Ich, mein Mann und seine Ehefrau! - AlBerta Alberta - E-Book

Ich, mein Mann und seine Ehefrau! E-Book

AlBerta Alberta

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Beschreibung

Aus dem Tagebuch einer liebevollen Dreierbeziehung. Es handelt von einem treusorgenden Ehemann, der seine an Alzheimer erkrankte Frau schon seit über 7 Jahre pflegt, des Alleinseins müde ist, sich eine neue Partnerin sucht und auch findet. Er wollte wieder leben! Ja, er hatte nach diesen letzten Jahren nur an das Wohlergehen seiner Frau gedacht. Er war nur für sie da. Er hegte und pflegte sie aufopfernd…. und oft dachte er, war das alles? Aber das Leben war für ihn noch nicht zu Ende. Mit seinen 73 Jahren fühlte er sich noch jung und fit genug für eine neue Partnerschaft. Ja, er hatte wieder LUST ZU LEBEN…..und er fand sie, eine liebe Frau, ein paar Jährchen jünger als er, die genau das gleiche wollte wie er. Auch sie hatte nach schweren Schicksalsschlägen und des Alleinseins müde, einen neuen Partner gesucht. Auch sie hatte wieder LUST ZU LEBEN……und nun begann das Schicksal seinen Lauf…eine pikante, mal lustige, mal traurige, auch frivole Erzählung aus den Tagebüchern von Berta und Albert über ihre Dreierbeziehung….es geht um Gefühle, Liebe, Leidenschaft und Eifersüchteleien. Und nicht zu vergessen, was für die beiden immer im Mittelpunkt stand und bis heute noch steht, ist die liebevolle Pflege der an Alzheimer erkrankten Ehefrau. Das Tagebuch berichtet das gleiche Geschehen jeweils aus der Sicht Beider, von Berta und von Albert.

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Seitenzahl: 198

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Impressum

Ich, mein Mann und seine Ehefrau! Anders Lund Published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de Copyright: © 2012 Anders Lund ISBN: 978-3-8442-4002-3

Vorwort

Ich, mein Mann und seine Ehefrau!

Aus dem Tagebuch einer liebevollen Dreierbeziehung. Es handelt von einem treusorgenden Ehemann, der seine an Alzheimer erkrankte Frau schon seit über 7 Jahre pflegt, des Alleinseins müde ist, sich eine neue Partnerin sucht und auch findet. Er wollte wieder leben! Ja, er hatte nach diesen letzten Jahren nur an das Wohlergehen seiner Frau gedacht. Er war nur für sie da. Er hegte und pflegte sie aufopfernd…. und oft dachte er, war das alles?

Aber das Leben war für ihn noch nicht zu Ende. Mit seinen 73 Jahren fühlte er sich noch jung und fit genug für eine neue Partnerschaft. Ja, er hatte wieder LUST ZU LEBEN…..und er fand sie, eine liebe Frau, ein paar Jährchen jünger als er, die genau das gleiche wollte wie er. Auch sie hatte nach schweren Schicksalsschlägen und des Alleinseins müde, einen neuen Partner gesucht. Auch sie hatte wieder LUST ZU LEBEN……und nun begann das Schicksal seinen Lauf…eine pikante, mal lustige, mal traurige, auch frivole Erzählung aus den Tagebüchern von Berta und Albert über ihre Dreierbeziehung….es geht um Gefühle, Liebe, Leidenschaft und Eifersüchteleien.

Und nicht zu vergessen, was für die beiden immer im Mittelpunkt stand und bis heute noch steht, ist die liebevolle Pflege der an Alzheimer erkrankten Ehefrau.

Das Tagebuch berichtet das gleiche Geschehen

jeweils aus der Sicht Beider, von Berta und von Albert.

Die Vorgeschichte

berichtet von Albert

Wir waren bereits über 40 Jahre verheiratet, als sich etwas ereignete, das nicht - wie üblich - mit „das kann ja einmal passieren“ zu erklären war.

Meine Frau besuchte im Jahr 2002 mit einer Freundin die Türkei. Nach ihrer Rückkehr sah ich auf einmal auf unserem gemeinsamen Konto eine sehr hohe Abbuchung für einen Schmuckkauf. Meine Frau hatte mir nichts davon erzählt, zeigte mir aber dann den Schmuck und erzählte mir, dass der abgebuchte Betrag nur eine Anzahlung war und sie noch weitere Wechsel ausgestellt hat, die später abgebucht würden. Helene, meine Gattin, ist immer sehr sparsam gewesen und ich konnte mir nicht erklären, wie sie auf einmal so große Summen ohne Rücksprache mit mir ausgeben konnte. Irgendwie habe ich das dann in den kommenden Jahren wieder vergessen.

Dann passierte es, ich glaube im Jahr 2004, dass auf einmal unsere Pässe verloren waren. Wir wollten zu unseren Kindern in die USA fliegen, aber die Pässe waren weg. Jahre später wurden sie irgendwo unter der Wäsche gefunden. Auch das war sehr wahrscheinlich ein Symptom der unterschwellig voranschreitenden Demenz. Ich erinnere mich heute, dass Helene sich häufig in der Küche den Arm verbrannte, oder auch beim Bügeln. Ich sah dann die Brandwunden am Arm, aber Helene konnte sich nicht erinnern, dass sie sich verbrannt hatte. In den kommenden Jahren bemerkte ich dann, dass Helene einfache Sachen vergaß oder nach Worten suchen musste. Sie funktionierte aber ansonsten in allen anderen Lebenslagen ganz normal.

Wir besuchten im Jahre 2005 wieder die USA. Dieser Besuch sollte entscheiden, ob wir wieder nach Kalifornien übersiedeln. Es stellte sich jedoch heraus, dass es nicht mehr realisierbar war. Das war in vieler Hinsicht ein Schock für Helene, da sie mit ihren Kindern zusammen leben wollte. Statt dessen kauften wir eine Immobilie in Deutschland und zogen noch in diesem Jahr in das neue Haus. Da sich die Anzeichen mehrten, empfahl unser Hausarzt ihr im Herbst 2005, einen Neurologen für bestimmte Tests aufzusuchen. In einem nachfolgenden Gespräch mit dem Hausarzt wurde uns dann eröffnet, das Helene an Alzheimer leidet. Ich glaube, wir waren beide bestürzt. Der Arzt erläuterte uns verschiedene Wege, wie man die Krankheit aufhalten kann, welche Medikamente es gibt und dergleichen mehr. Soweit ich mich erinnere, sind wir beide schweigend aus der Praxis herausgekommen und haben auch anschließend nie über ihr Krankheitsbild gesprochen. Leider war dieses typisch für uns und wir lebten weiter, als ob dieses Arztgespräch nicht stattgefunden hätte.

In den nächsten zwei Jahren wurden die Symptome etwas sichtbarer, aber wir führten ein normales Leben. Es zeigte sich, das Helene orientierungslos wurde. Zum Beispiel wollte sie eine gute Freundin besuchen, kehrte dann aber wieder zurück, weil sie nicht mehr wusste, wie man dort mit dem Wagen hinfährt. Ich habe dies zunächst nicht mitbekommen. Aber es passierte dann mehrmals und Helene brach in Tränen aus, weil sie sich ihrer Lage bewusst wurde. Kurz danach haben wir uns dann entschlossen, dass sie den Wagen nicht mehr fährt. Das war dann im Herbst 2006.

Im Jahr 2007 verkaufte ich unser Zweitauto. Es war für mich eine Zäsur; wir hatten immer zwei Wagen und waren somit immer unabhängig. In diesem und in den weiteren Jahren mehrten sich die Anzeichen, dass Helene nicht immer in der Lage war, allein Freundinnen zu besuchen. Sie kam dann nach kurzer Zeit von einem Besuch zurück und erzählte mir, dass ihre Freundin nicht im Hause gewesen wäre. Auch hier, nachdem es sich öfter zugetragen hatte, beichtete sie mir, dass sie das Haus nicht gefunden hätte. Es geschah auch, dass sie auf ihren Spaziergängen die Richtung verlor. Ich bekam dann einen Anruf einer gemeinsamen Freundin, die mir sagte, dass ihr Helene begegnet ist und dass sie sie mit sich nach Haus genommen hat. Ich könnte sie dort abholen.

Helene und ich haben nie wirklich über diese Vorkommnisse geredet, obgleich wir beide darunter gelitten haben. Aber keiner von uns konnte diesen Graben überspringen.

Zu diesem Zeitpunkt jedoch haben wir uns entschlossen, uns gegenseitig Patientenverfügungen, Testament, Vorsorgevollmachten und so weiter auszustellen. Ich hatte Angst, dass mir so etwas auch passieren kann und ich wollte sicher gehen, dass ich Helene so helfen kann, wie es ihrer Krankheit gemäß erforderlich ist. Das war dann schon Ende 2007. Fünf Jahre waren seit dem Türkeiaufenthalt vergangen. Das Leben jedoch verlief meistens noch in normalem Rhythmus. Wir besuchten weiterhin unsere Kinder in Amerika. Wir machten Urlaub, besuchten die Familie, aber viele Sachen wurden schlechter. Ich musste mich schon an den Kopftopf stellen. Helene wusste viele Rezepte nicht mehr; sie konnte jedoch noch Kartoffeln schälen und andere Arbeiten nach Anweisung machen. Ich muss gestehen, dass ich häufig so genervt war, dass ich sie anfuhr und kritisierte. Dann passierte es bisweilen, dass Helene weinte und mir sagte: „Du weißt doch, dass ich krank bin“. Ich fühlte mich dann erst recht schlecht. Aber es war für mich auch eine Situation, die ich nicht kannte und in der ich mich zurecht finden musste.

Irgendwann passierte es, dass Helene sich eine Weste verkehrt herum anzog. Wir lachten noch darüber.

Aber dann geschah es häufiger und es blieb nicht bei einer Weste, es kam der Pullover, die Hose. Ich musste mehr und mehr beim Anziehen helfen. Musste die Kleidung und auch die Unterwäsche heraussuchen, weil sie die verschiedenen Kombinationen nicht mehr zusammenstellen konnte.

Anfang 2009 war ich bereits hundertprozentig in den Haushalt eingespannt. Ich musste aufpassen, wohin sie geht, sie war nicht mehr in der Lage unser Haus zu finden, aber sie ging gern spazieren. Also musste ich mitgehen. Ich musste die Türen zuschließen, damit sie nicht allein hinausging.

Zu diesem Zeitpunkt konnte sie sich noch einfach ausdrücken. Denn es geschah, dass sich Helenes Vokabular minderte und sie nicht mehr komplette Sätze bilden konnte. Um jedoch selbst etwas Zeit für mich zu haben und auch Erledigungen zu machen, entschloss ich mich, Helene für einen Tag in die Tagespflege zu geben. Sie ging nicht sehr gern dorthin, weil viele der Pflegebedürftigen älter waren als sie oder bereits im Rollstuhl saßen. Ich wurde auch mehr und mehr für ihre körperliche Pflege verantwortlich. Ich brauchte mehr Zeit für mich und erhöhte deshalb die Tagespflege, erst auf 2 Tage und dann auf 3 Tage in der Woche. Helene wurde jedoch unruhiger und wollte auf eigene Faust die Pflege verlassen.

Bereits vor der Krankheit war unsere Ehe durch die vergangenen vielen Umzüge sehr gestört, weil Helene die Ortswechsel nicht bewältigen konnte, die jedoch durch meinen Job erforderlich waren. Wir führten, jeder von uns, ein einsames Zusammenleben. Jetzt kam auch noch die Krankheit hinzu. Ich brauchte eine Person mit der ich mich aussprechen und mit der ich auch etwas Freude haben konnte. So kam Berta über Umwege in mein Leben. Helene wurde ihr vorgestellt, dabei war sofort eine gegenseitige Sympathie zu spüren. Helene war nie eifersüchtig, selbst dann nicht, als Berta und ich uns näher kamen und sie hin und wieder bei uns übernachtete. Für Berta war es jedoch nicht ganz so einfach. Sie wollte einen Partner haben und nicht einen verheirateten Mann.

Ende 2010 wurde es schwierig für das Personal der Tagespflege, weil Helene nicht dorthin wollte und immer wieder versuchte, nach Hause zu gehen. Es war ja keine geschlossene Anstalt und somit konnte Helene leicht nach draußen gelangen. Man musste mich anrufen, damit ich Helene am Telefon sagen konnte, dass sie noch etwas warten muss, bis ich sie abholen werde. Manches Mal wurde ich 2- und 3-Mal angerufen.

Zum Schluss, es war Anfang 2011, wurde mir von dem Heim mitgeteilt, dass man Helene nicht mehr halten kann. Seit der Zeit ist sie zuhause und nimmt 100% meiner Zeit in Anspruch. Das war auch der Zeitpunkt, zu dem Berta ganz bei uns einzog.

Es war ein Segen, dass ich Berta kennengelernt habe. Ohne Berta wäre ich nicht mehr in Lage, für Helene zu sorgen.

Die Vorgeschichte

berichtet von Berta

An einem Freitag, im Jahre 2009 haben wir uns kennen gelernt. Ich Berta, mein jetziger Mann Albert (wir sind nicht verheiratet, aber er ist mein Mann) und seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau Helene, die ich aber erst eine Woche später kennen lernte. Es war der 11. September 2009, vormittags bei einem Spaziergang, ich erinnere mich ganz genau. Albert hatte damals schon das stattliche Alter von 73 Jahren erreicht und ich war mit meinen 60 Jahren auch nicht mehr die Jüngste.

Es war ein herrlicher, sonniger Herbstvormittag, als wir uns das erste Mal begegneten. Ich hatte eine Trennung und eine schlimme Krankheit hinter mir, und er erzählte mir von seiner an Alzheimer erkrankten Ehefrau, die er seit ca. 7 Jahren behüte und pflege. Er brachte seine Helene damals jeweils 2 x in der Woche in eine betreute Gruppe für Demenzkranke um ein bisschen freie Zeit für sich zu haben. Ich war neugierig und wollte natürlich seine Ehefrau auch kennen lernen und wir verabredeten uns für die kommende Woche in einem kleinen Restaurant zum Abendessen und es wurde so ein wunderschöner Abend zu dritt, sodass wir unser Treffen des öfteren wiederholten. Leider herrschte ein sehr kalter, aber dennoch höflicher Umgangston zwischen den beiden. Sie hatten sich irgendwie nichts mehr zu sagen…..

Mir erzählte sie stotternd (wie ein kleines Kind, das sprechen lernt ), dass sie Albert in Hamburg kennen gelernt hatte und sprach auch von ihren Eltern, wobei sie der festen Überzeugung war, dass sie noch lebten. Sie hatte vergessen, dass sie schon längst verstorben sind. Kurz und gut, wir Frauen fanden uns recht sympathisch und beim Abschied umarmten wir uns innigst, wie zwei alte Freundinnen und seit dieser Zeit trafen wir uns öfters.

Im September 2010 verschlimmerte sich Helenes Krankheit. Eine einigermaßen verständliche Unterhaltung mit ihr war unmöglich, auch war sie oft sehr unruhig. Aber wenn ich zu Besuch kam, freute sie sich wie ein kleines Kind und nahm mich vollkommen in Beschlag. Zu jener Zeit brachte Albert seine Ehefrau dann 3 x in der Woche in die betreute Alzheimer Gruppe…….so hatten wir auch einige Stunden zu zweit alleine und konnten uns besser kennen lernen. Aus unserer anfänglichen Sympathie füreinander wurde Liebe und Alberts Frau war für mich wie eine liebe kleine Schwester, auf die ich aufpasste und mit der ich rumalbern konnte.

Anfang 2011 verschlechterte sich Helenes Gesundheit so sehr, dass diese Gruppe sie nicht mehr aufnahm. Sie war weglaufgefährdet. Somit hatte Albert nun seine Ehefrau rund um die Uhr zu versorgen. Inzwischen wurde sie auch inkontinent. Er musste sie waschen und ankleiden….er war so verzweifelt, er hatte mit Helene einen 24-Stunden-Job. Albert ging es gesundheitlich sehr schlecht Er meinte und schlug mir vor, dass es doch für uns alle besser wäre, wenn wir zusammen wohnen würden. Ich überlegte nicht lange und zog zu den beiden in ihr Haus. So konnten wir uns die Arbeit mit Helene aufteilen. Wir waren alle drei glücklich und zufrieden ….und vor allem:

Und wir beschlossen an unserem 2. Jahrestag, ein Tagebuch zu führen. Dieses Tagebuch widmen wir unseren Kindern, unserer Familie und all’ unseren Freunden….zum besseren Verstehen unserer Dreierbeziehung.

Ich Berta, mein Mann Albertund seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau Helene.

Die Namen der Beteiligten wurden geändert.

Berta

Sonntag, 11. September 2011

Heute vor 2 Jahren haben wir uns kennen gelernt….

Ich wache früh auf, quäle mich aus dem Bett….gehe runter in die Küche um mir wie immer zuerst einen Kaffee zu machen und siehe da…Schokolade, Schokolade von meinem Liebling….schöööööön….

meine Lieblingsschokolade, und bevor das Wasser für meinen Kaffee sprudelt, habe ich schon die Hälfte der Tafel verschlungen….ich habe den tollsten und besten Mann der Welt kennen gelernt, denke ich…soll ich mich gleich bedanken ?...nein, ich schleiche mich leise mit meiner Tasse Kaffee und der angebrochenen Tafel Schokolade am Schlafzimmer meines Liebsten vorbei, möchte ihn nicht wecken…gehe auf leisen Sohlen die Treppe hoch in mein Dach-juchhe…und verschlinge den Rest meiner Schokolade….trinke genüsslich meinen lauwarmen Milchkaffee und mache wie jeden Morgen meine Gymnastikübungen für meinen Rücken.

Später entdecke ich auch noch eine Tafel Schokolade neben unserem Bett, und auf dem Frühstückstisch liegt auch noch eine Tafel, der Tag fängt ja wunderbar für mich an. Nach dem Frühstück verdrücke ich die zweite Tafel und danach wird mir nur noch schlecht. Mein Magen verweigert jede weitere Aufnahme und ich muß mich übergeben. Am späten Nachmittag bekommen wir noch Besuch von unserem Freund George mit seiner reizenden Frau Ilse. War ein netter und lustiger Nachmittag und abends fahren wir dann noch zum Essen.

Mein Magen ist wieder OK. Ich esse eine Pizza und vorher gibt’s noch einen Italienischen Salat.

Helene, die an Alzheimer erkrankten Ehefrau meines Mannes, bekommt ein paniertes Schnitzel mit Pommes. Das Schnitzel wird klein geschnitten, so dass Helene mit den Händen essen kann. Sie ist heute aber etwas unruhig und abgelenkt. Grund ist folgender: Ein Tisch weiter, also hinter mir, sitzt ihr langjähriger Hausarzt, und dem lächelt Helene nett zu und dabei streicht sie ganz zärtlich immer über die Tischdecke….steht auf, streckt ihren Kopf Richtung Nachbartisch und schaut etwas unsicher mal rechts und links, ist auch unruhig… Albert möchte, dass sie sich wieder setzt…das ignoriert sie jedoch, sie wird immer ungeduldiger und auf einmal schaut sie fröhlich und mit strahlenden Augen zu ihrem Hausarzt, der ihr freundlich zunickt. Natürlich will sie zu seinem Tisch….ich sage: Albert, lass sie doch. Sie streichelt, faltet und streichelt wieder die Tischdecke und erhebt sich ganz langsam vom Tisch, geht dann schleichenden Schrittes zum Tisch hinter mir und strahlt ihren Hausarzt an (es müffelt etwas streng, ich glaube ihr Höschen ist überfüllt). Der Doktor begrüßt sie freundlich und spricht mit ihr ein paar nette Worte. Danach kommt sie wieder ganz gemächlich, mit einem spitzen Mündchen und schelmisch lächelnden Augen an unseren Tisch.

Mit dem Essen läuft es verhältnismäßig gut, sie isst mit den Fingern und Albert hilft ihr beim Trinken. Zu Hause wechseln wir ihr dann ruckzuck das dufte Höschen. Kein Wunder, es ist wirklich eine bemerkenswerte Portion!

Albert

Sonntag, 11. September 2011

Heute ist unser 2. Jahrestag und Berta wünschte sich eine spezielle Schokolade – gleich drei Tafeln. Die will sie sofort in toto essen. Also kommt die erste Tafel vor dem Frühstück in den Magen. Sie fühlt sich danach nicht gut, ist sich aber sicher, dass sie auch die anderen Tafeln essen würde. Mittags kommt dann die Zweite an die Reihe und wie kann es nicht anders kommen, es wird ihr schlecht. Den Rest können wir uns denken.

Für den Nachmittag hat sich George mit Frau zu Besuch angesagt. Und wie immer kommt die Sprache auf Demenz. Sie waren erst vor ein paar Jahren umgezogen und George hatte damals gesagt, hier tragen sie mich nur noch mit den Füßen voraus hinaus. Heute sagt er nun, vielleicht wird er noch einmal umziehen. Auf die Frage, warum der Sinneswandel? kommt die Antwort: ich glaube, ich werde dement. Er vergisst so viele Dinge. Das ist natürlich Unsinn, jeder vergisst nun einmal etwas und wenn man älter wird, dann sowieso.

Natürlich ist Helene immer ein Thema. Sie sitzt mit uns am Tisch und ist an diesem Tag gut drauf. „Eigentlich macht sie doch gar keine Arbeit“, meint Ilse. Ja so ist, wenn man als Außenstehende Helene nur 1 Stunde sieht.

Wir drei fahren anschließend noch zum Essen. Heute soll nicht gekocht werden. Wir haben für Helene einen Kinderteller mit Schnitzel und Pommes bestellt. Wenn wir das Schnitzel in kleine Stücke schneiden, dann kann sie es mit den Fingern essen. Unser Hausarzt ist auch im Restaurant und Helene erkennt ihn sogar und will unbedingt zu ihm hingehen. Er ist sehr nett zu ihr und kommt später zu uns und ist erstaunt, dass Helene ihn noch kannte.

Berta

Montag, 12. September 2011

1 kg zugenommen….wiege jetzt wieder 58 kg. der Tag fängt ja gut an denke ich. Ab heute wird abgenommen, nehme ich mir jedenfalls vor.

Wir haben heute etwas länger geschlafen. Helene wacht zwar um ca. 7 Uhr auf, aber Albert bringt sie nochmals ins Bett. Wir kuscheln noch bis ca. 8 Uhr. Ist leider ein Fehler….nicht für uns, es ist nur wegen Helenes Windelhose. Die ist natürlich wieder voll, durch das längere Liegen….auch massiv. Ich helfe immer beim Windelwechseln. Albert ist für das Grobe zuständig und ich mache den Rest. Er ist ein sparsamer Mann. Also nimmt er für diese Reinigungsarbeiten an Helenes Intimbereich Hilfsmittel von nur geringem Umfang – ein Blättchen genügt für das Gröbste. Zur etwas übertriebenen Sparsamkeit auch noch gefaltet und doppelt verwendet. Zwei Blättchen wären für die Hygiene angebrachter, finde ich...aber die Hände kann man ja waschen. Bei dieser Zeremonie kann ich nicht wegsehen….schaue gebannt auf seine schönen, schlanken Hände und denke dabei immer, hoffentlich geht das gut. Dann kommt mein Part: Ich wasche mit einem Wegwerfhandschuh ihren Poppo mit lauwarmem Seifenwasser gründlich ab.

Danach wird wieder mit einem Blättchen Papier zärtlich gewischt und gefaltet und wieder gewischt... Warum nimmt er denn nicht ein paar Blättchen mehr?, aber nein, es wird gespart…. Danach reibt Albert Helenes soeben gereinigten Hintern mit feuchten, geölten Tüchern nochmals ein…und dazu gebraucht mein Liebling auch nur 1 – 2 Tüchlein. Ja, auch diese werden nach dem Vorgang nochmals gefaltet und wieder verwendet und abermals gefaltet und landen dann auf dem Heizkörper oder der Fensterbank….seit neuestem im Waschbecken….und hinterher im Windeleimer.

Schließlich wird Helene von oben bis unten gewaschen….oh…sie mag kein Wasser. Wasser auf der Haut ist so schrecklich für unsere schöne Frau Lind. Mit Widerwillen und etwas Gemurre, lässt sie das alles über sich ergehen und wird erst ruhiger, wenn wir sie mit dem Handtuch abtrocknen.

Albert

Montag, 12. September 2011

Helene trinkt immer wenig. Aber als sie noch in der Tagespflege war, fing sie an, alle dastehenden Gläser mit Fruchtsaft oder Mineralwasser leer zu trinken, egal ob es ihr Glas war oder von einer anderen Person.

In den letzten zwei Monaten hat sich das völlig geändert. Sie trinkt morgens weder ihren Kaffee noch später irgend ein anderes Getränk. Jetzt muss man ihr jeden Tag Flüssigkeit einflößen. Dann funktioniert es noch, dass sie ihren Flüssigkeitsbedarf bekommt. Allein kann sie überhaupt nicht mehr trinken. Das hat sich in den letzten sechs Wochen ergeben, wohl auch während der Zeit im Heim, als Berta und ich Urlaub machten.

Heute gehen wir überhaupt nicht aus dem Haus. Wir können jedoch auf der Terrasse sitzen. Helene hat dabei die meiste Zeit die Augen geschlossen. Ist aber sofort ansprechbar, obwohl es so aussieht, als ob sie schläft. Diese Perioden sind auch in den letzten Wochen länger geworden. Normalerweise versuchen Berta und ich, mit Helene einen Spaziergang zu machen. Es ist ja wichtig, dass sie mobil bleibt, denn die Treppen im Haus muss sie gehen können.

Berta hat sich heute strikt an eine Diät gehalten. Nach der Schokoladenparty und dem montäglichen Wiegen möchte Berta Gewicht verlieren. Ich liebe sie so, wie sie ist, aber sie fühlt sich wohler ohne die Extrapfunde. Mal sehen, wie lange sie aushält.

Berta

Dienstag, 13. September 2011

„Liebling, es ist gleich 7 Uhr“, flüstert mir mein Liebster zärtlich ins Ohr und umarmt mich liebevoll. Wenige Sekunden danach….tippel, tippel... es raschelt, steht Helene mit ihrem Deckbett vor unserem Bett. „Ich möchte noch schlafen“, sagt Albert leise zu Helene. Wenige Sekunden danach verlässt sie mit ihrer Decke, die sie hinter sich her zieht, schmollend unser Schlafzimmer.

Nun bin ich auch wach. Ich stehe auf, schleiche mich an Helenes Zimmer vorbei, sie steht gerade vor ihrem Spiegelschrank und „unterhält“ sich mit ihrem Spiegelbild. Ich gehe runter in die Küche und bereite mir einen Kaffee.

Ich muss heute Morgen immer nur an meine drei Tafeln Schokolade denken, die Albert auf mein Anraten verstecken musste…ich öffne jeden Schrank und schaue hinein …..kann sie nirgends finden, ich gebe auf. Mit der Tasse in der Hand schleiche ich mich auf leisen Sohlen hoch, an Helenes Zimmer vorbei, in meinen Arbeitsraum und sitze nun am Computer und tippe. Eine Etage tiefer höre ich Helene reden, man versteht sie nicht …es ist ein undeutliches Gemurmel…Anscheinend unterhält sie sich wieder mit ihrem Spiegelbild.

Albert

Dienstag, 13. September 2011

Diät für Berta? Ist doch nicht so einfach. Und die Schokolade, die noch übrig war und die ich versteckt hatte, wird schon wieder gesucht. Wir alle versprechen Besserung.

Da Helene kein Wasser mag und sie auch Probleme hat, in die Dusche zu steigen, haben wir entschieden, ein Podest vor der Duschwanne aufzubauen. Der Einstieg ist über 35 cm hoch und es ist schwierig Helene dort hinein zu bekommen. Wenn das Wasser läuft, gibt es dann immer ein Mordio und Gezeter. Vielleicht geht es ja besser mit dem einfacheren Einstieg. Da ich schon beim Arzt und damit in der Stadt war, habe ich mir also im Baumarkt Kantholz so zusägen lassen, damit wir Füße für ein Podest bekommen und Helene so einfacher über den Wannenrand kommt. Berta hat wie immer die besten Ideen und kann die Holzfüße mit Klettverband an ein Brett befestigen. Morgen kommt dann der große Tag. Ob wohl alles klappt?

Bin mit Helene beim Zahnarzt. Immer ein Problem, aber der Arzt ist mit uns über Ecken verwandt und mag Helene gern. Wir halten sie mit drei Personen. Sie muss es über sich ergehen lassen und wenn wir dann sagen, dass alles ok ist, strahlt sie wieder über das ganze Gesicht. Jetzt ist der nächste Termin in 2 Monaten. Muss gemacht werden, da sie ja selbst die Zähne nicht mehr putzt. Gebe mir große Mühe, aber bin selbst froh, wenn ich es jedes Mal hinter mir habe.

Berta

Mittwoch,14. September 2011

Heute ist Duschtag. Helene hat lange geschlafen, wir müssen sie um 8 Uhr wecken …ja, und durch das längere Liegen ist ihr „Schlafanzug“ natürlich wieder etwas durchnäßt. Ziehe gleich das Spanntuch von ihrem Bett ab, nehme Helene an die Hand und tippele mit ihr zum Bad. Man muss Helene immer etwas ziehen, sie läuft langsam wie eine Schnecke und man muss aufpassen, damit sie auf dem Weg ins Bad nicht einschläft. Es geht bei ihr alles in Zeitlupe. Albert sagte mir, dass Helene auch vor ihrer Krankheit schon immer etwas langsamer als die anderen gewesen ist.