Ich steig dann ma aus! - Kuchen Uwe - E-Book

Ich steig dann ma aus! E-Book

Kuchen Uwe

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Beschreibung

Meine Autobiografie ist nur eine kurze Beschreibung meiner eigenen Lebensgeschichte oder einzelner Abschnitte daraus aus der Retrospektive bezeichnet einen Rückblick auf bereits geschehende Ereignisse. Also eine Lebensbeschreibung oder Lebenserinnerungen. Im Unterschied zu den Memoiren, in denen meist äußere Geschehnisse im Vordergrund stehen, ist die Autobiografie auf die Schilderung der geistigen und seelischen Entwicklungslinien ausgerichtet. Meine teilweise irrwitzige Lebensgeschichte von 1973 bis einschließlich 1987 entführt euch auf einen faszinierenden Hippie Roadtrip quer durch Europa, Marokko, Griechenland, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Sri Lanka, Nepal, Thailand und Bali bis hin nach Australien. Mein schicksalhafter Roadtrip auf dem Hippie Trail Richtung Indien ist nicht nur für Reisefans!

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Seitenzahl: 476

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Meine Autobiografie ist nur eine kurze Beschreibung meiner eigenen Lebensgeschichte oder einzelner Abschnitte daraus von 1973 bis einschließlich 1987. „Ich, der Autor, mache mich zur Hauptperson, wenn ich erzähle!“ Dennoch jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig, aber inspiriert von wahren Begebenheiten! Also eine Lebensbeschreibung oder Lebenserinnerungen. Meine teilweise irrwitzige Lebensgeschichte, die den faszinierenden Kosmos der 70er und 80er-Jahre eröffnet, entführt euch auf einen faszinierenden Hippie Roadtrip quer durch Europa, Marokko, Griechenland, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Sri Lanka, Nepal, Thailand und Bali bis rüber nach Australien.

Mein schicksalhafter Roadtrip auf dem Hippie Trail Richtung Indien ist nicht nur was für Reisefans!

Ich persönlich hatte nie im Leben daran gedacht, einmal meine Lebensgeschichte aufzuschreiben.

Wieso ich jetzt diese Autobiografie schreibe?

Das kam durch meine Stammkunden am Komos-Beach auf Kreta! Hier ein Link vom Komos-Beach und dem Basislager! https://www.youtube.com/watch?v=Yo7aueHBtOc&t=3s Viele meiner Kunden, denen ich mittlerweile seit über 25 Jahren zur Mittagszeit einen Kaffee oder Kuchen servierte am Komos-Beach, erzählte ich Geschichten aus meinem Leben.

Da ich aber nicht so viel Zeit hatte, jedem mein ganzes Leben am Strand zu erzählen, sagten viele Kunden zu mir:

»Kuchenuwe schreib doch mal ein Buch!«

Das habe ich dann schließlich in Angriff genommen, da ich vor vier Jahren leider nicht mehr so oft und lange nach Kreta konnte wegen Covid-19 und wegen meiner Mutter, die wir jetzt auch schon seit vier Jahren zu Hause in Deutschland pflegen!

Ich bitte Euch, meine Schreib – und Grammatikfehler einfach zu ignorieren! Ich habe das alles selber gemacht, vom Cover-Design bis hin zur Buch-PDF und war dann wohl nach einiger Zeit betriebsblind.

Vorweg noch eine kurze Erklärung zu dem Kanadier Allen, meinem treuen Traveller-Gefährten auf dem Hippie Trail.

Im Englischen ist es ein Familienname, der vom Vornamen Alan abgeleitet wurde, also ist der männliche Vorname Allen auch eine Ableitung von Alan, welcher vom schottischen Wort „aluinn" abstammt, was „gutaussehend“ und „stattlich“ bedeutet. In meinem Buch habe ich zur weiteren Information einige Internet-Links eingefügt, von Videos und Texten, die sollte man sich zusätzlich noch unbedingt anschauen!

INHALTSVERZEICHNIS

Prolog Interview:

»Kuchen-Uwe« – Aus dem Ruhrpott ins Hippieparadies Matala

Erstes Buch:

Ich steig’ dann ma aus!

Kapitel 1 Matala ich komme wieder

Kapitel 2 Auf dem Hippie Trail

Kapitel 3 Back in Germany

Kapitel 4 Verliebt, verlobt, ein Flitterjahr

Kapitel 5 Liebe tut weh

Kapitel 6 Der Trip nach Marokko

Kapitel 7 Krankgeschrieben

Kapitel 8 Einmal Matala, immer Matala

Kapitel 9 Der Plan und der Coup

Kapitel 10 Visite in Australien

Kapitel 11 Seitensprung in den Tropen

Kapitel 12 Vipassana-Meditation

Kapitel 13 Verdis Otello

Kapitel 14 Raus aus der Kälte, rein ins Vergnügen

Kapitel 15 Die entscheidende Begegnung

Kapitel 16 Der erste gemeinsame Trip

Kapitel 17 Unser Karma

Epilog Interview:

» Jahrelang war er unterwegs auf dem Hippie Trail. «

Für all meine treuen Kunden am Komos-Beach auf Kreta und selbstverständlich für meine Frau Birgit, die mir bis heute treu zur Seite steht!

Prolog Interview:

»Kuchen-Uwe« – Aus dem Ruhrpott ins Hippieparadies Matala

Über den Autor:

»Kuchen-Uwe« ist Baujahr 10. Dezember 1955. Er kommt aus Moers, sozusagen die andere Seite von Duisburg, die schönere Seite linksrheinisch, wie er immer so schön sagt. Nach Beendigung der Hauptschule im August 1970 machte er als Erstes eine Bergmannsausbildung, da war er noch keine 15 Jahre alt, für ein ganzes Jahr. Gleich danach, im August 1971 startete er dort seine Lehre als Starkstrom Elektriker bei der Ruhrkohle AG Rheinpreußen, für nochmals dreieinhalb Jahre. Er malochte anschließend insgesamt 23 Monate nach seiner Ausbildung als Starkstrom Elektriker Geselle unter Tage in einer Ruhrpott-Zeche auf der Schachtanlage Pattberg ein Steinkohlen-Bergwerk in Kamp-Lintfort.

Seine Drogenexperimente fingen schon in der Lehre an, als die Hippiebewegung zur Massenkultur wurde.

Die Hippiebewegung zielte es auf freie Liebe, Frieden statt Krieg und den Konsum bewusstseinserweiternder Drogen (vorwiegend, LSD und Marihuana) ab. Sowie die Abkehr von als beengend empfundenen bürgerlichen Normen in sexueller, moralischer und sozialer Hinsicht.

Nach seinen Angaben nahm er zwar Haschisch und LSD, trank aber gelegentlich auch Alkohol. Er war aber nie süchtig und insbesondere nie ein Heroin-Junkie gewesen, weil er diese Droge schon immer verachtet habe. Da er sehr früh schon mitbekam, dass einige von seinen Bekannten ruckzuck an der Nadel hingen und davon schließlich nicht mehr loskamen.

Er habe die Rauschmittel damals aus einer Kombination von Neugierde, Naivität und Abenteuerlust genommen.

Interview: Wie fing das an bei Dir mit der Reiselust?

Juli 1973

Mein allererster Trip im Sommer 1973, war mit Kalle einem befreundeten Arbeitskumpel, wir hatten vier Wochen Urlaub genommen im zweiten Lehrjahr, da sind wir beide zum ersten Mal getrampt bis nach Jugoslawien. Ich hatte gerade sechs Monate, bevor ich 18 wurde, einen nagelneuen BMW 1602 mit Doppelscheinwerfer geerbt von meinem Opa, der plötzlich an Lungenkrebs gestorben war. Mit der Fahrschule habe ich sofort angefangen und am 10. Dezember auf meinem 18. Geburtstag bekam ich den Lappen ausgehändigt, und konnte gleich losdüsen. Aber leider noch nicht in diesem Sommer, da war ich noch keine 18, man erlangte auch zu der damaligen Zeit erst mit 21 Jahren die Volljährigkeit. Somit bin ich einfach klammheimlich abgehauen, als meine Eltern auch im Urlaub waren und davon nichts mitbekamen, weil trampen durfte ich auch nicht, das wäre viel zu gefährlich, meinten sie! Von Duisburg, Wedau Autobahnauffahrt bis nach Triest im Nordosten Italiens sind wir per Anhalter mitgenommen worden, weiter aber auch nicht. Dort haben wir beide das erste Mal im Leben das Mittelmeer gesehen. Da sind wir vor Freude als Erstes von so einer alten Hafenkaimauer ins Meer gesprungen, um uns abzukühlen und ich habe einen kräftigen Schluck öliges Salzwasser von den Schiffen geschluckt, die dort vor Anker lagen. Von Triest fuhren wir dann weiter mit dem Zug nach Split Jugoslawien, weil kein einziges Auto mehr anhielt an dem Tag. Nachts im Zug habe ich nur noch gekotzt, ich denk mal von dem Meerwasser mit dem leckeren Dieselöl.

Als wir schließlich in Split ankamen, sind wir auf einen großen Campingplatz direkt ans Meer und haben unser Zweimannzelt aufgebaut. Dort bekam ich meinen allerersten Sonnenbrand, als wir beide High Noon auf einem LSD-Trip am Strand lagen, den Trip hatten wir uns spaßeshalber eingeworfen. Früher hatte man die Dinger geschluckt wie bunte Smarties.

Die Schienbeine hatte ich mir so was von verkokelt, wirklich grauenhaft, daraufhin musste ich von meiner Jeans die Hosenbeine abschneiden. Auf dem LSD-Trip hatte ich gar nicht mitbekommen, wie heiß hier die Sonne auf uns niederbrannte, das war man ja nicht gewohnt. Ab da war Sonnenbaden für mich gelaufen. Nach zwei Wochen Split sind wir die ganze Strecke wieder zurück getrampt, aber erst einmal Richtung Amsterdam für ein paar Tage, um dort noch etwas Marihuana einzukaufen, für zu Hause.

Wir hatten schon viel von der Disco Melkweg gehört, – das ist ein Multimedia-Zentrum für Rock-, Jazz-, Blues-Musik sowie für Theater und Tanz, und man bekam dort Haschisch frei verkäuflich ohne Probleme am Erdnuss-Stand.

Dann, am 10. Dezember, war es so weit, als ich 18 wurde und zwei Jahr vor meiner Starkstromelektriker Gesellenprüfung stand, da durfte ich endlich mit meinem BMW 1602 fahren.

Das kam genau Right in time, da ich drei Monate unter Tage arbeiten musste auf einer anderen Schachtanlage in Kamp-Lintfort. Das war super, ab sofort nicht mehr mit dem Bus morgens früh zur Arbeit. Jetzt konnte ich auch meine Arbeitskumpels von zu Hause abholen, nur die besten Freunde, die auf dem Weg zur Arbeit lagen und dann haben wir uns erst mal kräftig um fünf Uhr früh eine fette Tüte oder Shillum im Auto durchgezogen, mit rockigem Psychedelic Sound auf dem Rekorder, der nonstop lief, – und das alles noch bevor man die Stempel-Karte gedrückt hatte. Und zwei Jahr später, als ich dann zur Bundeswehr musste, konnte ich auch mit dem Auto fahren, das war schon Gold wert.

Anstelle wie die anderen armen Bundeswehrschweine, die keinen Pfennig Geld in der Tasche hatten und mit dem Zug nur einmal im Monat umsonst nach Hause fahren konnten, – denn mehr Freifahrkarten gab es nicht vom Bund. Da konnte ich jedes Wochenende nach Haus fahren und noch Kumpels mitnehmen. Ich hatte damals schon gut Kohle auf die Seite gelegt, was ich mit meinem Kumpel Gerd in den Jahren zuvor auf der Straße mit Dope und 8 Monate unter Tage als Geselle schwer verdient hatte, – noch bevor ich eingezogen wurde.

August 1974

Nun mein zweiter Trip, Sommerurlaub 1974, jetzt brauchte ich nicht mehr Trampen. Es war so weit, ich fuhr zum ersten Mal im Leben mit dem eigenen Auto in Urlaub, zusammen mit meinem besten Arbeitskumpel Gerd. Aber jetzt mit viel mehr Luxus, mit einer fetten Stereoanlage im Auto, das war wie „Stairway To Heaven“, wir waren stolz wie Led Zeppelin.

Von Moers fuhren wir über Österreich Richtung Jugoslawien, da haben wir als Erstes die Oma von meinem Kumpel Gerd an der rumänischen Grenze besucht. Die Oma hatte eine Nachbarin, mit einer jungen Tochter Elfi, die wir nett fanden und mit der wir einiges unternommen haben, da sie perfekt Deutsch sprach und sich sehr gut auskannte in der Gegend.

Die haben wir immer mitgenommen, sie zeigte uns die ganze Umgebung und wo man Nacktbaden konnte am See. Einen Freund hatte sie auch, den haben wir eines Nachmittags besucht und mit ihm zusammen einen LSD-Trip eingeworfen, weil der ganz scharf darauf war, LSD einmal auszuprobieren.

Mit dem Freund wurde es in der Nacht richtig problematisch, er hatte zuvor noch nie LSD geschluckt. Der stellte sich jetzt plötzlich vor, er wäre ein Vogel und wollte aus dem Fenster springen, um davonzufliegen. Und das aus dem dritten Stock! Er fing schon an zu piepsen, der dachte jetzt tatsächlich, er könnte fliegen! So was kann einem durchaus passieren auf LSD, dabei waren die LSD-Trips, die wir uns mitgenommen hatten, gar nicht so stark dosiert. Trotzdem mussten wir ihn zweimal von der Fensterbank herunterholen und die ganze Nacht über acht Stunden auf ihn aufpassen, – bis er wieder runterkam von seinem Trip und von der Fensterbank.

Ich hatte früher auf meine ersten LSD-Trips auch schon mal so was Heftiges erlebt. Da sackte ich mit meinem rechten Fuß immer wieder in den Bürgersteig ein wie ins weiche Moor und ich musste den Fuß mit beiden Händen nach jedem Schritt wieder herausziehen und gleichzeitig hatte ich im anderen Fuß einen Krampf, den ich nur noch hinterherschleifen konnte. Da war kein Vorwärtskommen mehr! Wenn ich alleine gewesen wäre, würde ich vielleicht heute noch feststecken. Zum Glück waren wir zu dritt und meine Kumpels riefen: „Uwe, wo bleibst du denn, mach doch keinen Quatsch“

– und zack, da war ich wieder klar im Kopf. Nur dass ich jetzt lauter menschliche Knochen Skelette auf der Straße liegen sah und ich darüber laufen musste, dass es nur so knackte!

„Hier ein Link, LSD Für Anfänger: Eine Übersicht!“ https://www.zamnesia.com/de/blog-das-abc-des-lsd-einuberblick-n51?fbclid=IwAR2IjTyTzBbplVtZDbJxNrt9wseiDDhnmes281EBeE1HsT6lLcJuT0egBU

Ein paar Tage später, als wir wieder einmal nüchtern, mit Elfi im Auto unterwegs waren, hatte ich dann meinen ersten schweren Autounfall. Wir sind mit sehr hoher Geschwindigkeit in einer S-Kurve auf nasser Landstraße, wo ein Trecker noch zusätzlich Schlamm vom Acker verteilt hatte, voll ins Schleudern gekommen. Dabei haben wir uns zweimal um die eigene Achse gedreht und rutschten von der Straße ab in einen Wassergraben. Glücklicherweise ist uns nix passiert, außer ein paar blaue Flecken. Mein Freund Gerd hatte eine leichte Gehirnerschütterung, da er mit dem Kopf seitlich auf mein Lenkrad geschlagen ist. Elfi hatte den rechten Arm total blau, weil wir noch einen dicken alten Jugoslawen beim Trampen mitgenommen hatten, der auch hinten saß, und der ist voll auf unsere zierliche Elfi gefallen. Sicherheitsgurte gab es ja zu der Zeit noch nicht in dem Auto. Der BMW lag jetzt auf der Fahrer-Seite im Graben, die Beifahrertüre ging nur nach oben auf, zuerst musste mein Kumpel Gerd rausklettern, danach ich. Anschließend mussten wir den dicken 95 Kilo Opa hochhieven von der Rückbank, was nicht so einfach war bei einem Zweitürer, – wo man den Beifahrersitz erst noch nach vorne klappen musste. Der Fettsack lag auf Elfi und die bekam schon keine Luft mehr, total eingeklemmt war die Kleine.

Wir hatten überall Blutegel an den Beinen, als wir aus dem schlammigen Wassergraben rausgekrochen kamen. Der BMW hatte den linken Kotflügel plattgedrückt, den wir aber provisorisch ausbeulen konnten, nachdem uns ein Lkw aus dem Graben gezogen hatte. Von da an ging es ein paar Tage später mit Beule im Kotflügel weiter, auf dem Autoput nach Belgrad. Der Freund von Elfi warnte uns noch vor, dass auf dem Autoput Russisch-Roulette gespielt wird, – was seit allerneuesten eine Modeerscheinung ist. Ein potenziell tödliches Glücksspiel, das mit einem Auto gespielt wird.

Auf dem Autoput hat derjenige die Vorfahrt, der sich auf der Bahn befindet. Aber auf dem Autoput in Jugoslawien ist es nicht wie in Deutschland auf der Autobahn, wo es Auffahrten und Abfahrten gibt, hier kann man von der rechten Seite und der linken Seite quer über die Straße fahren. Es wird so gespielt, – ein Fahrer sitzt in seinem Wagen und kann nicht einsehen, was von rechts oder links auf dem Autoput daherkommt, dann gibt er einfach Vollgas und rast quer über den Autoput rüber, – das war’s Russisch-Roulette! Also absolut tödlich auch für diejenigen, die sich auf dem Autoput befinden und den Scheiß gar nicht mitspielen wollen!

Somit waren wir auf der ganzen Strecke sehr wachsam an Überfahrten und Kreuzungen, – man sah ja, was dabei herauskam! Heil angekommen in Thessaloniki fuhren wir direkt nach Thassos, eine sehr schöne, grün bewaldete Insel im Nordosten Griechenlands. Dort relaxten wir eine Woche lang am Strand und fuhren schließlich nach Istanbul. Der Großstadtverkehr war uns gleich von Anfang an zu stressig.

Da habe ich mir doch gleich am ersten Tag mitten in der City den Benzintank aufgeschlagen, weil ein Stadtbus vor mir fuhr und mir die Übersicht auf die Straßenoberfläche versperrte.

Wir hatten gerade den Wagen vollgetankt und sind voll in ein Schlagloch reingefahren, dass es nur so rumste und dabei riss uns die Ablassschraube vom Benzintank ab und das mitten in der Stadt zur Hauptverkehrszeit. Was eine Action, – jetzt lief uns doch glatt das ganze Superbenzin aus, und der Tank war bis obenhin voll. Wir mussten sofort rechts ranfahren und nix wie raus aus dem Auto. Dass wir nicht in die Luft geflogen sind, war alles. Zumal die neugierigen Fußgänger hier fast alle am Rauchen waren und die immer näher an unser Auto herantraten, nur um den schicken BMW zu bewundern. Mein Freund Gerd hat einem Türken, der zu nahekam, die Zigarette aus dem Mund genommen und weit weggeschmissen. Da gab es fast eine Schlägerei, – der Kerl hatte die Benzinlache nicht gesehen, wo wir mitten drin standen! Nach der aufwendigen Reparatur, die mehrere Stunden dauerte, habe ich mir noch eine Meerschaumpfeife auf einem Basar gekauft, die ich heute noch besitze! Anschließend sind wir sofort wieder raus aus der Stadt und Richtung Athen gefahren und mit dem Schiff nach Mykonos rüber, endlich mal Urlaub machen. Dort, an dem herrlichen Paradies Beach hatte ich dann meine erste Begegnung mit Seeigel-Stachel, da hatte ich einen ganzen Nachmittag Freude dran, diese Stacheln aus meinen Füßen zu pulen. Man gab uns einen Tipp, links vom Strand über den Berg liegt der Superparadies-Beach ohne Seeigel im Meer.

Als wir dort ankamen, sahen wir nur nackte Kerle am Strand liegen, soweit das Auge reichte und nicht eine einzige Frau.

Als wir so den Strand entlangliefen, haben uns ein paar Jungs auf einmal hinterhergepfiffen. Dann sahen wir zufällig, wie zwei Kerle sich gegenseitig einen am Blasen waren, unterm freien Himmel, – da war uns dann klar, wo wir hier gestrandet waren. Superparadies Beach war dann doch nicht das Richtige Milieu für uns, also sind wir sofort wieder zurück zu den Seeigeln, die stechen einem nur in die Füße! In der Disco von Mykonos, da waren wieder nur Männer und nicht eine einzige Frau. Gerd und ich, wir sind dort sicherheitshalber Hand in Hand auf die Toilette gegangen, damit das so aussah, als wären wir auch ein Liebespaar. Als wir schließlich wieder nach fünf Wochen aus dem Urlaub zu Hause ankamen, lag doch tatsächlich der Einberufungsbefehl für Oktober 1975 bei mir auf dem Tisch, wo ich nun mal gar nicht mitgerechnet hatte.

Den Wehrdienst habe ich dann natürlich sofort schriftlich verweigert, weil auf Krieg spielen, hatte ich jetzt gar keinen Bock. Gerd und ich, wir hatten uns nämlich vorgenommen, nächstes Jahr eine Technikerschule zu besuchen, dass viel jetzt für mich flach durch diese scheiß Bundeswehrstory! Jetzt kamen wir um eine Woche verspätet wieder zur Arbeit.

Weil wir den verbeulten BMW in Split Jugoslawien hatten reparieren lassen, – das kam mir viel billiger, als wenn ich den Wagen in Deutschland hätte machen lassen. Da haben wir auf der Arbeit dem Chef erzählt, dass wir einen schweren Autounfall hatten! Somit hatten wir noch eine Woche länger unbezahlten Urlaub in Split rausgeschlagen, was richtig klasse war, denn in Split waren auch wieder Frauen in der Disco.

Uwe, was hat Dich dann in den sonnigen Süden Kretas verschlagen?

Ja, das ist eine ganz eigene Geschichte, wie ich zum ersten Mal nach Kreta kam, die möchte ich Euch jetzt noch kurz erzählen!

November 1975

Also meine erste Kriegsdienstverweigerung vor dem Duisburger Landgericht war nicht erfolgreich. Die zweite Gerichtsverhandlung hatte ich, da war ich allerdings schon bei der Bundeswehr eingezogen worden und in der 6-wöchigen Grundausbildung im Fliegerhorst Diepholz bei Bremen, – als Flieger Sperling! Was an sich schon ein Witz war, dass ich mich so melden musste. Mit meinem Anfangsbuchstaben „S“ war ich auch noch der Letzte in der Kompanie Reihe und der Letzte musste das 15 Kilo schwere Maschinengewehr tragen und noch zusätzlich zwei Munitionskisten. Dabei war vorne der Erste in der Kompanie Reihe mit Anfangsbuchstaben „A“ dreimal so breit und viel größer als ich. „Wie wollen wir so einen Krieg gewinnen?“ Das habe ich den Kompaniechef gefragt. Der gab mir keine Antwort darauf. Ich sagte zu ihm:

„Vielleicht wie in Vietnam mit LSD, davon habe ich zufällig noch was in meinem Auto rumfliegen!“ Irgendwie musste man ja nebenbei noch Geld verdienen und beim Bund erst recht, also habe ich die Jungs in der Kaserne gut versorgt mit Stoff! Nach der 6-wöchigen Grundausbildung habe ich als einziger von tausend Soldaten das Gelöbnis auf Vaterland und Treue verweigert, – weil mir ja noch die zweite Gerichtsverhandlung bevorstand. Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit haben folgenden Diensteid zu leisten:

"Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe."

Ich hatte noch versucht, meine drei Zimmergenossen zu überreden, auch nicht den Eid abzulegen. Die armen Schweine brauchten aber dringend die paar Kröten mehr im Monat, die es dafür gab, dass man den Eid ablegte. Und natürlich haben die alle schön brav den Eid abgelegt für 25,-Mark mehr im Monat, das grenzte doch schon an Bestechung.

Die Vereidigung nach der sechswöchigen Grundausbildung stand jetzt an und wurde in einer großen Parade abgehalten.

Alle marschierten in Uniform und Stahlhelm und mit dem Gewehr über der Schulter, im Gleichschritt hinter der Musikkapelle her, – nur ich saß als einziger in meiner Bude und lass Hermann Hesse «Steppenwolf». Das half mir aber jetzt bei der zweiten Gerichtsverhandlung auch nicht weiter, dass ich den Eid verweigert hatte! Der Richter und die ganze eingeschworene Nazi-Bande im Gerichtssaal meinten doch tatsächlich, ich wäre zum Killer geboren, – ich müsste die vollen 15 Monate Wehrdienst ableisten. Hätte mir damals Ulrike Meinhof eine Granate in die Hand gedrückt, ich hätte den Laden in die Luft gesprengt! Die dritte Verhandlung wäre jetzt öffentlich gewesen, vielleicht sogar ohne Nazis auf der Richterbank, wer weiß das schon, aber die Kosten hätte ich selber tragen müssen, falls ich wieder nicht durchgekommen wäre. Das habe ich mir nicht zugetraut, dann auch noch die Gerichtskosten zu blechen. Ich habe es etwas später noch einmal versucht und habe auf täglichen Drogenkonsum plädiert, da ich erfahren hatte, dass nur Hamburgs oberster Bundeswehr-Psychiater mich ausmustern kann.

Das kam jetzt rein zufällig! Damals in der Lehre verdiente man nicht so viel Geld und später als Geselle unter Tage ja auch nicht gerade übermäßig viel! Damit man sich auch mal etwas mehr leisten konnte, hatte ich mit meinem Kumpel Gerd angefangen, so nach Feierabend nebenbei öfters mal in Venlo und Arnheim, im Coffeeshop ein halbes Kilo Hasch einzukaufen und LSD. In Holland war Hasch um einiges billiger! Das haben wir in kleine 3 Gramm Portionen verpackt und verkauft, zum Beispiel auf dem Free-Jazz-Festival im Moerser-Schlosspark und natürlich auch jede Menge privat.

Das lief jetzt schon einige Jahre hervorragend, bis schließlich so ein Arschloch mich in meiner Stammdisco bei der Wirtin anschwärzte. Ich wusste wirklich nicht, warum der Kerl das getan hatte, – der Wirtin zu sagen, dass ich in ihrer Disco Hasch verkaufe. Einen Tag zuvor hatte ich seinem Kumpel drei Gramm verkauft, für 10,- Mark, natürlich draußen vor der Türe, was die beiden sich dann geteilt hatten, jeder 1,5 Gramm für einen Fünfer. Der Kumpel hat sein Dope geraucht und der Blödmann legt die 1,5 Gramm der Wirtin auf den Tresen und sagt: „Das verkauft der Uwe hier!“ Klar, daraufhin musste sie die Polizei verständigen und meinen Namen angeben. Ich bekam eine Woche später einen Brief von der Polizei, – Verstoß gegen das Betäubungsmittel Gesetz und kurz Zeit später den Termin für eine Verhandlung im Moerser Landgericht. Den Brief musste ich beim Oberstleutnant von meiner Kaserne vorlegen, damit ich den Tag freibekomme.

Das fing schon schräg an, ich komme in sein Büro und mache Meldung: „Flieger Sperling meldet sich zur Stelle!“ Da schreit der mich doch von seinem Schreibtisch aus an: „Wir sind hier jetzt bei den Kanonieren und nicht mehr in einer Fliegerkaserne, melden sie sich gefälligst anständig!“ Nach sechs Wochen Grundausbildung in einer Fliegerkaserne konnte ich mir den Titel Flieger nicht mehr abgewöhnen, zumal ich in der Grundschule der Start Läufer im 4-mal-100-Meter-Staffellauf war, und dass über mehrere Jahre hinweg. Und alle Jungs auf der Schule mich damals schon Flieger nannten, weil ich der schnellste auf hundert Meter in ganz NRW war und das ohne Doping. Schon alleine meines Nachnamens wegen fand ich den Spitznamen Flieger viel besser, als wenn sie mich alle Spätzchen gerufen hätten. Ich musste jetzt noch mal raus und kam dann wieder reingeschneit und sagte laut und deutlich:

„Kanonier Flieger Sperling meldet sich zur Stelle!“ Daraufhin wäre dem fast sein Gebiss aus dem Oberkiefer gefallen!

Da fragt der Oberst mich erbost, sodass er sich fast dabei verschluckt hätte: „Sie nehmen Drogen zu sich, haben sie jetzt was dabei?“ Das waren zwei Fragen gleichzeitig. Worauf ich antwortete: „Ja klar täglich, sonst hält man das ja nicht aus hier in dem Verein ohne Drogen, aber dabei habe ich jetzt nichts!“ Der sagte daraufhin noch völlig entrüstet, ich solle die Drogen bloß nicht mit in die Kaserne bringen. Ich erwiderte:

„Nee ist schon klar, die habe ich draußen vorm Tor gut versteckt!“ Daraufhin hat er mir doch tatsächlich einen Termin beim Bundeswehr Psychiater eingeräumt, der dachte jetzt wohl, ich wäre total durchgeknallt. Eine Woche später hatte ich den Termin beim Psychiater und bin nach Hamburg gefahren. Die Nacht davor habe ich durchgemacht mit der jungen blonden Heidi, die hatte ich erst kurz vorher in einer Disco kennengelernt und die wohnte in einer Kommune, da konnte ich jetzt immer übernachten, anstatt in der Kaserne.

Wir haben die ganze Nacht nicht gepennt und zusammen eine Flasche Whisky gesoffen und eine Schachtel „Roth-Händle“ mit meinem Dope geraucht. Mein Plan war, total stoned dort einzumarschieren, sodass der Psychiater mich wehrdienstuntauglich schreibt. Am darauffolgenden Tag, als ich mit dem Zug in Hamburg ankam, habe ich mich kurz vor der Kaserne unter einer Brücke untergestellt, da es plötzlich so kräftig anfing zu regnen, und mir noch schnell einen fetten Joint durchgezogen. Danach bin ich stramm wie eine Haubitze in dieses besagte Bundeswehrkrankenhaus einmarschiert. Da war zu meinem großen Glück gerade Mittagspause, – ich hatte nämlich so einen ausgetrockneten Hals von der Tüte mit Hasch, dass ich in der Kantine erst mal einen halben Liter Bier trinken musste, – damit ich wieder einigermaßen sprechen konnte. Anschließend, als die Pause zu Ende war, ging ich gut angetörnt ins Wartezimmer von der Psychiatrie Abteilung. Ich sitze da so völlig müde und total stoned rum und warte. Im Allgemeinen sind die Sativas Hasch Sorten immer diejenigen, die mich energievoll und kreativ, also

"high" fühlen lassen! Während Indicas Sorten dieses angenehme und entspannte Gefühl bewirken, dass man

"stoned" nennt! Die meisten Freaks, die ich kenne, genießen beide Wirkungen von Cannabis! Wenn man sich also high und stoned zugleich fühlt! Ich denke, ich hatte irgendeine von den Indica- Hasch Sorten aus Zentralasien und dem indischen Subkontinent – Libanon, Afghanistan, Pakistan, nördliches Indien, Tibet und Nepal erwischt. Jetzt war ich komplett stoned und müde und wäre fast eingeschlafen, – da kommt doch plötzlich ein Typ ins Wartezimmer rein geschlurft im Bundeswehrschlafanzug. Ich denk mir so, frag den doch jetzt mal, warum er hier ist. Da sagt der Typ zu mir: „Ja wegen Drogen, und er müsse jetzt hier im Krankenhaus bleiben, 15 Monate in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung!“ Augenblicklich in diesem Moment, als ich das hörte, da war ich so was von nüchtern. Jetzt war ich plötzlich mehr high als stoned wie nie zuvor in meiner ganzen Drogenlaufbahn. Als ich dann endlich zum Psychiater reingerufen wurde, war das Erste, was der mich fragte: „Haben sie Selbstmordgedanken?“ Ich schaute den verdutzt an und erwiderte spontan: „Nein, wo denken sie hin, bevor ich mich umbringe, pisse ich doch eher die Fahne an!“ Das war’s, ich konnte gehen. Der hatte nicht mehr eine einzige Frage, ich habe so schnell gemacht wie möglich, um aus diesem Gebäude wieder herauszukommen, bevor der sich das noch anders überlegen sollte und mich hier für fünfzehn Monate einbuchtet! Eine Woche später wurde ich dann zum Oberstleutnant gerufen, der Befund vom Psychiater war angekommen, – ich könnte in Heimatnähe verlegt werden nach Haltern am See.

Das habe ich sofort rigoros abgelehnt, ich sagte zu ihm:

„Entweder ganz oder gar nicht, da bleib ich doch lieber hier!“

Hier noch eine Kurzgeschichte von der Bundeswehr!

https://www.story.one/de/story/der-eid-64477bbe9310d/

Ich hatte ja mittlerweile in der Kaserne schon lauter klasse Kumpels gefunden und die meisten waren meine Kunden, – was sollte ich denn in Haltern am See? Und in der Stamm-Kneipe von Diepholz hatte ich einige Freaks kennengelernt.

Darunter einen schwulen Lehrer, – der hatte einen Bauernhof/Kotten der groß genug war, – dass er sogar ein Schwein großzog in einem der Nebenzimmer. Bei dem konnte mein Freund Rainer, der schon drei Monate fahnenflüchtig unterwegs war, auch immer übernachten (also jetzt nicht bei dem Schwein), ohne dass er uns beide vernascht hat, gewollt hätte der Lehrer das schon, wenn wir beide gewollt hätten.

Einen Versuch hat er sogar einmal bei mir gestartet, nachts unter der Bettdecke, – da wollte er mit mir spielen, da musste ich ihm aber kräftig auf die Finger hauen. Wenn die Kneipe zumachte, hingen wir alle bei dem Lehrer auf dem Bauernhof ab, – ohne Sex, nur mit Drugs and Rock ‘n Roll.

Die Gerichtsverhandlung wegen meines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde verschoben, auf einen späteren Termin, nachdem es Aussage gegen Aussage stand.

Da ich selbstverständlich alles abgestritten habe, jemals Haschisch verkauft zu haben! Der Richter hatte daraufhin den Blödmann bei der jetzigen Verhandlung so in die Mangel genommen und ausgequetscht: „Wieso und weshalb er fünf Mark einfach so aus dem Fenster schmeißt, um mich damit anzuzeigen.“ Er fragte ihn unaufhörlich, ob das vielleicht noch einer bezeugen kann, dass ich ihm das wirklich verkauft habe.

Daraufhin gibt der Arsch den Namen und die Adresse seines besten Freundes preis, – der das Dope geraucht hatte. Und daraufhin wurde die Verhandlung ausgesetzt auf einen späteren Zeitpunkt! Aber da war ich dann schon über alle Berge im Hippieparadies von Matala und lag am Tag der zweiten Verhandlung nackt am Red-Beach in der Sonne!

Wann war das?

März 1976

Mein Freund Rainer, der ist erst gar nicht zu seiner Musterung erschienen, der war schon monatelang fahnenflüchtig unterwegs. Er war vorher auch schon bis nach Israel in einen Kibbuz geflüchtet, eine ländliche Kollektivsiedlung, das gefiel ihm aber nicht so richtig, darum kam er zurück. Er meinte zu mir, nach dem ich nicht befreit wurde: „Lass uns zusammen nach Kreta abhauen, in Matala da fließt Milch und Honig, dort können wir in einer Höhle wohnen und da findet uns keiner!“Wir beide hatten davon gehört, dass sich dort viele Hippies aufhielten und sogar Joni Mitchell, die Sängerin aus Kanada, und viele junge Freaks aus den USA, die auch vor dem Militärdienst geflüchtet waren. Somit habe ich schließlich eine Woche Urlaub genommen bei der Bundeswehr zur Fluchtvorbereitung und bin sozusagen fahnenflüchtig mit dem Freund nach Matala abgehauen. Natürlich mit dem BMW, den ich dann in Griechenland verkaufen wollte und mit dem Geld wollten wir dann weiter bis nach Brasilien flüchten.

Noch am selben Abend sind wir von der Bundeswehrkaserne Barnstorf Landkreis Diepholz in Niedersachsen zu mir nach Hause nach Moers gefahren, ich wohnte ja noch bei meinen Eltern oben unterm Dach. Wie das Leben ebenso spielt, – da lag auch schon wieder der nächste Brief vom Moerser Landgericht wegen der blöden Drogenstory mit einem neuen Termin für die kommende Woche in meinem Zimmer.

Das juckte mich jetzt auch nicht mehr großartig, bloß schnell weg von hier dachte ich und das so schnell wie möglich.

Wir haben uns klammheimlich mitten in der Nacht auf leisen Sohlen ins Haus geschlichen, damit meine Eltern bloß nichts mitbekamen, – die schliefen zum Glück schon. Ich habe nur schnell ein paar Anziehsachen gepackt, aber dafür meine ganzen Langspielplatten Sammlung mitgenommen, um sie in Griechenland zu verscherbeln, weil ich nicht so viel Bargeld hatte. Es reichte gerade für Benzin und für Essen und dann fuhren wir los Richtung Graz, Belgrad, Thessaloniki, Athen und gingen in Piräus aufs Schiff nach Heraklion. Als wir endlich nach vier Tagen lebendig in Matala ankamen, waren wir heilfroh. Auf der langen Fahrt hatten wir nur eine einzige brenzlige Situation in Nordmazedonien.

Als ich in den Bergen einen Schwertransporter überholte, da kam doch ganz plötzlich von vorne aus einem Tunnel noch ein Lkw und wir fuhren mit über hundert Sachen zwischen den beiden Lkws hindurch. Hätte einer von den Lastwagenfahrern nicht mitgespielt, wir wären zerquetsch worden wie die Schmeißfliegen. Beide Türgriffe von meinem BMW berührten die Lkws, da passte keine Briefmarke mehr dazwischen.

Rainer, mein Freund, rutschte vom Beifahrersitz und lag schon unterm Armaturenbrett auf dem Boden, mit beiden Händen über dem Kopf und das alles ohne einen einzigen Sicherheitsgurt im Auto.

Jetzt standen wir beide quicklebendig in Matala und hier endete die Straße für uns direkt am Libyschen Meer.

Die Höhlen auf der rechten Seite waren voll mit Hippies, wirklich alles besetzt. Wir waren echt überrascht, dass so viele Freaks in den Höhlen wohnten, – es sind mehr als 100 Löcher im Berg, kleine Höhlenlöcher allerdings mitgezählt.

„Woher ich das weiß, wie viele Löcher, das sind?“ Acht Jahre später 1984, als mein griechischer Freund Stelios der Besitzer der Rock-Bar in Matala Geburtstag feierte, da habe ich mit meinem Freund Bobby zusammen 100 Kerzen gekauft und wir haben nachts in jeder Höhle eine angezündet.

Daraufhin erschien sogar die griechische Polizei aus Mires und suchte mit Scheinwerfern den ganzen Berg ab, – die dachten doch tatsächlich, die Hippies sind wieder zurückgekehrt.

Von der Rock-Bar aus konnten wir alles gut beobachten und wir haben uns köstlich amüsiert. Das war eine gelungene Geburtstagsparty für unseren Freund Stelios und er musste nicht mal mehr die Kerzen auspusten gehen, das haben die Bullen für ihn erledigt.

Matala ist ein Dorf an der Südküste der griechischen Insel Kreta. Nach dem griechischen Mythos war Matala der Ort, an dem Zeus in Stiergestalt mit der von ihm entführten phönizischen Prinzessin Europa an Land ging. Er verwandelte sich hier in einen Adler und brachte Europa weiter nach Gortyn. In der Jungsteinzeit wurden in das weiche, poröse Gestein der Bucht zahlreiche Wohnhöhlen gegraben, die in der Zeit der römischen Besetzung Kretas als Grabstätten genutzt wurden. In der minoischen Epoche befand sich an dieser Stelle vermutlich der Hafen von Phaistos; in römischer Zeit war Matala der Hafen von Gortyn. Die Sarazenen unter Abu Hafs Omar, die 824 Kreta eroberten, gingen zuerst in Matala an Land.

Und wir beide jetzt das erste Mal im März 1976, – unser Abenteuer konnte beginnen. Mitten auf dem Dorfplatz von Matala waren wir nicht nur das einzige ausländische Auto im Dorf, – sondern auch noch das einzige Auto überhaupt, was dort nachts parkte.

Da standen wir nun mit dem olivgrünen BMW 1602, auffälliger ging es wirklich nicht mehr, – wie so zwei reiche Dandys sahen wir aus (ich hatte kurze Haare, kam ja vom Bund, da war die Matte ja ab)! Hier waren schon ein paar Freaks neidisch auf mein Auto! Tagsüber kam ab und zu mal ein alter Linienbus, der die Leute in die Stadt nach Mires und nach Heraklion fuhr. Es gab auch nur Mamas Shop, ein kleines Lebensmittelgeschäft, was gleichzeitig auch die Bäckerei war, und man bekam die Post dort hin, die in einem Schuhkarton lag, der gleich neben der Kasse stand. Ein alter Grieche mit einem Kafenion (Authentisches griechisches Lokal) gab es auch und eine Gyros-Bude, dort haben wir immer gegessen.

Das fing schon in den 60er-Jahren an, dass sich in den neolithischen Wohnhöhlen Hippies aus aller Welt ansiedelten

(darunter viele junge US-Bürger, die ihre Teilnahme am Vietnamkrieg verweigerten, so wie wir beide jetzt gerade auch die Teilnahme an der Bundeswehr) und gründeten dort eine Höhlencommunity. Matala war auch der europäische Fixstern im globalen Hippie-Universum und galt als Stop-over auf dem Hippie Trail nach Kathmandu und Goa. Was ich dann schließlich ab 1978 über 25 Jahre lang auch so machte, ich war immer sechs Monate im Sommer auf Kreta und anschließend im Winter sechs Monate in Indien und Ceylon! Zeitweise lebte hier auch Joni Mitchell, die den Song „Carey“

1971 in Matala geschrieben hat. Dieses Lied auf ihre LP:

„Blue“ hatte uns schon über vier Jahre begleitet, – und uns beide so auf Matala erst aufmerksam gemacht. Nur war sie leider schon fünf Jahre vor uns hier gewesen. Das Bob Dylan & Cat Stevens, auch in Matala waren ist nur ein Gerücht!

„Hier ist ein sehr schöner alter Video Song von 1971 in Matala - Joni Mitchell – Carey“

https://www.youtube.com/watch?v=qiXqopbiPjg

Die Musikzeitschrift Rolling Stone wählte Blue 2003 auf Platz 30 und 2020 auf Platz 3 der 500 besten Alben aller Zeiten.

Rainer, mein Freund, von Natur aus, ein begnadeter Gitarrist, konnte alle Songs auswendig über Joni Mitchell, Cat Stevens Bob Dylan bis hin zu Neil Young und vieles mehr. Er spielte alles auf Gitarre nach wie ein Profi, – er hatte in seinen jungen Jahren Gitarrenunterricht genommen. Seine Gitarre war, selbst verständlich, schon immer mit von der Partie, – egal wo wir damals hinfuhren. Und ich hatte meine zwei Tabla’s dabei! (Ein Schlaginstrument der nordindischen Musik.) Sie besteht aus zwei kleinen Kesseltrommeln, deren Felle mit einem charakteristischen kreisrunden Auge versehen sind und mit den Fingern beider Hände gespielt wird, was über ein großes Klangspektrum verfügte. Wir sind dann auf der linken Seite vom Strand ausgesehen Richtung Red-Beach bei Erwin, einem Österreicher eingezogen, den wir kennengelernt hatten, nachdem wir ein paar Tage im Auto geschlafen haben. Der bewohnte dort eine große Höhle, Platz genug zum Schlafen allemal und einigermaßen trocken, das war die Hauptsache. Im März war es nachts noch recht frisch, um draußen im Freien zu übernachten, wir hatten auch kein Zelt dabei und auf dem Psiloritis da lag noch fett Schnee! Tagsüber sind wir immer zum Schwimmen über den Berg gewandert, zum Red-Beach, weil man dort nackt baden konnte, ohne jemanden zu stören, denn in Griechenland war Nacktbaden verboten. Wir fanden schnell heraus, dass nicht alle Hippies hier freundliche Blumenkinder waren, wie wir erwartet hatten. Da lief in Matala auch ein Zuhälter rum, Rudi aus Hamburg, mit zwei ganz jungen Nutten, die für ihn anschaffen mussten, die Mädels waren sehr gefragt bei den einheimischen Griechen. Und Freddy, ein Passfälscher aus Stuttgart, der am Red-Beach in einer Höhle lebte. Bei dem Freak habe ich mir den Einreisestempel von meinen BMW aus dem Reisepass entfernen lassen (mit Säure), für eine Handvoll Drachmen, aber so was von dilettantisch. Da hatten sich von der anderen Seite in meinem Pass, die Stempel von meinen vorherigen Reisen in die Türkei und Griechenland durchgesogen. Und eine Unterschrift, die mit Kugelschreiber eingetragen war, hat er mit einer Rasierklinge ausradiert, furchtbar kann ich nur sagen, das hätte ich selber besser hinbekommen. Ich musste später mehrere Seiten vom Reisepass mit schwarzer Tinte übergießen, weil ich jetzt doch den Stempel wieder brauchte, – ich bekam den Wagen jetzt doch nicht verkauft und benötigte wieder den Einreisestempel, um mit dem Auto später wieder auszureisen.

Daraufhin musste ich nach Heraklion zum Zollamt und denen erklären, wie das geschehen ist. Denen erklärte ich, dass mir beim Briefeschreiben eine Katze das Tintenfass umgestoßen hat und alles über den Reisepass verschüttet wurde und dass man den Einreisestempel jetzt nicht mehr erkennen kann. Ich bekam nach einer überaus gründlichen Untersuchung vom Motorblock und meinen Autopapieren einen neuen Stempel auf einer sauberen Seite, – die ich noch übriggelassen hatte.

Wir waren von Deutschland mit meinem BMW 1602 hier runtergefahren, um den Wagen ja zu verscheuern und für immer zu verschwinden. Meinen Bundeswehrausweis hatte ich schon in Wiesbaden auf einer Autobahn Raststätte verbrannt und die Hundemarke von der Bundeswehr, die man um den Hals trug, schwimmt heute noch in der Donau.

Für den Wagen wollte ich 10.000, – Mark, das war der Plan, um dann mit der Kohle nach Brasilien zu flüchten forever.

Das hat aber nicht geklappt, der griechische Käufer, den wir gefunden hatten, wollte mir die Summe auch bezahlen, – er arbeitete sogar beim Straßenverkehrsamt in Heraklion.

Der bekam aber so leicht auch keine Zulassung, wie er sich gedacht hatte, ohne den total hohen Einfuhrzoll zu blechen.

Da ist er dann abgesprungen, weil es sich jetzt für ihn nicht mehr lohnte, günstig an ein Auto zu kommen. Zum Glück kann ich da nur sagen, – sonst hätte uns der Zuhälter Rudi aus Hamburg mit noch einem anderen Kerl eine ganz düstere Gestalt, der immer eine dicke Bassgitarrensaite oben in seiner Jeansjacke trug, – obwohl der gar keine Gitarre hatte und auch gar nicht spielen konnte, – ganz sicher nachts das Geld gestohlen und uns vielleicht noch im Schlaf erdrosselt.

Die wussten genau, in welcher Höhle wir immer schliefen! Der Zuhälter Rudi hätte auch beinah im total besoffenen Kopf mein Auto geklaut, – nachts als meine Freunde noch im Auto Musik hörten. Zum Glück kann ich da nur sagen, dass Rainer noch die Autoschlüssel abziehen und schnell wegrennen konnte und der Österreicher Erwin kam mit einem blauen Auge davon. Ich schlief schon in der Höhle und wurde von dem Geschrei wach, damals gab es keine einzige Laterne in Matala, alles stockdunkel und geschweige Polizei oder eine Telefonzelle, wo man hätte jemanden zur Hilfe rufen können.

Aber es ist noch mal glücklicherweise gut gegangen, nur das Auto bekamen wir nicht verkauft! Stattdessen haben wir dann einen Monat lang weiter meine Schallplatten verkauft, in den zwei Diskotheken, die es zu der Zeit in Heraklion gab.

Den Drecksack mit der Gitarrensaite, den haben wir eines Nachts, nach dem wir wieder LPs in der Disco verkauft hatten, auf dem Rückweg von Heraklion nach Matala einfach mitten in den Bergen stehen gelassen. Wir hatten keinen Bock mehr auf den Wixxer, der hing uns ständig auf der Pelle und wollte überall dabei sein. Ich hatte mich mit Rainer vorher schon abgesprochen, ich sagte auf halber Strecke: „Lasst uns alle mal eine Pinkelpause einlegen“ und habe angehalten, – dann sind wir alle ausgestiegen und Rainer und ich sofort wieder rein ins Auto und Türe zu und weg. Da stand der Wixxer nun mit Hosenschlitz auf und schaute doof aus der Wäsche.

Wir sind auch öfters von Matala nach Pitsidia zu Kostas ins Kafenion gefahren, und das einmal auf LSD, – ich bin sonst nie auf LSD mit dem Auto gefahren! Das war jetzt wirklich eine saugefährliche Situation der Stufe 10! Von Matala in Richtung Pitsidia geht es den Berg hoch, – wir sitzen zu dritt im Auto, hinten Erwin mit dem blauen Auge, Rainer und ich vorne und alle Mann schon voll druppski und hören Musik; „The Doors - Riders On The Storm.“ Ich fuhr ganz gemütlich und schaute nach vorne und hatte das Gefühl, ich fahre den Berg runter und machte den Motor aus, – um Sprit zu sparen! Für nur einen Bruchteil von Sekunden denke ich, warum kommt der Baum vor mir am Straßenrand nicht langsam näher und da merke ich plötzlich, dass wir die ganze Zeit nicht vorwärts, sondern rückwärts rollen. Die Handbremse hat noch geradeso gepackt, da standen wir in der Kurve kurz vorm Abhang, wo heute noch diese kleine Kapelle steht, mit den Hinterrädern noch so eben auf dem festen Boden. Wir sind alle drei sofort aus dem Wagen gestiegen und haben den Abhang hinuntergeschaut, auf dem LSD-Trip sah das noch hundertmal tiefer aus. Daraufhin haben wir angefangen, mit den Tablas zu trommeln und zu tanzen vor Freude, – dass wir das so knapp überlebt hatten. Diese kleinen Kapellen am Straßenrand erinnern an tödliche Autounfälle oder Gedenken bestimmter Situationen, so wie meine, – darum zünde ich dort auch immer mal wieder eine Kerze an. Als mein Geld und die Schallplatten langsam immer weniger wurden, dachte ich, – ganz ohne Moos kommen wir nicht weiter. Und so viel Milch und Honig und Superbenzin gab es hier auch nicht umsonst.

Dann hänge ich hier bald in Matala mit dem Auto fest, besser ich fahre jetzt sofort wieder zurück, solange das Geld noch für Sprit ausreicht um wieder nach Hause zu kommen. Daraufhin sind wir Hals über Kopf so schnell wie möglich wieder auf die Fähre. In Athen haben wir in der Plaka übernachtet.

Das liegt im Schatten der Akropolis und deren antiken Tempel an einem Hang mit engen, kopfsteingepflasterten Gassen und winzigen Geschäften und Straßencafés und familiengeführte Tavernen, die bis spät in die Nacht geöffnet sind.

Am nächsten Tag, wir bummeln so durch die Stadt, plötzlich sehen wir Leute, die sich das Gesicht mit Tüchern verdecken und wegrennen. Dann rochen wir auf einmal Gas, man konnte fast nicht mehr atmen. Wir rannten jetzt auch los um die nächste Ecke, auf eine breite Straße zu, rechts und links breite Bürgersteige und keine Menschenseele und kein Auto zu sehen und das mitten in Athen. Der Gasgeruch ließ nach und wir liefen einfach mal so in eine Richtung ohne jemanden zu sehen. Plötzlich biegt von vorne links ein Panzer um die Ecke und gleich kurz danach rechts und links auf dem Bürgersteig in Dreierreihen Soldaten mit Gasmasken, Gummiknüppel und Plastikschilder.

Da war uns klar, woher der Gasgeruch kam, die haben das Zeug von dem Panzer aus verschossen, daraufhin sind wir sofort in die andere Richtung geflüchtet. Als wir nach Stunden unser Hotel wiederfanden, sind wir gleich raus aus der Stadt gefahren und sofort Richtung Thessaloniki zur jugoslawischen Grenze. Meinen Kumpel Rainer, den habe ich bei seiner Schwester in Leverkusen abgesetzt, wo er dann zwei Wochen später das Elektrogeschäft, – wo seine Schwester Geschäftsführerin war, ausgeraubt hat. Er ist mit ihrem Schlüssel vom Geschäft dort nachts eingebrochen und hat die volle Geldkassette gestohlen. Damit ist der egoistische Drecksack dann nach Brasilien geflüchtet, – ohne mich mitzunehmen! Und ich bin brav wieder zur Bundeswehr einmarschiert ohne meinen Bundeswehrausweis, den hatte ich ja schon vor fünf Wochen in Wiesbaden auf der Autobahnraststätte als erstes verbrannt und meine Hundemarke hatte ich in die Donau geschmissen. Zum Glück kannten mich die Jungs von der Torwache ja alle und ich musste keinen Ausweis vorzeigen.

Jetzt kam ich aber obendrein viel zu spät zurück, – fünf Wochen den Urlaub überzogen. Ich hatte ja nur eine Woche Urlaub am Bodensee beantragt! Ich musste jetzt als erstes beim Oberstleutnant antanzen, – wo ich denn so lange gewesen bin, fragte er mich und dass die Feldjäger mich schon seit Wochen suchen würden. Ich erzählte ihm, dass ich am Bodensee Leute getroffen habe die mich mit ihrem Auto mitgenommen haben nach Griechenland, und als wir dort waren, hatte das Militär in Athen geputscht, – was ja auch rein zufällig stimmte. Ich sagte ihm, dass ich kein Telegramm schicken konnte, da die Postämter und die Banken alle geschlossen waren und Benzin Coupons konnten wir auch nicht kaufen, also konnte ich nicht rechtzeitig zurück sein! Der Oberst fragte mich darauf, wie wir denn nach Griechenland gefahren sind, ich sagte: „Über Österreich und Jugoslawien!“Aber als Bundeswehrangehöriger durfte man damals nicht durch Jugoslawien reisen, das war doch der Ostblock, das habe ich gar nicht gewusst, ich war ja schon öfters durch Jugoslawien gereist, – hätte ich mal besser Italien gesagt.

Jetzt hatte der Arsch einen Grund gefunden, um mir zwei Wochen verschärften Arrest aufzubrummen, – so zusagen, sich nicht aus der Kaserne entfernen. Zum Glück kannte ich die Jungs von der Torwache alle miteinander sehr gut, ich gehörte selber dazu, seit ein paar Wochen bevor ich geflohen war. Die Jungs haben von mir auch den Stoff gekauft und ich hatte als Einziger ein Auto, das war viel wert damals beim Bund, ich konnte die Jungs immer mitnehmen, wenn ich nach Hause fuhr oder nach Bremen in die Disco. Also konnte ich rein und raus, wie es mir passte, nix mit verschärftem Arrest, man muss nur die richtigen Leute kennen, der Oberst konnte mich mal gernhaben. Meine erste Knasterfahrung hatte ich dann einen Monat später, ich hatte meinem Kollegen Heinz meine Freifahrkarte gegeben für Duisburg, der wohnte aber in Wiesbaden, also hat er Duisburg ausradiert und Wiesbaden eingetragen. Ich bin damit zum Bahnhof in Barnstorf, um den Freifahrtschein einzulösen, und musste meinen Ausweis vorzeigen. Da sagt der Bahnangestellte zu mir: „Sie wohnen doch gar nicht in Wiesbaden!“ Ich sagte zu ihm: „Ich bin umgezogen und bin leider noch nicht umgemeldet!“ Daraufhin ruft der Kerl in meiner Kaserne an und fragt nach, ob das stimmt. Der bekommt die Antwort, das stimmt nicht und hält den Freifahrtschein fest, ich bin dann mit dem Kumpel nach Duisburg gefahren und er hat sich von dort ein Ticket nach Wiesbaden kaufen müssen. Am Montag mussten wir beide beim Oberstleutnant antanzen wegen Urkundenfälschung! Ich wurde für drei Tage Knast verdonnert übers Wochenende Freitag, Samstag, Sonntag und der Kumpel 7 Tage, weil er das ausradiert und den Stadtnamen geändert hatte. Das waren bis dato meine schlimmsten drei Tage in einer Einzelzelle. Ich hatte mich an dem Wochenende mit meiner neuen Freundin Reinhilde verabredet, wir wollten gemeinsam zur Nordsee fahren, jetzt konnte ich der nicht mal Bescheid geben, wieso ich nicht kommen kann. Die dachte doch, ich lasse sie sitzen, – ein furchtbares Gefühl, wenn man verliebt ist und der Geliebten nicht sagen kann, warum man nicht erscheint.

Wie ging es weiter?

Die Bundeswehr habe ich kurz vor Weihnachten 1976 zu Ende gebracht. Ich hatte ein tierisches Glück, dass ich mir nicht noch drei Wochen vor meiner Entlassung den rechten Fuß weggeschossen habe. Das kam dadurch, – in der Kaserne ging seit Tagen ein Gerücht um, dass von oberster Stelle Kontrolleure hier plötzlich auftauchen und abchecken, dass man ordnungsgemäß sein G3 (ein Schnellfeuergewehr des deutschen Waffenherstellers Heckler & Koch), auch bei jedem Wachrundgang durchgeladen hat, – es verwendet die Patrone 7,62 × 51 mm, ganz schön dicke Brummer. Ich hatte in der ganzen Zeit, die ich bei der Bundeswehr war, nie beim Wache schieben mein G3 durchgeladen, – nicht ein einziges Mal.

Somit befand sich auch nie eine Kugel im Lauf! Dann eines Abends war es so weit, wieder ein Rundgang in der Kaserne mit meinem Kollegen Heinz. Aus Angst, wieder bestraft zu werden, haben wir beide durchgeladen und sind losgelaufen.

Man benötigte immer gute zwei Stunden für den Rundgang.

Weil es so kalt war im November nachts um 3 Uhr, haben wir uns immer abends für eine Stunde in mein Auto gesetzt, mit Heizung an, um uns aufzuwärmen und Musik gehört und ich habe uns noch einen leckeren Joint gerollt. Anschließend sind wir wieder zur Torwache ins Wachhäuschen, wo man das G3 entsichern musste und anschließend in den Waffenschrank stellt. Ich hatte nach dem Joint total vergessen, dass sich jetzt eine Kugel im Lauf befand, und machte den obligatorischen Entspannungs-Schuss, wie all die Monate zuvor. Ich hielt das Gewehr locker in der rechten Hand, mit dem Lauf auf den Boden gerichtet und drückte ab und dachte, wie immer, es macht nur leise klick. Aber in der Sekunde, wo ich den Finger krumm machte, gab es einen ohrenbetäubenden Knall, dass ich dachte, jetzt hat die RAF uns eine Handgranate in die Bude geschmissen. Die Fensterscheiben haben sich gebogen, als wollten sie jeden Moment zerbersten und Splitter flogen nur so durch die Luft von der Bodenfliese, die ich zerschossen hatte. Mir war überhaupt nicht bewusst in dem Moment, dass ich das war. Mein anderer Kumpel Jürgen, der an diesen Abend Telefondienst im Wachhaus hatte und am Schreibtisch saß, reagierte sofort. Er sprang auf und riss mir das Gewehr aus der Hand und nahm sofort das Magazin raus, denn es war gleich die nächste Kugel wieder im Lauf. Wenn man einmal durchgeladen hat, dann kann man auch auf Schnellfeuer stellen und das ganze Magazin auf einmal leer ballern, wenn man den Finger durchgedrückt hält. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Obwohl wir gute Kumpels waren und auch gleich darauf vor Schreck noch einen Joint geraucht haben, musste er Meldung machen, weil jetzt eine Kugel in meinem Magazin fehlte und die steckte in der kaputten Bodenfliese.

Es war noch Wochenende, aber am Montagmorgen musste ich sofort wieder einmal beim Oberstleutnant antreten. Das Erste, was der sagte zu mir: „Sie schon wieder, – hatten sie vor, den Kanonier Jürgen Vogt am Telefon zu erschießen?“ Ich antwortete: „Wenn ich den erschießen wollte, hätte ich den auf der Entfernung ja wohl getroffen, ich war schon als Jugendlicher im Schießverein und habe mehrere Urkunden!“ „Wie konnte ihnen das denn passieren“, fragte er mich noch! Ich antwortete: „Ich war mit meinen Gedanken wieder einmal ganz woanders!“ Daraufhin konnte ich gehen, ohne Strafe, was mich wirklich überraschte. Mein Kollege Jürgen hat sich die letzten Wochen seiner Dienstzeit krankgemeldet, wegen des Schocks und weil uns die Ohren von diesem Knall noch tagelang summten. Am Tag der Entlassung musste ich als einziger noch eine Woche länger bei der Bundeswehr bleiben und das im Knast wegen der alten Story mit dem Dope. Der Richter hatte nun zwei Zeugen gegen mich in der Hand, die beide aussagten, dass ich denen drei Gramm Hasch damals verkauft hatte, vor der Disco. Daraufhin sprach der Richter das Urteil: ‚7 Tage Knast ohne Bewährung‘ und es ist egal, ob ich ein kleiner oder ein großer Dealer wäre, beim nächsten Mal, wenn ich wieder erwischt werde, gibt es 6 Monate Knast ohne Bewährung! So gesehen war ich froh, dass ich die 7 Tage jetzt bei der Bundeswehr noch absitzen durfte und nicht erst, wenn ich wieder auf der Zeche anfange zu arbeiten und dafür eine Woche unbezahlten Urlaub hätte nehmen müssen. Jetzt konnte ich langsam wieder loslegen Geld zu verdienen, ich war immer noch als Starkstrom-Elektriker-Geselle im Bergbau auf der Zeche Pattberg angestellt, wo ich vor der Bundeswehr schon volle acht Monate unter Tage geschuftet hatte.

Januar 1977, der Vierte von rechts der Kleine bin ich! Und hier noch eine Kurzgeschichte von unter Tage:

https://www.story.one/de/story/im-bergbau-untertage-64477bbe733f3/

Endlich wieder frei und Kohle scheffeln. Jetzt kloppste nur noch Nachtschichten unter Tage hatte ich mir geschworen.

Mit dem Dealen musste ich erst einmal Pause einlegen! Für Nachtschichten unter Tage gab es etwas mehr Kohle im Monat als für Wechselschichten, – die ich dringend benötigte, da ich absolut blank war mittlerweile. Um bis nach Brasilien, Peru, Bolivien und Mexiko zu kommen, brauchte man schon etwas Knete. Ich hatte immer noch im Hinterkopf, so schnell wie möglich auszusteigen und ab in die weite Welt. Ein paar Tage vor Heiligabend wurde ich aus der Einzelhaft entlassen und am 2. Januar 1977, konnte ich sofort unter Tage wieder anfangen zu arbeiten. Meinen Führerschein habe ich vor Weihnachten dann auch noch dummerweise verloren, für ein ganzes Jahr wegen Trunkenheit am Steuer plus 1.000, - Mark Geldstrafe. Da war der erste Lohn auch schon wieder futsch, das fing schon wieder gut an. Ich habe mir dann eingeredet, somit spare ich wenigstens die Autoversicherung, Steuern und die Benzinkosten für ein ganzes Jahr ohne BMW.

Was aber viel ärgerlich war ohne Auto, ich hatte gerade zuvor eine neue Perle kennengelernt „Gertrud aus Barnstorf“, die konnte ich jetzt nicht mehr besuchen und mit dem Zug, das war mir zu umständlich. Aber dann ein Jahr später, kurz vor Weihnachten, da hatte ich meinen Lappen wieder zurück und ich bin sofort am selben Tag noch nach Barnstorf zu meiner Freundin Gertrud gefahren. Als ich dort ankam, bin ich als Erstes zu dem Jugendzentrum gefahren, wo sich immer alle trafen. Wie das Leben so spielt, die Freunde von Gertrud erzählten mir, dass genau heute Abend in Münster im Studentenwohnheim die Einweihungsfeier von Gertrud stattfindet. Daraufhin habe ich sofort noch ein Pärchen und einen Freund von damals ins Auto geladen und wir vier sind zusammen nach Münster aufgebrochen. Gertrud hat sich riesig gefreut, mich nach 12 Monaten so überraschend wiederzusehen. Der Abend war noch recht feuchtfröhlich und zu rauchen hatte ich auch genug dabei, wir haben alle dort übernachtet in ihrem kleinen Studentenzimmer. Aber an dem Abend habe ich mich in Annette verguckt, die ich im Auto mitgenommen hatte, mit ihrem Freund. Ich habe dem Freund abends noch vorgeschlagen: „Lass uns um die Frauen pokern, wer mit wem schläft!“ Aber der Freund von Annette hat mit falschen Karten gespielt, so schlief ich dann die Nacht noch mal zum Abschied mit Gertrud. Am nächsten Morgen sind wir wieder zurückgefahren nach Barnstorf, zu meinem schwulen Lehrer Freund auf dem Kotten. Dort sollte am Tag darauf eine Wintersonnenwende Fête stattfinden, – das Schwein im Stall war schon geschlachtet worden. An diesem besagten Abend fiel das Schwein noch vom Grill ins offene Feuer und brannte lichterloh, – weil wir es so gut eingeölt und mariniert hatten.

Wir haben es aber noch retten können und mit einer Harke aus dem Feuer gezogen und dann mit einer Decke das brennende Schwein erstickt. Die meisten Gäste kannte ich noch von der Zeit meines Bundeswehraufenthalts.

Auch Annette kam auf die Party und sagte mir: „Sie hätte sich

von ihrem Freund, dem Falschspieler getrennt!“

Ab dem Abend waren wir unzertrennlich verliebt und sind gleich noch am selben Abend ins Bett von dem Lehrer gelandet, allerdings ohne den Lehrer, – der schlief schon auf der Couch.

Ich hatte über die Weihnachtsfeiertage noch ein zwei Wochen Urlaub genommen und Annette hatte Schulferien.

Am nächsten Tag nach der Party sind wir direkt mit noch einem Pärchen, wo die Eltern ein Ferienhaus auf Sylt hatten, für eine Woche über die Feiertage alle zusammen mit meinem BMW dorthin gefahren. Das war cool, die Villa hatte zwei getrennte Schlafzimmer und lag direkt am Meer.

Anschließend habe ich Annette noch eingeladen, mit mir eine Woche in den Harz nach Braunlage in eine Pension zu fahren.

Zum Glück hatte ich Schneeketten dabei und natürlich genug zu kiffen, es war ein knallharter Winter, – wir lagen fast den ganzen Tag nur im Bett und in der Badewanne.

Mitte Januar bin ich noch mal für zwei Wochen arbeiten gegangen und Anfang Februar habe ich mir einen Krankenschein genommen, – um noch etwas Zeit mit Annette zu verbringen! Nach vier Wochen wurde der Krankenschein nicht mehr verlängert von meinem Hausarzt, – daraufhin bin ich einfach nicht mehr zur Arbeit erschienen, – ich hatte die Schnauze gestrichen voll. Jetzt hatte ich 15 Monate auf der Zeche geschuftet und 5.000, – Mark zusammengespart, das reichte mir fürs Erste. Den BMW habe ich an Roland, einen Arbeitskollegen verscherbelt für 2.000, – Mark und die Kohle aufs Sparbuch gepackt für später! Und mit den gesparten 5.000, – Mark wollte ich nach Südamerika abhauen und das so lange wie möglich. Das war schon Jahre lang mein Plan gewesen, also musste ich mich jetzt langsam von Annette verabschieden. Sie ging noch zur Schule und konnte nicht mit mir zusammen abhauen, – was sehr traurig war für uns beide.

Ich musste einfach weg, ausbrechen aus der Enge, aus dem vorgezeichneten Lebensweg! „Selbst die Liebe konnte mich nicht davon abhalten, denn der Hippie Trail rief nach mir.“

Die Devise war damals!

High sein, frei sein, überall dabei sein!

https://www.dw.com/de/high-sein-frei-sein-%C3%BCberall-dabei-sein/a-3275851

Hier sind fünf interessante Videos zum Hippie Trail.

Teil 1 - Auf dem Hippie Trail nach Ibiza und Formentera https://www.dailymotion.com/video/x1v88a1

Teil 2 - Auf dem Hippie Trail nach Marokko https://www.dailymotion.com/video/x1v155l

Teil 3 - Auf dem Hippie Trail nach Kabul https://www.dailymotion.com/video/x1uwa3g

Teil 4 - Auf dem Hippie Trail nach Goa https://www.dailymotion.com/video/x1ud1l8

Teil 5 - Auf dem Hippie Trail nach Kathmandu https://www.dailymotion.com/video/x1u39y0

Der Krautrock kündigte sich an. Dieser Sound, die langen Haare und das veränderte Lebensgefühl der Jugend sollen zum Erbe der 68er werden. Hier der Video-Link! Sex & Drugs & Rebellion - 1968 bis 1970 https://www.dailymotion.com/video/x1wjanc?fbclid=IwAR3pusUPx0NiDa_62zsrHN22yG8XYBo1J3ZDMBzWEI2tQ0dettO_X-emZZ8

Erstes Buch:

Ich steig’ dann ma aus!

Kapitel 1

Matala ich komme wieder

März 1978

Ich hatte damals bei der Bundeswehr «Carlos Castaneda»