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Grudaur, das Land hoch im Norden, ruht unter einer tiefen Decke aus Schnee. Doch weit im Süden, da wo die großen Ströme des Kontinents in das alles umschließende Meer münden, erhebt sich eine dunkle Macht. Lange hat sie gelauert. Gut verborgen und von Vergessenheit geschützt, bedient sie sich nunmehr der Leichtgläubigkeit der Menschen und ihr Stachel ragt bereits tiefer ins Herz Ilumina Cornens, als es dem Betrachter auf den ersten Blick scheint.
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Seitenzahl: 2190
Veröffentlichungsjahr: 2023
und zu zeugen ein Kind, welches makellos und stark
die Geschicke dieser Welt lenken soll.
Die Aufzeichnungen des Imbranus
aus der Urschrift der Menschen
Kapitel 1
Die Höhle
Ilumina Cornen
südliches Nordcornen
Winter 9031
Eisig streift der Nordwind über das Land. Sein kalter Atem lässt alles Leben erstarren und der Schnee in seinem Gefolge sorgt dafür, dass sich eine dicke Schicht tödlicher Kälte über Feldern und Wiesen ausbreitet. In dichtem Flockentaumel fällt das Weiß tagelang aus dem undurchdringlichen Grau des Himmels. Die Bäume biegen sich unter der glitzernden Masse und von Zeit zu Zeit erklingt ein lautes Knacken, wenn ein Ast der zentnerschweren Last nachgibt und berstend zu Boden stürzt.
Unter solcher Witterung ist an einen normalen Marsch nicht mehr zu denken. Ross und Reiter kommen nur schwerlich voran im tiefen, kalten Nass. Mühsam schlängelt sich, den Widrigkeiten trotzend, eine kleine Gruppe durchgefrorener Soldaten, durch ein Tal entlang Richtung Süden.
„Halt!“ Eine Stimme gleich einem Donnerhall, dröhnt durch die Reihen der Kolonne. Sie gehört dem Anführer des Trupps, einem grimmig dreinblickenden Krieger, dessen Aussehen von vielen harten Schlachten zeugt. Das Gesicht des Mannes wirkt grau im Schein des aufgehenden Mondes. Seine Rüstung ist schwarz und liegt zum größten Teil unter einem Umhang aus Biberpelz verborgen. Trotzdem erkennt man deutlich die Umrisse einer Rose, deren Blüte in roter Farbe auf dem schützenden Stahl abgebildet ist. Die Blume ist das Zeichen von Grudaur, dem Königreich weit oben im Norden Ilumina Cornens und sie deutet auf jene Männer und Frauen hin, die sich selbst als Freie bezeichnen.
Der Anführer des Trupps richtet sich im Sattel auf. Er wirft die Kapuze seines Umhanges zurück. Langes, helles Haar kommt daraufhin zum Vorschein. Es wird von einem Ring nach hinten gezwungen und fällt über die Halsberge herab. Ebenso dicht wie sein Haar, ist auch der Bart des Kriegers. Kräuselnd sprießt er aus dem Gesicht und endet dann in zwei Zöpfchen. Kleine Eiskristalle haben sich an den geflochtenen Spitzen gebildet und verleihen ihnen einen Glanz von Edelsteinen.
Der Mann streift sich die Handschuhe ab und fühlt über den Sattel. Ein Zweihänder ist an dem Leder befestigt. Die mächtige Waffe ist mit einer Decke umwickelt, unter der lediglich der Griff hervorschaut. Der Griff selbst ist wundervoll gearbeitet und sein Ende ziert ein aus Knochen geschnitzter Drachenkopf. Die Abbildung wirkt lebensecht und die rubinen Augen scheinen den Schneesturm zu durchdringen.
Der Drache wacht, während der Krieger seinen Blick suchend über die Landschaft schweifen lässt. Ein dunkler Umriss weckt seine Aufmerksamkeit. Zufrieden wendet er sich einem der Männer zu. Im Heulen des Windes, kann man die gesprochenen Worte kaum verstehen. Seine Hand deutet daher geradewegs in die aufkommende Dunkelheit. „Der Sturm wird stärker. Wir sollten heute Nacht im Schutz der Höhle da vorn rasten. Dornwall, nimm dir zwei Männer! Geht voraus und seht nach, ob der Ort geeignet ist!“
„Jawohl Vater!“
In aller Eile steigt ein junger Mann vom Pferd und läuft auf zwei Soldaten in seiner Nähe zu. An der Feinheit in den Zügen seines Gesichtes erahnt man, dass er offensichtlich noch keine zwanzig Sommer erlebt hat. Die glatten, kastanienfarbigen Haare, reichen ihm bis über die Schultern und ein leichter Flaum bedeckt das Kinn. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis man diesen als Bart bezeichnen kann.
Der Erscheinung des Kriegers gereicht dieser Umstand jedoch auf keinen Fall zum Nachteil. Die Hände auf zwei Dolche gestützt, die links und rechts an seinem Gürtel hängen, stapft Dornwall durch den Schnee. Die beiden Dolche und der Bogen auf seinem Rücken lassen darauf schließen, dass er öfters als Kundschafter unterwegs ist. Ein weiteres Indiz dafür ist die leichte Rüstung, die sich an seinen Körper schmiegt, wie eine zweite Haut. Sein Umhang aus grobem Stoff, als Schutz vor Kälte und Nässe gedacht, hängt schwer von den Schultern herab. Eine dicke Schicht aus Schnee und Eis hat sich darauf gebildet, die wie ein fester Panzer wirkt. „Kreb und Flos, kommt mit! Wir sehen uns das mal an!“, befiehlt Dornwall, nachdem er die beiden Soldaten erreicht.
In aller Eile steigt ein junger Mann vom Pferd und läuft auf zwei Soldaten in seiner Nähe zu. An der Feinheit in den Zügen seines Gesichtes erahnt man, dass er offensichtlich noch keine zwanzig Sommer erlebt hat. Die glatten, kastanienfarbigen Haare, reichen ihm bis über die Schultern und ein leichter Flaum bedeckt das Kinn. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis man diesen als Bart bezeichnen kann, was der Erscheinung des Kriegers jedoch auf keinen Fall zum Nachteil gereicht.
Dornwall stapft durch den Schnee, die Hände auf zwei Dolche gestützt, die links und rechts an seinem Gürtel hängen. Die beiden Dolche und der Bogen auf seinem Rücken lassen darauf schließen, dass er öfters als Kundschafter unterwegs ist. Ein weiteres Indiz dafür ist die leichte Rüstung, die sich an seinen Körper schmiegt, wie eine zweite Haut. Sein Umhang aus grobem Stoff, als Schutz vor Kälte und Nässe gedacht, hängt schwer von den Schultern herab. Eine dicke Schicht aus Schnee und Eis hat sich darauf gebildet, die wie ein fester Panzer wirkt. „Kreb und Flos, kommt mit! Wir sehen uns das mal an!“, befiehlt Dornwall, nachdem er die beiden Soldaten erreicht.
Durch den Wind ist der Schnee in Richtung der Felsen aufgetürmt. Gleich einem weißen Gebirge breiten sich die Verwehungen vor ihnen aus. Die drei Männer kommen nur mühsam voran und sinken bis zu den Hüften ein. Der Sturm wird heftiger. Die Luft ist erfüllt von wirbelnden Flocken. In wildem Spiel tanzen sie durcheinander und verringern die Sichtweite. Schon nach wenigen Metern, entschwindet die kleine Gruppe aus dem Sichtfeld der anderen.
Nachdem sie verschwunden sind, wendet der Krieger mit einem Ruck sein Ross und trabt langsam zum Hauptteil der Kolonne zurück. Sein Ziel ist eine Trage, auf der eine junge Frau ruht. Ihr Gesicht ist ebenso von den Strapazen der letzten Stunden gezeichnet, wie der edle Mantel und der reich bestickte Überwurf, in welche die hohe Dame gekleidet ist. Die feinen Stoffe haben ihren Glanz verloren. Sie sind zerschlissen und mit Blut getränkt. Das Antlitz der Frau gleicht eher dem Tod, als dem Leben und die Schönheit die sie einst innehatte, ist verflogen wie der Sommer im Jahr.
Der Krieger betrachtet ihr Gesicht, in dem kaum noch eine Regung zu erkennen ist. Kleine Wölkchen bahnen sich einen Weg durch die Kälte, als er zu sprechen beginnt. „Wir werden heute Nacht hier rasten. Der Sturm wird stärker und solange der nicht nachlässt, ist an ein Weiterkommen nicht zu denken.“
Sie öffnet ihre Augen und blickt ängstlich zu dem Krieger empor. Mühsam beginnen ihre rissigen Lippen Worte zu formen. „Ihr hättet mich sterben lassen sollen! Sterben lassen in Frieden, so wie es für mich vorgesehen war.“ Kraftlos sinkt ihr Kopf zurück.
Der Anführer des Trupps schaut auf die Frau herab, während sich der Ausdruck in seinem Gesicht verfinstert. „Wieso wart Ihr ohne Begleitschutz in Richtung Süden unterwegs?“
Flüsternd erklingt ihre Stimme, ohne auf die Frage einzugehen: „Es ist bald soweit.“ Dann schließt sie die Augen, atmet tief aus und bleibt regungslos liegen. Kopfschüttelnd wendet sich der Krieger um. Sein Blick schweift über die Reihen der Soldaten. Unter ihnen befindet sich eine weitere Frau, deren Weiblichkeit im ersten Augenblick kaum zu erkennen ist. „Destriel, sieh nach, was mit ihr ist!“
Destriel folgt dem Befehl, sitzt ab und nähert sich der Trage. Sie überragt die meisten Männer des Trupps und scheint stämmig gebaut. Trotzdem wirkt die Erscheinung der Kriegerin grazil und etwas Anmutiges haftet ihr an. Ihre halb unter einem wollenen Umhang verborgene lederne Rüstung ist überzogen von kleinen, miteinander überlappenden Metallplättchen, die sauber aneinandergereiht wirken, wie der Panzer einer mächtigen Echse. An ihrem Gürtel trägt die Kriegerin zwei Schwerter. Eines für jede Hand und nach dem Äußeren der Trägerin zu urteilen, weiß sie diese auch einzusetzen.
Das goldgelbe Haar fällt voll und offen über die Schultern, als Destriel die Kapuze ihres Umhanges nach hinten streift. Vom Schatten des Stoffes befreit erstrahlt das Antlitz der Kriegerin selbst im dichten Sturm. Ihre Erscheinung ähnelt der Gischt einer Welle, die im Licht der Sonne auf einen Felsen trifft und dort glitzernd vergeht. Nur ihre Augen verraten, dass sie mehr gesehen und erlebt hat, als ihr jugendliches Gesicht vermuten lässt.
Die Kriegerin zieht ihre wollenen Handschuhe aus und fühlt den Puls an der Halsschlagader der Frau. Schwach pocht es gegen ihre Finger. „Es ist noch Leben in ihr, aber die Flamme leuchtet nur noch schwach.“
Sie schaut ihrem Anführer tief in die Augen und formt mit den Lippen eine einzig für ihn bestimmte Botschaft. „Sie wird wahrscheinlich sterben, Vater!“
Der Krieger erwidert nickend ihren Blick, steigt aus dem Sattel und tritt an die Trage. Seit sie die Frau aus der Gewalt der Orks befreit hatten, kam er noch nicht einmal dazu, sie überhaupt richtig anzusehen. Zu sehr waren er und die übrigen Soldaten des Trupps damit beschäftigt gewesen, alle Spuren zu verwischen und Abstand zwischen sich und die Verfolger zu bringen.
Irgendwie seltsam, eine so große Gruppe im Norden anzutreffen, denkt er im Stillen. Normalerweise unternehmen Orks ihre Raubzüge nicht mehr als hundert Meilen außerhalb Uzrazars und hier befinden wir uns an der südlichen Grenze von Nordcornen. Hierher kamen bisher nur selten Krieger der Horde. Hoffentlich erwacht sie noch einmal, um mir einige Fragen beantworten zu können.
„Vater!“ Die Stimme Dornwalls, der gerade von der Erkundung zurückkehrt, reißt ihn aus seinen Gedanken. „Der Felsvorsprung ist sicher. Unter ihm befindet sich eine sehr geräumige Höhle. In ihrem Schutz können wir notfalls auch ein paar Tage ausruhen.“
Sein Vater wendet sich ihm zu. „Wir haben nicht die Zeit, länger als bis morgen früh zu rasten.“
Mit seiner Hand gibt er das Zeichen zum Aufbruch, was ein freudiges Lächeln in die Gesichter der frierenden Soldaten des Trupps zaubert. Jeder von ihnen ist froh, für die nächsten Stunden vor den schneidenden Winden geschützt zu sein und daher folgen sie eilig dem Befehl. Ihr Anführer allerdings verharrt regungslos und zieht seinen Sohn dichter zu sich heran.
„Dornwall, teile die Männer ein! Ich will, dass immer zwei Mann gemeinsam auf Wache sind. Ein Gefühl sagt mir, dass etwas geschehen wird. Und gib deiner Schwester Bescheid, dass sie sich weiter um die verletzte Frau kümmern soll!“
„Jawohl.“, lautet die knappe Antwort und Dornwall schließt sich den Übrigen an. Nicht jedoch sein Vater. Der Anführer des Trupps wartet inmitten des dichten Schneetreibens und schaut zurück. Die Pferde seiner Gruppe haben eine Schneise im glitzernden Weiß hinterlassen. Die entstandene Spur ist breit und tief und jeder Feind kann ihr problemlos folgen. Doch ein Sturm ist manchmal auch von Nutzen. Die heftigen Winde jagen über den Boden, wirbeln den lockeren Schnee auf und verteilen ihn sorgfältig in den zahllosen Vertiefungen einer Fährte. Zufrieden greift der Krieger die Zügel seines Pferdes und stapft den Soldaten hinterher.
Es dauert einige Zeit bis sich seine Augen an die Finsternis der Höhle gewöhnen. Einige der Männer sind bereits dabei ein Feuer zu schüren, während sie sich angeregt unterhalten. Wenig später lodern die ersten Flammen aus den dünnen Ästen und lassen die Wände in einem roten Licht schimmern. Aufmerksam schaut der Anführer in die Gesichter seiner Leute, die sich überall auf dem Boden niedergelassen haben. Bei dem Anblick, den sie bieten, wird ihm sofort klar, dass die Rast bitter nötig ist. Der schneidende Wind und die beißende Kälte haben stark an der Substanz des Trupps genagt. Die Soldaten sehen müde aus und einige von ihnen sind der Erschöpfung nahe. Ab einer gewissen Kälte ist der Körper nicht mehr in der Lage, die nötige Wärme zu erzeugen und die Männer sind nicht für einen Kampf unter solchen Temperaturen ausgerüstet. Dieser bunte Haufen wurde in aller Eile zusammengestellt. Er besteht aus frisch Rekrutierten, die nur über sehr wenig Erfahrung verfügen und daher im Kampf eher eine Gefahr darstellen. Der Krieger hat kein gutes Gefühl bei dieser Schar. Unerfahrenheit kann tödlich sein vor allem, unter diesen widrigen Umständen. Aber da ist noch etwas anderes.
Dem aufmerksamen Blick des Anführers ist nicht entgangen, dass sich mittlerweile eine gewisse Spannung in den Reihen der Soldaten ausbreitet. Irgendjemand scheint die Männer gegen ihn aufzustacheln. Ein Umstand, der allerdings angesichts dessen, was sich außerhalb der Höhle befindet, dass kleinere Übel darstellt. Im Moment sorgt sich der Krieger mehr um die Orks, deren Weg weit nach Norden geführt hat und wegen denen sie aus Grudaur aufgebrochen sind. Daher schenkt er dem anhaltenden Gemurmel der Soldaten keine weitere Beachtung und sattelt in aller Ruhe sein Pferd ab. Dann begibt er sich in den hinteren Teil der Höhle. Auch hier wurde ein kleines Feuer entfacht und verströmt angenehme Wärme. Der Krieger hockt sich neben seine Tochter und deutet auf die Verletzte. „Wie geht es ihr?“
Destriel ist gerade dabei, den Mantel der Frau zu öffnen. Das Messer in ihrer Hand durchdringt Schnitt für Schnitt das Kleidungsstück und ihre Hände klappen anschließend den so geteilten Stoff auseinander. Plötzlich hält sie inne. Ihre Augen verengen sich aufgrund des unvorhergesehenen Zustandes, in welchem sich die Frau befindet. „Sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen!“, stößt die Kriegerin hervor, während ihre Hand fühlend über den Bauch tastet. Da fällt ihr etwas auf. Am Hals der Frau befindet sich eine Kette mit einem Anhänger. Destriel greift das Schmuckstück und zieht es hervor. „Das Zeichen der königlichen Familie von Lambror.“ Mit einem Ruck richtet sich die Kriegerin auf und ein leises Fluchen entfährt ihren Lippen. „Das ist eine Geschichte, mit der wir besser nichts zu tun haben sollten, Vater.“
„Irgendwie haben wir mit allem zu tun, was in dieser Welt vor sich geht, Tochter.“ Sein Blick ist ernst. „Mir scheint, es gibt einen Grund, dass wir sie gefunden haben.“ Er schaut auf die Frau, deren Gesichtszüge von quälenden Träumen zeugen. Ihr Atem ist flach. Kaum sichtbar bewegt sich die Brust auf und ab und von Zeit zu Zeit durchfährt ein kurzes Schütteln ihren Körper. „Ist es soweit?“
„Sie hat Fieber.“, stellt seine Tochter nach einem fühlenden Griff an die Stirn fest. “Ich muss die Wunde versorgen.“ Sie drückt ihren Vater sanft von sich weg und deutet auf einen blutigen Fleck oberhalb der Brust ihrer Patientin. „Ich schneide das Hemd auf und sehe mir die Verletzung an.“, erklärt Destriel, während sie bereits mit der Arbeit beginnt. Als der Stoff geteilt ist, wird die Ursache des Übels offensichtlich. „Eine Pfeilspitze steckt in ihrer Schulter und sie steckt sehr tief. Der Schaft ist direkt über dem Stahl abgebrochen.“ Sorgfältig untersucht sie die Verletzung und muss feststellen, dass bereits jede Hilfe zu spät kommt. „Die Wunde hat Brand. Wir können nichts mehr für sie tun.“
Ihr Vater beugt sich zu ihr und flüstert: „Ich brauche ein paar Antworten.“
Destriel nickt und wendet sich wieder der Sterbenden zu. Die Kriegerin ist zwar in den Heilkünsten der verschiedenen Völker Ilumina Cornens bewandert, doch dieses Wissen ist nutzlos im Augenblick. Nur die Macht ihres eigenen Blutes vermag noch etwas auszurichten. „Ich weiß nicht, ob meine Kräfte dafür ausreichen. Aber ich will es versuchen.“
Mit einer kurzen Bewegung schneidet sich Destriel mit dem Messer in die rechte Hand und lässt das hervortretende Blut auf die Wunde tropfen. Ein Schimmern umgibt augenblicklich die Stelle, wo der Saft des Lebens auf das Fleisch trifft. „Für den Moment ist die Infektion gestoppt. Aber es wird nicht von langer Dauer sein. Das Fieber brennt sich bereits durch ihren Leib. Ich werde bei ihr bleiben und dich rufen, falls sie noch einmal die Augen öffnet und zu sich kommt.“
Nachdenklich stemmt sich ihr Vater in die Höhe. „Danke für deine Mühe. Ich sehe nach den Anderen und komme dann zurück.“
Langsam geht er durch die Höhle in Richtung seiner Männer davon. Die Gedanken in seinem Kopf beginnen zu kreisen und eine Frage drängt sich dabei zunehmend in den Vordergrund. Was hat diese Frau mit den Orks zu tun? Es ist offensichtlich, dass die Horde nicht grundlos im Norden operiert. Doch weshalb?
Eine aufkeimende Müdigkeit bekämpfend, reibt sich der Krieger über das Gesicht. Die angenehme Kühle der Höhle ist ihm dabei behilflich, denn sie erfrischt den Geist und lässt zumindest für den Augenblick, Gedanken klar erscheinen. Aber eine Lösung liegt trotzdem in weiter Ferne. Ohne die sterbende Frau, gibt es keine Antworten. Der Krieger muss sich im Augenblick mit dem begnügen, was greifbar ist.
Er schaut sich um. Die Höhle ist ein wirklich guter Platz zum Lagern. Sie besitzt nur einen Eingang, der selbst mit unerfahrenen Kriegern leicht zu verteidigen ist. Zufrieden atmet er aus und setzt seinen Weg fort.
Als der Anführer den restlichen Trupp erreicht, richten sich zahllose Augenpaare auf ihn und die geführten Gespräche verstummen.
„Es hätte uns schlechter treffen können. Wir haben genug Proviant und Wasser und es ist trocken hier. Wenn wir Glück haben, ist der Sturm morgen vorbei.“, sagt er und sein Blick schweift nachdenklich in die Runde. Dabei spürt er ganz deutlich, dass ihm die Soldaten nicht mehr vertrauen. Ihre Gesichter zeigen Ablehnung. Hier und da ist sogar einer unter ihnen, der sich bewusst von ihm abwendet. „Ruht euch aus! Wir sollten bei Kräften sein, wenn der neue Tag anbricht!“
Plötzlich beginnt sich Unruhe auszubreiten und leises Gemurmel erklingt. Dann wird es lauter, schwillt an und erfüllt die ganze Höhle, während sich ein Soldat im mittleren Alter nach vorn schiebt. Er übernimmt das Reden für die anderen, die nun schweigen und gespannt darauf warten, was geschieht.
„Werden wir den morgigen Tag überleben?“, beginnt der Soldat mit zynischem Unterton seine Ansprache und ein breites Grinsen ziert sein Gesicht. „Ich glaube nicht.“, beantwortet er seine Frage selbst und fährt fort: „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir die kommende Nacht überstehen.“
Dabei funkeln seine Augen böse und die Stimme nimmt einen herausfordernden Tonfall an. „Ihr solltet das Kommando abgeben, Hauptmann!“ Seine Hände stecken in dünnen Lederhandschuhen und umspielen zwei Dolche, zur Untermalung der Forderung.
Der Soldat meint es ernst. Sogar sein Äußeres ist ein Sinnbild des Schlechten, das ihm innewohnt. In faserigen, fettigen Strähnen hängt ihm das Haar herunter, während auf dem Hinterkopf eine kahle Stelle durchschimmert. Der Aufwiegler stammt aus dem Süden Grudaurs, was man dem leichten Akzent seiner Aussprache entnehmen kann. Er ist aufgewachsen in einem der Dörfer, die sich entlang der südlichen Grenze erstrecken und kam dann nach Vastamar wo er anfing, seinen Lebensunterhalt mit kleinen Gaunereien zu verdienen. Diese Tätigkeit brachte ihn irgendwann hinter Gittern. Dort saß er einige Monate, bis man neue Soldaten rekrutierte. Er ergriff die Chance der Begnadigung und ist nun hier, ein weiteres Verbrechen planend. Gewaltbereit baut er sich auf mit dem Ziel, sein Vorhaben umzusetzen. Plötzlich dringt eine Stimme durch das Dunkel der Höhle.
„Setz dich wieder hin und such keinen Streit, Dromag!“ Ein Krieger geht langsam auf den Mann zu. Er ist nicht sehr groß, aber stämmig gebaut. Der Bart in seinem Gesicht ist schwarz wie die Nacht und von den Haaren sind nur die Spitzen zu sehen, da der Rest unter einem massiven Helm verborgen ist. Seine gepanzerten Handschuhe umklammern eine Zweihandaxt. Lang ist der Stiel der Waffe. Eigentlich zu lang, um von einem Krieger seiner Größe händelbar zu sein. Doch mühelos schwingt er sie im Gehen. Wie ein Taktstock während des Spiels, wirbelt die Axt um seine Gelenke. Plötzlich verharrt der Zwerg und lässt den Axtkopf vor sich auf den Fels krachen. „Ich wiederhole ungern eine Forderung.“, brummt er in Dromags Richtung.
„Schweig Grumhand, oder ich schlitz dich auf!“, erwidert der Aufwiegler mit bösem Blick und schaut dabei auf den untersetzten Krieger, der mittlerweile direkt vor ihm steht.
„Lassen wir es darauf ankommen.“, fordert der Zwerg und nimmt seine Axt mit beiden Händen.
„Halt.“, mischt sich nun der Anführer ein. „Wir haben heute genug Männer verloren.“
„Genau das haben wir.“ Dromag spuckt verächtlich aus. „Ich hab die Schnauze voll. Wie steht es mit euch?“ Fragend blickt er in die Runde. „Was wollen wir hier in diesem öden Landstrich? Grudaur ist hunderte von Meilen entfernt. Eure Weiber sind hunderte Meilen entfernt und niemand weiß, ob ihr sie jemals wiederseht.“ Die Männer beginnen abermals zu murmeln und nicken zustimmend.
Der Anführer hat Dromags Worte vernommen und schaut ihn lange an. Sehr lange, während es in ihm zu brodeln beginnt. Dann beendet er sein Schweigen, die Wut unterdrückend. „Ich werde nicht gegen dich kämpfen.“, lautet seine Entscheidung.
„Du würdest ihn wie eine Fliege zerquetschen.“, erklingt daraufhin, die aufgebrachte Stimme des Zwerges.
„Vielleicht.“, antwortet der Krieger, das Gesicht Dromags fixierend. Die Wände der Höhle werfen seine Stimme mehrfach zurück, als er erneut zu sprechen beginnt. „Jetzt ist jedoch nicht die Zeit für einen Kampf. Ich entbinde dich und alle Männer, die dir folgen wollen, von dem geleisteten Eid. Möget ihr in Frieden weiterziehen.“ Der Krieger wendet sich ab und geht, ohne dem Rädelsführer einen weiteren Blick zu schenken.
Trotz des Angebots, ist für Dromag die Sache noch nicht erledigt. Er dreht sich um und grinst den Männern siegesbewusst zu. „Er ist ein Feigling, so wie ich’s gesagt habe.“ Sein Gesicht verformt sich zu einer Grimasse. Den Sieg zu erringen war leichter, als er geglaubt hatte. „Wer mir folgen will, möge Vortreten!“
Geschlossen erheben sich die Soldaten. Ausnahmslos wollen sie sich ihrem neuen Anführer anschließen. In herrenhafter Pose nimmt Dromag vor ihnen Aufstellung. „Wir brechen sofort auf und reiten zurück nach Norden.“ Voller Übermut stößt Dromag einen Stein ins Feuer, so dass die Funken nach allen Seiten davonstieben und deutet auf den Krieger, der sich von ihnen schweigend entfernt. „Er ist ein Feigling. Ein Feigling.“ Sein Lachen hallt durch die Höhle.
„Übertreib es nicht!“, zischt Grumhand böse und tritt ins Licht der Flammen, um ein letztes Mal an die Vernunft der versammelten Männer zu appellieren. „Wenn ihr geht, wird das euer Ende sein. Da draußen habt ihr keine Chance.“
Grumhands Worte verhallen ungehört. Keiner der Soldaten reagiert auf seine Warnung oder ändert gar die Meinung. Ärgerlich wendet sich der Zwerg ab und schickt sich an, seinem Freund zu folgen, woraufhin ihm Dromag den Weg versperrt. „Du bist bereits zu lange mit dem alten Mann unterwegs!“ Herausfordernd schaut er dabei von oben herab, um seine Überlegenheit zu demonstrieren. Grumhand kann nicht ausweichen und steht genau vor ihm. Seine Stirn reicht gerade mal bis zur Brust des Widersachers und dieser nutzt die Situation aus, um den Zwerg zu reizen. „Soll ich in die Knie gehen, damit wir auf Augenhöhe kämpfen können?“
Grumhand übergeht die Anspielung, obwohl sein wildes Zwergenerbe danach schreit, entfesselt zu werden. Leise pfeifend löst er sich von Dromag und geht in die andere Ecke der Höhle. Er weiß, dass sein Anführer keinen Kampf wünscht, auch wenn dieser Umstand einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.
Der Zwerg hat sich gerade einige Schritte entfernt, als er hinter sich einen lauten Schrei und das metallene Geräusch eines Messers vernimmt, das zu Boden fällt. Dazwischen mischen sich ein tiefes Knurren und das Knacken von Knochen. Mit wenigen Schritten ist er bei Dromag. Seine gepanzerten Handschuhe greifen hart an den Hals des Schurken und drücken langsam zu. „Du elender Lump hattest nicht den Mut, mich von vorne anzugreifen! Aber das geschieht dir recht. Mit dem Arm, wirst du so schnell kein Messer mehr schwingen.“
Er löst den Griff seiner Hand und schaut auf die blutende Wunde des Gegners. Noch immer hängt und zerrt ein Wesen daran, das für einen Wolf zu groß und für einen Bär zu klein ist. Das schwarze Fell schimmert im Rot des Feuers. Durch das Schattenspiel der Flammen erkennt man nur Umrisse und kann die wahre Größe des Tieres nur erahnen.
„Nimm das Vieh weg! Oder wir legen es um!“, schreit Dromag, während er versucht, sich aus dem eisernen Griff zu befreien.
„Argo, lass ihn los!“ Das Wesen gibt den Arm augenblicklich frei und zieht sich langsam zurück. Dabei hält es den Blick weiterhin auf Dromag gerichtet, um im Falle eines erneuten Angriffs blitzschnell nach vorne zu springen.
Durch den Vorfall ist die Stimmung abermals angespannt. Einige der Soldaten haben bereits ihre Waffen gezogen und wollen sich in den Kampf zu stürzen. Doch der Respekt vor dem Kampfrausch eines in Raserei verfallenen Zwerges und einer Bestie, von der keiner wirklich weiß was sie ist, hält die Männer noch zurück. Vorsichtshalber greift Grumhand trotzdem seine Axt etwas fester. Es bedarf nur noch eines Funkens und der Kampf wird unvermeidlich sein. Da schwirrt ein Pfeil dicht an Dromags Kopf vorbei und prallt mit einem hellen Klirren an der Felswand ab.
„Ich würde sagen, es ist an der Zeit für euch aufzubrechen!“, erklingt fordernd Dornwalls Stimme, während er in den Schein des Feuers tritt. Sein Bogen ist erneut gespannt und der Krieger macht nicht den Eindruck, dass sein nächster Pfeil das Ziel verfehlen wird. „Ihr habt euch für freien Abzug entschieden, also nutzt eure Chance!“ Bei diesen Worten, schwenkt Dornwall mit seinem Bogen die Reihen der Männer ab. Dromag steht noch immer mit hassverzerrtem Gesicht da und schreit sich die Schmerzen aus dem Leib. Das Blut läuft an seinem zerfetzten Arm hinab und bildet eine rote Lache am Boden. Seine Schreie übertönend, erklingt abermals Dornwalls Stimme. „Ihr habt nur noch wenig Zeit eure Sachen zu packen.“ Er nickt dem Zwerg zu. „Gib ihnen den Takt vor!““
Grinsend dreht Grumhand seine Axt, so dass der Stiel nach unten zeigt. In rhythmischer Gleichmäßigkeit trifft das eisenbeschlagene Holz auf den kalten Fels. „Tak, Tak, Tak.“
Die Höhle wirft den Klang zurück. Ihre Wände nehmen die Schwingungen auf und lassen sie über den Stein gleiten, während dieser den Rhythmus verdreifacht. Eiligst lassen die Männer daraufhin die Waffen sinken, verbinden Dromags Arm und beginnen ihre wenigen Habseligkeiten zu packen. Die Stimmen des Aufruhrs sind verstummt und nur der gleichmäßige Schlag des Axtstiels, erklingt noch über den Köpfen.
Mit stoischer Ruhe hält Grumhand den Takt, während Argo zu seinen Füßen liegt und aufmerksam über jede Bewegung der Männer wacht. Nichts entgeht ihrem scharfen Auge. Wenn einer von ihnen einen falschen Schritt tut, hebt die Bestie den Kopf und ein leises Knurren entfährt dem Maul. Dornwall versucht währenddessen, alle Abtrünnigen im Schussfeld zu behalten. Dabei schwenkt er in jede Richtung und achtet auf die kleinste, seltsam anmutende Bewegung. Zäh schleicht die Zeit dahin, bis alle ihre Sachen verschnürt haben.
„Wir sind fertig.“, stöhnt Dromag und schaut müde auf die drei, welche ihm so übel mitgespielt haben. „Ich hoffe, dass wir uns nie mehr begegnen.“, zischt er böse hervor und hält sich den verbundenen Arm.
„Das hoffe ich für dich.“, antwortet Grumhand barsch. „Sollten wir uns wiedersehen, wird es nicht bloß bei einer Wunde am Arm bleiben.“
Der Rhythmus seiner Axt verstummt. Die abtrünnigen Soldaten nehmen ihre Pferde und einer nach dem anderen verlässt die Höhle. Sie treten ins Freie wo der eisige Nordwind lauert und ein Schneesturm, bei dem man besser in einem sicheren Unterschlupf bleibt. Noch könnten sie umkehren. Aber die Männer denken nicht daran ihren Plan aufzugeben. Ist es die Angst die sie treibt? Grumhand hat keine Erklärung für ihr törichtes Handeln. Doch eigentlich ist es ihm auch egal. Jedermann muss Entscheidungen treffen und diese Männer haben sich entschieden. Er folgt ihnen zum Eingang und wartet, ebenso wie Dornwall, der den Bogen noch immer auf die ehemaligen Gefährten richtet, bis auch der letzte von ihnen in der Dunkelheit der Nacht verschwunden ist.
„Die müssen wahnsinnig sein, sich bei diesem Wetter auf den Weg zu machen.“ Grumhand blickt in die Finsternis und nickt zustimmend. „Du sagst es. Aber es ist ihre Entscheidung.“
Seine Gedanken sind bei Dromag. Zu gerne hätte er dem Verräter die Axt in den Schädel getrieben und dabei zugesehen, wie dieser langsam krepiert. Aber nun ist er weg und mit ihm die hörigen Soldaten, deren Leben aus reiner Dummheit inmitten des Sturms und der Nacht wohl dem Tod geweiht sind.
Hinter Grumhand lässt Dornwall indes den Bogen sinken. Er bewegt schlenkernd die Arme und schüttelt dabei die Steifheit aus den Gelenken. Langsam weicht das Taubheitsgefühl, welches sich in seinen Gliedern ausbreitete. „Wir sind wieder allein. Du, meine Schwester, Vater und ich.“, stellt Dornwall lächelnd fest, während er seinen Bogen schultert.
„Und Sie.“ Grumhand tätschelt den Rücken von Argo, die neben ihm sitzt und seinen Körper um mehr als drei Handbreit überragt. „Dank ihr, ist ein Blutbad vermieden worden.“ Zufrieden knurrt das mächtige Tier auf und streckt sich lang hin. „Ich übernehme die Wache für heute Nacht. Sollte ich einschlafen, ist immer noch Argos wachsames Auge an meiner Seite.“
Dornwall nickt als Zeichen der Zustimmung. „Ich gehe zu meinem Vater und berichte ihm was geschehen ist.“
„Sag ihm auch, er soll sich ausschlafen.“, antwortet Grumhand. Dann lässt er sich wie versprochen neben dem Eingang nieder, hüllt sich in ein paar Decken und starrt in die Dunkelheit. Laut heult der Sturm durch die Nacht. Er verfängt sich in den Felsen, bläst über den Stein und singt sein eigenes Lied. Der Zwerg lauscht eine Zeitlang dem Klang des Windes. Dann kramt er in seinem Brotbeutel und holt eine abgenutzte Pfeife hervor. Mit geübten Handgriffen klopft er die Reste alten Tabaks aus dem Kopf, stopft ihn neu und entzündet das Kraut. Jetzt, nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, findet er die Möglichkeit noch einmal über das Geschehene nachzudenken. Während dieser Gedanken ruht seine rechte Hand auf Argo, die neben ihm liegt und ihm heute das Leben gerettet hat.
*
„Was ist geschehen?“ Fragend blickt Destriel zu ihrem Vater auf.
„Dromag hat sich entschieden zu gehen und die Männer sind ihm gefolgt. Ich habe mich ihnen nicht in den Weg gestellt. Ein Kampf hätte uns in der jetzigen Situation noch mehr geschwächt.“ Sein Gesicht wirkt ernst bei diesen Worten und man sieht ihm an, dass er sich schwer mit der Niederlage abfinden kann.
„Dromag also.“ Destriel schüttelt den Kopf. „Es war abzusehen, dass er versuchen wird, sich gegen dich zu stellen. Aber dass er ausgerechnet heute den Mut dazu aufbringt, hätte ich nicht gedacht.“
Sie wendet sich wieder der Sterbenden zu. Die Frau sieht etwas erholter aus. Ihre Wangen haben an Blässe verloren und die Augenlieder beginnen sich zu öffnen. „Wasser.“, kommt es schwach über ihre rissigen Lippen.
Vorsichtig richtet Destriel sie auf und reicht ihr eine kleine Schale an den Mund. „Du musst langsam trinken!“, fordert die Kriegerin, während die Flüssigkeit in dünnen Rinnsalen aus den Mundwinkeln der Frau läuft, um dann in kleinen Tropfen auf das Hemd zu fallen.
Ihr Vater tritt neben das Krankenlager und geht in die Knie. Nun, da die Frau nochmals erwacht ist hofft er, Antworten auf seine Fragen zu erhalten. „Kannst du mich hören?“ Die Frau nickt schwach. „ Mein Name ist Goran von Grudaur. Wir haben dich einige Meilen nördlich von hier verletzt aufgefunden. Orks haben euch überfallen.
„Was ist mit den anderen?“, bricht es aus der Frau hervor.
„Sie sind tot.“, sagt Goran. „Niemand außer dir hat den Angriff überlebt.“ Ganz nah ist er nun über ihrem Gesicht. „Wer bist du und was wolltet ihr bei diesem Wetter auf der Straße?“
Mit zittriger Stimme beginnt die Frau zu erzählen. „Ich bin Gilwreth, aus dem Hause Lambror und Tochter von König Hebold. Man hat mich verstoßen und zum Tode verurteilt, weil ich ein Kind in mir trage.“
Das ist merkwürdig, denkt Goran überrascht und stellt fest: „König Hebold hat keine Tochter. Er hat überhaupt keine Kinder. Seine Frau war meines Wissens unfruchtbar und sie starb vor vielen Jahren.“ Vorwurfsvoll schaut er in ihre Augen um zu sehen, ob sie die Wahrheit sagt.
„Ihr habt recht, Herr. Meine Mutter ist tot. Aber sie starb erst vor wenigen Monaten. Bis zu ihrem Ende lebte sie eingesperrt in einem Verließ.“
Nachdenklich schaut Goran seine Tochter an, die ihn eiligst beschwichtigt. „Lass sie reden!“
„Also gut.“, stimmt er zu. „Sprich weiter, Gilwreth.“
Die Frau hustet kurz und trinkt einen weiteren Schluck. Dann erzählt sie von dem was sich vor Jahren zutrug im Reiche Lambror. „Meine Mutter konnte nach meiner Geburt keine weiteren Kinder gebären. Aus Wut darüber wurde sie von meinem Vater verstoßen und mich brachte man in den Süden, um die Erblinie der Lambrors zu erhalten, falls kein männlicher Nachfahre geboren wird. Im Reich streute der König indes das Gerücht, dass sein Weib verschieden sei.“ Gilwreth stockt und ihre Worte versiegen. Das Sprechen fällt ihr sichtlich schwer. Hilfesuchend blickt sie zu Destriel und dann zu deren Vater.
„Deine Geschichte überzeugt mich nicht.“, sagt der Krieger abweisend.
Gilwreth holt tief Luft und deutet auf das Medaillon an ihrem Hals. „Dieses Schmuckstück gehörte meiner Mutter. Seht es euch an! Wie sollte jemand in seinen Besitz kommen, der keinen Zugang zum hohen Haus des Reiches hat.“
„Stehlen?“, schießt es auch Destriels Vater hervor. „Ich habe keine Zeit für Spielchen.“
Seine Hand fährt zum Gürtel, an dem ein Dolch hängt.
Seine Tochter erhebt sich ebenfalls und drängt ihn zurück. „Warte! Ich werde ihr zuhören und dann selbst entscheiden.“
„Gut.“ Seine Hand gibt den Griff der Waffe frei. „Aber beeile dich!“
„Uns bleibt sowieso kaum noch Zeit.“, antwortet Destriel und wendet sich wieder Gilwreth zu. „Sprich weiter!“
„Vor einigen Monaten erreichte mich ein Brief meines Vaters. Auf sein Geheiß hin, wurde ich zurück nach Lambror gebracht, um einen Mann von hohem Stand zu ehelichen.“ Ihre Hände beginnen zu zittern. Das Fieber kehrt schnellen Schrittes zurück und seine Hitze beginnt abermals Gilwreth aufzuzehren. Vorsichtig reicht Destriel der Sterbenden die Schale mit Wasser. Kraftlos nimmt die Totgeweihte einen Schluck und berichtet dann mit stockender Stimme, was sich weiter zugetragen hat. „Ich wurde von einer Eskorte abgeholt, die mich nach Norden begleitete. In der Nacht bevor wir am Hofe ankamen, hatte ich einen sonderbaren Traum. Ein junger Mann erschien mir. Er war wunderschön und seine Stimme hatte einen lieblichen Klang. Er nahm mich mit auf eine Reise durch Landschaften die so unwirklich waren, dass sie nur meiner Vorstellung entsprungen sein können. Unter einem Baum nahm er mich und verschwand.“
Gilwreths Zittern nimmt weiter zu. Mit leerem Blick schaut sie in Destriels Gesicht. „Und wie ging es weiter?“, will die Kriegerin wissen, das Ende der Sterbenden vor Augen. Die Frau schweigt. Sie scheint in der Erinnerung des Erlebten gefangen. Destriel schüttelt die Totgeweihte und redet auf sie ein. „Wie ging es weiter!“
Der feste Griff, reißt Gilwreth aus ihren Erinnerungen. Erschrocken blickt sie Destriel an. „Wo bin ich?“
„In Sicherheit.“, erklingt die Stimme der Kriegerin in sanftem Ton. „Du hast uns erzählt, was geschehen ist und bist dann verstummt.“
Gilwreth entsinnt sich plötzlich. Sie richtet sich sogar etwas auf und erzählt dann weiter.
„Am nächsten Tag wurde ich meinem zukünftigen Ehemann vorgestellt. Seine Mutter und eine Heilerin vollzogen die Keuchheitsprobe und erklärten sich dann mit dem Bund einverstanden. Es begann die dreimonatige Zeit des Werbens. Das Datum zur Bekundung der Einheit zwischen Mann und Frau war somit festgesetzt und alles schien in Ordnung. Dann, es waren einige Wochen vergangen, fühlte ich etwas in mir, dass nicht da sein konnte. Ich war schwanger.“
„Und du bist dir sicher, dass dich kein Mann jemals richtig berührte?“, fragt Goran, über die Schulter seiner Tochter blickend.
„Ich bin unbefleckt. Die alte Heilerin hat es überprüft.“
Der Krieger fährt sich durch den Bart. Spielerisch lässt er dabei die beiden Bartenden zwischen seinen Finger tanzen. Es scheint ihm mehr als sonderbar, was seine Ohren gerade zu hören bekommen. „Destriel, sieh nach!“
Seine Tochter schaut ihn überrascht an. „Ich soll…?“
„Sieh nach und überprüfe ihre Aussage!“, fordert Goran abermals und wendet sich ab.
Seine Tochter wechselt ihren Patz und entblößt Gilwreths Unterleib. Dann drückt sie sanft die Beine der Frau auseinander und verschafft sich Gewissheit. „Sie ist unversehrt.“, stellt sie fest und bedeckt die Blöße. „Aber das kann nicht sein."
„Offensichtlich schon.“, antwortet ihr Vater in seltsamen Tonfall. Er dreht sich zu ihnen um und legt beschwörend den Finger an den Mund. Dann blickt Goran abermals auf die sterbende Frau vor sich. „Erzähl, was weiter geschehen ist!“
„Ich konnte meinen Zustand nicht lange verheimlichen.“, berichtet Gilwreth mit zunehmend schwindender Stimme. „Als der König davon erfuhr, verurteilte er mich zum Tode und sperrte mich in jene Zelle, in der meine Mutter schon viele Jahre verbracht hatte. In völliger Dunkelheit und ohne Wasser und Brot, verbrachte ich Stunde um Stunde, den Tod vor Augen. Dann wurde eines Nachts mein Verließ geöffnet. Ich hatte mit allem abgeschlossen und war bereit zu sterben. Doch der Mann der mich holte, war keiner von meines Vaters Soldaten. Seine Worte klingen noch heute in meinen Ohren. Er gab mir Gold und schickte mich nach Süden.“
„Nach Süden also.“, wiederholt Goran überrascht ihre Aussage. „Wieso nicht in eines der angrenzenden Reiche und warum hat er dich nicht begleitet?“
„Er hat mich begleitet.“, antwortet Gilwreth schwach. „Zwei Tage lang. Dann trafen wir auf fahrendes Volk, das mir anbot, mich ihnen anzuschließen. Ihre Gegenwart erschien mir sicherer, als irgendein Reich, in dem ich eine Fremde bin. Die Gaukler und Schauspieler waren ebenfalls nach Süden unterwegs, was mir als Zeichen für die Zukunft erschien. Ich trennte mich von meinem Retter und blieb bei dem fahrenden Volk. Aber unsere Reise währte nur kurz. Wir wurden überfallen und ich spürte plötzlich diesen Schmerz in meiner Schulter. Dann wurde es dunkel und ich bin erst wieder bei euch aufgewacht.“
Goran sieht seine Tochter an. „Was meinst du?“
Destriel zuckt die Schultern. „Die Geschichte kann stimmen.“ Sie deutet auf Gilwreth, deren Körper mehr und mehr im Fieber vergeht. „Sie ist intakt und trotzdem schwanger. So etwas gibt es nicht, nach allem was ich weiß.“
Die Worte der Tochter hämmern gegen Gorans Stirn. Seine Gedanken schweifen zurück und verfangen sich in der Nacht vor dem Aufbruch. Eine Stimme erklingt in seinem Kopf, die von drohender Gefahr kündet. Sie entstammt jenem Traum der ihn heimsuchte, bevor der Trupp nach Süden aufbrach. Die Stimme forderte keine Zeit zu verlieren und sich auf den Weg zu machen. Goran ist ihrem Ruf gefolgt und fand Gilwreth inmitten ihrer toten Begleiter. Aber weshalb, fragt er sich und blickt die beiden Frauen an.
Sorgenfalten bilden sich auf seiner Stirn. „Ich muss nachdenken und eine Entscheidung fällen.“, brummt Goran und wendet sich ab.
Seine Tochter schaut mit zusammengekniffenen Augen hinterher, während die Dunkelheit der Höhle, den Körper des Kriegers verschlingt. Da greift Gilwreth plötzlich Destriels Hand und drückt so fest zu, wie es die schwindende Kraft ihrer Glieder zulässt. „Ihr stammt aus Grudaur?“
„Wir leben in Vastamar.“, lautet die knappe Antwort.
„Und er ist Euer Vater?“ Gilwreth schaut forschend aus ihren müden Augen.
„Er ist nicht unser leiblicher Vater. Aber mein Zwillingsbruder Dornwall und ich nennen ihn so, weil er uns gerettet hat und weil er uns eine Familie war, als wir niemanden mehr hatten.“ Destriels Blick wandert an den Wänden entlang und sie entsinnt sich an die glücklichen Tage ihrer Kindheit. „Ich bin eine Halbelbin und besitze teilweise die Fähigkeiten des unsterblichen Volkes.“
Überrascht löst Gilwreth den Griff. „Man sieht euch euer Erbe nicht an.“
„Es ist nicht offensichtlich. Vor allem nicht bei mir. Trotzdem ist es da, in Form eines guten Gehörs und schneller Reflexe. Außerdem habe ich eine gewisse Begabung zum heilen von Wunden. Doch ich verfüge nicht über das elbische Licht des Lebens. Ich altere zwar langsamer als normale Menschen, aber eines Tages wird sich die Schwäche der Vergänglichkeit meiner annehmen. Mein Bruder hingegen hat das scharfe Sehvermögen der Elben geerbt und er verfügt über das unendliche Lebenslicht.“
Gilwreth erinnert sich an alte Geschichten, die sie während ihres Aufenthaltes im Süden gehört hat. Vorwurfsvoll schaut sie daher ins Gesicht der Kriegerin „Ich glaube, es ist eher ein Fluch!“
Destriels Gesicht nimmt einen ärgerlichen Ausdruck an, als sie die Worte vernimmt. „Ohne diesen Fluch, wärst auch du tot wie die anderen.“
„Ich sterbe sowieso.“, haucht Gilwreth kaum hörbar. Dicke Schweißperlen kullern über ihre Stirn. Das Fieber im Körper der Frau wütet immer heftiger und ihr Ende scheint zum Greifen nahe. Sie schließt die Augen und schweigt. Dann plötzlich ergreift sie nochmals das Wort. Flüsternd dringt ihre Stimme zwischen den Lippen hervor. „Dein Vater, was ist er?“
„Das spielt keine Rolle.“, beantwortet Goran die Frage selbst. Unbemerkt ist er aus dem Dunkel der Höhle zurückgekehrt und steht nun mit gezogenem Dolch vor den Frauen.
Destriel will etwas sagen, doch sein eisiger Blick lässt die Kriegerin verstummen.
„Die Soldaten haben uns verlassen. Sie sind in den Sturm gegangen und versuchen ihr Glück auf eigene Faust. Wir hingegen, werden wie geplant die Nacht in dieser Höhle verbringen. Morgen ziehen wir weiter.“ Die Spitze seiner Waffe deutet auf Gilwreth, deren Augen sich angstvoll weiten. „Du Gilwreth, Tochter von König Lambror, wirst uns dann nicht weiter begleiten. Der deinige Weg, wird nicht mehr der unsrige sein.“
„Warte!“, mischt sich Destriel nun doch ein. „Lass sie leben!“
„Wofür?“ Er wedelt mit dem Dolch in der Luft. „Ich beende ihre Qualen. Sieh sie dir an!“
Seine Tochter folgt dem Rat und erkennt, wie wahr die Worte des Vaters sind. Trotzdem widerspricht Destriel vehement. „Denk an das ungeborene Kind!“
„Niemand weiß, wann es kommt.“, entgegnet Goran ärgerlich und zieht seine Tochter mit sich. Dann zischt er sie an. „Wir können sie keinesfalls mitnehmen. Selbst wenn sie die Nacht überlebt, ist sie dem Tod geweiht. Du kannst deine Augen nicht vor der Wahrheit verschließen.“
„Die Geburt des Kindes steht unmittelbar bevor.“, zischt Destriel verärgert zurück. „Ich denke, es kommt heute Nacht.“
„Und dann?“ Fragend blickt er sie an. „Sollen wir mit einem Neugeborenen durch den Schnee nach Grudaur marschieren? Wie stellst du dir das vor?“ Goran drückt seine Tochter unsanft beiseite. „Besser ich töte sie und das Kind.“
Destriel greift hart in seinen Arm. Sie reißt ihn förmlich zu sich und langt nach dem Dolch in seiner Hand. „Gib ihn mir! Ich erledige es selbst, falls Gilwreth morgen früh noch lebt und das Kind ihren Leib nicht verlassen hat.“
Er gibt die Waffe frei. „Also gut. Aber ich weiß nicht, was du dir davon versprichst. Das Kind hat so oder so keine Chance zu überleben.“
Wütend stapft Goran davon. Er geht zu seinem Sattel, nimmt eine Decke und rollt sich ein. Seine Tochter hingegen setzt sich wieder neben Gilwreth, deren Augen fest geschlossen sind.
Sie betrachtet das schwindende Antlitz der Frau und streichelt ihr sanft über das Gesicht. „Schlaf und gib deinem Kind die Kraft zu leben! Ich werde heute Nacht an deiner Seite bleiben.“
Destriel greift eine Decke und bereitet sich ein notdürftiges Lager. Dann legt sie noch ein paar dünne Äste in die Flammen des kleinen Feuers, das dadurch etwas heller lodert und ein wenig mehr Wärme verströmt. Als sie noch einmal zur Trage sieht, hat Gilwreth die Augen fest geschlossen. Ihr Aussehen zeugt bereits vom bevorstehenden Tod, auch wenn sich der Brustkorb noch gleichmäßig hebt und senkt.
Lauschend hört Destriel ihrem Atem zu, in den sich die Melodie des Zwerges mischt. Grumhands Pfeifen ihm Ohr schlummert die Kriegerin ein und der letzte Gedanke, dem sie habhaft wird, ist das Bild eines Kindes, welches schützend in ihren Armen ruht.
*
„Du musst es retten!“ Die Stimme in Gorans Kopf klingt nach, während er die Augen aufreißt. Wie eine Glocke, welche nach ihrem Spiel langsam ausschwingt, hallen die Worte hinter seiner Stirn. Die Bilder aus seinem Traum waren real und gaben ihm das Gefühl alles zu erleben. Er spürt noch den Schmerz der Wunden, die ihm in der Schlacht zugefügt wurden, riecht noch den Gestank der verwesenden Körper und fühlt den Hauch des Todes, der seine fauligen Finger nach ihm ausgestreckte. Alle waren gestorben und er stand allein, um die Horden in die Dunkelheit zurückzuschlagen. Und dann dieses Licht, das hell und direkt auf einen Punkt wies. Er hatte bereits oft in seinem Leben prophetische Träume von Dingen, welche später geschehen sind, aber ihr wahrer Sinn offenbarte sich meist erst im Nachhinein.
Mit der Hand wischt sich Goran übers Gesicht, um wieder Herr seiner Gedanken zu werden. Doch in seiner Nase ist noch immer der Geruch verbrannten Fleisches vorhanden ebenso, wie die Bilder dessen, was seinen Traum mit Leben erfüllte. Plötzlich dringt ein Geräusch an die Ohren des Kriegers, das ihn schlagartig zurück in die Gegenwart befördert. Mit einem Ruck ist er auf den Beinen. Gilwreth! Nach wenigen Schritten ist Goran bei den beiden Frauen.
Destriel ist gerade dabei, mit Hilfe einer Öllampe für etwas mehr Licht zu sorgen. „Es ist so weit“, ruft sie, ohne sich dabei umzudrehen.
Eilig kommt Dornwall aus der Richtung des Feuers gelaufen und stellt vorsichtig einen dampfenden Topf neben seiner Schwester auf den Boden. „Hier ist das Wasser, das du wolltest.“
„Sieh mal nach, ob du noch ein paar saubere Stofffetzen findest!“, gibt sie knapp zurück, ohne aufzublicken. Eilig wendet sich ihr Bruder ab und läuft davon, während Gilwreths Schreie lauter werden. „Es sieht gut aus. Ich kann es bereits sehen.“ Mit einem Tuch wischt Destriel ihr die Schweißperlen von der Stirn. „Du musst pressen. Pressen!“
Die Hände der Kriegerin umgreifen den kleinen Kopf des Säuglings, um dann langsam und vorsichtig der Natur ihren Lauf zu lassen. Goran steht da und weiß nicht so recht was er tun soll, aber eines bereitet ihm zunehmend Sorge. Eine Geburt ist das Letzte, was sie in ihrer jetzigen Situation gebrauchen können. Das Geschrei eines Neugeborenen wird jeden Ork anlocken, der sich im näheren Umkreis der Höhle befindet.
Dornwall kehrt zurück und legt ein paar Leinentücher neben Destriel auf den Boden. „Das ist alles, was ich finden konnte.“
Sie lächelt ihren Bruder an. „Ich danke dir.“
Ihr Vater schaut ihnen gedankenversunken zu und bemerkt gar nicht, als plötzlich Grumhand neben ihm steht. „Wir kriegen Besuch.“, sagt der Zwerg und stößt dem Krieger unsanft in die Seite. „Argo hat Witterung aufgenommen. Die Orks müssen uns aufgespürt haben. Es bleibt nicht viel Zeit!“
Ihre Blicke streifen sich und jeder von ihnen weiß, was ein bevorstehender Angriff bedeutet. Augenblicklich verändert sich der Ausdruck in Gorans Gesicht und er wendet sich Dornwall zu. „Komm mit uns! Destriel, du musst alleine klarkommen.“
„Ich schaffe das schon, Vater.“
Aus Gilwreths Mund ertönt erneut ein spitzer Schrei. Aber den nimmt Goran nicht mehr wahr, denn er folgt Grumhand bereits in Richtung des Höhleneingangs. „Schneller, schneller.“, ruft der Zwerg und stürmt voran.
Draußen hat sich der Sturm mittlerweile gelegt und es wird langsam hell. Um in die Höhle zu gelangen, müssen die Orks einen kleinen Vorsprung vor dem Eingang überwinden. Ein klarer Vorteil für die Verteidiger und Goran ist erfahren genug, ihn zu nutzen. Er schenkt Grumhand einen abschätzenden Blick. Der Zwerg befindet sich direkt an seiner Seite und hält die mächtige Axt mit beiden Händen fest umschlossen. Nickend bestätigt er seine Bereitschaft.
„Dornwall, du bleibst im Hintergrund und suchst in Ruhe deine Ziele. Wenn sie auftauchen, lass Argo los.“, ruft Goran an seinen Sohn gewandt, während er Deckung am Eingang der Höhle sucht.
Die Fläche vor ihnen wirkt wie ein weißer Teppich aus funkelnden Kristallen. Unberührt ist die Schneedecke am Morgen. Die Spuren der Nacht sind verschwunden und doch scheint ihr Unterschlupf entdeckt worden zu sein.
„Wie viele denkst du, sind da draußen?“, flüstert er Grumhand zu, ohne dabei den Vorsprung vorm Eingang aus den Augen zu lassen.
Der Zwerg wiegt abschätzend den Kopf, während seine Finger ungeduldig über den langen Stiel der Waffe gleiten. „Ich denke, so zwanzig werden es schon sein. Aber Genaueres wissen wir erst, wenn sie mit dem Angriff beginnen.“
Die Drei und Argo machen sich bereit, während Gilwreths Schreie durch die Höhle hallen. Spitz und lang klingen sie durch den Morgen und weisen dem Feind seinen Weg.
„Da kommen sie.“, flüstert Grumhand plötzlich und deutet mit der Axt nach vorn. Vorsichtig arbeiten sich die Orks an den Höhleneingang heran. Noch dreißig Schritte, noch zwanzig...zehn....drei...eins. Dem ersten Angreifer, der seinen Kopf über den Vorsprung reckt, fährt die Axt von Grumhand direkt von oben durch den Helm und spaltet das Gesicht bis zu den Schultern. Mit einem Ruck befreit er seine Waffe, um erneut auszuholen. Im selben Augenblick, springt Argo dem nächsten Ork an den Hals und beißt zu. Gurgelnde Laute dringen hervor, bevor dieser mit starrem Blick zusammen bricht. Goran fegt währenddessen, einem Gegner mit wuchtigen Schlägen den Schild zur Seite, um dann einen Dolch direkt zwischen dessen Augen zu platzieren. Wie Butter durchdringt der Stahl den Knochen. Aus dem blutigen Loch, das der Stoß hinterlässt, ergießt sich eine rote Fontäne. Der Ork geht in die Knie. Sein Herzschlag wird langsamer, bis er zum Erliegen kommt. Grumhand tritt gegen den halb aufgerichteten Körper. Wie eine Puppe kippt der Leichnam nach hinten und wird zum Hindernis für die nachrückenden Feinde. Mit ihren Händen am Boden nach Halt suchend, können sich die Orks kaum noch auf ihre Gegner konzentrieren. Diesen Zustand nutzen die Verteidiger geschickt aus. Grumhand lässt die Axt kreisen. In weitem Bogen schwingt der Stahl über den Köpfen der Angreifer. Abermals trifft der Zwerg. Es ertönt ein kurzer Schrei. Der getroffene Ork fasst sich gegen die Wange. Doch das Blut, welches aus der Wunde hervorquillt, erstickt jeden weiteren Ton.
Wie befohlen lauert Dornwall unterdessen im Hintergrund. Er schießt Pfeil auf Pfeil in die Reihen der Angreifer. Sobald ein Ork den Kopf nach oben reckt, wird er ein Opfer des Kriegers. Das Klirren der Waffen, das Prasseln der Rüstungen und die Schreie der Sterbenden, verschmelzen zu einem einzigen Geräusch. Unter den Lärm des Kampfes, mischen sich die Schreie der Geburt, während Ork um Ork den Kriegern zum Opfer fällt. Grumhand befindet sich mittlerweile in einem Rausch und der Wahnsinn flackert in seinen Augen. Wie von Sinnen wütet er unter den Feinden, begleitet vom eigenen Kampfschrei.
Auch Goran kämpft sich, alles vergessend, durch die Reihen der Angreifer. Blut läuft an seinem Schwert herunter und ihm über die Arme. Argo ist zwischen beiden und springt immer wieder Gegner an, welche die Flucht ergreifen wollen. Dabei reist sie ihnen ganze Stücke aus den Leibern. Der Feind weicht zurück vor so viel Entschlossenheit. Doch es gibt kein Entkommen. Wenig später liegen fast alle Angreifer tot zu ihren Füßen. Argo hängt noch an einer Kehle und zerrt daran, bis kein Laut mehr aus ihr hervorkommt. Dornwall schießt gerade seinen letzten Pfeil ab. Dieser dringt einem Ork von vorne in den Hals, so dass der nicht einmal mehr die Chance hat einen Laut von sich zu geben, als er stirbt. Der letzte verbliebene Angreifer schreit laut auf, als Grumhands Axt ihm durch die rechte Schulter bis zur Hüfte dringt und den Arm sauber vom Körper trennt. Dann bricht der Ork zusammen und Argo holt sich sein letztes Opfer. Es herrscht Stille! Kein unnötiges Geräusch erfüllt mehr die Luft. Einzig das Röcheln einiger Sterbender ist noch zu vernehmen.
Goran schaut sich um. Vor ihm liegen ungefähr zwei Dutzend tote oder sterbende Orks. Ihr Blut und die aufgehende Sonne hüllen den Eingang der Höhle in ein leuchtendes Rot. Es war ein kurzer Kampf. Die Angreifer waren schlecht ausgerüstet und allem Anschein nach für so ein Gefecht nicht vorbereitet, denkt Goran, während sein Blick über die Toten streift. Der Grund für den weiten Weg, den die Orks hinter sich haben, liegt wie ein offenes Buch vor ihm.
Seine Gedanken werden unterbrochen, als Grumhand von hinten an ihn herantritt. „Du hättest es einfacher für uns machen können, wenn du deine wirklichen Kräfte eingesetzt hättest.“, brummt er in seinen Bart und wischt sich die Hände an einem Tuch ab.
„Ich hatte einen guten Grund mein wahres Ich zu verbergen.“, entgegnet Goran ernst. „Diese Orks waren Jäger. Sie wurden ausgeschickt, um etwas oder jemanden zu jagen.
Falls sich noch einer der Ihren dort draußen verbirgt, weiß er nicht, wer ihnen ihre Beute entrissen hat. Für ihn sind wir Krieger, die seiner Ansicht nach zur falschen Zeit, am falschen Ort waren.“
Grumhand setzt ein fragendes Gesicht auf. „Du meinst mit der Beute die Frau?“
„Nicht die Frau. Das Kind.“ Goran schiebt sein Schwert zurück in die Scheide. „Es geht um das Kind. Doch warum ist mir schleierhaft im Moment.“ Er ruft nach seinem Sohn.
„Dornwall, sieh mal nach, ob einer etwas Interessantes bei sich trägt! Und nimm ihnen auch das Geld ab, wir werden es noch brauchen!“
Argo ist währenddessen bereits dabei, ihr Fell von den Spuren des Kampfes zu reinigen. Das rote Glänzen ihrer Augen ist wieder dem natürlichen Schwarz gewichen. Zufrieden mit sich selbst, unterbricht sie nicht einmal die Pflege, als Destriel über den mächtigen Körper hinweg steigt. Die Kriegerin schaut müde aus und Verzweiflung spricht aus ihrem Gesicht, als sie an die Seite des Vaters tritt. „Gilwreth ist gestorben. Ich habe alles versucht, aber ihre Lebensflamme ist mit der Geburt des Kindes erloschen.“
Aus dem Bündel, welches die Kriegerin im Arm trägt, dringt ein dünnes Stimmchen. Goran blickt in ein kleines Gesicht, dessen Haut rosa schimmert und so zart wie Pergament ist. Das Kind wirkt zerbrechlich und gleicht dem Eis der Frühjahrsschmelze. Zwei große blaue Augen schauen ihn an und man kann bereits erkennen, dass es schwarzes Haar hat. Forschend blickt es in die Gesichter der Umherstehenden, während seine Händchen bereits versuchen, den Stoff der Decke, in die es gehüllt ist, zu fassen.
„Es ist ein Mädchen.“ Erwartungsvoll schaut Destriel ihren Vater an, da die Entscheidung über das Leben des Kindes nun bei ihm liegt. „Es braucht Milch, sonst stirbt es.“
Goran schüttelt jedoch den Kopf. „Dann soll es so sein.“ Dabei kneift er die Augen zusammen und versucht sich zu rechtfertigen. „Bei den Temperaturen da draußen, hat es keine Chance. Es ist weit bis zur nächsten Siedlung.“
Beim Klang dieser Worte, nimmt Destriels Gesicht einen zornigen Ausdruck an. „Du glaubst nicht an Vorsehung, Vater. Aber hier sind wir mit diesem Kind. Irgendjemand hat uns dazu ausersehen, es zu schützen. Oder siehst du das anders?“ Sie drückt das Mädchen sanft an ihre Brust, um dem Säugling etwas mehr Wärme zu spenden.
Unsanft gibt er ihren Vorwurf zurück. „Wenn es Vorsehung war, warum wird es dann verhungern? Warum ist die Mutter, bevor sie ihm die Brust geben konnte, gestorben? Glaub mir Tochter, es ist besser, wenn wir es keinen unnötigen Qualen aussetzen.“
Er zieht seinen Dolch, um dem Wort die Tat folgen zu lassen, als mit einem Mal etwas Warmes, Pelziges, an seinem Bein entlang streift. Es ist Argo. Das Tier hat sich von den anderen unbemerkt angeschlichen und bewegt sich zielstrebig auf das Neugeborene zu. Seine Schnauze wandert in Richtung des Bündels. Plötzlich erklingt ein Brüllen, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
„Grumhand, nimm sie weg!“, schimpft Goran, während er versucht sich etwas Platz zu verschaffen. Aber Argo weicht keine Handbreit von der Stelle. Destriel presst das Neugeborene fest an sich und schaut fragend zu ihrem Vater, als plötzlich der rechte Arm des Kindes unter der Decke hervorrutscht. Mit ängstlich aufgerissenen Augen sieht sie, wie Argo den Arm mit seiner Schnauze wieder nach oben schiebt.
„Leg das Kind auf den Boden!“, fordert Grumhand sie auf. Die Kriegerin glaubt ihren Ohren nicht zu trauen. Nochmals sucht sie den Blick ihres Vaters, um sicher zu sein, keinen Fehler zu begehen.
Goran deutet ihr an, der Aufforderung des Zwerges nachzukommen. „Leg es auf den Boden!“, sagt er ganz ruhig und weicht einige Schritte zurück.
Grumhands Stimme erklingt abermals und mit seinen Worten versucht er, die Kriegerin zu beruhigen. „Wenn sie etwas Böses gewollt oder gewittert hätte, wäre das Kind schon tot. Glaub mir, keiner kennt Argo so gut wie ich.“
Wiederwillig legt Destriel das Kind behutsam vor sich auf den kahlen Stein. Augenblicklich schiebt sich Argo über den Säugling. Dann geht das Tier langsam in die Knie, bis seine Zitzen den Mund des Neugeborenen berühren. Genüsslich fängt das Mädchen an zu saugen. Unsicher und doch glücklich über diese Wendung, schaut Destriel zu Grumhand, der sich vor Freude auf die Schenkel klopft, während Goran fassungslos den Kopf schüttelt. Eine Gdurg säugt das Mädchen. Ein Wesen aus dem Dunkel Uzrazars entsprungen, schenkt ihr das Leben. Goran ist sich nun sicher, dass hinter den jüngsten Ereignissen weit mehr steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
„Wir brechen auf.“, sagt er plötzlich und erteilt sofort die nächsten Anweisungen.
„Destriel, du kümmerst dich um den Säugling! Grumhand, gehe zu Dornwall! Beerdigt Gilwreth! Dann packt ihr die Ausrüstung zusammen!“
„Dein Sohn kommt gerade.“, gibt der Zwerg zurück und weist in Richtung Eingang, von wo sich Dornwall mit zügigen Schritten nähert. Er bleibt verwundert stehen, als sein Blick auf Argo und das Kind fällt, welches soeben von Destriel wieder in den Arm genommen wird. „Hast du bei den toten Orks etwas Nützliches gefunden?“ Gorans Stimme reißt ihn aus seinen Gedanken.
„Einer von ihnen hatte das bei sich.“, antwortet Dornwall und reicht seinem Vater eine verschlossene Rolle. Das Behältnis ist leicht wie eine Feder und doch fester, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Aufmerksam betrachtet Goran den sich am Ende befindlichen Deckel. Das daran befestigte Siegel wurde bereits gebrochen und ist nur noch in kleinen Stücken vorhanden. Als er den Deckel öffnet, entschwindet grünlicher Rauch und die Umrisse eines Mannes schweben im Raum. Er trägt eine schwarze Robe, die an ihren Seiten mit feingewebten Mustern versehen ist. Der Stock, an dessen Ende ein roter Stein leuchtet, ist keineswegs als Stütze gedacht, denn zu fest hält er ihn dafür. Sein bleiches Gesicht wirkt wie das eines Toten. Die Augen sind kalt und voller Hass, während sie auf einen unsichtbaren Punkt starren. Dann formt sein Mund Worte, und er fängt mit rauer Stimme an zu sprechen.
„Ich bin Nofratu, der Auserwählte.
Ich zahle 1000 Silberlinge an den, der mir eine Jungfrau bringt, die schwanger ist.
Doch sie soll unversehrt an Leib und Leben sein.“
Der grünliche Rauch löst sich auf und die Erscheinung verschwindet. Goran verschließt die Rolle und fixiert sie mit starrem Blick. Seine Finger fahren über die angeraute Oberfläche. Feine Gravuren, für das Auge unsichtbar, sind darauf verborgen. Murmelnd fasst er sie in Worte. „Il surgen es nara nectum.“ Eine Sprache, die Goran lange nicht mehr gesprochen hat.
„Was hast du gesagt?“, will Grumhand daher wissen.
„Die Dunkelheit folgt den Schatten.“, würde man es in unserer Sprache sprechen. „Aber richtig übersetzen, kann man die Aussage nicht.“
Interessiert greift Grumhand nach der Rolle. Seine rauen Finger spüren nichts. Entmutigt reicht er sie weiter. Destriel winkt ab und deutet auf das Mädchen in ihrem Arm. Anders jedoch Dornwall. Seine Hand umschließt den Gegenstand. Entgegen seiner Erwartung, kann er allerdings nichts Außergewöhnliches ertasten. Enttäuscht gibt er die Rolle seinem Vater zurück. „Wie kannst du darauf lesen?“
„Es ist Magie. Genau wie die Botschaft im Inneren, besteht auch die Hülle daraus.“
„Aber du hast in einer anderen Sprache gesprochen.“, bohrt Dornwall nach.
„Die Sprache einer lange zurückliegenden Zeit. Ich habe nicht einmal gewusst, dass sie noch benutzt wird.“
„Ich mag keine Zauberei.“, murrt der Zwerg und schaut dabei argwöhnisch unter seinem Helm hervor. Er hat genug Wissen, über verborgene Dinge die der Welt innewohnen und kennt manches Geheimnis, was ihn Magie gegenüber misstrauisch macht. Sein Blick wandert zu Argo. Friedlich schlummernd ruht das mächtige Tier. Mit zuckendem Maul, die Lefzen angezogen und bereiten Fangzähnen, scheint sie im Traum zu jagen. Auch sie ist etwas, dass man nur mit Mühe erklären kann. „Du kennst den Mann.“, stellt Grumhand nach kurzer Überlegung fest. „Wer ist er?“
„Ein schwarzer Magier.“
„Davon gibt es einige, wenn man deinen Erzählungen glaubt.“
„Aber keinen wie ihn. Er ist mächtig. Vielleicht so mächtig wie Königin Elferisa. Etwas hat ihn nach langer Zeit hervorgelockt. Dieses Kind scheint weit mehr zu sein, als ich bisher vermutete.“
Zufrieden kniet sich Destriel neben ihren Vater. „Dann wird es leben?“
„Für den Moment, ja. Wenn Nofratu seine Häscher nach einem Säugling ausschickt, muss mehr hinter allem stecken. Es ist Zeit aufzubrechen.“
Dornwall hat verstanden. Eilig glaubt er die wenigen Ausrüstungsgegenstände zusammen und sattelt die Pferde. Hinter ihm hat sich Argo erhoben. Langsam trottet sie zu Grumhand. Der Zwerg hat sich daran gemacht, Gilwreths Leichnam unter einigen Steinen zur letzten Ruhe zu betten. Die Steine werden die Tote zwar nicht schützen, wenn wilde Tiere in der Nacht die Höhle heimsuchen, aber mehr können sie nicht tun im Augenblick. Als alles zum Aufbruch bereits ist, greift Goran nach den Zügeln seines Rosses und tritt ins Freie. Beißende Kälte umfängt ihn. Schneidend, wie mit scharfer Klinge, brennt sie sich in die Haut. Er wirft seinen dicken Umhang aus Biberfell über und sitzt auf. Dann gibt er die letzten Befehle.
„Destriel und Dornwall. Ihr werdet nach Grudaur reiten und das Kind zur Königin bringen! Und nehmt Argo mit! Der Zwerg wird bei seinem Auftrag keine Verwendung für sie haben.“ Sein Blick wandert zu Grumhand. „Du mein Freund, siehst dich in Mittelcornen um. Versuch herauszufinden, ob auch dort Nofratus Häscher unterwegs sind.“
