Illuminatus! Der goldene Apfel - Robert Shea - E-Book

Illuminatus! Der goldene Apfel E-Book

Robert Shea

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Beschreibung

Auf den Spuren der Illuminaten Die Fortsetzung von «Das Auge in der Pyramide»: In einer visionären Vermischung von Erzähltechniken des Politthrillers, Science-Fiction-Romans und des modernen Märchens führen die Autoren durch die jahrhundertelange Geschichte von Verschwörungen, Sekten und schwarzen Messen. Kultbuch mit Suchtpotential!

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Seitenzahl: 471

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Robert Shea • Robert A. Wilson

Illuminatus! Der goldene Apfel

 

 

Aus dem Englischen von Udo Breger

 

Über dieses Buch

Auf den Spuren der Illuminaten

Die Fortsetzung von «Das Auge in der Pyramide»: In einer visionären Vermischung von Erzähltechniken des Politthrillers, Science-Fiction-Romans und des modernen Märchens führen die Autoren durch die jahrhundertelange Geschichte von Verschwörungen, Sekten und schwarzen Messen.

Kultbuch mit Suchtpotential!

Vita

Robert Shea, 1933 in New York geboren, studierte Englisch und Literaturgeschichte. Nach seinem Abschluss arbeitete er als freier Schriftsteller, schrieb Erzählungen und wurde vorübergehend Redakteur mehrerer Zeitschriften – u. a. vom «Playboy», wo er auch Robert Anton Wilson kennenlernte. Die beiden verfassten zwischen 1969 und 1971 ihre legendär gewordene Romantrilogie. Robert Shea ist 1994 gestorben.

 

Robert Anton Wilson, 1932 in New York geboren, studierte Mathematik, Elektrotechnik, Englisch, Pädagogik und machte seinen Abschluss schließlich in Psychologie. Nach diversen Jobs, u. a. als Mitarbeiter des «Playboy», wurde er Vizepräsident des Institute for the Study of the Human Future in Berkeley. 2007 ist Robert Wilson nach längerer Krankheit gestorben.

Impressum

Die Originalausgabe erschien 1975 unter dem Titel «Illuminatus! The Golden Apple» bei Dell Publishing Co., Inc., New York.

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Oktober 2021

Copyright © 1975 der Originalausgabe by Robert Shea und Robert Anton Wilson

Copyright © 1978 der ersten deutschsprachigen Ausgabe by Sphinx Verlag, Basel

Covergestaltung any.way, Wiebke Jakobs

Coverabbildung Illu: Wiebke Jakobs

ISBN 978-3-644-00984-4

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

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www.rowohlt.de

Für Arlen und Yvonne

Es gibt keinen Gott außer dem Menschen.

Der Mensch hat das Recht, nach seinem eigenen Gesetz zu leben – so zu leben, wie er es gewillt ist zu tun: zu arbeiten, wie er will: zu spielen, wie er will: zu ruhen, wie er will: zu sterben, wann und wie er will.

Der Mensch hat das Recht, zu essen, was er will: zu trinken, was er will: zu wohnen, wo er will: sich auf dem Antlitz der Erde zu bewegen, wie er will.

Der Mensch hat das Recht, zu denken, was er will: zu sprechen, was er will: zu schreiben, was er will: zu zeichnen, zu malen, zu schnitzen, zu ätzen, zu gießen, zu bauen, was er will: sich zu kleiden, wie er will.

Der Mensch hat das Recht, zu lieben, wie er will.

Der Mensch hat das Recht, jene zu töten, die ihm diese Rechte streitig machen.

The Equinox: A Journal of Scientific llluminism, 1922 (herausgegeben von Aleister Crowley)

Prolog

(Einiges von dem, was jetzt folgt, kennen Sie bereits, wenn Sie ILLUMINATUS!, Erster Teil, Das Auge in der Pyramide gelesen haben)

 

 

Hagbard Celine, ein wahnsinniger Genius, höchst qualifiziert, eine ganze Reihe verschiedenster Tätigkeiten innerhalb von Rechtswissenschaft und Ingenieurwesen auszuüben, entschied sich stattdessen für Piraterie und versucht, der Welt ersten selbstdestruktiven Mynah-Vogel auszubilden.

«Komm, kitty-kitty-kitty! Komm, kitty-kitty-kitty!», kann man Hagbard rufen hören, als unsere Kamera in ein Close-up seines dunklen sizilianischen Gesichts schwenkt. (In Wirklichkeit ist er halb Norweger, und es gibt irgendwo in Ohio einen Zweig seiner Familie mit irischen Namen, wie McGee und Marlowe.) Indem die Kamera zurückfährt, sehen wir Hagbard zwischen zwei Reihen von Mynah-Vögeln stehen, von denen jeder einzelne auf einem Miniatur-Zitronenbäumchen thront. «Komm, kitty-kitty-kitty! Komm, kitty-kitty-kitty!», wiederholen die Vögel roboterhaft und werden damit auf Selbstzerstörung programmiert sein, wenn er sie in New York City loslässt.

«So wahr mir Gott helfe», kann man Epicene Wildeblood (New Yorks bissigsten Literaturkritiker) zu einer Gruppe im Confrontation-Büro versammelter Skeptiker sagen hören. «Diese verfluchten Vögel begingen Selbstmord. Ich sitze da am Washington Square und höre ihn krächzen ‹Komm, kitty-kitty-kitty!› Genau so. ‹Komm, kitty-kitty-kitty!› Es war ’ne ziemlich große siamesische Katze, die ihn erwischte, aber zu dem Zeitpunkt befanden sich bereits alle Katzen aus der ganzen Nachbarschaft auf der Jagd. Ich sage Ihnen, diese Stadt ist am Ende, wenn jetzt sogar schon die Vögel zu depressiven Psychotikern werden.»

«Das kannst du dem Occult Digest erzählen», sagte Joe Malik voller Skeptizismus. Eigentlich war Joe – der Confrontation durch die Epochen Joe McCarthy und Jim Garrison, fliegende Untertassen, Watergate und Linda Lovelace hindurch herausgegeben hatte – inzwischen fast zu einem transzendentalen Agnostiker geworden, bereit, jedes noch so unwahrscheinliche Gerücht als möglicherweise wahr anzuerkennen. Sein Motto lautete inzwischen: «Wenn die Wirklichkeit so oft bizarr ist, könnte das Bizarre oft Wirklichkeit sein»; «aber», fügte er ständig hinzu, «irgendwo muss man eine Trennungslinie ziehen; wie Mason zu Dixon sagte.» Eine solche Trennungslinie zu ziehen, war für ihn inzwischen zunehmend schwieriger geworden, insbesondere seit dem Demokratischen Kongress in Chicago, 1968, als er Simon Moon von der Namenlosen Anarchistischen Horde getroffen und von den geheimnisvollen und teuflischen bayrischen Illuminaten gehört hatte.

Schnitt. Großaufnahme von Simon Moon, der uns über sich selbst erzählt. «Nun, ah, Dad und Mom waren beide Anarchisten, verstehen Sie? Er war Bakunin-Anhänger und Mitglied in der Industrial Workers of the World-Gewerkschaft; und haltet euch Stahlhelme griffbereit, Jungs, die Revolution kann jetzt täglich beginnen. Sie hing Tolstoi an, lehnte jegliche Gewalt ab, Jesus-Trip und so, der nächste Schritt in menschlicher Evolution ist Universal Love; na, Sie wissen schon. So war es nur zu natürlich, dass ich gegen beide rebellierte und Schüler von Donatien Alphonse François de Sade wurde. Wenigstens ’ne Zeit lang. Aber dann führte Padre Pederastia mich bei den JAMs ein.»

Die JAMs – Justified Ancients of Mummu –, das ist ein sehr alter babylonischer Geheimbund, seine Anhänger verehren Mummu, den Gott des Chaos. («Der chinesische Taoist kann da nur lachen und geht seines Weges», erklärt Simon, «aber die babylonischen Chaoisten setzen Termiten auf die Grundmauern an.») Als Simon und der Padre Joe Malik rekrutierten – ein Prozess, der während des allerletzten SDS-Kongresses, 1969, begonnen und in die siebziger Jahre fortgesetzt wurde – Joe war zu dieser Zeit noch immer überzeugter Skeptiker –, befanden sich die JAMs im 59. Jahrhundert ihres Krieges gegen die Illuminaten, ein paar Jahrhunderte der Allianz mit ihnen nicht mitgerechnet.

Joe Malik, dessen schmales, intelligentes Gesicht alle Vieldeutigkeiten eines arabisch-amerikanischen Intellektuellen, der römisch-katholisch erzogen und während des Hitler-Stalin-Paktes den Trotzkisten beigetreten war, in sich vereinigt und der eine Zeitschrift herausgibt, die radikal genug ist, wöchentlich Tonnen von ausgeflipptester Fanpost anzuziehen, dieser Joe Malik lächelte müde und sagte: «Bevor ich Simon und den Padre kennen lernte, waren die einzigen Leute, die ich über die Illuminaten reden hörte, rechtsgerichtete Spinner. Zuerst war ich mir ziemlich sicher, dass Simon mir da einen Bären aufbinden wollte. Aber dann traf ich eines Tages den Führer der JAMs …» (Donner von der Tonspur; unheilvolle Schatten huschen über Joes Gesicht.)

Wir stehen vor einem Bungalow in einem Vorort von Los Angeles. Simon klopft an die Tür, Joe macht einen nervösen Eindruck. Die Tür öffnet sich, und ein kleiner, älterer Mann sagt: «So, du bist also der neue Rekrut. Komm rein und sag mir mal, wie ein gottverdammter Intellektueller uns helfen kann, den schwanzlutschenden Illuminaten-Motherfuckers das Hirn zu Brei zu schlagen.» Dieser kleine alte Mann hat ein ausnehmend spöttisches und steinhartes Glitzern in den Augen. Es ist John Dillinger, der jetzt unter dem Namen Frank Sullivan lebt und Präsident der Laughing Phallus Productions ist, der König der Rockmusik-Industrie.

Dillingers erster Raubüberfall, 1923, war der reinste Witz. Das Opfer, ein Gemischtwarenhändler namens B.F. Morgan, gab das Notsignal der Freimaurer, und kurz darauf wurde John verhaftet. Er handelte mit dem Staatsanwalt ein Geschäft aus, landete aber dennoch im Gefängnis. John war sicher, dass die Freimaurer hinter diesem Beschiss standen, und schloss sich den JAMs an, deren Motto – «Jedermann legt sich auf den Boden und bewahrt die Ruhe» – er von nun an bei jedem Banküberfall anwandte. Das war seine Art, J. Edgar Hoover, einen Freimaurer im dreiunddreißigsten Grad und Hohen Illuminatus Primus, zu verhöhnen. Im Gegenzug gab Hoover, der den «springenden Banditen» (wie die Sensationspresse John getauft hatte) als Agenten der JAMs erkannt hatte, Befehle, aus denen resultierte, dass in Little Bohemia Lodge, Lake Geneva, Wisconsin, drei unschuldige Geschäftsmänner erschossen wurden, die man irrtümlich als zur Dillinger-Gang angehörig vermutete. Durch die beißende Kritik nach dieser Blamage klug geworden, bewahrte das FBI Stillschweigen, als der Mann, den sie am 22. Juli 1934 am Biograph Theater umlegten, ebenfalls nur ein unschuldiger Umstehender war. Dillinger war inzwischen zu höherem Rang innerhalb der JAMs aufgestiegen und hatte die etwas grobe Taktik, Banken zu überfallen, aufgegeben.

Als nunmehr alter Mann, Mitte der siebzig, hat Dillinger beschlossen, die JAMs mit einer neuen Anti-Illuminatengruppe, der Legion des Dynamischen Diskord, angeführt von jenem übermütigen Hagbard Celine, außerordentlichem Piraten und Züchter von selbstdestruktiven Mynah-Vögeln, zu verschmelzen.

Simon Moon: «Hagbard ist ’n rechtsgerichteter Spinner!»

Joe Malik: «Ich weiß nicht. Hagbard ist ’n Genius, das steht schon mal fest. Unglücklicherweise widmet er seinen IQ meistens dazu, die Welt über seine wahren Motive und Ziele im Unklaren zu halten. Ich weiß ’s einfach nicht …»

Und Hagbard ist der Entdecker des Snafu-Prinzips, welches besagt, dass Kommunikation nur unter Gleichen möglich ist. Folglich muss jede Hierarchie, die Gleichheit unterdrückt, gleichzeitig Kommunikation unterdrücken. Das wiederum ist, so meint er, die Achillesferse der Armeen, Industriekorporationen, Regierungen und anderer Deckorganisationen, die die Illuminaten in ihrer Verschwörung, die Menschheit zu beherrschen, benutzen.

Dort, wo die JAMs den babylonischen Gott des Chaos, Mummu, verehren, verehrt Hagbards Legion des Dynamischen Diskord Eris, die griechische Göttin der Konfusion, die im Lateinischen auch als Discordia bekannt ist. (Gespräche unter Diskordiern beginnen für gewöhnlich mit: «Heil Eris!», «Heil Discordia!», «Kallisti!») Was die JAMs nicht wissen, ist, dass Hagbard außerdem in einer Allianz mit der Erisischen Befreiungsbewegung (ELF) steht, einer super-Zen, supergeheimen Rebellion, die einem als Operation Mindfuck (OM) bekannten Programm folgt, das vom Dealy Lama geleitet wird, der in der Kanalisation unter der Dealy Plaza in Dallas, Texas, wohnt.

Close-up eines Computergesichts, das fast so mild dreinschaut wie HAL-9000. Es ist FUCKUP(First-Universal-Cybernetic-Kinetic-Ultramicro-Programmer), Hagbards größte Erfindung. FUCKUP «wirft» in seinem Inneren I Ging-Hexagramme, indem er einen zufällig offenen Stromkreis als eine unterbrochene Linie (yin) und einen zufällig geschlossenen Stromkreis als eine ganze Linie (yang) liest; diese werden dann in Korrelation mit dem dreitausendjährigen I Ging-Wissen, derzeitigen astronomischen und astrologischen Daten, CBS-Nachrichtensendungen sowie Berichten von Hagbards Agenten in den Hauptstädten der Welt gebracht, wodurch in FUCKUPs integrierten Gedächtniskreisen ein in seiner Objektivität einzigartiger Worldgame Report zustande kommt. «Uns droht der dritte Weltkrieg», berichtet FUCKUP freimütig, «Allgemeine Prognose: viele Millionen Tote. Keine Schuld.»

«Leck mich doch am Arsch … keine Schuld …», wütet Hagbard; erst jetzt wird ihm die wahre Bedeutung der Krise um Fernando Poo bewusst.

Fernando Poo ist ein winziges Eiland in der Bucht von Biafra, auf dem Hauptmann Ernesto Tequila y Mota durch die Inszenierung eines Blitz-Staatsstreichs seine eigene Beförderung zum Generalissimo arrangiert hat. Schafsköpfige CIA-Agenten berichten nach Washington, dass das neue Regime von Russland und China kontrolliert wird; russische Agenten wiederum berichten nach Moskau, das Regime stehe unter der Kontrolle von Peking; und chinesische Agenten berichten nach Peking, es stünde unter Moskaus Kontrolle. Hagbard, der die subtile Handschrift der Illuminaten erkennt, programmiert FUCKUP neu, um die Quelle der größten Gefahr zu lokalisieren, und erfährt, dass Las Vegas aufmerksam im Auge behalten werden sollte.

Sherri Brandi (geborene Sharon O’Farrell) gibt uns ihre Version: «Willst du das große Moos, auf die Straße, Girl! Verkaufe deinen Schoß. So läuft es wenigstens in dieser kaltärschigen Stadt. Also arbeite ich für Carmel, der nicht einmal der schlechteste Zuhälter ist, wenn es einem nichts ausmacht, ab und zu mal schwarz und blau geprügelt zu werden. Und jetzt, meint Carmel, könnten wir reich werden …»

Carmel ist tatsächlich davon überzeugt, dass Sherris letzter Kunde, Charlie Mocenigo, die endgültige Geheimwaffe entdeckt hat. Ganz klar, dass, wenn er und Sherri das Geheimnis an sich reißen und den gottverdammten Kommunisten verkaufen, beide Millionäre werden können. Aber wie es so geht, die Geheimwaffe ist Anthrax Leprosy Pi (ALP), ein Virus mit gewissen unvorhersagbaren Eigenschaften, und Mocenigo, wie auch Sherri, kommen durch eine zufällige Berührung damit ums Leben, und Carmel wird unbewusst zu einer Art Typhoid Mary. Niemand sonst weiß davon, und die Welt befindet sich am Abgrund und beobachtet bestürzt die Vorgänge um Fernando Poo, während einzig und allein FUCKUP und Hagbard Celine wissen, dass die Bedrohung von Las Vegas ausgeht.

(Fission Chips, der englische Geheimagent 00005, entdeckt, dass die Berichte der Amerikaner, Russen und Chinesen der Wahrheit entbehren. Doch kommt er selbst auch zu falschem Schluss, indem er glaubt, dass BUGGER – Bad Unreformed Goons, Gangsters and Espionage Renegades, angeführt von Eric «der Rote» Blowhard – hinter jenem Coup steht. Chips hat von den Illuminaten noch nie etwas gehört …)

Auf Anordnung von Hagbard schickt Jo Malik den Confrontation-Starreporter George Dorn nach Mad Dog, Texas, um die Rechts-Gruppen dort unten unter die Lupe zu nehmen, von denen es eine gibt, die man hinter den Morden an John und Robert Kennedy, Martin Luther King, George Lincoln Rockwell und Spiro Agnew stehend vermutet. (Joe lächelt wissend. «Das jedenfalls habe ich George erzählt», zwinkert er uns zu.)

In Mad Dog wird George wegen Besitz von Marihuana verhaftet und von Sheriff Jim Cartwright ins Gefängnis gebracht. Georges Zellengenosse, ein schlangenähnliches Individuum namens Harry Coin, brüstet sich zuerst damit, verschiedene berühmte Leute umgelegt zu haben, und versucht anschließend, George zu vergewaltigen. Später wird das Gefängnis von einer mysteriösen Gruppe überfallen, die von Mavis, einer jungen Dame mit Trenchcoat und Maschinenpistole, angeführt wird. Sie holen George heraus, nachdem sie ein paar Löcher in die Gefängnismauer gebombt haben. Auf dem Weg ins Freie sieht George eine versteckte Kapelle mit einem pyramidenförmigen Altar, an deren Spitze sich ein Auge und der Slogan «Ewige Blumenkraft» befinden. Mavis erzählt ihm, dass das Mad-Dog-Gefängnis ein geheimes Hauptquartier der Illuminaten sei.

George wird daraufhin an den Golf von Mexico gefahren, wo für ihn und Mavis gerade genug Zeit bleibt, ein wenig Politik und ein wenig freundschaftlichen oralen Sex zu treiben, bevor die Leif Erikson auftaucht. Die Leif Erikson ist ein gigantisches, goldgelbes Unterseeboot, dessen Besitzer und Kapitän Hagbard Celine ist. Dieser erzählt George, er sei weder links- noch rechtsstehend, sondern politischer Non-Euklidianer. Die Illuminaten, so fährt Hagbard fort, seien die Ursache allen Unglücks auf der Welt: eine weitläufige Geheimgesellschaft, vom Freimaurer und ehemaligen Jesuiten Adam Weishaupt am 1. Mai 1776 in Ingolstadt, Bayern, gegründet.

Daheim in New York untersucht Saul Goodman, Inspektor bei der Mordkommission, den Bombenanschlag auf Confrontation sowie das mysteriöse Verschwinden des Herausgebers Joe Malik. Was den Fall besonders mysteriös erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass Maliks Hunde – laut Aussagen der Nachbarn hatte er eine ganze Wohnung voll – ebenfalls spurlos verschwanden. Noch merkwürdiger ist, dass Maliks Mitarbeiter erklären, er sei allergisch gegenüber Hunden gewesen. Und das Merkwürdigste überhaupt sind eine Serie von Memos, die Saul Goodman in Maliks Apartment in die Hände fallen. Unter Angabe verschiedenster Nachschlagewerke, akademischer und anderer Art, geben diese eine ganze Palette von Theorien über Herkunft und Wirkungsweise der Illuminaten an:

1. Entsprechend dem französischen Soziologen Jacques Ellul wurde der Illuminatenorden im 11. Jahrhundert durch Schüler des Joachim von Floris gegründet und versuchte, Reichtümer dadurch wieder gleichmäßig zu verteilen, indem die Reichen beraubt wurden; sie wurden vom bestehenden Recht im Jahre 1507 vertrieben und hörten auf zu existieren. Aber die National Review glaubt, dass Joachims Anhänger noch immer wirksam sind und das Eschaton zu immanentisieren versuchen.

2. Entsprechend Darauls History of Secret Societies wurden die Illuminaten von Hassan i Sabbah 1092 gegründet, betraten 1623 spanischen Boden, verbreiteten sich über ganz Europa und infiltrierten ab 1776 über Adam Weishaupt auch hierzulande bestehendes Freimaurerwesen.

3. Gemäß der Encyclopædia Britannica wurden die Illuminaten von Adam Weishaupt 1776 gegründet und 1785 von der bayrischen Regierung verboten.

4. Einem Brief an den Playboy zufolge existieren die Illuminaten auch heute noch und sind für die politischen Morde der jüngsten Vergangenheit verantwortlich.

5. Und der Zeitschrift American Opinion zufolge ist das Council on Foreign Relations die letzte Manifestation der Verschwörung in Richtung Weltregierung, die ursprünglich von Adam Weishaupts Illuminaten ins Leben gerufen wurde.

6. Entsprechend dem Teenset-Magazin kontrollieren die Illuminaten das Rockmusikgeschäft.

7. Entsprechend der Chicagoer Zeitung The Spark benutzte Bürgermeister Richard Daley den Slogan «Ewige Blumenkraft» während eines Ausfalls gegen Senator Ribicoff im Laufe des Demokratischen Kongresses im Jahre 1968. Außerdem waren Weishaupt und George Washington ein und dieselbe Person.

8. Gemäß CBS sind die Gemälde von Washington voneinander so verschieden, dass sie mehr als einem Mann ähnlich sehen.

9. Gemäß dem East Village Other, New York, sind die derzeitigen Führer der Illuminaten (1969) Malaclypse der Jüngere, Mao Tse-tung, Mordecai the Foul, Richard Nixon, Aga Khan, Saint Yossarian, Nelson Rockefeller, Saint McMurphy, Lord Omar und Mark Lane. («Das hier muss ein Gerücht sein», denkt Saul Goodman …)

10. Virginia Brasingtons Flying Saucers in the Bible zufolge wurde Jefferson das Illuminatensymbol des Auges in der Pyramide von einem mysteriösen, in Schwarz gekleideten Mann übergeben. Weder Jefferson noch irgendein anderer der Gründungsväter wussten, was es bedeutete, dennoch fügten sie es in das Große Siegel der Vereinigten Staaten ein.

11. Planet, San Francisco, zufolge ist das Auge-in-der-Pyramide-Design das Symbol von Prof. Dr. Timothy Leary.

12. Gemäß der Proofs of a Conspiracy von Freimaurer John Robison (18. Jahrhundert) wurden die Illuminaten durch das 1785 von der bayrischen Regierung erlassene Verdikt nicht vernichtet, sondern versuchten weiterhin, Gruppen von Freimaurern in ganz Europa und anderswo zu infiltrieren. Wie Robison sagt, überwachten sie die Französische Revolution und planen weitere Revolutionen.

13. Gemäß Nesta Websters World Revolution kontrollieren die Illuminaten alle sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegungen; die Festsetzung des 1. Mai als internationalen Tag der Arbeit würdigt die Gründung der Illuminaten am 1. Mai 1776.

14. Der History of Magic des französischen Kabbalisten Eliphas Lévi zufolge wurden die Illuminaten von Zoroaster gegründet und durch die Tempelritter im 12. Jahrhundert in Europa eingeführt.

15. Gemäß dem High IQ Bulletin sind die Illuminaten Eindringlinge vom Planeten Venus.

16. Entsprechend dem Libertarian American sind die Illuminaten eine Deckorganisation der Vril Society, als deren Mitglied Adolf Hitler seine okkulte Ausbildung genoss; ihr Ziel ist der christliche Sozialismus, im Unterschied zum «gottlosen russischen Sozialismus».

17. Gemäß der Los Angeles Free Press wurde die Theosophical Society von Mitgliedern der John Birch Society angeschuldigt, die wichtigste Deckorganisation der Illuminaten zu sein; der Gründer der Illuminaten war, so sagen sie, Kain, der Sohn Evas und der Schlange.

18. Wiederum Lévis History of Magic zufolge war die Holy Vehm (eine Art mittelalterlich katholische Version des Ku-Klux-Klan) ein Werkzeug zur Durchsetzung moralischer Auffassungen der Illuminaten im Mittelalter.

19. Entsprechend Darauls History of Secret Society bedienten sich die Nazis dann wieder der Holy Vehm, die auch heute noch wirksam sein mag.

Nachdem Saul Goodman diese Memos eingehend studiert und miteinander verglichen hatte, zieht er die rigoros logische Schlussfolgerung, dass die Illuminaten selbst hinter der oben genannten Literatur stehen, um ihre wahre Identität und ihre derzeitigen Aktivitäten zu verbergen. In der Zwischenzeit findet Barney Muldoon von der Abteilung Bombenattentate Beweise dafür, dass die Illuminaten von den Jesuiten kontrolliert werden. Saul und Barney vergleichen weitere Quellen miteinander und kommen zu dem Schluss, dass die Illuminaten in Wahrheit Satanisten sind, die vom Katholizismus bis zur Freimaurerei jede Organisation infiltriert haben, um Konflikte zu säen und ihre eigenen Ziele zu verwirklichen. Unglücklicherweise wird Saul, kurz nachdem er diesen Schluss ziehen konnte, gekidnappt und in einer vorgeblichen Nervenklinik gefangen gehalten. Dort wird er einer psychedelischen Gehirnwäsche unterzogen, die ihn davon überzeugen soll, er sei Barney Muldoon, ein Streifenpolizist in Newark, der wiederum unter Halluzinationen leidet und sich einbildet, Saul Goodman zu sein, ein Inspektor der New Yorker Mordkommission. Währenddessen hat Hagbard Celine Kurs auf Atlantis genommen, wo er hofft, ein paar goldene Statuen an Bord der Leif Erikson hieven zu können, die die Illuminaten ursprünglich einschmelzen wollten, um ihre derzeitigen Projekte zu finanzieren. In äußerster Eile wird George Dorn in die Legion des Dynamischen Diskord eingeführt (mit der lustvollen Teilnahme einer äußerst lieblichen schwarzen Dame namens Stella Maris) – doch lassen wir George am besten selbst berichten:

«Well, phuuh, Mann, ich meine, ich bin überhaupt kein Held, wissen Sie. Am liebsten würde ich gleich nochmal eingeführt – und ganz besonders von Stella – oder vielleicht auch von Mavis – ich mein, so ’ne diskordische Initiation ist was ganz Besonderes – (‹Ich werde sagen›, wirft Stella ein) – und alles, an das ich mich anschließend erinnern kann, ist, Hagbard ruft mich auf die Brücke und wir sprechen mit einem Delphin, der Howard heißt und der uns erzählt, dass wir vor einem Angriff der Spinnenschiffe der Illuminaten stehen. Ich weiß nicht, vielleicht hatte ich nur zu viel von Hagbards selbstangebautem Kallisti-Gold-Supergras geraucht, jedenfalls war das Ganze ein unheimlicher Freakout. Wie muss es wohl sein, auf dem Grund des Atlantiks abzusaufen? Ich schätze, der enorme Wasserdruck muss einen, Atom für Atom, zerquetschen. Und die Illuminaten da vor uns, bereit, uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Garaus zu machen. Ich halte das einfach nicht aus und unternehme im Geist als Angehöriger des Morituri Underground einen Trip in meine Vergangenheit; in meinen jungen Tagen, damals, als Carlo mich überreden wollte, einen Bullen umzulegen, um meine Hingabe an die Revolution zu beweisen. Da walze ich also den Broadway der siebziger Jahre hinab auf der Suche nach einem Bullen, finde ihn und nehme alle meine Courage zusammen, um die Knarre aus der Tasche zu ziehen, da schreit Howard über die Bordsprechanlage: ‹Die Spinnenschiffe sind im Anmarsch!›, und ich denke immer noch an Stellas heiße Pussy und weiß überhaupt nicht mehr, befinde ich mich mitten in einem Pornoroman, einem Science-Fiction-Film oder in der Wirklichkeit, und da trifft mich dieser PSI-Flash, dass jener Bulle einen geistig zurückgebliebenen, vierjährigen Sohn hat, und das lässt ihn momentan so menschlich erscheinen, dass ich auf einmal weiß, den kann ich einfach nicht killen. Wow! Mann, du siehst, wie heavy das lief.» George versuchte später – oder früher: das hängt davon ab, auf welcher seiner Zeitspuren wir uns gerade befinden – sich selbst eine Kugel in den Schädel zu jagen, trotz seiner Feigheit, aber der Revolver, den die Morituri ihm gegeben hatten, funktionierte nicht.

«Well, klar, Mann», mischt Simon Moon sich lauthals in die Erzählung, «die Morituri, das ist kein Kindergarten, und wir alle wissen das. Aber jedes Mal, wenn ich ‹Joe Hill› höre, muss ich an meinen Vater denken:

‹Die Kupferbosse erledigten dich, Joe.›

‹Ich bin nie gestorben›, sagte er.

Und beide Zeilen stimmen, und das Trauern hört niemals auf, und die Revolution hört niemals auf, auf welche Weise sie auch immer bekämpft werden mag. Lest de Sade. Oder fragt John Dillinger. Als Person kommst du niemals zu Leben, bis du irgendwann mal die Gesetze brichst. Innerhalb des legalen Käfigs bist du nichts weiter als ein Roboter.» Und er beginnt zu singen: «Auch wenn Feigling’ sich krümmen und der Verräter viel/Wir halten rote Fahnen bis hart an das Ziel …» (Cool it, boy. George, erzähl du mal weiter.)

«Gut. Also, Hagbard erledigte alle fünf Illuminaten-Spinnenschiffe, und wir bargen schließlich die goldenen Statuen von Atlantis. Wenn ihr vorsintflutliche Pornografie liebt, kann ich nur sagen, sie waren umwerfend. Irrsinnig. Aber dann eröffnete mir Hagbard, dass meine erste Mission als Diskordier darin bestünde, ebendiese Statuen dem Oberboss der Mafia zu bringen. Das war ’n Schuss in die Hose …»

Aber an sich erledigte George diesen Job wirklich cool, so wie er nach Blue Point, Long Island, dem Wohnsitz Robert Pumey Drakes, dem berühmten Bankier und Philanthropen, fuhr, dem uneingestandenen Gouverneur der Mafia und gleichzeitigen Illuminatus Primus. Es wurde ausgehandelt, dass Drake als Gegenleistung für die Statuen mit den Illuminaten brechen würde, einen Vertrag mit den Diskordiern unterzeichnen und als Geste guten Willens die Ermordung von 23 Topleuten der Illuminaten in den Vereinigten Staaten arrangieren würde. Anschließend wurde George in seinem Schlafzimmer von Tarantella Serpentine bestens unterhalten, von jener Dame also, die Linda Lovelace alles beibrachte. Und in der Tat, George fühlte sich äußerst gut unterhalten.

(Aber die Krise um Fernando Poo eskalierte: Der Präsident der Vereinigten Staaten gab Russland und China 24 Stunden Zeit, ihre Truppen aus Fernando Poo zurückzuziehen, sonst … Das sonst wurde von der in Schrecken versetzten Bevölkerung so aufgenommen, als bedeute es uneingeschränkten thermonuklearen Krieg; im Kreml und in Peking ließ man durchsickern, es bedeute ebenfalls den Einsatz von Anthrax Leprosy Pi – das in der Tat bereits auf den kleinen, unbekannten Zuhälter Carmel in Las Vegas losgelassen worden war, ohne dass er selbst eine Ahnung davon hatte … Und in Fernando Poo erfuhr der tapfere, aber etwas dümmliche englische Agent Fission Chips, nachdem er eine Wahnsinnsnummer mit einer Dame namens Concepción Galore durchgezogen hatte, von einer mysteriösen Kirche der Heiligen Kröte und beschloss, der Sache einmal auf den Grund zu gehen … Während die Herrscher von Russland und China, die niemals Truppen nach Fernando Poo entsandt hatten, die Welt in höflicher Form darauf aufmerksam machten, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ein Fall für den Psychiater sei. Hierauf warf der Vorsitzende der chinesischen Kommunistischen Partei, der bei Marx keine Antwort mehr erwartete, die I-Ging-Stäbchen und brütete über dem Hexagramm 23: «Zersplitterung, Niedergang …»)

Und (die Ereignisse nehmen jetzt an Geschwindigkeit zu) Saul Goodman entdeckt, dass der vermeintliche Psychiater, der ihn in jener vorgeblichen Nervenklinik «behandelt», in Wirklichkeit der vermisste Herausgeber von Confrontation, Joe Malik, ist. Sie befinden sich beide an Bord der Leif Erikson, Hagbards Super-Unterseeboot, und sind auf dem Wege nach Ingolstadt, Bayern, wo die Illuminaten hoffen, mit den Energien des Woodstock Europa – einem gigantischen Rockfestival – das Eschaton zu immanentisieren. «Was bedeutet ‹das Eschaton immanentisieren›?», fragt Saul; doch genau in diesem Augenblick wird die Leif Erikson von den Illuminaten-Spinnenschiffen angegriffen, und wir finden uns wieder, um Simon Moons nicht enden wollendem Monolog zuzuhören:

«Eine Wahnsinnsnummer? Was zum Teufel weiß schon ein Agent wie Fission Chips von Wahnsinnsnummern? Lass mich einen Zeugen der Anti-Regierungskräfte aufrufen. Sie wird euch von Wahnsinnsnummern erzählen. Mary Lou?»

Nahaufnahme in Form eines Dokumentarfotos von Mary Lou Servix, einer schwarzen Polizistin, die den Auftrag hatte, die Namenlose Anarchistische Horde zu infiltrieren, und ihre Pflicht in dem Moment vergaß, als Simon Moon sie in den Tantrismus einführte.

«Zuerst dachte ich, Mister Simon Motherfucking Moon sei nichts weiter als ein verklemmter Sack, ein Ignatz, wissen Sie? Ich meine, Ficken im Sitzen zu versuchen – kann nur aus Bizarreville stammen. Und die erste halbe Stunde bekam ich Rückenschmerzen. Aber er redete mir ständig gut zu und sagte: ‹Bleib ganz ruhig, Baby, ganz ruhig.› Und dann ging’s los – das, was er Kundalini nennt. Erdbeben City! Tausendmal wilder als damals, als ich mit den Weatherleuten Acid nehmen musste, um sie zu infiltrieren. Das alte Geheimnis babylonischer Schlangenkraft nennt er’s …»

Simon hüstelt bescheiden. «Unsere Geheimwaffe gegen die Illuminaten. Neuroprogrammieren des sechsten Schaltkreises. Für Einzelheiten wendet euch an Dr. Leary.»

«Alles offen darlegen beweist Dummheit», protestiert Hagbard Celine. «Die Wahrheit muss langsam zur Blüte reifen, wie eine heimliche Blume im Herzen. Die meiste Zeit über kommunizieren wir nicht viel besser als Hunde es tun – was mein berühmtes Snafu-Prinzip beweist. Wahre Kommunikation ist, nach der Lehre der Gleichheit aller in der Neurologie, komplexer als galaktisches Gesetz.» Er blickt in die Ferne und denkt an Uncle John Feather …

Uncle John, ein Mohikaner, gibt uns jetzt eine Lektion aus Die Moral von der Geschichte, und dieses Mal spricht er ziemlich geradeheraus: «Du bist ein guter Rechtsanwalt, Hagbard; das weiß ich genau. Aber kannst du vor einem Regierungsgericht die Wahrheit sagen? Ich bezweifle das. Die machen ihre eigenen Gesetze, und alles, was relevant ist, wird als irrelevant abgetan …» Aber das war jetzt schon zwanzig Jahre her, und nachdem den Mohikanern das letzte Stückchen Land abgenommen worden war, gab Hagbard seinen Beruf als Anwalt auf und wandte sich der Piraterie zu … «Auf der Suche nach einem ehrlicheren Weg, sich den Lebensunterhalt zu verdienen», sagt er mit jenem, für ihn so typischen Blick eines Falken in den Augen.

Doch zurück in die Jetztzeit, in der Danny Pricefixer von der Mordkommission in New York das Verschwinden von Joe Malik, Saul Goodman und Barney Muldoon untersucht. Einige Hinweise in den Memos über die Illuminaten ziehen ihn, wie die meisten unserer Darsteller, in die Vergangenheit, in die Zeit, in der er Detektiv bei der Polizei von Arkham, Massachusetts, war und das Verschwinden Professor Joshua Marshs von der Miskatonic Universität untersuchte. Professor Marsh hatte ein Buch über den verlorenen Kontinent Atlantis verfasst, in dem er die Behauptung aufstellte, die Atlanter hätten Lloigor genannte Götter verehrt (die angeblich auch heute noch existierten) – extrasolare, aus höher entwickelten Galaxien stammende Besucher unserer Erde. Leider führte jeder Hinweis im Fall Marsh in eine Sackgasse, und Danny fand niemals heraus, was dem exzentrischen Professor wirklich zugestoßen war …

«Die eine Spur, die mich am meisten verwirrte», berichtet Danny unserem Interviewer, «waren die Fnords. Was zum Teufel sind Fnords? Aber genau an jenem Tag vor seinem Verschwinden hörten mehrere Zeugen Professor Marsh in der Miskatonic-Bibliothek wie zu sich selbst sagen: ‹Ich habe die Fnords gesehen›; und das wiederholte er ein paarmal. Ich muss Sie nun fragen, was kann ein armer Bulle wie ich mit solch einem Hinweis schon anfangen? Es ist einfach traurig.»

Ein Besuch in der New Yorker Stadtbibliothek und ein Durchblättern mehrerer Werke über Okkultismus geben Danny immerhin die Information, dass viele Überlieferungen die Illuminaten auf Atlantis oder sogar interstellare Quellen zurückverfolgen.

Als George in seinem riesigen Bett aufwacht, stellt er fest, dass Tarantella ihn verlassen hat. Aber wie kam Mavis hierher? Indem er auf seine alten Hände blickt, beginnt er zu schluchzen: «Du hast gewonnen. Ich bin nicht länger sicher, wer ich bin, noch in welcher Richtung sich die Zeit bewegt …»

«Nein», sagt Mavis, «du hast gewonnen, Saul. Endlich wachst du mal auf.»

«Du glaubst, ich sei Saul Goodman, aber ich bin auch alle anderen …»

«Wer stellt diese Frage?», antwortet Mavis wie eine Zen-Meisterin.

Doch als Fission Chips in seine Hotelsuite zurückkehrt, findet er Concepción Galore, die Kehle von einem Ohr zum anderen durchgeschnitten, in seinem Bett und neben ihr den Flammendolch des Hassan i Sabbah. «Scheiße, Blitz und Donnerschlag», flucht 00005. «Das geht entschieden zu weit. Jedes Mal, wenn ich was Gutes zum Bumsen gefunden habe, kommen diese Säue von BUGGERs und stechen’s mir ab!»

Und das Weiße Haus hat den entscheidenden Befehl ausgegeben: SAC-Bomber sind in Richtung Fernando Poo unterwegs und der dritte Weltkrieg …

(Anschwellende Orgelmusik.)

Kann der dritte Weltkrieg noch abgewendet werden? Wird Carmel die ganze Welt mit Anthrax Leprosy Pi anstecken? Was sind eigentlich Hagbards wirkliche Absichten? Wer sind die Illuminaten, und was sind ihre Absichten? Fahren Sie fort mit der nächsten psychotischen Episode …

Drittes BuchUnordnung

Glaubet nicht ein Wort von dem, was in The Honest Book of Truth von Lord Omar geschrieben steht, noch eins aus Principia Discordia von Malaclypse dem Jüngeren; denn alles, was darin enthalten ist, gehört zu den verderblichsten und trügerischsten Wahrheiten.

«Epistle to the Episkopi», The Dishonest Book of Lies, von Mordecai Malignatus, K.N.S.

Der sechste Trip oder Tipareth

Der Mann, der Gott ermordete

Ordnung der Unordnung vorzuziehen, oder Unordnung der Ordnung, heißt, einen Trip zu akzeptieren, der aus beidem, dem Kreativen und dem Destruktiven, zusammengesetzt ist. Aber das Kreative dem Destruktiven vorzuziehen ist ein vollständig kreativer Trip, der aus beidem, der Ordnung und der Unordnung, zusammengesetzt ist.

«Der Fluch des Graugesichts und die Einführung des Negativismus», Principia Discordia von Malaclypse dem Jüngeren, K.S.C.

Für John Dillinger begann der 25. April mit einem raschen Überfliegen der New York Times; er entdeckte mehr Fnords als gewöhnlich. «Die Suppe ist am Überkochen», dachte er grimmig und schaltete die Acht-Uhr-Nachrichten ein, aus denen er gerade die Vorgänge in Drakes Haus erfuhr; ein weiteres schlechtes Zeichen. In den Spielsalons von Las Vegas, in denen niemals das Licht verlöscht, bemerkte keiner der Spieler, dass es inzwischen wieder Morgen geworden war; doch Carmel, der gerade aus der Wüste zurückkehrte, wo er Sherri Brandi verscharrt hatte, machte mit seinem Wagen einen kleinen Umweg zu Dr. Charles Mocenigos Haus, in der Hoffnung, irgendwas Nützliches zu sehen oder zu hören; doch vernahm er nichts weiter als den Schuss aus einem Revolver und raste mit Vollgas davon. Indem er sich umsah, erblickte er Flammen gen Himmel steigen. Und mitten über dem Atlantik warf R. Buckminster Fuller einen Blick auf seine drei Armbanduhren und stellte fest, dass es hier zwei Uhr morgens war, an seinem Bestimmungsort (Nairobi) Mitternacht und daheim, in Carbondale, Illinois, sechs Uhr morgens. (In Nairobi machte Nkrumah Fubar, der Hersteller jener Voodoo-Puppen, die dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Kopfschmerzen bereiteten, Anstalten, zu Bett zu gehen; er war schon jetzt auf den Vortrag gespannt, den Mister Fuller am nächsten Morgen an der Universität halten sollte. Mister Fubar sah in seiner hochgestochen-primitiven Art, wie Simon Moon in seiner primitiv-hochgestochenen Art, keinen Konflikt zwischen Magie und Mathematik.)

In Washington, D.C., schlug es fünf, als Ben Volpes gestohlener Volkswagen vor dem Haus Senator Edward Coke Bacons vorfuhr. Bacon war einer der herausragendsten Liberalen im ganzen Land und die Hoffnung all jener jungen Leute, die sich noch keiner der Morituri-Gruppen angeschlossen hatten. «Blitzschnell rein und blitzschnell raus», sagte Ben Volpe kurz und bündig zu seinen Begleitern, «ein Cowboyjob.» Senator Bacon wälzte sich in seinem Bett hin und her (Albert «der Lehrer» Stern feuert direkt auf den Dutchman) und murmelte: «Newark.» Seine Frau erwachte neben ihm und hörte Geräusche aus dem Garten (Mama Mama Mama, murmelte der Dutchman): «Mama», hört sie die Stimme ihres Sohnes, indem sie zurücksinkt in einen Traum. Der Kugelregen rüttelt sie wach; sie schwimmt in einem Meer von Blut, und in einem einzigen Flash sieht sie ihren sterbenden Ehemann, ihren Sohn, wie er, zwanzig Jahre vorher, eine tote Taube beweint, die Gesichter von Mendy Weiss und Ben Volpe, wie sie mit zwei weiteren aus dem Zimmer stürzen.

1936 aber, als Robert Putney Drake aus Europa zurückkehrte, um den Posten des Vize-Präsidenten in der Bank seines Vaters in Boston anzutreten, wusste die Polizei bereits, dass nicht Albert der Lehrer den Dutchman erschossen hatte. Es gab sogar ein paar wenige, wie etwa Elliot Ness, die wussten, dass der Befehl von Mister Lucky Luciano und Mister Alphonse «Narbengesicht» Capone (mit Wohnsitz in der Strafanstalt von Atlanta) gekommen und von Federico Maldonado übermittelt worden war. Niemand außerhalb des Syndikats selbst konnte jedoch Jimmy the Shrew, Charley the Bug und Mendy Weiss namentlich als die eigentlichen Killer benennen – niemand außer Robert Putney Drake.

Am 1. April 1936 läutete bei Federico Maldonado das Telefon, und als er den Hörer abnahm, sagte eine kultivierte Bostoner Stimme in plauderndem Tonfall: «Mutter ist der beste Tipp. Lasst euch nicht zu schnell vom Satan fesseln.» Diesen Sätzen folgte ein sofortiges Klicken, als der Anrufer einhängte.

Maldonado ging das den ganzen Tag über durch den Kopf, und am selben Abend sprach er schließlich davon zu einem engen Freund. «Ruft mich doch heute irgend so ein Blödmann an und zitiert aus dem, was der Dutchman den Bullen erzählte, bevor er starb. Das Tollste daran ist: Er zitiert aus den Stellen, die uns alle reinziehen könnten, würden die Bullen oder das FBI das kapieren.»

«So geht es halt mit einigen dieser Idioten», entgegnete der andere Mafioso Don, ein eleganter, älterer Gentleman, der einem der Falken Friedrich II. ähnlich sieht. «Die sind wie die Zigeuner, Telepathie, weißt du? Aber weil sie Idioten sind, kriegen sie alles nur zerhackt mit.»

«Ja, ich denke, so wird’s sein», pflichtete Maldonado ihm bei. Er hatte einen Onkel, der durchgedreht war und der manchmal ein Geheimnis der Bruderschaft ausplauderte, von dem er an sich gar keine Ahnung haben konnte; und das mitten im Geschwätz über Priester, die es mit Messknaben trieben, oder Mussolini, der sich auf einer Feuerleiter versteckte, und ähnlichem Blödsinn mehr. «Sie schalten sich ein … wie das Auge, hey?» Und er begann zu lachen.

Aber am nächsten Morgen läutete das Telefon wieder, und dieselbe Stimme sagte in sorgfältigstem New-England-Tonfall: «Diese dreckigen Ratten haben sich eingeschaltet. Französischkanadische Bohnensuppe.» Maldonado brach der kalte Schweiß aus; und das war genau der Augenblick, in dem er beschloss, dass sein Sohn, der Priester, jeden Sonntag eine Messe für den Dutchman abhalten sollte.

Den ganzen Tag lang dachte er darüber nach. Boston – zweifellos der Akzent von Boston. Früher hatte es dort oben einmal Hexen gegeben. Französisch-kanadische Bohnensuppe. Jesus Christus, Harvard liegt genau bei Boston, und Hoover wirbt seine Leute für das FBI in der Fakultät für Rechtswissenschaften in Harvard an. Gab es etwa Rechtsanwälte, die ebenfalls Hexer waren? Cowboyd diesen Hurensohn, sagte ich ihnen, und sie fanden ihn auf der Herrentoilette. Dieser verdammte Dutchman. ’ne Kugel im Bauch und lebt noch lange genug, alles über das Segreto herzuplappern. Diese gottverdammten Tedeschi …

An jenem Abend speiste Robert Putney Drake Newburg-Hummer mit einer jungen Dame aus einem weniger bekannten Zweig des Hauses Morgan. Anschließend führte er sie aus, Tobacco Road zu sehen, und im Taxi auf der Rückfahrt zu seinem Hotel unterhielten sie sich angeregt über die Leiden der Armen und die großartige Leistung der Verkörperung des Jeeter durch Henry Hull. Dann nahm er sie mit auf sein Zimmer und fickte sie durch bis zum Frühstück. Morgens um zehn, nachdem sie gegangen war, kam er splitternackt aus dem Bad, 33 Jahre alt, reich, gut aussehend und sich wie ein gesundes und glückliches Raubtier fühlend. Er blickte auf seinen Penis herab, dachte an Schlangen, die er im Meskalinrausch in Zürich gesehen hatte, und zog einen Morgenmantel über, der so viel gekostet hatte, dass er eine der Hunger leidenden Familien in den nahe liegenden Slums sechs Monate lang hätte ernähren können. Er zündete eine fette kubanische Zigarre an und ließ sich neben dem Telefon nieder, ein maskulines Säugetier, räuberisch, glücklich. Er begann eine Nummer zu wählen, lauschte dem Klicken, dem dot und dem dot und dem dot-dot, und erinnerte sich währenddessen des Parfüms, das seine Mutter eines Nachts, als sie sich über seine Wiege gebeugt, benutzt hatte; das war jetzt 32 Jahre her; er erinnerte sich des Geruchs ihrer Brüste und der Zeit, während der er sich im Boston Common experimentell mit Homosexualität beschäftigt hatte, zusammen mit jenem blassen Strichjungen, der vor ihm in der Toilette hingekniet war, mit all dem Gestank von Urin und Desinfektionsmitteln drum herum, und das Gekritzel ELEANORROOSEVELT LUTSCHT an der Tür, und der momentanen Eingebung seiner Phantasie, dass es nicht ein Strichjunge war, der da in der Kirche vor seinem heißen Steifen kniete, sondern die Frau des Präsidenten … «ja?», sagte die angespannte, ärgerliche Stimme von Banana Nose Maldonado.

«Als ich in die Toilette kam, kam der Junge auf mich zu», sagte Drake gedehnt, von einer leichten Erektion, warm und wie Gummi, begleitet. «Was passierte mit den anderen sechzehn?» Schnell hängte er ein. («Die Analyse ist äußerst brillant», hatte Professor Tochus von der Harvard-Universität zu seiner Arbeit über Dutch Schultz gesagt. «Besonders gut gefällt mir, wie Sie beide, Freud und Adler, kombinieren, indem Sie Sexual- und Machttrieb an manchen Stellen im gleichen Bild finden. Das finde ich sehr originell.» Drake lachte und sagte: «Der Marquis de Sade kam mir um anderthalb Jahrhunderte zuvor, fürchte ich. Macht – und Besitz – sind sexuell … für manche Männer.»)

Drakes Scharfsinn war bereits Jungs Zirkel in Zürich aufgefallen. Einmal, während Drake sich mit Paul Klee und ein paar anderen Freunden irgendwo anders auf einem Meskalintrip – den sie ihre Reise in den Osten nannten – befanden, war Drake Gegenstand eines langen und verwirrenden Gesprächs in Jungs Arbeitszimmer gewesen. «Seinesgleichen haben wir nicht gesehen, seit Joyce hier war», sagte eine anwesende Psychiaterin. «Er ist brillant, ja», sagte Jung betrübt, «aber böse. So böse, dass ich beim Versuch, ihn zu verstehen, verzweifle. Ich frage mich sogar, was der alte Freud denken würde. Dieser Mann will nicht seinen Vater umbringen und nicht seine Mutter besitzen; er will Gott umbringen und den Kosmos besitzen.»

Am dritten Morgen erreichten Maldonado zwei Telefonanrufe. Der erste kam von Louis Lepke und war ungehobelt vehement: «Was gibt’s, Banana Nose?» Die Beleidigung, die in dem Gebrauch des verbotenen Spitznamens in privaten Gesprächen bestand, war wohlerwogen und fast unverzeihbar, aber Maldonado verzieh.

«Du hast meine Jungs ausgemacht, die dich beschatten, hm?», fragte er.

«Ich habe deine Soldaten ausgemacht», Lepke betonte dieses Wort, «und das heißt nichts anderes, als dass du wolltest, dass ich sie bemerke. Was gibt’s? Du weißt, wenn’s mich erwischt, erwischt’s dich.»

«Es wird dich nicht erwischen, caro mio», erwiderte Don Federico, noch immer herzlich. «Ich hatte so eine verrückte Idee über irgendwas, das von drinnen kommen könnte, dachte ich, und du bist der Einzige, der genug weiß, es zu tun, dachte ich. Ich habe mich geirrt. Kann ich von deiner Stimme ablesen. Und hätte ich Recht gehabt, hättest du mich nicht angerufen. Bitte tausendmal um Entschuldigung. Niemand wird dich weiter beschatten. Außer vielleicht Tom Deweys Beamte, hm?», lachte er.

«Okay», sagte Lepke langsam, «ruf sie zurück und ich werd’s vergessen. Aber versuch nicht noch einmal, mir Angst einzujagen. Ich bin zu den verrücktesten Sachen fähig, wenn ich Angst habe.»

«Nie wieder», versprach Maldonado.

Stirnrunzelnd blieb er neben dem Telefon sitzen, nachdem Lepke aufgelegt hatte. Jetzt stehe ich in seiner Schuld, dachte er. Ich muss mir irgendetwas ausdenken, wie ich jemanden beseitigen kann, der ihn belästigt, um mich aufs höflichste zu entschuldigen.

Aber, heilige Jungfrau, wenn’s nicht der Butcher ist, wer sollte es sonst sein? Eine richtige Hexe?

Wieder läutete das Telefon. Indem er sich bekreuzigte und still die Jungfrau anrief, nahm Maldonado den Hörer ab.

«Lass ihn sich selbst für dich einspannen und dich dann belästigen», zitierte Robert Putney Drake selbstzufrieden, «Spaß bleibt Spaß.» Er legte nicht auf.

«Hören Sie», sagte Don Federico, «wer spricht dort?»

«Dutch starb dreimal», sagte Drake mit Grabesstimme. «Als Mendy Weiss ihn erschoss, als Vince Colls Geist ihn erschoss und als dieser dumme Junkie, der Lehrer, ihn erschoss. Aber Dillinger starb nicht ein einziges Mal.»

«Mister, Sie haben gewonnen», sagte Maldonado. «Ich bin verkauft. Ich bin bereit, Sie überall zu treffen. Am helllichten Tag. Im Central Park. Überall, wo Sie sich sicher fühlen.»

«Nein, jetzt werden Sie mich noch nicht kennen lernen», sagte Drake kühl. «Vorher werden Sie sich mit Mister Lepke und Mister Capone besprechen. Auch werden Sie sich mit … unterhalten», und er las von einer Liste in seiner Hand fünfzehn Namen ab. «Danach, wenn Sie alle genügend Zeit gehabt haben werden, es in Erwägung zu ziehen, werden Sie von mir hören.» Drake furzte, wie immer in Momenten nervöser Spannung, dann, wenn etwas Wichtiges ausgehandelt werden musste, und legte rasch auf.

Nun, sagte er bei sich, Versicherung.

Eine Kopie seiner zweiten Analyse der letzten Worte von Dutch Schultz – die private, nicht die offizielle Version, die er an die Abteilung Psychologie der Harvard-Universität eingereicht hatte – lag vor ihm auf dem Tisch seines Hotelzimmers. Er faltete sie sorgfältig zusammen und befestigte obendrauf einen kleinen Zettel, auf dem stand: «Es gibt fünf Exemplare davon in den Panzerschränken fünf verschiedener Banken.» Dann schob er sie in einen Umschlag, adressierte ihn an Luciano und schlenderte aus seinem Zimmer, um ihn in den Hotelbriefkasten zu werfen.

Als er in sein Zimmer zurückkehrte, wählte er die Nummer Louis Lepkes, geborener Louis Buchalter, von jener Organisation, die von der Sensationspresse später Murder Inc. genannt werden sollte. Als Lepke abhob, rezitierte Drake mit ernster Stimme, immer noch aus den Worten des Dutchman: «Ich kriege einen Monat. Sie taten es. Los, Illuminaten.»

«Wer zum Teufel ist das?», kreischte Lepkes Stimme, als Drake vorsichtig den Hörer auf die Gabel legte. Wenige Augenblicke später bezahlte er das Hotelzimmer und nahm den Mittagsflug nach Hause und verbrachte fünf Zwanzigstundentage damit, die Bank seines Vaters zu reorganisieren und zu frisieren. Am fünften Abend relaxte er dann und führte eine junge Dame der Lodge-Familie zum Tanz aus. Ted Weems Orchester spielte, und sie hörten zum ersten Mal deren neuen, jungen Vokalisten Perry Como. Anschließend fickte er sie die Tonleiter rauf und runter. Am nächsten Morgen zog er ein kleines Büchlein aus der Tasche, in das er die reichsten Familien Amerikas in alphabetischer Reihenfolge eingetragen hatte, trug ihren Vornamen unter Lodge ein und strich ihn mit einem Häkchen ab; genau so, wie er es die Woche zuvor mit Morgan getan hatte. Die Nächste würde eine Rockefeller sein.

Mit dem Mittagsflug kam er in New York an und verbrachte den Rest des Tages damit, mit Beamten des Morgan Trusts zu verhandeln. Am selben Abend sah er eine Schlange von Bedürftigen, die um Nahrungsmittel anstanden; dies wühlte ihn innerlich auf. Zurück im Hotel, machte er eine seiner seltenen, fast unheimlichen Tagebucheintragungen:

Die Revolution könnte jeden Augenblick beginnen. Wäre Huey Long letztes Jahr nicht erschossen worden, hätten wir sie wahrscheinlich schon. Hätte Capone den Dutchman Dewey umlegen lassen, wäre das Justizministerium infolge der Reaktion jetzt stark genug, die Sicherheit des Staates zu garantieren. Wenn Roosevelt es nicht fertig bringt, uns, wenn es losgeht, in den Krieg zu manövrieren, wird alles vergebens sein. Und der Krieg mag noch drei oder vier Jahre von uns entfernt liegen. Könnten wir Dillinger zurückbringen, könnte die Reaktion Hoover und die Justiz festigen, doch John scheint auf der anderen Seite zu stehen. Mein Plan mag die letzte Chance bieten, und die Illuminaten haben bisher noch keinen Kontakt zu mir aufgenommen, obwohl sie sich eingeschaltet haben müssen. Oh, Weishaupt, welch eine Brut von Sumpfköpfen versucht, dein Werk fortzusetzen.

Nervös riss er die Seite heraus, furzte und zerknüllte sie, um sie langsam im Aschenbecher zu verbrennen. Immer noch aufgeregt, wählte er anschließend die Telefonnummer von Mister Charles Luciano und sagte mit leiser Stimme: «Ich kann ganz schön was vertragen, Winifred. Justizministerium. Ich hab’s sogar vom Ministerium erfahren.»

«Legen Sie nicht auf», sagte Luciano leise. «Wir haben darauf gewartet, von Ihnen zu hören. Sind Sie noch da?»

«Ja», sagte Drake vorsichtig mit zusammengepressten Lippen und einem noch fester zusammengepressten Schließmuskel.

«Okay», sagte Mister Lucky. « Sie wissen Bescheid über die Illuminaten. Sie wissen, was der Dutchman der Polizei zu verstehen zu geben versuchte. Sie scheinen ebenfalls über die Liberteri und Johnnie Dillinger Bescheid zu wissen. Wie viel fordern Sie?»

«Alles», erwiderte Drake. «Und Sie alle werden es mir anbieten. Aber noch nicht jetzt. Nicht heute Nacht.» Und damit legte er auf.

(Das Rad der Zeit, wie die Mayas es kannten, dreht sich auf dreifache Weise; wie die Erde sich um ihre eigene Achse dreht, wie sie gleichzeitig als Planet um die Sonne kreist und zur «gleichen» Zeit hinter der Sonne herzieht, während dieser Stern wiederum den Rand der Galaxie überschreitet, so dreht sich auch das Rad der Zeit, das ein Rad von wenns ist. Wieder einmal ist es [gerade als Drakes Telefon abklickt] zu Gruad dem Graugesicht herumgekommen, der gerade den Weg eines Kometen berechnet und seinen Gefolgsleuten erzählt: «Seht ihr? Selbst die Himmelskörper sind Gesetzen unterworfen, selbst die Lloigor, warum sollten da nicht auch die Erdenbürger Gesetzen unterworfen sein?» Und in einem kleineren Zyklus hört Semper Cuni Linctus, Söldner, in einem gottverlassenen Außenposten des Reiches stationiert, gelangweilt einem Untergebenen zu, der ihm völlig außer sich berichtet: «Dieser Kerl, den wir letzten Freitag gekreuzigt haben … die Leute in der ganzen Stadt schwören, dass sie ihn haben herumlaufen sehen. Einer behauptet sogar, er habe ihm seine Hand in die Seite gesteckt!» Semper Cuni Linctus lächelt zynisch: «Erzähl das den Gladiatoren», sagt er. Und Albert Stern dreht den Gashahn auf, setzt sich eine letzte Fix und stirbt, voller Morphium und Euphorie, im Bewusstsein, dass er immer als der Mann in Erinnerung bleiben wird, der Dutch Schultz erschoss, ohne zu wissen, dass Abe Reles die Wahrheit fünf Jahre später ans Tageslicht fördern wird.) Camp-town racetrack five miles long …

Während Joes zweitem Trip an Bord der Leif Erikson machten sie den ganzen langen Weg bis nach Afrika, wo Hagbard eine wichtige Konferenz mit fünf Gorillas hatte. Jedenfalls sagte er hinterher, dass sie wichtig gewesen sei; Joe konnte das nicht beurteilen, da die Unterhaltung auf Suaheli geführt wurde. «Sie sprechen ein wenig Englisch», erklärte Hagbard zurück an Bord, «aber ich ziehe Suaheli vor, da sie darin gewandter sind und besser nuancieren können.»

«Bist du der erste Mensch, der einen Affen das Sprechen lehrt», fragte Joe, «neben all deinen anderen Fertigkeiten?»

«Oh, nein», sagte Hagbard bescheiden. «Das ist ein altes Geheimnis der Diskordier. Der erste Mensch, der mit einem Gorilla kommunizierte, war ein erisischer Missionar namens Malaclypse der Ältere, der in Athen geboren und später ins Exil geschickt wurde, weil er sich der Auflage der Vorherrschaft des Mannes widersetzte, als die Athener das Patriarchat einführten und ihre Frauen einsperrten. Also machte er sich auf die Wanderschaft durch die ganze alte Welt, lernte allerlei Geheimnisse und hinterließ eine unschätzbare Sammlung der aufregendsten Legenden; er ist der Phönix Madman in den Schriften des Konfuzius; auch brachte er es fertig, als Krishna durchzugehen und aus der Bhagavadgita, aus jener prachtvollen Bibel revolutionärer Ethik vor Arjuna, in Indien, zu rezitieren. Das neben anderen großen Taten. Ich glaube, du hast ihn in Chicago getroffen, als er vorgab, der christliche Teufel zu sein.»

«Aber wie habt ihr Diskordier es fertig gebracht, die Tatsache, dass Gorillas sprechen können, zu verheimlichen?»

«Wir sind eher schweigsam, könnte man sagen, und wenn wir schon mal reden, dann gewöhnlich, um jemanden hereinzulegen oder ihn ausflippen zu lassen …»

«Das habe ich schon mitgekriegt», sagte Joe.

«Und die Gorillas selbst sind zu gescheit, zu irgendjemand anderem als zu anderen Anarchisten zu sprechen. Weißt du, sie sind alle selbst Anarchisten, und sie lassen den Menschen gegenüber im Allgemeinen, und Regierungsleuten im Besonderen, eine gesunde Vorsicht walten. So sagte mir einmal einer: ‹Würde es einmal durchsickern, dass wir sprechen können, würden die Konservativen die meisten von uns ausrotten und die Überlebenden Pacht zahlen lassen, um auf ihrem eigenen Land zu leben; und die Liberalen würden versuchen, uns zu Fließbandarbeitern zu machen. Wer zum Teufel will aber schon am Fließband stehen?› Sie ziehen ihre eigene, pastorale und eristische Art zu leben vor, und ich selbst würde sie nie daran hindern. Doch kommunizieren wir mit ihnen, genau wie wir mit Delphinen kommunizieren. Beide Arten sind intelligent genug, zu realisieren, dass es für sie, als Teil der Biosphäre unserer Erde, von eigenem Interesse ist, jener Hand voll menschlicher Anarchisten zu helfen, die den Aderlass und das Schlachten unserer aneristischen Herrscher und des aneristischen Mobs zu stoppen oder wenigstens einzuschränken versuchen.»

«Manchmal verwirren mich deine theologischen – oder waren es psychologische? – Redewendungen immer noch. Die aneristischen Kräfte, vor allem die Illuminaten, sind Struktur-Freaks: Sie wollen ihr Ordnungskonzept jedem anderen auferlegen. Noch mehr verwirren mich die Unterschiede zwischen den Erisiern, den Eristikern und den Diskordiern. Von den JAMs ganz zu schweigen.»

«Das Eristische ist der Gegensatz zum Aneristischen», erklärte Hagbard voller Geduld, «und deshalb miteinander identisch. Erinnere dich des Hodge-Podge. Autoren wie De Sade, Max Stirner und Nietzsche sind Eristiker; ebenso die Gorillas. Sie repräsentieren die totale Vorherrschaft des Individuums, die totale Negation der Gruppe. Das bedeutet nicht unbedingt den Krieg aller gegen alle, wie die aneristischen Philosophen es sehen, in Stress-Situationen kann es aber dahingehend ausarten. Meistens bleibt es aber ziemlich friedlich, wie unsere behaarten Freunde in den Bäumen dort drüben beweisen. Die erisische Position ist eine gemäßigte; sie erkennt an, dass die aneristischen Kräfte auch einen Teil des Weltdramas darstellen und niemals völlig abgeschafft werden können. Wir betonen das Eristische bloß als Balance, weil die menschliche Gesellschaft das ganze Fische-Zeitalter hindurch in grotesker Weise zum Aneristischen gekippt ist. Wir Diskordier sind die Aktivisten innerhalb der eristischen Bewegung; wir unternehmen etwas. Die reinen Erisier arbeiten mit mehr mystischen Methoden, und das in Übereinstimmung mit dem taoistischen Prinzip des wu-wei – effektiv nichts zu tun. Die JAMs bilden den linken Flügel, sie hätten Aneristiker werden können, hätte es nicht außergewöhnliche Umstände gegeben, die sie in eine liberale Richtung drängten. Aber sie haben mit ihren typischen, linken Hasstrips alles vermasselt. Sie haben die Gita nicht begriffen: die Kunst, mit Liebe im Herzen zu kämpfen.»

«Seltsam», sagte Joe. «Dr. Iggy, im San Francisco JAM-Geheimbund, hat es mir ganz anders erklärt.»

«Was hast du denn erwartet?», erwiderte Hagbard. «Keine zwei, die wissen, wissen in ihrem Wissen dasselbe. Warum hast du mir übrigens nicht gesagt, dass du vom ersten Augenblick an sicher warst, jene Gorillas seien ganz normale, in Gorillafelle gesteckte Männer gewesen?»

«Ich werde halt leichtgläubiger», sagte Joe.

«Zu dumm», erwiderte Hagbard traurig. «Sie waren nämlich wirklich Männer in Gorilla-Anzügen. Ich habe nur einmal getestet, wie einfach du an der Nase herumzuführen bist, und du bist drauf reingefallen.»

«Moment mal. Sie rochen aber wie Gorillas. Das war nicht gestellt. Jetzt schmierst du mich an.»

«Stimmt», nickte Hagbard. «Ich wollte nur sehen, ob du deinen eigenen Sinnen vertraust oder dem, was ein von der Natur hervorgebrachter Führer und Guru wie ich zu sagen hat. Du hast deinen eigenen Sinnen vertraut und bestanden. Wenn ich jemanden an der Nase herumführe, so ist das kein bloßer Schabernack, mein Freund. Das Schwierigste für einen Mann mit Macht-Genen und Piratenblut in den Adern wie mich ist, zu vermeiden, dass er zu einer gottverdammten Autoritätsperson wird. Ich brauche allen Feedback und alle Information, die ich kriegen kann – von Männern, Frauen, Kindern, Gorillas, Delphinen, Computern, von jeder Entität mit Bewusstsein –, aber niemand widerspricht einer Autorität, weißt du. Kommunikation ist nur unter Gleichen möglich: So lautet das erste Theorem der Sozialkybernetik – das ist das ganze Geheimnis des Anarchismus –, und ich muss mich ständig der Abhängigkeit von Leuten mir gegenüber erwehren, oder ich werde eines Tages so ein fucking Big Daddy und erhalte überhaupt keine akkurate Information mehr. Würden die schweinsköpfigen Illuminaten und ihre aneristischen Imitatoren in den Regierungen, Industriegesellschaften, Universitäten und Armeen dieser Welt dieses einfache Prinzip verstehen, würden sie unter Umständen eines Tages herausfinden, was eigentlich vor sich geht, und endlich einmal aufhören, jedes Projekt, das sie beginnen, sofort zu versauen. Ich bin Hagbard Celine, ein freier Mann, und ich bin für niemanden der Scheißführer. Sobald du wirklich begreifst, dass ich dir gleichgestellt bin und dass meine Exkremente genauso stinken wie die deinen und dass ich genau wie du alle paar Tage eine gute Nummer schieben muss, weil ich sonst knatschig werde; dass ich dumme Entscheidungen treffe und dass es Einen gibt, der vertrauenswürdiger als alle Buddhas und Weisen zusammen ist, dass du Ihn aber für dich selber finden musst, dann erst wirst du verstehen können, was es mit der Legion des Dynamischen Diskord auf sich hat.»

«Einen, der vertrauenswürdiger als alle Buddhas und Weisen zusammen …?», wiederholte Joe und fand sich selbst in tiefer Konfusion wieder, nachdem er nur Sekunden vorher so nahe beim völligen Verständnis angelangt war.

«Um Licht zu empfangen, musst du aufnahmefähig sein», sagte Hagbard schroff. «Und da beschäftige dich mal ganz allein mit. In der Zwischenzeit nimm dieses mal mit zurück nach New York und kau ein wenig darauf rum.» Und er überreichte Joe ein Buch mit dem Titel Pfeif Nicht, Wenn Du Pisst: Eine Anleitung zur Selbstbefreiung, von Hagbard Celine, H.M., S.H.

In den drauffolgenden Wochen las Joe das Buch aufmerksam durch – unterdessen ging Pat Walsh von der Confrontation-Nachforschungsabteilung alle Behauptungen und Angaben zu den Illuminaten durch, die Joe von Hagbard, Simon, Dillinger und Dr. Ignotius aufgeschnappt hatte – doch auch wenn das Buch stellenweise brillant geschrieben war, vieles war obskur, und er fand keinen Schlüssel zu dem Einen, Vertrauenswürdigeren als alle Buddhas. Eines Nachts dann, high auf Alamout-Black-Haschisch, begann er mit erweitertem und intensiviertem Bewusstsein an dem Buch zu arbeiten. Malaclypse der Ältere? Nein, er war zwar weise und in übermütiger Weise irgendwie wohlwollend, gewiss aber nicht sehr vertrauenswürdig. Simon? Trotz seiner Jugend und Trotteligkeit entwickelte er Momente einer unglaublichen Wahrnehmungsfähigkeit, aber er war mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit längst nicht so erleuchtet wie Hagbard. Dillinger? Dr. Ignotius? Der geheimnisumwobene Malaclypse der Jüngere, der spurlos verschwunden war und nur jenes unergründliche Principia Discordia hinterlassen hatte?

Jesus Christus! schoss es Joe durch den Sinn, welch ein maskuliner Chauvinist ich doch bin! Wieso bin ich eigentlich nicht auf Stella gekommen? Der alte Witz kam ihm wieder ins Gedächtnis … «Hast du Gott gesehen?»

«Ja, und sie ist schwarz.» Natürlich. Hatte Stella nicht über seine Initiation gewacht, damals in Dr. Iggys Kapelle? Hatte Hagbard nicht gesagt, sie würde auch über Georges Initiation wachen, wenn George bereit sein würde? Natürlich.

Joe erinnerte sich immer wieder jenes Augenblicks der Ekstase und Gewissheit: Es lehrte ihn eine ganze Menge über den Gebrauch und Missbrauch von Drogen und warum die Illuminaten fehlgingen. Denn das Unbewusste, das ständig versucht, einen guten Zahn in eine Mutterfigur zu verwandeln, hatte die Einsicht, die sein Überbewusstsein ihm vermittelt hatte, fast infiziert. Es war nur wenige Monate später, unmittelbar vor Ausbruch der Fernando-Poo-Krise, dass er, über alle Zweifel erhaben, den Einen, Vertrauenswürdigeren als alle Buddhas und alle Weisen entdeckte.

Do-da, do-da, do-da-do-da-DAY …

(Und noch in derselben Nacht, da Semper Cuni Linctus seinen Subalternen schalt, weil er den Aberglauben der Eingeborenen ernst nahm, kam er an einem Olivenhain vorbei und sah die Siebzehn … und mit ihnen war der Achtzehnte, derjenige, den sie am Freitag zuvor gekreuzigt hatten. Magna Mater, fluchte er, indem er sich näher heranschlich, bin ich dabei, meinen Verstand zu verlieren?