Ich hasse dich, bitte heirate mich! - Regina Mars - E-Book

Ich hasse dich, bitte heirate mich! E-Book

Regina Mars

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Beschreibung

Cooper: Ich hasse Nathan Block. Nicht, weil er null Teamgeist hat, ständig Schlägereien anzettelt und Herzen bricht, als wären sie Knäckebrot. Sondern, weil eins dieser gebrochenen Herzen meiner Schwester gehört. Ich werde es ihm zeigen, auf dem Eis und überhaupt. Ich werde ihm zeigen, wer der bessere Eishockeyspieler ist, und ich werde ihm zeigen, dass er sich nicht alles erlauben kann, nur weil er ein attraktives Gesicht und einen ziemlich göttlichen Körper hat. Nathan: Cooper Yardley ist ein verwöhntes reiches Söhnchen, das noch nie in seinem Leben ein »Nein« gehört hat. Für mich, der um alles kämpfen musste, ist der Kerl ein rotes Tuch. Ich werde diesen Snob besiegen, koste es, was es wolle! Und dabei werde ich mich bestimmt nicht von seinen hübschen Augen oder seinem hübschen Arsch ablenken lassen ... Ganz bestimmt nicht. Eishockey ist alles, was für mich zählt, schon immer. Oder? Nach ein paar Bieren mit den Teamkollegen lernen wir uns besser kennen, als wir es wollten. Und plötzlich hat Cooper die seltsamste Idee aller Zeiten: Er will mich heiraten! Warum? Und warum bringt dieser Fake-Antrag mein Herz zum Rasen, als wäre er echt? Die neue MM-Romanze von Regina Mars! Rivals to Lovers, rich/poor, bisexual awakening und jede Menge prickelnd-heiße Momente.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Cooper

Ein halbes Jahr, bevor ich diesen Mistkerl Nathan Block heirate:

Sobald Charlotte die Tür öffnet, weiß ich, dass etwas nicht stimmt.

Äußerlich ist sie wie immer: vertraut und wunderschön. Dezent geschminkt auf die Art, die Mädchen aus unseren Kreisen zu einer Kunstform gemacht haben und die sie täglich eine Stunde kostet. Die honigfarbenen Haare fließen über ihre Schultern, ihre Miene ist glatt und die Haltung tadellos. Aber ich bin ihr Zwillingsbruder. Ich weiß, dass etwas nicht stimmt.

»Was ist los?«, frage ich. Hinter mir läuft eine Gruppe Mädchen durch den Flur des Wohnheims. Sie tuscheln, als sie mich sehen. Vielleicht, weil sie mich als Center der dritten Linie des Eishockeyteams erkannt haben, der im letzten Semester durchschnittlich drei Punkte pro Spiel geholt hat. Vielleicht, weil ich der Sohn einer der reichsten Familien der Gegend bin.

Aber vermutlich ist ihnen nur aufgefallen, wie verdammt perfekt mein Arsch ist.

»Nichts. Was soll denn los sein?« Charlotte lächelt. Ihre perfekten Zähne blitzen. Der Raum hinter ihr ist dunkel und die Luft riecht abgestanden.

»Es ist Samstag Abend und du bist in deinem Zimmer.« Ich deute auf die Mädchen, die soeben um die Ecke biegen. Das Klackern ihrer hohen Absätze verklingt in der Ferne. »Was ist mit der Kappa Delta Soundso-Party? Willst du nicht hingehen?«

Sie schüttelt den Kopf. »Ich lerne.«

»Char. Das Semester hat gerade erst angefangen. Es gibt absolut keinen Grund zu lernen.«

»Ich studiere Jura, Coop.« Sie hebt eine Augenbraue. »Ich sollte absolut immer lernen. Jede verschwendete Minute ist eine verschwendete Minute.«

»Danke für diese Weisheit, Char. Wenn ich nicht wüsste, dass du gestern auf Jonathans Party mit zwei Flaschen Dom Perignon in den Händen in den Pool gefallen wärst, würde ich dir vielleicht sogar glauben.« Ich ziehe am Kragen meiner Hermès-Lederjacke. Verdammt heiß hier drinnen, in voller Montur. »Jetzt sag mir endlich, was passiert ist.«

Sie zögert. Ich schwitze. Schließlich gebe ich auf und öffne den Reißverschluss.

»Hast du noch etwas vor?« Sie deutet auf das enge Shirt, das ich darunter trage. »Hast du ein Date?«

»Lenk nicht ab.«

»Mit wem?« Sie legt den Kopf schief. »Mann oder Frau?«

»Mann. Ich sage ab.« Ich zücke mein Handy und teile 12InchIan mit, dass mir etwas dazwischengekommen ist. Wirklich schade. Unsere bisherigen Chats waren sehr vielversprechend und die Fotos von seinen Bauchmuskeln und allem darunter auch. »So. Das wäre erledigt. Kann ich reinkommen?«

Char zögert sichtlich, dann öffnet sie die Tür und lässt mich ein. Das Zimmer sieht aus wie fast alle an der Roark University. Halbrunde, hohe Fenster, schwere Vorhänge, zwei Betten, zwei Schreibtische, ein Sofa, Klimaanlage, stuckverzierte Wände und glänzendes Parkett. Sehr einfach, aber wir sind halt auf der Uni und nicht daheim.

Char und ihre Mitbewohnerin Victoria haben den Raum mit Hängepflanzen und Lichterketten dekoriert, und irgendwie duftet es nach Vanille. Mein Zimmer duftet nie nach Vanille. Mein Zimmer duftet nach durchgeschwitzten Sportklamotten. Mein Mitbewohner Elijah und ich sind im gleichen Eishockeyteam, trainieren zusammen und haben uns an den Geruch gewöhnt.

Char setzt sich auf ihr Bett, unter den künstlichen Sternenhimmel. Bis auf die Lichterketten ist es dunkel, dabei ist hinter den hohen Fenstern bereits Nacht. Nicht gut.

Ich werfe einen Blick auf Chars Nachttisch und sehe fünf verschiedene Schokoladentafeln, die dort einen chaotischen Stapel bilden. Alle fünf sind angebissen. Nein, das ist wirklich nicht gut. Nach dem Oliver-Vorfall lag nur eine dort und selbst, als Mom letztes Jahr unseren Geburtstag vergessen hat, waren es nur zwei.

Char klopft auf die Decke neben sich. Das Bett knarzt unter meinem riesigen Körper und einen Moment lang bin ich wie gelähmt. Will ich wirklich wissen, was passiert ist? Fünf Schokoladentafeln sind keine Kleinigkeit.

»Wo ist Victoria?«, frage ich.

»Feiern«, sagt Char und starrt auf die gegenüberliegende Wand. »Sie hat mich angefleht, mitzukommen, aber ich habe gesagt, ich muss die Vorlesung in Verfassungsrecht nacharbeiten.«

»Und das hat sie dir geglaubt?«

»Natürlich.« Char sieht mich an. Ihre Augen, ebenso braun wie meine, glimmen sanft. »Alle glauben mir, wenn ich lüge. Nur du nicht.«

»Gleichfalls.« Ich lächle. Meine Hand findet ihre, wie stets. Einen Moment lang sind wir wieder fünf Jahre alt, zwei Schiffbrüchige, die sich an einem Floß festklammern und zuschauen, wie der leckgeschlagene Dampfer namens Familie langsam untergeht. »Char.« Ich fasse ihre Hand fester und spüre, wie ihre schlanken Finger sich um meine kräftigen schließen. »Wer war es?«

Ihre Wimpern senken und öffnen sich, ihr Mund geht auf, und etwas Seltsames geschieht: Ich weiß, was sie sagen wird, bevor sie es sagt. Eine Zwillings-Vorahnung.

»Nathan Block.«

Oh nein, das war keine Vorahnung.

Es ist immer Nathan Block.

Wann immer ein Mädchen in der Cafeteria weint und nicht mal drei Freundinnen gleichzeitig es trösten können, ist Nathan Block der Grund. Wann immer es eine Schlägerei auf dem Campus gibt, ist Nathan Block beteiligt.

Aktuell ziert ein schillernder Bluterguss meinen Unterarm und schuld ist natürlich Nathan Block. Der Center der zweiten Linie unseres Teams, zumindest im letzten Jahr. In diesem Jahr … Nun, das werden wir sehen.

Ich hoffe nur, dass er in diesem Semester nicht wieder mit der Ex eines Teamkollegen schläft. Die Stimmung im Eishockeyteam war letzten Winter eine Katastrophe, nachdem Nathan was mit Isla hatte, einen Tag, nachdem sie mit David Schluss gemacht hatte.

»Der Mistkerl«, sage ich und packe Chars Hand unabsichtlich zu fest. »Sorry. Ich …«

»Schon gut«, murmelt sie.

»Du hattest was mit Nathan Block?«, fragte ich und hoffe, dass sie mich gleich auslacht. Oder vehement verneint. Ich habe sie doch vor ihm gewarnt, oder?

Habe ich das? Ich habe mich auf jeden Fall über ihn beschwert, und zwar laut und deutlich.

»Ich …«, beginnt sie und dann senkt sie den Kopf. Plötzlich hängen Tränen in ihren dichten Wimpern und sie verzieht das Gesicht.

Scheiße.

Das verzeihe ich dir nie, Nathan Block. Du absoluter Mistkerl.

Noch während ich Char im Arm halte und die Geschichte nach und nach aus ihr rausbricht, kriecht heiße Wut durch mich und brennt alles nieder, was mich davon abhalten könnte, Block die Fresse zu polieren.

»Ich dachte, wir wären … wir hätten eine Verbindung«, schluchzt sie. »Ich dachte, er öffnet sich. Er war richtig lieb, wenn wir alleine waren. Er war so …«

»So ein Arschloch?«, knurre ich.

»Nein, er war unglaublich, Coop, absolut unglaublich. Als wüsste er genau, was ich brauche. Ich musste es ihm nicht einmal sagen, er hat es gespürt.«

»Moment, reden wir hier von Sex?«

Sie nickt und ich schaudere.

Nein, das verzeihe ich ihm nie.

»Es tut mir so leid, Char«, murmele ich in ihre nun zerzausten Haare. Ich spüre, wie ihr schmaler Körper unter den Schluchzern zittert. »Der Mistkerl. Der verdammte Mistkerl.«

»Ich dachte … Ich bin so dumm, Coop. So dumm.«

»Bist du nicht. Auf Nathan Block sind schon ganz andere hereingefallen, ich meine … Fuck. Sorry. Ich meine, dass er ein Trottel ist. Der denkt nicht mal darüber nach. Der nimmt einfach, was sich anbietet, ich meine … Sorry. Ich bin so scheiße im Trösten.«

Sie schluchzt erneut auf und klammert sich an mir fest. »Letzte Nacht hat sich Madison angeboten«, bringt sie heraus. »Und er hat sie genommen. Ich … Ich stand direkt daneben.«

»Als sie gevögelt haben?!«

Sie lacht, aber es geht direkt in ein Schluchzen über. »Als sie auf Davids Party geknutscht haben, direkt neben dem Pool. Ich … ich habe Tony und Wyatt überredet, mit Schwimmen zu gehen, und dachte, ich … ich …«

»Ja?«

»Ich war so dumm. Ich dachte, ich zeige ihm, wie viel Spaß ich ohne ihn habe. Dass es mir nichts ausmacht, dass er sich nie meldet. Oder nur, wenn er … also. Ich bin so ein Trottel.«

»Nein«, knurre ich. »Der Trottel bist ganz bestimmt nicht du.«

»Ich wusste, dass du ihn nicht leiden kannst«, krächzt sie. »Deshalb habe ich dir nichts gesagt.«

»Wieso, wie lange geht das denn schon?«

»Nicht lange. Eine Woche.«

Die übliche Dauer von Nathan Blocks Beziehungen. Na ja, »Beziehungen«. Kurzzeit-Situationships trifft es besser. Es gibt nämlich diese eine Sache, die vermutlich jeder am Campus weiß:

Nathan Block verliebt sich nicht.

Nathan Block vögelt sich durch die halbe Studentinnenschaft, aber Gefühle perlen an ihm ab wie Regen an der Speziallackierung von Dads Porsche.

Man könnte sich Nathan Block jetzt vorstellen wie einen typischen Casanova, der die Frauen mit süßen Lügen umschmeichelt und in sein Bett lockt, nur um sie am nächsten Tag aufs grausamste zu verstoßen. Von wegen. Nathan Block ist überhaupt nicht das, was man sich unter einem Frauenhelden vorstellt. Okay, er ist groß, muskulös und sieht wirklich verdammt gut aus. Aber er hat die Persönlichkeit eines Tigerhais. Er hat nur ein Ziel vor Augen und darauf steuert er unnachgiebig zu: Eishockeyprofi zu werden. Alles, was um ihn herum passiert, ist ihm egal. Wer ihm in den Weg kommt, ist ein unwichtiger Kollateralschaden. Wie seine Teamkollegen, die ihn nicht leiden können, wie die Mädchen, denen er das Herz bricht. Wie Charlotte.

»Wie schafft er das?«, murmele ich. »Der Typ ist so hohl. Wie schafft er es, dass Frauen wie du sich ihm an den Hals werfen? Ist es nur, weil er ganz hübsch ist?«

»Er ist atemberaubend«, sagt Charlotte und ich beschließe, Nathan Block beim nächsten Training den Schläger in die Weichteile zu schmettern. Normalerweise bin ich nicht so. Überhaupt nicht. Aber jeder Mensch hat Grenzen, und meine Zwillingsschwester zu verletzen, überschreitet diese Grenzen nicht nur, sie lässt sie so weit hinter sich, dass man sie nicht einmal mehr sehen kann.

»Er ist überhaupt nicht atemberaubend«, sage ich. »Und du bist viel zu gut für ihn. Der Typ ist eine Hohlbirne, Char.«

»Er ist halt so …« Sie seufzt. »Ich dachte, ich kann ihn knacken. Ich dachte, ich bin es, die … ja. Wohl nicht. Er ist halt so verschlossen, Coop. Und wenn er dann ein bisschen auftaut …« Ein weiterer Seufzer, in dem viel zu viel Liebe mitschwingt.

Scheiß auf die Weichteile. Ich werde ihm den Schläger über die Rübe ziehen, noch bevor er seinen Helm angezogen hat.

»Ich bringe ihn um«, sage ich, leider laut.

»Das lässt du schön bleiben«, faucht sie. »Er soll nicht wissen, dass er mich verletzt hat!«

»Warum?«

»Weil … na ja.« Sie löst sich von mir und schnappt sich ein Kleenex aus ihrem Nachttisch. »Das ist alles, was ich noch habe, ja? Dass er keine Ahnung hat, wie weh er mir tut. Dass ich ihn liebe.«

Meine Finger schmerzen, so fest habe ich die Fäuste geballt. Montag trainieren wir. Montag werde ich es ihm heimzahlen, und wie ich das werde. Ich werde genau die Stelle treffen, die am meisten schmerzt. Nicht die Weichteile. Nicht seinen Kopf.

Seinen Stolz.

Nathan

Ein halbes Jahr, bevor ich dieses Arschloch Cooper Yardley heirate:

Heute ist es so weit. Auf diesen Tag habe ich gewartet, seit ich zum ersten Mal einen Schläger in der Hand hatte.

Heute wird der Coach mich zum Center der ersten Linie machen.

Logan, der alte Center, hat endlich seinen Abschluss gemacht und seine Position ist frei. Dieses Semester wird meins, und wie. Ich werde die zentrale Angriffsposition in der ersten Linie haben und wenn ich Glück habe, werden die Talentscouts schon lange vor dem Draft auf mich aufmerksam und meine Profikarriere ist gesichert.

Heute ist es so weit. Endlich.

Als ich in die Umkleide marschiere, grinse ich beinahe. Aber nur beinahe. Ich brauche die Wut, die immer in mir schwelt, den Kampfgeist.

Der Geruch nach alten Socken und frischem Schweiß schlägt mir entgegen. Die Umkleide ist erst halb voll, und die Jungs, die da sind, labern und scherzen, weil sie keine Ahnung haben, was es bedeutet, etwas wirklich zu wollen.

Grayson sagt etwas zu Elijah und der lacht so heftig, dass sein Mondgesicht fast platzt. Seine Reicher-Bubi-Frisur wackelt. Die reichen Bubis haben alle dieselbe Frisur, zurückgekämmt und oben lang, und zwar so lang, dass die Haare ihnen ständig in die Augen fallen und sie sie zurückstreichen müssen … oder auf diese unerträglich arrogante Art zurückschütteln. Total unpraktisch. Aber an dieser Uni für reiche Säcke sehen selbst die Eishockeyspieler aus, als würden sie Werbung für überteuerte Uhren machen. Neben denen sehe ich aus wie ein Hooligan, mit meinen kurzgeschorenen Haaren und den Billig-Klamotten aus dem Secondhandshop. Egal. Mein erstklassiger Körper wiegt die drittklassigen Klamotten mehr als auf, wie Madison mir gestern Nacht bestätigt hat.

Stumm reiße ich meine Spindtür auf und hole das Trikot heraus. Dann streife ich mein Billig-Shirt ab und stopfe es in den Spind.

»Wow, Block.« Angel taucht neben mir auf und hebt die Augenbrauen. »Wer hat dich denn in seinen Klauen gehabt? Hast du einen Panther gevögelt?«

Er spielt auf die Kratzspuren an, die seit gestern meinen Rücken zieren. Schon halb verheilt, aber immer noch sichtbar.

»Madison Nolan«, brumme ich.

Angel lacht. Er ist der Einzige im Team, mit dem ich halbwegs klarkomme. Kein reicher Sack, sondern ein Stipendiat, wie ich. Ein Eishockey-Stipendiat, natürlich. Er war letztes Jahr der rechte Verteidiger der zweiten Linie, und wenn alles gutgeht, ist er dieses Jahr auch in der ersten. Der Junge ist verdammt gut, und scheint immer an drei Orten zugleich zu sein. War schwer, beim letzten Übungsspiel an ihm vorbeizukommen, aber natürlich habe ich es geschafft. Schließlich bin ich Nathan Block, der zukünftige Star-Center der Roark Rangers.

»Madison, ja? Was ist mit Ivy?«

»Keine Ahnung was mit der ist.« Ich zucke mit den Achseln und streife Ellbogenschutz und Brustpanzer über. »Hab sie lange nicht mehr gesehen.«

Angel schüttelt den Kopf. »Das macht was? Zwei neue Weiber, seit das Semester begonnen hat? Nicht schlecht, Block. Gar nicht schlecht.«

Es sind drei. Aber Charlotte wollte nicht, dass die ganze Uni von unserer Affäre erfährt, also haben wir uns heimlich getroffen. War mir nur recht. Der Sex war gut, ihr Körper ist der Hammer und sie hat einen Vorzug, mit dem Madison und Ivy nicht aufwarten können:

Sie ist die Schwester von Cooper Yardley.

Dem reichen Arschloch, das alles hat, was mir zusteht. Dem Einzigen, der mir die Position als Center der ersten Linie streitig machen könnte. Na ja. Das denkt er vermutlich. Cooper Yardley hat, wie die meisten Jungs im Team, keine Ahnung, was es bedeutet, so für etwas zu brennen, dass man dafür töten würde. Er ist präzise, er ist schnell und er wurde von Trainern ausgebildet, die ich mir nie hätte leisten können. Ex-NHL-Profis, die Elite der Eishockeywelt. Aber all das kann nicht aufwiegen, was ihm fehlt: Kampfgeist.

Der Coach hätte ihn vermutlich längst in einer der vorderen Linien aufgestellt, wenn Yardley nicht so oft einknicken würde. Wir haben uns unzählige Zweikämpfe geliefert und so oft hatte er die Nase vorn … bis er im letzten Moment aufgegeben hat. Ihm fehlt der Wille, bis zum Äußersten zu gehen. Und den habe ich. In rauen Mengen.

Ein reiches Arschloch wie Cooper Yardley wird nie verstehen, was wahrer Hunger ist.

Dachte ich.

Der Mann, der in diesem Moment die Umkleide betritt, sieht aus wie Cooper Yardley, und doch wieder nicht. Einen Moment lang verdunkelt seine massige Gestalt die Tür, dann wird sein Gesicht von der Deckenlampe erhellt und was ich sehe, jagt eine Kältewelle durch meine Brust.

Es sind seine Augen.

Die wirken normalerweise, als würden sie zu einem Labrador gehören, passend zu seinen hellbraunen Haaren und dem Lächeln, das ihm auf die Mundwinkel getackert ist. Aber nicht heute. Heute liegt Stahl in seinem Blick.

Ich starre ihn einen Moment zu lang an, und er bemerkt es. Die Luft zwischen uns lädt sich auf und Unbehagen prickelt über meine Haut. Bullshit. Das ist Cooper Yardley. Er ist mir oft gefährlich geworden, aber er geht nie bis zum Äußersten. Ihm fehlt der Killerinstinkt.

Nur sieht er heute überhaupt nicht aus, als würde ihm der Killerinstinkt fehlen. Als er mich mustert, fühlt es sich an, als würde ich keinem Labrador, sondern einem Grizzlybären gegenüberstehen. Fuck. Was ist passiert?

»Block«, sagt er und nickt mir zu. Normalerweise ist seine Stimme freundlich, obwohl ich weiß, dass er mich nicht ausstehen kann. Angeblich bringe ich zu viel Unruhe ins Team oder irgend so ein Scheiß. Nur, weil ich mit dieser Isla gevögelt habe, die eh nicht mehr mit David zusammen war, und überhaupt: Jemand, der das Zeug zum Profi hat, würde darüber hinwegsehen, dass seine Ex was mit einem Teamkameraden hatte. Hauptsache, man gewinnt.

Normalerweise ist Cooper Yardleys Stimme freundlich.

Heute nicht.

Und alle kriegen es mit. Gespräche verstummen. Köpfe wenden sich uns zu. Ich sehe, wie Yardleys Augen schmal werden und frage mich, ob das irgendetwas mit Charlotte zu tun hat. Aber das kann nicht sein. Sie wollte etwas Lockeres, genau wie ich, und gestern hat sie mit diesen beiden Kerlen im Pool geplanscht, ohne auch nur zu merken, dass ich mit Madison zugange war.

»Yardley«, sage ich und grinse herausfordernd. »Wie geht’s deiner Schwester?«

Diese Worte werde ich bereuen, aber das weiß ich in diesem Moment noch nicht. In diesem Moment kapiere ich nur, dass die Luft zwischen uns einfriert und Yardleys nussbraune Augen noch kälter werden.

»Gut«, knurrt er und ein Schauer läuft über meinen Rücken. So muss es sich anfühlen, wenn der nette Nachbarshund Tollwut hat. »Ich hoffe, du bist heute in Topform, Block.«

»Bin ich immer«, sage ich und versuche, auf ihn hinabzusehen. Leider sind wir gleich groß. »Und du?«

»Klar.« Er zuckt mit den Achseln und sieht ein wenig mehr wie sonst aus. »Muss ich ja. Schließlich werde ich heute zum Center der ersten Linie.«

Ich blinzle. Dann kriecht ein Lachen meine Kehle hoch. »Soll das eine Herausforderung sein, du Schnösel?«

Er nickt. Das Eis in seiner Miene hätte mich vorsichtig machen sollen, tut es aber nicht.

»Yardley. Wie viele Kämpfe hast du schon gegen mich gewonnen?« Ich grinse erneut. Hey, das macht richtig Spaß. Kampfgeist schießt durch meine Adern und ich habe noch mehr Lust, diesen reichen Bubi in den Boden zu stampfen als eh schon.

»Genug«, sagt er.

Dann marschiert er an mir vorbei und reißt seinen Spind auf. Zieht sich die überteuerte Lederjacke aus, zerrt sich den cremefarbenen Pulli vom Körper und schleudert alles auf die Bank. Das winzige Muttermal unter seinem linken Auge fällt mir auf. Charlotte hat auch so ein Muttermal, aber unter dem rechten Auge.

Die Yardley-Zwillinge sehen sich nicht sehr ähnlich, bis auf ihre Augen, die Haare und eben diese Muttermale. Als ich mit Charlotte geschlafen habe, hatte ich ständig ihr Muttermal vor der Nase und irgendwann mittendrin, als ich so richtig in Fahrt kam, hat sie die Augen geschlossen und einen Moment lang habe ich Cooper Yardley in ihr gesehen. Seltsam. Das hat mich nicht abgetörnt oder so. Im Gegenteil. Mir vorzustellen, dass mein größter Rivale unter mir liegt, hat mich erst so richtig heiß gemacht. Ihn nicht nur auf dem Eis zu besiegen, sondern ihn zum Brüllen zu bringen und zu sehen, wie er die Kontrolle verliert, war, na ja. Aufregend. Ich hab oft gehört, dass ich zu ehrgeizig bin, und dieser Moment war wohl das Ergebnis davon. War ja auch nur ein Moment. Ist nicht so, als würde Cooper Yardleys Ochsenkörper mich irgendwie scharf machen.

Ich werfe ihm einen Seitenblick zu, nur flüchtig, weil ich weiß, dass alle mich anstarren. Er hat sich bis auf die Unterhose ausgezogen und seine Muskeln sind so definiert, dass ich bestimmt neidisch wäre, wenn meine nicht noch definierter wären. Hab mal gehört, dass zwei Mädels in der Cafeteria von Yardleys Arsch geschwärmt haben, und der ist auch echt prall. Nicht zu groß, nicht zu klein, und er hat diese Grübchen an der Seite …

»Warum denkst du, dass du mich heute schlagen kannst, Yardley?«, frage ich, amüsierter als ich mich fühle. Irgendetwas nagt an mir. Eine Vorahnung, dass meine neue Position nicht ganz so sicher ist, wie ich dachte. Yardley versteht sich gut mit dem Coach. Der Coach kennt ihn schon ewig lange und labert ständig davon, wie viel Teamgeist Yardley hat. Nur fehlt ihm vor lauter Teamgeist der Biss.

Yardley schweigt. Auch das ist ungewöhnlich. Dieser Typ kann sonst nicht das Maul halten. Gerade sind seine Lippen ein schmaler Strich.

»Yardley.« Ich streife das Trikot über und baue mich vor ihm auf. Na gut, du Schnösel. Wenn du denkst, dass du es mit mir aufnehmen kannst …

Er sieht auf. Er ist immer noch fast nackt, ich bin in voller Montur und das sollte ihn verunsichern. Tut es aber nicht.

»Block.« Wow. So viel Wut.

Ich grinse und strecke meine Hand aus. »Auf einen fairen Kampf, Yardley.«

Er blinzelt. Zögert sichtlich, doch dann schlägt er ein.

Trottel.

Ich drücke so fest zu, als wollte ich seine Hand brechen. Grinse noch breiter. Und er … drückt ebenfalls zu. Er grinst nicht. Cooper Yardley starrt mich an, als könnte er mich mit einem Blick schlachten und umklammert meine Finger, als wäre seine Hand eine Schrottpresse.

Fuck. Fuck, tut das weh. Ich lasse nicht los. Verstärke meinen Griff. Spüre die Blicke der anderen im Nacken und warte auf den Moment, in dem Cooper Yardley aufgibt. Das reiche Muttersöhnchen, das noch nie in seinem Leben wirklich kämpfen musste.

Er gibt nicht auf. Er hält stand, ja, er packt fester zu und Schmerz schießt meinen ganzen Arm hoch. Das muss ihm doch auch wehtun! Es tut ihm garantiert weh, so blass, wie er um die Nase wird. Aber ausgerechnet heute gibt Cooper Yardley nicht auf. Stattdessen bleckt er die Zähne wie eine angriffslustige Töle.

»Auf einen fairen Kampf, Block«, knurrt er mit gepresster Stimme. »Möge der Bessere gewinnen.«

»Ja, ich«, knurrte ich zurück. Scheiße, tut das weh! Schmerzwelle um Schmerzwelle schießt durch meine Hand und meine Sicht verschwimmt. Yardley wird immer blasser. Keiner von uns lässt los. Übelkeit kriecht meinen Hals hoch. Wenn das so weiter geht, kotze ich, aber ich kann nicht aufgeben, ich kann nicht …

»Jungs.« Breite Finger legen sich auf unsere Hände und Elijahs Mondgesicht schaut uns besorgt an. »Wenn ihr so weiter macht, kann keiner von euch mehr einen Schläger halten.«

»Mir scheißegal«, bringt Yardley hervor.

»Coop.« Elijahs Augen werden rund. »Was ist denn … Fuck. Okay. Ich zähle jetzt bis drei und dann lasst ihr los.«

»Nein«, würge ich hervor. Ich bin wirklich kurz davor, Cooper Yardley über die nackte Brust zu kotzen.

»Mit gebrochenen Händen kann keiner von euch zum Center werden«, sagt Elijah, sichtlich schockiert. »Ich meine … Wenn ihr euch jetzt verletzt, was wird dann aus dem Team?«

»Scheißegal«, wiederholt Yardley. Sein Gesicht ist nicht mehr bleich, sondern grün, aber er wird nicht loslassen, egal, was passiert. Das weiß ich mit einem Mal. Keine Ahnung, was diese Wut hervorgerufen hat, aber sie ist so groß wie meine. Ein seltsames Gefühl. Sonst ist niemand so wütend wie ich.

»Hey«, sagt Angel, der als Einziger amüsiert wirkt. »Wenn ihr Trottel euch die Hände brecht, kann ich ja der neue Center in der ersten Linie werden. Hab eh Lust auf einen Positionswechsel.«

Verräter.

»Ich zähle bis drei und dann lasst ihr los«, sagt Elijah. »Eins. Zwei.« Er schaut, als würde er beten. »Drei.«

Wir lassen los. Ungefähr eine Sekunde, bevor ich Yardley vollgespuckt hätte. Meine Hand brennt. Mein Puls rast. Ich wende mich ab und würge trocken. Unauffällig bewege ich meine Finger und es fühlt sich an, als ob sie in Flammen stehen würden. Scheiße, was ist in dieses Arschloch Yardley gefahren? Sekunden lang kann ich kaum atmen und die Gefahr, den Kabinenboden voll zu spucken, vergeht nur langsam.

»Coop«, höre ich Elijah sagen. »Was war denn das für eine Nummer?« Das Team schart sich um Yardley. Niemand kommt zu mir, und das ist mir auch ganz recht so, weil ich jetzt keine Fürsorge ertragen würde. Mein Kampfgeist flammt auf.

So ein Arschloch, denke ich. Dem zeig ich’s.

Cooper

Ein halbes Jahr, bevor ich diesen Mistkerl Nathan Block heirate:

Normalerweise macht es mich glücklich, das Eis zu betreten. Sobald meine Kufen die harte Oberfläche berühren, wird alles ganz ruhig und ich weiß, was ich zu tun habe.

Nicht heute.

Ich rieche Blut im scharfen Geruch des Eises und mein Körper brennt. Ich fletsche die Zähne unter dem Helm und durch das Metallgitter des Visiers sehe ich nur eins: Nathan Blocks breiten, dummen Rücken.

Bastard. Meine Finger schmerzen immer noch, aber ich umklammere den Schläger, als wäre er Blocks breite, dumme Hand.

So ein Bastard. War ja klar, dass er sowas abzieht. Einer, der keinen Teamgeist hat, nur an sich denkt und durch gebrochene Herzen watet wie ein Metzger durch Gedärme, spielt doch nicht fair. Hat er wirklich gedacht, er könnte mich einschüchtern?

Das ist für dich, Char, denke ich und fahre näher an ihn heran.

Coach McKing steht hinter der Bande und mustert uns streng. Wir kennen uns schon lange. Kurz nach Ende seiner NHL-Karriere hat der Coach Kurzzeittrainings angeboten und das Internat, auf dem Charlotte und ich damals waren, hat ihn für eine Woche eingekauft.

Ich habe ihn schon mit zehn Jahren bewundert. Er hat uns spielen lassen wie kein anderer Trainer, hat uns Mut gemacht, hat oft die Schwächsten nach vorne gestellt und aufgebaut und er hat uns immer wieder eingeschärft, dass jeder eine Stärke hat. Davor war Eishockey nur ein netter Zeitvertreib, aber sobald ich es durch Coach McKings Augen gesehen habe, habe ich mich verliebt.

Es geht nicht um den Einzelnen. Es geht um das Zusammenspiel mit dem Team. Darum, den anderen zu vertrauen, ihre Züge vorauszuahnen, zu wissen, dass man sich immer auf sie verlassen kann und zusammen zu etwas Größerem zu werden, als man es allein je sein könnte. Für ein ins Internat abgeschobenes Scheidungskind wie mich war das eine Offenbarung. Ich glaube, wenn Coach McKing nicht gewesen wäre, wäre ich noch viel verknackster.

Er schaut uns streng an und mustert jeden Einzelnen. Bei Block und mir bleibt sein Blick besonders lange hängen.

»Heute entscheide ich endgültig über die Teamaufstellung«, sagt er und seine Stimme dröhnt durch die ganze Halle. »Ich bin ziemlich sicher, wie es diesmal laufen wird. Aber ihr könnt mich gern vom Gegenteil überzeugen.« Ein winziges Lächeln huscht über sein Gesicht. Er ist noch recht jung für einen Coach, aber ich vertraue ihm blind. »Und ich habe mir ein paar nette Übungen für euch ausgedacht.«

Die Übungen sind nichts Besonderes. Sprints von Bande zu Bande. Bullys, Penalty schießen, ein Trainingsmatch. Sowas halt. In den letzten Wochen hat er uns schon in verschiedenen Kombinationen spielen lassen, um zu sehen, wer miteinander harmoniert. Hat eine Weile gedauert, aber die Besetzung der dritten und vierten Linie steht praktisch fest. Nur bei der ersten und zweiten ist noch einiges offen. Jeder will es in die erste Linie schaffen. Wer in der ersten Linie steht, bekommt die meiste Eiszeit, wird am häufigsten eingewechselt und hat die besten Chancen auf eine Profikarriere.

Es geht los mit dem Penalty schießen: Torschießen, ähnlich wie ein Elfmeter. Elijah und David wechseln sich im Tor ab, weil die beiden unsere besten Goalies sind.

Für dich, Char, denke ich, als ich an der Mittellinie stehe, den Puck zu meinen Füßen und vor mir Elijah, der das Tor mit seinem riesigen Körper fast ausfüllt. Elijah ist mein bester Freund und wir haben schon im Internat zusammen gespielt. Aber das ist mir heute egal. Alles, was ich sehe, ist ein Gegner. Alles, was ich weiß, ist, dass ich Nathan Block besiegen muss.

Du bist ein guter Center, hat der Coach mir im letzten Semester gesagt. Du musst nur noch den letzten Schritt machen. Du musst bereit sein, bis zum Äußersten zu gehen, Cooper. Für dein Team.

Ich bin bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Mehr als bereit. Als der Coach pfeift, jage ich auf das Tor zu wie ein Marschflugkörper. Der Puck scheint an meinem Schläger zu kleben, die Kufen schlitzen das Eis auf, ich sehe nichts als die kleine Lücke rechts und links von Elijahs gepolstertem Riesenkörper … rechts oder links? Wohin soll ich schießen, rechts oder links …

Ich jage den Puck rechts an seiner Hüfte vorbei und er hat kaum Zeit zu reagieren. Der Puck ist im Netz. Erstaunt sieht Elijah mich an, dann erscheint ein Grinsen hinter dem Gestänge des Helms. Er hebt eine dick gepolsterte Hand und gibt mir einen Daumen nach oben. Weiter geht’s.

Fünf Schüsse. Fünf Treffer. Heute kann mich nichts aufhalten.

Leider kann Nathan Block ebenfalls nichts aufhalten. Als er nach seinem fünften Treffer an mir vorbei gleitet, wirft er mir einen spöttischen Blick zu.

»Hast du gedacht, du hättest gewonnen, Yardley?«

Am liebsten würde ich meinen Schläger nehmen und ihm die Arroganz aus dem attraktiven Gesicht prügeln. Aber so einen Schlag würde er wegstecken. Ich muss seinen wunden Punkt treffen: seinen Stolz. Ich muss ihn auf dem Eis besiegen.

Auf dem Eis, auf dem er sich bewegt wie kein Zweiter. Trotz der Schutzausrüstung hat er die Wendigkeit eines Raubtiers, und irgendwie verschmilzt er auf eine Art mit seinen Kufen, die wir anderen einfach nicht drauf haben. Er greift an wie ein wilder Stier und weicht aus, als wäre er aus Wasser. Mistkerl. Letztes Semester habe ich das noch widerwillig bewundert, vor allem, wenn unsere Gegner seine Fähigkeiten zu schmecken bekommen haben. Jetzt nervt es mich nur noch.

Als Nächstes testet der Coach unsere Bully-Fähigkeiten. Zu zweit stellen wir uns auf, der Coach wirft nacheinander 20 Pucks in die Mitte und wir versuchen, sie auf unsere Seite zu schlagen. Diesen Zweikampf zu gewinnen ist eine wichtige Fähigkeit für einen Center. Und irgendwie hat der Coach heute den richtigen Instinkt und lässt Block und mich gegeneinander antreten.

Als wir zum Bully Point fahren und uns aufstellen, hält das ganze Team den Atem an. Ich sehe die kleinen Wölkchen, die vor Nathan Blocks Mund aufsteigen. Das unerträglich arrogante Grinsen auf seinen vollen Lippen. Charlotte hatte leider recht: Er sieht unglaublich gut aus. Scharfkantig, attraktiv und irgendwie magnetisch. Nathan Block hat Starpower. Das hat selbst der Coach zugegeben, der, wie der Rest des Teams, kein großer Fan von Nathan ist. Wenn Block einen Raum betritt, spürt man es körperlich. Er zieht die Blicke an, wenn er nur die Mensa betritt, ja, selbst wenn er sich Kartoffelecken und Chicken Nuggets auf den Teller schaufelt.

Ich starre ihn an und hoffe, dass er die Augen niederschlägt. Tut er aber nicht. Der Spott in seinem hellgrünen Blick ist unerträglich. Er wirkt so amüsiert wie ein Dobermann, der von einem Welpen angegriffen wird.

»Hey, Yardley«, raunt er, kurz bevor der Coach den ersten Puck wirft. »Wie wär’s damit: Wenn du weniger Punkte holst als ich, überlässt du mir den Platz in der ersten Linie. Und zwar freiwillig.«

Ich fletsche die Zähne. Ich weiß, wie gut er beim Bully ist. »Insgesamt, Block. Wer heute in den meisten Disziplinen gewinnt, wird zum Center in der ersten Linie. Ich werde dem Coach persönlich sagen, dass du der Beste bist, wenn du es schaffst.«

Seine hellgrünen Augen leuchten auf und ich wette, dass es in diesem Moment in Nathan Blocks Hose ein wenig enger wird.

»Deal«, sagt er. »Mach dich bereit, Yardley. Ich reiß dir den Arsch auf.«

»Überschätz dich nicht«, knurre ich. »Der Einzige, der mit blutigem Arsch vom Eis geht, bist du.«

»Ich besorg’s dir so hart, dass du eine Woche nicht sitzen kannst.« Sein Grinsen ist irgendwie schmutzig. Glaubt er, dass er mich so verunsichern kann?

»Du hast keine Ahnung, was das Wort ‚hart‘ bedeutet«, raune ich. »Aber ich zeig’s dir, Block. Ich zeige dir, wer der Härtere ist, und das bist nicht du.«

»Ich bin hart wie Stahl, du Schnösel.«

»Und ich bin hart wie Titan, du Arschkrampe.«

»Hört auf zu flirten«, sagt der Coach und hebt den ersten Puck.

Wenn ich nicht so wütend wäre, würde ich unseren Schlagabtausch vermutlich auch amüsant finden. So aber packe ich den Schläger tiefer und beuge mich vor, um mehr Kraft in den Schlag legen zu können. Um Nathans Schläger zu blocken, falls er schneller ist. Und er ist verdammt schnell. Der Coach wirft den Puck und ich sehe nicht mal, wie Block den Schläger bewegt, bevor er den Puck auf seine Seite schleudert. Scheiße!

»Das war wohl nichts, Yardley«, flüstert er und dieses nervtötende Grinsen spaltet sein Gesicht.

Ich schweige. Ich muss das hier gewinnen. Für Charlotte.

Ich verliere. Als alle 20 Pucks geworfen sind, unterliege ich mit 7 zu 13 und würde am liebsten schreien. Eins zu null für Nathan Block. Das darf nicht sein. Das darf einfach nicht wahr sein!

Nathan

Ein halbes Jahr, bevor ich dieses Arschloch Cooper Yardley heirate:

Bei der vorletzten Übung bin ich nassgeschwitzt. Meine Lunge brennt, meine Seiten schmerzen und mein ganzer Körper pfeift aus dem letzten Loch. Aber ich liege vorne. Ich habe die Bullys und das Zielschießen gewonnen, und Yardley nur den Slalom. Ich liege vorne.

Leider ist als Nächstes das Wettrennen dran. Ein Sprint über die ganze Länge des Spielfelds, und Sieger ist, wer die Bande drüben als Erster berührt. Die Bande, in die man unweigerlich kracht wie ein Geschoss, wenn man nicht abbremst. Was trotz der Polsterung scheißweh tun kann. Aber ich habe keine Angst vor Schmerzen. Yardley schon. Bei unserem letzten Wettsprint hat er abgebremst und verloren.

Diesmal bin ich nicht so sicher. Es gibt eins, das ich über Cooper Yardley weiß: Er ist schnell. Niemand rast über das Spielfeld wie er. Lässt man ihn einen Wimpernschlag lang aus den Augen, ist er schon vor deinem Tor. Und in einem Spiel wie Eishockey ist Geschwindigkeit ein unschlagbarer Vorteil.

Ich habe versucht, so schnell zu werden wie er. Letztes Semester bin ich nach dem Training in der Halle geblieben, jeden Tag, habe weiter trainiert, habe versucht, sein Tempo zu erreichen, aber ich bin nie ganz an ihn herangekommen.

Heute darf ich nicht verlieren. Also grinse ich ihn an, als wir uns aufstellen, die Bande im Rücken, die Augen aller Teamkollegen auf uns.

»Dein Schnürsenkel ist offen, Yardley.«

»Fick dich, Block.«

»Das würdest du gerne, hm?«

»Liebend gern«, sagt er und zum ersten Mal grinst er auch. »Bis du blutest.«

»Yardley, du kleine Sau.« Ich genieße diese Sticheleien viel zu sehr. Ich liebe es. Ich liebe es, wie Yardleys dumme Sprüche mich zu Höchstform anstacheln. Wie ich ihn zu Leistungen treibe, die er nie zuvor gebracht hat.

Letztes Semester hätte ich ihm am liebsten einen Arschtritt verpasst, als er den Zweikampf gegen den Center der Wildcats verloren hat. Er ist zu weich. Er gibt zu schnell auf. Aber nicht heute. Heute habe ich endlich einen Gegner, den ich fürchten kann.

Ich zwinkere ihm zu. Er wendet den Kopf ab und schaut nach vorn. Der Coach räuspert sich.

»Auf die Plätze«, sagt er und wir bringen uns in Startposition. Alles hängt daran, wie gut ich loskomme. Ich muss starten, als wäre ich schon mitten im Lauf. Die Strecke ist in Sekunden vorbei und es kommt darauf an, wer am besten startet. Wenn Yardley das vergeigt, habe ich gewonnen, egal, wie schnell er sonst ist.

Ich hole tief Luft. Atme tief in den Bauch, wie Mom es mir damals beigebracht hat. Fokussiere die gegenüberliegende Bande. Yardley wird rechts am Tor vorbeifahren, ich links. Und ich werde der Erste sein.

»Fertig!«, ruft der Coach und ich halte die Luft an, beuge mich tiefer, schiebe den linken Fuß vor. Spüre, wie die Aufregung meinen Magen flutet, wie alles um mich herum still wird und verschwindet.

»Los!«, brüllt der Coach und ich fliege vorwärts. Mein Start ist perfekt. Ich gleite über das Eis wie ein Pfeil, perfekt, ohne den geringsten Patzer. Schneller. Schneller! Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Yardley nicht so gut losgekommen ist, und fast hätte ich gelacht. Wir passieren die erste blaue Linie und jagen durch die neutrale Zone. Hetzen auf die rote Mittellinie zu, passieren sie.

Yardley ist hinter mir! Eine Schrittlänge, aber er ist hinter mir! Wir passieren die zweite blaue Linie und plötzlich sind wir gleichauf. Scheiße! Aber gleich kommt die Torlinie und dahinter die Bande, er wird abbremsen, nicht mal mit Absicht, aber er wird abbremsen.

Er bremst nicht ab. Alles verschwimmt, die Bande rast auf uns zu und dann krachen wir hinein. Schmerz schießt durch meine Brust, presst die Luft aus meinen Lungen, raubt mir den Atem. Ich falle aufs Eis. Krümme mich und versuche keuchend, hochzukommen, versuche, nicht zu schreien. Scheiße.

Ich weiß es schon, bevor der Coach es verkündet: Yardley hat gewonnen. Mit einer Kufenlänge Vorsprung hat er gewonnen. Als ich mich zurück auf die Beine kämpfe, liegt er immer noch auf dem Eis.

Ich weiß, dass es sportlich wäre, zu ihm zu fahren und ihm aufzuhelfen. Aber ich kann es einfach nicht. Stumm vor Wut sehe ich zu, wie er langsam den Kopf schüttelt und sich auf den Rücken rollt. An die Decke schaut. Ich sollte wirklich da rüber und ihm helfen. Vielleicht ist er verletzt. Er ist so einen Aufprall nicht gewohnt, im Gegensatz zu mir. Aber ich schaffe es nicht. Ich starre auf ihn nieder, als könnte ich ihn mit Blicken erdolchen.

»Scheiße«, keucht er. Die anderen kommen unter lautem Geschrei angefahren. Elijah hilft ihm auf, und Yardley beugt sich vor und kotzt im Strahl auf das Eis.

»Scheiße«, sagt er, als er wieder Luft bekommt. »Scheiße, tut das weh.«

»Willst du dich ausruhen?«, fragt Elijah und legt sich Yardleys Arm um die Schultern.

»Nein«, krächzt Yardley und sein Blick trifft meinen. Ich zucke zusammen, als ich die Kälte darin sehe. »Ich mache weiter.«

»Bist du sicher?« Elijah schaut, als würde er sich gleich einpissen.

»Ja.« Yardley richtet sich auf und schaut mich an. »Ich mache weiter.«

Ein Schauer läuft über meinen Rücken.

So fühlt es sich also an, zu verlieren. Schön dumm von mir, Yardley zu unterschätzen. Schön dumm von mir, ihn auch noch aufzustacheln. Aber ich kann nicht anders, weil ich einfach so ein dummes Arschloch bin.

Genau wie Cooper Yardley.

Die letzte Übung ist ein Trainingsspiel. Zehn Minuten. Natürlich spielen wir gegeneinander. Es ist, als wollte der Coach uns bei jeder Übung gegeneinander antreten lassen, um zu sehen, wer der bessere Center ist. Vor einer Stunde habe ich noch gewusst, dass ich das bin. Jetzt bin ich nicht mehr sicher. Und dafür hasse ich Cooper Yardley umso mehr.

Während das Eis von Yardleys Kotze gesäubert wird, ruhen wir uns auf der Tribüne aus. Yardley mit einer Traube aus Teamkollegen um sich, ich alleine. Ich lege den Hinterkopf auf die Lehne des Sitzes, strecke die Beine aus und atme tief durch. Jetzt geht es darum, welche Mannschaft das Spiel gewinnt. Und Yardley hat gute Leute in seinem Team. Aber ich habe Angel und David, und wenn David mal seinen Kopf aus dem Arsch zieht, ist er ein guter Torwart.

Cooper lässt sich von den Rich Kids bemuttern, ich schließe die Augen und konzentriere mich. Keine Fehler jetzt. Absolute Perfektion.

Ich denke an das, was Mom mir vor jedem Wettkampf gesagt hat: Gib alles. So, wie sie stets alles gegeben hat. Das werde ich auch tun, und ich werde gewinnen. Erst recht gegen ein reiches Arschloch wie Cooper Yardley. Einen, der sich jeden Trainer kaufen konnte, der in den besten Wintersportanlagen trainieren konnte, der sich das beste Equipment leisten konnte. Der jeden verdammten Vorteil hatte, bis auf einen: Er weiß nicht, was wahrer Hunger ist. Selbst jetzt nicht. Egal, wie sauer er ist, irgendwann wird er einknicken. Er weiß nicht, wie man die Flamme brennen lässt, Minute für Minute, Stunde für Stunde, Jahr für Jahr. Ein ganzes Leben lang. Ich balle die Fäuste und werde ganz ruhig.

Ich bin Nathan Block. Ich gebe alles. Ich gewinne.

Cooper

Ein halbes Jahr, bevor ich diesen Mistkerl Nathan Block heirate:

Mein Mittagessen hinter der Torlinie zu verteilen, weil ich unbedingt gegen Nathan Block gewinnen will, stand nicht auf meiner Bingokarte für dieses Jahr. Egal. Wir sind gleichauf, und nur das zählt. Ich ignoriere den sauren Geschmack in meinem Mund und versuche, Ordnung in meine rasenden Gedanken zu bringen.

Es ist nichts gebrochen. Die Schutzpolster haben ganze Arbeit geleistet. Meine Rippen brennen, aber das Schlimmste ist ausgeblieben.

Nein, das Schlimmste wäre gewesen, gegen Nathan Block zu verlieren, und das darf auf gar keinen Fall passieren.

»Wie fühlst du dich?«, fragt Elijah zum ungefähr hundertsten Mal.

»Ausgezeichnet, mein Lieber«, lüge ich und lächle beruhigend. Langsam wird mir kalt. Der Duft nach Eis und meinem eigenen Schweiß ist irgendwie überwältigend und einen Moment lang überlege ich, loszulassen. Die Wut einfach abrauschen zu lassen und zu spielen wie immer.

Aber dann fällt mein Blick auf Block. Der lang ausgestreckt, mit verschränkten Armen auf seinem Sitz hängt und die Augen geschlossen hat.

Arschloch.

»Er hätte dir wenigstens aufhelfen können«, sagt David und mustert Block, der so weit von uns entfernt sitzt, dass er es vermutlich nicht hört. »Er war sofort wieder auf den Beinen. Aber er hat einfach stocksteif dagestanden und dich liegen gelassen.«

»Vermutlich war er zu schockiert, weil er verloren hat.« Ich klinge lockerer, als ich es will. »Und das kann er gleich noch einmal erleben. Der Junge wird haushoch verlieren.«

»Na ja, mal sehen.« David streckt sich. »Immerhin bin ich in seinem Team, und an mir kriegst du keinen Puck vorbei.«

»Laber nicht.« Ich haue ihm auf die Schulter. »Tut mir leid, Dave, aber ich kann dich heute nicht schonen. Ich muss gegen Nathan Block gewinnen, und der ist in deinem Team. Halt deine Taschentücher bereit.«

Elijah und ein paar der anderen lachen.

»Laber nicht.« David lacht ebenfalls. »Viel Glück, Coop. Du wirst es brauchen.«

Einen Scheiß werde ich. Ich brauche kein Glück. Ich brauche das Gefühl, Nathan Block in Grund und Boden zu stampfen. Charlottes Stimme klingt mir immer noch in den Ohren.

Ich dachte, wir hätten eine Verbindung. Etwas Besonderes. Er war so anders, wenn wir alleine waren.

So reden alle Mädchen, die etwas mit diesem Holzklotz hatten. In hundert Jahren hätte ich nicht gedacht, dass Charlotte zu ihnen gehören würde.

Es tut so weh, Coop. So weh.

Ich straffe mich. Balle die Fäuste und sehe ein letztes Mal in Nathan Blocks Richtung, der ganz alleine dasitzt und dem das scheißegal ist.

Für dich, Char, denke ich und dann schickt der Coach uns aufs Eis. Wenig überraschend steckt er mich in die erste Linie des blauen Teams und Block in die erste Linie des roten.

Es geht schon schlecht los. Den ersten Bully entscheidet Block für sich und zehn Sekunden später hat er den Puck in unserem Tor versenkt. Zwanzig Sekunden später steht es schon 2 zu 0.

Ich keuche, als ich ihm hinterher rase. Meine Rippen schmerzen und ich frage mich, ob die nicht doch angeknackst sind. Egal. Alles egal. Heute besiege ich ihn.

Elijah hält und der Puck landet bei mir. Ich denke nicht mehr, ich jage übers Eis wie ein Wahnsinniger. Passe zu Henry. Er passt zurück. Ich schieße und der Puck landet im Tor.

Nathan Block kracht in mich und reißt mich zu Boden.

»Pass doch auf!«, brülle ich.

»Weichei«, knurrt er und rappelt sich auf. Wieder reicht er mir nicht mal die Hand. Ich springe auf und packe seinen Kragen.

»War das Absicht, Block? Wenn du was aufs Maul willst, musst du das nur sagen.«

Er grinst. »Du hast dich noch nie geprügelt, Schnösel. In deinem Leben nicht.«

»Da irrst du dich.«

»Da irrst du dich«, äfft er mich nach. »Ich rede nicht davon, sich gegenseitig mit Kaviarbällchen zu bewerfen. Wenn ich loslege, blutest du, Yardley.«

»Das werden wir sehen, Block.«

Was tue ich hier? Block hat unrecht, ich habe mich schon geprügelt … aber bei weitem nicht so oft wie er. Kein Wunder, ich stecke meinen Schwanz ja auch nicht in alles, was sich bewegt.

»Auseinander!«, brüllt der Coach und schiebt uns in entgegengesetzte Richtungen. Er gibt Block eine Strafe von zwei Minuten und wir gleiten in verschiedene Richtungen davon. Block auf die Bank, ich zu meinem Team.

»War das Absicht?«, frage ich Mikos, meinen rechten Verteidiger. »Oder ist er aus Versehen in mich reingefahren?«

Mikos wiegt den Kopf hin und her. »Er war die ganze Zeit hinter dir her. Vielleicht konnte er nicht bremsen.«

Nathan Block kann ausgezeichnet bremsen. Niemand ist so geschickt auf Kufen wie er.

Ich umklammere den Schläger und konzentriere mich auf meine Wut, darauf, die Flamme schön heiß und gleichmäßig zu lassen. Kurzzeitig kommt ein vernünftiges Spiel zustande. Linienwechsel. Kurzes Ausruhen, durchschnaufen, wütend bleiben. Dann stehen wir wieder auf dem Eis und der Kampf geht weiter.

Als es 5 zu 3 steht, eskaliert die Situation. Nathan hat den Puck, rast auf unser Tor zu. Es ging so schnell, dass wir uns nicht in Position bringen konnten, und ich bin plötzlich Verteidiger. Ich hetze auf ihn zu. Sehe die Anspannung in seinem Gesicht. Checke ihn, fester als notwendig, nehme ihm den Puck ab und gebe zu Grayson ab und der schießt ihn zu Henry, der aufs Tor schießt. David wehrt ab. Der Puck schlittert in die neutrale Zone und Block schnappt ihn sich, gibt ihn an Angel ab und ich … rase in Block hinein. Ich wollte das nicht, ehrlich. Okay, vielleicht ein kleines bisschen. Vielleicht hätte ich mir mehr Mühe gegeben auszuweichen, wenn es nicht Nathan Block gewesen wäre. So ramme ich ihn, als wäre er die Bande vorhin, und weil er den Puck schon abgegeben hatte, zählt es leider als Foul.

Nathan geht zu Boden. Ich lande auf ihm.

»Arschloch!«, brüllt er. Hinter dem Visier sprühen seine hellgrünen Augen Funken und ich … lache.

»Sorry«, sage ich. »War keine Absicht.«

»Das war ein Foul.« Er wirft mich ab und steht auf. »Das war ein verdammtes Foul, Yardley, und das weißt du!«

»Genau wie deine Aktion eben!«, brülle ich zurück und schieße hoch. »Heul nicht rum, weil du nicht einstecken kannst.«

»Wer kann denn nicht einstecken?« Er kommt zu nahe und sein Atem schlägt mir heiß ins Gesicht. Weißer Dampf steigt zwischen seinen gefletschten Zähnen auf. »Ich hab eben nicht das Eis vollgespuckt, weil ich ein bisschen gegen die Bande gebumst bin.«

»Halt dein Maul, Block.« Ich kann nicht mehr. Die Schmerzen in meiner Brust, Charlottes verheultes Gesicht, Blocks dämliches Grinsen, all das vermischt sich zu einem Wirbel, in den ich hineingerissen werde, ohne mich wehren zu können. Ich will mich nicht wehren. Ich will, dass Nathan Block leidet, genau so, wie meine Schwester gelitten hat. Ich will ihm den Schläger in sein dummes, unfaires, egoistisches Gesicht hauen. »Halt endlich dein Nuttenmaul, du wertloses Stück Scheiße!«

Er packt meinen Kragen. Ich packe seinen. Er schubst mich, ich schubse ihn und dann schmeißen wir Handschuhe und Helme weg und prügeln uns, bis wir zu Boden gehen. Und dann prügeln wir uns weiter.

Als der Rest der Mannschaft uns endlich trennt, blutet Blocks Nase und mein Auge schwillt zu. Mein Adrenalin ist so hochgekocht, dass ich nicht mal weiß, wann das passiert ist. Alles, was ich weiß, ist, dass ich mehr will. Nathan Block soll leiden, genau so, wie Charlotte gelitten hat!

»Lasst mich los!«, schreie ich und winde mich in den Griffen meiner Teamkollegen. Die wirken leicht entsetzt, aber sie halten mich fest. Wahrscheinlich hätte niemand gedacht, dass ausgerechnet ich heute eine Schlägerei anfange. Sonst bin ich der, der Schlägereien beendet.

Nathan versucht, sich loszureißen, aber Angel, David und der Coach haben ihn im Griff.

»Blödes Arschloch!«, brüllt er.

»Geh scheißen, Block!«, brülle ich zurück und dann werde ich rückwärts gezogen. Weg von Block. Über das kalte Eis, auf dem Blutspritzer davon zeugen, dass ich absolut die Kontrolle verloren habe.

So ein Mist.

***

Der Coach verdonnert uns dazu, auf der Tribüne zu warten. Nicht nebeneinander, dazu ist er zu klug. Wir sitzen auf entgegengesetzten Seiten des Stadions und ich hätte fast Lust, um das Eis herum zu laufen und Nathan Block nochmal was auf die Nase zu geben. Aber die Flamme, die den ganzen Tag in mir gelodert hat, wird kleiner. Ich bin müde. Meine Rippen tun weh, mein Auge puckert und mir ist kalt.

Das war’s wohl mit meinem Posten in der ersten Linie. So, wie ich mich verhalten habe, wird der Coach mich zur Strafe in die vierte versetzen. Das Einzige, was mich aufmuntert, ist, dass es Nathan Block genauso geht. Ich würde ihn angrinsen, aber ich bin zu erschöpft. Trüb schaue ich auf meine Schlittschuhe und betaste mein zuschwellendes Auge.

Keine Ahnung, wann ich mich zuletzt so gefühlt habe. Ich lasse mich nicht gehen. Ich habe mich im Griff. Ich bin freundlich, motiviert und teamorientiert. Einer von den Jungs. Aber heute habe ich mich benommen wie das größte Arschloch, das ich kenne: Nathan Block.

Ich weiß nicht, ob das rote oder das blaue Team das Spiel gewinnt. Bin viel zu sehr mit meinen trübseligen Gedanken beschäftigt. Vielleicht hätte Dad dieses Jahr ein Spiel angeschaut, und jetzt werde ich kaum aufs Eis kommen.

Sicher, denke ich. Wann hat er zuletzt ein Spiel von mir angeschaut?

Der Coach schickt die anderen weg. Ich sehe, dass er mit Nathan Block redet, mit ernstem Gesicht, und ziemlich lange. Schließlich steht Nathan abrupt auf und geht weg. Wirkt, als wäre er auch nicht glücklich über seine neue Rolle, was immer die ist. Hat der Coach ihn in die dritte gesteckt oder in die vierte? Bin ich in der vierten? Komme ich dieses Semester gar nicht aufs Eis?

Ich halte die Luft an, als Coach McKing auf mich zukommt. Sein Gesicht ist ernst. Er fährt sich durch die Haare, in denen graue Strähnen zu sehen sind, und setzt sich neben mich. Er schweigt.

»Es tut mir leid, Coach«, sage ich und sehe auf das Eis. »Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe.«

Okay, ich weiß es: Ich wollte Charlotte rächen. Und irgendwie habe ich das auch, aber ich fühle mich einfach nur grottenschlecht.

»Cooper.« Der Coach legt eine Hand auf meine Schulter. »Mach so weiter und das wird unsere Saison.«

»Was?« Fragend sehe ich ihn an.

Sein Blick ist ernst, aber ich sehe etwas darin, das nicht sein kann: Begeisterung. Nein, das kann wirklich nicht sein.

»Du hast endlich gelernt, bis zum Äußersten zu gehen, Cooper. Weiter so.«

»Ich hab mich geprügelt und hinter das Tor gekotzt«, sage ich ungläubig.

»Das ist Eishockey, Junge.« Der Coach lacht unerwartet. »Wenn du die Kuschelnummer willst, mach bei einem Kuchenbackwettbewerb mit. Hast du dich wirklich noch nie geprügelt?«

»Selten.« Ich räuspere mich. »Nie so. Und nie mit einem Teammitglied.«

»Na dann. Willkommen bei den großen Jungs, Cooper Yardley.«

Stumm starre ich ihn an. Blinzle. »Was haben Sie Block gesagt?«

»Dass er sich beim nächsten Training zusammenreißen soll. Schließlich ist er der Center der zweiten Linie.«

»Oh.« Ich schlucke. Zweite Linie, nicht dritte oder vierte. Heißt das etwa, dass ich auch darum herum komme, auf der Bank zu versauern? »Und ich?«

»Du bist der neue Center der ersten Linie.« Erneut klopft er mir auf die Schulter. »Mach was draus, Cooper.«

»Was, aber … Moment.« Ich starre ihn an. »Aber warum ich?«

Warum nicht Block? Wir waren gleichauf und haben uns exakt gleich schlecht benommen.

Der Coach sieht auf das Eis hinaus, als wäre es das tiefe, weite Meer. »Letztes Jahr habe ich dir gesagt, dass du lernen musst zu kämpfen. Nathan habe ich gesagt, dass er mehr Teamgeist braucht.« Er sieht mich an. »Du hast gelernt zu kämpfen.«

Ich zögere. Will irgendetwas sagen, aber ich weiß nicht, was. Schließlich fällt es mir ein:

»Danke für Ihr Vertrauen, Coach.«

»Bitte. Und was immer heute passiert ist: Erinnere dich daran. Wenn du in dieser Saison so spielst wie eben, haben wir eine echte Chance.«

So wie eben? Als ich mich geprügelt habe? Als ich Nathan Block als wertloses Stück Scheiße bezeichnet habe? Als ich mich verhalten habe wie ein Grizzlybär auf Koks? Ich weiß nicht, ob ich das will. Ich weiß nicht, ob ich mich je wieder so fühlen will. Aber Block hat diese Gefühle hervorgerufen. Er wird weiter Teil des Teams sein. Und ich hasse ihn.

»Geht klar, Coach.«

Nathan

Ein halbes Jahr, bevor ich dieses Arschloch Cooper Yardley heirate:

Dieses Arschloch, dieses totale Arschloch.

Bebend vor Hass reiße ich mir das Trikot vom Leib und stapfe unter die Dusche. Dieses Arschloch Cooper Yardley. Der Rest des Teams ist schon länger hier und die Ersten verlassen gerade die Kabine. Wasser spritzt, als ich über die nassen Fliesen marschiere, und nach Duschgel riechender Dampf schlägt mir entgegen.

Ich stelle mich unter die nächstbeste Brause und schlage gegen den Knopf. Kaltes Wasser schießt auf mich nieder. Mein ganzer Körper verkrampft. Ich lasse es kalt. Bleibe darunter, auch wenn ich glaube, zu erfrieren. Beiße die Zähne aufeinander, um nicht loszubrüllen.

Cooper Yardley ist der neue Center der ersten Linie.

Ja, ich könnte mich freuen, dass ich nach der Aktion eben nicht auf die Ersatzbank abgeschoben wurde. Aber Yardley hat sich genau so daneben benommen und der Coach hat ihn in die erste Linie gesteckt, warum auch immer.

Nein, ich weiß, warum. Weil er reich ist. Weil er dazugehört. Weil er ein Teil dieser Welt ist und ich nicht. Weil er der Liebling des Coachs ist und ich nur das arme Gör, das er irgendwie duldet.

Das Schlimmste ist der Verdacht, dass er mich nur duldet, weil ich Leistung aus Cooper heraushole. Aus seinem Goldjungen.

Aber ein reicher Schnösel wie Cooper Yardley will doch gar nicht Profi werden. Der wird … keine Ahnung. Anwalt oder sowas. Ich dagegen? Brauche die Position in der ersten Linie, brauche die Erfahrung, die Zeit auf dem Eis, die Sichtbarkeit. Ich muss es schaffen. Cooper Yardley hat tausend andere Optionen und ich nur diese eine.

Meine Faust schlägt gegen die Fliesen.

Ich hasse ihn.

---ENDE DER LESEPROBE---