11,99 €
Vertraue niemandem. Nicht ihm. Nicht dir selbst. Und niemals der Liebe! »Illusion – A Lie Worth Believing« ist der erste Band einer New-Adult-Suspense-Dilogie über eine atemraubende Show in Las Vegas, unglaubliche Illusionen, dunkle Geheimnisse und gefährliche Liebe. Für die junge Sängerin Stella wird ein Traum wahr, als sie zur »Show Illusion« nach Las Vegas eingeladen wird. Die legendäre Performance in Las Vegas ist berühmt dafür, ihr Publikum an echte Magie glauben zu lassen. Ein Auftritt dort ist für Stella DIE Chance, ihre Karriere auf ein neues Level zu heben. Doch trickreiche Illusionen und undurchschaubare Geheimnisse stecken nicht nur hinter den atemraubenden Darbietungen auf der Bühne: Stellas Vorgängerin Fia ist nach einem mysteriösen Unfall verschwunden. Und Levin, der Kopf und Illusionist der Show, ist ebenso charmant wie undurchsichtig. Bald erkennt Stella, dass nichts in der Show dem Zufall überlassen ist. Jeder Schritt scheint Teil eines Plans zu sein, und Stella ahnt: Auch ihre Rolle ist längst vorbestimmt. Doch wie kann sie sich sicher sein, was real ist und was nur Illusion? Stella muss bald feststellen, dass sie niemandem vertrauen kann. Und schon gar nicht darf sie sich verlieben. Denn Liebe ist die größte Illusion … New Adult Suspense in einer Show-Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Täuschung verschwimmen Lass dich von SPIEGEL-Bestseller-Autorin Janine Ukena ins glitzernde Las Vegas und hinter die Kulissen einer ganz besonderen Illusionsshow entführen. Ein fesselnder Mix aus Romance und Suspense mit diesen Tropes erwartet dich: - Haters to Lovers - Morally Grey Characters - »Who did this to you?« - Geheimnisse und Illusionen - »I could ruin you.« – »Then do it.« Die Dilogie wird mit dem zweiten Band »Illusion – A Truth Worth Doubting« fortgeführt. Entdecke auch die romantische Sylt-Suspense-Trilogie von Janine Ukena: - Vor uns das Rauschen des Meeres - Zwischen uns das Flüstern der Wellen - Über uns das Tosen des Sturms
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 495
Veröffentlichungsjahr: 2026
Janine Ukena
A Lie Worth Believing
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Die Liebe ist die größte Illusion – erkennst du sie, bevor es zu spät ist?
Für die junge Sängerin Stella wird ein Traum wahr, als sie bei der legendären »Show Illusion« in Las Vegas engagiert wird. Allerdings muss sie schnell feststellen, dass trickreiche Illusionen und undurchschaubare Geheimnisse nicht nur hinter den scheinbar magischen Darbietungen auf der Bühne stecken: Stellas Vorgängerin Fia ist nach einem mysteriösen Unfall verschwunden. Und Levin, der Kopf und Illusionist der Show, ist ebenso charmant wie undurchsichtig. Während Stella herauszufinden versucht, was mit Fia geschehen ist, fühlt sie sich immer stärker zu Levin hingezogen. Damit bricht sie die wichtigste Regel: Vertraue niemandem – und vor allem: Verliebe dich nicht! Denn Liebe ist die größte Illusion …
Fesselnder Mix aus Romance und Suspense in der verheißungsvollen Welt von Las Vegas
Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de
Widmung
Motto
Playlist
Prolog
Zeitungsartikel
1. Kapitel
Kartenhaus
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Zeitungsartikel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
37. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
44. Kapitel
45. Kapitel
46. Kapitel
47. Kapitel
48. Kapitel
Zeitungsartikel
49. Kapitel
Zeitungsartikel
50. Kapitel
51. Kapitel
52. Kapitel
53. Kapitel
54. Kapitel
55. Kapitel
56. Kapitel
57. Kapitel
58. Kapitel
59. Kapitel
60. Kapitel
61. Kapitel
62. Kapitel
Danksagung
Für alle, die Angst vor dem Fallen haben
und den Mut aufbringen, trotzdem zu springen
I'll borrow of imagination what reality will not give me.
Charlotte Brontë
Wait – M83
Snoopy – Paula Hartmann
Who’s Afraid of Little Old Me? – Taylor Swift
Nauseous – Conan Gray
I Told You Things – Gracie Abrams
Hotel Sayre – Craig Armstrong, Lana Del Rey
Höhenangst – Schmyt
Secret For The Mad – dodie
Red – Taylor Swift
Bloodsucker – Cil
Death Wish – Gracie Abrams
Halley’s Comet – Billie Eilish
Carousel – Melanie Martinez
Bad Chem – Sabrina Carpenter
Waiting Game – BANKS
You’re On Your Own, Kid – Taylor Swift
Scherben und Schnittwunden – Schmyt
Fast Car – Tracy Chapman
i wish i hated you – Ariana Grande
The Great Magician – Debbii Dawson
Be My Mistake – The 1975
The Only Exception – Paramore
Always Been You – Shawn Mendes
What It Sounds Like – HUNTR/X
Chasing Cars – Sleeping At Last
Eleven Eleven – Conan Gray
Slow Dancing in a Burning Room – John Mayer
Stella saß auf der Rückbank des Wagens, während der Regen gegen die Fensterscheibe trommelte wie das Herzklopfen eines längst besiegelten Schicksals.
»Wir sind gleich da«, sagte die Frau mit dem blassen Lächeln, das sie lange geübt hatte. Es war das Lächeln einer Person, die gelernt hatte, Mitgefühl vorzugeben, ohne es zu spüren.
Stella antwortete nicht. Ihre Hände umklammerten den abgewetzten Plüschhasen auf ihrem Schoß. Er roch nach Rauch und Krankenhausflur. Nach dem abrupten Ende ihrer alten Welt.
Sie war vier, als das Feuer ihr alles nahm.
Vier, als sie in einer Welt aufwachte, in der ihre Eltern verschwunden waren, als wären sie nur ein Trick gewesen.
»Du wirst dich schnell einleben«, sagte die Frau.
Stella nickte, ohne es zu glauben.
Das Kinderheim roch nach Seife, Papier und einem Hauch von zerplatzten Träumen. In dieser Nacht lag sie auf der Matratze und starrte an die Decke. Zwischen den Wasserflecken und dem bröckelnden Putz klebten kleine, leuchtende Sterne.
Es sollten immer die Sterne sein, die ihr den Weg wiesen. Das hatte ihr Papa gesagt. Ob die Sterne echt waren oder nicht, spielte keine Rolle. Es war nie um das Echte gegangen.
Sondern um das Leuchten, wenn alles andere dunkel ist.
Die Show, der niemand entkommt
Ein Blick hinter den Samtvorhang der gefährlichsten Illusion
Sie nennen es die Magie der heutigen Zeit, eine Show, in der Träume Gestalt annehmen und die Realität sich in Rauch auflöst.
Wenn man die Show Illusion betritt, wird die Welt still. Alles, was man zu wissen glaubt, schmilzt wie Zucker auf der Zunge. In einem Moment sieht man sich selbst – und im nächsten eine Version von sich, die niemals existiert hat.
Levin Ripley, der geniale Kopf hinter dem Spektakel, bleibt ein Mysterium. Man kennt sein Gesicht, seinen Namen, aber weiß nichts über sein Leben. Gerüchten zufolge baut die Show auf eine Kombination von Technologien, die jenseits des Vorstellbaren liegen: Hologramme, künstliche Intelligenz, Deepfakes, psychologische Suggestion – kurzum, die Magie der Zukunft. Und doch, was wirklich hinter den Kulissen geschieht, bleibt ein Rätsel.
Das Publikum spricht von Geistern aus Licht, Stimmen aus dem Nichts und einer Sängerin, deren Gesang selbst die Schatten tanzen lässt. Diese Sängerin – Fia Rivers – ist seit einem tragischen Zwischenfall verschwunden. Unfall, sagen die einen. Verschwörung, flüstern die anderen. Doch niemand weiß, was wirklich geschah, als der Vorhang sich senkte.
Jetzt wird eine neue Sängerin gesucht. Und man weiß: Show Illusion überlässt nichts dem Zufall – vor allem nicht die Auswahl ihrer Protagonisten.
Denn hier ist nichts, wie es scheint.
Stella
An manchen Tagen flüstert das Universum nicht. Es schreit.
Es ist ein kalter Herbstabend, als das Universum beschließt, mir zuzurufen: Du bist hier nicht willkommen.
Der Bus ist mir vor der Nase weggefahren, ich habe mir Kaffee über meinen Lieblingspullover geschüttet, und auf der Flucht vor meinem Vermieter, der scheinbar neuerdings Teleportation beherrscht, bin ich gestolpert. Jetzt ist mein Handydisplay gesprungen. Und trotzdem … ich atme, ich laufe, ich lüge mich durch diesen Tag wie durch eine Melodie, von der ich nicht weiß, wie sie weitergeht. Ich kann mir kein Selbstmitleid erlauben. Dafür ist mein Konto zu weit im Minus.
Meinen Auftritt heute hätte ich fast abgesagt, aber trotzdem stehe ich für weniger als den Mindestlohn wieder hier. Auf dieser kleinen Bühne in einer Bar, in der niemand wirklich zuhört.
Die Cinder Lounge ist gleichzeitig charmant und deprimierend. Altmodische Wandleuchten werfen warmes Licht auf verkratzte Tische, der Boden klebt von verschüttetem Bier, und hinter der Theke hängt ein schiefer Bilderrahmen mit einem Zeitungsartikel über eine lokale Band, die es fast geschafft hat. Der Geruch? Eine Mischung aus Whiskey, Frittieröl und verbrannten Träumen.
Ich greife nach dem Mikrofon. Meine Finger sind klamm vor Kälte und Unsicherheit, aber ich zwinge mich zu lächeln.
Tu so, als ob. Immer.
Ich singe, weil ich nichts anderes kann. Musik ist meine Art zu atmen. Jeder Ton fühlt sich an wie ein Atemzug, der meinen Brustkorb leichter macht. Manchmal sind es meine eigenen Lieder. Kleine Geheimnisse, die ich in Melodien verstecke, weil Worte allein sie nie tragen könnten. Und manchmal sind es Coversongs, geliehene Gedanken, die ich benutze, wenn mein Herz zu müde ist, um seine eigene Wahrheit zu sprechen.
Die wenigen Leute, die mir heute zuhören, sind betrunken, traurig oder beides. Einige schauen auf ihr Bierglas, als hätten sie darin Antworten verloren. Andere gaffen lieber auf meine Beine als auf meine Lippen, und das Mikro ist eigentlich zu laut eingestellt. Aber es ist mir egal.
Bis ich ihn sehe.
Er sitzt wie die Male zuvor im Halbschatten. Schwarzer Mantel, leicht zerzaustes Haar, das aussieht, als hätte der Wind darin gespielt, obwohl es heute windstill ist. Untypisch für Seattle im Herbst. In seiner linken Hand tanzt eine Spielkarte zwischen den Fingern – eine Pik-Dame, deren gemalte Augen mich zu mustern scheinen. Es ist bereits das vierte Mal, dass ich ihn hier sehe, und immer bringt er mich fast aus dem Konzept. Weil er hier genauso wenig reinpasst wie ich.
Und er hört zu.
Natürlich tut er das.
Fast wünschte ich, er würde es nicht. Denn in dem Moment, in dem sich unsere Blicke für einen Hauch zu lange kreuzen, verliere ich fast die Melodie.
Doch dann kommt das dritte Lied, und mit ihm die Verwandlung.
Ich singe mich leer. Ich singe mich frei.
Für die meisten ist es nur Hintergrundrauschen. Etwas, das zwischen Gesprächen pulsiert. Aber für mich bedeutet es einfach alles. Singen ist das, was mich zwischen diesem beschissenen Job und dem konstanten Alltagsstress irgendwie durchhalten lässt. Jeder Ton ist ein Schritt fort von dem, was wehtut, und ein Stück näher zu dem, was noch heilen könnte. In diesen Minuten gibt es nur mich und die Melodie. Und das genügt. Denn es geht nicht darum, wer zuhört. Es geht nur darum, dass ich nicht aufgebe. Und dass die Musik mich wieder zusammensetzt, Stück für Stück, Note für Note.
Der Applaus ist spärlich, höflich – aber das stört mich nicht. Ich verlasse die kleine Bühne mit dem vertrauten Gefühl, für einen Moment in einer anderen Haut gelebt zu haben, die ich nun wieder abstreifen muss.
Ich lasse mich auf den Barhocker sinken, atme kurz durch und hebe zwei Finger. »Ginger Ale, bitte.«
Nova, die Kellnerin, kommt in meine Richtung und lehnt sich leicht über den Tresen. »Wunderschön, wie immer, Stella«, sagt sie, ihre Lippen zu einem schiefen Lächeln verzogen. »Viel zu schön für diese Bar.«
Ich rolle mit den Augen, als wäre das ein abgenutzter Witz, aber trotzdem schleicht sich ein Hauch von Wärme in meine Brust. »Tja, solange niemand aus Los Angeles anruft, bleibe ich dir erhalten.«
Ich singe nicht nur hier – ich arbeite auch hinter der Theke, und obwohl ich hier mehr Zeit verbringe als in meiner Wohnung, komme ich kaum über die Runden.
Nova beugt sich noch ein Stück näher zu mir, ihre Stimme leise, fast verschwörerisch, als ob sie ein Geheimnis teilt, das nur für meine Ohren bestimmt ist: »Der Typ ist wieder da.«
Langsam drehe ich den Kopf, nicht zu auffällig, nicht zu interessiert. Das Licht der Wandleuchten bricht sich an den Details seines Outfits, den silbernen Ringen an seinen Fingern, die im flimmernden Licht wie kleine Sterne glänzen. Er hat den Mantel ausgezogen. Das Hemd darunter, schwarz und eng anliegend, ist lässig hochgekrempelt.
»Wie jeden Freitag, wenn du singst«, murmelt Nova mit einem leichten Schmunzeln, das so viel bedeutet, dass es beinahe schmerzt. »Gleicher Tisch, gleiche Bestellung. Und jedes Mal, wenn du von der Bühne gehst, schaut er so sehnsüchtig hinter dir her.«
Erneut drehe ich mich in seine Richtung, und diesmal – diesmal wartet sein Blick auf mich. Ein tiefer, durchdringender Blick, als wüsste er, dass ich ihn bemerkt habe. Natürlich verrate ich mich. Ich zucke und drehe mich ruckartig zurück zu Nova.
»Schaut er immer noch?« Ich flüstere fast, als wollte ich die Antwort nicht hören, spüre die Röte, die mir in die Wangen kriecht.
»Nein«, antwortet sie mit einem kleinen Lächeln. »Er tippt irgendwas in sein Handy.«
Ich nehme das Glas Ginger Ale, das Nova mir hinstellt, und kippe es schnell hinunter. Der prickelnde Geschmack der Kohlensäure, die sich wie kleine Nadelstiche in meine Kehle bohrt, vertreibt für einen Moment die Gedanken.
»Geh doch zu ihm. Vielleicht … könnte das was werden.«
Ich rolle mit den Augen, fast zu dramatisch, aber die Vorstellung hat etwas albern Verführerisches.
»Ich date nicht«, antworte ich trocken.
»Ah, ja, die klassische Antwort«, erwidert Nova. »Und warum nicht?«
Ich seufze. »Weil …« Meine Stimme wird leiser, als hätte ich mich gerade an etwas erinnert, das ich längst in den tiefsten Ecken meines Verstandes vergraben wollte. »Weil ich schon so lange aus dem Dating-Dschungel raus bin, dass ich wahrscheinlich eine Karte und einen Kompass brauche, um mich wieder darin zurechtzufinden.«
»Du solltest wirklich nicht so schnell aufgeben, Stella. Möglicherweise ist er einfach nur ein Mann mit einem hübschen Gesicht.«
Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, halb spöttisch, halb erschöpft. »Und das ist schon mehr, als ich im Moment ertragen kann.«
Nova hebt eine Braue, mustert mich, als wolle sie zwischen den Zeilen lesen. »Du meinst zu gut aussehend, zu geheimnisvoll, zu sehr dein Typ?«
»Ich meine: zu gefährlich für mein halbwegs stabil rekonstruiertes Nervenkostüm.«
Ein leises Lachen entfährt ihr. »Du redest, als wäre er ein Sprengsatz in einem schwarzen Mantel.«
»Das könnte er auch sein.«
Der Gedanke, dass er mich ansieht, wirklich ansieht, lässt meinen Magen Achterbahn fahren – und nicht auf die gute Art. Zwischen all dem Lärm, den Gedanken, den Blicken benötige ich eine Pause.
»Ich brauche erst einmal frische Luft«, sage ich. »Bevor meine Schicht anfängt. Sonst explodiere ich selbst.«
Noch bevor sie etwas erwidern kann, gleite ich vom rissigen Leder des Barhockers. Meine Beine fühlen sich schwer an, als wollten sie bleiben, obwohl alles in mir drängt, zu gehen.
Mit schnellen Schritten steuere ich die Hintertür an. Der Lärm der Bar verklingt hinter mir, während ich in meine Jacke schlüpfe.
Die Luft draußen ist kühl, trägt das Prickeln von Herbstregen in sich, und für einen winzigen Moment fühlt es sich an, als wäre die Welt in Ordnung – oder zumindest so still, dass ich sie nicht hören muss.
Ich lehne mich an die Backsteinfassade, versuche, tief durchzuatmen, aber meine Gedanken sind schneller als meine Lunge. Vielleicht sollte ich mir ein Schild umhängen: Emotional überhitzt – bitte Abstand halten.
Ein Geräusch – leise wie ein Rascheln – lässt mich aufhorchen. Schritte.
Meine Finger krallen sich automatisch in die Jackentasche, obwohl sich darin nichts Nützliches befindet. Kein Pfefferspray. Kein Schlüssel. Nur ein Kaugummipapier und ein altes Gitarrenplektrum. Großartig. Wenn das hier der Anfang meiner persönlichen True-Crime-Doku ist, dann hoffentlich mit ästhetischem Licht und einem Moderator mit angenehmer Stimme.
Er taucht um die Ecke auf, so lautlos, als hätte der Nebel ihn ausgespuckt. In der einen Hand tanzt, wie immer, diese verfluchte Spielkarte.
»Sag mal, verfolgst du mich etwa?«, entfährt es mir, bevor ich überhaupt darüber nachdenke.
»Das kann man nicht so einfach beantworten.«
Mit einem Lächeln auf den Lippen kommt er näher, doch dann lehnt er sich an die gegenüberliegende Backsteinfassade. Was nichts bedeutet, denn diese Gasse ist schmal. Uns trennen trotzdem nur wenige Meter. An die Wand gestützt, wirkt er wie ein düsteres Gedicht, das jemand direkt in diese Szene hineingeschrieben hat.
»Du solltest nicht allein hier rausgehen.« Seine Stimme ist ruhig, sie streift mich wie etwas, das bleiben will.
»Und du solltest keine Frauen stalken«, kontere ich, während mein Puls mir verrät, dass mein Nervensystem die Lage deutlich dramatischer einschätzt als mein Mund.
»Ich heiße Levin«, sagt er, als würde das alles erklären.
»Und ich heiße nicht interessiert«, murmele ich, ohne wegzuschauen.
Ein leises Lachen entkommt seinen Lippen. »Du hast eine schöne Stimme. Zu schade, dass sie hier verschwendet wird.«
Ich ziehe meine Jacke enger um mich, als könnte sie mich vor Menschen mit solchen Sätzen schützen. Wieso fühle ich mich heute so, als wäre ich vollkommen fehl am Platz?
»Ich nehme Komplimente nur in Barzahlung. Und wenn du mir jetzt sagen willst, dass du ein Produzent bist, der zufällig durch Seattle reist und zufällig meine Stimme entdeckt hat, dann erspar uns beiden den Teil, in dem ich lache.«
»Ich bin kein Produzent«, sagt er. »Ich bin Illusionist.«
Für einen Moment bin ich sicher, mich verhört zu haben. »Was?«
Meine Finger tasten instinktiv nach dem Türgriff hinter mir. Nicht panisch – noch nicht. Nur vorbereitet. Für den Fall, dass das hier weniger Rom-Com und mehr True Crime ist.
»Ich leite eine Show in Las Vegas«, fährt er fort. »ShowIllusion. Vielleicht hast du davon gehört?«
Ich blinzele. Natürlich habe ich. Jeder hat das.
Diese Show ist ein Mythos mit Ticketpreis. Niemand weiß, wie sie funktioniert, niemand kommt dahinter, was wirklich Illusion und Wirklichkeit ist. Magie, erzeugt mit Technik, Wünschen und gut gewählten Worten. Ein Spektakel aus Licht, Schatten und Lügen.
Levin. In meinem Kopf rattert es, aber ich kann mich nicht wirklich erinnern, wer Teil dieser Show ist.
Aber … Was sollte er dann hier machen? In dieser Bar, die mehr klebt, als dass sie glänzt?
»Wir suchen eine neue Sängerin, und ich hätte gern dich«, sagt er. Seine Stimme hat dieses ruhige Selbstverständnis, das Menschen nur besitzen, wenn sie noch nie ein echtes Nein gehört haben.
Er tritt einen Schritt auf mich zu. Der Abstand zwischen uns schrumpft auf ein Maß, bei dem mir das Atmen plötzlich wieder schwerfällt. Er neigt leicht den Kopf – eine kleine Bewegung, beiläufig und doch gezielt. Und dann lächelt er. Dabei blitzen Grübchen auf, als hätte jemand an genau der richtigen Stelle eine meiner Schwächen in sein Gesicht gezeichnet.
Das Lächeln ist nicht dieses schüchterne Ich-bin-nett-und-unverbindlich-Lächeln. Nein. Das ist ein Ich-weiß-genau-wie-ich-wirke-Lächeln. Als würde er immer bekommen, was er will. Und für einen winzigen, blöden Moment verliere ich mich fast darin.
Flirtet er gerade mit mir? Oder versucht er, mich für irgendeinen ästhetischen sektenähnlichen Kult zu rekrutieren?
»Klingt nach Glitzer und Frauen in Pailletten-BHs«, bringe ich schließlich hervor. »Ich bin eher für Jeans und schwarze Hoodies.«
»Wir suchen eine Sängerin, keine … was auch immer du da beschrieben hast«, wiederholt er. »Deine Klangfarbe ist außergewöhnlich. Und die Show braucht eine gute Stimme. Nicht irgendeine. Eine, die etwas Echtes hat. Ich will dich in meiner Show.«
»Und das hast du beschlossen, während du stumm in der Ecke gesessen und mit Spielkarten rumgefummelt hast?« Ich hebe eine Augenbraue. »Romantisch. Fast wie bei Pretty Woman, nur ohne Richard Gere und die Shopping-Szene.«
Levin grinst. »Du bist witzig. Ich mag witzig.«
»Ich bin misstrauisch. Ich mag überleben.« Seufzend ziehe ich meine Jacke noch etwas enger. »Weißt du, ich habe gerade wirklich andere Probleme, als nach Vegas zu fliegen und für reiche Touristen zu singen, während man sie austrickst«, sage ich aufgebracht. »Ich bin pleite. Meine Wohnung ist eine umgebaute Abstellkammer mit Schimmel an den Wänden, und ich habe exakt 2,47 Dollar auf meinem Konto. Deine komische Vorstellung hier kann ich also nicht gebrauchen, okay?«
Levin schaut mich an, als hätte ich gerade den Code zu seinem liebsten Rätsel geknackt, als wäre mein emotionaler Ausbruch genau das, worauf er gehofft hatte. Vielleicht, weil er weiß: Viele Optionen zum Erfolg habe ich hier nicht.
»Dann ist das hier dein Zeichen«, entgegnet er und zuckt mit den Schultern, als wäre das etwas, das jeder wüsste.
Ich ziehe die Stirn kraus, mustere ihn, als könnte ich so erkennen, was er wirklich meint. »Mein was?«
»Dein Zeichen.« Er blickt kurz zum Himmel, als hätte er dort etwas entdeckt, das ich noch nicht sehen kann. »Du weißt schon – das Universum. Kryptische Hinweise. Schicksal und so.«
»Ach so.« Ich verschränke die Arme. »Und du willst mein Zeichen sein?«
Er lächelt. Charmant, viel zu sicher. »Ich kann alles sein, was du willst.«
Lautlos lache ich auf. »Flirtest du gerade mit mir, damit ich dein mysteriöses Jobangebot annehme?«
»Funktioniert’s?«
Meine Antwort bleibt aus. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte. Sondern weil meine Stimme plötzlich nicht mehr so sicher klingt wie noch vor fünf Minuten.
»Wenn du wirklich ein Zeichen willst, Stella …« Er sagt meinen Namen, als würde er ihn auf der Zunge schmecken. Langsam, mit Nachklang. Als würde er ihn behalten wollen. »Dann schau heute Nacht in den Himmel. Um kurz nach Mitternacht. Du wirst wissen, was ich meine, und dein Zeichen bekommen.«
Ich blinzele. Ein Teil von mir will lachen. Der andere – der Teil, der für Gänsehaut zuständig ist – friert einen Moment lang ein.
»Und was genau soll ich da sehen? Ein Ufo? Ein Feuerwerk? Einen Stern, der sich plötzlich in meinen Namen verwandelt?«
»Glaub mir einfach«, sagt er. »Wenn du wissen willst, ob du zu uns gehörst … schau nach oben. Und glaube daran.«
»Woran soll ich glauben?«
»Du wirst es schon verstehen«, antwortet er und dreht sich ohne ein Wort der Verabschiedung um. Nicht in Eile, nicht mit einem dramatischen Auftritt. Er geht einfach die Gasse entlang und verschwindet so schnell, wie er aufgetaucht ist.
Ein Schatten, der von der Nacht verschluckt wird.
Und ich bleibe mit zu vielen Fragen im Kopf zurück.
Levin.
Ich muss nachher alles über diesen Typen recherchieren, der jetzt schon zu viel Platz in meinen Gedanken einnimmt.
Mir fällt erst zu spät auf, dass er mich bei meinem Namen genannt hat. Und dass ich ihm den nie gesagt habe.
Aber vielleicht hat er ihn im Club gehört.
Ganz sicher hat er ihn einfach dort irgendwo aufgeschnappt, als ich auf der Bühne angesagt wurde.
Im Bus nach Hause riecht es nach regennasser Kleidung und Einsamkeit. Draußen zieht Seattle an mir vorbei – graue Häuser, flackernde Leuchtreklamen, Menschen, die mit hochgezogenen Schultern durch die Dunkelheit hetzen. Alles wirkt schwer. So, als hätte die Nacht selbst beschlossen, sich nicht mehr zusammenzureißen.
Meine Schicht in der Bar hängt mir in den Knochen. Ich habe Füße wie Blei und Schultern, als hätte jemand Gewichte drangekettet. In meinen Ohren summt immer noch der letzte Ton meines Songs nach, der irgendwo zwischen Whiskeydunst und klirrenden Gläsern verloren ging.
Ich friere trotz der Heizung, die halbherzig warme Luft spuckt. Als meine Finger gegen etwas in der Jackentasche stoßen, halte ich inne.
Ich ziehe es heraus. Eine Spielkarte. Der Joker.
Das Papier fühlt sich an wie flüssiger Samt – zu glatt, um gewöhnlich zu sein, zu schwer, um einfach verloren gegangen zu sein. Die Ecken sind mit feinem Goldstaub verziert, der selbst im matten Buslicht schimmert. Der Joker grinst mich spöttisch an.
Auf der Rückseite: schwarze Ziffern.
Eine Telefonnummer, geschwungen und elegant, als hätte jemand sie mit einem Füller aufgetragen, der zu edel für diese Welt ist. Ich starre sie an, mein Herz klopft plötzlich zu laut für diese Stille.
Wie zum Teufel hat er die in meine Jackentasche bekommen?
Und warum wundere ich mich überhaupt? Das hier ist sowieso alles viel zu absurd. Ich bin zu müde, um mich damit zu beschäftigen – und zu neugierig, um es zu lassen.
Als ich endlich aussteigen kann, ist eine gefühlte Ewigkeit vergangen. Das Haus, in dem ich aktuell wohne, sieht genauso schäbig aus, wie ich mich gerade fühle. Acht Stockwerke sind es bis zu meiner Wohnungstür. Ohne Aufzug. Bei jedem Schritt pocht mein Herz ein bisschen fester gegen die Rippen, als wolle es sich beschweren, dass es immer noch für mich arbeiten muss.
An meiner Tür hängt ein Zettel.
»Räumung in 72 Stunden«
Mein Magen verkrampft sich. Ein Zittern durchläuft meine Hände, als ich das Papier abreiße. Es raschelt so beiläufig, als wäre es nichts weiter als Werbung. Dabei ist es der Anfang vom Ende. Dreieinhalbtausend Dollar muss ich zahlen. In drei Tagen. Oder ich lande auf der Straße. Und anscheinend zählt es nicht, dass ich meinem Vermieter stets mit einem Lächeln begegne – obwohl er aussieht wie Hannibal Lecter in Rentnerklamotten.
Und als wäre das nicht schon genug, stapeln sich meine Schulden wie ein verdammtes Tetris-Endlevel: einhundertachtzig Dollar für Lebensmittel, einhundertfünfzig für Strom und Internet, sechstausend auf der Kreditkarte. Und gleichzeitig klimpern dreizehn Dollar und ein paar beleidigende Cents in meiner Jackentasche, als würden sie sich über mich lustig machen.
Mit einem Ruck öffne ich die Tür. Das grelle Flackern der Deckenlampe begrüßt mich.
Was ich Wohnung nenne, ist in Wahrheit eine umfunktionierte Abstellkammer. Die Fenster sind undicht, die Heizung klingt wie ein sterbender Drache, und das Bett quietscht schon beim Gedanken an Bewegung. Aber es ist meine Abstellkammer. Mein letzter Rest Zuhause.
Der Zettel meines Vermieters landet im Müll, direkt neben der Burritoverpackung von vorgestern und einer zerknüllten Bewerbung, die ich nie abgeschickt habe. Mit einem leisen Seufzen lasse ich mich auf das Bett sinken. Der Stoff der Matratze ist rau, und unter dem Laken drückt eine Feder gegen meinen Rücken. Die Zimmerdecke über mir hat einen Wasserfleck, der langsam größer wird – wie ein offenes Auge, das mich ständig beobachtet.
Gedanken ziehen durch meinen Kopf wie Herbstlaub im Wind. Zu viele, zu laut. Einer davon trägt seinen Namen.
Levin.
Der Typ mit dem Blick, der zu viel sieht. Mit der Stimme, die klingt, als könnte man sich darin verlaufen. Und diesem Angebot, das sich anhört wie ein Trick. Oder eine Falle. Oder mein letzter verdammter Strohhalm.
Las Vegas.
Ich will nicht daran denken, nicht an seine Worte und nicht an den Moment, in dem Hoffnung wie ein warmer Luftzug mein frostiges Inneres durchdrang. Denn wenn ich das zulasse – und es dann nicht funktioniert –, dann weiß ich nicht, ob ich eine weitere Niederlage verkrafte.
Ich sehe auf meine Uhr. Fast Mitternacht.
Wenn du wirklich ein Zeichen willst, Stella, dann schau heute Nacht in den Himmel. Um kurz nach Mitternacht.
Ich lache auf. Was für ein verdammter Spinner.
Und trotzdem erhebe ich mich, ziehe die Jacke wieder über die müden Schultern und laufe die Treppenstufen zum Dach hoch. Die Tür schließt leise hinter mir. Draußen ist es still, und das lässt meine Gedanken noch lauter werden.
Vielleicht ist Levin nur ein gut aussehender Betrüger mit einer Spielkarte und einem Händchen für die richtigen Worte.
Oder all das war nur Gerede.
Aber ich bleibe.
Warte.
Weil da nichts mehr ist, was ich verlieren könnte. Und weil irgendetwas in mir flüstert: Nur noch eine Minute. Gib ihm die.
Dann – 00:13 Uhr.
Der Himmel beginnt zu leuchten.
Kein Blitz, kein Donner. Nur ein langsames, staunendes Öffnen der Wolkenfront. Als hätte sie jemand von innen aufgeschnitten und das Schwarz zur Seite gezogen, um das Licht durchzulassen.
Und dann sehe ich sie: Sternschnuppen.
Nicht nur eine. Dutzende. Hunderte. Sie ziehen Spuren aus Licht, glimmen auf, verglühen, wie Träume, die man zu lange festgehalten hat.
Er hat mich genau an diesen Moment geführt.
Nicht mit Manipulation. Sondern mit meinem Glauben.
Der Himmel über mir brennt in Gold. Und ich? Ich lächle. Nicht, weil ich sicher bin, dass alles gut wird, sondern weil ich plötzlich glaube, dass es das vielleicht könnte. Und das ist schon mehr, als ich seit Jahren hatte.
Jede Lüge, die sie erzählt, ist eine weitere Karte, die sie aufstellt. Mit jedem Atemzug baut sie ihre Welt ein Stückchen höher. Schön, schimmernd, und gefährlich nah an den Sternen, die sie nie erreichen kann, ohne alles einstürzen zu lassen.
Stella
Der Himmel hat geleuchtet, und die Welt darunter ist kurz stehen geblieben. Kein Trick. Kein Zufall. Der Meteorschwarm war angekündigt gewesen – wissenschaftlich berechnet –, und trotzdem fühlte es sich wie Magie an.
Natürlich hatte es Artikel dazu gegeben. Schon seit Tagen. Nur hatte ich sie nicht gesehen, er aber schon. Und letzte Nacht, irgendwann zwischen zwei Uhr und dem ersten schwachen Licht des Morgens, war Google mein bester Freund. Aktiv von Anfang Oktober bis in den November hinein, ihr Höhepunkt genau um Mitternacht, wenn der Himmel am dunkelsten scheint. Orioniden, stand dort. Funken, die der Komet Halley einst zurückgelassen hatte, verursachten ein flammendes Aufleuchten in der Dunkelheit.
Es war kein Zufall. Levin hatte es gewusst und hatte es so verkauft, als ob es mein Zeichen sein würde.
Und vielleicht, so kam mir der Gedanke irgendwann zwischen der siebten Sternschnuppe und der hundertsten, war es das Risiko wert, sich das Angebot anzuschauen.
Meine Entscheidung fiel nicht laut, sondern leise. Während die Nacht schwieg und mein Herz ein kleines bisschen schneller schlug. Noch vor Sonnenaufgang hatte ich alles recherchiert, was es zu wissen gab: über Levin Ripley, die Show, Las Vegas und das Verschwinden der Sängerin Fia Rivers, deren Platz ich einnehmen sollte. Erst am frühen Nachmittag riss mich das schrille Licht durchs Fenster zurück in die Wirklichkeit. Der Rest des Tages verschwamm in Bewegung: Schranktüren, die ins Leere klappten, Stapel, die verschwanden, bis kein Staubkorn, kein Kleidungsstück, keine billigen Ausreden mehr an mich erinnerten. Ich stopfte alles in die viel zu große Sporttasche, die mich dabei fast höhnisch anstarrte, und ganz zuletzt schulterte ich den Gitarrenkoffer, den einzigen Gegenstand, der sich noch ein bisschen nach mir anfühlte.
Als ich die Tür hinter mir zuzog, war die Wohnung so glatt und fremd, als hätte ich dort nie gelebt. Und vielleicht hatte ich das auch nie.
Unglaublich, wie schnell man ein Leben zusammenpacken kann.
Ich seufze. So laut, dass eine Taube flatternd das Weite sucht. In meiner Jackentasche steckt seine Karte. Ich habe sie gestern Nacht so oft hervorgeholt, dass gewöhnliches Papier längst zerfleddert, eingerissen oder an den Kanten ausgefranst wäre, aber diese hier ist anders: Sie bleibt glatt, makellos. Wie ein Versprechen, das sich nicht greifen lässt.
Oder eine Lüge, die zu schön ist, um nicht daran glauben zu wollen.
Eine Karte, die mir Hoffnung gibt. Weil sie aussieht, als könnte sie die Tür zu etwas öffnen, das größer ist als mein Alltag aus Barlicht und müden Liedern.
Mein Blick fällt auf den Akkustand meines Handys. Fünfzehn Prozent. Ein letztes Ultimatum des Universums. Fünfzehn Prozent, um entweder zurückzugehen – oder alles zu ändern.
Bevor mich der Mut verlässt, tippe ich die Nummer ein.
Ein Freizeichen ertönt.
Noch eins.
Und noch eins.
»Stella.«
Nur mein Name. Zwei Silben, und alles in mir zieht sich zusammen.
»Du hast mich eingespeichert?«
Ein leises Lachen. »Dafür hätte ich deine Nummer gebraucht, oder? Ich habe auf deinen Anruf gewartet.«
»Du wusstest, dass ich anrufe?«
»Ja. Und ich weiß auch, dass du mein Angebot annimmst.«
Sein Tonfall klingt, als würde er schon wieder zwei Züge weiterdenken.
Ich presse das Handy an mein Ohr, damit es mir nicht aus der Hand gleitet – wie alles andere in meinem Leben. Und plötzlich platzen all meine Fragen aus mir heraus, viel zu schnell, viel zu laut.
»Wie komme ich überhaupt nach Las Vegas? Bist du noch in Seattle? Wenn ich dein Angebot annehme, werde ich dann im Voraus bezahlt? Gibt’s einen Vertrag? Wie lange läuft der? Gibt’s eine Probezeit? Bekomme ich ein Zimmer? Oder muss ich in einem dieser Casinos unter der Bühne schlafen? Gibt’s überhaupt Casinos? Und wenn ja – wie viele Glitzeranzüge muss ich tragen? Und bekommt man davon Ausschlag?«
Ich halte kurz inne, atme, merke, dass mein Herz so laut schlägt, dass ich kaum etwas anderes vernehme.
Dann höre ich sein Lachen. Warm. Tief. Und viel zu echt dafür, dass es nur aus dem Hörer dringt. »Stella«, wiederholt er meinen Namen. »Atme tief durch. Und dann noch einmal.«
Ich tue es. Widerwillig.
»Okay«, sage ich, immer noch halb im Sprint meiner Gedanken. »Aber ich habe ein Recht auf Antworten.«
»Du hast ein Recht auf alles, was du brauchst«, erwidert er ruhig, fast schon sanft. »Ich werde mich um jede einzelne deiner Fragen kümmern. Um die mit den Glitzeranzügen und auch um die mit dem Vorschuss. Du bekommst, was du brauchst. Glaub mir, dafür werde ich persönlich sorgen. Dir soll es an nichts fehlen.«
Ich öffne den Mund, um irgendetwas zu entgegnen, doch in diesem Moment höre ich das Brummen eines Motors. Ein schwarzes Auto biegt um die Ecke, als hätte es auf seinen dramatischen Auftritt gewartet. Elegant, glänzend – wie eine Einladung, die genau richtig kommt.
»Das Auto ist von dir, oder?«, frage ich leise. »Hat der Fahrer die ganze Zeit hinter der nächsten Straßenecke gewartet?«
»Eventuell ist es einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.«
»Und woher kennst du meine Adresse?«
Das wird mir langsam zu gruselig. So simpel kann es nicht sein, und ich sollte nicht in dieses verdammte Auto steigen, das so plötzlich auftaucht. Aber … Was habe ich für eine Wahl? Natürlich weiß Levin nicht, dass ich eine Verbindung zu Las Vegas habe. Damals habe ich alles verloren. Es ist Zeit, mich dem endlich zu stellen. Warum also nicht auch noch dafür bezahlt werden?
Ein Teil meiner Kindheit gehört dieser Stadt, und manchmal glaube ich, dass auch meine Sehnsucht dort zurückgeblieben ist. Ich will nicht zurück in das Leben, das mich erdrückte. Ich will sehen, woher meine Eltern kamen, wo sie lachen und hoffen gelernt haben. Dort könnte ich lernen, es selbst wieder zu tun.
»Möglicherweise bin ich allwissend«, entgegnet Levin.
»Oder unheimlich gut informiert.«
»Du nennst es unheimlich, ich nenne es vorbereitet.«
Der Laternenpfahl hinter mir wird zur Lehne. Die Karte in der einen, das Handy in der anderen Hand, versuche ich mein Herzklopfen zu ignorieren. Es fühlt sich an wie ein Trommelsolo in meinem Brustkorb.
»Musst du aus allem so ein Rätsel machen?«
»Stellst du immer so viele Fragen?« Seine Stimme klingt amüsiert.
»Ja.«
»Perfekt. Meine Antwort ist auch: Ja.«
»Was soll das überhaupt heißen? Dass ich mir keine Gedanken machen soll? Das sagst du so, als wäre das nichts.«
»Weil du dir keine Gedanken machen musst«, antwortet er – leise, ernst, ohne jede Theatralik.
Und plötzlich will ich ihm glauben. So sehr, dass es wehtut.
»Wir haben aber noch nicht über das Gehalt gesprochen«, kommt es dann doch aus mir heraus. Eine letzte Schutzmauer.
»Du bekommst genug.«
»Das ist Ansichtssache, oder?«
Nach einer kurzen Pause sagt er: »Pass auf Cam auf. Und halt ihn vom Champagner im Privatjet fern.«
Irritiert schaue ich das Auto an. »Im was?«
Doch da ist nur noch Stille. Kein Abschied. Kein Piepen.
Die Tür des Wagens öffnet sich mit einem leisen Surren.
Ein Typ steigt aus.
Cam.
Laut meiner Internetrecherche ist er für die Kostüme der Show verantwortlich. In der Realität? Wohl eher dafür, dass Menschen ihren Blick nicht mehr von ihm lösen können. Aber das gilt für jeden, der in dieser Show mitwirkt.
Cam kommt auf mich zu, mit langsamen, bedachten Schritten, und ich mustere ihn kurz. Schwarze Weste über einem engen Shirt, Tattoos, die sich wie aufgeschlagene Geschichten über seine Arme ziehen, weißblondes Haar, wie frisch gefrorener Schnee, und Augen, so hell, dass ich fast blinzeln muss.
»Du bist Stella?«, will er wissen und grinst, als ich bloß nicke. »Ich bin Cam. Dein persönlicher Rettungsdienst mit Stil.«
Diesmal mustert er mich. Und obwohl ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, spüre ich, wie sich mein Nacken anspannt.
Ich trage einen schwarzen, locker sitzenden Hoodie – einen von denen, in denen man sich verstecken kann, wenn die Welt zu laut ist. Dazu eine dunkle Jeans, die schon bessere Tage gesehen hat, aber wenigstens bequem ist. Meine blonden Haare habe ich nur grob mit einer Spange zurückgesteckt – mehr hatte ich heute Morgen nicht übrig. Nicht an Zeit. Nicht an Energie. Ich hatte keine Lust, mich aufzuhübschen, nur um irgendwo rausgeworfen zu werden.
»Kommst du immer mit einem Wagen plötzlich um die Ecke, um fremde Frauen einzusammeln? Das wäre nämlich etwas problematisch.«
»Glaub mir, das hier ist zurückhaltend. Ich wollte eigentlich mit Wunderkerzen und Rosenblättern auftauchen.«
Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Und du bist … was? Levins Assistent?«
»Ich bin der Typ, den er losschickt, wenn er jemanden wirklich will.«
Sein Grinsen wird breiter. Als würde er schon wissen, dass ich einsteige. Ich weiß nicht, was ich erwidern soll. Also sage ich gar nichts.
»Du kommst jetzt aber schon mit, oder? Ich brauch dringend etwas Gesellschaft.«
Mein Blick wandert zu meiner Tasche. Dann zu ihm. Wieder zur Tasche. Meine Gedanken überschlagen sich.
Was, wenn das alles ein Fehler ist?
Was, wenn Levin sich irrt – und ich nichts Besonderes bin? Nur eine, die gut darin ist, Dinge zu ruinieren, bevor sie überhaupt begonnen haben?
Aber unter all den Zweifeln, ganz tief, ist noch ein anderes Gefühl.
Dieses Kribbeln.
Vielleicht ist das hier kein Sprung in den Abgrund. Sondern ein Sturz in etwas, das schon immer auf mich gewartet hat – in die Musik, in meinen Traum, Sängerin zu sein. Wenn ich falle, dann wenigstens in etwas, das mich atmen lässt.
Ich umfasse den Griff meiner Tasche. Zähle innerlich bis drei. Dann landet sie im Kofferraum und ich auf dem Beifahrersitz.
»Ich dachte, wir fliegen im Privatjet. Machen wir jetzt doch einen Roadtrip?«, frage ich und versuche, das Zittern in meiner Stimme zu überspielen.
Cam grinst. »Nach Las Vegas mit dem Auto? Süß. Nein. Wir fahren zum Flughafen. Levin meint, du verdienst nur das Beste.«
Ich schnaube leise. »Und was genau ist ›das Beste‹ in seiner Welt?«
»Privatjets, gute Musik und Leute, die ein bisschen zu sehr an Magie glauben.« Seine Stimme wird weicher, fast so, als würde er etwas sagen, das er selbst kaum denken will: »Und manchmal auch Mädels mit einem feurigen Blick, denen er was zutraut.«
Ich sehe ihn von der Seite an, nur kurz, dann schaue ich wieder aus dem Fenster. Es macht mir Angst, dass Levin sich so auf mich verlässt. Als wüsste ich schon, dass sich das nicht lohnt.
Der Wagen setzt sich in Bewegung.
»Also … was weißt du über Levin?«, frage ich und versuche, beiläufig zu klingen.
»Alles, aber nicht viel, was ich dir sagen darf. Außer, dass er meistens bekommt, was er will. Und dass du eine verdammt gute Wahl bist.«
Ich lache trocken. »Du kennst mich keine fünf Minuten.«
»Reicht schon«, sagt er. »Ich habe ein gutes Bauchgefühl.«
Ich runzle die Stirn. »Und wenn dein Bauchgefühl mal danebenliegt?«
»Du wärst nicht hier, wenn du nicht auch insgeheim wüsstest, dass das eine gute Idee ist, oder?«
Ich zögere, dann nicke ich. Fast gegen meinen Willen. Weil er recht hat.
Draußen fliegt Seattle an uns vorbei – grau, regennass, vertraut. Ich war ein Kind, als man mich aus Las Vegas holte. Und jetzt fahre ich zurück. Zurück in eine Stadt, die mir alles genommen hat.
Las Vegas.
Ein Fluch.
Ein Versprechen.
Der Ort, an dem mein altes Leben aufgehört hat.
Und wo ein neues beginnen könnte.
Stella
Noch nie in meinem Leben bin ich so vorsichtig eine Treppe hochgestiegen. Und noch nie hat sich jeder Schritt so sehr nach einem Vielleicht angefühlt.
Vielleicht ist das hier ein Traum.
Vielleicht ist das der Anfang von allem.
Oder vielleicht bin ich auf dem direkten Weg in einen luxuriösen Menschenhändlerring mit plüschigen Sitzen und Champagnergläsern aus Kristall.
Der Jet wirkt jedenfalls nicht echt. Die Sitze sind in einem Cremeweiß gehalten, das in meiner Welt normalerweise nur in Möbelhäusern existiert. Das Leder glänzt wie in der Werbung, der Teppich unter meinen Schuhen fühlt sich weicher an als mein Bett, und zwischen Cam und mir funkelt ein Glastisch mit eingelassenen Lichtern, als würde er aus einem Feenpalast stammen.
Meine Tasche liegt in einem der Fächer über uns. Viel zu groß für das Wenige, das ich besitze, aber nicht groß genug, um all meine Zweifel zu transportieren.
Cam sitzt mir gegenüber, die Beine lässig übereinandergeschlagen, ein Skizzenbuch auf den Knien und komplett vertieft in das, was er tut.
Als der Jet abhebt, geht meine innere Alarmanlage sofort los.
Diejenige, die mich jahrelang davor gewarnt hat, Menschen zu vertrauen, die zu viel versprechen. Die Stimme, die flüstert: Zu schön, um wahr zu sein, ist meistens einfach nicht wahr.
Ich ziehe mein Handy aus der Jackentasche. Es befindet sich nun im Flugmodus, aber eine Nachricht an Nova kann ich über das WLAN trotzdem verschicken.
Ich
Hey, also witzige Geschichte. Ich fliege gerade nach Las Vegas. In einem Privatjet. Erinnerst du dich an den creepy, aber auch hotten Typen aus der Bar? Er will, dass ich in seiner Show in Vegas singe.
Jetzt, da ich die Worte tippe, klingen sie absolut bescheuert. Es ist wahrscheinlich trotzdem sicherer, wenn jemand weiß, wo ich bin.
Ich
Ich meld mich, sobald ich gelandet bin. Falls ich lande. Falls ich dann noch mein Handy habe. Ansonsten: LEVIN RIPLEY. Du kannst ihn googeln.
Ich drücke auf Senden und atme tief durch. Kurz bin ich versucht, ein Foto von Cam zu machen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen, doch genau in dem Moment, als ich das Handy etwas mehr in seine Richtung halte, trifft sein Blick auf meinen.
»Hast du gerade ein Bild von mir gemacht? Weißt du, ich kann auch gern posieren, wenn du ein neues Hintergrundbild brauchst. Kein Problem.«
»Kein Hintergrundbild, nur … präventiveSicherheitsmaßnahme. Meine beste Freundin soll wissen, mit wem ich unterwegs bin.«
Er grinst über das ganze Gesicht. »Weil ich heiß bin?«
»Weil ich dich nicht kenne. Meinen Live-Standort verfolgt sie übrigens auch. Nur, dass ihr Bescheid wisst.«
»Ihr?«, will er jetzt wissen und legt fragend den Kopf schief.
»Die Menschen, die mir hier meine Träume vor die Nase halten. Oder mich entführen. Ich bin mir noch unschlüssig.«
Einen Augenblick lang wird seine Miene ernst, als würde er tatsächlich über meine Worte nachdenken. »Wenn ich dich entführen wollte …«, beginnt er langsam, »dann würdest du es gar nicht merken, bis es längst zu spät wäre.«
Mir bleibt kurz die Luft weg. »Für solche Scherze ist es zu früh, oder?«
Er hält meinen Blick fest, dann kommt ein warmes Lachen über seine Lippen. »Hat Humor etwa eine festgelegte Uhrzeit?«
Beschwichtigend hebt er die Hände und widmet sich wieder seinen Skizzen.
Als Nächstes schreibe ich meinem Vermieter eine Nachricht. Ich frage vorsichtig nach, ob ich die Mietschulden in Raten abbezahlen könnte, bevor er mir den Gerichtsvollzieher auf den Hals hetzt. Die Antwort kommt schneller, als ich erwartet habe:
Hat sich erledigt. Schulden sind beglichen. Viel Glück.
Ich starre auf die Nachricht. Meine Kehle wird trocken.
»Cam?«
Er kritzelt gerade an einer Silhouette, einem Outfit mit Federn am Kragen und einem Glitzerband an der Taille. Als hätte er auf genau diesen Moment gewartet, klappt er das Skizzenbuch zu und sieht mich mit diesem kleinen, verschmitzten Grinsen an. »Ja?«
»Mein Vermieter. Die Schulden … sind bezahlt worden. Darüber weißt du nicht zufällig etwas, oder?«
Cam hebt die Schultern. »Ich bin Kostümbildner, kein Finanzberater.«
»Cam.«
»Okay, okay.« Er lehnt sich nach vorn, die Ellbogen auf den Knien. »Levin hat gesagt, du sollst dir darüber keinen Kopf machen.«
»Und was heißt das?« Meine Stimme ist leiser als beabsichtigt. »Heißt das, ich stehe jetzt in seiner Schuld?«
Cam schaut mich an, als hätte ich gerade ein gefährliches Wort ausgesprochen. Eins, das nach Verträgen mit Blut klingt. Oder nach Bindungen, die man nicht mehr löst.
»Ich glaube, Levin sieht das nicht so. Er kümmert sich. Wenn er jemanden in seine Welt holt, dann richtig.«
Ich schnaube leise. »Na großartig. Klingt fast romantisch. Oder nach einem Kontrollfreak. Je nachdem, wie düster man gerade drauf ist.«
»Oder fürsorglich?«
»Oh, ich kenn fürsorglich«, sage ich, auch wenn das eine Lüge ist. »Das hier ist … was anderes.«
Sofort blitzen Bilder von früheren Dating-Katastrophen in meinen Erinnerungen auf. Männer, die mich ansahen, als könnten sie mich flicken. Und ja, möglicherweise gibt es ein paar Risse. Aber ein Mann wird die Heilung garantiert nicht fördern. Bisher war es jedenfalls immer so, dass am Ende nur noch mehr Scherben auf dem Boden lagen. Und etwas sagt mir, dass das auch bei Levin so sein würde.
Wer verhält sich denn bitte so gegenüber einer Fremden? Einfach so, ohne persönlichen Bezug oder ohne eine Gegenleistung zu erwarten, meine Schulden zu bezahlen? Die Antwort: Niemand. Mir schwant, dass hier etwas ganz gewaltig schiefläuft, wenn ich nicht rechtzeitig den Absprung schaffe.
Mein Handy liegt auf dem kleinen Glastisch, und ich greife danach. Bevor ich zu viel darüber nachdenken kann, schreibe ich ihm.
Ich
Du kannst nicht einfach meine Schulden bezahlen, ohne mich zu fragen. Das geht nicht. Ich will das nicht. Ich wollte nur singen, keinen Deal mit dem Teufel in Gucci.
Der Sendehaken erscheint.
Ein paar Sekunden später: Gelesen.
Levin
Entschuldige.
Ich warte, weil er immer noch tippt. Mein Herz rast in einem Tempo, das nicht gesund ist. Dann blinkt die nächste Nachricht auf.
Levin
Ich habe nicht darüber nachgedacht. Ich wollte nur helfen.
Nur helfen. Warum? Ich starre auf das Display. Irgendetwas daran macht mich nervös. Das hier ist nicht normal. Es muss einen verdammten Haken geben, denn es fühlt sich an, als hätte ich meine Seele verkauft, ohne zugestimmt zu haben.
Nun tippe ich betont langsam. Jede Bewegung meiner Finger ein stiller Protest gegen das, was gerade passiert.
Ich
Ich zahle dir alles zurück.
Die Antwort kommt sofort.
Levin
Wenn du das möchtest.
Levin
Lass uns darüber reden, wenn du angekommen bist, ja?
Kein lachender Smiley. Kein Widerstand. Kein Du brauchst das nicht. Nur: Wenn du das möchtest.
Ich lege das Handy weg, aber das Beben in meiner Brust bleibt spürbar. Wie ein Sturm, der sich irgendwo zwischen den Rippen aufstaut.
Cam sieht mich an. »Okay. Rede mit mir. Was geht dir gerade durch den Kopf? Und sag nicht ›nichts‹, ich habe Augen, Stella.«
Ich lehne mich zurück. Stütze die Stirn gegen das kühle Fenster.
»Ich … ich habe einfach Angst. Was, wenn das hier kein Geschenk ist, sondern ein verdammter goldener Käfig?« Meine Stimme ist nur ein Flüstern. »Was, wenn ich gerade alles aufgebe, was mich mal frei gemacht hat? Und du kannst mir nun sagen, was du willst, aber du steckst ja mit drin.«
Cam legt seine Hand auf den Glastisch zwischen uns. Seine bunten Fingernägel schimmern wie Sterne. »Willst du wissen, was ich denke?«
Ich verdrehe leicht die Augen, weil ich die Antwort kenne. »Nicht wirklich. Aber ich schätze, du sagst es mir trotzdem.«
Ein kleines, schiefes Lächeln zieht sich über sein Gesicht. Nicht überheblich. Sondern weich. Fast traurig.
»Ich glaube, du bist jemand, der nie gelernt hat, Hilfe anzunehmen. Weil dir Hilfe nie ohne einen Preis angeboten wurde. Stimmt’s?«
Ich will sofort widersprechen, mich verteidigen. Aber der Kloß in meinem Hals ist größer als mein Stolz.
Cam spricht weiter, leiser diesmal. Seine Stimme legt sich wie Seide über meine Gedanken. »Levin macht Dinge manchmal … impulsiv. Groß. Zu groß. Nicht, um dich zu fangen. Nur, um dich zu halten – solange du willst.«
Ich drehe mich zu ihm. »Und wenn ich nicht bleiben will?«
Er zuckt die Schultern. »Dann fährt dir jemand wie ich die Tasche zum Flughafen zurück. Mit Glitzer und möglicherweise auch Drama, aber niemand hält dich fest. Das ist nicht seine Art.«
»Und was ist mit der Sängerin, die vor mir da war?«, frage ich weiter. »Die, die einfach so verschwunden ist. Fia Rivers. Ihr Name taucht in keinem Artikel mehr auf. Es gibt keine Abschiedsnachricht, kein Statement, nichts.«
Cam blinzelt, seine Miene für einen Moment unlesbar. »Das war … eine andere Geschichte.«
»Ach ja? Und was für eine?« Jetzt kann ich die Zweifel und mein Misstrauen nicht mehr verbergen. »Ich habe nach ihr gesucht. Nach Spuren. Und alles, was ich gefunden habe, war Schweigen. Das macht mich nervös, Cam.«
Nur sein Kiefer spannt sich leicht an, ansonsten bleibt seine Miene ausdruckslos. »Fia ist gegangen, weil sie nicht bleiben wollte. Und ja, es war ein Chaos. Keiner hat drüber gesprochen, weil … Es hat uns alle überrascht, und es tut auch immer noch weh. Sie war Teil unserer Familie, hat Levin verraten und wollte mehr, als ihr zustand. Ich bin nicht derjenige, der diese Geschichte erzählen sollte … Aber das hier«, er tippt mit einem lackierten Fingernagel gegen das Glas, »ist kein Käfig. Es sei denn, du machst ihn dazu.«
Ich atme langsam aus. Als müsste ich mir selbst erlauben, das zu glauben. Zumindest für einen Moment.
»Levin ist einer von den Guten, glaub mir. Er hat mir auch geholfen, Stella. Da kannte ich ihn gerade mal eine Woche.« Cam lehnt sich zurück, als würde er durch Raum und Zeit rutschen. »In New York. Vor zehn Jahren. Ich war jung, wütend, pleite. Ich hatte nichts, und Levin hatte genauso wenig. Vielleicht sogar weniger. Er hatte keine Familie mehr, kein Geld, nur eine Idee. Eine verdammt glänzende Idee, die viel zu groß für unsere kleine Welt war.« Er lacht leise auf, bevor er weiterredet. »Ich dachte, er sei komplett größenwahnsinnig. Aber dann … hat er angefangen, Dinge wahr zu machen. Aus Worten wurden Pläne, aus Plänen Bühnen, aus Bühnen Wunder.«
Ich lehne mich ebenfalls zurück, versuche, mich auf seine Worte zu konzentrieren und nicht auf das Gefühl der Enge in meiner Brust. Der Jet summt gleichmäßig, während Cam weiterredet.
»Und während er all das erreicht hat, hat er mich mitgenommen. Mich zu einem Teil seiner selbst gewählten Familie gemacht. Wer weiß, wo ich ohne ihn gelandet wäre? Jetzt darf ich sein, wie ich bin, und das machen, was ich liebe. Ich sage nicht, dass du dich darauf einlassen musst. Aber sieh dir die Chance an, die er dir bietet, bevor du sie ablehnst.«
»Ich weiß nicht, ob ich das will.«
»Das musst du auch nicht wissen«, sagt Cam. »Du musst nur zulassen, dass du’s dir ansiehst.«
»Was genau … erwartet er eigentlich von mir?« Meine Finger spielen nervös mit dem Stoff meines Ärmels. »Ich meine … was ist meine Aufgabe in all dem? Bin ich bloß … Fias Ersatz? Eine Lücke, die jemand füllen muss? Oder hat Levin einen Plan, den er mir nicht verrät? Was genau mache ich hier?«
Cam lehnt sich zurück. »Du bist kein Ersatz, Stella. Das hier ist keine Audition für eine verlorene Rolle. Du bekommst deine eigene.« Er neigt leicht den Kopf, als würde er ein Geheimnis prüfen, bevor er es mir reicht. »Du wirst nicht nur irgendein Teil der Show. Du wirst der Moment, in dem sie sich verwandelt. Deine Stimme wird das möglich machen, wenn du es möchtest.«
»Was genau heißt das?«, will ich wissen, weil ich es immer noch nicht ganz verstehe.
»Deine Stimme wird unsere Auftritte begleiten, sie alle zusammenhalten und den Zuschauer hineinziehen. Am besten siehst du dir die Show heute Abend an.«
Hier gehörst du hin, wispert eine innere Stimme.
Flieh, solange du noch kannst, wispert eine andere.
»Okay, ich bin schon hier, oder? Ich sollte mir das Angebot genauer ansehen.«
Cam grinst. »Du begreifst noch nicht, dass wir hier deine Träume wahr werden lassen können, oder?«
»Sicher, dass ihr euch nicht ein bisschen übernehmt? Meine Träume kennt ihr schließlich nicht. Auch Levin nicht.«
Er lehnt sich zurück, faltet dramatisch die Hände wie ein Wahrsager in einem schlechten Theaterstück. »Du willst frei sein. Du willst jemand sein, der etwas bewegt, der den Menschen nicht egal ist. Du willst dich beweisen. Oh, und du möchtest auf einer großen Bühne stehen, auf der man dir wirklich zuhört.«
Ich verziehe das Gesicht. »Liest du meine Gedanken?«
»Nein. Aber deine Blicke lese ich dafür umso besser.« Er tippt sich bedeutungsvoll an die Schläfe. »Emotionale Röntgensicht.«
Ich lache leise, will mich aber nicht so leicht einwickeln lassen. »Ach ja? Und was habe ich gerade gedacht, als ich dich angesehen habe?«
Er überlegt kurz, legt dann gespielt ernst den Finger an die Lippen. »Etwas zwischen ›Dieser Typ redet Unsinn‹ und ›Okay, seine Nägel sind beeindruckend‹.«
»Ziemlich nah dran«, sage ich, obwohl ich mich nicht erinnern kann, überhaupt auf seine Nägel geschaut zu haben. Jetzt tue ich es. Türkis mit winzigen goldenen Sprenkeln. Sternenhimmel auf zehn Fingerspitzen.
Während ich staune, steht er auf, dreht sich lässig um, öffnet den kleinen Bordkühler und holt eine Flasche Champagner heraus.
Ich blinzele. »Wie oft fliegst du eigentlich hiermit?«
Er antwortet nicht, zuckt nur mit den Schultern, als wäre es das Normalste der Welt. Mit der Flasche in einer Hand und zwei Gläsern in der anderen kommt er zurück, stellt uns die Gläser hin, schenkt ein, und wir stoßen an. Champagner. Über den Wolken der Welt. Wie absurd ist das bitte?
Ich halte das Glas gegen das Licht, studiere das Etikett: teuer, sehr teuer. Ich nippe vorsichtig. Die Kohlensäure prickelt auf meiner Zunge.
»Also, wir fliegen wirklich mit Champagner durch den Himmel. Das hier … muss ein Traum sein, oder?«
Er grinst. »Siehst du? Ich bin besser, als du denkst.«
»Und du willst mir erzählen, dass ihr so was wie Magie erschafft. Und dass ihr Träume wahr macht.«
Er lehnt sich vor, sein Blick wird ruhiger, wärmer. »Nein. Ich sage, dass wir Träume ernst nehmen, wenn du sie uns zeigst. Dass wir sie nicht ausradieren, sondern größer machen.« Dann schmunzelt er. »Und wenn einer deiner Träume zufällig davon handelt, auf einer schwebenden Bühne über einem See aus Licht zu stehen, während ein Kleid aus Rauch um dich herumtanzt, dann kann ich dir jetzt schon sagen: Das kriegen wir hin.«
Ich muss lachen. »Das klingt völlig absurd.«
»Willkommen bei uns. Absurd sein ist unsere Währung.« Er schlägt sein Skizzenbuch wieder auf, doch bevor er die nächste Seite findet, sagt er sanft: »Wenn du das Geld zurückzahlen willst, tu’s. Wenn du bleiben willst, bleib. Wenn du morgen gehst … okay. Aber mach’s für dich. Nicht, weil du denkst, du schuldest irgendwem was.«
Ich nicke, aber in mir tobt noch alles.
Weil es plötzlich so leicht ist.
Weil ich plötzlich nicht mehr kämpfen muss.
Wer nie Geld hatte, weiß, dass Träume oft das Erste sind, was man verkauft, wenn’s ums Überleben geht. Ich greife nach dieser Chance. Nicht freiwillig. Eher wie jemand, der kurz vor dem Ertrinken nach Luft schnappt.
»Hier, schau mal«, sagt Cam schließlich und hält sein Skizzenbuch hoch.
»Du zeichnest Outfits für mich?«
Er grinst – und jetzt ist da wieder dieses Funkeln in ihm. Er ist wie eine Discokugel mit Herz.
»Natürlich. Jede Sängerin braucht ihren Look. Und ich dachte … Glitzer und Drama passen zu dir. Noch bist du ein unbeschriebenes Blatt, doch das wird sich ändern.« Er blättert weiter. »Hier. Ein bodenlanger Rock mit Schlitz, dazu ein Korsett aus schwarzem Samt. Oder hier – silberne Fransen. Du wirst leuchten wie der hellste Stern.«
Ich hebe eine Braue. »Ich dachte, das tut die Show.«
Cam blinzelt. »Wir sind die Show, Stella.«
»Und wer genau sind wir?« Ich sehe ihn an, jetzt ganz direkt. »Erzähl mir ein wenig mehr, damit ich gleich nicht komplett überfordert bin.«
Er lehnt sich erneut zurück. »Wir haben zu sechst angefangen. Vor sieben Jahren.«
Er zählt an den Fingern ab: »Levin, ich, Richie, Rae, Eliza … und dann kam Fia.«
Ich höre die Pause. Spüre sie.
»Fia kommt auch wirklich nicht mehr zurück?«, frage ich vorsichtig.
Cam sieht aus dem Fenster, als könnte er sie irgendwo draußen wiederfinden. »Du fragst, weil du hoffst, dass ich diesmal mehr sage.«
»Vielleicht redest du dich ja in Stimmung oder verplapperst dich aus Versehen. Beides nehme ich gern.«
Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. »Du bekommst Antworten. Aber nicht alle auf einmal. Levin wird dir alles erzählen, wenn es so weit ist.«
»Also soll ich euch quasi einen Vertrauensvorschuss geben, bevor ich überhaupt sicher sein kann, dass ihr mich nicht in eine Glitzerfalle lockt?«
»Eine Glitzerfalle klingt ehrlich gesagt ziemlich stilvoll«, meint er trocken.
»Und Levin hat mich zufällig entdeckt?«, frage ich weiter. Den skeptischen Unterton kann ich nicht vermeiden.
»Er war in Seattle, um Freunde zu besuchen.«
Ich weiß, dass das gelogen ist. So, wie man weiß, dass eine Tür abgeschlossen ist, obwohl man den Schlüssel noch nicht umgedreht hat.
Aber ich sage nichts. Noch nicht.
»Ich habe online gelesen, dass Levins Eltern …«
»Tot sind, ja.« Cam nickt, der Ernst in seinem Gesicht wie ein Schatten, der kurz über ein Lächeln huscht. »Show Illusion gehörte früher seinen Eltern. Magier durch und durch. Sie sind gestorben, als er sechs war.«
»Und wie ging es dann weiter?«
»Danach ging die Show durch viele Hände. Jede von ihnen hat sie fast ruiniert. Bis Levin sie mit achtzehn übernahm. Da war nichts mehr übrig außer dem Namen und einer Idee. Aber das hat ihm gereicht. Er hat alles digitalisiert. Jeder in unserem Team wurde ausgewählt. Jeder von uns kann etwas Besonderes. Und bald wirst du ein Teil davon sein. Wenn du willst.«
»Ich habe mich noch nicht entschieden«, erwidere ich und verschränke die Arme vor der Brust. Aber selbst für mich klingt das nicht überzeugend, denn … was wäre die Alternative? Zurück nach Seattle, in ein Leben, das mir jeden Tag mehr Hoffnung aus dem Herzen saugt?
Cam merkt es natürlich sofort. »Du kannst dir Zeit lassen. Du kannst alles infrage stellen. Nur nicht, dass du etwas Besonderes bist. Sonst wärst du nicht hier.«
Ich sehe aus dem Fenster.
Las Vegas.
Ein schimmerndes Band aus Licht und falschen Versprechen, das sich durch die Dunkelheit zieht wie eine Lüge, die zu schön wirkt, um sie zu glauben.
Doch ich sehe auch, wo es endet.
Wie die Stadt abrupt in Nichts übergeht. In Sand. In Stille.
Der Jet setzt zum Landeanflug an. Immer tiefer sinkt er, bis nur noch Dächer unter uns zu sehen sind und ein einziges strahlendes Hotel neben uns wie eine Einladung aufleuchtet. Selbst von hier aus kann ich die goldenen Buchstaben Arcane Tower deutlich erkennen.
Sobald wir zum Halten gekommen sind, steht Cam auf und reicht mir die Hand. Sein Grinsen ist warm, seine Stimme, als er mich in Vegas willkommen heißt, aufrichtig. Und trotzdem schwingt da ein Unterton mit, der mir sagt: Er kennt den Preis, den man hierfür zahlt.
Cam lehnt sich ein letztes Mal in meine Richtung. »Du bist nicht hergekommen, um klein beizugeben. Du bist hergekommen, um groß zu werden. Ob du’s dir schon eingestehst oder nicht.«
Mein Schweigen ist längst keine Absage mehr. Ich kann nicht sagen, ob ich ihm glaube oder ob ich gerade in Zeitlupe in die schönste Katastrophe meines Lebens laufe.
Stella
Aus dem Fenster kann ich das Hotel sehen. Es sieht aus, als hätte jemand einen Stern vom Himmel gepflückt und mitten in die Wüste gesetzt – zu grell, zu golden, zu viel. Und doch kann ich den Blick nicht davon abwenden.
»Er holt uns von der Landebahn ab«, sagt Cam und packt bereits seine Tasche zusammen. Mit er ist wohl Levin gemeint.
»Landebahn?«
»Direkt neben dem Hotel. Super praktisch, wenn man gerade mal eine großartige Sängerin von Seattle nach Las Vegas bringen möchte.«
Ich versuche zu lachen, aber mein Magen verkrampft sich. Privatjet. Luxushotel. Das Tilgen meiner Schulden. Ich kann nicht begreifen, wie viel Geld hier gerade für mich ausgegeben wird. Gestern habe ich mich noch wie eine Königin gefühlt, weil ich mir Makkaroni mit Käse geleistet habe – echtes Käsepulver, nicht die billigste Version aus dem Discounter. Ein Festmahl im Vergleich zu den Instantnudeln, die ich direkt aus dem Becher esse, weil ich keinen Teller schmutzig machen will. Jetzt sitze ich in einem Ledersessel, der vermutlich mehr kostet als mein kompletter Kleiderschrank.
Und da ist es wieder, dieses leise Ziehen von Stolz, aber auch von Panik zwischen meinen Rippen.
Die Landebahn liegt tatsächlich direkt neben dem Arcane Tower – ein flimmerndes Band aus Licht inmitten der staubigen Weite, als hätte jemand einen Teil der Milchstraße zu Boden gezwungen. Der Jet rollt aus, die Turbinen verstummen zögerlich, als wollten sie sich nicht eingestehen, dass die Reise vorbei ist.
Wir verabschieden uns von der Pilotin, die mir ein zaghaftes Lächeln schenkt. Ich frage mich, wie oft Levin wohl jemanden einfliegen lässt und wie schnell er selbst von Seattle nach Vegas gekommen ist, wenn er Cam und mir den Jet überlassen hat.
Ein Wagen wartet bereits am Rand der beleuchteten Fläche – schwarz, glänzend, mit getönten Scheiben. Und davor steht er. Ich weiß, dass er es ist, bevor wir überhaupt näher kommen.
Levin Ripley.
Mit diesem Blick wie aus einem Märchen, das nicht gut ausgeht. Dunkel, gefährlich, faszinierend.
Er taxiert mich.
»Stella«, begrüßt er mich, und sein Lächeln macht mehr mit mir, als ich zugeben werde. Links und rechts formen sich Grübchen in seine Wangen, die sich für immer in mein Gedächtnis einprägen, denn … Er sieht viel zu gut aus. Und obwohl ich mir das nicht eingestehen will, schreit mein ganzer Körper: Problem.
»Levin.« Ich bin stolz, dass meine Stimme nicht zittert. Und noch stolzer, dass ich ihm in die Augen sehen kann, obwohl da dieses Kribbeln und meine weichen Knie sind.
Er nickt Cam zu. »Danke, dass du sie hergebracht hast.«
»War gar nicht so leicht«, sagt Cam mit einem Seitenblick zu mir, als hätte ich unterwegs fünfmal fliehen wollen.
Habe ich nicht. Nur zweimal. Gedanklich.
»Deswegen habe ich dich geschickt, oder?« Levin hebt leicht eine Braue, dann wendet er sich wieder mir zu. »Danke, dass du gekommen bist.«
»Hatte ich eine Wahl?« Der Satz klingt härter, als ich beabsichtige. Ich will distanziert sein, stark, kein weiteres loses Blatt, das er im Vorbeigehen aufwirbelt.
