Ich weiß, ich werde dich lachen sehen - Patricia Vandenberg - E-Book

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Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Ich fürchte, ich habe schlechte Nachrichten für Sie, Frau Petzold.« Dr. Daniel Norden saß mit bekümmerter Miene an seinem Schreibtisch, vor sich einen Laborbericht aus der Behnisch-Klinik. »Ihre Nierenwerte haben sich dramatisch verschlechtert.« Manuela Petzold, der sehr wohl bewusst war, was diese Neuigkeit für sie bedeutete, warf ihrem Hausarzt einen erschrockenen Blick zu. »Sind Sie sicher?« »Es besteht kein Zweifel. Ich stehe in ständigem Kontakt mit Frau Dr. Behnisch. Sie hat dafür gesorgt, dass Ihre Blutprobe mit höchster Priorität und Genauigkeit untersucht wurde. Das Ergebnis ist leider eindeutig.« »Eine Nierenspende ist unumgänglich. Wollen Sie mir das sagen?«, fragte Manuela mit tonloser Stimme. Schon lange hatte sie versucht, sich mit dieser unabwendbaren Tatsache auseinanderzusetzen. Dennoch trafen sie die Worte von Dr. Norden mit unvermittelter Heftigkeit. Daniel las die Angst in ihren Augen und seufzte. »Ich fürchte ja.« »Und wo um alles in der Welt soll ich einen Spender finden, der meine Werte hat?«

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 101 –Ich weiß, ich werde dich lachen sehen

Eine schwere Zeit muss überwunden werden

Patricia Vandenberg

»Ich fürchte, ich habe schlechte Nachrichten für Sie, Frau Petzold.«

Dr. Daniel Norden saß mit bekümmerter Miene an seinem Schreibtisch, vor sich einen Laborbericht aus der Behnisch-Klinik. »Ihre Nierenwerte haben sich dramatisch verschlechtert.«

Manuela Petzold, der sehr wohl bewusst war, was diese Neuigkeit für sie bedeutete, warf ihrem Hausarzt einen erschrockenen Blick zu.

»Sind Sie sicher?«

»Es besteht kein Zweifel. Ich stehe in ständigem Kontakt mit Frau Dr. Behnisch. Sie hat dafür gesorgt, dass Ihre Blutprobe mit höchster Priorität und Genauigkeit untersucht wurde. Das Ergebnis ist leider eindeutig.«

»Eine Nierenspende ist unumgänglich. Wollen Sie mir das sagen?«, fragte Manuela mit tonloser Stimme. Schon lange hatte sie versucht, sich mit dieser unabwendbaren Tatsache auseinanderzusetzen. Dennoch trafen sie die Worte von Dr. Norden mit unvermittelter Heftigkeit. Daniel las die Angst in ihren Augen und seufzte.

»Ich fürchte ja.«

»Und wo um alles in der Welt soll ich einen Spender finden, der meine Werte hat?« Vor Panik schnappte Manuelas Stimme über.

»Das ist in der Tat schwierig. Zu viele sind in der Datenbank verzeichnet. Bis wir zufällig auf einen geeigneten Spender stoßen, könnte es zu spät sein«, erklärte Daniel. Diese Nachricht hätte er gern behutsamer überbracht. Aber im Fall von Manuela Petzold gab es nichts zu beschönigen. »Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, um rasch eine Spenderniere zu erhalten.«

»Und die wäre?«

Daniel zögerte einen Augenblick. Der einzige Vorschlag, den er Manuela Petzold machen konnte, war nicht nur von der moralischen Seite äußerst bedenklich. Dennoch entschied er sich, ihn auszusprechen.

»Wenn sich ein naher Verwandter bereit erklärt, Ihnen eine gesunde Niere zu spenden. Am ehesten kämen Eltern oder leibliche Geschwister infrage. Selbstverständlich ist es auch möglich, die Niere einer befreundeten Person zu verpflanzen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Allerdings sollte diese Spende nicht mit einer moralischen Verpflichtung einhergehen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich der Empfänger häufig Zeit seines Lebens in der Schuld des Spenders fühlt. Deshalb empfinde ich die Lebendspende unter Freunden als sehr schwierig«, erklärte Daniel Norden seine Bedenken ganz ausführlich. Manuela schwieg eine Weile, ehe sie ihre Gedanken aussprach.

»Meine Eltern sind seit Langem tot. Und mein einziger Bruder gondelt seit Jahren in der Weltgeschichte herum. Ich habe schon ewig keine Nachricht mehr von ihm erhalten und habe keine Ahnung, wo ich nach ihm suchen soll«, entgegnete sie bitter. »Enge Freunde, von denen ich einen solchen Dienst erbitten könnte, habe ich nicht. Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Kann ich nicht jemanden suchen, der mir seine Niere verkauft? Schließlich bin ich keine arme Frau«, wagte, sie in ihrer Verzweiflung den Gedanken auszusprechen, der ihr in den Sinn gekommen war. Aber schon an Daniel Nordens Miene konnte sie ablesen, wie abwegig diese Idee war.

»Liebe Frau Petzold, wir leben in Deutschland, und Organhandel ist hier strengstens untersagt. Diese Idee sollten Sie sich schnellstens wieder aus dem Kopf schlagen. Darauf stehen hohe Strafen.«

»Wissen Sie was? Das ist mir ganz egal. Immerhin geht es hier um mein Leben. Und nicht nur das. Wer soll sich um meine kleine Tochter Kim kümmern, wenn ich einmal nicht mehr bin? Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich tatenlos abwarte und zusehe, wie ich elend zugrunde gehe und mein Kind allein auf dieser Welt zurücklasse. Nein, Herr Doktor, kein Mensch mit gesundem Verstand kann ein solches Verhalten von mir verlangen«, rief Manuela angstvoll. Als sie von ihrer kleinen Tochter sprach, stiegen ihr Tränen in die Augen. Das Kind war ihr Stern, ihr einziger Lebensinhalt, die einzige Freude in einem Alltag zwischen Dialyse und Klinikaufenthalten.

Daniel warf Manuela Petzold einen mitfühlenden Blick zu. »Ich verstehe Ihre Verzweiflung voll und ganz. Aber Sie dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Ich werde Sie nicht allein lassen und Sie in Ihrem Kampf unterstützen. Dennoch müssen Sie Vorbereitungen treffen. Wo hält sich Ihre Tochter denn auf, wenn Sie bei der Blutwäsche sind?«

»Ein Kindermädchen kümmert sich um Kim. Sie liebt die Kleine über alles. Aber ich glaube kaum, dass sie Kim bei sich aufnehmen wird, wenn ich einmal nicht mehr bin. Dazu ist sie viel zu jung, hat noch das ganze Leben und ihre Zukunft vor sich.«

»Sprechen Sie einmal mit ihr. Vielleicht ergibt sich eine ungeahnte Lösung. Jedes Gespräch hat einen Nutzen. Und wer weiß, womöglich gelingt es Ihnen doch, Ihren Bruder ausfindig zu machen. Sei es, dass er sich als Nierenspender zur Verfügung stellt oder verspricht, sich um Kim zu kümmern und für seine Nichte da zu sein. Dann ist wenigstens eine Sorge von Ihren Schultern genommen.«

»Ein schöner Trost, ich muss schon sagen«, bemerkte Manuela bitter und trocknete sich die Tränen. Daniel Norden betrachtete seine Patientin voller Verständnis.

»Ich weiß, wie hart das alles für Sie sein muss. Etwas anderes kann ich Ihnen allerdings im Moment nicht sagen. Ich kann Ihnen nur versprechen, mich mit Jenny Behnisch zu beraten. Sie kennt Ihren Fall sehr gut und weiß womöglich einen Rat.«

Manuela Petzold schien die Worte des Arztes nicht zu hören. Ganz in sich versunken saß sie in ihrem Stuhl und dachte offenbar angestrengt nach. Schließlich erschien zu Daniels Erstaunen ein leises Lächeln auf ihren Lippen.

»Also schön. Immerhin bin ich froh, ein paar klinikfreie Tage zu haben. Langsam aber sicher kann ich keine Krankenhäuser mehr sehen, so schön die Behnisch-Klinik auch sein mag. Schon deshalb wäre eine Spenderniere ein Segen für mich.«

»Das glaube ich Ihnen gern. Wann haben Sie denn den nächsten Termin zur Blutwäsche?«

»In zwei Tagen«, gab Manuela mit einem gequälten Lächeln zurück und erhob sich.

»Gut, bis dahin sollten Sie versuchen, Ihren Bruder ausfindig zu machen. Sprechen Sie mit dem Kindermädchen. Vielleicht ergibt sich doch eine Möglichkeit, dass Kim im Falle eines Falles zumindest vorübergehend bei ihr bleiben kann. Und bitte sorgen Sie dafür, dass Sie erreichbar sind. Wer weiß, vielleicht hat das Schicksal ein Einsehen und öffnet unvermutet eine Tür. Wunder gibt es schließlich immer wieder.«

»Ihr Wort in Gottes Ohr«, war Manuelas etwas abwesende Antwort. Sie wirkte mit einem Mal sehr verändert. Eine Idee schien ihre Gedanken in Beschlag genommen zu haben. Sie schenkte Daniel Norden keine weitere Beachtung mehr, als sie sich von ihm verabschiedete. Sorgenvoll blickte er der jungen Frau nach, bis sich die Tür zu seinem Behandlungszimmer hinter ihr geschlossen hatte. Der Eindruck, den sie dabei bei ihm hinterlassen hatte, war besorgniserregend. Daniel Norden nahm sich vor, in der erst besten Pause, die ihm sein Arbeitstag bieten würde, mit seiner Freundin und Kollegin Jenny Behnisch über diesen schwierigen Fall zu sprechen. Doch zuerst galt es, sich auf den nächsten Patienten vorzubereiten, der ihn wegen eines Katzenbisses aufsuchte. Als es klopfte, setzte Daniel Norden ein freundliches Lächeln auf. Er kannte und schätzte den jungen tierlieben Mann als fröhlichen und humorvollen Menschen. So begrüßte er Jürgen Balde denn auch mit einem Scherz auf den Lippen.

»Nanu, füttern Sie Ihre Katze zu wenig?«, fragte Dr. Norden augenzwinkernd und nahm den arg ramponierten Finger in Augenschein. Jürgen war trotz der Schmerzen offenbar guter Dinge.

»Kim scheint mich allen Köstlichkeiten der Welt vorzuziehen«, lachte er und unterdrückte ein Stöhnen, als Daniel die Verletzung mit einem Desinfektionsmittel reinigte. Es handelte sich um viele kleine Bisswunden, verursacht von den scharfen, spitzen Katzenzähnen.

»Kim?«, fragte Dr. Norden erstaunt nach, ohne sich in seiner Arbeit unterbrechen zu lassen. »Das ist ja ein Zufall. Die Tochter der Patientin, die mich vor Ihnen besucht hat, heißt ebenso.«

»Da haben wir ja denselben guten Geschmack. Eine sehr beeindruckende Frau übrigens«, fasste Jürgen Balde seinen ersten Eindruck in Worte. »Allerdings sieht sie sehr krank aus. Diese dunklen Ringe unter den Augen deuten auf eine Nierenerkrankung hin«, plauderte er munter weiter, um sich von den Schmerzen abzulenken. Daniel wunderte sich insgeheim über die Kenntnisse seines Patienten, konnte jedoch nicht näher darauf eingehen.

»Wie Sie sicherlich wissen, fühle ich mich als Mediziner dem Eid des Hippokrates verpflichtet. Die ärztliche Schweigepflicht ist mir heilig. Aber vielleicht erklären Sie mir, wie Sie sich diese Wunden zugezogen haben? Wenn Ihr Raubtier derart aggressiv ist, muss ich dazu raten, die Katze wegzugeben«, erklärte er ernst, angesichts der tiefen Bisswunden.

»Ausnahmsweise trifft Kim in diesem Fall keine Schuld. Sie hatte sich mit dem Bein in einer Schnur verfangen. Ich wollte sie retten und hielt sie mit einer Hand, um mit der anderen das Beinchen zu befreien«, erklärte der junge Mann mit einem Blick auf seine verletzte Hand. »Dabei hat sie offenbar Panik bekommen und vor Angst zugebissen.«

»Das müssen wahrhaft große Schmerzen gewesen sein. Hoffentlich hat sich Ihr Leid wenigstens gelohnt.«

»Ich hätte mir die Mühe sparen können«, zuckte Jürgen unbekümmert mit den Schultern. »Die Schnur ist nämlich ganz von selbst gerissen«, erklärte er mit einem Lächeln.

»Dafür haben Sie nun den Schaden. Ich könnte Ihnen prophylaktisch ein Antibiotikum verschreiben …«.

»Nein, lieber nicht. Warten wir erst einmal ab, ob sich die Wunde überhaupt entzündet«, unterbrach Jürgen den Arzt rasch. Er nahm ungern Medikamente ein und kam mit dieser Haltung der Meinung von Daniel Norden sehr entgegen.

»Darin haben Sie meine volle Unterstützung. Allerdings müssen Sie mir versprechen, beim geringsten Anzeichen einer Entzündung sofort vorbeizukommen.«

»Ich verspreche es.« Jürgen Balde wollte sich schon erheben, als Daniel Norden ein weiterer Gedanke kam.

»Wie sieht es übrigens mit Ihrem Tetanus-Schutz aus?«, fragte er. Wie ertappt senkte Balde den Blick.

»Ich hatte schon gehofft, dass mir diese Frage erspart bleibt. Ich gebe es ja nur ungern zu, weil ich Angst habe, mich damit lächerlich zu machen. Aber ich fürchte Spritzen wie den Teufel persönlich …«.

Dr. Norden lächelte.

»Ich glaube, bei dem, was Sie heute schon durchgemacht haben, ist eine Spritze das weitaus kleinste Übel. Und wenn es Sie tröstet: Mit dieser Phobie sind Sie beileibe nicht allein. Trotzdem kann ich Ihnen diese Prozedur nicht ersparen.«

»Schon gut. Ich werde mich in mein Schicksal fügen und an die hübsche Frau denken«, erklärte Jürgen Balde seufzend. Dieser Ausspruch war durchaus ernst gemeint. Ob er es wollte oder nicht, Manuela Petzold spukte ihm während seines Besuchs bei Dr. Norden unaufhörlich im Kopf herum. Daniel Norden lächelte freundlich.

»Und auch Wendy wird es Ihnen erträglich machen. Ich kenne keine Assistentin, die sanfter mit einer Nadel umgehen kann als sie«, machte er seinem Patienten Mut. Gemeinsam verließen sie das Behandlungszimmer und Dr. Norden gab seiner treuen Arzthelferin eine entsprechende Anweisung. Die nickte und führte Balde in ein anderes Zimmer, während Daniel sich dem nächsten Besucher seiner Praxis zuwandte.

*

Von einem solchen Zulauf wie Dr. Daniel Norden ihn in seiner Arztpraxis zu verzeichnen hatte, konnte Luise Laurent nur träumen. Nachdem die erste Kundin des Tages die Räumlichkeiten verlassen hatte, saß sie mutterseelenallein in ihrem Schönheitssalon und blätterte die Rechnungen durch, die ihr der Postbote wie jeden Morgen mit einem freundlichen Lächeln durch die Tür gereicht hatte. Dabei war ihr alles andere als zum Lachen zumute. Der Schuldenberg wuchs ihr langsam aber sicher über den Kopf, ihre Lage wurde immer aussichtsloser. Das eigene Kosmetikstudio war Luises großer Traum gewesen, den sie sich endlich erfüllt hatte, nachdem die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren. Doch offenbar schienen sich die düsteren Prognosen ihres Mannes zu bewahrheiten.

»Das Schlimme ist, dass Bernd auch noch recht behalten hat«, klagte Luise Laurent kurz darauf ihrer Freundin Beatrice am Telefon. »Er meinte, ich hätte lieber als Angestellte bei der Kosmetikoase bleiben sollen. Ich wollte jedoch endlich meine eigenen Behandlungsmethoden anwenden und mich nicht immer nur unterordnen. Jetzt habe ich nicht nur mit Jürgens Vorwürfen zu rechnen. Auch die Schulden erdrücken mich langsam aber sicher. Wenn ich daran denke, dass noch nicht einmal die Kosten für die ganze Ausstattung gedeckt sind, wird mir angst und bange. Was soll ich nur machen? Wenn das so weitergeht, kommt die Bank und pfändet mein Inventar. Dann ist alles aus.«

»Jetzt wirf die Flinte nicht gleich ins Korn«, versuchte Bea, ihrer Freundin Mut zu machen. »Aller Anfang ist schwer. Immerhin halten dir doch deine Stammkunden die Treue, nicht wahr?«

»Das schon. Allerdings sind das beileibe nicht genug.«

»Du brauchst eben ein bisschen Geduld, bis sich herumgesprochen hat, dass du deinen eigenen Salon hast. Du wirst sehen, in einem halben Jahr weißt du nicht mehr wohin mit der ganzen Kundschaft.«

»Das mag schon sein. Allerdings halte ich das nicht mehr so lange durch. Wenn nicht bald etwas passiert, kann ich in vier Wochen zumachen«, erklärte Luise geknickt und ließ den Blick durch das hübsche, mit modernsten Geräten ausgestattete Kosmetikstudio gleiten. Ob dieser wenig aussichtsreichen Ankündigung seufzte nun auch Beatrice.

»Es wäre jammerschade, wenn du jetzt aufgeben müsstest. Und sei dir versichert: Wenn ich Geld hätte, würde ich es dir sofort leihen. Aber ich besitze gerade so viel, wie ich zum Leben brauche. Kannst du nicht Bernd noch einmal um Geld bitten? Einen Versuch ist es doch immerhin wert.«

»Du liebe Zeit! Allein der Gedanke daran jagt mir einen Schauer über den Rücken. Schon das letzte Mal hat er mit den Zähnen geknirscht und mir angekündigt, dass er sein sauer verdientes Gehalt nicht weiter in meine hoffnungslose Spielerei steckt.«

»So eine Gemeinheit. Als ob du eine weltfremde Träumerin wärst. Immerhin hast du einen erstklassigen Businessplan aufgestellt.«

»Mit dem Haken, dass sich alles um ein paar Monate verschiebt. Ich hatte nicht bedacht, dass die Ferienzeit kein geeigneter Zeitpunkt für einen Geschäftsstart ist«, gab Luise geknickt zu. Diesen Einwand wollte Bea nicht gelten lassen.

»Fehler macht jeder einmal. Aber das bringt uns jetzt nicht weiter. Kannst du nicht jemand anderen um ein Darlehen bitten?«

»Ich wüsste nicht, wen.« Luise seufzte sorgenvoll. »Wenn ich wenigstens etwas hätte, was ich zu Bargeld machen könnte. Aber selbst das habe ich nicht. Und Bernd weigert sich beharrlich, einen Kredit auf unser Haus aufzunehmen.«

»Dann musst du doch etwas verkaufen. Schmuck, Antiquitäten, irgendetwas wirst du doch besitzen.«

»Ich werde mal drüber nachdenken.«

»Du, ich muss jetzt aufhören. Der Chef schaut schon ganz komisch«, flüsterte Bea in den Hörer.

Noch ehe Luise etwas erwidern konnte, hörte sie ein Klacken in der Leitung. Das Gespräch war unterbrochen. Mit sorgenvollen Falten auf der Stirn legte sie das Telefon beiseite und setzte sich an den Computer. Wenn es schon keine Kundin zu bedienen gab, wollte sie wenigstens auf dem neuesten Stand bleiben. Stets fand sie im Internet wertvolle Informationen über neue Produkte oder fortschrittliche Behandlungsmethoden. Auch hatte sie schon vielfältige Kontakte zu anderen selbstständigen Kosmetikerinnen geknüpft, die ihr mit Ratschlägen zur Seite standen und ihr Mut machten, nicht aufzugeben. So fand sie auch an diesem Vormittag den einen oder anderen Zuspruch.

Als die nächste Kundin kam, fühlte sich Luise schon wieder getröstet und konnte die Behandlung mit der nötigen Konzentration und Freude ausführen. Diesmal war es Manuela Petzold, die ihrer Kosmetikerin die Treue gehalten hatte und sich auf dem bequemen Behandlungsstuhl niederließ.

»Frau Petzold, wie schön, Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen denn?«, erkundigte sich Luise mitfühlend. Sie kannte ihre Stammkundin seit Jahren. Da blieb es nicht aus, dass man sich in der Zwischenzeit auch vertraulich unterhielt und kleine private Geheimnisse austauschte. So war Luise auch die Nierenerkrankung von Manuela Petzold nicht verborgen geblieben. Mit Mitgefühl und Interesse verfolgte sie die Leidensgeschichte der armen reichen Frau und blickte besorgt auf das blasse Gesicht herab.