Ich sein - Reni Berg - E-Book

Ich sein E-Book

Reni Berg

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Beschreibung

Zu diesem Buch:Eigentlich wollten alle nur "ein paar Tipps": Nico wünscht sich, emotional gelassener zu sein und seine Stimme zu beherrschen. Er stößt an Grenzen - seine Karriere gerät in Gefahr. Wie kann Nadja selbstbewusster auftreten - egal, wer ihr gegenübersteht? Sarah wirkt zu dominant auf ihre Mitarbeiter - das behindert ihr Team. Martin arbeitet im Vertrieb - er will noch überzeugender wirken. Philipe möchte seine Vorträge lebendiger gestalten - seine Zuhörer sollen nicht mehr einschlafen. Und wie kann sich Vanessa erfolgreicher durchsetzen - in einer Männerdomäne? Julia möchte sich abgrenzen - und ihre Emotionen besser im Griff behalten. Christian will in Verhandlungen souveräner auftreten - sein Lampenfieber soll verschwinden. Und dann gibt es da noch diesen geheimnisvollen Fremden, der das Seminar durcheinanderwirbelt …Mit wertvollen Strategien und Methoden begeben sie sich auf eine sehr persönliche Reise zu sich selbst - viel mehr, als jeder erwartet hat.Ein Lehrbuch als Roman - gefühlvoll und packend bis zur letzten Seite.

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Für Papa

Zu diesem Buch:

Eigentlich wollten alle nur „ein paar Tipps“:

Nico wünscht sich, emotional gelassener zu sein und seine Stimme zu beherrschen. Er stößt an Grenzen – seine Karriere gerät in Gefahr.

Wie kann Nadja selbstbewusster auftreten – egal, wer ihr gegenübersteht?

Sarah wirkt zu dominant auf ihre Mitarbeiter – das behindert ihr Team.

Martin arbeitet im Vertrieb – er will noch überzeugender wirken.

Philipe möchte seine Vorträge lebendiger gestalten – seine Zuhörer sollen nicht mehr einschlafen.

Und wie kann sich Vanessa erfolgreicher durchsetzen – in einer Männerdomäne?

Julia möchte sich abgrenzen – und ihre Emotionen besser im Griff behalten.

Christian will in Verhandlungen souveräner auftreten – sein Lampenfieber soll verschwinden.

Und dann gibt es da noch diesen geheimnisvollen Fremden, der das Seminar durcheinanderwirbelt …

Mit wertvollen Strategien und Methoden begeben sie sich auf eine sehr persönliche Reise zu sich selbst – viel mehr, als jeder erwartet hat.

Ein Lehrbuch als Roman – gefühlvoll und packend bis zur letzten Seite.

ikotes Verlag• 77815 Bühl/Baden • www.ikotes.com

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2012ikotes Verlag, Postfach 1651, D-77806 Bühl

www.ikotes.com•[email protected]

Ungekürztes eBook: ISBN 978-3-941626-12-6

Lektorat und Herstellung: Peter Müller

Gedruckt in Deutschland

Inhalt

An den mit ♚ gekennzeichneten Stellen werden im Verlauf der Geschichte Methoden und Strategien beschrieben.

Prolog

Die Anmeldung

Nicos Jähzorn

Seine Kindheit

Nadjas Panik

♚ Das Panik-Notfallpaket

Nico muss zum Seminar

Versöhnung

Du bestimmst, wie du wirkst

Nico und der Controllingchef

♚ Wirkung und Self-Fulfilling-Prophecy

Nadia und die Frau im Rollstuhl

♚ Meditation – Wähle deine Gedanken

Nicos Abendessen bei Paul und Marlene

♚ Jeder klebt Rabattmarken

Nico und Katja: Der Preis fürs Geliebtwerden

♚ „Gedanken lesen“ lohnt sich nicht

Im Seminarhotel

Nadjas Leben mit ihrem Opa

♚ Juwelenkästchen

Nadjas und Nicos Befürchtungen vor dem Seminar

Die Macht der Körpersprache

Der erste Seminartag

Die Teilnehmer

Nadjas Selbstbewusstsein

♚ Das Verwandlungsspiel

Vorstellungsrunde: Ziele

Sarah möchte nicht dominant wirken

Julia möchte ihre Emotionen besser im Griff haben

Martin will besser überzeugen

Nico möchte seine Stimme beherrschen

Christian möchte in Verhandlungen souverän auftreten

Nadja möchte sicher und selbstbewusst wirken

Philipe möchte lebendiger vortragen

Vanessa will sich in einer Männerdomäne durchsetzen

♚ Die fünf Ebenen und Inhalte des Seminars

Nadjas und Nicos Vorurteile

Emotionales Management

♚ Richtig atmen

♚ Muskelspannung beeinflusst unser Denken

Die Kaffeepause

♚ Der Spiegeleffekt

♚ Gedankenverschmutzung

♚ Zusammenfassung: emotionales Management

Körpersprache, Raum und persönlicher Status

Der Raum, den du brauchst, um zu wirken

Nicos Tante

♚ Der Kniff mit der Kopf-Herz-Bauch-Technik

Spuren hinterlassen

♚ Die beeindruckenden Sechs

Überzeugen: Die wichtigsten Komponenten unserer Körpersprache

♚ Natürliche Macht, Wärme und Kontakt, Klarheit und Stabilität

Julia: die Distanzierte

Wenn die Körpersprache nicht zur Absicht passt

Sarah: die Dominante

Vanessa: die Kühle

Nadja: das liebe Mädchen

♚ Das Geheimnis der Wirkungserwartung und Königlichkeit

Christian: der Kontaktfreudige

Philipe: der Mann auf der Flucht

Martin: der Provokative

Nico: der Angespannte

♚ Zusammenfassung: Die königliche Haltung

Die Macht der Gedanken

Pausen mit Einsichten

♚ Nico weiß, wie man jede Frau bekommt – Teil 1

♚ Vorwurfsfrei kommunizieren

♚ Die Vier-Fragen-Technik

Nadja, Martin und Christian

♚ Experiment mit Gedankenenergie

Wie dich deine Gedanken in deine Mitte bringen

♚ Nico weiß, wie man jede Frau bekommt – Teil 2

♚ Die drei Ereignis-Spuren in unserem Kopf

♚ Gedankenenergie-Übung

♚ Shaolin-Mönche: Ursache sein und Wirkung erzeugen

Julia und die Reise in ihre Mitte

♚ Zusammenfassung: Gedankenenergie

Nico denkt über Nadja nach

Nadja denkt über Nico nach

Macht der Stimme

Der Brustton der Überzeugung

♚ Erfolgreiche Stimmmuster

Was du mit deiner Stimme bewirken kannst

♚ Zusammenfassung: Der optimale Ton

Martins Geheimnis

Nicos Stimme

Nadjas Panik und Christian

Verabredungen und Irritationen

♚ Was Königlichkeit bewirkt

Keine Macht dem Lampenfieber

Der große Auftritt – Videofeedback

♚ Wohin mit deinen Händen?

♚ Wie wirkst du entspannt?

♚ Wie verwandelst du Lampenfieber?

♚ Der Dreier-Schritt gegen Lampenfieber

♚ Die Kraft der Selbstsuggestion

♚ Zusammenfassung: Lampenfieber

Die Macht des Selbstkonzeptes

Der Abend

Nadjas Abend mit Christian

Nicos Abend mit Vanessa

♚ Gegen die Knute der Überperfektion

Nico und Martin: Was will ich?

♚ Nico weiß, wie man jede Frau bekommt – Teil 3

♚ Martin weiß, wie Nico sein Dilemma auflösen kann

Der zweite Seminartag

Nadjas Morgen danach

Christians Morgen danach

Nicos Morgen danach

Vanessas Morgen danach

Martins Morgen danach

Julias Morgen danach

Sarahs Morgen danach

Philipes Morgen danach

Der Neue

Nadjas Schock

Nadjas Zusammenbruch

Nadja muss sich entscheiden

♚ Die Stargate-Strategie

Marc

Marc und Nadjas Geschichte – aus seiner Sicht

Die eigene Macht

Wie behalte ich meine Macht?

Sarah: Konfrontation um jeden Preis?

♚ Die Macht des eigenen Platzes

Philipe: Und wenn sie mir meinen Platz wegnehmen?

♚ Strategie, um die Macht zu behalten

Nico und Julia: Wie ich meine Macht behalte

Vanessa und Marc: Wie ich meine Macht behalte

Nadja und Christian: Wie ich meine Macht behalte

Nadja: Wie ich meine Macht abgebe

Nadjas Geschichte

Christians Selbstzweifel

Mittagspause

♚ Nico braucht Entscheidungshilfe:Timeline-Strategie

Vanessa braucht Entscheidungshilfe

Nico und Vanessa: Was nun?

Marc: Der Zufall und sein innerer Weg

Vanessa und Nico: Nur Mut!

♚ Nadjas Strategie, schlechte Gefühle loszulassen

Nadjas und Marcs Geschichte – aus ihrer Sicht

Martin: Wie ich meine Macht abgebe

Das Seminar geht weiter

♚ Zusammenfassung: Königlichkeit

Die Macht der Sprache

Sarah: Umgang mit Kritik

♚ Argumentationsleitfaden

Nadja und Marc müssen zusammen üben

♚ Marc übt die innere Planung

♚ Marc übt die Argumentation

Nadja räumt auf

Konfliktstrategien

♚ Transaktionales Stimm- und Wirkungstraining

♚ Das Drama-Dreieck

♚ Die einfachste Strategie der Welt

♚ Der Schleiertanz: Wer kann dich provozieren?

Der letzte Auftritt

Abschiede

Das nächste Abenteuer wartet schon

Die Autorin

Prolog

Die Anmeldung

Nico betrachtete Nadja unauffällig. Ein erster Sonnenstrahl fiel durch das Seitenfenster ihres gemeinsamen Büros. Ihre Haare glänzten.

Flüssiges Gold …Gut, dass sie nicht weiß, was ich denke. Gut, dass niemand weiß, was ich denke. Der Gedanke belustigte ihn. Mein Image wäre dahin. Alle Mühe umsonst.

Nico hatte sein Image bewusst kreiert. Er galt als cool. Und in Bezug auf Frauen als unnahbar. Das hatte dazu geführt, dass etliche seiner Kolleginnen sich auf die Jagd nach ihm gemacht hatten. Frauen waren so berechenbar. Er konnte sie ein- und ausschalten wie er wollte. Er wusste genau, was er sagen, wie er sie ansehen und was er tun musste, um interessant für sie zu sein. Lange Jahre hatte er Frauen beobachtet und mit ihnen gespielt. Nun war es genug. Es gab keine Überraschungen mehr. Das Spiel war langweilig geworden.

Aus diesem Grund achtete er darauf, dass Nadja und er sich nur auf freundschaftlich kollegialer Ebene begegneten. Sie war anders als die meisten Frauen, die er kannte. Sie überraschte ihn tatsächlich immer wieder. Das wollte er durch eine Affäre nicht aufs Spiel setzen. Eine Beziehung kam für ihn nicht in Frage.

Die Sonne wanderte schnell. Nadja saß jetzt ganz im Sonnenschein. Er selbst saß im Schatten.

Wie im echten Leben. Er seufzte.

Nadja schaute neugierig auf. „Was hast du? Das hat sich verzweifelt angehört. Hat es mit deinem Mitarbeitergespräch mit Anne zu tun?“

Sie sprach schnell und ohne auf seine Antwort zu warten. „Mach dir keine Sorgen“, sagte sie fröhlich. „Ich habe etwas Wunderbares für dich. Du wirst sehen, das ist genau die Lösung, die du brauchst. Ich wollte es dir heute Morgen als Überraschung auf den Schreibtisch legen, aber du warst früher als ich da, deswegen habe ich gewartet, bis du dir deinen Kaffee holst. Aber dann bekommst du es eben gleich.“ Sie reichte ihm eine fertig ausgefüllte Seminaranmeldung.

Auf einer attraktiv designten Broschüre stand: „Ihre persönliche Wirkung in Präsentation und Kommunikation“.

Er runzelte die Stirn und wollte etwas sagen. Nadja sprach beruhigend weiter: „Keine Sorge, ich habe alles geregelt. Ich habe sogar schon deine Termine gecheckt. Es passt wirklich perfekt. Zwei deiner Termine konnte ich verlegen, die waren sowieso nicht so wichtig. Das habe ich mit Anne besprochen, als du gestern in München warst. Du musst nur noch dein Go unter die Anmeldung setzen. Ist doch genial, oder nicht?“

Nicos schaute sie fassungslos an.

Nadja merkte, dass etwas nicht stimmte. Sie kannte ihn. Das Zucken seines linken Mundwinkels verriet, dass er aufgebracht war. Diesen Gesichtsausdruck kannte sie sehr gut. Aber dieses Mal war sie überrascht.

Warum ist er jetzt sauer? Was habe ich falsch gemacht? Sie war felsenfest davon überzeugt gewesen, dass er sich freuen würde. Sich sogar bedanken würde, dass sie so vorausschauend für ihn gesorgt hatte. Als sie ihn sprechen hörte, erkannte sie, dass sie anscheinend etwas Wichtiges übersehen hatte.

Mit leiser, gepresster Stimme zischte er sie an: „Ich glaube das einfach nicht. Du weißt, wie ich das hasse. Warum verplanst du mich? Warum verfügst du über mich? Ich hasse das!“

Nadja lief es kalt den Rücken hinunter. Für sie hörte es sich bedrohlich an. Diesen Tonfall kannte sie. Dieses leise Zischen.

Déja vu.

Sie fühlte sich Jahre zurückversetzt. Fühlte, wie sie erstarrte. Wie von Ferne hörte sie seine Vorhaltungen. Sie sah, wie die Wände im Raum zurücktraten und sich mit einer Schicht Eis überzogen.

Konzentrier dich. Das ist nicht real, sagte sie sich. Aber ihr Blick war gefangen. Bei jedem seiner gezischten Worte, erstarrte sie mehr.

Kälte. Wie damals.

Das Eis bedeckte die Wände und wuchs auf sie zu. Sie versuchte, sich zusammenzureißen. Das Eis drohte sie zu ersticken. Sie wusste genau, was gleich geschehen würde. Sie musste reagieren. Sie musste etwas tun, bevor die Panik sie packte und sie wieder dagegen verlor.

Warum redet er so mit mir? Warum bedroht er mich?

Sie hatte Nico vertraut; seiner behutsamen, freundlichen Distanz vertraut. Sie hatte sich langsam geöffnet. Immer bereit, sich sofort wieder zu verschließen. Sie war unvorsichtig geworden. Eingelullt in vermeintliche Sicherheit.

Und nun machte auch er sie fertig. Machte ihr Angst. Dabei hatte sie sich geschworen, dass das niemand mehr schaffen würde.

Das Eis wuchs weiter. Ich muss mich retten. Mich bewegen. Irgendetwas sagen. Irgendetwas tun. Mir ist so kalt. Meine Fußzehen. So kalt. Meine Fingerspitzen. Tot.

Nico sah Nadjas starren Blick. Das provozierte ihn noch mehr. Erst respektlos in meinem Leben herumpfuschen und dann trotzig und beleidigt sein, wenn ich nicht Hurra rufe, dachte er. Sie hatte ihn an seinem wunden Punkt getroffen. Er hatte sich geschworen, dass er es niemals wieder zulassen würde, dass sich jemand in sein Leben einmischte. Seine angespannten Schultern schmerzten. Seine Backenzähne pressten sich hart aufeinander.

Reiß dich zusammen, sagte er sich. Schrei sie wenigstens nicht an. Leise und beherrscht sein. Auch wenn es ihn Mühe kostete. Es gab eine Zeit, da hätte er anders reagiert, wenn er ohnmächtig und wütend war. Und nichts löste mehr Ohnmacht und Wut in ihm aus, als wenn jemand für ihn Entscheidungen traf. Das war der Grund für seine Schwierigkeiten mit manchen Vorgesetzten. Aber lieber das, als noch einmal so fremdbestimmt zu sein. Er hatte es zu oft erlebt. Die Erinnerung war so deutlich, als wäre es gestern gewesen.

Nicos Jähzorn

Seine Kindheit

Es begann an seinem ersten Schultag. Die Welt und alles, an was er glaubte, änderte sich. Bis dahin war er das Wichtigste im Leben seiner Eltern gewesen. Alles drehte sich um ihn, den geliebten Sohn und einzigen männlichen Nachkommen der großen Familie. Die Geschwister seiner Eltern waren kinderlos oder hatten Töchter. Nico war der Kronprinz, der ersehnte Erbe des Imperiums, das sein Großvater mit Autohäusern geschaffen hatte. Er war distanziert, sprach nie mit ihm. Aber alle anderen Familienmitglieder verhätschelten ihn. Er wuchs in der tiefen Überzeugung auf, dass er das Wichtigste auf der Welt sei.

Alle freuten sich über das fröhliche Kind. Seine Mutter wiederholte oft, er sei nicht mit einem Schrei, sondern mit einem Lachen auf die Welt gekommen. Sie wurde nie müde zu erzählen, wie er jeden Morgen beim Aufwachen lächelte, seine Ärmchen in die Höhe reckte und rief: „Guten Morgen, schöne Welt!“ Woher er das hatte, war allen ein Rätsel, aber sie freuten sich, dass er so glücklich und zufrieden war.

Sein Vater war selten da und äußerst wortkarg, aber manchmal trug er ihn abends auf den Schultern spazieren. Nico schaute dann auf die Schränke und malte sich geheimnisvolle Räume und Welten aus, die er in den Ecken und Nischen vermutete und die nachts, wenn die Menschen schliefen, für ihn lebendig wurden. Mit dieser grenzenlosen Phantasie legte er den Grundstein für seine innere Kraft und Zuversicht.

Er wohnte mit seinen Eltern und Großeltern in einem riesigen Haus. Nebenan und hinter dem Garten lebten Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen. Er liebte es, sie alle zu besuchen und Plätzchen oder Gummibärchen geschenkt zu bekommen.

Es gab auf dem Grundstück viel zu entdecken, am liebsten wäre er gar nicht in den Kindergarten gegangen. Die Anfangszeit war schwer, da er mit den anderen Kindern nicht klar kam und sie ihn wie einen Außenseiter behandelten. Einmal hörte er, wie eine Erzieherin zu seiner Mutter sagte, er sei zu viel mit Erwachsenen zusammen, er hätte so eine gezierte Sprechweise. Das würde die anderen abstoßen. Was sie damit meinte, hatte er damals nicht verstanden, sodass er seine gute Laune nicht verlor.

So sehr er bei anderen Kindern schüchtern war, so sehr blühte er auf, sobald er von seiner Familie umgeben war. Sie lachten über ihn und er stand stets im Mittelpunkt. Manchmal stellte er sich auf einen umgekippten Eimer und spielte „Phisoloph“, wie er es nannte. Mit dem Hut seines Vaters auf dem Kopf hielt er große Ansprachen über die Welt. Dabei verwendete er die Themen, über die er die Erwachsenen hatte sprechen hören und lieferte die Phrasen aus der Kirche und von den Erzieherinnen dazu. Die Großen hielten sich die Bäuche vor Lachen und er war glücklich, fühlte sich rundherum geliebt und geborgen.

Doch dann kam dieser schreckliche erste Schultag. Hat es nicht schon in der Nacht davor begonnen? Er wurde von ungewohntem Lärm geweckt. Zum ersten Mal in seinem Leben hörte er, wie sich seine Eltern anschrien. Ängstlich verkroch er sich unter der Bettdecke. Plötzlich gab es ein lautes, dumpfes Geräusch. Danach war es still. Zitternd lag er in seinem Bett und malte sich die schrecklichsten Bilder aus: dass einer den anderen erschlagen hatte oder beide sich gegenseitig. Als der Morgen dämmerte, schlief er erschöpft ein. An diesem Morgen wurde er nicht wie sonst von seiner Mutter mit einem liebevollen Lächeln und einer Tasse Kakao geweckt, sondern von einem kalten Waschlappen, den ihm sein Vater auf den nackten Bauch klatschte. Nico erschrak so, dass er keinen Laut von sich gab, sondern nur erschrocken die Augen aufriss und vor Angst zitterte. Voller Entsetzen merkte er, wie sich eine warme Lache unter ihm ausbreitete. Sein Vater stand riesengroß neben seinem Bett. Nico hatte zum ersten Mal in seinem Leben Angst vor ihm. So kalt hatte er ihn noch nie angeschaut. Seine Augen glänzten seltsam und sein Kiefer war angespannt.

„Raus, Junge. Für jeden beginnt einmal der Ernst des Lebens. Heute beginnt er für dich. Du hast eine Aufgabe zu erfüllen.“

Was für eine Aufgabe? Nico war verwirrt. Aber die Angst, dass sein Vater entdecken würde, dass er ins Bett gemacht hatte, war größer. Was passiert, wenn er das sieht? Nico bewegte sich aus lauter Angst nicht, damit sein Vater die Lache nicht entdecken würde, die sich immer kälter unter seinen Beinen und dem Rücken anfühlte.

Sein Vater deutete sein Schweigen falsch.

„Da bist du sprachlos, was? Ja, du hast in der Tat eine große Aufgabe. Du trittst in meine Fußstapfen als Kronprinz von Schwarz und Sohn. Beeil dich. Pflichtbewusstsein ist die Basis für alles, was du von nun an tun wirst.“

Als sein Vater gegangen war, stand er verwirrt und verängstigt auf und dachte nach. Kronprinz? Pflichtbewusstsein? Wo ist Mama? Ist sie tot? Ist das überhaupt mein Vater? Bin ich vertauscht worden wie der Junge in meinem Kinderbuch?

Er traute sich nicht, nach seiner Mutter zu fragen. Alles war so anders. Sein Bauch hatte sich schmerzhaft verkrampft und ihm war schlecht. Er wusste nicht, dass es von nun an jeden Morgen vor der Schule so sein würde. Als er aus dem Bad kam, lagen nicht, wie gewohnt, Jeans und T-Shirt auf seinem Stuhl, sondern neben der neuen Unterwäsche eine teure Stoffhose, ein gestreiftes Hemd und Lederschuhe. Er hatte so etwas bisher nur einmal getragen als seine Tante heiratete. Warum heute? Wo waren seine geliebten Turnschuhe und seine coole Jeans mit dem aufgebügelten Fußball, die er heute so gerne getragen hätte? Im Kindergarten hatten sie ihn darum beneidet. Das war ein schönes Gefühl. Es hatte so lange gedauert, bis er dazugehörte und akzeptiert wurde.

Heute, an seinem ersten Schultag, spürte er wieder Angst vor den fremden Kindern. Sie konnten so fies und gemein sein.

Er betrachtete die neuen Kleider und fühlte sich plötzlich einsam und traurig, sodass er am liebsten geweint hätte. Mit diesen Sachen würde er garantiert wieder der Außenseiter sein.

Wiederwillig zog er die Kleider an. Sie waren steif und kratzten. Die Schuhe waren eng und drückten. Es war eklig. Er fühlte sich hilflos und ausgeliefert. Wo ist nur Mama? Sie kann doch nicht tot sein. Vorsichtig rief er nach ihr. Und tatsächlich kam sie leise in sein Zimmer. Sie hatte ein so trauriges Gesicht, wie er es noch nie gesehen hatte. Auf einer Kehrschaufel trug sie die Scherben der Hochzeitsvase, die im Schlafzimmer auf der Kommode gestanden hatte.

„Nico. Du musst erwachsen werden“, sagte sie mit leiser Stimme. „Du wirst einmal die Firma deines Vaters übernehmen, so wie er sie heute von seinem Vater übernimmt. Das ist in der Familie so. Deswegen übernimmt er ab heute deine Erziehung. Sein Vater hat es auch so gemacht. Sei ein großer Junge.“ Dabei strich sie ihm über die Haare, küsste ihn auf den Kopf und ging aus dem Zimmer. Es war das letzte Mal, dass sie ihn so zärtlich berührte.

Sein Vater stand bereits mit Hut und Mantel in der Diele und wartete ungeduldig. „Nun beeil dich endlich. Ich habe einen wichtigen Tag vor mir. Ein bedeutender Tag im Unternehmen Schwarz und Sohn. Schau, was ich für dich habe.“

Mit einer großartigen Geste überreichte er Nico seinen neuen Schulranzen. Nico wusste, dass es der teuerste Schulranzen war, den es im Ort gab. Wochenlang hatte er sich auf dem Heimweg vom Kindergarten mit seinen Kumpels die Nase am Schaufenster plattgedrückt, als sie die Vor- und Nachteile der einzelnen Schulranzen besprachen. Einheitlich waren sie zum Schluss gekommen, dass der mit den leuchtenden Rücklichtern der coolste war, obwohl er zu den Preiswerteren gehörte. Traurig schaute Nico auf den hässlichen Lederranzen. Sein Vater übergab ihm zusätzlich eine bis an den Rand gefüllte überdimensionale goldene Schultüte. Was ist da wohl drin? Während sein Vater sich noch einmal vor dem Spiegel den Schlips zurechtrückte, zog Nico die bunte Schleife, die die Schultüte verschloss zur Seite und schaute hinein. Was für eine Enttäuschung. Sein Vater hatte teure Pralinen in seine Tüte getan. Dabei hätte er so viel lieber ein Überraschungsei gehabt. Ich hasse Pralinen. Vor allem diese eklig gefüllten. Als sein Vater sich zu ihm umdrehte, runzelte er die Stirn.

„Jetzt schau sich einer dieses Bürschchen an. Er bekommt die besten und teuersten Sachen. Und was macht er für ein Gesicht? Kannst du dich nicht einmal freuen? Fängst du nun an, undankbar zu sein?“

Nico schüttelte ängstlich den Kopf.

„Was hast du dann? Ich habe nicht ewig Zeit an meinem wichtigen Tag.“

Nico fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen und sagte vorsichtig: „Ich wollte so gerne den Schulranzen mit den blinkenden Rücklichtern.“ Schon während er es sagte, wusste er, dass es falsch war. Sonst hatte sein Papa ihn immer ermuntert, mutig zu sagen, was er dachte, aber auch das hatte sich anscheinend geändert. Die Ader auf der Stirn seines Vaters schwoll an, so wie immer, wenn ein Verkäufer einen schlechten Abschluss gemacht hatte.

Mit donnernder Stimme sagte er: „Merk dir eins: Du bist mein Sohn! Aus dir soll etwas Großes werden. Gewöhne dich daran, dass wir nicht das tun, was alle tun.“

Traurig trottete Nico neben seinem Vater zur Schule. Sein Bauch schmerzte wieder und ihm war übel aus Angst vor den fremden Kindern. Aber wie hätte er das diesem „neuen“ Vater sagen können.

Ob ich krank werden könnte? Windpocken oder Scharlach oder die Schweinepest bekommen? Das kann ja auch aus heiterem Himmel kommen, wie Tante Marlies immer jammert. Oder noch besser: ich sterbe plötzlich wie der alte Schuhmann, der morgens einfach tot umgefallen ist. Nico wurde immer langsamer je mehr sie sich der Schule näherten. Sein Vater nahm seine Hand fester und zerrte ihn ungeduldig hinter sich her. Es tat weh, aber als Nico die Ader auf der Stirn seines Vaters sah, sagte er nichts. Seine kleinen Beine konnten kaum Schritt halten. Er wusste nicht, wovor er mehr Angst hatte: vor den anderen Kindern oder vor diesem fremden Vater.

Der Tag wurde noch grässlicher, als er befürchtet hatte. Alle betrachteten seinen Ranzen abschätzig, tuschelten, kicherten und wandten sich dann ab. Sie lachten über seine Kleider, seinen Lederranzen, seine Schuhe. Über alles. Sogar sein bester Freund aus dem Kindergarten drehte sich um und ließ ihn stehen. Nico kämpfte mit den Tränen, als er hinter den anderen in den Klassenraum ging. Dort war es noch schlimmer. Keiner wollte neben ihm sitzen. Er musste die Bank vor dem Lehrerpult nehmen und blieb auch dort allein. Als sie etwas aus der Schultüte herausnehmen durften, packte jedes der anderen Kinder ein Überraschungsei aus. Fröhlich verglichen sie die kleinen Spielsachen aus dem Ei. Nur er saß stumm dabei und öffnete seine Tüte nicht. Er hatte die größte Schultüte. Aber er hätte sie sofort für ein einziges Ei eingetauscht. Als es endlich klingelte, machte er sich einsam und traurig auf den Weg. Als Letzter kam er aus dem Klassenzimmer, vor dem die anderen Eltern ihre Kinder umarmten und sich lachend auf den Heimweg machten.

Sein Vater wartete ungeduldig auf ihn. „Da bist du ja endlich. Warum trödelst du so herum?“

Nico hatte gehofft, dass ein Wunder geschehen war und sich alles als riesiges Missverständnis herausstellen würde. Dass sein Vater sich nur verstellt hatte, um ihm Angst zu machen und nun wie immer, wenn er etwas Besonderes gemacht hatte, lachend und liebevoll vor der Tür stand. Aber es war kein Wunder geschehen. Der Mann vor der Tür war fremd und streng.

„Nico“, sagte er. „Ich gehe jetzt ins Büro. Heute ist ein besonderer Tag für uns. Du weißt, ich übernehme heute die Firma deines Großvaters. Dieses Datum darfst du nie vergessen. Merke dir gut, was ich jetzt sage: Ab heute nennst du mich Vater – wie ein Mann. Und nicht mehr Papa wie ein kleines Kind. Verstanden?“

Nico nickte verwirrt und sein Vater klopfte ihm fest auf die kleine Schulter. Dann machte sich Nico alleine auf den Heimweg. Sehnsüchtig schaute er seinen Klassenkameraden nach, die mit ihren Eltern Pizza essen gingen. Warum ist Mama nicht mitgegangen? Hat Papa es verboten? … Vater.

Traurig trottete er nach Hause. Voller Wut und Verzweiflung warf er seine Schultüte in den Müllcontainer einer Baustelle.

Als er heimkam, saß seine Mutter in der Küche. Sie hatte geweint. Das sah er an ihren roten Augen. Er lief zu ihr, wollte sie umarmen und selbst Trost finden. Aber sie stand steif auf und sagte müde, er solle in sein Zimmer gehen, dort würden Geschenke auf ihn warten.

Er erkannte sein Zimmer nicht wieder. Seine Legokiste war verschwunden, die Kuscheltiere waren weg. Vor allem sein Krokodil, das an vielen Stellen kein Fell mehr hatte, lag nicht mehr auf seinem Kopfkissen. Es hatte ihm nachts geholfen die Dunkel-Monster zu vertreiben und das erste Jahr im Kindergarten zu überstehen. Nun war es weg. Ihm liefen die Tränen über die Wangen. Seine Sammlung von Kieselsteinen aus den Mutproben, die er im Kindergarten bestehen musste, waren ebenso verschwunden wie seine Lieblingsbücher mit dem Tiger und dem Bären. Alles, woran er hing, war weg.

Ein neues Bett stand an der Wand. Der Überzug passte zu den neuen Vorhängen. Ein großer Schreibtisch stand am Fenster, wo sein Kindertisch gestanden hatte. Ein schwarzer Drehstuhl mit einer großen roten Schleife stand davor. Auf dem Schreibtisch warteten verschiedene Päckchen darauf, ausgepackt zu werden.

Aber Nico hatte nur einen Gedanken. Mein Krokodil! Wo war es? Er rannte panisch zum Mülleimer in der Küche. Haben sie es getötet? Es hatte mit ihm gesprochen und immer zugehört und ihm Mut gemacht. Er wusste, dass es nachts lebendig wurde, wenn er schlief. Große Tränen fielen auf sein Hemd, als er es auch draußen in der Mülltonne nicht fand. Hinter der Tür seines Zimmers ließ er sich auf den Boden fallen und legte die Arme um seine dünnen Knie. Er wiegte sich vor und zurück. So einsam hatte er sich noch nie in seinem Leben gefühlt.

Er hörte seine Mutter in der Küche zum Essen rufen, aber er rührte sich nicht. Sie kam auch nicht, ihn zu holen. So blieb er sitzen, bis sein Vater nach Hause kam.

„Jetzt schau dir diesen Jungen an“, rief er mit rotem Gesicht. Er roch nach Sekt und Wein. „Was ist nur mit dir los? Du hast das schönste Zimmer, das man sich vorstellen kann und machst so ein Gesicht. Jetzt freu dich mal und sei dankbar, dass wir dir solche Dinge ermöglichen. Du bist einfach zu verwöhnt. Ich habe es dir immer gesagt“, wandte er sich an Nicos Mutter, „aber das wird jetzt anders.“

Dann erzählte er von seiner großartigen Rede, die er gehalten hatte und was für ein denkwürdiger Tag das für alle sei. Seine Mutter schwieg und lächelte gezwungen, wenn sein Vater lachend, mit großen Gesten beschrieb wie ihn der Bürgermeister und der Landrat hofierten und was für eine tolle Reputation er in der ganzen Umgebung habe.

Plötzlich stierte er ihn und seine Mutter an und rief wütend: „Was für eine Trauergemeinde! Das ist ja nicht zum Aushalten. Aber wer nicht will, der hat schon!“

Er schickte Nico in sein Zimmer. Das Abendessen fiel für ihn aus, aber er hätte sowieso keinen Bissen hinunterbekommen. Seine Mutter musste ihr schönes goldenes Kleid anziehen und den Schmuck ihrer Großmutter anlegen. Dann gingen seine Eltern mit seinen Großeltern zur Feier des Tages in ein teures Restaurant. Er musste das erste Mal in seinem Leben alleine zu Hause bleiben.

„Du bist jetzt ein Mann. Ein Mann glaubt nicht an Monster und braucht auch keine Gute-Nacht-Geschichte. Wenn du dich anstrengst, kannst du sie bald selbst lesen. Gute Nacht.“

Dann gingen sie. Nur gut, dass sein Vater nicht nach der Schultüte gefragt hatte. Vielleicht hätte er mich sogar geschlagen.

Einsam lag er in dem neuen Bett, das fremd roch und nicht warm werden wollte. Sonst hatte seine Mutter ihm eine Wärmflasche gemacht, wenn er nicht schlafen konnte. Das funktionierte immer. Aber nun lag er da mit kalten Füßen. Er fror und fürchtete sich so sehr, dass er nicht einschlafen konnte, bis seine Eltern wieder zu Hause waren. Wenn ich wenigstens mein Krokodil hätte.

Von da an bestimmte sein Vater über ihn. Er entschied, was er anzog, was er las, wie er seine Ferien verbrachte und welche Freunde er hatte.

Nico war oft alleine und begann, sich nach und nach eine innere Welt aufzubauen. In ihr fand er Trost und Halt. Er malte sich in allen Details aus, wie seine Traumfamilie aussah. Das Bild seiner Frau hatte er genau vor Augen. Sie trug elegante Kleider, hochhackige Schuhe wie seine Tante Marlies und hatte lange Haare. Sie hatten zwei Kinder, die immer miteinander spielten. Er dachte sich die verrücktesten Spiele für sie aus. Diese inneren Welten erlebte er so intensiv, dass er die langen, einsamen Tage und Nächte, in denen er alleine war, immer weniger als traurig empfand, sondern nach einiger Zeit anfing, das Alleinsein zu genießen. In den darauffolgenden Jahren seiner Kindheit nutzte er diese Schöpferkraft immer phantasievoller und es gelang ihm, nie mehr das Gefühl zu haben, einsam zu sein. Das Schönste war, dass er mit seiner inneren Familie richtig sprechen und lachen konnte.

Auch als Erwachsener begab er sich in seine inneren Welten. Er sprach nicht mehr mit seiner imaginären Familie, aber er hatte erkannt, welche Kraft und Inspiration er für knifflige Probleme aus seinen inneren Welten holen konnte. Er sprach nie darüber und würde nie zugeben, dass er sich mit solchen Gedanken beschäftigte. Nach außen lehnte er alles, was nur halbwegs esoterisch klingen könnte, rigoros ab. Keiner sollte ihm nachsagen, dass er ein unrealistischer Träumer sei.

Mit 16 brachte er ein Mädchen mit nach Hause, in das er sich unsterblich verliebt hatte. Aber sein Vater setzte sie freundlich vor die Tür, um ihm hinterher zu erklären, dass sie kein Umgang für ihn wäre. Ihre Eltern waren geschieden. Ihre Mutter erzog sie alleine und sang im Chor am Theater.

„Das ist kein Umgang für dich“, sagte er und schnitt ihm jedes Argument mit einer Geste seiner Hand ab.

Seine Mutter sagte schon lange nichts mehr. Sie schaute nur müde und lächelte ihn traurig an. Ihn machte es wütend, dass sie sich nie wehrte. Einmal versuchte er, sie aufzustacheln. Aber sie hatte nur traurig genickt und gesagt: „Ach, Nico, wo soll ich denn hin.“

Er erfuhr, dass seine Mutter ihr gesamtes Geld in die Firma gesteckt hatte, als noch zu Großvaters Zeiten die Insolvenz drohte. Sie besaß kein eigenes Geld mehr. Sein Vater und Großvater hatten es ihr nie zurückgegeben, obwohl sie schon viele Jahre Gewinne einfuhren. Als er seinen Vater darauf ansprach, hatte er nur gesagt, dass das unwichtig sei, denn es gehöre sowieso jedem alles in der Familie.

„Du bist aber der Einzige, der über die Gelder frei verfügt. Mama muss dich um jeden Cent bitten. Das ist ungerecht“, hatte Nico ihm wütend geantwortet.

Sein Vater lachte und sagte: „Papperlapapp. Sie bekommt genug Haushaltsgeld. Wenn es nicht reicht, muss sie halt besser wirtschaften.“

Als Nico nicht nachgab, fuhr ihn sein Vater an: „Du bist der Letzte der sich hier etwas erlauben darf. Du bist nichts und du hast nichts. Mach die Augen zu“, brüllte er, „was siehst du? Nichts. Und das bist du. Nichts. Also überlege gut, bevor du so mit mir redest.“

Damit stürmte sein Vater aus dem Haus und seine Mutter bat ihn, nicht immer Krach anzufangen. Nico sagte nie mehr etwas dazu. Die Wut über Mamas Feigheit, über die Ungerechtigkeit und Vaters aggressives Machtverhalten, schwelten weiter in ihm.

Wie die heiße Lava eines Vulkans suchte sich sein aufgestauter Zorn einen Weg. In der Schule war er für seinen Jähzorn bekannt, der immer aus ihm herausbrach, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte. Seine Lehrer respektierten ihn, da er ein immenses Wissen und gute Noten hatte. Viele fürchteten ihn aber auch. Was sie über ihn dachten, war Nico meistens egal. Er war fleißig, denn er wusste, dass er sich damit seine Freiheit schaffen konnte. So, wie er sie sich in seinem Inneren ausmalte. Er wollte unabhängig sein. Das war sein großes Ziel. Er hatte zwei gute Freunde, die mit ihm durch dick und dünn gingen, die sein Vater aber nicht akzeptierte. So war er an den meisten Nachmittagen allein zu Hause, lernte oder tauchte in seine inneren Welten ab.

Als er heimlich Freundinnen hatte, scheiterten die meisten Beziehungen daran, dass die Mädchen anfingen, für ihn Entscheidungen zu treffen. Er hasste nichts mehr, als wenn sie da­rüber verfügten, wie und mit wem sie den Abend verbrachten. Dass sie ohne Absprache gemeinsame Verabredungen mit Freunden trafen, verlegten oder absagten, machte ihn so wütend, dass er seinen Zorn selten beherrschen konnte. Er brüllte die Mädchen an und auch, wenn er sich stets entschuldigte, verließen sie ihn bald.

Kurz nach seinem achtzehnten Geburtstag und der siebten Trennung, kam er eines Tages früher von der Schule nach Hause. In der Einfahrt hörte er erschrocken, wie aggressiv sein Vater seine Mutter anbrüllte. Am meisten erschreckte ihn jedoch, dass sein Vater genau die gleichen Wörter verwendete wie er selbst.

„Das lasse ich mir nicht bieten. Du machst keine Termine für mich! Auch wenn es die Beerdigung deiner Schwester ist. Du hast mich zu fragen. Ich verbiete dir, so über mich zu verfügen. Mein Vater hat das jahrelang mit mir gemacht. Und kein Mensch – nicht einmal du – hat das Recht dazu, mich zu übergehen. Merk dir das ein für allemal!“

Nico hörte Türen schlagen und sah, wie sein Vater aus dem Haus stürmte. Er war erschüttert. Nicht darüber, dass sein Vater zum tausendsten Mal seine Mutter angeschrien hatte. Nicht darüber, dass Vater kein Wort des Trostes zum Tod von Mamas Schwester übrig hatte. Nein – weil sein Vater dieselben Sätze gesagt hatte, wie er sie am Tag zuvor gebrüllt hatte. Fast hätte er sich hinreißen lassen, zurückzuschlagen, als Tanja ihn daraufhin ohrfeigte. Er fühlte sich im Recht, als er sie anschrie, sie an den Schultern packte und schüttelte. Es war theatralisch. Aber es hatte gut getan.

Nico erkannte, dass er wie sein Vater war. Er sagte dasselbe, er tat dasselbe und das Erschreckende war, dass sein Vater das Gleiche über seinen Vater sagte. Waren alle Männer in der Familie so? Seit hunderten von Jahren taten sie alle dasselbe mit ihren Frauen und Söhnen? Bin ich nicht schon genauso? Nico traf diese Erkenntnis so hart, dass ihm schlecht wurde. Schwer atmend ließ er sich im Schuppen hinter dem Haus auf dem gestampften Boden nieder und lehnte sich an den Kaminholzstapel. Langsam atmete er den Duft des Holzes ein, der ihn nach und nach beruhigte und dachte nach. Als es ihm zu kalt wurde, setzte er sich entschlossen auf und legte beide Hände zusammen.

Er wollte sich etwas versprechen, und diese Versprechen niemals brechen. Ich will nicht so werden, wie mein Vater. Er versprach sich, nie wieder eine Frau anzubrüllen, eine Frau nie wieder aggressiv zu berühren und nie wieder jemandem zu sagen, was er oder sie zu tun oder zu lassen habe. Er würde lernen, sich zu beherrschen und nie mehr seine Stimme zu erheben. Das letzte Versprechen war, nie in das Unternehmen seines Vaters einzusteigen, sondern seinen eigenen Weg zu gehen. Sobald er das Abitur hatte, würde er ausziehen und für seine Ausbildung keinen einzigen Cent von seinem Vater annehmen.

Nach diesem Tag änderte sich für Nico zum zweiten Mal in seinem Leben alles. Er schrie nie mehr. Er lernte, sich zu beherrschen und entdeckte den Sport für sich. Nichts half ihm so gut, seine Gefühle in den Griff zu bekommen, wie Fahrrad fahren, Laufen und Schwimmen. Er trainierte intensiv, schloss sein Abi­tur als Bester des Jahrgangs ab und sein Studium mit Auszeichnung. Seine Beziehungen hielten länger, aber er ließ eine Frau nie wirklich nah an sich heran. Er versuchte, die Richtige zu finden. Sie sollte dem Frauenbild seiner inneren Welt gleichen. Aber er fand sie nicht. Die Einzige, die ein klein wenig dieser Traumfrau entsprach, war Nadja.

Nadjas Panik

♚ Das Panik-Notfallpaket

Dass sie ihn im Moment allerdings ignorierte, provozierte ihn maßlos. Er zwang sich, langsam aufzustehen. Er stellte sich in ihren Blick und zog die Augen zu Schlitzen zusammen.

„Lass das“, sagte er leise durch die Zähne, während er in Zeitlupe die Anmeldung von seinem Tisch nahm und sie ebenso langsam auf ihren Schreibtisch legte. Als sie nicht reagierte, packte ihn die Wut und er hieb plötzlich mit Wucht seinen rechten Zeigefinger auf das Blatt. Mit schmalen Augen sah er sie an.

„Das“, sagte er leise, „ machst du mit mir nie, nie wieder!“

Nadja versuchte, ihn anzuschauen. Aber ihr Blick verschwamm. Seine betont langsamen Bewegungen verstärkten ihre Panik. Wie konnte sie dem hier entkommen? Die Eiswände kamen weiter auf sie zu. Sie schlossen sich enger und enger um sie. Bald schlossen sie sie ein. Dann war sie gefangen.

Wehrlos. Ohnmächtig. Willenlos.

Sie fühlte, wie das Eis ihren Körper berührte. Ihr Blut vereiste. Panik. Als würde sie ersticken. Bald würde sie vergessen, wer sie war. Was sie wollte.

Dann kamen die Sätze. Die vertrauten Sätze. Die alte Melodie: Du kannst es nicht. Du lernst es nie. Du bist nichts wert.

Sie hatte geglaubt, diese Sätze seien gestorben. Vernichtet. Dass sie gesiegt hätte. Aber es war nicht so. Alles war so, wie damals. Mit ihm. Er hatte auch so geredet. Sie hatte gedacht, so etwas nie wieder zu erleben. So ohnmächtig zu sein. Voller Angst. Es sollte doch nie wieder jemand diese Macht über sie haben.

Ich muss etwas tun, damit er nicht merkt, wie viel Macht er über mich hat. Aber was? Was? Ich habe es vergessen. Ich kann es nicht. Ich habe nichts dazugelernt. Ich bin so dumm, falsch, wertl…

Stopp!

Sie unterbrach sich und dann bewegte sich ihr Fuß. Er tat es automatisch. Er stampfte fest auf. Obwohl sie ihn gar nicht fühlte. Aber er konnte es noch. Erleichtert wiederholte sie das wichtige Wort:

Stopp! Stopp! Hör auf!

Nico hörte ihren Fuß aufstampfen. Das war doch nicht zu fassen. Erst reagierte sie nicht, schaute starr geradeaus, ignorierte ihn und nun stampfte sie sogar noch mit dem Fuß auf.

Vor lauter Zorn, dass sie ihn zu etwas gezwungen hatte, was er nie tun wollte, verlor er fast die Selbstbeherrschung. Er wurde noch leiser. Ihn brachte keine Frau mehr zum Brüllen – keine. Auch sie nicht. Aber sie provozierte ihn bis aufs Mark. Heiser vor Anstrengung, seine Stimme im Zaum zu halten, stieß er gepresst hervor: „Du bist die egozentrischste, arroganteste und zickigste Frau, die ich je kennengelernt habe. Und glaube mir: Ich kenne genug. So was wie dich brauche ich wirklich nicht!“

Er wollte sie verletzen. Aus zusammengekniffenen Augen sah er sie herausfordernd an. Doch Nadja starrte weiter geradeaus, als wäre er nicht da. Was er nicht sah, war, dass sie verzweifelt versuchte, ihre Panik in den Griff zu bekommen. Er war so mit seinem Ärger darüber beschäftigt, dass sie ihn nicht beachtete. Dass sie seine Wut und ihn nicht ernst nahm. Er musste die Oberhand behalten! Also versuchte er es noch einmal. Der Hauch in seiner gepressten Stimme hörte sich noch drohender an, als er sagte: „Schau mich an und sag was. Das ist ja lächerlich, wie du dich verhältst. Bist du jetzt zu fein, mit mir zu reden? Du hast Mist gebaut. Du! Gib das endlich zu und mach es rückgängig!“

Nadja fühlte und hörte alles nur gedämpft. Seine Stimme drang an ihr Ohr, als wäre sie unter Wasser. Er wusste nicht, wie sie lautlos ums Überleben kämpfte. Er wusste auch nicht, dass seine leise, fast geflüsterte Stimme diese Panik ausgelöst hatte und weiter und weiter verstärkte.

Er kannte sie nur als fröhliche, lebendige, etwas chaotische Kollegin, die ihn mit ihren bunten Ideen sehr oft beeindruckte und manchmal mit ihrer plötzlichen Tiefe und Weisheit überraschte. Er wäre noch viel überraschter gewesen, wenn er von ihren Ängsten und Gedanken gewusst hätte.

Weil er das aber nicht wusste, war er davon überzeugt, dass sie ihn entweder aus taktischen Gründen ignorierte oder weil sie keine Lust auf eine Auseinandersetzung hatte.

„Nadja! Ich gehe hier nicht eher weg, bis du zugegeben hast, dass du einen Fehler gemacht hast! Bis du mir zugesichert hast, dass du ihn rückgängig machst! Bis du Anne angerufen und ihr gesagt hast, dass ich nicht weg kann. Egal, wie du das machst. Du tust es! Und zwar sofort! Wenn nicht … aber so unkollegial kannst selbst du nicht sein!“

Sie reagierte immer noch nicht.

Seine Beherrschung brach langsam zusammen, das spürte er. Um nicht zu schreien, schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch. Himmel, kann diese Frau stur sein. Keine hatte ihn seit langer Zeit so aus der Ruhe gebracht, wie sie. Beim geringsten Anschein von Stress hatte er den Kontakt zu Frauen einfach abgebrochen und war gegangen. Die meisten Frauen warfen ihm vor, er würde nicht zuhören. Aber er wusste, dass sie damit nur Macht ausüben wollten. Denn war er erst einmal in der Schuldposition, dann verlangten sie zum Wiedergutmachen das letzte Hemd. Sie versuchten immer nur an ihm herumzuerziehen und ihn so zu verändern, wie sie ihn haben wollten. Mit endlosen Anklagen und Vorwürfen. Wenn er sich dann endlich so verbogen hatte, dass er sich selbst nicht mehr wiedererkannte, warfen sie ihn wie einen alten stinkigen Knochen weg. Er wusste, wie das war. Schon allein deswegen hörte er genau hin, was sie sagten. Sobald sie begannen, in diesem bestimmten Tonfall zu sprechen, reagierte er nicht mehr und verließ sie. Er war wachsam. Von wegen „nicht zuhören“. Er hörte sehr, sehr genau zu.

Aber Nadja hörte ihm jetzt nicht zu.

Er starrte sie wütend an. Er hatte ja wohl definitiv gewichtige Gründe, warum er ihr Vorwürfe machte. Sie ist schuld! Und damit Basta!

Während Nico sich mehr und mehr in seine Wut hineinsteigerte, versuchte Nadja sich an ihr Notfallpaket zu erinnern, das sie damals nach ihrem Zusammenbruch gelernt hatte. Es war zwei Jahre her und sie hatte es in der Zwischenzeit nicht mehr anwenden müssen, seit … Nein, nicht weiter daran denken, unterbrach sie sich rigoros. Die Erinnerungen zu unterbrechen gelang ihr mittlerweile hervorragend. Sie übte ja auch schon zwei Jahre, zwei Monate und einen Tag, um genau zu sein.

Sie hörte, wie Nico die Hand auf den Tisch schlug und kam wieder in die Gegenwart zurück. Sie hörte seine leise, drohende Stimme und fühlte das Blut in ihrem Körper wie Eiswasser.

Notfallpaket, befahl sie sich.

Und endlich aktivierte sich das innere Notfall-Programm:

Fragen stellen. Fragen stellen. Und Ein-Wort-Antworten geben. Ein-Wort-Antworten. Das hält das Hirn wach.

Dann folgte sie schematisch dem vor langer Zeit gelernten Anti-Panik-Notfall-Programm:

Frage: Was tut er?

Antwort: Vorwürfe.

Frage: Was sind seine Vorwürfe?

Antwort: Hm, Vorwürfe … Vorwürfe …

Mist, ich schaffe das nicht. Nadja war verzweifelt. Ich schaffe es einfach nicht …

Doch! unterbrach sie sich. „Konzentrier dich. Du schaffst es: Nur ein Wort finden. Egal was. Nur dran bleiben. Die erste Assoziation nehmen.

Also nochmal die Frage: Was sind seine Vorwürfe?

Leuchtkugeln.

Frage: Was sind Leuchtkugeln?

Angst.

Frage: Was ist Angst?

Gefühl.

Frage: Was sind Gefühle?

Wichtig.

Nadja fühlte, wie sich das Eiswasser langsam erwärmte, wie die Gedanken begannen zu fließen, wie die Erstarrung langsam zurückwich. Weitermachen, befahl sie sich.

„Nadja! Du hörst mir noch nicht einmal zu!“

Sie hatte es geschafft. Er hatte seine Stimme erhoben. Das erboste Nico noch mehr, als alles andere. Er hatte beide Arme auf den Tisch gestemmt und sich über den Tisch gebeugt.

„Ich rede mit dir und ich will, dass du mir zuhörst! Du mischst dich in Sachen ein, die dich nichts angehen! Ich habe dir nicht von meinem Zielgespräch mit Anne erzählt, damit du mich rettest! Ich sorge für mich selbst. Hörst du? Kapier das endlich“, fügte er mit wieder leiser werdender Stimme hinzu.

Nadja hörte ihn, war aber noch immer wie eingefroren. Ihr innerer Kampf benötigte ihre ganze Kraft. Sie konnte nichts anderes tun. Solange sie das Eis an den Wänden sah, musste sie kämpfen. Sich vor der Gefühllosigkeit retten. Vor der darauffolgenden Passivität.

Damals habe ich nichts mehr gefühlt, sagte sie sich.

Jetzt fühle ich.

Ich fühle Angst.

Angst ist ein Gefühl.

Ein Gefühl.

Ein Gefühl ist gut.

Nadja redete innerlich in kleinen kurzen Sätzen auf sich ein. Sie wiederholte die Worte wie ein Mantra.

Angst ist ein Gefühl.

Ein Gefühl.

Gefühl ist Bewegung.

Bewegung ist Leben.

Ich lebe. Ich lebe. Ich atme.

Atmen. Einatmen. Ausatmen …

Nadja atmete tief und hörbar aus.

Nico schlug noch einmal mit der Hand auf den Tisch. Ihm war mittlerweile egal, dass er sie anschrie: „Nadja! So gehst du nicht mit mir um. Kann ja sein, dass ich dich nerve mit meinen Vorwürfen. Aber ich bin kein kleiner Junge, der sich beschwert, dass es nicht jeden Tag Pudding gibt. Ich rede mit dir über ein echtes Problem! Du hast mir dieses Problem beschert. Deswegen machst du es auch wieder rückgängig. Verstanden? Dein genervtes Geseufze kannst du dir sparen!“

Nadja konzentrierte sich auf ihren nächsten Schritt. Genauso, wie sie es gelernt hatte. Das Programm lief jetzt automatisch ab. Sie zählte innerlich:

Einatmen 1, 2, 3 … Fußzehen anspannen

Ausatmen 4, 5, 6 … Fußzehen loslassen

Einatmen 7, 8, 9 … Hände zur Faust ballen

Ausatmen 10, 11, 12 … Hände loslassen

Einatmen 13, 14, 15 … Punkt an Wand fokussieren

Ausatmen 16, 17, 18 … ganze Wand sehen

Einatmen 19, 20, 21 … in den Bauch

Ausatmen … alles loslassen.

Ich bin wach, ruhig und klar. Ich bin wach, ruhig und klar. Wach, ruhig und klar.

Endlich.

Es hatte funktioniert. Nadja hatte das Gefühl, nach einer großen Reise wieder im Büro anzukommen. Sie spürte ihre Füße. Ihre Hände. Sie sah die Wände wieder. Die apricotfarbene Tapete. Ihr Lieblingsfoto, das große Bild des Berges Kailash an der Wand ihr gegenüber.

Und sie sah Nico. Wie er sie mit vorgebeugter Haltung anstarrte.

Ausatmen, sagte sie sich. Langsam ausatmen. Fragen stellen, gab sie sich das innere Kommando. Stell ihm eine Frage. Das gibt dir Zeit. Wieder zu wissen oder zu verstehen, um was es geht.

Sie schaute ihn an und sagte laut: „Was genau willst du? Was können wir tun?“ Langsam ausatmen. Langsam ausatmen. Langsam ausatmen.

Nico starrte sie an und wusste nicht, was er sagen sollte. Habe ich in den letzten 10 Minuten nicht mehr als einmal gesagt, was ich von ihr will? Hat sie mir also wirklich nicht zugehört?

Ganz leise, um seine Verletztheit und Wut nicht zu zeigen, antwortete er: „Okay, dann also nochmal. Es geht um deinen Übergriff. Mich in diesem dämlichen Seminar anzumelden, das keiner will und keiner braucht. Dass du für mich Sachen planst und hinter meinem Rücken regelst. Das will ich nicht. Ein für alle mal. Du gehst zu Anne und machst es rückgängig. Und zwar sofort. Wie du das machst, ist dein Problem.“

Nadja hörte den Klang seiner Stimme und fühlte, wie es wieder kälter wurde. Schnell rieb sie ihre Hände, atmete tief aus und gab sich innerlich weitere Kommandos: Hierbleiben. Fokussieren. Ausatmen. Sagen, was du brauchst. Laut sagte sie: „Sprich bitte lauter. Ich kann dich so schlecht verstehen, wenn du flüsterst. Außerdem macht es mir Angst.“ Ich habe es geschafft. Ich habe es wirklich gesagt.

Nico schaute sie aufgebracht an. Immer diese Kritisiererei.Wieschaffen es Frauen, selbst wenn sie Mist gebaut haben, einem immer das Gefühl zu geben, man sei der Böse.„Ich flüstere gar nicht“, sagte er pampig. „Ich mag eben nicht immer so laut rumbrüllen.“

„Musst du gar nicht. Nur so laut sprechen, dass ich dich gut verstehen kann. Bitte“, sagte sie mit einem kleinen, kaum wahrnehmbaren Lächeln, das Nico aber doch sah und so interpretierte, wie es gemeint war: als Bitte, ihre Worte nicht als Vorwurf zu verstehen.

Doch das Thema „Ich und meine Stimme“ hatte er satt. Anne hatte sich im Mitarbeitergespräch auch darüber ausgelassen: „Du musst klarer auftreten und endlich eine angemessene Stimme verwenden.“

Angemessen – als ob ich nicht ordentlich sprechen würde.Sollen die anderen sich doch die Ohren waschen. Aggressiv herumschreien würde er nicht. Egal, was sie sagte. Das hasste er wie die Pest und er hatte sich geschworen, dass ihn niemand mehr dazu bekam. Und nun hatte es Nadja doch geschafft.

„Du musst immer das letzte Wort haben, was?“, sagte Nico ärgerlich. „Egal. Hauptsache, du gehst jetzt zu Anne und regelst das.“

Nadja war erleichtert, dass er wieder mit normaler Stimme sprach. Ihr war immer noch schlecht von dem inneren Gefühlsmarathon. Oh, mein Kopf. Wenn ich jetzt eine Runde um den Block gehen und allein sein könnte. Und ich muss unbedingt meiner Therapeutin erzählen, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Ich bin ganz alleine aus dem Eisgefängnis ausgestiegen! Nadja war stolz auf sich, abgesehen davon, dass sie sich dummerweise dazu hatte bringen lassen, in ihr altes Muster zu verfallen und außer sich zu geraten. Aber immerhin. Sie war selbst wieder herausgekommen.

Jetzt musste sie allerdings erst einmal mit Nico reden. Warum ist immer alles so kompliziert? Ich habe es doch nur gut gemeint.

Nico sah, wie sie ihren Kopf auf die Hände stützte, was sie immer machte, wenn sie unangenehme Dinge ansprechen wollte. Was kommt jetzt noch? dachte er genervt.

Sie sagte: „Warum bist du immer gleich so gestresst? Ich habe es doch nur gut gemeint. Du warst halt gestern den ganzen Tag weg. Aber wie auch immer: Das Seminar ist absolut in Annes Sinn. Es tut mir leid, wenn du deine Chance da nicht sehen kannst. Aber hin müssen wir so oder so.“

Als Nico das hörte, wurde er wieder wütend. Rücksichtnahme hin oder her. Jetzt war es ihm egal. Er fuhr sie an: „Du weißt genau, dass ich diese Kameraaufnahmen hasse. Kein normaler Mensch verhält sich dabei natürlich. Dann wird man vor versammelter Mannschaft durchanalysiert. Und all die Hobbypsychologen können gar nicht schnell genug ihre Hypothesen loswerden. Nicht mit mir! Du weißt genau, wie ich es hasse, mit all diesen Menschen drei Tage lang eingesperrt zu sein!“

Er hat Angst, dachte Nadja. Er hat einfach nur Angst. Das hätte sie bei ihm nicht erwartet. Er wirkte sonst immer so cool. Manchmal fühlte er sich von Anne, ihrer gemeinsamen Chefin, genervt, weil sie immer etwas an seinem Auftreten auszusetzen hatte. Aber dass er so aus seiner Mitte kam, hatte sie noch nie gesehen. Nadja versuchte ihn zu beruhigen: „Das gehört im Seminar dazu. Es geht doch schnell vorbei. Wenn du dich weiterentwickeln möchtest, musst du da durch. Ich mach es ja auch. Ich beschütze dich“, sagte sie mit einem kleinen Lachen. „Außerdem soll es gar nicht so schlimm sein. Anne hat gesagt, dass die Trainerin niemanden bloßstellt und man unglaublich viel lernen kann. Am Anfang geht es vielen wie dir, aber danach sind alle froh, dass sie es gemacht haben.“

Nico sah nur noch rot. „Beschütze dich selbst!“, fuhr er sie an. „Du sprichst jetzt sofort mit Anne und sagst ihr, dass ich ein Einzelcoaching mache, aber kein dämliches Seminar. Ich geh mir jetzt einen Kaffee holen.“

Er stieß den Schreibtischstuhl weg, dass er an die Wand krachte und knurrte sie noch einmal an: „Dass das feststeht: Das war das letzte Mal, dass du meine Termine über mich hinweg regelst. Tu das nie wieder!“

Beim Hinausgehen warf er die Tür laut hinter sich zu.

Ui, dachte Nadja. So wütend habe ich ihn noch nie erlebt. Sie hatte sich nicht einmal vorstellen können, dass er ihr gegenüber jemals so laut sein könnte. Bin ich wirklich zu weit gegangen? Sie konnte seine Wut nicht verstehen. Sie hatte es sich als schöne Überraschung vorgestellt. Und ihre Freundin empfand es auch als nette Geste, als sie ihr vorhin am Telefon davon erzählt hatte. Nadja seufzte: „Männer … die immer mit ihrem Stolz.“

Nico muss zum Seminar

Als Nico aus der Tür lief, rannte er fast seine Chefin um. Anne stand vor der Tür und war gerade im Begriff, die Klinke herunterzudrücken.

„Nanu? Wohin so schnell des Weges?“

„Ich muss mit dir reden“, platzte Nico heraus und hatte seine Wut kaum im Griff.

„Dann hoffe ich, dass sich dein Ärger nicht auf mich bezieht“, sagte Anne trocken.

Nico holte tief Luft, um sich zu entspannen, aber es gelang ihm nicht und man hörte es an seiner Stimme, als er sagte: „Hast du zehn Minuten für mich? Ich möchte etwas Wichtiges besprechen.“

Anne wies ihm wortlos den Weg und er ging vor ihr zu ihrem Büro. Er ärgerte sich, weil er innerlich vor Wut zitterte. Nadja hatte ihm gerade deutlich gezeigt, was sie von ihm hielt und dass sie dachte, alles mit ihm machen zu können, dass er am liebsten weggerannt wäre, um sich beim Fahrradfahren abzureagieren. Aber das ging nicht. Dann also selbst in die Höhle des Löwen und kämpfen.

Seine Chefin sprach noch immer nicht. Sie lud ihn mit einer Geste ein, sich in der Besprechungsecke niederzulassen und stellte zwei Gläser und eine Wasserflasche auf den Tisch. Dann setzte sie sich im rechten Winkel zu ihm anstatt ihm gegenüber, wie sie es sonst immer gemacht hatte. Es überraschte ihn, aber es ging ihm in dieser Sitzposition im Gespräch tatsächlich besser. Er fühlte sich mehr auf Augenhöhe angesprochen, gleichwertiger.

Sie setzte sich mit ein wenig Abstand zum Tisch hin, und es schien, als würde sie ihre Schultern entspannen. Obwohl er wusste, dass sie gleich einen Termin beim Vorstand hatte, strahlte sie eine unerwartete Ruhe beim Sprechen aus. Als hätte sie alle Zeit der Welt.

„Wir haben genau zehn Minuten. Was möchtest du besprechen?“

Nico platzte sofort heraus: „Ich will lieber ein Einzelcoaching über mich ergehen lassen, als solch ein Kameraseminar. Außerdem will ich meine Weiterentwicklung nicht von Nadja planen lassen.“

Noch während er sprach, ärgerte er sich, dass er sich so wenig im Griff hatte und sich so quengelig wie ein kleines Kind anhörte. Wie macht Anne das nur? Sie war früher so ungeduldig, gestresst und hektisch.

Anne lächelte. „Ja, das kann ich verstehen, dass du dich übergangen fühlst. Es ist auch nicht optimal gelaufen. In Anbetracht der Zeit und der Dinge, die auf uns zukommen, hielt ich es allerdings für angebracht in diesem Falle doch so zu entscheiden, ohne es vorher mit dir zu klären. Ich war gerade auf dem Weg zu dir, um alles zu besprechen. Dass ich dazu in euer Büro komme, ist hoffentlich als Wertschätzung angekommen?“

Sie zog ihre sorgfältig gezupften Augenbrauen nach oben.

Nico überlegte schnell.Welche Dinge kommen auf uns zu? Ist ein Auslandsgeschäft geplatzt? Und ja, in der Tat. Anne kommt sonst nie in unser Büro. Es ist üblich, dass wir zu ihr ins Büro gehen.Das hatte er vor lauter Ärger gar nicht wahrgenommen.

Anne schaute ihn auffordernd an, und er sagte betont forsch: „Ja, das weiß ich sehr zu schätzen. Es zeigt mir, wie wichtig es dir ist. Ich brauche allerdings noch eine Information: Was genau kommt auf uns zu?“

Sie fuhr fort: „Ich werde am kommenden Donnerstag in Paris sein. Unser Schlüsselkunde für den französischen Markt hat endlich zugesagt. Er ist bereit, unsere Bedingungen zu erfüllen. Wir sind ganz dicht dran. Ich brauche deine Erfahrung mit dem französischen Markt und du könntest dort schon zeigen, was du im Seminar gelernt hast. Du musst vom Seminar mit dem Flieger direkt dorthin kommen. Ich kümmere mich um alle Unterlagen. Das Wichtigste hast du ohnehin auf dem Laptop. Das letzte Briefing schicke ich dir am Mittwochnachmittag per Mail. Die Hoteldaten und die Flugnummer gibt dir das Back­office. Alles klar?“

Nico war überrascht. Er wollte unbedingt weiterkommen. Dass sie ihn mit nach Frankreich nahm, war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Im Zielvereinbarungsgespräch Anfang des Jahres hatte sie ihm gesagt, dass sie ihn dort noch nicht sehen würde. Um in das Auslandsgeschäft in verantwortlicher Position einzusteigen, müsse er unbedingt etwas an seinem Auftritt tun. Sie scheint sich tatsächlich einiges von dem Seminar zu versprechen. Er freute sich sehr über die hohe Wertschätzung und die Chance, mehr mit ihr zusammenzuarbeiten. Er schätzte ihre Strukturiertheit und perfekte Vorbereitung und war froh, dass er sich gestern noch einmal alle wichtigen Daten für das Auslandsgeschäft, spontane Meetings oder Kundenbesuche klar und übersichtlich zusammengestellt hatte. Die Charts hatte er außerdem neu ins Englische und Französische übersetzt.

„Prima“, antwortete er, „das ist eine echte Überraschung. Ich freue mich darauf, mit dir zusammen dort zu sein. Ich schicke dir gleich meine französischen Charts.“

Anne schaute ihn überrascht an. „Gleich? Hast du sie denn schon?“

„Ja“, sagte er mit unverhohlenem Stolz in der Stimme, „ich habe sie in Deutsch, Englisch und Französisch. Willst du alle?“

Anne war sichtlich beeindruckt. „Ja, gerne. Das ist super, da spare ich mir viel Zeit. Schicke sie mir und komme um 14 Uhr nochmal vorbei, dann besprechen wir alle Details.“

Nico stand auf, um zu gehen, doch Anne stellte sich ihm in den Weg und sah ihn eindringlich an. „Die Bedingung ist allerdings, dass du vorher das Seminar besuchst.“

Nico saß in der Falle. Er wusste, dass es die Chance war, auf die er seit drei Jahren wartete. Nadja hatte vor zwei Wochen den kalifornischen Markt dazubekommen und er hatte es ihr gegönnt, war aber gleichzeitig neidisch und traurig gewesen, dass er keine höheren Aufgaben bekam. Nun war es plötzlich anders. Frankreich. Paris. Das ist perfekt! Er wollte Anne gerne zeigen, dass er genau der richtige Mann am richtigen Platz war. Er wusste, dass er keine Wahl hatte.

„Okay“, sagte er widerstrebend, „aber könnte ich nicht besser doch ein Einzelcoaching machen?“

Anne lachte. „Das kannst du hinterher gerne zusätzlich machen. Aber für Paris musst du schnell lernen, wie du einen guten Auftritt machst, deine Aufregung umwandelst und vor allem: wie du eine lautere Stimme bekommst.“ Sie fuhr begeistert fort: „Die Trainerin durchschaut einen sofort. Ich habe auch an diesem Training teilgenommen und bin völlig begeistert. Tolle Atmosphäre, prima Gruppe, richtiger Lerngewinn, extrem viel Praxis und dabei auch noch Spaß.“

Aber Anne war Anne und Anne war extrovertiert und hatte überall Spaß.

Nico nickte ergeben: „Gewonnen“, grinste er schief und ging.

Nun hatten sie also wieder bekommen, was sie wollten. Ob Frauen sich mit solchen Attacken absprechen? Er hatte vergessen zu fragen, ob Nadja auch hinmusste. Nadja hatte eine Art, in allem, was sie nicht ändern konnte etwas Positives zu sehen. So konnte es durchaus sein, dass sie sich das Seminar nicht selbst ausgesucht hatte. „Mach das Beste daraus, dann bleibt das Leben schön“, sagte sie immer.

Wie ist es wohl, zusammen dort zu sein? überlegte Nico. Auf der einen Seite bestimmt schön – auf der anderen Seite wird sie dann noch mehr über meine Schwächen erfahren. Wie ich das hasse! Wir kämpfen beide um den nächsten Karriereschritt und sind Konkurrenten, das darf ich nicht vergessen. Aber dafür sorgt schon Anne mit ihrem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“.

Versöhnung

Als Nico zurück ins Büro kam, stand Nadja am Fenster und goss die Pflanzen. „Anne hat gerade angerufen, dass ich dich auf 15 Uhr bestellen soll. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht über deine Termine verfügen darf.“

Nico ignorierte sie und schickte Anne schnell eine Mail, dass 15 Uhr klar ging. Sie war jetzt im Vorstandsmeeting und würde nicht ans Telefon gehen. Soll Nadja doch zickig sein. Ich bin froh, dass sie wieder aus der Starre herausgekommen ist und werde bestimmt keinen weiteren Kleinkrieg führen. Warum Frauen niemals einen Fehler zugeben können und immer das Opfer spielen müssen? Nadja ist kein bisschen besser, als die anderen. Aber Spielchen kann sie mit jemandem anderen spielen, nicht mit mir. Mit gerunzelter Stirn starrte er auf seinen Bildschirm.

Nadja beobachtete ihn und musste lachen: „Ach komm, lass uns nicht streiten“, sagte sie fröhlich, wurde dann aber ernst. „Es tut mir leid, dass ich dich übergangen habe. Ich kann mir vorstellen, wie du dich gefühlt hast. Das war nicht gut. Frieden, okay?“

Wie kann sie nur so schnell umschalten? Für Nico würde das immer ein Rätsel bleiben.

Nadja sprach schon weiter: „Kommst du nun freiwillig mit zum Seminar? Damit ich nicht so alleine bin und mich keiner frisst.“ Sie grinste ihn herausfordernd an.

Nico wusste nicht, wie er reagieren sollte. Auf der einen Seite war er erleichtert, dass sie sich entschuldigte und das Kriegsbeil begraben wollte, auf der anderen Seite ärgerte er sich, dass sie so leicht über alles hinweg ging. Sie soll ruhig noch ein bisschen zu Kreuze kriechen.

„Hm“, sagte er wieder mit seiner gepressten, leisen Stimme, „ich hasse es, wenn du mich zuerst übergehst und dann ignorierst. Ich beherrsche mich, dass ich dich nicht anschreie und du redest nicht mit mir. Bin ich es nicht wert, dass du mit mir redest?“ Meine Güte, das ist eine völlig verkehrte Welt, was mache ich hier eigentlich? Ich laufe ihr tatsächlich hinterher. Bin ich bescheuert? Er wartete darauf, dass sie ihn wieder anschwieg. Dabei schaute er sie anklagend an. Ihm fiel auf, wie blass Nadja war. Sie war nicht nur blass, sondern richtig weiß im Gesicht. So böse habe ich es doch gar nicht gemeint.

Nadja schluckte hörbar. „Bitte, Nico, rede nicht in diesem Ton mit mir. Ich vertrage das nicht.“

„Was? Kann ich jetzt nicht einmal mehr sagen, was ich unfair finde?“

„Doch, natürlich kannst du das. Ich meine deinen Ton. Deine Stimme. Sie klingt so leise und bedrohlich. Mir geht es dann nicht gut.“

„Was ihr immer mit meiner Stimme habt. Ich kann es nicht mehr hören. Soll ich dich wieder anschreien? Kannst du nicht einfach auf den Inhalt reagieren und nicht wegen meiner Stimme ablenken? Ich beschwere mich ja auch nicht über die Art, wie du Sachen machst oder sagst.“