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In unserem Alltag reden wir viel, aber sind wir uns auch bewusst, was wir da sagen? Wir benutzen Worte leichtfertig und erkennen oft nicht den tieferen Sinn. So will ich versuchen anzustoßen, die Menschen auffordern, über sich und ihre Äußerungen nachzudenken. So wie ich selbst, brauchen viele Leute immer mal wieder einen Anstoß, um sich neu zu betrachten. Ich kann nur versuchen, eine Veränderung zu ermöglichen, sie umsetzen kann nur jeder Einzelne.
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Seitenzahl: 369
Veröffentlichungsjahr: 2017
Thorsten Redlin
© 2017 Thorsten Redlin
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7439-0036-3
Hardcover:
978-3-7439-0037-0
e-Book:
978-3-7439-0038-7
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Thorsten Redlin
„Ich denke das,
was Du nicht
willst“
Ich denke das, was Du nicht willst, ist das richtig?
Woher nehme ich diesen Gedanken, womit begründe ich meinen Titel?
Ich bin überzeugt, dass es viele Gedankenkonstruktionen in den Köpfen gibt. Wo bleiben all diese Kreationen? Sie bleiben in den Köpfen der Menschen und können so nichts verändern. Wollen wir denn etwas verändern? Ich glaube fest daran, dass jeder etwas ändern möchte, aber er weiß oft nicht wie und damit vergräbt er sich in sich selbst, wird besser nichts bewegen. Nein, ich denke nicht alleine so und habe den Titel so gewählt, dass er Dich herausfordern und Dich dazu ermuntern kann, etwas in Deinem Leben zu verändern.
Veränderungen brauchen einen Anstoß. Gut möglich das Du meine Gedanken schon kennst, aber was hast Du bisher damit gemacht? Lasse Dich anstoßen! Es gibt so viele Themen des Lebens, die oft nur oberflächlich und sehr kurz angerissen werden, die aber tief in uns allen verbleiben, um dort eine schreckliche Arbeit zu machen. Ich denke das, was Du nicht willst, könnte auch bedeuten, ich sage das, was Du tief in Dir auch selber denkst, ich öffne Dir damit eine Tür. Du bist nicht allein, nicht nur Du denkst und fühlst so.
Das Wort Freiheit klingt so übermächtig und groß, aber wie weit leben wir denn diese Freiheit tatsächlich aus? Wenn wir unsere Gedanken nicht aussprechen dürfen oder es uns nicht trauen, wie frei sind wir dann wirklich?
Ich denke das…, ist das Denken denn so schlimm? Haben wir, haben viele verlernt wie man denkt? Denken wir nur noch so, wie man es von uns erwartet, oder wie wir es zumindest glauben dass es von uns erwartet wird? Wenn wir uns trauen zu denken, dann werden wir diese Welt anders betrachten und vielleicht auch verändern wollen. Ich bin überzeugt, ganz viele so genannte Verbesserungen, auf technischem, medizinischem oder gesellschaftlichem Gebiet in unserem Leben sind nichts anderes, als Gedankenbremsen. Sie lenken uns von dem ab, was für uns von entscheidender Bedeutung ist, vom Denken. Doch es bleibt nicht nur das Denken auf der Strecke, es greift auch in unser Fühlen und Empfinden ein. Ganz besonders erschwert wird unser persönliches Denken durch Schubladenkategorien. Damit sollen wir nur das denken, was für einige wenige von Vorteil ist.
Der Begriff Ausländer, zum Beispiel, könnte an sich schon nach sich ziehen, dass wir jemanden, den wir gar nicht kennen, zu einer Bedrohung erklären.
Ich selber kenne Ausländer die meine Mitbürger geworden sind und die ich nicht mehr missen möchte. Darunter gibt es einige, die ich gerne als meine Freunde bezeichne.
Das Wort Sex wird viel zu häufig zu einem schmutzigen Gedanken, denn wir verbinden Prostitution, Sexskandale und negatives Verhalten damit.
Mir sind jedoch Gefühle bekannt, die sich auch gern mit dem Wort Sex verbinden lassen. Erotik, Wärme, Vertrauen, Geborgenheit und zauberhaft schöne Gefühle, sie sind ganz normal für Menschen und damit sollte und darf es auch der Sex sein, mit dem wir uns beschäftigen. Streicheleinheiten sind wunderschön, oder? Zärtlichkeit ist eine große Sehnsucht von ganz vielen Leuten, aber die Verbindung mit dem Wort Sex lässt oft alles Schöne negativ erscheinen. Meist nur deshalb, weil die Verknüpfung sich nicht immer stimmig anfühlt, sie leider allzu oft verfälscht, missbraucht wird.
Nicht jeder Betrunkene ist ein Alkoholiker, nicht jeder Kranke ein Schauspieler. Niemand wird zu meinem Feind, weil er nicht das essen möchte, was ich selber gern mag. Die Verkäuferin an der Kasse, mit ihrem finsteren Blick ist nicht zwingend eine böse Frau, vielleicht hat sie nur Kummer.
Meine eigene Denkweise entscheidet massiv darüber, wie ich diese Welt betrachte und so auch in ihr lebe.
Das Glück ist im Grunde nichts Besonderes, wir können es uns selbst erschaffen in dem wir unser Denken überdenken! Selbst wenn dies immer wieder total verwirrend sein mag.
C.D.
Mein Name ist Carl Denker, ich lasse Dich an meinen Gedanken teilhaben. Mache was immer Du willst damit! Ach ja, es wird sicher sehr anstrengend sein, aber das Leben ist kein Spaziergang.
ich lasse mich ein.
Da habe ich mein zweites Manuskript dem Verlag vorgestellt und das erste Buch ist noch gar nicht auf dem Markt. An ein Drittes hatte ich noch nicht gedacht und doch sitze ich hier und schreibe. Es sind so viele Ereignisse und Gedanken, die mich in den letzten Tagen und Wochen so beschäftigten. Die Bücher sind ein Thema, aber auch alles, was sich mir im Alltag bietet. Es ist das, was ich in diese Bücher hinein bringen möchte.
Einen Garten abgegeben, der lange brauchte um seinen eigenen Charakter zu entwickeln, wird zu einer Herausforderung, die ich bislang gut gemeistert habe.
Ein Garten ist mehr als nur viel Pflanzen, dort gibt es auch interessante Menschen.
Dann sind da aber auch noch Menschen, die mich fordern, die mich brauchen und die mir wichtig sind. Doch etwas ist ganz nah, dass frisst mich auf, langsam, stetig und sehr konsequent. Meine Gesundheit hat schwer gelitten in den letzten Monaten. Die schwierigste Veränderung und damit den Beginn einer sehr schweren Zeit, brachte wohl der Tod meines Freundes, meines 16 jährigen Schäferhundes.
Klar hatte ich mich vorbereitet auf diesen Tag, aber es kam dann viel, sehr viel heftiger, als ich es erwartet hatte. Eigentlich lief es wie im Märchenbuch ab und ich sollte zufrieden sein, was ich auch bin, doch etwas von mir ging mit ihm. Am Anfang tat es nur schrecklich weh und ich versuchte mich dieser Trauer zu stellen. Er fehlte mir entsetzlich. Mein Verstand versuchte mir einen Weg aufzuzeigen, ich versuchte ihm zu folgen. Was ich eben nicht so wahrgenommen hatte, war die Tiefe unserer Bindung. Sie wurde mir erst viele Monate später bewusst. Ich spürte diesen Verlust und versuchte mit dem Verstand dagegen zu halten. Fast hätte ich schon geglaubt, ich hätte es geschafft, aber dann kam es anders. Mein Freund ging im Juli, im November bekam ich plötzlich und unerwartet gesundheitliche Probleme. Beinahe hätte ich dem Tod die Hand gereicht, aber die Medizin hat es verhindert. Dafür bin ich dankbar und werde meinerseits an mir arbeiten, so gut ich es kann. War dies eine Spätfolge, die mir deutlich machte, wie sehr ich mit diesem Verlust zu kämpfen hatte? Dann kam Weihnachten und ich habe erneut die Mediziner in Anspruch nehmen müssen, ein tolles Weihnachtsfest in der Klinik. Und weil ich ja nicht auf den Kopf gefallen bin, besorgte ich mir vorsichtshalber einen Termin bei meiner Psychologin. Ich spürte plötzlich eine Todesangst in mir, die ich so nicht annehmen konnte. Früher hätte ich mir Suizidgedanken eingeräumt, aber Todesangst, nein, die bestimmt nicht. Nun ja, bei dem Gespräch kam leider nicht viel heraus, wir hatten auch nicht viel Zeit. Da es keine Therapiemöglichkeit gab, konnte sie mir auch nur dieses eine Gespräch anbieten. Ich wollte auch allein zu Recht kommen, aber ich spürte deutlich, es wurde immer schwerer. Schon im Januar lag ich mit Verdacht auf Herzinfarkt wieder in der Klinik. Ein Linksherzkatheder gab an, dass ich bereits deutliche Gefäßverengungen hatte. Man schätzte das aber noch nicht als ernst ein und lies mich gehen. Der Kardiologe, den ich endlich aufsuchen konnte, der machte mir klar, ein Medikament zur Behandlung von Schmerzen würde für die extremen Blutdruckattacken verantwortlich sein. Wir mussten es umgehend austauschen. Gesagt, getan, es lief tatsächlich alles deutlich besser. Er versicherte mir sogar, jetzt bräuchte ich mir keine Sorgen mehr um diese Ausschreitungen meines Blutdruckes zu machen.
Gerade fing ich wieder an von sportlichen Leistungen zu träumen, da bekam ich Schwindelanfälle. Das angeordnete Kopf-MRT ließ keine Ursache erkennen, dafür aber etwas anderes. Ein Hirntumor als Befund, das klang auch nicht gerade nach einem Urlaubsspaß. Die notwendige OP wurde im März durchgeführt und ich war erstaunt und froh, dass ich alles super überstanden hatte.
Zur Überraschung aller Mediziner ging es mir irre gut, ich erholte mich wirklich super schnell.
Da starb meine Mutter plötzlich und unerwartet, als ich noch in der Klinik lag. Deshalb entließ man mich etwas früher, was für meine Genesung nicht als negativ prognostiziert wurde. Alles verlief beinahe wie in einem Zauberwald, tolle Heilung und keine Nachwirkungen. Nach zwei Wochen zu Hause aber, da spürte ich eine leichte Veränderung. Ich sprach mit meinem Neurologen darüber und wir waren uns einig, die Symptome zeigten keine beunruhigende Intensität. Da es aber auch auf Ostern zuging, schrieb er mir vorsichtshalber einen Einweisungsschein für die Klinik aus, nur für den Fall der Fälle.
Nach den Feiertagen telefonierten wir erneut und ich konnte ihm sagen, es gab keine Verschlechterung. Das war ein Dienstag, am Donnerstag musste ich dann aber doch feststellen, dass mein Kopf sich meldete. Dennoch blieben die Schmerzen verhältnismäßig gering, sie waren eben nur ein ganz klein wenig deutlicher geworden. Am folgenden Freitag ging ich einkaufen, auf dem Rückweg, rempelte ich eine ältere Dame an. Ich entschuldigte mich höflich, aber konnte nicht feststellen weshalb ich nicht gerade aus laufen konnte. Zu Hause packte ich alles aus, aber nicht mehr weg. Der Herd war noch an, die Platte kochte. Auf einmal bemerkte ich, dass ich nicht mehr wusste, ob ich mein Insulin gespritzt hatte und andere Dinge. Mir wurde klar, etwas stimmte nicht mit mir, aber ich konnte es nicht begreifen. Wie versprochen, rief ich meine beste Freundin an. Sie musste wohl schon am Telefon eine extreme Veränderung bemerkt haben, denn sie war in wenigen Minuten von ihrer Arbeit aus mit dem Taxi zu mir gekommen.
Das vorgefundene Chaos machte ihr Angst und natürlich mein Verhalten. Tasche packen und ab in die Klinik.
Ich weiß noch, dass wir mit dem Taxi gefahren sind und dass ich in der Notaufnahme den Einweisungsschein vorzeigte. Der Neurologe, der sehr schnell hinzugezogen wurde, brauchte nicht lange um meine Notsituation zu erkennen. Sofort bekam ich ein Bett und das MRT zeigte eine große Katastrophe. Mein Hirn hatte sich beinahe vollständig entzündet und war durchsetzt mit Eiter und Flüssigkeitsansammlungen.
Für mich war es alles nicht so schlimm, denn ich bekam nicht mehr viel davon mit.
Der massive Einsatz von Antibiotika sollte die Entzündung eindämmen und heilen. Drei Mal täglich einen Tropf, dann blieb nur noch zu hoffen.
Mir selber fiel nur immer wieder auf, dass ich nichts koordinieren konnte. Alles fiel mir runter und ich schlief immer wieder einfach so ein. Selbst am Telefon konnte ich mich nicht mehr im Gespräch halten, schlummerte einfach ein. Für die Anrufer musste das erschreckend gewesen sein, denn sie wussten ja nicht genau was mir passiert war.
Nun ja, nach zwei Wochen hatte sich im MRT leider nicht viel Besserung gezeigt, im Verhalten jedoch schon deutlicher und so schickte man mich erneut nach Hause. Völlig verunsichert befürchtete ich das Schlimmste. So wurde meine Freundin krankgeschrieben, damit ich eine Pflegekraft, eine Sicherheitskontrolle an meiner Seite hatte. Das Ende dieser Geschichte, soweit ich das heute schon sagen kann, war der 30. Juni. Da hatte ich ein letztes Kopf-MRT zur Kontrolle und es zeigte eine deutliche Besserung. Der Chefarzt meinte sogar, ich könne mich als gesund bezeichnen und alles das wieder tun, was ich gerne wollte. Medikamente ausschleichen und dann endlich alles im grünen Bereich.
Natürlich war ich schon solange ruhiggestellt worden, dass ich voller Energie loslegen wollte. Erste sportliche Bewegungsanfänge sollten mir helfen, mich schnell wieder in Schwung zu bringen. Das gelang mir auch gut, ich fing schon wieder an zu träumen. Nach eineinhalb Wochen musste ich mich nach der kleinen sportlichen Übung hinlegen. Am nächsten Tag musste ich das Training mit meinem Doktor absagen, weil es mir immer schlechter ging. Am Morgen ging ich zu meinem Kardiologen und beschrieb ihm, was mir widerfahren war. Der ließ mich nicht mehr nach Hause gehen, sondern mit dem Rettungswagen in die Klinik bringen. So wurde ich direkt aus der Praxis abgeholt und ab in die ach so bekannte Klinik, wo mich die Schwestern und Ärzte schon gut kannten. Vermutlich war das der Grund, weshalb sie mich anfangs nicht für ernst genommen zu haben schienen. Erst als ich am Samstagabend erneut eine Art Anfall bekam, der von meinen Zimmergenossen beschrieben wurde, da fühlte ich, jetzt sind sie, die Mediziner, mir wieder zugewandt. Es folgte am Montag die Myokardszintigraphie und noch ehe der Befund da war, lag ich im Linksherzkatheder Bereich auf dem Tisch. Eine Frau Doktor machte mir schnell klar, ich würde zwei ganz neue und überaus moderne Stents bekommen. Dafür durfte ich auch eine weitere Medizinerin akzeptieren, die zur Einarbeitung dieser Neuheit anwesend sein musste. Alles lief gut und so hoffte ich auf eine andauernde Besserung.
Schon in der Nacht spürte ich eine überraschende Freiheit in meiner linken Seite. Das fühlte sich nach einer erfolgreichen Investition an. Am nächsten Tag wurde ich mit einigen anderen entlassen. Etwas früher als normal, aber die Mediziner werden schon wissen was sie tun.
Seither hatte ich immer wieder Probleme in meiner linken Seite. Ich spürte die Verbesserungen, aber es blieben immer belastende Schmerzen. Zunächst dachte ich daran, dass ich ja nun zwei Fremdkörper in mir tragen würde und ich mich erst daran gewöhnen müsste.
Bis heute ist es nicht verschwunden, na ja, nur ein wenig. Die Belastung hatte mich in der Zwischenzeit erneut zu einem Kardiologen geführt, der das kontrollierte. Es gab aber keinen Hinweis darauf, dass es von den Gefäßen oder gar vom Herzen kommen würde. Da bleiben nicht viele Möglichkeiten offen. Eine war sicher die erneute Ruhigstellung in extremer Form und meine Psyche, die ich nicht vergessen will und darf. Damit plage ich mich jetzt schon wieder viele Monate. Diese Situation wurde so aber noch schlimmer, denn ich bekam erneut diese Angst, diese unerträgliche Todesangst. Bei jeder Bewegung, jedem Zwicken ist sie so massiv wie noch nie und ich kann mich ihrer nicht wirklich erwehren. Bier ist meine Hilfe, die nicht gut und nicht gesund ist, die aber dafür sorgt, dass ich zumindest am Abend eine Brücke habe, die mich ruhiger macht. Aus meinem Wissen heraus habe ich mir bereits erneut einen Termin bei meiner Psychologin gemacht, die jetzt unbedingt eine hilfreiche Lösung mit mir entwickeln muss. Es ist wie eine Geschichte ohne Ende. Ich fühle mich überfordert und hilflos und doch auch kämpferisch und voller Energie. Mal schauen was sich daraus ergeben wird.
Zu diesen Sorgen kommen dann die meiner Mitmenschen hinzu. Ich bin ja nicht allein auf der Welt und somit muss ich auch an meine Familie denken und wie ich sie bestmöglich entlasten kann. Im Gespräch mit meiner Psychologin tauchte der Gedanke auf, ich würde nur Angst haben zu leben, Angst, dass ich nicht genug Zeit haben könnte zu leben, um das zu erleben, was ich mir wünsche. Daran arbeite ich nun wieder einige Wochen und oft bekomme ich es auch schon gut hin. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende, deshalb braucht es auch immer wieder ablenkende Beschäftigungen.
Die mehr als erwartete Ruhigstellung in den vielen vergangenen Monaten ließ mich etwas Neues tun, etwas, dass ich nie von mir erwartet hätte, ich versuchte ein Buch zu schreiben. Anfangs wollte ich nur meine Konzentrationsfähigkeit überprüfen, später erfasste mich der Gedanke, ich könnte es tatsächlich einmal probieren ein Buch zusammenzustellen. Zunächst sammelte ich Texte, die ich schon liegen hatte und die zum Teil bereits mehr als 10 Jahre alt waren. Beim Lesen dieser Aufzeichnungen bemerkte ich in mir eine heftige Reaktion. Mir wurde klar, ich reagiere, weil ich noch immer mit den gleichen Emotionen behaftet bin wie damals, als ich diese Worte schrieb. Also erstellte ich mir ein Konstrukt, das zumindest Ähnlichkeit mit einem Buch entwickelte. Als ich die Texte aneinandergereiht hatte meinte ich, es würde sich gut machen, wenn da kleine Illustrationen dabei wären. Schon versuchte ich mich an diesen kleinen Auflockerungen und schnell entwickelte es sich zu einer Notwendigkeit. Aus den Skizzen wurden mühselig bearbeitete Bilder, die ich farbig aufputschte. Nun lag diese Ansammlung von Texten und Bildchen vor mir, ich hatte dennoch das Gefühl, etwas fehlte. Erst dann ließ ich dieses unwirkliche Thema Buch tatsächlich zu und wollte, nur für mich, das Ganze komplett machen. So entwarf ich ein Cover, Backcover und entsprechende Titel und Texte, dann lag plötzlich „schon“ ein Buch vor meiner Nase. Ungebunden und nur auf A5 Seiten ausgedruckt, aber es vermittelte mir den Eindruck, es wäre ein Buch, ein richtiges Buch. Ja, ich gebe zu, da machte sich ein tolles Gefühl in mir breit, welches aber von einem Gedanken unterbrochen wurde. Was mache ich nun mit dieser Kreation? Schön und gut, ich habe mich versucht und ich habe etwas vor mir liegen, was so aussieht als ob, aber es ist nur für mich. Und wieder musste ich mir Fragen stellen, die ich schon vor Jahren einmal mit jemandem diskutierte. Wofür habe ich die vielen Texte geschrieben? Klar hatte mich etwas bewegt und ich musste mit meinen Gefühlen irgendwohin. Die Vielfalt war das Besondere an meinem Werk, sicher auch die Emotionalität. Ich erinnerte mich daran, dass ich schon verschiedene positive Rückmeldungen bekommen hatte, wenn ich vereinzelt Texte zum Lesen herausgab. Und dass ich mich deutlich positiv entwickelt hatte, das zeigte sich mir beim Überarbeiten der alten Geschichten. Warum hatte ich einzelne Texte zum Lesen weggegeben? Natürlich weil ich wissen wollte, ob meine Sicht auch von anderen getragen werden würde. Ich durfte auch spüren, dass meine Beschreibungen, Ausdrucksweisen die Leserinnen und Leser mitgenommen hatten und sie heftig emotional bewegten. Ich hatte also etwas zu sagen, was nicht nur meine Person anging, sondern viele Menschen betreffen würde. Aus diesen Gedanken entwickelte sich erst jetzt eine mögliche Vorstellung meines Manuskriptes bei einem Verlag. Nein, einer, der wird mich ablehnen und alles wäre vorbei. Also gleich mehrere Verlage anschreiben und sehen was passieren wird. Fünf solcher Einrichtungen hatte ich mir blauäugig aus dem Internet herausgesucht und angeschrieben. Da auf allen Seiten bereits geschrieben stand, dass die Bearbeitung einige Wochen dauern könnte, machte ich mir keine Gedanken und wollte einfach abwarten. Zunächst reichte es mir schon aus, dass ich die Eingangsbestätigungen erhielt. Ich war so extrem aufgeregt, dass ich es jedem in meiner Familie mitteilen musste. Logischer Weise waren sie überrascht, empfanden es dennoch als einen guten Schritt. Vermutlich hatte niemand wirklich damit gerechnet, dass es mehr werden würde, als ein Versuch.
Einfach abwarten, das klingt so leicht, wurde für mich aber von Tag zu Tag immer schwerer. Jeden Morgen zog es mich als Erstes zum Rechner und in mein Postfach. Ich bin mir nicht einmal sicher ob ich mehr auf die Ablehnungen wartete oder doch auf eine positive Rückmeldung. Überraschend schnell bekam ich bereits nach etwa zehn Tagen erste Antworten. Vier Verlage hatten sich positiv zu meinem Manuskript geäußert und eine weitergehende Zusammenarbeit in Erwägung gezogen. Der fünfte kam über eine Eingangsbestätigung bis heute nicht hinaus. Was sollte ich nun tun? Um einen besseren Überblick zu bekommen, wie diese Arbeit mit den Verlagen aussehen würde, musste ich konkrete Angebote erhalten. Also ließ ich wissen, dass ich mich über das ausgesprochene Interesse freute und genauere Angebote haben möchte. Leider war mir von Beginn an bewusst, dass ich Beträge, wie sie auf einigen Verlagsseiten angekündigt wurden, niemals hätte bezahlen können. Ohne ein auf mein Buch zugeschnittenes Angebot, konnte ich aber auch nicht wirklich sagen, was ich wollte oder mir überhaupt möglich sein würde. Erst eine Tiefenprüfung würde herausfinden, ob ich überhaupt für einen Druck in Frage käme. Also ließ ich die Verlage arbeiten, prüfen und entsprechende Angebote erstellen. Mir war zu der Zeit oft schlecht, es fühlte sich an, als würde ich jemanden betrügen und ein Verbrechen begehen. Die Familie aber beruhigte mich wieder und meinte, es wäre ja ganz normal, dass man sich mehrere Angebote einholt, ehe man sich entscheiden könnte. Und wieder hieß es warten. Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber schon nach relativ wenigen Tagen erreichten mich die Angebote und jeder der Verlage wollte mein Buch herausbringen. Das war für mich wie ein Wunder, unglaublich und doch schien es wahr zu sein. Berge von Papier flatterten in meinen Briefkasten und brachten mir verschiedenste Angebotsvarianten ins Haus. Bei drei Möglichkeiten wurden Zahlungen von etwa 6000 € - 22000 € verlangt, was für mich völlig unmöglich war. So schön sich das auch anfühlte, ich musste mich meiner finanziellen Situation ergeben und darauf verzichten.
Der vierte Verlag aber, der lag in seinem Angebot deutlich unter den anderen. Es hätte mich keinen Cent gekostet und ich müsste keine Kaufverpflichtung eingehen. Klar fällt mein Honorar dafür auch deutlich kleiner aus, doch das lag ja sowieso nie in meinem Interesse. Die Überraschung, dass es doch so ein großes Interesse an meinem Buch geben würde, veranlasste die Familie, die notwendigen Startmöglichkeiten zu schaffen. Die bestanden drin, dass eine gesicherte Abnahme von 150 Büchern bestehen müsste, ehe sich die Räder des Verlages drehen würden. Die Familie erklärte sich bereit diese Bücher zu kaufen und ich konnte so eine verbindliche Bestellung abgeben.
Jetzt begann der Weg, den ich nicht kannte und den ich fürchtete. Allein der Vertrag machte mir große Sorgen und dann die immer wieder kehrende Überarbeitung meines Buches. Ich konzentrierte mich ganz auf diese Aufgaben und hoffte, ich hatte nicht zu viele Dinge übersehen.
Jedenfalls kam der Tag, da wurde ich darüber informiert, dass mein Buch gedruckt wird. Eigentlich ein Moment der mich beruhigen sollte, doch weit gefehlt. Ich wollte mich dieser Ruhe hingeben, aber die Spannung stieg. Was also mache ich, wenn ich warten muss und nichts tun kann, ich schreibe ein zweites Buch. Da ich reichlich viele Texte zur Verfügung hatte, konnte ich so verfahren, wie beim ersten Buch. Allerding hatte ich dann doch einige Texte ganz neu geschrieben und immer noch einen dazu gesetzt. Wieder fertigte ich die Illustrationen an und das Cover. Ich versuchte die Erfahrungen aus dem ersten Verfahren einzuarbeiten. Unübersehbar konnte man den Zusammenhang der Bücher feststellen. Die sehr kurze Zeit für die Erarbeitung machte es wohl einfach möglich.
Mein Verstand sagte mir, ich solle mit dem einreichen warten, ehe ich nicht einen Überblick hätte, wie das erste Buch angelaufen sein würde. Warum auch immer, es entwickelte sich alles viel schneller als ich es erwarten konnte. Es lag das zweite Manuskript auf meinem Rechner und ich wartete. Dieses Mal hatte ich es nicht ausgedruckt und somit keine Ansicht eines Buches erschaffen, nur eine Datei, die es beinhaltete. Plötzlich spürte ich, ich müsste es tun. Dabei unterstützten mich Gedanken daran, dass es ja, wenn es überhaupt dazu kommen sollte, wieder eine lange Zeit brauchen würde, ehe es auf den Markt kommen könnte. Also sendete ich dieses Manuskript ab, noch ehe das erste Buch tatsächlich erhältlich war.
Zu meiner völligen Überraschung erhielt ich keine Eingangsbestätigung, nichts, kein Wort. Das verunsicherte mich natürlich wieder und somit wartete ich einfach nur auf ein Zeichen. Es vergingen genau acht Tage, da lag ein großer Umschlag in meinem Briefkasten. Der Verlag lieferte mir prompt den Vertrag für mein zweites Buch. Die Bedingungen blieben gleich und so wurde ich mehr als positiv überrascht. Ich fühlte mich wie ein Kind zu Weihnachten, es musste ein Wunder sein, ich freute mich unglaublich. Als ich dies der Familie mitteilte, entschied diese aus dem Stehgreif heraus, sie würde auch diese 150 Startbücher bezahlen. Damit stand einer Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege und ich erledigte alles in zwei Tagen. Ich kam mir vor, wie in einem Märchenfilm, in dem ich von guten Feen umgeben war. Alles lief so irre gut und unerwartet problemlos, dass ich es kaum glauben wollte.
In der Zwischenzeit ist das erste Buch auf dem Markt zu haben und die ersten Rückmeldungen lassen mich hoffen. Hoffen auf einen guten Start und vielleicht sogar eine kleine Sensation. Allerdings muss ich erneut warten und mich besonnen verhalten, also schreibe ich. Ob es jemals ein weiteres Buch geben wird, das überlasse ich mal ganz der Geschichte.
Ein erstes Ergebnis kann und darf ich schon ansagen, eine Frau, die weit entfernt von mir wohnt, die hatte von mir gelesen und fand meine Art zu schreiben toll und einzigartig. In unserem schriftlichen Kontakt bemerkten wir deutlich, dass wir in unseren Gedanken und Wünschen sehr nahe lagen. Auch sie schrieb hin und wieder Texte über das Leben. Ich hatte sie so sehr mit meinen Texten bewegt, dass sie mich unbedingt besuchen und kennenlernen wollte. Relativ schnell standen wir uns gegenüber, spürten uns und redeten über unsere Texte und Dinge, die einfach greifbar waren. Schnell wurde mir klar, diese Frau ist mir sympathisch und gefällt mir gut. Die Gespräche mit ihr waren so frei und unbeschwert und das, obwohl wir nicht immer einer Meinung waren. Allerdings erschien es mir so, als würden wir in vielen Dingen, in Gefühlen und Einstellungen sehr stimmig sein. Als wir an dem ersten Abend zusammen saßen, da meinte sie, ich könnte sie auch mal in meine Arme nehmen. So unerwartet und überraschend es für mich auch war, ich tat es. Und damit überrollte mich eine Lawine aus Gefühlen und Bedürftigkeit. Immer wieder verbanden wir die Texte meines Buches mit unseren täglichen Gefühlen und Wünschen. Da war ein Verständnis, eine Sicherheit, eine Geborgenheit, die ich so nie gekannt hatte.
Sie musste wieder fahren und ich hatte Zeit mich mit diesem Geschehen auseinander zu setzen. Es ging so schnell und so leicht und es war so irre toll und dennoch kann ich es nicht genauer beschreiben. Wenn ich das so nachempfinde, dann ziehe ich mich etwas zurück. Eine Reaktion auf Situationen, die ich vermeintlich nicht kontrollieren kann.
Wir schreiben weiter und wir bemerken immer wieder Punkte, die wir in unserer Sensibilität spüren können. Die Eckpunkte unserer Verbindung lassen uns aber auch immer wieder die Gemeinsamkeiten sehen und betrachten. Keiner zog sich zurück wenn ihm Zweifel kamen. Viel Mitgefühl und Verständnis hatten es ermöglicht, dass diese Frau mich erneut besuchte. Es war eine Zeit, in der wir uns wohl in einer Weise erlebten, wie wir es nicht gedacht oder erwartet hätten. Es war traumhaft schön, ich wollte mich einfach einlassen. Dabei spürte ich aber wieder eine Bremse und sie konnte dies auch wahrnehmen. Als sie wieder zu Hause war, schrieb sie sofort von ihrer Empfindung und ich musste mich dem stellen. In jenem Moment hätte ich alles noch beenden können, kontrolliert lenken und in eine Richtung drängen, die sicher alles einfacher gemacht hätte. Doch in mir fühlte ich etwas, dass ich einfach nicht aufgeben, nicht wieder hergeben wollte. Klar könnte ich mich allein auf den Sex beziehen und sagen es war schön und toll aber eben nicht mehr. Leider kann ich das gerade nicht so sagen. Es war unsere gemeinsame Zeit, die mehr beinhaltet hatte als nur Sex und Erotik, es waren die Gespräche und die Art, wie wir mit einander redeten und uns über Themen auseinandersetzten, die sehr mannigfaltig waren und die wir auch sehr unterschiedlich betrachteten. Für mich war es das Reden selbst, was mich faszinierte und das sich ganz anderes gestaltete, als ich es bis dahin kannte. Da waren eine Leichtigkeit und ein Vertrauen, das ich spürte und das ich nicht einfach aufgeben konnte. Diese Frau sprach schon sehr bald von Liebe, dieses Gefühl konnte ich nicht erwidern.
Erneut tauschten wir unsere Empfindungen aus, als sie wieder in ihrer Wohnung saß und wir telefonierten. Wir schrieben auch sehr viel über die Liebe, wie wir sie erlebten und betrachteten. Dann stellte sie die Frage, ob ich sie lieben würde oder sie nur ein Erotikkontakt sei.
In mir tobten die Gedanken hin und her und ich wollte mich nicht mit meinen Gefühlen befassen.
Eines Tages haben wir uns über Skype verständigt, ich konnte sie sehen und hören. Und immer wenn ich diese Frau vor mir sah, dann spürte ich eine Sehnsucht in mir, die heftig war, die ich nicht mit ein wenig Erotik abtun konnte.
In der Zwischenzeit sind wir getrennt und belassen unseren Kontakt bei E-Mails oder Telefon. Es war der Druck mit dem ich nicht zu Recht kam, den sie aufbaute oder den ich zumindest empfunden hatte. Dieser Druck erreichte auch meine Familie und so kam es zu einer Veränderung, die niemand so erwartet hatte. Ich wurde gezwungen eine Entscheidung zu treffen, ich entschied mich für meine Familie und vor allem für meine Ex-Ehefrau. Damit folgte dieser extremen und schnellen Beziehung ein noch schnelleres Ende, bis auf die Kontakte über Telefon und E-Mails. Was sich daraus noch entwickeln wird, ist nicht vorherzusagen, aber ich bin neugierig und werde auch weiter von dieser Frau lernen.
Die Bücher sind auf dem Markt zu haben. Ein Drittes gibt es in einer Rohfassung, aber ob es jemals gedruckt werden wird darf ich nicht versprechen. So traumhaft es auch gelaufen sein mag, es gibt ein Problem, das ich nicht richtig beeinflussen kann. Leider kommen meine Bücher nicht in die Läden, nur im Internet kann man sie finden. Wie aber soll jemand mich und meine Bücher finden, wenn er doch gar nicht weiß dass es sie gibt?
Da ich nicht in die Zukunft schauen kann, niemand weiß was da kommen wird, kann ich mich nur mit dem beschäftigen, was ist. Was ich gerne so leicht abtun möchte, das ist viel schwieriger, als ich es glauben wollte, was ist das JETZT, was ist das IST? Meine jüngste Entwicklung brachte mich hierher und damit in das IST des Augenblicks. Beschreibe das IST und du hast beinahe gewonnen. Das IST, ist in jeder Sekunde, jeder Minute und es ist ständig ein anderes IST. Wie die Zeit, ist sie und ist schon weg.
Gegenwart ist schon Vergangenheit. Also wie kann ich mein IST beschreiben, wenn es bereits verflogen ist? Nur wenn ich das JETZT etwas ausdehnen kann, dann macht es Sinn sich darüber Gedanken zu machen. Da gibt es so viele Dinge die mich bewegen und die mich fordern, wie kann ich das auf dieses IST beziehen und festhalten?
JETZT sitze ich hier und schreibe. Worte die noch eben nicht da waren, finden den Weg auf das Papier, selbst wenn es nur ein virtuelles ist. Ich spüre nur, dass da etwas in mir ist, was ich herauslassen, was ich in Worten festhalten sollte. Und genau jetzt frage ich mich, was will ich, was brauche ich, was wünsche ich mir in diesem Augenblick für mein Leben? Die Antwort fällt mir schwer. Ich habe zu essen, zu trinken und bin relativ gesund. Mich lieben gerade zwei Frauen und meine Kinder und ich habe scheinbar alles geklärt. Was also brauche ich, damit ich mein Leben als gut und zufriedenstellend betrachten kann? Ist es die Kontrolle? Die Kontrolle über mein Leben und allem was damit verbunden ist? Würde ich tatsächlich diese Kontrolle erhalten, was würde ich tun, was verändern? Würde ich mir selbst noch vierzig Jahre bei Gesundheit und Frieden geben? Würde ich überhaupt jemanden leiden oder gar sterben lassen? Hätten meine Kinder dann noch wenigstens sechzig Jahre gutes Leben vor sich? Könnte ich all die Auswirkungen begreifen, die mein Handeln mit sich bringen würde? Gott spielen, wäre das wirklich eine Option? Ich kann es mir nicht vorstellen, auch wenn ich gerne noch einige Jahre in Gesundheit, Glück und Frieden leben möchte. Was also kann mein Leben so erfüllen, dass ich es auch als solches anerkennen kann? Im Leben geben ist mein Streben, lieben, um der Liebe Willen, akzeptieren, was ich nicht ändern kann, das muss die Antwort sein. Alles ist in Bewegung und Veränderung, also auch ich und somit gibt es nur das, was wir aus unserem Leben machen. Meine Bücher, meine Begegnungen, all das ist Leben und wird Einfluss haben. Ich kann alles tun, was meine Einstellungen und meine Wertevorstellungen in der Welt verbreitet und stärkt. Das versuche ich deshalb, weil ich daran glaube, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Mir erscheint das Leben zu kurz, als dass ich alles begreifen könnte. Aber ich kann lernen und so anderen den Weg der Erkenntnis leichter machen, ihn verkürzen, oder sogar einen ganz neuen, anderen Weg ermöglichen. Es gibt nicht das glückliche Leben, es kann immer nur Momente des Glücks in meinem Leben geben, das nur für mich zufriedenstellend sein kann. Jeder muss das mit sich selbst ausmachen und am Ende darüber entscheiden, ob sein Leben sinnvoll und gut war oder eben auch nicht.
Meine Gedanken tragen mich gerade fort und lassen mich nicht anhalten. Sehen und spüren, was ich noch nicht kenne und das ich doch schon so lange gelebt habe, eine interessante Betrachtung. Mehr über mich selbst und andere zu erfahren, nur durch eine neue Sichtweise, spannend. Wir leben und betrachten das Leben immer aus einer durch andere projizierten Festlegung heraus. Vieles ist so, weil es immer so war. Doch ist das immer auch meine Sicht, mein Weg?
Gibt es im Universum andere Lebensformen? Gibt es ein Danach, wenn wir gestorben sind? Was genau ist die höhere Macht? Gibt es etwas zwischen uns und unserer Umwelt, das wir nur noch nicht kennen, nicht festhalten können? Gibt es eine Seele in uns Menschen, und wenn ja, gibt es die auch in allen Lebensformen? Warum gibt es nur rotes Blut in Menschen und Tieren? Sind wir also alle Verwandte? Wie funktioniert die Reinkarnation? Dürfen wir uns unser Leben wirklich aussuchen? Wenn ja, wonach können wir das entscheiden? Müssen wir uns zu irgendeinem Zeitpunkt nach dem Tode für unser Leben rechtfertigen? Könnten wir das Leid aus der Welt schaffen und durch Mitgefühl und Liebe ersetzen? Meine Gedanken tragen mich gerade fort, werden sie tatsächlich etwas bewirken? Warum empfinde ich meine Gedanken oft als eine Belastung und nicht als eine Freiheit? Kann es überhaupt eine reine Wahrheit geben? Sind wir Menschen nicht nur Gefangene unserer Gedanken? Meine Gedanken tragen mich gerade fort zu einem fremden Ort, in die Unendlichkeit.
Carl Denker fühlt sich herausgefordert, will diesen Gedanken noch etwas ausdehnen.
Ich will nicht…
Ich will nicht hinnehmen, dass meine schöne alte Wanduhr nicht mehr schlagen soll. Die Uhrmacher würden sie gerne kaufen, aber nicht reparieren, sagten sie immer wieder, ich konnte mich nicht trennen. Ein Erbstück meiner Großmutter, das halte ich in Ehren und werde es nicht einfach weggeben. Und wenn die Uhrmacher sie so gerne kaufen würden, dann sicher nicht, weil sie nicht zu heilen ist, sondern um ein gutes Geschäft zu machen. Also setze ich mich hin, öffne dieses schöne Stück, beschäftige mich mit der Uhr und in meinen Gedanken mit der Zeit.
Das Werk liegt vor mir auf dem Tisch, ich fotografiere alle Details. Ich bin ein Laie und somit muss ich mich versuchen abzusichern, damit ich dieses tolle Stück auch wieder zusammensetzen kann. Hochkonzentriert schaue ich mir das Räderwerk an. Es fasziniert mich immer wieder, wie diese winzigen Rädchen und Zähnchen in einander greifen und sich gegenseitig in Bewegung halten. Die Präzision der Verarbeitung ist bewundernswert und ich kann mich gar nicht satt sehen. Ich nehme das Uhrwerk in meine Hände und siehe da, einige Rädchen bewegen sich kurz, bevor sie erneut zum Stillstand kommen. Ja, es wäre schön, wenn ich die Zeit so anhalten könnte. Einfach das Pendel festhalten und schon würde ich für eine Ewigkeit das erleben und spüren, was gerade in mir ist.
Die Zeit anhalten, wie oft hatte ich mir das schon gewünscht und doch musste ich mich immer wieder der Realität ergeben, in der es keinen Stillstand gibt. Als ich jung war, da konnte mir die Zeit nicht schnell genug laufen. Immer konnten die „Großen“ alles tun was sie wollten, nur ich „Kleiner“ nicht. Schon kam ich in die Schule und die Zeit bekam eine ganz andere Bedeutung, alles dauerte mir plötzlich so entsetzlich lange. Jede Stunde im Unterricht fand kein Ende und abends, wenn ich vom Toben nach Hause musste, da rannte sie einfach viel zu schnell. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis ich endlich volljährig war. Dies galt leider nur für mein Alter, nicht für meine Entwicklung. Ich lauerte förmlich auf den Tag, an dem ich mich nicht mehr rechtfertigen musste und alles tun durfte, was und wann ich es wollte. Dann schien die Zeit nur noch auf die tägliche Organisation beschränkt zu sein. Ausbildung und Arbeit erforderten einen straffen Tagesablauf. Zwar zeitlich gebunden, aber doch irgendwie nicht so spürbar.
Fast unbemerkt lief die Zeit immer weiter und eines Tages stand auf meinem Geburtstagstisch die Zahl 40. Für mich eine erste Andeutung, dass ich die Zeit nicht ignorieren durfte. Mir wurde klar, ich war nicht mehr jung und schon gar nicht mehr jugendlich, auch wenn ich mich super in Form wähnte. Die Kinder, die die Zeit so mit sich brachte, sie wurden größer. Für mich waren sie dennoch immer auch meine „Kleinen“, auf die ich mit Stolz blicken konnte. Jungendweihe und Schulabschluss zeigten mir dann schon ein Bild, welches mir klar machte, meine Kinder sind groß und so wie sie gewachsen sind, so bin ich gealtert.
Unbemerkt hatte die Zeit sich an mir vergriffen und mich geschädigt. Die Zeit der Ausbildung meiner Kinder war eine, in der ich sie immer noch als meine „Kleinen“ betrachtete und mir entsprechende Sorgen machte. Ich sah sie als die Kinder, die ja noch so viel Zeit hatten erwachsen zu werden. Vielleicht lag es an meinem Alter, dass ich mich mit so vielen Gedanken befasste, dass ich die Zeit aus den Augen verlor. Mit dem Erwerb des Führerscheins, was für die Heranwachsenden ja ganz natürlich schien, machten sich Ängste von ungeahntem Ausmaß in mir breit. Meine „kleinen Kinder“ befanden sich gefühlt in großer Gefahr. In dieser Aufregung und vollgestopft mit den Sorgen um den Nachwuchs, zog die Zeit einfach vorbei und blieb unbemerkt.
Dann stand eine 50 auf meinem Geburtstagstisch und ich empfand sie nicht als etwas Bedrohliches, ich fühlte mich frisch und munter und voller Energie. Die neuen Erwachsenen gingen ihrer Arbeit nach und ich brauchte mich immer weniger um sie zu sorgen. Klar Sorgen bleiben wohl immer in den Eltern, aber eben nicht mehr so belastend, so tagesbestimmend. Dafür konnte ich mich mehr meiner Person widmen. Es halfen auch die vielen Nachrichten über Bekannte und Freunde, denn auch an ihnen schlich die Zeit nicht ganz ohne Wirkung vorbei. Meldungen aus dem Umfeld, von gesundheitlichen Einschränkungen und Todesfällen erreichten mich immer häufiger. Ganz langsam, nur unterschwellig spürte ich dann doch, dass auch ich nicht jünger werde und ein Risiko des Alters sich immer mehr Raum verschaffte.
Aus der unbeschwerten Vergangenheit erreichten mich nun selber erste Zipperlein. Bald schon bekam der Spruch: „Wer am Morgen nichts mehr spürt, ist tot“, eine ganz neue Bedeutung. Aus den anfänglichen Kleinigkeiten entwickelten sich größere Probleme und meine Konzentration richtete sich immer mehr auf den Umgang mit diesen. Plötzlich schlugen einschneidende Tatsachen auf mich ein, die mir von eben auf jetzt klar machten, auch meine Uhr läuft weiter und eines Tages ab. Die Gedanken an meine Kinder wechselten in Ängste um mich selbst. Die Kinder sind immer dabei, nie könnte ich sie aus meinem Kopf und meinem Herz verbannen, aber nun war ich plötzlich wichtiger geworden. Die Zeit hatte mich so viele schöne Jahre verschont und mir Kraft, Gesundheit und Energie gegeben, jetzt begann sie ganz langsam ihren Tribut zu fordern. Sie kam mir beinahe wie eine Bedrohung vor. Die Mediziner legten mir extreme Ruhephasen auf und ich folgte ohne Widerspruch. Es tauchte immer öfter die Frage in mir auf, was wird von mir bleiben, wenn meine Zeit abgelaufen sein wird?
Ich schaue mir diese Räder an und will unbedingt dieses Schlagwerk in Gang setzen. Die vermeintlich fehlenden Federn, wie mir die Fachleute berichtet hatten, liegen alle da, wo sie sein sollen. Als ich den Weg verfolge, auf dem sich die Energie durch das Zahnradgetriebe bewegen würde, da fällt mir ein kleines Rädchen auf, welches keine Zähne hat, sondern Drahtstifte. Doch eines der Drähtchen fehlt. Ich ersetze es und baue meine Uhr wieder zusammen. Dann stecke ich den Schlüssel hinein und ziehe die entsprechende Federkonstruktion auf. Es gelingt mir tatsächlich. Kurz darauf hängt mein Erbstück wieder an der Wand. Ich lasse das Pendel arbeiten und schließlich höre ich dieses wundervolle Geräusch, ein leises Knacken, das den bevorstehenden Gong ankündigt. Schon erklingt dieser Doppelton, der seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gehört wurde. Ich bin stolz auf mich und erfreue mich an diesem Erfolg.
Im Sessel sitzend mit einem Kaffee vor meiner Nase, richte ich meinen Blick erneut auf diese Uhr. Es dauert auch nicht lange, da schwirren wieder Gedanken in meinem Kopf herum. Die Zeit, was ist das doch für eine grausame und schöne Dimension. Sie bleibt beinahe stehen, wenn es mir so unglaublich schlecht geht, sie rennt aber auch unaufhaltsam schnell, wenn ich eine super schöne Phase habe. In meinem Umfeld laufen immer öfter Uhren ab und ich kann mich dem Gedanken nicht erwehren, auch ich bin eines Tags an der Reihe. Was soll ich tun, wie soll ich mit meiner Zeit umgehen? Was ist mir wichtig, was kann und muss ich noch tun, solange ich Zeit habe? Der Verstand macht mir diesen Vorgang einfach, es ist so wie es die Natur vorgesehen hat. Alles ist ein Kommen und Gehen und nichts und niemand kann sich dem entziehen. Mein Gefühl aber sagt etwas anderes. Ich will nicht, ich will nicht gehen, nicht sterben und ich will mich nicht in diesen Kreislauf eingliedern. Ich will nicht…. Bin ich ein trotziges Kind, dem ich erkläre, es muss schlafen, auch wenn es das gar nicht möchte? Unverständlich komme ich bei diesem Kind an, selbst wenn ich Recht habe, es bleibt für das junge Wesen eine unangenehme Forderung. So fordert mich die Zeit heraus und ich kann mich, wie das kleine Kind, nicht dagegen wehren. Vielleicht geht es mir einfach noch zu gut, mich diesem Gedanken anzuvertrauen. Als die Zeit scheinbar keine Rolle spielte, weil ich jung war, da war ich noch nicht so entwickelt, nicht mit so vielen Erfahrungen angereichert. Das Rad der Zeit drehte sich weiter und in mir tauchten immer öfter und mehr Fragen auf. Ich brauchte diese Zeitspanne, um mich besser zu verstehen, um mir klarer darüber zu werden, was für mich wichtig ist. Hätte ich meine Gedanken früher aufgeschrieben und würde es heute wieder tun, dann gäbe es wohl viele Unterschiede. Beinahe könnte ich meinen, ein völlig anderes Leben zu leben, als ich es damals erwartete. Und heute wird mir auch klarer und bewusster, wenn man jung ist folgt man seinen Träumen, im Alter lebt man von seinen Erinnerungen. Da wird der Austausch mit anderen umso wichtiger. Was aber, wenn niemand mehr da ist und diese Erinnerungen teilen kann? Es mag eine Zeit kommen, in der ich gerne gehen möchte. Was für eine erschreckende Vision. Mir entgehen heute nicht mehr so viele Dinge wie früher, ich höre besser zu und bin sensibler für menschliche Dinge geworden. Wie es richtig ist kann ich nicht sagen, aber das Ende ist wohl immer mit einem gewissen Leid verbunden. Ein Leid, das der Gehende erfährt, aber auch die, die bleiben dürfen. Jeder hat seine Uhr und jeder wird seine Zeit so verbringen, wie es für ihn bestimmt ist. Ich will nicht, aber auch ich muss mich meinem Schicksal beugen! Was von mir bleibt, ist sicher für manchen eine ganz wichtige Frage, aber für mich ist es einfach. Die Zeit hatte keinen Einfluss darauf, nur wie ich gelebt habe und was in den Herzen und Erinnerungen meiner Mitmenschen bleiben wird. Die Zeit läuft, unwissend der vielen Geschehnisse die auf der Welt ablaufen. Sie ist gnadenlos und konsequent, einfach unaufhaltsam. Die Zeit ist der Rahmen in dem wir uns entwickeln dürfen und das Spielfeld auf dem wir uns austoben können. Was wir persönlich damit anfangen, ist allein dem Individuum überlassen.
Herr Denker denkt an eine Episode in seinem Leben zurück, die ihn bis heute nicht mehr losgelassen hat.
