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Zweimal im Jahr, mitten in der Nacht in der dunklen Schweinfurter Johanniskirche: Ein Lichtstrahl beleuchtet eine einzelne Figur. Sie scheint zu erwachen. Erzählt aus ihrem Leben, klagt, lobt Gott, predigt und verzagt auch manchmal. Andere Figuren und Kunstwerke stimmen ein. Literarische Texte aus allen Epochen verweben sich im Dunkel mit leiser Musik. Zur Ruhe kommen im Dunkel der Nacht. Nachdenken über Fragen des eigenen Lebens. Den Kirchenraum neu entdecken. Kirchenführung, Advents- oder Passionsandacht, literarische Lesung, Liederabend: Die Schweinfurter „Klänge in der Nacht“ haben von all diesen etwas und sind doch mehr als das. In diesem Buch finden Sie Texte, die für die ersten zehn „Klänge in der Nacht“ geschrieben wurden. Zum Nachlesen und Nachspüren. Zum Träumen und Hoffen. Ein ungewöhnlicher Zugang zur Kunst, nicht nur für Schweinfurter.
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Seitenzahl: 82
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Zweimal im Jahr, mitten in der Nacht in der dunklen Schweinfurter Johanniskirche: Ein Lichtstrahl beleuchtet eine einzelne Figur. Sie scheint zu erwachen. Erzählt aus ihrem Leben, klagt, lobt Gott, predigt und verzagt auch manchmal. Andere Figuren und Kunstwerke stimmen ein. Literarische Texte aus allen Epochen verweben sich im Dunkel mit leiser Musik.
Zur Ruhe kommen im Dunkel der Nacht. Nachdenken über Fragen des eigenen Lebens. Den Kirchenraum neu entdecken. Kirchenführung, Advents- oder Passionsandacht, literarische Lesung, Liederabend: Die Schweinfurter „Klänge in der Nacht“ haben von all diesen etwas und sind doch mehr als das.
In diesem Buch finden Sie Texte aus den ersten zehn „Klängen in der Nacht“. Zum Nachlesen und Nachspüren. Zum Träumen und Hoffen. Ein ungewöhnlicher Zugang zur Kunst, nicht nur für Schweinfurter.
Heiko Kuschel ist evangelischer Pfarrer in Schweinfurt. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.
Passion 2010
Mose
Junker Wolff von Steinau Steinrück
Rosette
Maria
Gedanken zum Magnificat
Altarbild in St. Johannis
Advent 2010
Mose
Johannes der Täufer
Taufstein
Blauer Engel
Krippe
Passion 2011
Mose
Lukas
Vierung der Kirche
Kreuzigungsbild von Emil Scheibe
Johannes im Kreuzigungsbild
Kruzifix im Chorbogen
Osterkerze
Advent 2011
Mose
Der Engel an der Kanzel
Der Heilige Geist
Die Tür
Altarbild: der Tod
Maria
Weißer Engel
Roter Engel
Passion 2012
Mose
Johannes an der Kanzel
Foto der Schule
Hoffnungsbaum
Maria (Marienkapelle
)
Advent 2012
Mose
Der Engel auf dem Kanzeldeckel
Taufstein: Petrus und der Schlüssel
Die alten Orgeln
Stille
Sonne in der Vierung
Der weiße Engel
Frieden!
Passion 2013
Mose
Herrenchor
Sehnsucht
Andreas
Grabmal Amalia von Pomersfelden
Stuhlschildchen
Was bleibt?
Grabmal Margaretha von Wenkheim
Advent 2013
Mose
Der Engel an der Kanzeltreppe
Das geteilte Gewölbe
Zerstörtes Wappen
Chorraum: Maria und das Jesuskind
Rose am Stamm
Der Engel mit dem Rosenbogen
Passion 2014
Mose
Andreas
Märtyrergebet
Reichsvogt Konrad von Seinsheim
Johannes der Täufer
Kreuz-Fresko
Und ich träumte
Altarbild: Der Auferstandene
Advent 2014
Mose
Lukas
Adventsvorbereitungen
Grabmal Graf Christoph Carol Schlick
Der Graf
Before I die
Der Hauch des Todes
Johannes der Täufer
Gottes Lamm
Petrus
Der Engel mit dem Rosenbogen
Abläufe
Klänge in der Nacht 19.3.2010 21:00
Klänge in der Nacht 10.12.2010 20:00
Klänge in der Nacht 18.3.2011 21:00
Klänge in der Nacht 9.12.2011 20:00
Klänge in der Nacht 9.3.2012 21:00
Klänge in der Nacht 7.12.2012 20:00
Klänge in der Nacht 8.3.2013 21:00
Klänge in der Nacht 13.12.2013 20:00
Klänge in der Nacht 4.4.2014 21:00
Klänge in der Nacht 5.12.2014 20:00
Danke
Abbildungen
Literatur
Mehr von Heiko Kuschel
Die Ringe sind im Auto
Plötzlich bist du da
Die Sonne ist ein Säugetier
Ich bin Mose. Vor über dreitausend Jahren führte ich das Volk Gottes aus der Sklaverei in die Freiheit. Am Berg Sinai sprach ich mit Gott. Von Gott, so erzählt eure Bibel, bekam ich die Zehn Gebote. Gebote, die euch Freiheit schenken sollten. Frei von Angst, frei von Schuld solltet ihr leben können. Wie wäre euer Leben, wenn alle sich daran halten würden?
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
Du sollst den Feiertag heiligen.
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.
Die Zehn großen Freiheiten hat man sie genannt, diese Gebote. Wie frei, wie unbeschwert wäre euer Leben, wenn ihr euch daran halten würdet! Doch was tut ihr? Neidisch seht ihr auf das, was der andere hat. Ihr stehlt. Ihr tötet. Ihr betet das Geld an, den Erfolg, die freie Marktwirtschaft. Ihr unterdrückt die Armen.
Sündig seid ihr. Ihr missbraucht eure Freiheit. Habt euch abgesondert von Gottes Willen. Lebt nicht so, wie Gott euch gewollt hat.
Ich bin Mose. Vor über dreihundert Jahren stellte man mich unter diese Kanzel. Als ein Zeichen für die Menschen: Die Predigten hier, sie stehen auf dem Grund der Zehn Gebote. Die Predigten, die hier gehalten werden, sie fußen auf dem Alten Testament. Ihr habt gemeinsame Wurzeln mit dem Judentum. Manchmal, in eurer Geschichte, da wäre es gut gewesen, ihr hättet auf dieses Zeichen geachtet.
Ich bin Mose. Vor über dreihundert Jahren stellte man mich unter diese Kanzel.
Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich die ganze Welt auf meiner Schulter tragen.
Große Aufgaben hatte Gott mir gegeben.
Ein großer Prophet sollte ich sein.
Ein Bote Gottes.
Heute noch eine Stütze der Predigt auf dieser Kanzel.
Nicht immer war ich dem gewachsen.
Hatte Angst.
Zweifelte und suchte meinen eigenen Weg.
Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich die ganze Welt auf meiner Schulter tragen.
All die Schuld.
All das Leid.
Die schweren Gedanken.
Die unerreichten Ziele.
Die ungesprochenen Worte.
Die gesprochenen Worte, die jemanden verletzten.
Den Neid.
Den Hass.
Die Armut dieser Welt.
Wer trägt mich?
Wer fängt meine Tränen auf?
Gestatten, Junker Wolff von Steinau Steinrück mein Name, genannt von Schweinfurt. Viel ist nicht von mir bekannt, nur dieses Grabmal zeugt von meiner Existenz. Mein Leben habe ich gelebt als Kämpfer.
Euch mag das seltsam vorkommen. Doch zu unserer Zeit war das etwas Besonderes. Ein Privileg. Immer hatte ich Gutes im Sinn. Wollte edel leben. Wollte das Evangelium verbreiten. Den Menschen helfen. Nun, am Ende meines Lebens, lege ich meinen Helm ab. Lege ihn vors Kreuz. Schaue auf zu meinem Herrn Jesus.
„Spes mea Christus“, Christus ist meine Hoffnung: So steht es auf dem Spruchband zwischen Jesus und mir. Ich frage ihn, meinen Herrn und meine Hoffnung: Hatte mein Leben einen Sinn? Zu dir, Jesus, will ich kommen. Am Ende sagen können: Es war für dich, mein Leben, und es war gut. Wirst du mich annehmen? Werde ich bei dir sein können? Bin ich bei dir? 425 Jahre bin ich nun schon tot. Was bleibt?
Kreisrund, lichtdurchbrochen, mitten im Dunkel. Jetzt, in der Nacht, verirren sich nur wenige Lichtstrahlen durch die Rosette. Nehme ich sie noch wahr? Habe ich noch Augen für das bisschen Licht, das hier in diese Kirche strahlt?
Kreisrund, lichtdurchbrochen, mitten im Dunkel. Schon immer stand der Kreis, die vollkommenste geometrische Figur, für Gott. Er symbolisiert die Vollkommenheit der sich nach allen Seiten verbreitenden Liebe Gottes.
Die Verzierungen lenken meinen Blick auf das Zentrum. Ich komme zur Ruhe. Halte die Dunkelheit und Stille aus, die so ungewohnt ist. Ich frage: Was ist mein Zentrum? Was macht mein Leben vollkommen? Wo gehöre ich hin?
Kreisrund, lichtdurchbrochen, mitten im Dunkel. Mein Leben ist nicht vollkommen. Es ist nicht wie dieser Kreis. Oft ist es dunkel in meinem Leben. Doch durch das Dunkel, das Wirrwarr, bricht das Licht von Gottes Liebe. Kann ich es noch wahrnehmen? Ich komme zur Ruhe und nehme in der Stille mein Leben wahr.
Maria ist mein Name. Ein einfaches Mädchen war ich, doch kaum jemand ist heute auf so vielen Statuen und Bildern abgebildet wie ich. Mutter Gottes, so nennt ihr mich. Auch in der evangelischen Kirche habe ich meinen Platz. Keinen so bedeutenden wie bei euren katholischen Mitchristen. Aber doch bin ich da. Kann selbstverständlich hier stehen, neben dem Evangelisten Johannes, dem Täufer Johannes und Bischof Kilian. Ich stehe hier und erinnere euch daran: Gottes Sohn ist Mensch geworden. In meinem Leib. Ich habe ihn geboren. Welch ein Wunder! Gott kommt mitten hinein in unsere Welt.
Ein Engel hat es mir verkündet. So erzählt es der Evangelist Lukas. Und dieses große Wunder, es hat mich ergriffen. Ich fing an zu singen und Gott zu loben. Leidenschaftlich, hingerissen, stolz, begeistert: So hat Dietrich Bonhoeffer mich beschrieben, und ja, das war ich. Doch hört mein Lied. Leidenschaftlich, hingerissen, stolz, begeistert. Ich singe es für euch.
Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.1
Ehre sei dem Vater und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gott. Mein Gott!
Wie gern würde ich das:
Dich erheben.
Auf, meine Seele, erhebe Gott!
Mein Geist freue sich!
Nun freu dich schon!
Nicht mehr viel da, was ich erheben könnte.
Irgendwo im Alltagsgerümpel,
irgendwo in meinem Kopf:
Eine kleine, verstaubte Schachtel, innendrin:
Mein letztes Stückchen Gott.
Nicht theologisiert, exegesiert, problematisiert.
Auch nicht groß, stark, mächtig.
Einfach nur: Gott.
Siehst du mich?
Schau endlich her, Gott, du!
Hörst du mich?
Antworte mir doch, antworte mir!
Ich weiß: du hast schon Großes an mir getan.
Hast mir so vieles gegeben, so viel Gutes.
Hast mich verschwenderisch ausgestattet
mit so vielen, vielen Gaben.
