Ignatius Igel - Tina Müller - E-Book

Ignatius Igel E-Book

Tina Müller

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Beschreibung

Im Garten stimmt etwas nicht: Wind, Duft und Glühwürmchen sind weg. Ignatius entdeckt eine Kiste, trifft neue Freunde – und merkt: Magie lebt nur, wenn man an sie glaubt.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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IGNATIUS IGEL

AUF DER SUCHE NACH DER VERLORENEN MAGIE

TINA MÜLLER

INHALT

Vorwort

Prolog

1. Der einsame Gärtner

2. Die geheimnisvolle Kiste

3. Besuch von Frieda

4. Etwas stimmt nicht

5. Die Warnung der Birds in Black

6. Die Sprache der Erde

7. Pflanznacht

8. Ein Dieb in der Gärtnerei

9. Die singende Pflanze

10. Die Magie des Gartens

11. Morgenzauber

12. Ein Geschenk für den Garten

13. Ein neuer Morgen

Epilog: Verborgenes

Pst, lieber Leser …

Anhang: Ein Blick hinter die Magie – Entdeckungen in der echten Welt

Der Igel – ein stiller Gartenbewohner in Gefahr

Kleine Gartenhelfer – Wer lebt noch zwischen den Blättern?

Warum Regenwürmer kleine Superhelden sind

Die Kraft der Natur – Pflanzen, die eine besondere Verbindung zur Welt haben

Die Sprache der Pflanzen – Eine geheime Verbindung

Warum manche Pflanzen nur nachts blühen

Die Geheimnisse des Windes – Was flüstert er uns zu?

Wie Magie lebendig bleibt – Warum der Glaube an das Wunderbare wichtig ist

Die Sprache der Blumen – Wie Pflanzen ohne Worte sprechen

Die geheime Welt der Bäume – Warum sie miteinander sprechen

Nachwort

Dankbarkeit und Verbundenheit

Autorenbiographie

Entdecke weitere Abenteuer aus dem Garten der Familie Wunderbaum

Die Familie Wunderbaum

Die Familie Sommerfeld

Himbeerthal – das Herz aller Gärten

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß §44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.

© 2026 Tina Müller

Miss Austens Booketerie

Tina Müller

Im Himbeergrund 17

63864 Glattbach

E-Mail: [email protected]

Herstellung: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: mailto:[email protected]

Formatiert mit Vellum

VORWORT

Es gibt Orte, an denen mehr verborgen liegt, als das Auge sehen kann. Orte, an denen das Flüstern des Windes eine Geschichte erzählt, das Summen der Bienen eine vergessene Melodie trägt und die Wurzeln tief in Erinnerungen greifen, die älter sind als wir selbst.

Die Gärtnerei Knospenglück war ein solcher Ort. Für Ignatius Igel war sie stets ein sicherer Hafen – ein Stück Erde, das er verstand, das mit ihm sprach, ohne Worte zu verwenden. Hier wuchsen die Pflanzen nach den alten Regeln des Lichts, des Wassers und der Fürsorge. Hier war alles in Ordnung. Bis zu dem Tag, an dem die Stille Einzug hielt.

In den letzten Tagen hatte Ignatius gespürt, dass sich etwas verändert hatte. Die Farben schienen zu verblassen, die Luft wirkte schwerer – als hätte die Welt einen Moment das Atmen vergessen.

Etwas Fremdes lag in der Luft, so leise wie ein Gedanke – doch Ignatius spürte es sofort. Etwas, das nicht hierher gehörte. Etwas, das so alt schien wie die Jahreszeiten selbst – und doch neu, wie der erste Morgen nach einem langen Winter.

Dieses Buch erzählt von Ignatius’ Reise, die weit über seine Beete und Pflanzen hinausgeht. Es ist eine Geschichte über das Unsichtbare, das dennoch da ist. Über das Hören, auch wenn nichts mehr klingt. Und über das Vertrauen in das, was nur das Herz verstehen kann.

Mit der Zeit haben Tiere und Menschen die Magie aus den Augen verloren – nicht, weil sie verschwunden wäre, sondern weil sie sich in den Sorgen und Ablenkungen des Alltags verhüllt hat. Sie sind nicht mehr angebunden an die Kraft, die alles verbindet, das leise Pulsieren, das die Welt und die Natur im Gleichgewicht hält. Doch Magie vergeht nicht – sie wartet nur darauf, wiedergefunden zu werden.

Und vielleicht spürst du beim Lesen selbst ein wenig von jener Magie, die überall ist – leise, geduldig und näher, als man denkt …

Ich wünsche euch magische Lesestunden und viel Freude mit dem kleinen, mutigen Igel Ignatius,

mit herzlichen Grüßen,

Tina Müller

PROLOG

Es war eine ganz besondere Nacht in Himbeerthal. Im Garten der Familie Sommerfeld war es ungewöhnlich ruhig – kein Lüftchen regte sich, kein Schatten bewegte sich zwischen den Beeten. Selbst die Blätter der alten Bäume schienen den Atem anzuhalten, als würde etwas Unsichtbares in der Luft liegen. Etwas, das nicht gestört werden durfte.

Am Rand des Gartens, verborgen zwischen Brombeerhecken und wilder Minze, flackerte ein kaum wahrnehmbares Licht. Es war nicht hell, nicht aufdringlich – eher so, als hätte sich ein Glühwürmchen verirrt und wüsste selbst nicht genau, warum es hier war.

Dann, kaum hörbar und fast wie aus dem Nichts, stand auf einmal eine kleine Holzkiste im Gras. Einen Augenblick lang verharrte die Gestalt in der Dunkelheit. Ein leises Summen erfüllte den Garten, nicht mehr als ein Hauch einer alten Melodie, die niemand mehr kannte. Doch hier, in dieser Stunde, erinnerte sich die Erde daran. Die Zeit war gekommen. Langsam und bedacht befestigte das geheimnisvolle Wesen ein Pergament an der Kiste. Die merkwürdigen Hände – oder waren es doch Klauen? – zogen sich zurück. Einen Atemzug lang war da ein Zögern, ein kurzes Nachdenken. War dies der richtige Ort? Die richtige Zeit?

Ein tiefer Atemzug. Dann ein kaum sichtbares Nicken – eine winzige Regung in der Stille der Nacht. Es musste so sein – das Gleichgewicht verlangte es. Ein letzter Blick galt der Kiste, dem Pergament, dessen Worte sich im schwachen Mondlicht abzeichneten. Dann verschmolz der geheimnisvolle Besucher wieder mit der Dunkelheit, lautlos, eins mit dem Schatten. Und mit ihm verschwand das sanfte, schimmernde Licht. Zurück blieb nur die Kiste, ruhig und reglos im feuchten Gras. Sie war nun dort, wo sie sein sollte. Und bald würde sie gefunden werden.

DER EINSAME GÄRTNER

Die frühe Morgensonne tauchte den Garten der Familie Sommerfeld in ein warmes, goldenes Licht. Zwischen den alten Brombeerhecken, die das Grundstück umgaben, erstreckte sich ein kleines, sorgsam gepflegtes Paradies: die Gärtnerei „Knospenglück”. Hier lebte Ignatius Igel, ein ruhiger, fleißiger Gärtner, dessen Herz im Rhythmus der Jahreszeiten schlug. Sein Zuhause lag direkt neben dem Garten der Familie Wunderbaum, einem Ort voller Geschichten, verborgener Geheimnisse und vergessener Legenden – doch Ignatius war meist zu sehr mit seinen Beeten und Setzlingen beschäftigt, um den alten Erzählungen Gehör zu schenken.

Die Gärtnerei hatte ihm einst sein Onkel Basil überlassen, bevor dieser auf eine lange Weltreise aufgebrochen war. Sein erstes Ziel war Russland. Dort wollte er den berühmten russischen Basilikum bestaunen – eine Kräuterart, die seiner Familie so lieb und köstlich war, dass seine Eltern ihn einst danach benannt hatten. So wurde aus Basil ein leidenschaftlicher Pflanzenliebhaber – und aus Ignatius sein würdiger Nachfolger im „Knospenglück“. Manchmal, wenn das goldene Morgenlicht sachte über die Beete strich, dachte Ignatius an ihn – an die Geschichten, die Basil ihm über ferne Länder erzählt hatte, und an das Versprechen, eines Tages zurückzukehren.

Um ihn herum erwachte der Garten langsam zum Leben. Noch hing der Tau in silbernen Tropfen an den Blättern, und das Licht glitzerte darauf, als hätten kleine Sonnenstrahlen darin Verstecken gespielt. Irgendwo summte eine geschäftige Biene, tastete sich von Blüte zu Blüte, während ein sanfter Windhauch die ersten Düfte des Morgens herantrug.

Vorsichtig trat Ignatius aus seinem Erdhaus und betrachtete die frischen Triebe, die sich zaghaft aus der dunklen Erde reckten. In liebevoller Geduld hatte er sie gesetzt, gepflegt und vor hungrigen Insekten, den Schnecken und zu starker Sonne geschützt. Sein Garten war sein Zuhause, sein Leben. Jede Blüte, jedes Blatt war ihm vertraut. Und doch spürte er in letzter Zeit etwas Unaussprechliches – eine Veränderung, die wie ein kaum hörbarer Ton in der Luft lag, ohne dass er sie benennen konnte.

Sein Erdhäuschen, versteckt unter einer dichten Brombeerhecke, war ein wahres Wunderwerk der Natur. Die dornigen Zweige bildeten eine schützende Barriere vor ungebetenen Gästen, doch für Ignatius war der Eingang gerade groß genug, um hindurchzuschlüpfen. Die Wände bestanden aus verflochtenen Wurzeln, die über die Jahre ineinander gewachsen waren und dem Igelhaus Stabilität verliehen. Moose und weiches Gras bedeckten den Boden und sorgten für angenehme Wärme. Das Dach war mit dichten Moospolstern bewachsen, die die Feuchtigkeit speicherten und ihm an heißen Tagen angenehme Kühle boten. Wenn es regnete, perlten die Tropfen sanft auf dem grünen Moosteppich ab, und im Inneren blieb es trocken und gemütlich.

Seine kleine Schlafstätte war sorgfältig hergerichtet. Weiche Blätter, getrocknetes Gras und feine Federn bildeten eine bequeme Unterlage, auf der er sich einkuscheln konnte. Nachts, wenn der Garten in Dunkelheit gehüllt war und der Mond durch die Zweige schimmerte, hörte er manchmal das Rascheln kleiner Waldbewohner, die sich in der Nähe bewegten. Hier, in seinem Unterschlupf, war er sicher. Igel wie er brauchten solche Verstecke, um sich vor Feinden zu schützen – Füchse, Eulen und manchmal sogar Katzen konnten für einen kleinen Igel gefährlich werden. Doch während er sich im Schutz seiner Hecke wohlfühlte, fragte er sich dann und wann, ob er sich nicht zu sehr von der Welt abschottete. Nicht nur draußen hatte sich etwas verändert, auch in ihm war etwas in Bewegung geraten.

Manchmal, wenn die Dämmerung über den Garten fiel und das letzte Licht des Tages die Blüten in warmes Gold tauchte, hörte er es – das leise Wispern der Bäume, das sanfte Knarzen der Zweige, als würden sie ihm eine Geschichte erzählen.

In Himbeerthal war Ignatius wohlbekannt – schließlich kümmerte er sich nicht nur um die Gärten der Familie Sommerfeld, sondern auch um die der Familie Wunderbaum und vieler anderer Nachbarn. Besonders jetzt, im Frühling, hatte er alle Pfoten voll zu tun. Der ganze Garten schien zu atmen, zu wachsen, sich zu recken – ein verborgenes, lautloses Wunder, das nur jene bemerkten, die mit offenen Augen und einem wachen Herzen hinsahen. Ignatius spürte es in jeder Wurzel, die sich durch die Erde tastete, in jedem frischen Blatt, das sich der Sonne entgegenneigte.

Die ersten Schneeglöckchen waren bereits verblüht, die Krokusse öffneten sich in sanften Lila- und Gelbtönen, und die Tulpen reckten sich erwartungsvoll dem Licht entgegen. Seine Tage waren erfüllt von Arbeit: Erde lockern, Samen setzen, die feinen Blätter junger Pflanzen auf Schädlingsbefall prüfen und herrliche Blumen und Kräuter in seinem geliebten Lädchen verkaufen. Doch trotz all dieser Geschäftigkeit nagte in ihm eine Einsamkeit, die er sich selbst nur ungern eingestand.

Es war ein leises Gefühl, so zart wie ein Schatten im Abendlicht. Die Pflanzen waren seine Gefährten, ihre Blüten sein Trost. Und doch – manchmal wünschte er sich, dass jemand mit ihm teilte, was er sah. Dass jemand das gleiche Staunen empfand, wenn eine Knospe sich öffnete oder ein seltener Schmetterling durch die Luft tanzte.

Nachdem er sich ausgiebig gestreckt hatte, machte Ignatius sich nach einem kleinen Frühstück auf zu seiner morgendlichen Runde. Seine Gärtnerei „Knospenglück” war ein Ort voller Ruhe und Zauber – sein ganzer Stolz. Er züchtete seltene Kräuter, heilende Pflanzen und duftende Blumen, die die Gärten der Nachbarsfamilien wie den Wunderbaums verschönerten. Seine Pfoten kannten jede Pflanze, jedes Samenkorn. Er wusste, welche Erde Basilikum mochte und dass Lavendel am liebsten neben Rosen verweilte. Doch während seine Pflanzen wuchsen und gediehen, blieb in ihm selbst eine gewisse Leere zurück. Er liebte es, zu beobachten, wie sich eine kleine Knospe in eine prächtige Blüte verwandelte. Manchmal wünschte er, Veränderung wäre auch in seinem Leben so leicht zu erkennen.

Vielleicht war das einfach sein Schicksal. Igel waren Einzelgänger, so hatte er es von klein auf gelernt. Die meisten Igel schliefen tagsüber und wurden erst in der Dämmerung aktiv. Doch für Ignatius galt das nicht – seine Pflanzen verlangten seine Aufmerksamkeit bei Tageslicht. So hatte er sich an einen anderen Rhythmus gewöhnt, der ihn von den anderen Igeln unterschied. Und manchmal fragte er sich, ob es irgendwo noch andere gab wie ihn. Doch solche Gedanken verschwanden schnell, sobald er in seinem Garten stand.

Zuerst besuchte er das Kräuterbeet. Die Pfefferminze war kräftig gewachsen, und der Rosmarin duftete würzig in der warmen Luft. Er prüfte die Lavendelpflanzen, die schon erste zarte Knospen zeigten. „Bald wird es hier nach Sommer riechen”, murmelte er zufrieden. Die zarten, noch geschlossenen Spitzen bewegten sich leicht, und ein leises Summen verriet ihm, dass die ersten Bienen bereits auf Nahrungssuche waren.

Vorsichtig zupfte Ignatius ein trockenes Stängelchen aus dem Thymianbusch. „So ist’s gut“, murmelte er. Als seine Pfote die Zweiglein streifte, entfaltete sich ein würziger Duft, der an Sonne und Erde erinnerte.

Ignatius lächelte. Pflanzen waren seine besten Helfer – sie wuchsen und blühten, wenn er sich gut um sie kümmerte – aber sie konnten nicht antworten.

Manchmal wünschte er sich jemanden, der neben ihm stand und sagte: „Schau mal, wie schön das gewachsen ist!“ Jemanden, der spürte, wie viel Herz in jedem Blatt steckte.

Plötzlich bemerkte er eine leichte Bewegung in den Beeten. Seine Schnauze zuckte, als er nach der Ursache suchte. Da! Eine kleine Feldmaus huschte zwischen den Erdbeerblättern hervor und blieb abrupt stehen, als sie Ignatius entdeckte.

„Oh! Verzeihung, Herr Gärtner! Ich wollte nur … na ja … nachsehen, ob am Beetrand vielleicht ein paar zarte Gänseblümchenblätter für mich übrig sind.“

Ignatius schnaubte leise, aber nicht unfreundlich. „Solange du mir meine Setzlinge nicht ausgräbst, darfst du gerne nachsehen.“

Die Maus nickte hastig und huschte weiter. Ignatius beobachtete sie einen Moment, bevor er sich wieder seinen Pflanzen widmete. Manchmal beneidete er die Mäuse – sie lebten in Gruppen, bauten ihre Gänge zusammen und hatten immer Gesellschaft. Igel wie er waren dagegen meist allein unterwegs. Ob das gut oder schlecht war? Ignatius wusste es nicht.

Als er weiter durch seine Gärtnerei trippelte, entdeckte er einen umgestürzten Topf. Die kleinen Erdbeerpflänzchen darin hatten sich auf die Seite geneigt, die feinen Wurzeln lagen teilweise frei. Er seufzte und begann, die Erde vorsichtig zurückzuschieben. „Vielleicht war es der Wind … eine unachtsame Krähe oder die Maus von vorhin“, murmelte er und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Hoffentlich hat sie ihr Gänseblümchenblatt gefunden“, dachte er.

Ignatius tappte weiter zu den Himbeersträuchern und prüfte mit seiner feuchten Nase die jungen Triebe, die sich zaghaft ausstreckten. Der Duft des Frühlings umhüllte ihn, und während er so in seine Arbeit vertieft war, schlich sich ein Gedanke in seinen Kopf: War das hier alles? Ein Leben zwischen Pflanzen, aber ohne einen Freund, der ihn wirklich verstand?

Er schüttelte den Kopf. „Unsinn”, murmelte er. „Pflanzen sind beständig. Sie gehen nicht fort, sie sind treu und einfach da.” Aber eine kleine Unruhe blieb – wie ein Steinchen im Schuh, das man nicht sofort findet.

Der Gärtnerigel hob den Blick und beobachtete, wie ein Vogelschwarm wie ein einziger lebendiger Gedanke durch den Himmel glitt. So eingespielt, so vertraut. Für einen Moment stellte er sich vor, wie es wohl wäre, selbst Teil einer kleinen Gruppe zu sein – von Igeln oder anderen Tieren, die Pflanzen genauso liebten wie er. Vielleicht könnten sie zusammen neue Beete anlegen, sich über Wurzeln und Samen austauschen oder einfach gemeinsam staunen. Ein leiser Wunsch regte sich in ihm – einer, den er bisher nie zugelassen hatte.

Die Blätter der Hortensien bewegten sich leicht, als nähmen sie ihn kurz in Augenschein – als wollten sie wissen, warum er heute so in Gedanken war. In der Ferne vibrierte ein kaum hörbares Summen, ein Ton, der ihn an etwas erinnerte, das er nicht genau benennen konnte.

Eine Hummel brummte über die Beete und brachte die frischen Frühjahrsblüten leicht zum Zittern. Für Ignatius fühlte es sich an, als würde der Garten ihn ein Stück weit hinausschieben, fort von seiner Routine – als läge etwas in der Luft, das sich noch nicht gezeigt hatte.

Er kniete sich hin und legte die Pfoten in die Erde. Sie war kühl, lebendig, vertraut. Und doch schwang in ihr heute ein Hauch von Erwartung. Das junge Grün der Himbeerzweige reckte sich ihm entgegen, als wollte es ihn ermutigen.

Ignatius hob den Kopf. Das Licht des Morgens brach durch das Blattwerk und legte sich warm auf sein Gesicht. War dies wirklich der einzige Platz für ihn – zwischen Erde und Blütenstaub?

Er schüttelte den Gedanken ab, so gut er konnte, und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit. Ein leiser Seufzer entwich ihm – nicht aus Müdigkeit, sondern weil etwas in ihm angestoßen worden war, das sich nicht sofort beruhigen ließ.

Es war nicht die gewohnte Ruhe – nicht das sanfte Atmen der Erde. Es war ein Zwischenraum, der unbesetzt blieb: ohne Stimmen, ohne Nähe. Trotz der Farben rund um ihn fühlte sich etwas unvollständig an.

Die Gespräche der anderen Tiere erreichten ihn nur gedämpft – Frieda, das lebhafte Eichhörnchen, das mit den Vögeln plauderte, oder Frido, der Schmetterling, der im Licht tanzte und fröhliche Lieder trällerte. Frieda, die immer schon spürte, wenn etwas in Himbeerthal in Bewegung geriet – sie hatte auch damals das geheimnisvolle Lied des Gartens gesucht und gefunden.

Ignatius dagegen hielt sich meist im Hintergrund. Er wusste nie recht, wie man Teil eines fröhlichen Miteinanders wurde. Was sollte er erzählen? Wie man Erde lockert? Welche Pflanze welchen Schatten liebt? Mit Pflanzen konnte er sprechen – aber anderen?

Er zuckte mit den Schultern – so gut das ein Igel eben konnte –, schnaufte leise und machte sich daran, eine neue Reihe Ringelblumen zu setzen. Ihre leuchtend orangefarbenen Blüten würden bald Insekten anziehen. Und wo Insekten waren, dort erwachte das Leben.

Während er vorsichtig ein Loch grub, spürte er plötzlich ein Vibrieren im Boden. Ignatius hielt inne. Vielleicht war es nur ein Maulwurf unter der Erde. Oder ein schwerer Käfer, der vorbeikrabbelte. Doch als er den Blick hob, sah er etwas, das ihn erstarren ließ. Vor dem Eingang seiner Gärtnerei Knospenglück stand eine Kiste. Nicht groß, aber irgendwie … anders.

Ignatius richtete sich langsam auf. Die Kiste hatte dort noch nicht gestanden, als er vor wenigen Minuten seine Runde begonnen hatte. Und niemand hatte an seine Tür geklopft. Es herrschte absolute Stille im Garten. Sie war einfach da – als hätte jemand genau diesen Moment gewählt. Vielleicht war sie in der Nacht gebracht worden, ohne dass er es bemerkt hatte. Von wem auch immer. Der Gedanke ließ eine leichte Gänsehaut über seinen Rücken wandern.

Er trat näher heran. Die Holzkiste war alt, mit feinen Schnitzereien an den Seiten – Linien, die sich wanden wie Ranken oder wie alte Schriftzeichen, die er nicht lesen konnte. Sie wirkte nicht bedrohlich, eher fremd. Und doch vertraut. Wie ein Lied, das man lange nicht gehört hat, das einem aber sofort wieder im Herzen klingt.