Im Himmel zu Hause - James Van Praagh - E-Book

Im Himmel zu Hause E-Book

James Van Praagh

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9,99 €

Beschreibung

Berührende und tröstliche Botschaften aus dem Jenseits

»Eurem Kind geht es gut! Es lebt jetzt in einer wunderschönen neuen Welt, wo es seinen Seelenplan weiterentwickeln kann.« Das ist es, was James Van Praagh allen Eltern, die ein Kind verloren haben, mitteilen möchte.

Im Himmel zu Hause” behandelt ein hochemotionales Thema: Ein Kind ist gestorben und die Eltern können nicht fassen, warum. Doch die Botschaften, die Van Praagh aus dem Jenseits von den Seelen der Kinder erhält, sind ebenso tröstlich wie berührend. Sein faszinierendes neues Buch gibt tiefe Einblicke in das Leben nach dem Tod. Und es zeigt, wie wir Menschen im Jenseits unseren Seelenplan weiterentwickeln, gemäß dem wir erneut inkarnieren werden. Dies gilt natürlich auch für die Seelen verstorbener Kinder. Und die wohl wichtigste Nachricht für die Hinterbliebenen: Die Liebe zwischen Eltern und Kind überdauert selbst den Tod.

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Seitenzahl: 310

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Inhaltsverzeichnis

WidmungEINLEITUNGTEIL EINS - Der Übergang
EINS - WENN EIN KIND VON UNS GEHT
Sie haben die WahlDer alkoholkranke VaterHab keine AngstVöllig am EndeAndere bereichernDer Seelenpakt
ZWEI - DIE ANKUNFT EINES KINDES IN DER GEISTIGEN WELT
Ich bin doch am Leben!Kylies Besichtigungstour im HimmelDie geistige WeltMeine Seele ist reinIch bin jetzt erwachsen
DREI - KINDSEIN IN DER GEISTIGEN WELT
Mein neues ZuhauseSchulen in der geistigen WeltFreizeitaktivitäten der KinderSchmetterlinge sind freiLebensrückschau und der Rat der WeisenEndlich Frieden
TEIL ZWEI - Der Aufbau der Seele
VIER - DIE SEELE
Die Persönlichkeit der SeeleSeelenfragmentierungenSeelische MusterSeelische Muster durchbrechenSeelengruppen, Seelenfamilien und SeelengefährtenEllies GeschenkDie Entwicklungsstufen der SeeleDer Heimflug
FÜNF - LEKTIONEN FÜR DIE SEELE
Willensfreiheit und karmische VerpflichtungenMein Sohn hat mir das Leben gerettetFehlgeburt, Abtreibung und KindersterblichkeitKrankheiten und Unfälle von KindernSelbstmordMordDas WiedersehenSECHS - DIE RÜCKKEHR DER SEELEDie Planung des nächsten LebensLucky 13Die Wahl eines KörpersMein Körper ist genau richtigZeit zu reinkarnierenDer richtige ZeitpunktDie RückkehrDas Tal des Vergessens
TEIL DREI - Heilung
SIEBEN - SPIRITUELLE WEGWEISER
MeditationMeditationsübung: RegenbogenbrückeTräumeElektrische EnergieKlarriechen und kühle FleckenFotos, Ähnlichkeiten und bestimmte WörterApport und Tiere als LebenszeichenSymboleEine außergewöhnliche SchülerinZahlenSeine LieblingszahlSynchronizität und ZufallZufall oder Synchronizität?
ACHT - WEITERLEBEN
Die Stadien des TrauerprozessesNeuen Sinn im Leben findenVergebung – eine MeditationsübungMeditationsübung: Das geschenkte KästchenDu hast dein Bestes gegeben, MomGegenseitige UnterstützungSpirituelle VeränderungAffirmationen
NEUN - BRIEFE AUS DEM HIMMEL
Briefe an die geistige Welt und Antworten aus dem HimmelEin abschließender Gedanke
NACHWORT EIN SCHRITT IN DIE VERGANGENHEITDANKQUELLENCopyright

Für meine Schwester Maura Fortune.Ich danke dir für die Liebe,die du mir alltäglich schenkst.Durch dich hatte ich eine schönereKindheit – und ein schöneres Leben.

EINLEITUNG

Ich kommuniziere mit den Toten. Das ist mein Beruf, und ich empfinde es als Segen, über diese Fähigkeit zu verfügen. Ich stehe also regelmäßig in Kontakt mit Verstorbenen. Das heißt, ich rede häufig mit ihnen. Viele mögen meinen Beruf deshalb für deprimierend oder trostlos halten, aber das ist er ganz und gar nicht. Denn so merkwürdig sich das auch anhört: Der Tod gehört zum Leben dazu. Anders ausgedrückt: Er ist nur eine Etappe auf der spirituellen Reise der Seele.

Meine spezielle Fähigkeit und der Beruf, für den ich mich in dieser irdischen Welt entschieden habe, gehen mit einer großen Verantwortung einher. Es ist mir wichtig, dass ich mein Wissen und meine Erfahrungen weitergebe, damit Menschen, die den Verlust eines lieben Angehörigen zu beklagen haben, auf ihrer Seelenreise Trost und Frieden finden. Wir haben alle denselben Weg. Aber der Verlust eines Kindes gehört zu den größten Katastrophen, die einem auf Erden zustoßen können. Ich schreibe dieses Buch, um das Leid lindern zu helfen und etwas Licht in eine Welt zu werfen, die nur die wenigsten von uns kennen oder verstehen.

Viele von uns wachen nach einer ruhelosen Nacht morgens auf und rings um sie herum ist alles düster. Da ist eine Leere, von der sie das Gefühl haben, sie könne und werde nie wieder gefüllt. Während sich andere über die Wärme und Verheißungen des neuen Tages freuen, bleiben für sie nur die schmerzlichen Erinnerungen an vergangene Zeiten. Von der Zukunft geht kein Glanz mehr aus.

So fühlt man sich, wenn man ein Kind verloren hat. Jeder Verlust ist traumatisch, der eines Kindes aber kann vernichtend sein. Es ist womöglich der Schlimmste, den wir Menschen überhaupt erleiden können. Keine Beziehung lässt sich mit der Symbiose zwischen Eltern und ihrem Kind vergleichen. Und vielleicht gibt es auf der Ebene des Irdischen auch gar keine Möglichkeit, diesen Verlust zu erklären oder zu verstehen. Wir können zwar versuchen, mit dem Schmerz weiterzuleben, ein solches Ereignis aber verändert alles.

Manche haben das Gefühl, nichts gehe mehr, auch ihr Leben sei unwiderruflich vorbei. Andere geben sich alle Mühe, nicht zu kapitulieren, schleppen sich aber nur durch den Tag und klammern sich an die Hoffnung, irgendwann wieder mit ihrem verstorbenen Kind vereint zu sein. Diese Hoffnung ist oft das Einzige, woran sie sich festhalten können. Stunden um Stunden verbringen sie damit, sich vorzustellen, wie es heute wohl aussehen würde, wie sich seine Persönlichkeit entwickelt hätte, wofür es sich interessieren und was ihm wohl am meisten Spaß machen würde.

Wenn Sie den Verlust eines Babys, eines Kindes, eines Familienangehörigen oder einer Freundin zu beklagen haben, so ist dieses Buch mein Geschenk an Sie. Die Readings und Briefe darin sollen Ihnen begreiflich machen, dass Sie in Ihrer Trauer nicht allein sind, sondern dass Ihre Tochter, Ihr Sohn, Ihr(e) Angehörige(r) immer da ist, um Ihren Schmerz zu lindern, dass es möglich ist, diesen Verlust zu überstehen und bewusster denn je weiterzuleben – auch wenn Sie sich das im Moment nicht vorstellen können.

Dieses Buch ist aber auch etwas für Sie, wenn Sie sich je gefragt haben, wie es im Himmel wohl so aussehen und wie man sich dort fühlen mag. Viele von uns stellen sich den »Himmel« ja als einen Ort vor, an dem Engel Harfe spielen, auf Wolken sitzen oder prächtig gewandet in Chören singen. Doch obwohl ich mir eigentlich ziemlich sicher bin, dass es auch solche Plätzchen gibt, spreche ich von einem anderen Himmel. Und den möchte ich Ihnen gern zeigen. Machen Sie sich darauf gefasst, in eine ganz wunderbare neue Dimension einzutreten. Ich führe Sie in eine Welt, die noch viel großartiger ist, als Sie es sich je hätten ausmalen können – eine Sphäre unglaublich gesteigerter Kreativität, ein Reich, in dem Schönheit und Kunst alles, was wir aus unserer materiellen Wirklichkeit kennen, bei Weitem übertreffen. Es ist eine Welt, an die sich Ihre Seele erinnert fühlen wird und die Sie eines Tages unweigerlich wieder besuchen werden.

Seien Sie sich beim Lesen bitte der Weisheit der Geistwesen bewusst und schließen Sie sich der Reise an. Um so viel wie möglich von diesem Buch profitieren zu können, sollten Sie sich vor Augen führen, dass wir Menschen in erster Linie geistige Wesen beziehungsweise Seelen sind, die nur in physischen Leibern daherkommen. Die Seele ist unsere Essenz. Und der Geist der subtile, ätherische Körper, den sie erschafft, um die Empfindungen und Dimensionen der verschiedenen Wirklichkeiten wahrnehmen zu können.

Als Seele sind Sie in der Lage, menschliche Erfahrungen in der physischen Dimension zu machen. Diese bemisst sich innerhalb der Grenzen der Zeit. Die geistigen, spirituellen Dimensionen aber kennen keine Beschränkungen durch Uhren, Kalender oder Jahrestage. Um sie erfahren zu können, müssen Sie die »irdischen« Zeitvorstellungen hinter sich lassen und sich für das Leben in der Welt des Geistes öffnen.

Auf den folgenden Seiten hoffe ich die Fragen, die Sie tief in Ihrem Herzen haben, beantworten zu können: Wohin geht die Seele eines Kindes, wenn sie die Erde verlässt? Wie wächst man dort auf und wie sieht es im Himmel eigentlich wirklich aus? Und ich hoffe auch, den Sinn des Lebens auf der Erde von der Seele her erklären zu können. Wir werden uns intensiv mit Reinkarnation beschäftigen, werden den hilfreichen Geistführern im Jenseits begegnen und letztlich eine Antwort auf all die Fragen über den Himmel finden, mit denen sich so viele von uns herumschlagen.

Kommen Sie jetzt bitte mit. Schieben Sie den Vorhang Ihres Verstandes beiseite und treten Sie in die Welt hinter der Welt ein. Die Verheißung eines neuen Tages kann Ihren Neuanfang einläuten. Alles, was Sie sich vorzustellen vermögen, ist möglich. Jeder Tag kann freudvoll, ereignisreich, erhebend sein – und voller Chancen. Es erwarten Sie ungeahnte Erfahrungen, neue Menschen, weit oder auch gar nicht so weit entfernte Orte und ganz neue Perspektiven. Das Einzige, was Ihnen im Weg stehen könnte, sind die Beschränkungen, die der Kopf Ihnen auferlegt. Aber jetzt wollen wir zusammen aufbrechen. Und herausfinden, wie es ist, im Himmel aufzuwachsen.

TEIL EINS

Der Übergang

EINS

WENN EIN KIND VON UNS GEHT

Wenn die Eltern sterben,verliert man seine Vergangenheit;stirbt ein Kind, geht man derZukunft verlustig.

Anonym

Der Tod löst emotionalen Aufruhr aus, kann aber auch zu spirituellem Erwachen führen. Dabei ist das Wichtigste, das wir erkennen müssen, dass wir nie wirklich allein sind, auch wenn wir es so empfinden. Unsere Verstorbenen sind für uns da, wollen uns über die schmerzhaftesten Momente hinweghelfen und uns aus der Dunkelheit heraus ins Licht unserer eigenen Kraft führen.

Ich war kürzlich auf der Beerdigung der Mutter eines Freundes. Bevor die Feier begann, saß ich allein im Gang vor der Halle, als ich plötzlich den Geist eines kleinen, vielleicht siebenjährigen Mädchens sah. Sie trug ein hellblaues Kleid, weiße Socken, schwarze Lackschuhe und hüpfte über den Flur. Als sie schon beinahe an mir vorbei war, sah sie mich an und ich nickte ihr zu. Sie drehte sich um, kam zurück und sah mir direkt in die Augen.

Hallo, Mister.

»Hallo«, antwortete ich in Gedanken.

Können Sie mir vielleicht sagen, warum meine Familie so weint?

»Ja, bist du denn nicht gestorben?«, fragte ich zurück.

Weiß nicht. Ich bin eingeschlafen und dann hier wieder aufgewacht. Die Dame mit dem rosa Kleid und dem netten Lächeln wird mich nach Hause bringen. Da steht ein Pony für mich. Ich kann’s kaum mehr erwarten.

»Und warum bist du dann hier?«

Ich versuche meiner Mama und meinem Papa zu sagen, dass ich noch am Leben bin, aber sie sehen mich nicht.

»Wie heißt du denn?«

Kylie. Das ist doch ein hübscher Name, oder?

Plötzlich drehte sich das Mädchen um. Oh, jetzt muss ich aber gehen. Die nette Dame wartet schon.

Mit diesen Worten rannte das Mädchen an mir vorbei auf einen schimmernden Geist auf der anderen Seite zu. Die Frau begrüßte sie und nahm sie bei der Hand. Gemeinsam gingen sie ins Licht ihres himmlischen Zuhauses.

Auf dem Weg zum Parkplatz kam ich an einem Foto vorbei, das in einem Kasten an einer kleinen Kapelle hing. Es zeigte Kylie, die hinter einem Pferd und einem Pony auf einem Strohballen saß. Ich lächelte, schaute gen Himmel und dachte bei mir: Ach Kylie, hoffentlich hast du ganz viel Spaß mit deinem neuen Pony.

Bald sollte ich herausfinden, was Kylie auf der anderen Seite so erlebte.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Eltern beraten, die den Tod eines Kindes beklagten. Ein solcher Verlust ist eine Tragödie und wahrscheinlich schwerer zu begreifen als irgendetwas anderes. Die Eltern leugnen das Geschehene und stehen ungläubig davor: »Dass ein Kind vor den Eltern stirbt, ist doch wider die Natur. Es ergibt keinerlei Sinn!« Dass die Eltern fest damit rechnen, ihre Söhne oder Töchter aufwachsen, sie das Leben genießen und selbst eines Tages Kinder bekommen zu sehen, ist vollkommen normal. Wir alle halten das für den natürlichen Kreislauf des Lebens. Wenn nun aber ein Kind stirbt, sehen sich die Eltern gezwungen, alles, was sie bisher für »normal« gehalten hatten, zu überdenken, denn ihr Leben ist von unermesslichen Verlusten erschüttert worden – zu denen auch der Verlust ihrer Unschuld, ihrer Träume und vieler Hoffnungen gehört.

Aber auch Verluste sind Teil des Kreislaufs des Lebens. Niemand kann ihnen entkommen. Der Verlust ist eine der Erfahrungen, denen sich jeder Erdenbürger unterziehen muss. Auch er ist ein Element dessen, was das Menschsein ausmacht. Verluste können eine Unzahl intensiver Emotionen auslösen – Traurigkeit, Zorn, sogar Hass, um nur einige zu nennen –, aber auch diese Folgen des Verlustes tragen zu unserem Wachstum und unserer Entwicklung bei. Der Verlust eines Kindes geht jedoch besonders tief, weil er nichts unberührt lässt, angefangen bei unserer Weltsicht bis hin zu den Gefühlen, die wir den Menschen entgegenbringen, die uns am nächsten stehen. Eltern haben oft den Eindruck, das Kind wäre ihnen aus den Armen gerissen worden, als wäre des Nachts ein Einbrecher gekommen und hätte ihnen alles geraubt, was sie je besessen hätten. Bei vielen ist die Trauer so heftig, dass sie sie nicht ertragen können; sie fühlen sich an einen Ort verbannt, an dem unermessliche Leere herrscht, und wissen nicht, wie sie es überleben sollen. Wie paradox aber auch! Nicht nur, dass sie sich mit dem Verlust des Kindes auseinandersetzen müssen, zugleich sollen sie auch noch weiterleben wie zuvor. Eltern, die ein Kind verloren haben, leiden daher doppelt: Sie wollen ihren überwältigenden Schmerz unbedingt hinter sich lassen, werden aber gleichzeitig Tag für Tag daran erinnert. Wie sollen sie mit ihren Gefühlen, mit schlechtem Gewissen, Zorn und Machtlosigkeit umgehen und dabei normal weiterleben? Wie sich je wieder von dem Schlag erholen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass alles, egal, wie grauenhaft es auch sein mag, aus einem bestimmten Grund und in Übereinstimmung mit dem Seelenplan geschieht. Der Plan einer Seele stellt den individuellen Entwurf ihrer spirituellen Entwicklung dar. Die Seele beschließt, bestimmte Lebenswege einzuschlagen, um sich gemeinnützige Eigenschaften anzueignen wie zum Beispiel Mitgefühl, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Geduld, Heilsamkeit und Eintracht. In schwierigen Situationen – vor allem angesichts des Todes eines Kindes – verlangt dies Ausdauer und Beharrlichkeit. Doch solche Herausforderungen sind dafür da, den Betreffenden über die Grenzen des menschlichen Denkens und seiner negativen Emotionen hinauswachsen zu lassen. Da aber jede Seele über einen freien Willen verfügt, kann sie selbst entscheiden, ob und wie sie sich von der menschlichen Unvollkommenheit lösen und spirituell weiterentwickeln will. Dies tut sie in verschiedenen Lebensspannen auf der Erde und anderswo. Letztlich besteht das Ziel des Seelenplans in der Erkenntnis, dass wir alle Liebe sind und von der Liebe erschaffen wurden. Das ist seelische Erleuchtung.

Weil Körper und Emotionen unsere Fähigkeit einschränken, Dinge zu begreifen, die jenseits unserer sinnlich wahrnehmbaren Welt liegen, fällt es uns schwer, den Sinn eines Sterbefalles beziehungsweise Verlustes zu verstehen. Wir dürfen aber nie die Hoffnung aufgeben, dass es uns eines Tages auf die eine oder andere Weise doch noch gelingt zu begreifen, warum es dazu kommen musste und wozu es gut war.

Sie haben die Wahl

Auf den Verlust eines Kindes reagiert jeder anders. Das hat verschiedene Gründe. Unter welchen Umständen ist das Kind gestorben? Hält die Familie zusammen, oder hat sie viele Konflikte? Sind die Eltern spirituell hoch oder eher weniger entwickelt? Wir alle trauern unterschiedlich, und niemand sollte je davon ausgehen, dass ein anderer mit den emotionalen Turbulenzen, in die er geraten ist, genauso umgeht wie er/sie selbst. Im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden, dass es zwei Arten von Eltern gibt: die, die im Tod ihres Kindes auch eine Wachstumschance sehen, und die anderen, die für den Rest ihres Lebens am Boden zerstört bleiben.

Ich weiß noch genau, wie ich Marie Levine zum ersten Mal begegnete. Es war in einem winzigen New Yorker Apartment voller Bücher und Fotos. Nach einem Reading, das viele Tatsachen zum Vorschein gebracht hatte, die nur ihr bekannt sein konnten, dachte ich eigentlich, sie wäre begeistert angesichts all der Dinge, die Peter, ihr Sohn, der kurz zuvor in die geistige Welt hinübergegangen war, gesagt hatte. Aber alles, was sie herausbrachte, war immer nur: »Ich kann nicht mehr. Wie soll ich denn jetzt weiterleben? Das hat doch alles keinen Sinn mehr.« Marie befand sich in einem tiefen dunklen Loch. Aber irgendwie spürte ich, dass da mehr war. Es musste ihr nur gelingen, sich und ihr Herz für die Liebe zu öffnen, die der verstorbene Sohn ihr entgegenbrachte. Wir blieben in Kontakt, und Jahre später, nach vielen Anstößen, die ich ihr gegeben hatte, kam eine völlig neue Marie zum Vorschein. Sie hatte es tatsächlich vermocht, ihren ganzen Zorn und Frust in etwas Positives umzumünzen. Der Verlust ihres einzigen Sohnes hatte sie gezwungen, auf der Suche nach Heilung tief in sich zu gehen. Sie drückte ihre Trauer schreibend aus und half dadurch vielen anderen, die sich in einer ähnlichen Situation befanden. Ihr Buch First You Die behandelt nicht nur den fürchterlichen Verlust, den sie erlitten hat, sondern spricht auch von der Hoffnung, ihn überleben zu können.

Heute hilft Maries Text anderen Eltern, ihrer Einsamkeit und Verzweiflung mit Mut zu begegnen. Das Buch, das zum Bestseller wurde, wird heute landaus, landein von vielen Trauer-Selbsthilfegruppen gelesen.

Wie Marie haben auch andere Eltern Fortschritte gemacht. Manche befassten sich mit Metaphysik und Spiritualität – und schrieben ihrerseits Bestseller. Aber auch viele Heilzentren, Meditationskreise, Trauergruppen, medizinische Informationszirkel und dergleichen gehen auf die Initiative verwaister Mütter und Väter zurück.

Doch auch das Gegenteil habe ich erlebt. Ich bin Eltern begegnet, die der Verlust ihres Kindes dermaßen niederschmetterte, dass sie sich zu wertlos fühlten, um weiterzuleben, und einfach nicht mehr konnten. Hilary suchte mich auf, nachdem ihr Sohn vom Dach eines New Yorker Wohnhauses gesprungen war. Nach dem Selbstmord ihres Kindes fühlte sie sich vollkommen verlassen. Sie kam einfach nicht damit zurecht. Tage- und wochenlang saß Hilary nur da, dachte an ihren Jungen und grübelte, was sie hätte anders machen können. Sie gab sich die Schuld. Sie gab Gott die Schuld. Sie gab der ganzen Welt die Schuld. Hilarys Verzweiflung wurde schließlich so überwältigend, dass sie nur noch einen Ausweg sah: den, ihrem Sohn zu folgen. Sie schluckte eine Überdosis Beruhigungstabletten. In ihrem Abschiedsbrief schrieb sie: »Das Leben hat seinen Zauber verloren.«

Hilarys Geschichte ist tragisch, zweifellos. Aber egal, in welcher Situation Sie sich befinden – egal, wie düster Ihnen alles vorkommt oder wie schlimm es wirklich bestellt ist –, das Leben muss nicht so sein. Vertrauen Sie mir.

Ich kenne viele Eltern, deren mangelndes Selbstwertgefühl und deren Kummer so groß waren, dass es zu Scheidung, Drogenmissbrauch, Spielsucht, gravierenden psychischen Problemen oder auch Vermüllungssyndromen kam. Sie waren einfach nicht in der Lage, ihre Trauer zu verarbeiten, und schienen sich in einer negativen Spirale zu befinden, die unaufhaltsam abwärtsführte.

Die folgenden Botschaften aus dem Jenseits zeigen die Intensität der Verzweiflung, aber auch Möglichkeiten, damit klarzukommen und wieder zu gesunden. Der Schmerz und die Trauer sind sehr real – die Wege, Heilung zu finden, jedoch nicht weniger. Die Geschichten, die Sie jetzt gleich lesen werden, sind, finde ich, bestens geeignet, Hoffnung zu finden, wieder leben und lieben zu lernen.

Der alkoholkranke Vater

Vor einigen Jahren, es war bei einer öffentlichen Veranstaltung an der Westküste, fühlte ich mich zu einem Mann hingezogen, der links im Publikum saß. Ich spürte, dass er etwas Unausgewogenes an sich hatte. Als ich näher kam, wurde mir klar, dass er betrunken war. Um die vielen Zuschauer ins Bild zu setzen, fragte ich: »Haben Sie getrunken?« Meine Offenheit schien ihn zu verblüffen, so fügte ich hinzu: »Und warum haben Sie mir nicht auch ein Schlückchen angeboten?«

Das Publikum lachte, die Spannung hatte sich gelöst. In diesem Moment bemerkte ich eine Gestalt, die hinter dem Mann stand.

»Ganz in Ihrer Nähe steht ein Mann. Verstehen Sie?«

Wieder zeigte er sich erstaunt.

»Er sagt, dass sein Kopf nicht mehr wehtut. Sie sollen wissen, dass er keine Schmerzen hat.«

Der Mann im Publikum schwieg immer noch, aber ich sah, dass ihm eine Träne über die Wange lief.

»Es handelt sich um Ihren Sohn, nicht wahr? Verstehen Sie? Michael ist da.«

»Michael … wir haben ihn immer Mike genannt«, sagte er schließlich.

»Mike zeigt mir ein kleines Flugzeug.« Plötzlich empfing ich ein Bild. Ich sah, wie der junge Mann schneller und schneller durch die Wolken flog.

»Er starb beim Fallschirmspringen«, platzte der Mann im Publikum heraus. Er hieß Jack, wie ich erfuhr.

Die Frau, die neben ihm saß, griff nach seiner Hand.

Jack sprach weiter. »Mike liebte das Gefühl der Freiheit. Er war mit seinen Freunden zusammen, sie gehörten demselben Fallschirmspringerteam an. Sein Fallschirm ging nicht auf und dann …« Er brachte die Worte nicht heraus.

Ich ging näher auf Mikes Vater zu. »Er sagt, dass es ihm gut geht.«

»Danke.«

»Ihr Sohn sagt, dass er kürzlich mit Ihnen zusammen in der Garage war, und möchte Sie wissen lassen, dass er sich noch gut erinnert, wie viel Spaß Sie beide immer hatten, wenn Sie am Auto geschraubt haben.«

Jack nickte bestätigend.

»Er sagt, dass er Ihretwegen angefangen hat, Menschen zu helfen, die ein Alkoholproblem haben.«

Bei diesen Worten wurde Jack etwas nervös.

»Ihnen hilft er auch, möchte er Ihnen sagen. Du musst mit dem Trinken aufhören, Dad, sagt er. Damit schadest du allen, die um dich sind.«

Es entstand eine Pause. Dann wandte ich mich wieder an Jack und fügte hinzu: »Ihr Sohn möchte sich für das Tattoo bedanken. Er findet es ganz toll. Verstehen Sie, was er damit sagen will?«

Jack zog sein T-Shirt hoch. Quer über die Brust waren die Worte »Mein geliebter Sohn Michael« eintätowiert.

Einige Monate später tauchte er wieder bei einer meiner Veranstaltungen auf. »Erinnern Sie sich noch an mich?«, fragte er.

»Natürlich. Ihr Sohn war Fallschirmspringer.«

»Ich würde Sie gern noch mit anderen Verwandten von mir bekanntmachen.« Dann stellte er mir die Menschen vor, die bei ihm standen. Alle schüttelten mir anerkennend die Hand.

»Ich wollte mich nur kurz bei Ihnen bedanken. Sie haben mir Mut gegeben weiterzumachen. Meinem Sohn zuliebe habe ich mich den Anonymen Alkoholikern angeschlossen und bin seit dreiundsechzig Tagen nüchtern. Ich spüre, dass Mike bei mir ist und mir hilft. Ich möchte seine Arbeit fortsetzen. Gemeinsam werden wir Leuten beistehen, die ein Alkoholproblem haben. Ich habe meinem Sohn versprochen, dass ich den Rest meines Lebens darauf verwenden werde, seine Arbeit auf der Erde weiterzuführen.«

Hab keine Angst

Wenn Sie tausend Menschen fragen würden, was sie über das Leben und den Tod denken, würden Sie tausend verschiedene Antworten erhalten. Jeder Mensch ist einzigartig, und jeder macht andere Lebenserfahrungen. Davon abgesehen, befinden wir uns auch auf unterschiedlichen Stufen der seelischen Entwicklung. Deshalb haben wir nicht alle dasselbe Verständnis für den Sinn unseres Seelenplans, nehmen uns Unterschiedliches vor und treffen auch nicht die gleichen Vorbereitungen, ehe wir auf die Erde kommen.

Michael half seinem Vater Jack, sein Denken zu verändern, und versetzte ihn dadurch in die Lage, andere dabei zu unterstützen, ebenfalls zu heilen und ein neues Leben führen zu können.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, müssen wir Hinterbliebenen uns damit arrangieren, und das ist nicht immer leicht.

Der Tod markiert grundsätzlich den Übergang von einem Leben zum nächsten, ganz unabhängig davon, woran man stirbt. Es kann schnell gehen oder sich lange hinziehen, aber der Tod ist immer ein Einschnitt. Die meisten von uns haben das Gefühl, die Veränderungen, zu denen es in ihrem Leben kommt, steuern zu können. Es gibt aber leider vieles, was sich unserer Kontrolle entzieht. Nichts bleibt gleich, die Welt, in der wir leben, ist ständig im Fluss.

Für viele Eltern stellt der Tod eines Kindes noch eine weitere Veränderung dar. Sie haben das Gefühl, ihre ganze Identität zu verlieren – »Wer bin ich denn noch ohne meinen Sohn oder meine Tochter?« –, und sehen sich nicht imstande weiterzuleben, weil sie nicht nur ihr Kind verloren haben, sondern gleichsam auch sich selbst.

Aus meiner jahrelangen Arbeit mit verwaisten Eltern weiß ich, dass es zumeist verheerende Konsequenzen hat, wenn sie den nötigen Trauerprozess nicht durchlaufen, wenn sie sich also nicht genügend Zeit nehmen, um ihren Verlust zu verarbeiten und auch wieder zu sich selbst zurückzufinden. Eltern, die versuchen, ihre Emotionen zu unterdrücken, und die Gefühle, die der Tod ihres Kindes ausgelöst hat, nicht zum Ausdruck bringen, werden früher oder später von einer Woge der Emotionen erfasst, die sie regelrecht zu Boden wirft. Es ist wie bei einer Lawine. Der Schneeball, der auf sie zurollt, wird immer größer und schneller.

In den ersten Tagen, Wochen und Monaten agieren trauernde Eltern oft wie Roboter – sie nehmen Beileidsbekundungen entgegen, bereiten die Beerdigung vor, verständigen Verwandte oder klammern sich an irgendwelche Kleinigkeiten, um sich bloß nicht mit der Situation auseinandersetzen zu müssen. Sie sind wie betäubt. Ihre Selbstachtung ist im Keller. Die Rolle, mit der sie sich so sehr identifiziert haben, ist weggefallen.

Man würde eigentlich denken, dass der Tod eines Kindes die Familie enger zusammenschweißt. Allzu oft aber ist genau das Gegenteil der Fall. Durch diesen Tod wird die Dynamik zwischen dem Ehemann und der Ehefrau, aber auch die zwischen den Eltern und den am Leben gebliebenen Kindern ein für alle Mal verändert. Das ganze Beziehungsgefüge muss sich neu ordnen. Natürlich findet man einen gewissen Trost darin, dass man in seiner Trauer nicht allein ist. Viele Elternpaare haben aber auch unausgesprochene Erwartungen aneinander. Gewöhnlich möchte jeder, dass der andere die Trauer lindert und dem Schmerz ein Ende bereitet. Den anderen zu heilen ist aber unmöglich, solange man seine eigenen inneren Verletzungen nicht losgeworden ist.

Eine der häufigsten Folgen dieser Verwundungen sind Vorwürfe. Ein Elternteil hält dem anderen vor, »nicht gut genug aufgepasst« oder »nicht Wort gehalten« zu haben. Anfänglich nimmt oft ein Elternteil die Schuld am Tod des Kindes auf sich: »Wäre ich nur ein besserer Vater gewesen, hätte es gar nicht dazu kommen können.« Oder: »Wenn ich ihm die Autoschlüssel nicht gegeben hätte, wäre der Unfall nicht geschehen. « Später wird dann dem anderen die Schuld gegeben: »Wenn du mehr zu Hause gewesen wärst und besser aufgepasst hättest, wäre alles anders gekommen.« Oder: »Eine gute Mutter hätte nie zugelassen, dass das Kind solchen Umgang hat.« Das sind alles Originalzitate, die ich mehr als einmal gehört habe. Und dann stellt sich irgendwann Verbitterung ein.

Wenn Eltern die Trauer nicht bewusst verarbeiten, werden aus Zorn, Vorwürfen und Verbitterung Selbsthass, Schlaflosigkeit und Depressionen. Womöglich auch Drogen- oder Alkoholabhängigkeit. Es ist daher von äußerster Wichtigkeit, dass Sie Ihren Gefühlen so oft wie möglich Ausdruck verleihen. Der Tod ist kein angenehmes Gesprächsthema. Um aber gesund bleiben zu können, muss man darüber sprechen und sich gegenseitig seine Gefühle mitteilen – vor allem in der Partnerschaft.

Völlig am Ende

Stacey war nicht imstande, über ihre Gefühle zu sprechen, und befand sich noch tief in der Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens, als sie in Vancouver eine Veranstaltung von mir besuchte. Das Erste, was ich an ihr wahrnahm, als ich sie hinten im Zuschauerraum sitzen sah, war ihre Aura. Sie wirkte sehr trübe, farblich überwiegend braun und grau. Wenn ich für jemanden einen Jenseitskontakt aufnehme, stelle ich mich auf seine Aura ein. Ähnlich wie beim Zwiebelpellen helfen mir meine Geistführer, sie sozusagen Schicht für Schicht abzuschälen, damit ich verstehe, was los ist.

Wir alle haben Unterstützer in der geistigen Welt, einige davon sind persönliche Geistführer, also verstorbene Angehörige oder Freunde, bei anderen handelt es sich um Lehrer oder Heiler aus den höheren Ebenen. Weil ich mit sehr vielen verschiedenen Leuten arbeite, steht mir – je nachdem, was gerade benötigt wird – eine Vielzahl von Geistführern zur Verfügung, die mich unterstützen. Manche sind mir dabei behilflich, die Energie, die mich umgibt, zu verstärken, damit ich mich auf die höhere Frequenz der Jenseits-Kommunikation einstimmen kann. Einer meiner anderen Geistführer ist besonders geschickt darin, mich auf körperliche Probleme der Person hinzuweisen, für die ich das Reading mache, also zum Beispiel auf Rückenbeschwerden oder ein Magenleiden. Wieder ein anderer lässt mich oft seiner spirituellen Wahrheit teilhaftig werden, damit ich besser in der Lage bin, das Publikum aufzurichten. Manchmal ist der emotionale Stress aber auch so groß und die Energie des Betreffenden so komprimiert, dass es einer Vielzahl energetischer Einflüsse bedarf, damit eine Botschaft durchkommen kann.

Wenn die Geistwesen mit Fakten aufwarten, die nur dem Hinterbliebenen bekannt sind, ist dieser in aller Regel erst einmal völlig schockiert. Die Tatsache, dass da tatsächlich ein Jenseitskontakt stattfindet, versetzt aber nicht nur den unmittelbar Betroffenen in Erstaunen, sondern auch die anderen Anwesenden.

»Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?«, fragte ich Stacey.

Als sie mich ansah, wurde mir klar, wie schwer ihr Kummer und Verzweiflung zugesetzt hatten.

»Neben Ihnen steht ein junger Mann von vielleicht achtzehn Jahren. Er lächelt.«

»Nein, das ist er nicht. Es kann nicht sein, dass er lächelt.«

»Er tut es aber. Und ich soll Ihnen sagen, dass er noch nie so glücklich war wie jetzt.«

Stacey warf mir einen gequälten Blick zu.

»Sie sollen sich nicht so kaputtmachen. Er versucht, Ihnen zu helfen, dringt aber nicht zu Ihnen durch, weil Sie sich dermaßen verrannt haben. Verstehen Sie, was damit gemeint sein könnte?«

Stacey schüttelte nur den Kopf.

»Heißt Ihr Sohn Tony?«

Plötzlich kam Leben in sie. »Ja, genau.«

»Er war sehr sportlich, nicht wahr? Er zeigt mir nämlich jetzt ein Skate- oder Snowboard. Offenbar mochte er alle möglichen Sportarten.«

»Ja, das muss doch Tony sein. Er liebte alles, was man draußen machen kann.«

»Tony ist ein Freigeist. In seinem Körper aber fühlte er sich nie frei. Er war deshalb so ein Draufgänger, weil er sich spüren wollte. Jetzt fühle er sich endlich frei, sagt er.«

»Ich wusste gar nicht, dass er so empfand.«

»Er möchte, dass Sie sich verzeihen. Sie haben nichts falsch gemacht. Verstehen Sie? Du hast dir absolut nichts vorzuwerfen, sagt er.«

»Natürlich bin ich schuld. Ich hätte ihm eine bessere Mutter sein können. Hätte die Zeichen erkennen sollen. Als er mich am meisten brauchte, hätte ich bei ihm sein müssen.«

»Was geschehen ist, ist nun mal geschehen. Ihr Sohn wünscht sich, dass Sie ihm verzeihen. Ihm vergeben, dass er Ihnen so viel Kummer bereitet hat.«

Stacey brachte kein Wort hervor, Tränen traten ihr in die Augen.

Ich hörte Tony noch eine Weile lang zu, dann wendete ich mich wieder an seine Mutter.

»Er fleht Sie an, sich und ihm zu verzeihen. Er spürt Ihren Schmerz und kann nicht weitergehen, ehe er nicht weiß, dass mit Ihnen wieder alles in Ordnung ist.«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann.«

»Gerade spricht er von einem Urlaub mit der ganzen Familie. Ich sehe eine gewundene Straße und eine Hütte. Jetzt zeigt er mir Menschen, die im Schnee stehen. Sie machen eine Schneeballschlacht mit ihm. Und er lacht sich bald kaputt, weil Sie immer wieder hinfallen.«

Jetzt lächelte Stacey zum ersten Mal.

»Er möchte, dass Sie mit den Pillen aufhören.«

Ein Murmeln ging durch das Publikum. Stacey fing an zu weinen.

»Ohne Tony will ich nicht weiterleben.«

»Er wünscht es sich aber doch so. Er möchte, dass es Ihnen wieder gut geht, damit er Verbindung zu Ihnen aufnehmen kann. Er meint, Ihr Geist sei so trüb, dass er nicht zu Ihnen vordringen könne. Bitte, bitte, sagt er. Ich liebe dich doch. Bitte verzeih mir.«

Stacey nickt. »Sagen Sie ihm, dass ich es versuchen werde.«

Tony entschwand.

Wenn ein Mensch von Kummer und Verzweiflung derart blockiert ist wie Stacey, fällt es selbst den Geistwesen schwer, mit ihren Heilenergien zu ihm durchzudringen.

Stacey nahm Tabletten, um ihren Schmerz zu betäuben. Doch er konnte nicht vergehen, solange sie ihn nicht bewusst zur Kenntnis nahm, ihn zu- und dann losließ. Hoffnungslos Trauernde geraten schnell in eine Abwärtsspirale. Diese Art der Trauer kann aber auch ein Hilfeschrei sein. Andere fühlen sich in ihrer Trauer ganz wohl, weil sie ihnen einen Grund gibt, nichts sonst mehr zu tun. Deshalb ist es so wichtig, dass Trauernde die Unterstützung von Familienangehörigen oder Freunden haben beziehungsweise sich einer Selbsthilfegruppe anschließen. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass selbstzerstörerische Tendenzen zum Vorschein kommen.

Sollte also einer Ihrer Lieben in Trauer sein, ist Ihre Gesellschaft das größte Geschenk, das Sie ihm oder ihr machen können.

Andere bereichern

Wir glauben nicht alle dasselbe, stehen auf unterschiedlichen Stufen der spirituellen Erkenntnis, und jeder hat seine eigene Art, mit Dingen fertigzuwerden. In allen Situationen, in die wir geraten, können wir dadurch entweder stärker werden oder aber uns von den Verhältnissen unterjochen und Angst einjagen lassen. Ich bin schon einer Menge verwaister Eltern begegnet, für die der Verlust des Kindes das Schlimmste war, was ihnen je hätte zustoßen können, wie sie sagten. Trotzdem hat ihnen dieser Verlust auch den einen oder anderen magischen Moment beschert, aus dem sie lernen konnten oder der sie zu besseren Menschen werden ließ. Einigen half die Tragödie, ihren spirituellen Weg zu finden; andere, Marie Levine zum Beispiel, sahen darin die Chance, künftig ein erfüllteres Leben zu führen.

Wie schon gesagt trauert jeder anders, aber es ist immer hilfreich, wenn beide Ehepartner einfühlsam sind, sich nicht gegenseitig beschimpfen oder mit Vorwürfen überhäufen, sondern einander unterstützen und respektieren. Nicht jede Beziehung muss an einem solchen Verlust zerbrechen. Sicher, zunächst wird das ganze Leben auf den Kopf gestellt, dadurch aber, dass man den Kummer des anderen zulässt und ihn versteht, kann das Leben letztlich eine ganz neue Bedeutung bekommen. Dann wird die Beziehung durch den Austausch über die Gefühle, die man empfindet, vertieft und intensiviert.

Für viele verwaiste Elternpaare besteht der erste Schritt der Rekonvaleszenz darin, ein Leben zu führen, auf das das verstorbene Kind stolz wäre. Es lebt zwar nicht mehr in seiner körperlichen Hülle, schaut den Eltern aber von der himmlischen Welt aus zu. Die Erwachsenen müssen auch nicht aufhören, Kindern beizubringen, wie man sich in verschiedenen Situationen richtig verhält. Oder wenn zum Beispiel ihr Kind an einer Straßenkreuzung überfahren wurde, könnten sie das zum Anlass nehmen, sich dafür stark zu machen, dass dort eine Verkehrsampel aufgestellt wird, und so möglicherweise anderen Kindern das Leben retten. Ist der Sohn oder die Tochter an einer schweren Krankheit gestorben, könnten sich die Eltern bemühen, öffentliches Interesse an dieser Krankheit zu wecken. Eine andere Möglichkeit wäre die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Eltern, die das gleiche Schicksal erlitten haben. Wir sehen es doch täglich im Fernsehen: Eltern sind durchaus in der Lage, aus der persönlichen Tragödie, die ihnen zugestoßen ist, einen Dienst an der Allgemeinheit zu machen und auf diese Weise vielen etwas Gutes zu tun.

Gleichzeitig müssen sich die Trauernden aber auch um sich selbst kümmern. Sie dürfen ihre eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen. Ein Trauerfall kann sich nicht nur physisch verheerend auswirken, sondern auch psychisch. Betroffene Eltern müssen daher darauf achten, dass sie gesund und körperlich aktiv bleiben. Da Sport die Freisetzung von Endorphinen fördert, ist Bewegung sozusagen ein natürliches Wellnessprodukt und eine prima Möglichkeit, besser mit den verschiedenen Stadien des Trauerprozesses klarzukommen.

Der Seelenpakt

Als Teil ihres Seelenplans schließt jede Seele einen Vertrag beziehungsweise Pakt mit anderen Seelen, in dem festgelegt wird, dass sie gemeinsam bestimmte Lektionen lernen, etwa Demut oder Großzügigkeit, Fehlurteile aus früheren Leben zu revidieren oder liebevoller zu werden. Mit diesen anderen Seelen zusammen bildet sie eine Seelengruppe. Jede Seelengruppe wiederum umfasst Seelenfamilien und Seelenpartner. Man sieht also, dass an unseren irdischen Abenteuern eine Vielzahl von Seelen beteiligt ist. Die Mitglieder einer Seelengruppe können einander jahre-, monate-, tagelang oder auch nur für kurze Momente berühren. Ein Beispiel: Sie sind auf einer Party oder einer Geschäftskonferenz, kommen mit einem Fremden ins Gespräch und sprechen mit ihm plötzlich über ein ausgesprochen tiefgründiges Thema oder etwas, das Ihnen sehr am Herzen liegt. Instinktiv fühlen Sie sich wohl in der Gegenwart dieser Person, so, als würden Sie sie schon Ihr ganzes Leben lang kennen. Genauso schnell, wie sie aufgetaucht ist, ist sie dann aber wieder verschwunden, Sie sehen sie nie wieder und hören auch nicht mehr von ihr. Die unverhoffte Begegnung war auf seelischer Ebene vorausgeplant, weil Sie beide einander etwas mitzuteilen hatten.

Seelenpakte sind Verträge, die wir in der geistigen Welt abschließen, bevor wir in menschlicher Gestalt inkarnieren, und alle beteiligten Seelen müssen damit einverstanden sein.

Wenn Sie sich der Seelenpakte, die Sie geschlossen haben, bewusster werden möchten, müssen Sie sich zunächst vor Augen führen, dass wir alle Seelen sind und uns auf einer spirituellen Reise befinden. Unzählige Male bin ich schon gefragt worden: Woran erkenne ich eigentlich, dass ich eine Seele bin? Oder: Wie kann ich mir der seelisch-spirituellen Ebenen besser bewusst werden? Darauf habe ich nur eine – ganz einfache – Antwort: Lernen Sie die Kunst der Achtsamkeit.

Ich bin einmal einem Ehepaar begegnet, das innerhalb von weniger als zehn Jahren vier seiner Kinder verloren hatte. Ich fragte die beiden, wie sie diese Verluste verkraftet hätten. Vielleicht verfügten sie ja über eine Art Geheimrezept, das auch anderen helfen könnte, mit ihrem Kummer fertigzuwerden. Der Prozess, in dem sie gelernt hätten, ihre Verluste zu verarbeiten, sei im Wesentlichen ein Selbsterkenntnisprozess gewesen, erklärten sie mir. »Man darf sich nicht verschließen und auch nicht versuchen, die Gefühle abzuschalten«, sagten sie. »Man muss sich dessen, was geschieht, bewusst werden und sich darüber hinaus klarmachen, dass man alles, was einem aufgebürdet wird, auch verkraften kann. Denn niemand kennt oder versteht einen ja besser als man selbst.«