12,99 €
Ehrlich, fachlich kompetent und kritisch schildert Holger Seuß seine dramatischen Erlebnisse und Erfahrungen als (Koma-)Patient nach einer schweren Herzoperation. Er beschreibt den steinigen und tränenreichen Weg von der Intensivstation bis zum Wiedereinstieg ins Berufsleben. Parallel dazu erfährt der Leser, wie seine geliebte Frau Doris die harte Zeit erlebte und welche erschütternden Beobachtungen sie machte. Der Autor ist selbstständiger Physiotherapeut, er hinterfragt tabulos Paradigmen des Gesundheitswesens und lässt der Leserschaft zwischen den Zeilen viel Raum, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Nicht zuletzt macht seine Geschichte anderen Betroffenen Mut. Sie will dazu ermuntern, ärztliches und therapeutisches Handeln zu hinterfragen und dem eigenen Gefühl stärker zu vertrauen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2023
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2023 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99146-149-4
ISBN e-book: 978-3-99146-150-0
Lektorat: Susanne Schilp
Umschlagfoto: Vita Popova | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Widmung
Dieses Büchlein widme ich meiner geliebten Frau Doris, die als Co-Autorin und Lektorin superfleißig war, meinen geliebten Kindern Jan-Philip, Johanna und Frederik sowie allen, die mich in der Zeit meiner Abwesenheit ehrlich vermisst haben und uns in Gedanken, Gebeten und Hilfestellungen für meine Frau unterstützt haben!
Weiterhin muss ich dem Kardiologischen OP-Team des Klinikums Bayreuth von Herzen danken. Was sie an mir geleistet haben, es verdient Hochachtung!
Meine Mädels von der Praxis haben wie selbstverständlich Mehrarbeitsstunden in Kauf genommen, um den Betrieb weiter am Laufen zu halten und meine Frau mit Optimismus unterstützt, als noch nicht sicher war, ob ich jemals wieder auf die Beine kommen würde. Ihr seid toll! Ich bin so glücklich, dass ich mit Euch noch kommunizieren darf!
Euch allen sei von ganzem Herzen gedankt!
Einleitung
Dies ist der Versuch einer Verarbeitung der Geschehnisse, die mich seit Oktober 2021 verfolgen und mein Leben, speziell mein Gefühlsleben, komplett umgekrempelt haben. Bei der Niederschrift und bei jedem Korrekturlesen schießt mir selbst immer wieder das Wasser in die Augen. Die Erlebnisse, die meine liebe Frau Doris und ich in den Zeiten der intensivmedizinischen Betreuung aus so unterschiedlicher Perspektive beschreiben, scheinen manchmal widersprüchlich zu sein, entsprechen aber unserer persönlichen Wahrnehmung und den Aufzeichnungen meiner Frau. Um einen objektiven Rahmen zu schaffen, habe ich die mir zugänglichen Fakten aus den Unterlagen der Kardiologischen Klinik ergänzend eingefügt.
Ich möchte nicht als „Klugscheißer“ verstanden werden, wenn ich auf Erlerntes, Erfahrungen, Gelesenes und Beobachtungen aus über 35 Jahren Berufspraxis zurückgreife, die mein Leben und meine Wahrnehmung geprägt und beeinflusst haben. Allerdings glaube ich, dass Mitmenschen mit unterschiedlichsten Hintergründen etwas mit dieser Niederschrift anfangen können und daraus Anregungen, Hoffnung und Erfolgsorientierung mitnehmen. Ich würde mir wünschen, dass an entsprechenden Stellen ein Umdenken und eine Neuorientierung stattfinden, um ähnlich Betroffenen gleichartige Erfahrungen zu ersparen!
Die „Zeit der Dunkelheit“ bitte ich langsam und bewusst wirken zu lassen, um die einzelnen Gedanken, die mein Gehirn, als es wieder aus dem Koma zurück war, zermartert haben, wurden entsprechend Leerzeilen eingefügt. Es könnte sein, dass Sie ein paar Taschentücher benötigen werden!
Rück- und Ausblick
Hintergrund für das Schreiben dieses Büchleins war die Tatsache, und da klopfe ich auf Holz, dass es mir mittlerweile knapp ein Jahr nach meiner Operation so gut geht, dass ich es im Grunde kaum fassen kann. Was mir an Lebenszeit noch zur Verfügung steht, ich weiß es natürlich nicht! Meine Frau bat mich, meine aktuelle Situation im Vorfeld zu schildern, um nicht die geneigte Leserschaft durch Schilderung der Geschehnisse abzuschrecken, sondern auf eine Perspektive zu verweisen. Zur Beschreibung meiner momentanen Verfassung muss ich etwas weiter ausholen. Ich bin seit über 35 Jahren in der Physiotherapie tätig, anfänglich als Masseur und medizinischer Bademeister, auch in leitender Lehrtätigkeit, seit 1997 als Physiotherapeut, und ich betreibe Osteopathie seit über 20 Jahren, seit 1999 in eigener Praxis. Bereits im Jahr 2002 rutschte ich morgens um halb sechs über eine Stufe in unserem Haus. Die von mir selbst vor Ort und später röntgenologisch bestätigte Diagnose lautete Tibiaspiralfraktur, also ein Drehbruch des Schienbeinknochens, wegen meiner eigenen Einschätzung hatte ich keinen Versuch aufzustehen unternommen, also lagen alle Knochenfragmente an Ort und Stelle. Fünf Monate nach der Operation stellte sich eine Blutvergiftung heraus, die auf Eiter gelagerte Metallplatte wurde entfernt, sechs weitere Eingriffe mit Spülung und Antibiose folgten und nach vier weiteren Monaten war mein Schienbeinknochen trotz wöchentlich zweier Nachbehandlungstermine immer noch ohne Hautüberzug, es verblieb eine spindelförmige Öffnung von etwa zwölf Zentimeter Länge. Ich nahm die Behandlung selbst in die Hand und nach zwei Umschlägen mit desinfizierendem Teebaumöl und zweimaliger Honigauflage ist die Wunde seitdem verschlossen. Es verblieb eine hässliche eingezogene Narbe, aber immerhin besser, als keinen Unterschenkel mehr zu haben! Heute würde ich das nicht mehr operieren lassen, aber in jenen Tagen hatte ich noch mehr Vertrauen in ärztlich verordnete Maßnahmen.
Mein gesundheitlicher Zustand in den letzten Jahren verschlechterte sich zunehmend, ein großes Arbeitspensum und die Unfähigkeit, nein zu sagen, prägten mein Berufsleben. Mit der Zeit nahmen allgemeine Lustlosigkeit, Nachlassen der Kreativität, Antriebslosigkeit und bleierne Müdigkeit immer mehr zu. Zwar hatte ich grundsätzlich noch Freude an der Arbeit, aber insgeheim wünschte ich mir ein halbes oder dreiviertel Sabbatjahr, um in Büro, Haus und Garten dringend anstehende Arbeiten planvoll erledigen zu können. Von Familienleben wollen wir hier nicht sprechen! Unsere wohlgeratenen Kinder Jan-Philip, Johanna und Frederik können ein Lied davon singen, dass der Papa teilweise von 7 bis 22 Uhr in der Praxis arbeitete, die Nächte mit Büroarbeit verbrachte und nur am Wochenende für den einen oder anderen Familienausflug zur Verfügung stand. Diese Beobachtungen mögen wohl der Grund dafür sein, dass keines meiner Kinder beruflich in meine Fußstapfen getreten ist. Ein zweiwöchiger Urlaub pro Jahr und unzählige Wochenenden mit anspruchsvollem Fortbildungsprogramm ohne Freizeitausgleich waren die Normalität. Zeit fürs notwendige Lernen für zum Beispiel das Examen in der Osteopathie war nicht vorhanden. Außerdem stand und steht ein schon zehn Jahre altes alternatives Rückenschulkonzept kurz vor der Fertigstellung. Inzwischen wird es durch ein Beckenstabilisationsprogramm ergänzt, das mir wegen schmerzhafter Eigenerfahrung nun besonders am Herzen liegt. Aber durch chronischen Personalmangel und das irrige Gefühl, in der Praxis unentbehrlich zu sein, schlitterte ich auf ein, den Begriff verwende ich nur ungern, Burnout-Syndrom zu. Wahrscheinlich war ich schon jahrelang davon betroffen, aber ich habe den Absprung einfach nicht geschafft, konnte aus der Tretmühle nicht entkommen, weil ich mich gar nicht mehr richtig einzuschätzen verstand. Ich würde mir sehr wünschen, vielen Menschen ähnliche Erfahrungen ersparen zu können!
Der Erreger, der mein Herz befiel, stammt wahrscheinlich aus dem Mundraum, aber ich wüsste nicht, bei welcher Gelegenheit er in die Blutbahn hätte gelangen sollen. Chronische bleierne Müdigkeit machte mir schwer zu schaffen, aber auch die Schilddrüse war unauffällig. Sobald ich ohne Aufgabe oder Ansprache saß, schlief ich ein. Selbst im Stehen ertappte ich mich manchmal, ein paar Augenblicke weg gewesen zu sein. Längere Autofahrten überließ ich gerne meiner Frau, die in dieser Phase auch keinen Ausweg wusste, ebenso wenig wie der Hausarzt. Geschwollene Beine und beständige Unterschenkelentzündungen plagten mich außerdem.
Ärztliche Einschätzungen und Maßnahmen enttäuschen mich schon lange, haben mir schon in der Vergangenheit ordentlich körperlichen Schaden zugefügt und etliche medizinische Paradigmen halte ich nach eigenen Erfahrungen und kritischen Beobachtungen mittlerweile für ausgemachten Unfug, nicht logisch, der Physiologie widersprechend, auf Annahmen basierend, seit Generationen unreflektiert gelehrt und gelernt und an Körperverletzung grenzend, aber dieses Thema würde allein ein Buch füllen!
