Hundert Jahre später - ROSENART - E-Book

Hundert Jahre später E-Book

ROSENART

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Beschreibung

Eine dystopische Erzählung über das Leben in hundert Jahren, doch es könnte auch bereits das Leben von heute gemeint sein, denn HUNDERT JAHRE SPÄTER legt den zeitlichen Ausgangspunkt nicht fest. Nur eines ist sicher, es ist spät, vielleicht zu spät. An einem unbekannten Ort, in einer fast unberührten und noch intakten Natur, finden sich Menschen zusammen, um in dieser abgeschiedenen Enklave zu überleben, nachdem sie einem weltweiten und brutalen Krieg entkommen sind. Als sich nach einigen Jahren die Dinge wenden und sich auch dieses kleine Paradies immer mehr zur Hölle verwandelt, kommt es zu einem Ereignis, das das irdische Leben aus den Angeln hebt.

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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2023

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ROSENART

Hundert Jahre später

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Copyright

Licht 1

Licht 2

Licht 3

Licht 4

Licht 5

Licht 6

Licht 7

Licht 8

Licht 9

Licht 10

Licht 11

Licht 12

Licht 13

Licht 14

Licht 15

Licht 16

Licht 17

Licht 18

Licht 19

EPILOG

Impressum neobooks

Copyright

© 2023 ROSENART

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Licht 1

Schon von weitem konnte man das Kind dort sitzen sehen, im Kontrast zum hellen Grün der Wiese und dem in Ocker leuchtenden Stein, durch die jäh aus den Wolken herausschießenden Sonnenstrahlen verwandelt in einen Schemel aus Gold, auf dem der magere Körper bequem Platz gefunden hatte.

Clove fühlte sich wie eine mit wenigen präzisen Pinselstrichen in ein bunt flirrendes Ölgemälde eingefügte Figur. Eine unwirkliche, traumartige Situation, die auch die kleine Gestalt wie einen im Hintergrund dunkel funkelnden Farbklecks erscheinen ließ, umhüllt von einem braunen Kaftan mit roten, geometrischen Mustern.

Trotz zögernder Schritte stand Clove von einem Moment auf den nächsten vor diesem kleinen Menschen und sah direkt in die großen Augen, ohne ein Zucken der Lider wahrzunehmen.

Das ist vielleicht meine neue Familie, dachte sich Clove.

Wie heißt du?

Der kleine Mund mit den vollen Lippen bewegte sich nicht. Die Augen, matt schimmernd in tiefem Braun, sahen durch Clove hindurch, ein Universum an stummem Leid.

Clove reichte dem Kind spontan die Hand. Ohne sichtbare Regung ergriff es sie, als sei das ganz selbstverständlich und als gehöre man schon immer zusammen.

Beide gingen, einander führend, die große helle und die darin verschwindende, kleine dunkle Hand, über einen Feldweg aus feuchtem Staub, voll mit groben Kieselsteinen, die kaum zu spüren waren. Das Vorwärtskommen war leicht, als würde man schweben, man musste nur die Beine bewegen und schon war man meilenweit weg.

Licht 2

Kaum angekommen, nur ein paar Schritte hinter einem hölzernen Torbogen, an dem ein Schild mit der Inschrift COME AND BE hing, da drehte sich das Kind zu Clove und sah hoch. "Amari" sagte es und die Stimme hatte etwas vom Timbre einer Katze, die es einem selbstbewusst dankt, dass man für sie da ist. Ein Klang, den man nicht einordnen konnte, berührend im Innersten, die vorbehaltlose Sympathie für alles Lebendige auf diesem Planeten offenbarte sich als selbstverständlich, wie ein und ausatmen.

Amari? fragte Clove und fügte, um das erneute Schweigen zu unterbrechen, hinzu Wir sind in COME AND BE.

Jemand näherte sich ihnen, sehr zögernd und vorsichtig Abstand haltend.

Clove kamen Bedenken, ob man hier willkommen war.

Doch das unverstellte Lächeln, die nach Herzlichkeit klingende StimmeSchön dass ihr da seid! Ich heiße Malthea ließen, trotz des über die Jahre zur Gewohnheit gewordenen Mißtrauenes, berechtigte Hoffnung zu.

Mit der erleichterten Antwort Ich bin Clove. Ich freue mich hier zu sein war die erste Hürde glücklich und unprätentiös genommen.

Malthea kam einen kleinen Schritt näher und beugte sich zum Kind hinunter. Es suchte Schutz hinter Clove und vergrub sein Gesicht im langen Mantel.

Das ist Amari sagte Clove und damit war der Name beschlossen.

Malthea ging ein Stück mit ihnen. Verstreut gab es Häuser, scheinbar ohne festgelegten Plan im Gelände verteilt, teilweise mit angelegten Gärten, Scheunen, landwirtschaftlichen Geräten und kleinen Photovoltaikmodulen.

Alles wirkte freundlich, da die Sonne noch immer schien und sich gegen den wochenlangen Regen durchgesetzt hatte. Dazwischen lagen Grünflächen, Felder, Bäume - eine Siedlung, angepasst an die Natur. Straßen waren keine zu sehen.

Es gibt noch viel Platz, sucht euch was aus sagte Malthea und ließ sie alleine. Wie zum Trost hörte man eine Amsel singen.

Clove ging mit Amari noch ein großes Stück weiter. Ab jetzt war jeder Schritt und jeder Stein unter den Schuhen zu spüren. Der Rücken tat weh, als der übervolle Rucksack endlich neben einer Buche auf den Boden glitt. Das ersehnte Ankommen verlor an Leichtigkeit. Mit dieser plötzlichen Müdigkeit das kleine, wenn auch unkomplizierte Zelt aufzubauen, schien unerträglich. Clove war inzwischen abgehärtet genug, um auch im Freien zu schlafen - aber ob man es dem Kind zumuten konnte?

Gut möglich, dass es bereits vier Jahre alt war und Selbstständigkeit gelernt hatte, um zu überleben.

Ohne zu fragen packte es das wenige Geschirr aus, Teller, einen Becher, Besteck. Ein Tuch, eigentlich Cloves Schal, breitete es auf dem Gras aus, verteilte zielstrebig alles darauf, was essbar war und setzte sich mitten hinein, nahm ein bereits geschnittenes Stück Brot und aß es mit großen Bissen, ohne den ernsten Gesichtsausdruck zu verlieren, die Augen ins Nirgendwo zum Himmel gewandt.

Clove beschloss den Frieden zu nutzen und das Zelt nun doch aufzurichten, die Routine ließ die Erschöpfung nicht zu sehr überhand nehmen.

Es ging also schnell und kaum war die Decke und der Schlafsack ausgebreitet, kroch Amari hinein, rollte sich zusammen und schlief sofort ein.

So entspannt und befreit wie in diesem Augenblick hatte Clove seit Ewigkeiten nicht mehr gelächelt. Ein Apfel war übrig, ein paar Nüsse, langsam kauend ließ Clove den Blick schweifen und kam zu dem Schluss, dass hier der richtige Platz war, um ein Haus zu bauen.

Licht 3

COME AND BE hatte alles, was zu einem Paradies gehören könnte. Die abgeschiedene, ausgedehnte Tallage, der sie begrenzende, bergige Mischwald, ein breiter, rauschender Bach, dessen Wasserstand dank des glücklicherweise üppigen Regens nach den zurückliegenden Wintermonaten noch immer hoch war. Sich hier zu erfrischen war Luxus, trotz der eisigen Temperatur. Die Klarheit des Wassers war ein einzigartiges Wunder, dem Clove nun, in die Knie gehend und sich mit beiden Händen diese Kostbarkeit ins Gesicht klatschend, huldigte. Amari stand, das Schauspiel stumm betrachtend, etwas höher am Ufer und ließ sich durch einladende Gesten Cloves dazu bewegen, hinunter zu klettern und zaghaft die Hände einzutauchen.

Nach etwa drei Tagen, nachdem sich eine Routine zwischen frühem Aufstehen und frühem Schlafen, zwischen dem Zubereiten einfacher Reis- und Bohnenmahlzeiten auf einem Campingkocher, dem Abkochen von Trinkwasser und dem notdürftigen Waschen der Wäsche am Bachufer ergeben hatte, beschloss Clove, Malthea aufzusuchen.

Es war Zeit mit dem Hausbau zu beginnen. Auch wenn der Sommer noch nicht begonnen hatte, die Möglichkeiten mussten früh genutzt werden.

Überlebensnotwendiges zu bekommen beruhte sowohl auf Glück, als auch auf der Hilfe und Solidarität anderer. Einzeln zu kämpfen blieb riskant.

Malthea war noch immer sehr herzlich, behielt aber die mindestens drei Schritte Abstand zu Clove und Amari, während sie besprachen, wie alles zu planen und zu finanzieren war.

Nicht weit von Maltheas Zuhause, wie alle Häuser aus Holz und Lehm erbaut, jedoch luxuriös mit weißer Farbe gestrichen, lebten Sid und Maja. Deren Haus, noch größer und beeindruckender, hatte außer weißen Wänden Fensterläden in leuchtendem Blau. Beide waren zuständig für das Bauen, mit aller Logistik, die das mit sich brachte. In Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Bewohnern von COME AND BE wurden in den umliegenden Wäldern vorzugsweise Fichten gefällt, das Holz mit einem Kaltblut namens CoolJack befördert, mit Handsägen kräftezehrend zugeschnitten, Wände und Dächer errichtet, Böden eingezogen, Feuer- und Herdstellen erbaut und nicht zuletzt Latrinen ausgehoben.

Unsicher genug gerettet zu haben, um das alles zu bezahlen, begann Clove zaghaft Tüten mit samenfesten Bohnen, Mangold, Erbsen, Rosen- Grün- und Weißkohl, Kürbissen, Möhren, Petersilienwurzeln, Thymian, Salbei, Liebstock, Koriander, Schwarzkümmel, Rapunzel Salat, Barbarakraut und Sonnenblumen auszubreiten.

Es ging darum einen Preis auszuhandeln, der sich danach richtete, was man besaß, was man entbehren konnte und was für den Aufwand in jedem Fall notwendig war.

Der wuchtige Holztisch war voll, Sid und Maja nahmen das Sortiment mit derselben herzlichen Freundlichkeit wahr, wie sie zuvor Clove und Amari, zwanglos und ohne Abstand zu halten, begrüßt und hereingebeten hatten. Entspannt lächelnd saßen sie ihnen gegenüber, noch ohne ein Wort darüber verloren zu haben, welcher Schatz da vor ihnen lag und wie hoch es zu bewerten war, so seltenes Saatgut gerettet zu wissen.

Clove überlegte, ob es vielleicht nur Taktik war und ob das goldene Armband, gegossen aus der Uhr eines vor langer Zeit lebenden, verwandten Menschen, als zusätzliche Zahlung notwendig sein würde.

Was die restlichen Samentüten in der Tasche betraf, auch sie sollten lieber übrig bleiben, um später nicht ausschließlich vom kärglichen Nahrungssammeln im Wald leben zu müssen.

Da fragte Sid endlich, mit Bewunderung in der Stimme, Wo hast Du die alle her so dass Clove aufatmete und den Schmuck und alles andere vorerst in der Tasche ließ.

Dort wo ich geboren wurde, nördliche Hemisphäre Breite 48°, östliche Länge 11°.

Sid und Maja überlegten kurz, nickten zufrieden und schienen im Bilde zu sein.

Leicht war es nicht das zu retten, aber wir nutzten jede Gelegenheit, möglichst lange normal weiter zu leben, es gab ein paar private Märkte, vereinzelte Einkaufsmöglichkeiten und sogar Land, um etwas anzubauen.

Darauf kam keine Antwort, niemand sprach etwas. Cloves Anspannung wuchs erneut. Als Familie - und das brachte dieses Kind ja mit sich - musste man ein echtes Zuhause, ein Dach über dem Kopf haben. Die beiden konnten den Preis hochtreiben, wie sie wollten.

Vielleicht aber, so dachte Clove, schweigen auch alle wegen den bösen Erinnerungen. Das Scheitern der guten Absichten, die Lügen, die Erpressungen, die Doppelmoral, das kollektive Versagen, die Illusionen, geplatzte Träume, Misstrauen, Vorurteile, Bürgerkriege, Angst vor den eigenen Nachbarn, Desorientierung, Krieg, Raub, der Verlust des Zuhauses, der Heimat, der Hoffnung und Zukunft, der Wegfall von Logik.

Dann endlich schlug Maja vor, dass man mit dieser Anzahlung durchaus beginnen könnte, aber dass Clove sich darauf einstellen sollte, den am Bau Beteiligten noch mit Dienstleistungen entgegen zu kommen. Zum Beispiel Mel, zuständig für die Holzbeschaffung, hatte ein Baby, das jemanden brauchte zur Versorgung und zum Geborgensein.

Selbstverständlich war Clove bereit dazu, nichts lieber als das!

Unter der Option, dass es also noch Sachleistungen und Eingeständnisse geben müsse, wurde der Bau des Hauses per Handschlag beschlossen.

Licht 4

Es dauerte bis zum Herbst und Clove, nach Monaten mit Zehn - bis