Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Lumo ist nicht wie die andere Maulwürfe: Für ihn ist die Welt nicht grau, sondern voller Farben und Licht. Doch niemand schenkt ihm Glauben – er wird als Lügner ausgelacht und verspottet. Anders zu sein als andere, macht ihn einsam. Als seine Heimat durch den Bau einer Straße zerstört und er von seinen Eltern getrennt wird, macht er sich auf den Weg, um herauszufinden, wer er wirklich ist. Für Lumo beginnt eine abenteuerliche Reise, auf der er die Vielfalt der verschiedenen Welten in ihrer ganzen Pracht erlebt. Er erkennt, dass er ein Lichtbringer ist und dieses wunderbare, heilsame Licht seines Herzens allem Leben schenken kann. Lumos Suche nach seiner Bestimmung, seinem wirklichen Selbst, kann der Schlüssel zu unseren Herzen sein. Sofern wir bereit sind, unserer Seele zu begegnen und deren Reichtum und Fülle leben wollen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
URSULA KUPFERSCHMID, geboren 1961, wuchs auf einem einfachen Bauernhof im Bieler-Seeland auf. Viele Jahre arbeitete sie in ihrem erlernten Beruf und führte ein gut gehendes Geschäft. Beruf und Familie mit zwei Kindern erfüllten sie voll und ganz.
Als anhaltende gesundheitliche Probleme sie dazu zwangen, ihren geliebten Beruf aufzugeben, führte diese schwierige Situation sie zu einer neuen Chance.
Sie absolvierte verschiedene Ausbildungen im Bereich Märchenerzählerin sowie Heil- und Symbolarbeit mit Märchen. Durch diese Ausbildungen fand sie immer mehr zu sich selbst und es öffnete sich ihr das Reich der Geschichten, die sie heute erzählt und aufschreibt.
Obwohl er der winzigste des Wurfes war, überlebte er als einziger die schwere Geburt. Sein Bruder und seine Schwester waren, kaum dass sie die nackte Erde berührt hatten, gestorben.
Der Winter war hart, und dass ein Maulwurf um diese Zeit gebar, ausser-gewöhnlich. Normalerweise brachten Maulwürfe ihre Jungen im Frühling zur Welt, dass zwei von den drei Jungen starben, erstaunte niemanden.
So war nun mal das Leben, manchmal voller Trauer, doch oft auch voller Glück und Freude. Die Maulwurfmutter war noch jung, sie würde noch viele Junge gebären können.
Die frischgebackene Maulwurfmutter liess sich von all den trüben Gedanken ihrer Sippe nicht beirren. Sie freute sich, dass eines ihrer Kinder diese schwere Geburt überstanden hatte. Sie gelobte sich, ihren Sohn zu pflegen und zu hegen, damit er gross und kräftig heranwachsen konnte. Er war etwas Besonderes, das spürte sie, denn der Kleine war von einem eigenartigen Licht umgeben. Niemandem ausser ihr schien dies aufzufallen. »Lumo sollst du heissen, ja, dieser Name passt zu dir«, flüsterte sie zärtlich.
Kaum, dass Lumo richtig gehen konnte, fragte er seine Mutter: »Wo kann ich denn all die leuchtenden Farben finden?«
»Was meinst du, mein Liebling?«
»Na die leuchtenden, strahlenden Farben! Und wo ist denn die Welt über der Erde?«, ereiferte sich Lumo.
»Ich kenne diese Farben nicht, wer hat dir davon erzählt?«
»Viviana hat mir all die leuchtenden Farben gezeigt, sie hat mir auch beigebracht, wie sie heissen.«
»Lumo«, sprach die Mutter mit strenger Stimme, »dies alles denkst du dir doch nur aus. Da, wo wir Maulwürfe leben, gibt es keine geheimen Orte an denen Farben existieren. Bei uns sieht es überall gleich aus, es ist dunkel.«
»Doch, doch Mutter, jedes Mal, wenn ich mich schlafen lege, kommt Viviana und bringt mich zu all diesen wunderbaren Farben.«
»Ach, du Dummerchen«, rief die Mutter erleichtert, »was du erlebst, sind nur Träume. Auch deine Viviana ist ein Traum. Was du siehst, entsteht aus deiner Fantasie.«
Doch Lumo liess sich nicht beirren. Überall erzählte er von den vielen glanzvollen Farben und den lichtvollen Orten, zu denen Viviana ihn führte.
Die älteren Maulwürfe belächelten ihn milde. Doch die anderen Maulwurfkinder fingen an ihn zu hänseln, sie lachten ihn aus und verspotteten ihn, nannten ihn gar einen Lügner.
Lumo wurde traurig, niemand konnte ihn verstehen. Dabei war das Leben im hellen Licht der Farben so schön. Wenn seine Mutter nicht gewesen wäre, so hätte er am liebsten für immer bei Viviana unter all den Farben gelebt. Doch Lumo liebte seine Mutter über alles, er wollte sie nicht verlassen.
Eines Tages sprach diese: »Weisst du, Lumo, in deinem Alter habe ich auch viel geträumt, mein Vater hat mich dann einmal in die Welt über der Erde mitgenommen. Dahin gehen nur die mutigsten von uns Maulwürfen. Ich denke, es ist Zeit, dir den Ort oberhalb der Erde zu zeigen.«
Lumo war sehr aufgeregt, endlich durfte er die Welt des Lichts sehen. So wie Viviana erzählt hatte, war sie unendlich gross. Eine Berührung der Sonnenstrahlen brächte prickelnde Lebenskraft, ihre Wärme brächte Geborgenheit und unermessliche Liebe.
Doch als Lumo seinen Kopf aus der Erde streckte, konnte er nichts sehen. Alles war nur grau. So sehr er sich auch anstrengte, nirgends war etwas von den leuchtenden Farben zu sehen.
»Siehst du, mein Liebling«, sprach seine Mutter liebevoll, »wir Maulwürfe sind nicht für ein Leben oberhalb der Erde geschaffen, wir sind fast blind. Unter der Erde spielt dies keine Rolle, da ist es sowieso dunkel.«
»Wenn Viviana mich mitnimmt, dann kann ich alles ganz deutlich erkennen, da ist es nicht grau wie hier, bitte, glaube mir doch«, rief Lumo verzweifelt.
»Das tue ich, mein Liebling, aber was auch immer du mit deiner Viviana erlebst, das geschieht in deiner Fantasie, du träumst. All dies gibt es für uns Maulwürfe nicht. Es ist Zeit, erwachsen zu werden, verantwortungsbewusst und stark wie dein Vater. Einmal wirst du eine Familie gründen wie ich, so tun es alle Maulwürfe.«
Lumo wurde sehr traurig, sollte er wirklich alles nur geträumt haben, erfunden, um Aufmerksamkeit zu erlangen? So hatte es sein Vater genannt:
»Lumo, ich will nichts mehr von diesen Lügen hören, du bist ein Maulwurf wie ich, wie es alle unserer Sippe sind. Es gibt hier unter der Erde kein Licht und schon gar keine Farben und von den anderen Dingen, die du erzählst, davon habe ich noch nie gehört. Mit all deinen Lügengeschichten suchst du nur Aufmerksamkeit. Doch jetzt ist Schluss damit, lerne selbst Nahrung zu suchen, du bist jetzt alt genug.«
Weil alle ihn einen Lügner nannten, zog Lumo sich in sich zurück und erzählte nie mehr von der Welt, die Viviana ihm zeigte.
Doch mit der Zeit wurde er einsam, er wünschte sich Freunde, mit denen er spielen und lachen konnte. Lumo wünschte sich zu sein wie all die anderen und weil dieser Wunsch immer grösser wurde, verschloss er das Tor zu seinen Träumen. Vivianas Stimme, die ihn rief, entfernte sich immer mehr, bis er sie nicht mehr hören konnte. Das geheimnisvolle Licht, das ihn seit seiner Geburt umgeben hatte, wurde blasser, bis es nicht mehr zu sehen war.
Jetzt war Lumo ein richtiger Maulwurf geworden, so wie seine Eltern es sich gewünscht hatten.
Eines Tages bauten die Menschen eine neue Strasse. Mit grossen Baggern gruben sie die Erde auf, auch an der Stelle, wo Lumo mit seinen Eltern lebte. Alle Maulwürfe flüchteten aus ihren Behausungen unter der Erde und in dem Tumult, der entstand, wurde Lumo von seinen Eltern getrennt.
Verängstigt suchte der kleine Maulwurf Schutz zwischen den Wurzeln einer Eiche. Er schmiegte sich an deren Wurzelstock und schlief bald vor Erschöpfung ein. Doch es war kein erholsamer Schlaf. Immer wieder schreckte er hoch, die Erinnerung, wie die Erde sich aufbäumte und alles zerstörte, was ihm lieb war, liess ihn nicht los. Obschon ihm kalt war und der Hunger ihn plagte, wagte Lumo es nicht, sich von der Stelle zu rühren. Das Wurzelreich des grossen Baumes schien ihm der einzig sichere Ort zu sein.
Grässliche Gedanken, die wie riesige Monster nach ihm schnappten, lies-sen ihn nicht in Ruhe. Waren seine Eltern tot, gestorben wie so viele Tiere, die im Erdreich lebten? Tränen der Angst und der Trauer rannen über sein Gesicht.
»Aber, aber«, vernahm Lumo eine tiefe Stimme, »warum weinst du denn?«
Augenblicklich hörte Lumo auf zu weinen. »Wer spricht denn da?«, schniefte er.
»Na ich«, antwortete die tiefe Stimme.
»Wer ist denn ich?«, fragte Lumo, nun neugierig geworden.
»Der Baum zu dessen Füssen du jetzt liegst. Erzähle mir, was ist geschehen?«
»Ich habe meine Eltern verloren, mein Zuhause ist zerstört, ich bin jetzt ganz alleine und habe Angst. Wer hat all das nur getan?«, klagte Lumo und erneut liefen Tränen über sein Gesicht.
»Ja, so ist es auf dieser Welt. Du, Lumo, kennst nur das Reich in der dunklen Erde. Weisst du, es gibt auch eine Welt über der Erde. Sie ist wunderschön, voller Farben, doch birgt sie viele Gefahren. Die Menschen leben da, sie haben über deinem Zuhause eine Strasse gebaut. Vor ihnen muss man sich in Acht nehmen, den meisten ist nämlich nicht mehr bewusst, wie viel Leben existiert, was Leben wirklich ist. Sie haben es vergessen. Oft sind sie sehr ungeschickt, dabei wäre alles so einfach. Doch Einfachheit ist wohl nicht interessant genug. Sie streben nach dem Komplizierten, das können sie dann mit ihrem Verstand verstehen lernen.«
»Du weisst, wer ich bin?«, unterbrach Lumo des Baumes Reden.
»Ja Kleiner, dich kenne ich wohl. Deine Geschichten sind bis zu mir gedrungen. Was habe ich mich amüsiert. Doch plötzlich wurde es still, warum, fragte ich mich.«
»Meine Eltern sagten, ich würde nur träumen, all die Farben und die Dinge, die ich erlebe, gäbe es nicht wirklich, die würden nur in meiner Fantasie existieren. Niemand konnte mich verstehen, geschweige denn mir sagen, wo ich all das Wunderbare finden konnte. Sie haben über mich gelacht, ich fühlte mich einsam und plötzlich waren die Träume weg, die wunderbaren Farben habe ich nie mehr gesehen.«
»Das ist schade«, meinte der Baum, »weisst du, in der Welt über der Erde gibt es viele Farben, sie sind genauso strahlend wie die in deinen Träumen. Nur weil die anderen Maulwürfe sie nicht sehen konnten, heisst das nicht, dass es sie nicht gibt.«
