkehrt parken. »Ede, warum stellst Du Deine Karre schon wieder ins Halteverbot?« – »Ich hoffe, endlich den Strafzettel mit dem Nationaltorwart auf der Rückseite zu bekommen. Der fehlt mir nämlich noch«.
Alle Garagen, alle Parkplätze und alle P+R-Häuser stünden leer. Die Halteverbote dagegen wären vollgestopft mit Autos. Die Stadt würde emsig Knöllchen verteilen und die Männer hätten nach wenigen Wochen konsequenten Falschparkens die Fotos der gesamten Nationalmannschaft beisammen. Manchmal kann es so einfach sein, fürs Allgemeinwohl zu sorgen.
Früher wurde in modernen Unternehmen gearbeitet. Die Belegschaft hat geschwitzt, geackert und malocht. Heute bleibt in Unternehmen für Arbeit einfach keine Zeit mehr. Dafür wird mehr geredet. Es ist eine neue Disziplin, die die Hochschulabsolventen nun in die Betriebe getragen haben. Diese Emporkömmlinge pflegen so genannte Meetings.
Ein Meeting beginnt in der Regel damit, dass ein Teilnehmer einen Vortrag über den momentanen Zustand des Unternehmens hält. Nach dem momentanen Zustand wird die aktuelle Situation beschrieben. Da mischen sich dann schon die anderen Teilnehmer ein. Daraufhin folgt der dritte Tagesordnungspunkt. Nach dem momentanen Zustand und der aktuellen Situation wird nämlich die vorherrschende Lage erörtert. Das ist der Punkt, der die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Da rauchen regelrecht die Köpfe. Dabei ist rauchen im Konferenzzimmer verboten. Egal!
»Phantastisch«, frohlockt der Unternehmenschef, »nun haben wir über den momentanen Zustand, die aktuelle Situation und die vorherrschende Lage gesprochen. Jetzt sollten wir uns noch über den derzeitigen Stand unseres Betriebes austauschen«. Wieder rauchen die Köpfe, und zwar so stark, dass die Rauchmelder abgedeckt werden müssen. »Einen Punkt haben wir aber noch gar nicht besprochen«, bemerkt ein Teilnehmer, »wir haben noch nichts über den Status Quo unseres Betriebes gesagt«. »Ein wichtiger Punkt«, gibt der Chef zu, »aber vorher sollten wir über die Ausgangsbasis debattieren«.
Jeder Augenblick des Lebens will genutzt sein. Carpe diem, heißt es seit Jahrtausenden. Nutze den Tag – und lerne immer wieder etwas hinzu. Wir dürfen keine Minute sinnlos verstreichen lassen. Eben dies nehmen sich mehrere Bundesländer zu Herzen. Sie haben neue Wege in der Weiterbildung ihrer Bürger aufgetan. Es ist hinlänglich bekannt, dass viele Bürger in Steuerfragen enorme Wissenslücken aufweisen. Doch jetzt gibt es eine Lösung.
Staatlich zertifizierte Kenner des Steuersystems sollen die Zeit an roten Ampeln nutzen, um die Autofahrer, die voller Ungeduld ihre Finger auf das Lenkrad trommeln lassen und gebannt auf die Ampel starren, mit einigen Paragraphen vertraut zu machen. So geschieht es regelmäßig, dass ich an roten Ampeln halte und daraufhin ein staatlich geprüfter Nachhilfelehrer an meine Scheibe klopft. Ich öffne das Fenster und er brüllt mich an: »Eine Pensionsrückstellung darf erstmals gebildet werden nach Eintritt des Versorgungsfalls für das Wirtschaftsjahr, in dem der Versorgungsfall eintritt. Paragraph 6a, Absatz 2, Einkommenssteuergesetz«. »Zu Befehl«, kreische ich zurück und im selben Moment hüpft mir der Lehrmeister auch schon von der Seite, denn die Ampel leuchtet nunmehr gelb und ich mache mich fahrbereit.
Schon an der nächsten Kreuzung verbietet mir erneut eine rote Ampel die Weiterfahrt, ich halte an und lasse einmal mehr das Seitenfenster herunter, denn schon sprintet ein weiterer Erzieher zu mir. Er ruft mir zu: »Zu den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit gehören neben Gehältern und Löhnen auch Wartegelder, Ruhegelder, Witwen- und Waisengelder. Paragraph 19, Absatz 2 – Einkommenssteuergesetz«. »Sehr wohl«, rufe ich zurück und schließe mein Fenster an der Fahrerseite des Autos, wiederhole dabei aber im Stillen für mich den eben gehörten Satz. Wie schön, dass wir Bürger selbst an einer roten Ampel noch etwas lernen können und die Wartezeit sinnvoll nutzen können«.
Freizeit ist etwas Wunderbares. Und bald werden viele von uns noch mehr Freizeit genießen können. Millionen Bürger unseres Landes bekommen einen zusätzlichen Urlaubstag. Im Landesparlament ist heute heftig darüber gestritten worden, ob der St. Nimmerleinstag gesetzlicher Feiertag werden soll. Die Regierung war sofort dafür: Der St. Nimmerleinstag sei so oft in aller Munde und habe allein dadurch eine solch überragende Bedeutung bekommen, dass an Arbeit an diesem Tage nicht zu denken sei. Vielmehr könnten die Bürgerinnen und Bürger endlich all die Dinge verrichten und Angelegenheiten in Angriff nehmen, die das ganze Jahr über liegen geblieben waren. Die Opposition war nach einigem Grummeln ebenfalls dafür, den St. Nimmerleinstag zu einem staatlichen Feiertag zu erklären. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dieser zwischen Heiligabend und dem 24. Dezember abzuhalten sei. Die Regierung wiederum erklärte sich damit promot einverstanden und somit ist schon absehbar, dass – sollte der St. Nimmerleinstag auf einen Donnerstag fallen – die meisten von uns ein verlängertes Wochenende genießen können.
Wir alle kennen die zehn Gebote. Und eines dieser Gebote lautet: Du sollst nicht rauchen. Dennoch latschen Millionen von Menschen mit einem Glühstängel zwischen ihren Zähnen durch diese Welt oder eilen in der Mittagspause auf die Terrasse an die frische Luft, um sich dortselbst nach einer erquickenden Sauerstoffzufuhr den Tabak durch den Rachen zu ziehen. Die Warnhinweise auf den Packungen haben ihren Zweck offensichtlich nur bedingt erfüllt.
