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Viele Menschen haben sehr viel Vorurteile zum Thema Alkoholismus. Diese Geschichte beschreibt den Werdegang des Alkoholikers Thomas. Eine große Rolle spiele auch ich, Elke B, die Angehörige, und Ehefrau. Es geht um unseren Kampf gegen die Sucht. Wichtig ist auch ein Testament, das ins Spiel kommt, kurz bevor Thomas eine Therapie beginnt. Bleibt er nach der Therapie trocken und schafft er es trotz des Testaments seinen Teil zu bekommen?
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Seitenzahl: 275
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Ich,
Elke B.
und der
Alkoholiker
Thomas
Ich, Elke B. und der Alkoholiker Thomas
Elke Bauer
published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de
Copyright: © 2013 Elke Bauer
ISBN 978-3-8442-4745-9
In diesem Buch geht es um mich, Elke B, aber vor allem um meinen Mann Thomas.
Er hat ADHS*und ist Alkoholiker!
Eine große Rolle spielt dabei das Thema Alkoholismus*.
Oft habe ich beobachtet, das diesem Krankheitsbild wenig Toleranz und sogar Ignoranz entgegen gebracht wird. Alkoholiker gelten als asozial, arbeitsscheu und Menschen dritter Klasse.
Da Alkoholismus eine Familien Krankheit ist, werden alle die dazu gehören in Sippenhaft genommen.
Auch ich habe, als ich anfing, mich für meinen Mann ein zu setzten, bzw., als ich begriff, das er Alkoholiker ist und ich wissen wollte, wie ich ihm helfen kann, einige negative Erfahrungen gesammelt.
Ich hoffe, mit dieser Geschichte, Vorurteile abzubauen zu können und den Leser ein wenig hinter die Fassade schauen zu lassen.
Ein besonderer Dank an dieser Stelle gilt Susanne Nielsen!
Sie hat mich was das Thema Alkohol angeht sehr unterstüzt. Aber auch diese Geschichte hätte ich ohne sie niemals veröffentlichen können.
Zuerst einmal möchte ich nun wichtige Dinge beschreiben, die sich ereigneten, noch bevor ich mit meinem Mann zusammen kam, die zum Verständnis wichtig sind und gehe dabei als erstes zu meinen Schwiegereltern.
Der Vater Erich:
Die Kindheit des Erich, wurde durch den zweiten Weltkrieg bestimmt, aber auch durch einen strengen, dominanten Vater.
Soweit mir bekannt ist, wurde Erich. in seiner Kindheit von seinen Vater geschlagen. Jedoch weiß ich keinerlei Einzelheiten, gehe aber davon aus, das Erich unter dieser Gewalt gelitten hat.
Durch die Umstände des zweiten Weltkriegs und dessen Folgen besuchte Erich nur ca. sieben Jahre die Volksschule und begann eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, die er mit Erfolg ab schloss.
Ich, Elke, glaube, das er von seinem Vater anerkannt werden wollte und so entwickelte mein Schwiegervater in seinem Beruf viel Ehrgeiz, er machte später seine Meisterprüfung und gründete einen eigenen KFZ Betrieb.
Ob Erich diese Bemühungen gewürdigt bekam, weiß ich nicht. Jedoch war bei Erich für mich sofort deutlich zu spüren, das er seinen Beruf über alles liebte.
Mit Anfang zwanzig heiratete der Vater von Thomas.
Die Mutter Emelie
Am Ende des Jahre 1959 fünf Tage vor Weihnachten wurde mein Mann Thomas in seinem Elternhaus in H. geboren.
Seine Mutter Emelie war damals 23, der Vater Erich 24 Jahre alt.
Erichs Eltern wohnten mit im Haus.
Thomas bekam als Kind die Sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts mit.
Schon sehr früh kam der Junge mit der teils rabiate Einstellung seines Großvaters, wie auch seines Vaters in Berührung.
Als kleiner Bub kam Thomas einmal mit nassen Füßen vom Spielen nach Hause, sein Opa verprügelte ihn darauf hin.
Auch brachte der Großvater ihn mit Salmiakgeist, einer Lauge, in Berührung, die dem Enkel die Lunge hätte Verätzen können. Dies geschah zum Glück jedoch nicht.
Es kam vor, das Thomas von seinem Opa Schläge angedroht bekam, wenn er nicht so war, wie sein Großvater es wollte.
Aber nicht nur dieses Verhalten seines Opas prägte ihn sehr früh, sondern auch das seines Vaters. Erich. stellte sich zwar schon mal zwischen seinen Sohn und seinen Vater, wenn der Opa den Jungen schlagen wollte, dennoch verhielt er sich nicht besser, als sein Vater.
Thomas hat mir einige Erinnerungen benannt, wo er als Kind von seinem Vater geschlagen wurde.
Bei einer Kutschfahrt mit dem Vater, pflügte er sich einen Apfel. Und weil der Sohn nicht schnell genug vom Baum herab stieg, bekam er Schläge, ohne Erklärung.
Kinder sind neugierig und so spielte Thomas in der Werkstatt mit einem ausgebauten Sitz. Als der Vater das sah, verabreichte er Schläge.
Die Feier der Kommunion wurde als großes Fest ausgegeben. Verwandte und Freunde wurden geladen. Nach außen hin wurde eine Bilderbuch Familie dargestellt. Wie es so üblich ist, bekam Thomas Geldgeschenke überreicht. Von dem Geld sah das Kommunionskind nichts, den die Eltern kauften sich einen Schrank davon.
Als Thomas elf Jahre war, kam ein Schulkamerad an Silvester mit Böllern vorbei, die sie gemeinsam anzündeten. Als der Vater dies sah, nahm er sich ein Kantholz und stürzte sich auf seinen Sohn. Erich verprügelte den Jungen derart, das am ganzen Körper blaue Flecken zurück blieben. (Noch heute, nach über vierzig Jahren hat das Entsetzen darüber nicht nach gelassen!)
Es gab kaum tröstenden Worte – kaum ein in den Arm nehmen – kaum Erklärungen! Die kleine Kinderseele stand viel allein da.
Dies hier sind einzelne Szenen aus der jedoch nicht nur negativen Kindheit von Thomas.
Was ist oft? Was ist nicht so oft? Darüber lässt sich sicher streiten. Es ist so, das ich noch mehr solche Ereignisse kenne, aber auch positive Erinnerungen meines Mannes an seine Eltern.
Thomas Leben war als Kind eben nicht nur von den negativen Seiten geprägt. Es gab auch häufig schöne Zeiten.
Aber gerade das Negative nagt noch heute sehr an ihn.
Ich weiß, das es Kinder gibt, die noch schlimmeres erleben mussten und müssen. Und gerade eben deswegen bin Ich der Meinung, das Eltern ihre Kinder niemals so behandeln sollten, wie Thomas in diesen von mir geschilderten Szenen, behandelt wurde.
Thomas war gerade mal elf Jahre alt, als seine Eltern sich entschlossen, ein zweites, ein eigenes Haus zu bauen. Dieses Haus, es lag im Industriegebiet, wurde mit einer Werkstatt sowie Tankstelle integriert, die die Eltern leiteten.
Schon beim Bau musste Thomas regelmäßig an packen. Es war selbst verständlich, das er seine Freizeit für das Haus der Eltern opferte. Auch als das Gebäude stand, gab es keine Entlastung. Thomas war eine billige Arbeitskraft, die sein Vater in der Werkstatt benötigte.
Rebellierte er gegen die Eltern, wurde er vom Vater eingeschüchtert und niedergemacht. Von der Mutter hieß es stets. „Du machst das ja doch alles nur für dich. Du erbst das ja alles einmal.“
Zum Teil bekam Thomas sogar zu hören. „Diese Firma haben wir ja nur für dich gegründet!“ Was soll man da als Jugendlicher darauf antworten? Er hatte eigentlich keine Chance gegen die Eltern auf zu begehren.
Zu Beginn machte die Arbeit in der Firma Thomas ja auch noch Spaß. Je mehr er jedoch in das ganze hinein gedrängt wurde und je mehr seine eigenen Ideen herab gesetzt wurden, um so mehr Unwillen empfand er bei der Arbeit in der Werkstatt.
Zudem wurde er weiterhin immer wieder sehr herablassend von seinem Vater behandelt. Der sah bei seinem Sohn fast oft, nur das negative, was dieser auch zu hören bekam.
Im Jahre 1971 verstirbt Thomas Großvater. Thomas ist da zehn Jahre alt. Auch wenn er oft unter seinem Großvater gelitten hat, ist ihm der Tod des Opas nicht gleichgültig. Ab da ist er dann „nur“ noch den Launen seines Vaters ausgesetzt.
Thomas, der fast immer Hilfsbereit war und sich widerspruchslos einbringt, wird von Erich bei entsprechender
Laune aufs Wüsteste diskriminiert, beschimpft, geschlagen und auch zweimal bespuckt.
„Du faule Sau!“ musste der Sohn sich von seinem Vater anhören, wobei beide nicht allein waren, als diese Worte fielen. Kunden befanden sich im Raum.
Ein weiterer Ausspruch Erichs gegenüber seinem Sohn: „Der ist faul, der schafft nichts!“
Bei einer anderen Gelegenheit fielen die Worte: „Ich bringe dich lieber um, als das ich mir etwas von dir sagen lasse!“
Weiteres Zitat: „Die Kripo kann irgendwann mal die Reste von dir von der Wand ab kratzen!“
Als der Vater feststellte, das der Sohn die Hausaufgaben noch nicht erledigt hatte, bespuckte er ihn.
Auch wenn Thomas nicht ständig mit der miesen Laune seines Vaters konfrontiert wurde, hielten die Schläge aber auch die Demütigungen ihn klein.
Die in sporadisch auftretenden Abständen immer wieder kehrende Drohungen und auch das liebloses Verhalten, hinterließen tiefe psychische Wunden, so das es Thomas unmöglich war, eine normale geistige Entwicklung und Reife zu entwickeln.
Wenn ein Kind nach dem Prinzip, du bist nichts, du kannst nichts, du bist nichts wert, erzogen wird, muss er zum Außenseiter werden und in einer inneren Isolation leben.
Emelie schützte ihren Sohn kaum. Hin und wieder nahm sie ihn in den Arm, meinte: „Papa hat dich trotzdem lieb!“
Auch durfte der Junge noch bis zu seinem zwölften Lebensjahr bei der Mutter im Bett schlafen.
Bei Thomas entstand durch die Erziehung der Eltern folgender Eindruck:
„Wer mich schlägt und beschimpft, hat mich lieb!“
Bei Thomas war das ADHS mit all seinen Auswirkungen, der Unruhe, der fehlenden Konzentration, den Koordinationsproblemen vorhanden. Damit konnten die Eltern nicht umgehen.
Schon mit vier oder fünf, wurde bei Thomas ein Leisten Hoden fest gestellt. Mit acht brachte die Mutter ihren Sohn deswegen zu einem Arzt. Dieser verabreichte dem Jungen mehrere Östrogen Spritzen. Der Leisten Hoden jedoch blieb. So wurde Thomas mit zwölf operiert und die Sache schien gelaufen.
Ein gutes Jahr später jedoch kam der Schock, sowohl für Thomas, als auch für seine Eltern. Im Januar, Februar des Jahres 1973 verlor der damals dreizehn Jährige innerhalb von vier Wochen auf Grund der Östrogen Dosis fast alle Haare.
Natürlich rannte die Mutter daraufhin von Arzt, zu Arzt. Niemand konnte helfen. In der Schule wurde Thomas deswegen gehänselt. Durch sein hyperaktives Verhalten fiel er zudem noch mehr negativ auf und ein Leben als Außenseiter war für ihn vor programmiert.
Zeitweise trug Thomas ein Toupet. Mit achtzehn jedoch bekannte er sich zu seinem Äußeren, rasierte sich eine Glatze.
Jedoch hat das Verhalten seiner Mitmenschen Thomas sehr geprägt. Auch wenn er inzwischen kein Problem mit seinem Erscheinungsbild mehr hat, tut er sich sehr schwer mit Freundschaften und hat Probleme generell engeren Kontakt zu jemanden zu knüpfen.
Schon seit frühester Kindheit an, interessierte sich Thomas für Flugzeugtechnik und die Geschichte der Luftfahrt, sowie Modellbau.
Beim Fertigen seiner Modelle kann er sich konzentrieren und findet eine große Befriedigung und Stolz, wenn er ein Modell fertig in den Händen hält.
Dieses Hobby wird ihm später bei der Bewältigung seiner Alkoholsucht helfen.
In der Schule gehörte Thomas zum guten Mittelmaß. Während er sich sehr für die Natur wissenschaftlichen Fächer und Deutsch interessierte, ist Mathematik überhaupt nicht sein Fach. Thomas hat sich einen guten Englisch Wortschatz angeeignet und sicher auch aufgrund seines ADHS, ein unheimliches Zahlen Gedächtnis.
Als Kind fiel er natürlich negativ wegen seines ADHS auf. Die so genannten Kopf Fächer waren nicht seine Sache und ihm wurde fehlende Aufmerksamkeit und Störung seiner Mitschüler attestiert.
Auf eigenen Wunsch hin besuchte Thomas die Realschule.
Hier fand er ein paar Kumpel. Die Freizeit, die er als Jugendlicher außerhalb der Firma hatte, verbrachte er unter anderem damit, diese Freundschaften zu pflegen.
Nach Abschluss der Realschule, wurde Thomas nicht nach seinem Berufswunsch gefragt, es stand für den Vater fest, das der Sohn die Firma übernehmen soll. Hierzu besorgte der Vater dem Sohn einen Ausbildungsplatz.
Die Zeit der Ausbildung war für Thomas ein Stück Freiheit. Er bekam Anerkennung und war ein geschätzter Auszubildender.
Schon am Ende der Ausbildung ging er zurück in den elterlichen Betrieb. Thomas fühlte sich verpflichtet und war zu eingeschüchtert den Mut aufzubringen sich von dem dominanten Vater zu lösen und ein selbstständiges Leben zu führen.
Je länger Thomas in diesem Beruf tätig war, merkte er, das seine Berufswahl, die ihm aufgedrängt wurde, nicht seinen Interessen entsprach. Trotzdem ging er unzufrieden und unausgefüllt seiner Arbeit nach. Seine erste Freundin hatte er, wohnte aber mit dieser nie zusammen. Während dieser Zeit begann er den Alkohol zu entdecken, den er für sich als Geselligkeitstrinken* einsetzte.
Der Vater war der Boss, der bestimmte und Thomas keinen Freiraum gab, eigene Ideen zu verwirklichen. Zudem wurde die Arbeit, die der Sohn verrichtete, niedergemacht. Es gab kaum Lob und Wertschätzung.
Thomas begann diesen Beruf zu hassen und setzte sich damit unter Druck. Was zur Folge hatte, das er immer unzufriedener wurde und den Alkohol auch als Erleichterung hin und wieder einsetzte.
Nach sechs Jahren, als Geselle, belegte er einen Vorbereitungs - Kurs zum Meister, den er auch bestand.
In dieser Zeit ging die Beziehung zu seiner ersten Freundin zu Ende. Er begann regelmäßig zu trinken Konflikttrinken*), und es wurde ihm schon bewusst, das irgend etwas nicht in Ordnung war.
Geselligkeitstrinken* :
Beim geselligen Beisammensein wird das Trinken von Alkohol ganz allgemein erwartet. Beispielsweise sind 85 Prozent der Bevölkerung der Meinung, das es zum guten Ton gehört, das man für Gäste immer alkoholische Getränke bereithält. Noch mehr als gemeinsame Mahlzeiten stärkt gemeinsames Trinken die sozialen Bindungen von Menschen, weswegen man Alkohol auch als „soziales Schmiermittel“ bezeichnet. Bei einer Reihe von Festlichkeiten ist Alkohol ein wesentlicher Teil oder zumindest ein unverzichtbares Anhängsel Beispiele hierfür sind das gemeinsame Erheben des Glases, das sich Zuprosten, Trinksprüche und Anstoßen.
(Quelle Lindenmeyer „Lieber schlau als blau“)
*Konflikttrinken:
1990 während der Weltmeisterschaft in Italien lernte Thomas seine erste Frau, Marion, kennen. Die Beziehung war zu Beginn harmonisch.
Thomas trank jetzt regelmäßig und offen. Er brauchte nichts zu verstecken, den seine Freundin tolerierte sein Verhalten und versorgte ihn teilweise auch selbst mit Alkohol.
Nach einem Jahr zogen Marion und Thomas zusammen. Während dieser Zeit des Kennenlernens und des miteinander Lebens registrierte Thomas bei Marion Unnachgiebigkeit. Damit kam er nicht klar.
Marion hingegen wurde schnell bewusst, das ihr Freund regelmäßig trank. Sie erlaubte ein offenes Trinken nun nicht mehr und reagierte mit Dominanz.
1993 wurde Marion schwanger. Obgleich für Thomas seine Beziehung eigentlich starke Risse zeigte, lies er sich in eine Ehe drängen.
Im März 1994 wurde Marions und Thomas Tochter Nadine geboren.
1989 war bei Emelie Darmkrebs festgestellt worden. Dieser Krebs konnte trotz einer OP nicht ganz entfernt werden. Die Erkrankung seiner Mutter belastete Thomas. Die Beziehung zu ihr war innig und vertrauensvoll. Sie gab ihm soweit es ihr möglich war, Liebe und Wärme, obgleich sie nicht immer hinter ihm stand.
Als die Enkelin geboren wird, geht es Emelie bereits ziemlich schlecht, hin zu kommt, das ihr Mann, durch die Krankheit seiner Frau, immer ungerechter und bösartiger wurde.
Im Juni 1995 verstirbt Thomas Mutter.
Ca. ein Jahr später lernte Thomas Vater eine neue Frau kennen, Ilse Stein, die in einer Norddeutschen Stadt wohnt. Sie war mit einem Alkoholiker verheiratet, der schließlich verstarb.
Drei Jahre nach dem Tod von Emelie, im Sommer 1998, zog der Vater sich teilweise aus dem Betrieb zurück.
Ein notarieller Vertrag wurde geschlossen:
Der Sohn Thomas war ab dann der Eigentümer des Betriebs, sein Vater Inhaber eines Wohnrechtes der Wohnung über der Firma, zudem bezog er ein Gehalt.
Erich schätzte den Wert der Firma auf 950 000 DM. Dies war seine eigene Einschätzung des Firmenwertes.
Die Grundschuld auf dem Firmengelände betrug 110 000 DM. Nur diese Summe stand in dem Vertrag.
Die realen Schulden, die Thomas übernahm, jedoch waren mehr als doppelt so hoch. Sie lagen bei ca. 250 000 DM (Fast einhundert achtundzwanzig Tausend Euro)
Thomas trank nun schon seit zehn Jahren regelmäßig (Spiegeltrinker*) und war überhaupt nicht in der Lage zu realisieren, was er sich auf bürdete, da die Schulden auf mehrere Verträge und Konten, auch Grundschuld mäßig auf beide Häuser, verteilt waren.
Die Höhe des monatlichen Abtrages an die Bank lag bei ca. 2000 DM. Hinzu kamen noch die Nebenkosten des Betriebes.
Das Wohnhaus, in dem Thomas mit seiner Familie wohnte, blieb Eigentum des Vaters, so das Thomas monatlich eine Warmmiete von 800 DM erbringen musste.
Spiegeltrinken:
Bei der Höhe der Belastung kann man sich vorstellen, das die Lebenshaltungskosten für die Familie nicht gerade üppig waren. Thomas musste daher wesentlich mehr arbeiten.
Durch diese Situation blieb das Familienleben auf der Strecke. Es kam immer häufiger zu Auseinandersetzungen. Immer eingeschränkter wurde dabei auch Thomas Kontakt zu seiner Tochter.
Durch seine Unsicherheit und wenig Selbstwertgefühl hatte Thomas nicht die Kraft sich zu Wehr zu setzen. Es ging soweit, das er bei den Auseinandersetzungen Schläge einstecken musste. Genau dieses kannte Thomas aus seiner Kindheit. Bei einem heftigen Streit mit Marion zog er sich einen Bruch des Fußes zu.
Er befand sich in der schlimmsten Krise und Zeit seines Lebens. Da gab es Erich, der wohl merkte, das es mit „seiner“ Firma immer mehr bergab ging. Die Schuld daran gab er seinem Sohn und zeigte diesem dies auch mehr als deutlich.
Dann waren da die hohen Schulden, mit denen Thomas nicht klar kam. Niemand, weder Vater noch Ehefrau halfen. Sie sahen anscheinend nur sich und ihn, den Alkoholiker.
Regelmäßig oft bekam Thomas die extreme Abneigung seines Vaters und seiner Frau zu spüren, was ihn dazu verleitete noch stärker zu trinken.
Es war eine totale Abwärts Spirale. Thomas besaß nur noch zwei Freunde, den Alkohol, sowie den Hund, der Labrador Ricco.
Jedoch schien auch Marion mit der Situation total überfordert. Sie zog Ende Juni 2002 Konsequenzen, zog mit ihrer Tochter aus.
Bei allem was bis jetzt Geschehen ist, war ich nicht dabei und habe mir nur durch Erzählungen meines Mannes und von Bekannten ein Bild gemacht.
Ab jetzt spiele ich Elke in diese Geschichte eine Rolle, dadurch werden sich nun meine Schilderungen intensivieren.
Beginnen will ich mit meinen Eltern. Mein Vater ist gelernter Dachdecker. Meine Mutter Haus Frau!
Meine Kindheit empfand ich als Liebevoll und behütet.
Im Kindergarten war ich nicht und als ich in die Schule kam, wohnten fast alle Mitschülerinnen 3 bis 4 Kilometer entfernt. Da war es für mich fast unmöglich Freundschaften auf zu bauen. Ich war sehr früh viel allein.
Das soziale Verhalten, das man durch den Kontakt zu Gleichaltrigen erlernt, blieb mir fern. Klar, das dies negative Folgen hatte. Mobbing habe ich schon im Grundschulalter regelmäßig erleiden müssen.
Die vielen Hänseleien, denen ich ausgesetzt war und gegen die ich mich aufgrund fehlenden Selbstwertgefühls nicht zu Wehr setzte, ertrug ich, in dem ich viel aß und naschte, ich entwickelte Übergewicht.
Zwei Brüder habe ich, Stephan ist drei Jahre älter, Martin fast acht Jahre jünger, wie ich.
Meine Eltern leben ziemlich zurückgezogen, ohne Freunde, aber mit Familie. Mein Vater ist der Ansicht, man brauche keine Freunde und das hat er auch versucht mir und meinen beiden Brüdern zu vermitteln.
Meine Mutter hat uns drei Kindern viel hinterher getragen. Sie meinte es gut mit uns.
Richtig positiv habe ich aus meiner Kindheit und Jugend mitgenommen, das wir viel gereist sind. Dies lag daran, das mein Vater auf Grund seines Jobs (Er arbeitete bei der Lufthansa) billig fliegen konnte.
Ich war in Amerika, Australien, aber auch in Asien. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar, den ich weiß, das mich all diese Einflüsse positiv geprägt haben.
Die Loyalität und Unterstützung meiner Eltern hat mich zudem mein Leben lang bekleidet, ebenso, wie die Tatsache, das ich mich über alles mit ihnen beraten kann und konnte, ohne verurteilt oder abgegrenzt zu werden.
Positiv sehe ich auch meinen Beruf. Ich habe direkt nach dem Realschulabschluss eine Lehre bei der Post begonnen. Seit Ende meiner Ausbildung arbeite ich als Zustellerin.
Ich liebte und liebe den Kontakt zu meinen Kunden, durch die ich viele unterschiedliche Meinungen und Einstellungen kennen lernte. Ebenso schätze ich die Eigenständigkeit, die dieser Beruf mit sich bringt.
Mein um drei Jahre älterer Bruder Stephan verstarb im Jahr 1993 an Hodenkrebs. Zwischen der Diagnose und seinem Tod lagen nicht einmal eine Woche. Dieser frühe Tod meines Bruders, mit dem ich aufwuchs, erschütterte mich sehr.
Mein jüngerer Bruder Martin lebt inzwischen mit Frau und zwei Kindern im Hause meiner Eltern.
Im frühen Erwachsenen Alter entwickelte ich bei 1,84 m ca. 130 Kilo
Die Einstellung und Erziehung meiner Eltern hatte für mich die Folge, das ich viele Dinge, die wichtig für die Selbstständigkeit, für das eigene Leben sind, spät erlernte.
Mit ende zwanzig erst wurde ich selbstständig.
Durch eine Kur und auch mit therapeutischer Hilfe habe ich im Jahr 2000 auf etwa hundert Kilo abgenommen und halte dieses Gewicht auch schon seit Jahren. Und da Übergewicht ja mit der Fresssucht zusammen hängt, leide ich eben auch an einer Sucht Krankheit.
Zudem legte ich mir eine zwei Zimmer Eigentumswohnung zu.
Ich halte mich für ziemlich tolerant. Ich weiß, das alles, was ich fühle und denke nur ICH fühle und denke und das andere Menschen das Recht dazu haben, anders zu denken, zu fühlen und zu handeln.
Ich glaube, das es mit Sicherheit immer einen Grund gibt, warum ein Mensch so reagiert, wie er reagiert. Ebenso weiß ich, das nicht nur die anderen Menschen Fehler machen, sondern auch Ich. Bevor ich andere für ihre Fehler verurteile, schaue ich lieber erst einmal nach mir selbst.
Klar, ich bin auch in manchen Situationen egoistisch, den ich denke, beziehungsweise ich weiß, das Menschen, die diesen Egoismus nicht besitzen, in der heutigen Gesellschaft zugrunde gehen.
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, das Freunde durch aus einen Stellenwert in meinem Leben haben, jedoch sehe ich diese Thematik auch sehr differenziert.
Dies liegt daran, das Ich schon oft genug mit Menschen zusammen gekommen bin, die glaubten zu wissen, was für mich gut ist und die mir vorschreiben wollten, wie ich zu leben hätte.
Doch nur ich selbst weiß, was für mich gut ist. Jedes mal wenn ich versucht habe, dies diesen Menschen klar zu machen und auch, das ich alt genug bin, um eigene Entscheidungen zu treffen, habe ich viel Ärger gehabt und Unverständnis erlebt.
Dies hat mich sehr misstrauisch gemacht!
Ich habe lange gebraucht, um Menschen zu finden, die mich, meine Entscheidungen und meine Gefühle respektieren.
Ich bin kein Party Mensch und weiß, das viele Menschen voraussetzen, das man jede Fete und jede Großveranstaltung mit macht.
Thomas kannte ich schon, noch bevor wir ein Paar wurden. Bereits seit 1996 brachte ich regelmäßig die Post in den kleinen KFZ Betrieb.
Im Inneren der Firma gab es einen kleinen Stammtisch, an dem sich fast jeden Morgen mehrere Männer trafen, um zu reden und zu trinken. Ich setzte mich öfter dazu und bekam auch mal eine Dose Cola oder Fanta ausgegeben.
Auch brachte ich mein Auto öfter zur Reparatur in den kleinen Betrieb. Mit Marion verstand ich mich damals noch recht gut. Ihre und Thomas Tochter Nadine wirkte schüchtern auf mich.
Dadurch das ich oft Zeit an dem Stamm Tisch verbrachte, bekam ich einiges mit, auch das es in der Ehe zwischen Thomas und Marion nicht all zu gut stand.
Gut ich machte mir darüber keine Gedanken. Thomas war mir zwar sympathisch und ich wusste auch, das wir einige Hobbys teilten, dennoch wäre ich nie auf die Idee gekommen, das wir ein Paar werden konnten.
Als Marion auszog war Fußball WM und nach einer Fußball Wette mit Thomas, die ich verlor, bekam er von mir einen Kasten Bier. Klar, das ich seine Einsamkeit mit bekam.
Ob der Vorschlag von mir oder von ihm kam, weiß ich heute nicht mehr, jedenfalls verabredeten wir uns schließlich Sonntags zu einer Radtour.
Diese Tour machte uns beiden Spaß. Thomas lud mich zum Essen ein. Überhaupt gab er mir sehr viel an diesem Tag aus, so das ich mich schließlich anbot bei mir, für ihn zu kochen.
So trafen wir uns noch eins zwei mal, bevor Thomas mir erklärte, das er mich mochte und das er mit mir zusammen bleiben wollte. Dies geschah am 8 August 2002. Seit dem sind wir ein Paar.,
Schon recht schnell merkte ich, das es zwischen Thomas und seinem Vater nicht zum allerbesten stand. Damals glaubte ich in meiner Naivität noch, etwas Kitten zu können.
Jedoch recht schnell lernte ich meinen zukünftigen Schwiegervater (Erich), den ich bis dahin sehr schätzte, von einer anderen Seite kennen. Erich sprach mich an. Er meinte abwertend: „Du wirst schon noch sehen, was du an dem hast!“ Ich war so Perplex, das ich nicht reagierte. Jedoch blieb es nicht bei dem einen mal, das Erich mich so negativ auf seinen Sohn ansprach.
Einmal, Thomas hatte einen Schlüssel in der Firma verlegt, (ADHS Symptom) kam erneut ein ähnlicher Ausspruch Erichs. Da reagierte ich und erklärte meinem zukünftigen Schwiegervater, das es ja wohl meine Sache wäre, wie ich Thomas sehen würde und das er sich zurück halten solle.
Danach sprach Erich mich nicht mehr negativ auf Thomas an. Dennoch, der eigentliche Hammer kam für mich eines Samstags. Ich befand mich in Folge meines Jobs in der Firma und bekam mit, wie im Büro, ein Mann aus der Stamm Tisch Runde befand sich außer mir, noch im Raum, Erich seinen Sohn ansprach.
Es ging um ASU Bescheinigungen. Mein zukünftiger Mann sollte etwas in eine Liste eintragen. Eine Tätigkeit, zu der mein Schwiegervater nicht befähigt war.
Erich sprach seinen Sohn darauf an, das er diese Liste führen solle. Thomas erklärte, das er dies momentan nicht machen könne und er das ganze Montags in Angriff nehmen wolle.
Daraufhin wiederholte der Vater seine Bitte. Thomas erklärte erneut, das es jetzt nicht ginge! Das ganze wiederholte sich drei, vier mal, bis mein zukünftiger Schwiegervater genug hatte und erklärte: „Du bist doch Dreck, du bist doch nichts wert, du landest ja sowie so mal auf der Straße!" Zynismus klang in der Stimme Erichs auf. Er verließ daraufhin den Raum.
Ich war auf das Tiefste geschockt. Als ich mit Thomas darüber sprach, meinte er, das dies normal wäre und er noch schlimmeres erlebt habe. Mir lief es kalt über den Rücken. Ich wusste nichts darauf zu erwidern.
Aus heutiger Sicht weiß ich, das mein Mann gern auf Grund seines ADHS Dinge vor sich her schob und seinen Vater damit sicher zu Raserei brachte. Dennoch bin ich der Meinung, das Erichs Reaktion total unangemessen ist.
Ich weiß heute auch, das Thomas an diesem Abend stink besoffen gewesen ist, was ich zwar nicht gut finde, was ich aber dennoch irgendwie verstehen kann. So eine Beschimpfung vor einem fremden Menschen und vor seiner neuen Freundin vom eigenen Vater hören zu müssen, tat sicher verdammt weh.
Nach diesem Ereignis distanzierte ich mich innerlich immer mehr von Erich. Klar, das ich Thomas unterstützte, wo ich konnte.
Ich fing an, mich für Buchführung zu interessieren und merkte schnell anhand der Post, die ich gezeigt bekam, das mit den Finanzen der Firma etwas nicht stimmte.
Thomas bagatellisierte das Ganze, meinte, die Schulden wären nicht so hoch. Ich forschte nach und bekam heraus das die Schulden sich mittlerweile auf über hundert fünfzig Tausend Euro beliefen.
Das schockte mich natürlich. Noch mehr geschockt war ich, als ich heraus fand, das Thomas trotz der hohen Schulden, die er übernommen hatte, noch Miete an Erich bezahlen musste. Für mich hatte er sich bei der Übernahme der Firma über den Tisch ziehen lassen.
Zu Beginn nahm Marion die Sache mit mir noch recht gelassen. Ob wohl sie wusste, das ich mit dem von ihr, getrennt lebenden Mann zusammen war, blieb sie freundlich mir gegenüber. Jedoch, um so länger meine Beziehung zu Thomas dauerte, um so entfremdender wurde sie, wenn sie mich sah.
Für mich sah die Situation so aus, das eine Ehe, die nicht mehr funktionierte, aus einander gegangen war.
Auch erklärte mir Thomas, das er definitiv nicht mehr zu seiner Noch Ehe Frau zurück, das er bei mir bleiben wollte. Sehr viel Schlimmes schien da für ihn geschehen zu sein.
Und auch Marion sah wohl momentan nur das Negative ihres Noch Ehe Manns, setzte sich mit dem Jugendamt in Verbindung, um ihr Kind vor dem Vater zu schützen.
Daraufhin kam es bei den Besuchsrecht, das Thomas bei seiner Tochter wahr nahm, dazu, das die Mutter, Marion, auf Wunsch des Kindes teilnahm.
Im Nachhinein wäre es sicher besser gewesen, das Jugendamt hätte jemand neutrales bestellt, weil die Besuchstermine dazu genutzt wurden, um Streitereien zwischen den Eltern aus zu tragen.
Ich hatte mich näher mit der finanziellen Lage der Firma beschäftigt und sah nur noch eine Lösung, Verkauf!
So konnte die Schulden getilgt werden und möglicherweise sogar ein kleiner Gewinn übrig bleiben. Ich brachte Thomas die Absicht die Firma zu verkaufen näher und er ging nach dem ich ihm erklärt hatte, das seine Schulden nicht weniger, sondern immer mehr wurden, schließlich darauf ein.
Zumal auch der Mann von der Bank erklärte, das es keine andere Möglichkeit mehr geben würde, außer halt einer Versteigerung, die früher oder später anstehen würde.
Das nächste Problem, das wir hatten, war natürlich mein zukünftiger Schwiegervater. Er reagierte zuerst relativ gelassen. Später verweigerte er jedoch seine Zusage. Und da Erich Wohnrecht auf dem Gelände seines Sohnes hatte, konnte er auch die Zusage verweigern.
Das ganze war für mich in soweit interessant, das ich durch Zufall heraus bekam, das die Grundschuld für die Schulden, nicht nur auf dem Gelände meines Partners, sondern auch auf dem Elternhaus lasten.
Man erklärte mir, das bei einer Versteigerung nicht nur der Besitz von Thomas, sondern auch das Elternhaus, das Erich gehörte, unter den Hammer kommen würde.
Ich denke, das Ilse Stein die Zustimmung meines Schwiegervaters, zum Verkauf der Firma, beeinträchtigte. Sie ein zu schätzen war für mich am Anfang schwierig. Dafür sah ich sie einfach zu selten.
Man warnte mich Ilse. „Die ist Falsch und Hinterhältig!“ hieß es. Nun, darauf gab ich erst mal wenig, den ich wollte mir meine eigene Meinung über diese Frau bilden.
Etwas besser lernte ich Erichs Freundin, bei einer Aussprache kennen, die Thomas und ich eines Samstags Vormittags mit Erich und ihr hatten.
