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Willkommen in einer Welt, in der Lyrik mit einem Augenzwinkern daherkommt. Dieser Gedichtband lädt dazu ein, das Leben und die Menschen mit Humor, liebevoller Ironie und einem Gespür für das Skurrile im Alltäglichen zu betrachten. Hier begegnen Sie eigenwilligen Gestalten wie dem ehrenwerten Dr. Pugnatz und dem eifrigen Dichter Bürlein. Auch die sprachlichen und menschlichen Eigenheiten von Nordfriesen und Franken kommen nicht zu kurz - charmant beobachtet und pointiert in Versform gegossen. Die Gedichte wechseln spielerisch zwischen bekannten und überraschend neuen Formen: vom klassischen Sonett über Limericks und Balladen bis hin zu exotischen Formaten wie Pantunen und Klapphörnern. Wer Freude daran hat, lyrische Vielfalt zu entdecken, wird hier fündig. Dabei bleibt der Band nie im luftleeren Raum: Immer wieder blitzen Verweise auf die große Tradition der Dichtkunst auf. Bekannte Motive und Versformen werden liebevoll zitiert, augenzwinkernd gebrochen oder in ein neues Licht gestellt. Ein Buch für alle, die mit Lust am Sprachspiel in eine poetische Welt eintauchen möchten - voll überraschender Begegnungen, literarischer Raffinesse und einem feinen Gespür für das Menschliche. Ein Gedichtband wie ein Schaufenster in eine versponnene Welt - humorvoll, klug und überraschend.
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Seitenzahl: 53
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Aus aller Welt
Balladen und Couplets
Nachrichten aus Unterfranken
Dr. Pugnatz und Dichter Bürlein
Nordfriesen
Wohnstübchen
Lauter Sonette
Schüttel, Rühr und Echo
Kinderstübchen
Einige Symbolicks
Haikumania
Starke Frauen
Tierisch unernst
Noch Fragen zum Triolett?
Touristen
Neues von den alten Rittersleut
Unsinn und Sinnlichkeit
Warum ist es am Rhein so schön?
Klapphörner
Den Hausfreund traf Meyer aus Gotha
im Bett seiner Frau. Die rief: „Lothar,
nicht so, wie du denkst,
er ist nicht mein Hengst“.
Doch Lothar aus Gotha sah rot da.
Es lebt ein Beamter in Suhl,
der findet Bestechung echt cool.
Er zahlt keine Steuern,
man kann ihn nicht feuern:
Er klebt viel zu fest auf dem Stuhl.
Ein Heimwerker wollte in Köthen
das Leck in der Gasleitung löten.
Er landete weich
im Feuerlöschteich.
Da quakten vor Schreck alle Kröten.
Da fragt sich ein Fischer aus Nanking,
der öfters für Wochen auf Fang ging,
warum unterm Dach
im Ehegemach
ein ganz fremder Blaumann im Schrank hing.
Ich liebe das Klischee
Kennt ihr nicht den Mann der Männer
aus der alten Odyssee?
Mal als Held und mal als Penner
war er jahrelang auf See.
Und er fand 'ne flotte Nymphe.
Sie war schön, er war ein Mann,
ging sofort ihr an die Strümpfe,
und er zeigte, was er kann.
Doch Homer war auch der Größte,
er entwickelt das Klischee,
sorgt dafür, dass er sich löste,
heimwärts zu Penelope.
Julia auf dem Balkone
schmachtet sehr, ihr Herz geht auf.
Romeo schon da, und ohne
Wimpernzuck ist er schon rauf.
Küsse gab es ohne Zahl,
Liebe bis zum Lerchenschlag
(oder war's die Nachtigall?)
Jedenfalls, die Nacht war lang,
und so scheint es, auch verboten.
Ich muss weinen, ach, o weh,
um die jungen süßen Toten,
doch ich liebe das Klischee.
Wisst ihr schon, seit letztem Freitag
läuft im Casablanca an
für das Festival der Beitrag,
dieser Szenefilm aus Cannes.
Gut, da ist zunächst ein Mann,
halt so'n Typ, die Schläfen grau.
Gegenüber, so fängt's an,
sitzt, ihr wisst schon, eine Frau,
Typ Deneuve, als sie noch jünger.
Beide flüstern, kaum zu fassen,
und sie langen mit dem Finger
eben nach den Mokkatassen,
da, ein Luftzug, und schon schlängelt
sich der Rauch der Zigarette,
denn es kommt herein gedrängelt
blutjung, taufrisch 'ne Brünette,
Pagenkopf und Baskenhut,
Wimpernschlag voll Ungeduld.
Klar ist jetzt: Das geht nicht gut.
Klar ist auch: Der Film ist Kult.
Will nicht allzu viel mehr schildern,
nur den Schluss noch – es ist Nacht –
zähl' ich zu den stärksten Bildern:
Er allein am U-Bahnschacht,
die Musik macht dabadamba,
und es fällt der erste Schnee.
Wartet er wohl auf die Tram da?
Ach, ich liebe das Klischee.
Letzte Nacht war ich am Zappen,
hab 'ne Menge rumgestellt,
hier ein Happen, da ein Happen.
Halt, da war's, was mir gefällt:
Ält'rer Herr, kein bisschen fett und
fesch in seiner Trachtenkleidung
– steht ihm besser, als dem Edmund –
Witwer er, kein Wort von Scheidung.
Und dann war da noch die Zenzi
vom Hotel am Tegernsee.
Jedermann am Orte kennt sie,
namentlich ihr Dekolletee.
Diese Frau war echt 'ne Bombe,
reifer schon und etwas mollig,
im Gebiss noch keine Plombe,
doch vielleicht erwähnen soll ich:
Ihr Hotel hat massig Schulden,
und da schleicht herum ein Freier,
welcher wedelt mit den Gulden.
Auch kein Bayer, dieser Geier.
Ich verrat euch gleich die Wende:
Oben in der Felsenschlucht
fand die Zenzi fast ihr Ende.
Fragt jetzt nicht, was sie dort sucht.
Doch der Förster mit dem netten
Dackel (oder Tierarzt gar)
war zu Stelle, konnt' sie retten,
der, ihr wisst schon, wer das war.
Hat er sie nun gleich genommen
auf der Wies' voll Enzian?
Klar ist, er hat sie bekommen,
denn er war ein reicher Mann.
Derweil beißt der Rauhaardackel
diesem drecksverdammten Freier
kräftig in's Armanijackel.
(Der war selbst ein Pleitegeier.)
Zenzi hat 'ne Tochter Franzi
im Hotel am Tegernsee.
Oberförsters Sohn heißt Hansi.
Ach, ich liebe das Klischee.
Eben sitz ich in der Bahn
und entfalte groß die Zeit.
Keiner setzt sich nebenan.
Geht nicht, denn das Blatt ist breit.
Doch jetzt kommt's, mein Vis-à-vis
macht, dass mir der Atem stockt.
Heimlich schau ich auf die Knie,
welche frei, da kurzberockt.
Und ich pliere auch gebannt
– es verschwimmt der Wirtschaftsteil –
etwas über'n Zeitungsrand.
Was ich sehe: Wahrlich, heil-
dilitzka, möcht' ich naschen.
Sitze einfach da und gaff da,
möchte einen Blick erhaschen,
doch sie liest ein Buch von Kafka.
Plötzlich schlängelt sie sich hoch,
greift die Tasche und ihr Buch…
Welch ein Duft! Ich denke noch,
blinzelnd auf ihr knappes Tuch:
Jetzt schon raus? Noch fahr'n wir schnell.
Halt, das stimmt mich gar nicht heiter:
Hier die Wolke von Chanel,
dort sie selbst, drei Reihen weiter.
Oh, ihr Freunde, das tut weh.
Ich vermisse das Klischee
auf der Fahrt im ICE.
Deutsche Balladen
„Freunde, es gab schön're Zeiten!“
So hat Schiller einst gesungen,
und daran ist nicht zu streiten,
was die Menschheit jetzt errungen,
ist nicht nur der Technik Zier,
schöne Muße, Wärme, Fressen,
sondern auch – ach, schweigen wir.
Hab ich doch schon fast vergessen
alter Zeiten Freud und Plage.
Also folgt mir auf der Suche:
Helden uns'rer Jugendtage,
raus aus dem Balladenbuche.
Kommt, ihr armen Grenadier',
Ibikus, ergreif die Leier,
kalte Füße, Herr Kurier,
müssen doch nicht gleich ins Feuer.
Nicht mehr weit bis Buffalo,
Belsazar macht schlechte Witze.
Bravo, Herr von Chamisso,
dein Barbier ist wirklich Spitze.
Thules King im Saal der Ritter
füllt den Becher bis zum Rand.
War es Rotwein, Magenbitter,
Birnengeist vom Havelland?
Und er schleudert ihn im Bogen
in das Meer, das schäumt und zischt.
Taucher kraulet durch die Wogen:
Keine Chance, den hat's erwischt.
Besser ging's der Friesencrew:
Ließ zwar Mutter lamentieren,
doch – jetzt kommt der große Clou –
Uwe hing noch in den Spieren.
Alter Sänger vor dem Tor
grölt für ein paar gute Schlücke.
Schaudernd eilend durch das Moor
kam der Knabe noch zurücke.
Archibald, der edle Lord,
trägt sein Hemd schon sieben Jahr.
Edward schafft den Vater fort,
was der Mutter peinlich war.
Hundert Strophen und noch mehr
(und die Losung gilt noch heute),
bis die Glocke fertig wär.
Friede war ihr erst Geläute.
Doch ich hör es fast mit Schaudern,
ungerecht will es mich dünken,
dass sie einfängt ohne Zaudern,
