Ich und Köln - Hannelore Furch - E-Book

Ich und Köln E-Book

Hannelore Furch

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Beschreibung

Teil I (Einleitung zu Teil II): Die Erzählerin Erika sucht in Köln nach den Spuren ihrer Großeltern und erzählt aus deren Leben in Köln. Die Großeltern waren nach dem 1. Weltkrieg aus wirtschaftlichen Gründen von Pommern nach Köln gezogen. Aber auch das neue Leben in Köln war geprägt von Armut, die sie durch Tauschhandel zu mildern verstanden. Zusätzlich erschwerte ihr starkes Heimweh ihr Leben in der neuen Heimat. Auch hier gab es Milderung: eine befreundete Familie mit gleichem Schicksal. Teil II: Durch die Erzählungen der Großmutter entwickelte sich bei der Erzählerin eine Sehnsucht nach Köln. Sie zieht in die Nähe der Rheinmetropole, ist erst durch den Besuch des Abendgymnasiums regelmäßig im abendlichen Köln unterwegs, später tagsüber als Spaziergängerin. Die aufgenommene Atmosphäre verwandelt sie in innere Eindrücke, die merkwürdige Blüten treiben. So entfalten englische Touristen, die bei Regenwetter aus einem Lokal kommen, ihre Fantasie über Kölner in London. Bei anderen Gängen durch die Stadt werden verwahrloste Typen, die sie auf dem Rudolfplatz oder auf der Zülpicher Straße trifft, zu Jazz-Musikern aus New Orleans. Geheimnisvolle Züge und originelle Bedeutungen erhalten die "Oper am Dom" und das "Weltstadthaus". Ganz außergewöhnlich ist auch die Beziehung, die die Erzählerin zwischen sich und Köln herstellt – zwischen einer einzelnen Person und einer Großstadt.

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Seitenzahl: 34

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Hannelore Furch

Ich und Köln

Eine Erzählung in zwei Teilen

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Teil I: Das Köln meiner Großeltern

Teil II: Mein Traum von Köln

Impressum neobooks

Teil I: Das Köln meiner Großeltern

Wieso nicht Köln und ich? Den Zufall habe ich hier bestimmen lassen, und bin mit dem Re­sultat ein­verstanden. Denn schließlich soll es im Folgenden auch um mich und meine Familien­geschichte gehen, und schließlich haftet meinem Wesen das wertvolle Prädikat weiblich an, ein fei­ner Un­terschied zu Köln, das hierfür auf den Zusatz Stadt zurückgreifen muss.

Meine Eltern und Großeltern sprachen über Köln immer, wie man über eine schöne alte Hei­mat spricht. Die neue im nördlichen Deutschland wollten sie dennoch nicht zugunsten der al­ten aufge­ben, als es dort wie­der heile Wohnungen gab. Ihr Köln, ihre Hochstadenstraße, lebte in ihren Köpfen fort, so wie damals in Köln ihr Varzin fortgelebt hatte, ihr Heimatort in Pommern, in der Geschichte als Wohnsitz Bismarcks bekannt. Ihn verließen sie zu Beginn des 19. Jahrhun­derts, als deutschlandweit eine Deutzer Fabrik um Arbeiter warb und ihnen bessere Lebensbedingungen ver­sprach.

Wir, eine Drei-Generationen-Familie, lebten in Meine, einem Dorf bei Braunschweig. Ich, die Vertreterin der dritten Generation, bin dort geboren und aufgewachsen und erzähle im zweiten Teil meiner Ge­schichte etwas von mir in Bezug auf Köln. Hier im ersten Teil soll nebensächlich von mei­ner Mutter und hauptsächlich von meinen Großeltern die Rede sein. Ich erzähle, was mir insbeson­dere von meiner Großmutter über ihr Leben in Köln, genauer gesagt über ihr Lebensge­fühl, übermittelt ist. Wir Braun­schweiger sind etwas empfindlicher und sturer als die Rheinländer, aber nicht so stur und erdverwachsen wie die Pommern, die selbst der freiwillig verlassenen Heimat lange und tief nachtrauern. Damals bei den Groß­eltern in Köln mach­te sich das insofern bemerk­bar, als sie sich den Einheimi­schen gegenüber abkapsel­ten, und dann abends, wenn die Fa­milie in der Stube ver­sammelt war, beklagten, dass sie sich in der neuen Hei­mat nicht so rich­tig aufge­nommen fühlten. Das gleiche Klagen wiederholte sich zwar in Meine, war aber dort schon leiser geworden, wie es eben bei alten Leuten ist, die für sich ei­gentlich nichts mehr ändern wol­len und können, die sich mit dem Gege­benen abfinden, um zur Ruhe zu kommen. Damals in Köln war ihre Auflehnung gegen die emp­fundene Ablehnung groß, und be­sonders gut ließ es sich gemein­sam mit einer an­deren Familie kla­gen, die aus dem Süden Deutsch­lands zugezo­gen war und glei­che Probleme hat­te. Es war der schwäbsche Sepp, wie sie ihn in ihren Erzäh­lungen nannten, ein verwachsener Bäckergeselle, der in der Lindenstraße wohnte, mit Frau und zwei Kindern, von denen das eine, ein Mädchen, zwei Jahre jünger war als meine Mutter und als deren Spielkameradin herhalten musste.

Wenn ich heute am Rhein entlang fahre, Konrad-Adenauer-Ufer, sitzen die Großeltern dort für mich, et­was weiter unten am Rhein, auf einer Bank, dicht aneinander gerückt und mit geschlosse­nen Augen, um sich den stillen Strom als Ostsee vorstellen zu können, deren Rauschen sie noch im Ohr hatten. So atmeten sie die Brise des Rheins als die des heimatlichen Meeres ein, stärkten auf diese Art ihr heimwehkran­kes Gemüt zur Befähigung, das neue Leben irgendwie zu bestehen. Vor ihren Füßen spielte unbefangen die Tochter, die solche Probleme erst später bekommen soll­te, wenn sie in Meine dem Köln ihrer Kindheit nachhängen wird. Für mich hatten solche Heim­weh-Gefühle meiner Mutter immer etwas Zwiespältiges, um nicht zu sagen Verlogenes, denn sie traten bei ihr im Wechsel mit nüchternen und kritischen Betrachtungen über ihre ehe­maligen Köl­ner Schulkameradinnen auf, mit denen sie nie recht warm geworden war. "Die war'n immer so oberflächlich. Wenn da mal eine gesagt hat, 'um drei anne Herz-Jesu, und du hastes ernst genommen, ja da standeste denn", höre ich sie noch wettern. Aber ich glaube, sie war selbst schuld, dass sie keine richtige Freundin gefun­den hatte, denn sie ist schwierig im Umgang, allein durch ihre Geltungsbe­dürftigkeit.