Und der Himmel tat sich auf - Jenseitsbotschaften - James Van Praagh - E-Book

Und der Himmel tat sich auf - Jenseitsbotschaften E-Book

James Van Praagh

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Beschreibung

Der Bestseller zum Thema Jenseitsbotschaften

Der aufsehenerregende Bericht des Mediums James Van Praagh über seine PSI-Wahrnehmungen und seine Kontakte zu Verstorbenen. Van Praagh verbindet die präzise Erklärung übersinnlicher Phänomene mit den zugleich überzeugenden und ergreifenden Geschichten individueller Ratsuchender. Seine Kontakte mit Verstorbenen machen deutlich, dass der physische Tod nicht das Ende bedeutet, sondern für die Seele nur einen Übergang darstellt.

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Buch

James Van Praagh berichtet über seine medialen Fähigkeiten. Im Zentrum des Buches stehen die Sitzungen, in denen er Menschen durch die Kontaktaufnahme mit Verstorbenen helfen konnte. Er vermittelt zwischen einem Jungen, der bei einem Motorradunfall sein Leben verloren hat, und dessen Mutter, zwischen zwei Freunden, von denen der eine in einem reißenden Fluß ertrunken ist, zwischen zwei Männern, von denen der eine an Aids sterben mußte, zwischen einer Mutter, die sich das Leben genommen hat, und ihrer Tochter.

Dabei beschränkt sich der Autor nicht auf die Schilderung der Sitzung, sondern erklärt, was Unfälle zu bedeuten haben, wie man den Selbstmord eines Angehörigen oder Freundes begreifen kann und warum Begegnungen mit Verstorbenen so heilsam sein können. Er zeigt auch, wie man selbst mit der »anderen Welt« Verbindung aufnehmen kann. Eine Reihe von Übungen stärkt die übersinnlichen Anlagen, die jeder Mensch besitzt, und bereitet auf verantwortungsvolle Weise auf die Kontaktaufnahme vor.

Autor

James Van Praagh ist ein überall in den USA bekanntes Medium und berühmt dafür, Botschaften und Gespräche zwischen den »Welten« zu vermitteln. Er hält Vorträge, Demonstrationen und Workshops ab, in denen er sein Wissen über das Leben nach dem Tod vermittelt.

Für Connie,den ersten Engel, der mir auf Erdenbegegnete und die mir zeigte,wie man die Sonne einfängt.

Inhaltsverzeichnis

Über den AutorWidmungDankTeil I - Der Schleier lüftet sich
1 - Das Medium 2 - Die Gabe 3 - Die geistigen Helfer
Teil II - Die Sitzungen
4 - Tragische Übergänge 5 - Tödliche Kollisionen 6 - Aids 7 - Selbstmord 8 - Die starken Bande der Liebe
Teil III - Der nächste Schritt
9 - Jenseits der Trauer 10 - Kontakt aufnehmen 11 - Meditationsübungen
Copyright

Dank

Das Unterfangen, den eigenen Erinnerungen in einem Buch Ausdruck zu verleihen, habe ich in der Hoffnung begonnen, meinen Lesern etwas Wissenswertes zu vermitteln, sie das Staunen wieder zu lehren und dazu beizutragen, ihren inneren Weg zu erhellen. Eine solche Aufgabe kann man unmöglich alleine schaffen. Diese Erinnerungen sind eine Mischung aus Gedanken, Vorstellungen, Erfahrungen und Lebensberichten all jener, die mich tief berührt haben.

Als erstes will ich der »Schöpferkraft« danken, die man mit Namen wie Gott, Allah, Jehova, göttliches Wesen und großes Licht bezeichnet. Ich nenne diese Macht einfach »Ursprung«, Ursprung von allem.

Dann möchte ich jenen geliebten Wesen auf dieser Erdenebene danken, die mich sowohl mit tragischen Berichten als auch mit solchen der Liebe besucht und Führung, abschließende Klärung, Heilung und Frieden gesucht haben. Ich hoffe, ihre Erwartungen erfüllt und ihnen zu Geistes- und Herzensfrieden verholfen zu haben.

Ich danke auch allen Lieben in der geistigen Welt, die wie Traumgestalten durch mich zurückkehren, um ihren Familien und Freunden von irdischen Erlebnissen zu berichten. Diese in den Teppich der Zeit eingewobenen Erinnerungen sind Trost und Beweis, daß es keinen Tod, sondern nur das Leben gibt. Durch die alleinige Macht der Liebe stellen sich diese hochherzigen Geistwesen an unsere Seite, machen uns Mut, verleihen uns Kraft und Macht, führen uns und stehen uns bei der Erfüllung unseres eigenen irdischen Schicksals bei.

Ebenso möchte ich meinen himmlischen Führern und Lehrern danken, die mich seit den ersten Hinweisen auf meine Gabe begleitet haben. Sie haben es nie versäumt, meiner Arbeit mit ihrer Kraft, Macht und Weisheit beizustehen und damit ein Beispiel für Wachstum, Aufklärung und Erbauung nicht nur für mich selbst, sondern für die ganze Menschheit zu schaffen.

Auch meinen irdischen Begleitern Brian E. Hurst, Carol Shoemaker, Mary Ann Saxon, Marilyn Jensen, Peter Redgrove, Linda Tomchin und Cammy Farone, die mir mit ihrer Liebe, Ermutigung und Unterstützung auf dem Weg geholfen haben, gebühren meine Liebe und mein inniger Dank.

Schließlich bin ich meiner ganzen Familie, all meinen Freunden und Lieben in diesem Leben täglich dankbar. Die Zeit, die wir miteinander auf dieser Welt verbrachten, hat nicht nur meine Seele bereichert, sondern mich auch unschätzbar Wertvolles über die Äußerungen menschlicher Herzensgefühle gelehrt. Die Liebe feiert das Leben. Ich danke euch allen für die Feier der Fülle dessen, was wir waren, sind und dereinst sein werden.

Euch allen danke ich, daß ihr euer Licht mit mir teilt und auf dieser Reise der Liebe und des Lebens, die kein Ende hat, Hand in Hand mit mir geht.

Teil I

Der Schleier lüftet sich

1

Das Medium

Oft fragt man mich, ob ich als Medium zur Welt gekommen sei oder meine medialen Fähigkeiten durch eine furchtbare Krankheit, einen ungewöhnlichen Unfall mit einer Kopfverletzung oder eine Nahtoderfahrung erlangt habe. So interessant diese Möglichkeiten auch wären, ich kann keine davon als jenen Schlüsselmoment in Anspruch nehmen, der mir meine Lebensaufgabe vor Augen führte.

Ich bin nicht anders als alle anderen. Wir werden alle mit übersinnlichen Fähigkeiten geboren. Die Frage ist nur: Wird es uns klar, daß wir sie haben, und handeln wir danach? Wie viele andere wußte auch ich nicht, was es heißt, übersinnlich begabt zu sein. Wahrscheinlich habe ich den Begriff »übersinnlich« zum erstenmal bei einer Fernsehshow gehört. Ich verstand zwar nicht gleich, was er genau bedeutete, aber er erklärte wohl ganz gut, weswegen ich einfach manches über Menschen wußte, wenn sie den Raum betraten. Aus letzterem Grund behielt mich meine katholische Grundschullehrerin auch eines Tages nach dem Unterricht zurück.

Die Mittagspause war gerade zu Ende, und alle Schüler strömten wieder ins Klassenzimmer zurück. Ich hatte eben meine Brotdose mit dem Yogi-Bären weggeräumt, als Frau Weinlick, meine Lehrerin, hereinkam. Unsere Blicke kreuzten sich, und plötzlich wurde ich ganz traurig. Da ging ich zu ihr hin und sagte: »Es wird alles wieder gut. John hat sich das Bein gebrochen.« Sie sah mich befremdet an: »Was sagst du da?«, worauf ich hinzufügte: »John ist von einem Auto angefahren worden, aber es ist alles in Ordnung. Er hat sich nur das Bein gebrochen.« Ich dachte, die Augen würden ihr aus dem Kopf treten; sie zeigte auf meinen Platz und befahl mir, für den Rest des Unterrichts dort sitzen zu bleiben. Etwa eine Stunde später kam der Schulleiter an die Tür und sagte Frau Weinlick etwas. Sie geriet urplötzlich in Panik, wurde kreidebleich und lief mit einem Aufschrei hinaus.

Am nächsten Tag schien Frau Weinlick wieder ganz normal zu sein, nur starrte sie mich den ganzen Tag über immer wieder an. Sie bat mich, nach der Schule dazubleiben, weil sie mit mir reden wolle. Gott segne sie! Dieses Gespräch hat mich auf meine übersinnlichen Fähigkeiten aufmerksam gemacht. Offenbar war ihr Sohn John tags zuvor von einem Auto angefahren worden, hatte sich aber wie durch ein Wunder nur das Bein gebrochen. Sie fragte mich: »Wie konntest du wissen, daß das geschehen würde?« Ich hatte keine Ahnung, was ich antworten sollte. Ich wußte es einfach. Ich hatte es gefühlt. Sie sah mich scharf an, und ich fing an zu weinen. War ich etwa für diesen Unfall und die Verletzung ihres Sohnes verantwortlich?

Natürlich beruhigte mich Frau Weinlick, ich solle mich nicht aufregen. »Viele Kinder und Erwachsene wissen manche Dinge vorher, ehe sie passieren«, meinte sie. Sie sagte, ich sei »ein Bote Gottes«, und Gott habe mir eine besondere Gabe gegeben. Sie fügte hinzu: »Damit du eines Tages anderen helfen kannst.« Ich solle kein schlechtes Gewissen wegen der Dinge haben, die ich vielleicht innerlich sähe. »Du hast eine besondere Begabung«, fügte sie hinzu. Aber sie riet mir, vorsichtig zu sein, wem ich etwas über diese Besonderheit erzählte.

Das war das erste Mal, daß ich etwas Näheres über übersinnliche Fähigkeiten hörte. Wenn ich an jene Zeit zurückdenke, bin ich Frau Weinlick für ihre Ausführungen sehr dankbar. Sie hat mir auf vielerlei Arten geholfen. Mit einer Nonne als Klassenlehrerin an ihrer Stelle wäre mein Leben wahrscheinlich ganz anders verlaufen.

Heute ist mir meine Fähigkeit, Dinge zu sehen und zu fühlen, die nicht von dieser materiellen Welt sind, vollkommen verständlich. Häufig nennt man eine solche übersinnliche Begabung den »sechsten Sinn«, aber auch Intuition, etwas »aus dem Bauch« spüren, eine Vorahnung oder Eingebung über etwas haben. Jeder setzt diese Fähigkeit täglich ein, ohne es überhaupt zu merken. Haben Sie nicht auch schon oft an jemanden gedacht, und kurz darauf hat das Telefon geklingelt, und der Betreffende war dran? Oder Sie hatten die Eingebung, die Spur auf der Autobahn zu wechseln, und kurz darauf stellten Sie fest, daß auf der anderen Spur ein Unfall passiert war. Vielleicht haben Sie auf dem Weg zur Arbeit plötzlich das Gefühl, Ihr Chef sei schlecht gelaunt, und wenn Sie ankommen, stimmt das tatsächlich. Wie oft haben Sie nicht an ein Lied gedacht, und kurz haben Sie es im Radio gehört? Das sind lauter Beispiele für übersinnliche Fähigkeiten. Woher kommt nun dieser sechste Sinn? Da er sich nicht aus unseren sinnlichen Fähigkeiten ableiten läßt, muß er wohl aus einer Quelle stammen, die über diesen liegt, aus der Seele. Wenn wir übersinnliche Fähigkeiten verwenden, stimmen wir uns in die Seelenenergie ein, das heißt die naturgegebene Lebenskraft, die alle Lebewesen durchdringt.

Kleinkinder sind vielleicht noch übersinnlicher begabt als Erwachsene – auf jeden Fall sind sie dem Übersinnlichen gegenüber aufgeschlossener. Das liegt nicht nur daran, daß sie noch nicht so weit von der anderen Seite des Lebens entfernt sind, sondern auch daran, daß Sprache und Denkvermögen noch nicht so entwickelt sind und sie sich im Kontakt mit der Außenwelt auf Gefühle oder Empfindungen verlassen müssen. Alle haben schon einmal erlebt, wie ein Baby bei jemandem anfängt zu weinen und sofort aufhört, wenn jemand anders es in die Arme nimmt. Offensichtlich spürt es dort eine harmonischere oder schützendere Schwingung. Deshalb wollen Babys auch immer zu ihrer Mutter. Ein starkes übersinnliches Band verbindet Mutter und Kind. Kommt es nicht immer wieder vor, daß eine Mutter ins Kinderzimmer läuft und einfach weiß, daß ihr Kind gleich aufwacht und sie braucht? Dieses Band wird immer stärker, bis eine Mutter ohne jeden verbalen Hinweis genau weiß, was ihrem Baby fehlt.

Übersinnliche Fähigkeiten sind auch im Pflanzen- und Tierreich am Werk. Pflanzen sind außerordentlich empfindsam und gedeihen sehr gut in einer sanften, angenehmen Umgebung, in der sie umsorgt und geliebt werden. Das erinnert mich an ein recht interessantes Erlebnis. Als ich noch ganz normal von neun bis fünf Uhr arbeitete, fuhr ich eines Tages eine Mitarbeiterin nach Hause. Als ich in ihrer Wohnung Platz genommen hatte, hörte ich einen ganz hohen Ton. Ein lautes Schreien umgab mich auf allen Seiten. Es war, als sei jemand verletzt und rufe um Hilfe. Ich sah mich um und begriff schließlich, um was es sich handelte. Alle Pflanzen in der Wohnung waren vertrocknet und am Verdursten. Sie schrien buchstäblich nach Wasser. Unverzüglich sagte ich das meiner Mitarbeiterin und erfuhr, daß sie sie über zwei Wochen nicht gegossen hatte.

Der Gedanke, daß Pflanzen schreien können, kommt einigen vielleicht etwas seltsam vor. In diesem Fall würde ich empfehlen, etwas zu diesem Thema zu lesen, etwa Das geheime Leben der Pflanzen von Peter Tomkins und Christopher Bird. Wir sollten begreifen, daß sich das Wunder des Lebens in allen möglichen Formen und Größen zeigt, auch als Pflanzen. Wenn wir uns die Zeit nehmen, auf unsere eigene übersinnliche Begabung zu achten und uns ihr und den uns umgebenden Energien zu öffnen, erfahren wir mehr über diese Lebensformen.

Man weiß, daß nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere einen sechsten Sinn haben. Beobachten Sie einmal das Verhalten Ihres Hundes oder Ihrer Katze. Haben Sie es nicht schon oft erlebt, daß ein Hund bei manchen Menschen zu knurren beginnt oder gar nicht mehr aufhört zu bellen? Und sich bei einer Gruppe von Menschen in einem Zimmer häufiger bei einem bestimmten Menschen aufhält als bei anderen? Bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Wirbelstürmen oder einem Orkan werden Tiere allgemein unruhig, verlieren die Orientierung und verstecken sich in der Regel hinter oder unter den Möbeln. Das Tier erfährt nicht über das Fernsehen davon wie wir. Es weiß es einfach. Gewöhnlich spüren Tiere ein Unglück, bevor es geschieht. Sie reagieren auch hochempfindlich auf die Angst des Menschen. Wollen Sie den Wetterbericht, sehen Sie sich die Kühe auf einer nahen Weide an. Vor einem Unwetter legen sie sich meistens ins Gras. In der gesamten Schöpfung haben sich Tiere zu ihrem Schutz und zur Arterhaltung immer auf ihre übersinnlichen Empfindungen oder ihren Instinkt verlassen.

Ich will Gott mit eigenen Augen sehen

Bevor ich anfing, mir Gedanken über meine übersinnliche Begabung zu machen, hatte ich schon über die Existenz Gottes nachgedacht. Ich war zwar katholisch erzogen worden und neun Jahre lang in eine katholische Schule gegangen, aber mir kam die katholische Sicht Gottes zu eng und unrealistisch vor. Wir sollten blind an eine Gottheit glauben, und das verwirrte mich sehr. Ich wälzte Fragen über Fragen, etwa: Wieso wissen wir überhaupt, daß Gott existiert? Hat denn jemand Gott je gesehen? Wie macht Gott etwas aus nichts? Wer hat die Geschichten in der Bibel geschrieben, und stimmen sie überhaupt?

Wie sehr ich auch an einen durch kirchliche Rituale und Gesetze vorgegebenen Gott glauben wollte, hatte ich doch selbst keine eigene Gotteserfahrung gemacht. War ich verpflichtet, den routinemäßigen Gottesdienst einfach zu einem Bestandteil meines Lebens zu machen? Mir fehlte ein Stück des Puzzles. Hatten die Nonnen mir etwas vorenthalten? War mir in der Messe etwas entgangen, das alle anderen begriffen hatten? Zweifelte nur ich ihren Glauben an? Für meinen jungen Verstand war die Bitte ganz einfach und selbstverständlich: Wenn es einen Gott gibt, möchte ich bitte einen Beweis dafür bekommen.

Mein Gebet wurde erhört, als ich acht Jahre alt war. Ich lag eines Morgens im Bett, als ein starker Luftzug mir übers Gesicht strich. Ich wickelte mich fester in meine Wolldecke und blickte zum Schlafzimmerfenster hinüber. Es war geschlossen. Um herauszufinden, wie dieser Luftzug in mein Zimmer gekommen war, schaute ich umher und sah eine große Hand mit der Handfläche nach unten an der Decke. Die Hand leuchtete, und weißes Licht pulsierte daraus hervor. Ich war wie hypnotisiert, aber irgendwie hatte ich keine Angst. Ich verstand zwar nicht, was da geschah, aber ich fürchtete mich auch nicht – vielleicht, weil ich ein Kind war. Ich war bereit, das Bild, das ich sah, für wahr zu halten. Da erfüllte mich plötzlich ein überwältigendes Gefühl von Frieden, Liebe und Freude. Obschon die Stimme Gottes nicht (wie es in der Bibel immer wieder beschrieben wird) laut ertönte, um meine Fragen zu beantworten oder mir mein Schicksal kundzutun, wußte ich, daß das eine Vision Gottes war. Ich wußte auch, daß ich alles nur Erdenkliche tun würde, um diese Freude wiederzufinden. Es dämmerte mir, daß das Leben aus viel mehr bestand als nur aus dem, was man mir beigebracht hatte und was ich mit den Augen meines Körpes sah.

Die leuchtende Hand Gottes war mein erstes hellseherisches Erlebnis. Trotz des tiefen Eindrucks, den es auf mich machte, erzählte ich es niemandem. Für mich war es mein Geheimnis, und man würde mir sowieso nicht glauben. Später lernte ich viel über Hellsehen dazu, bei dem man im Geiste Bilder, Formen, Begebenheiten, Geister, Gesichter und ferne Orte wahrnimmt, die für das physische Auge unsichtbar sind. Wenn wir beispielsweise nachts einschlafen, ziehen allerlei Formen, Gesichter und Ereignisse vor unserem inneren Auge vorbei. Beim Hellsehen ist es ganz ähnlich, nur sieht man diese Bilder dann mental. Im 2. Kapitel gehe ich näher auf das Hellsehen ein.

Eine Séance früh an einem Samstagabend

Nach der überraschenden Handerscheinung war ich von der Existenz Gottes überzeugt. Schließlich konnte sich nur Gott plötzlich aus dem Nichts zeigen. Damit tauchten aber eine ganze Reihe neuer Fragen auf. Nun nahm mich der ganze Fragenkomplex um den Tod und das Geschehen danach völlig gefangen. Ich stellte mir lauter »Was-wenn«-Fragen über den Himmel und das Leben nach dem Tod. An was für einen Ort gehen wir, wenn wir sterben? Gibt es wirklich einen Himmel, eine Hölle oder einen Ort dazwischen? Hört das Leben nie auf? Ich wußte nur, was man mir in der katholischen Schule beigebracht hatte, und das war zu einseitig. Was glauben andere über Gott und das Leben danach? Ich wollte das verstehen. Ich wollte mehr darüber wissen. Ich wollte weiterforschen. Und dabei hatte ich keine Ahnung, daß ein übernatürliches Ereignis bereits vor der Tür stand.

Scott und ich waren eng befreundet. Wir spielten Ball und unternahmen all die Dinge, die Jungen eben so tun. Wir probierten auch die üblichen parapsychologischen Spiele aus, die offenbar für fast alle Jugendlichen zum Erwachsenwerden gehören. Wir befragten etwa spaßeshalber die achtseitige Zauberkugel, aber das Lachen verging uns schnell, wenn wir etwa: »Die Antwort ist nicht ganz klar, fragt später nach« gesagt bekamen. Wie konnte sie überhaupt etwas wissen? Wir nahmen mit einem Oui-ja-Board Kontakt zu Geistern auf, wobei insgeheim jeder davon überzeugt war, der andere bewege das Brett. Es war also ganz normal, daß wir eines Samstagmorgens beschlossen, am selben Tag um sieben Uhr abends eine Séance abzuhalten. Sieben war die Stunde, die für Zwölfjährige der Geisterstunde am nächsten kam.

Ich erinnere mich lebhaft an jenen Tag. Er schien sich ewig hinzuziehen. Bilder aus all den Vincent-Price-Filmen, die ich gesehen hatte, schossen mir durch den Kopf. Irgendwie wußte ich, daß dieser Abend etwas Außergewöhnliches bringen und daß etwas Umwerfendes geschehen würde. Um Viertel vor sieben war ich zu nervös geworden, um noch länger zu warten. Zwei Stunden zuvor hatte ich eine weiße Kerze gefunden und eingesteckt. Ich dachte, wir würden sie für eine richtige Séance brauchen. In Rekordzeit war ich bei Scott zu Hause angelangt. Nach einem kurzen, seinen Eltern hingeworfenen »Hallo« verzogen Scott und ich uns rasch auf sein Zimmer. Ich übergab Scott die Kerze, die er anzündete und feierlich mitten in einen Aschenbecher auf den Tisch zwischen uns stellte. Wir machten die Fenster zu, drehten das Licht aus, setzten uns einander gegenüber und warteten. Wir waren beide ziemlich aufgeregt, obwohl wir einander versicherten, das alles sei nur ein Jux. Die Atmosphäre war gespenstisch, ganz wie es sich gehörte. Die Kerze warf lange Schatten ins Zimmer und einen unheimlichen Schimmer auf unsere Gesichter. Das Beste bei diesem Spiel war, herauszufinden, wer zuerst Angst bekam und davonlief.

Wir saßen eine halbe Stunde schweigend da. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus.

»Was sollen wir jetzt machen?«

Scott zuckte mit den Schultern: »Vielleicht sollten wir darum bitten, mit jemanden zu sprechen.«

Janis Joplin war gerade vor einem Jahr gestorben, und Scott schlug vor, nach ihr zu fragen. Wir riefen also etwa zehn Minuten lang wie bei einer Litanei nach Janis. Wir warteten. Nichts geschah. Wir riefen Janis noch einmal. Die Kerze brannte ruhig vor sich hin. Keine geheimnisvollen Klopfzeichen kamen aus dem Tisch. Kein kalter Luftzug strich durchs Zimmer. Wir warteten weiter. Unablässig suchten unsere Augen den Raum nach einer Bewegung oder irgendeinem Zeichen ab, daß Janis gekommen war. Aber da saßen nur zwei Zwölfjährige, denen es langsam langweilig wurde.

Ich beschloß, es mit einer letzten Bitte zu versuchen: »Janis, wenn du hier bist, gib uns ein Zeichen mit der Kerze«, gebot ich mit der tiefsten, melodramatischsten Stimme, deren ich fähig war.

Die Kerze flackerte kurz auf. Dann neigte sich die Flamme plötzlich nach links und blieb eine Sekunde lang so stehen. Gleich darauf neigte sie sich nach rechts und verharrte dort. Scott und ich saßen wie versteinert da. Die Flamme bewegte sich nun wie wildgeworden hin und her. Wir hielten beide den Atem an. Was auch immer die Flamme in Bewegung versetzte, wir waren es jedenfalls nicht. Wir waren zu versteinert, um irgend etwas zu unternehmen. Plötzlich ging die Kerze aus, und das Zimmer versank in tiefste Dunkelheit. Wir rafften unseren letzten Mut zusammen und liefen schreiend aus dem Zimmer in die sichere Nähe von Scotts Eltern.

Hatten wir Kontakt zu Janis Joplin aufgenommen? Wer weiß. Ich glaube, daß wir eine Tür zu etwas oder jemandem jenseits der materiellen Welt geöffnet hatten. Es kommt mir jedenfalls wie eine Ironie des Schicksals vor, daß das, was als Jux zweier Jungen begann, meine recht unterhaltsame erste Bekanntschaft mit meiner späteren Laufbahn sein sollte.

Weitere übersinnliche Phänomene

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, hatte ich doch recht viele seltsame und jenseitige Erlebnisse. Man könnte wohl sagen, daß die Séance auf etwas makabre Art das bemerkenswerteste davon war. Aber es war doch nur eines von vielen Erlebnissen, die, wie ich heute weiß, eindeutig Vorläufer eines mit Spiritismus, Spannung und Geheimnissen durchzogenen Lebens waren. Mein Lebensmotto hatte schon immer gelautet: Das Unbekannte ist das, was man noch nicht gefunden hat. Es war typisch für mich, Unerklärliches aufspüren und Antworten darauf suchen zu wollen. Deshalb führte mich meine Neugier häufig an Orte, wohin sich kein vernünftiger Mensch je wagte. Als Kind fand ich immer wieder allerlei Spiele, Themen und Ablenkungen, die mich faszinierten und mir die Existenz einer okkulten Welt bestätigten. Am liebsten beschäftigte ich mich mit Geisterhäusern und Friedhöfen. Schon der Gedanke, daß in einem Haus offenbar unsichtbare Wesen durch die Gemächer streiften, nahm mich völlig gefangen. Der geborene Detektiv in mir übernahm häufig die Führung, und ich gab keine Ruhe, bis ich das jeweilige Geheimnis gelüftet hatte.

Das Bell-Haus war ein solches geheimnisumwittertes Haus. Bedrohlich stand es da, unter einer Schicht abgeblätterter, alter grauer Farbe, und die Fensterläden hingen kaum noch in den Angeln, während manche über gelben Fensterrahmen halb geschlossen waren. Das Bell-Haus hatte seine Blütezeit in einem längst vergessenen Jahrhundert erlebt, als die Straßen noch Pferd und Wagen gehörten und Kühe friedlich auf den Weiden grasten. Das Haus oder das »Landgut«, wie man es auch nannte, bot einen unheimlichen Anblick, wenn man es in einiger Entfernung von der Straße aus sah, von überwachsenen Bäumen halb verborgen. Meinen Kinderaugen kam es vor, als reichten seine Dachzinnen direkt in den Himmel. Das Bell-Haus stand nun schon seit über fünfzig Jahren leer, war aber stets eine einschüchternde Erscheinung auf meinem Schulweg gewesen. Ich weiß noch, wie wir wegen der vielen Geschichten, die man sich darüber erzählte, immer schnell daran vorbeirannten. In einer davon kam eine alte weißharige Dame vor, deren ständiges Wehklagen im ganzen Haus zu hören sei.

Der Überlieferung zufolge hatte diese Dame einen Sohn, der als Kaufmann zur See fuhr. Nachdem er einmal viele Monate zu Hause geblieben war, überredete sie ihn zu einer neuerlichen Expedition. Der Sohn ging widerwillig fort und ward nicht mehr gesehen. Offenbar war das Wetter plötzlich umgeschlagen, und das Schiff, auf dem er sich befand, war in einem gewaltigen Sturm untergegangen. Es gab keine Überlebenden. Seine Mutter aber glaubte das nie, sondern dachte, ihr Sohn habe sich aus dem Staub gemacht. Seither sah man sie immer wieder ihren Sohn in den Gemächern des Hauses suchen und nächtelang wehklagen. Manchmal ließ sie eine Kerze in der Hoffnung brennen, ihr Sohn würde sie sehen und heimfinden. Aber das war nicht das Schlimmste. Wir Kinder wußten: Wenn wir zufällig zum Haus hinsahen und das Gesicht der Dame erblickten, würde sie nachts, wenn wir schliefen, in unser Schlafzimmer kommen und uns mit zu sich nach Hause nehmen, und wir müßten auf ewig bei ihr bleiben.

Meine Freunde und ich vergaßen diese Geschichte über das Bell-Haus nie, und auch wenn sie vielleicht nicht stimmte, wurde unser sonst recht langweiliger Schulweg dadurch etwas spannender. Als ich etwas älter war – etwa zehn oder elf –, hatte ich die harmlose Geschichte von der alten Frau und ihrem Sohn so ziemlich beiseite geschoben, aber das Haus faszinierte mich immer noch sehr. Ich hielt davor an, sah zum Fenster im zweiten Stock hoch und hoffte, den Schimmer einer brennenden Kerze oder das dumpfe Geräusch eines unterdrückten Schreis zu erhaschen. Auf jeden Fall war etwas mit diesem Haus los. Ich wußte es. Es schien mich zu rufen. Und ich mußte seinem Ruf folgen.

Eines Tages tat ich genau das. Mein Möchtegernzaubergehilfe Scott und ein paar andere tapfere Jungen aus dem Quartier wollten mich begleiten. Irgendwie mußten wir ins Haus gelangen. Wir dachten, auf der von den Bäumen fast vollständig verdeckten Rückseite könnten wir es wohl am leichtesten schaffen. Da war kein Zaun, der uns aufgehalten hätte, und die Aufgabe erwies sich als einfacher, als wir geglaubt hatten. Nachdem wir uns zwischen den Bäumen hindurchgezwängt hatten, fielen unsere Augen auf ein altersschwaches, baufälliges Holzhaus. Das Gespensterschloß, um das sich einst so viele beängstigende und schreckliche Geschichten gerankt hatten, schien aus weiter nichts als viel morschem Holz und abbröckelndem Putz zu bestehen.

Wie es der Zufall wollte, war neben der Hintertür ein Fenster. Einer von uns hielt Wache, und wir anderen rissen ein Brett vom Fenster weg. Die Sonne durchflutete die hundertjährige Dunkelheit. Vorsichtig krochen wir ins Haus, das im Lauf der Zeit offensichtlich fast eingefallen war. Kaum stand ich im Raum, als mich Kälteschauer überliefen. Aber die Furcht und der Schrecken, die ich erwartet hatte, verwandelten sich in Freude und Lachen. Als ich mich umsah, sah ich eine Art riesiges Wohnzimmer, das viel länger als breit war. Die Wände waren vom Regen vergangener Tage verfärbt, und eine rosa Tapete hing in Fetzen von den Wänden, in denen große Löcher mit Brettern zugenagelt waren. Als ich durch das große Zimmer ging, hatte ich das seltsame Gefühl, an diesem Ort hätten abends wohl Tanzgesellschaften stattgefunden. Ich konnte beinahe den Walzerschritt an mir vorbeitanzender Paare sehen. In der einen Ecke des Raumes konnte ich mir eine kleine Tanzkapelle vorstellen, die den Gästen bis in die frühen Morgenstunden aufspielte. Ich ging geradewegs weiter bis zu einem Nebenzimmer am anderen Ende. Höchstwahrscheinlich war dies der Speisesaal für eine stattliche Anzahl Gäste gewesen. Ich sah eine Tafel voll auserlesener Speisen wie bei einem Bankett vor mir. Kerzenleuchter spendeten Licht für das Abendessen. Plötzlich holte mich ein Aufschrei meines Freundes Kevin aus meiner Träumerei zurück.

»Au, Backe!« rief er. »Sieh dir mal das an!«

Als ich zu Kevin und den anderen im nächsten Zimmer stieß, sah ich, weswegen sie so aufgeregt waren. Auf dem Boden lagen Bücher und Fotos in allen Größen und Formen verstreut. Etliche Bücher hatten Handel und Geschäft sowie die Seefahrt zum Thema. Andere waren Buchhaltungsbücher voller Bleistiftzahlen. Wir erbleichten, als wir diese Bücher über das Verschiffen von Waren und die Fahrten zur See fanden, wandten uns alle zur Tür und suchten den nächsten Fluchtweg, denn plötzlich standen uns die Geschichten aus unserer frühesten Kindheit über den Kaufmann und seine Mutter wieder lebhaft vor Augen. Und wenn das alles doch wahr wäre? Es schauderte uns bei dem Gedanken daran, was uns allen zustoßen könnte. Und wenn es nun im Haus spukte und Geister in den Fluren lauerten? Ich weiß nicht, ob wir nur unseren Mut beweisen wollten, aber niemand wollte zugeben, wie sehr er sich fürchtete, obwohl wir alle wußten, daß wir innerlich mit den Zähnen klapperten. Wir beschlossen, zusammenzubleiben und unsere Erforschung fortzusetzen.

Ich hob einige Fotos vom Boden auf und sah sie mir an. Es waren Bilder von Kindern; eins war ein Baby, die anderen beiden adrett angezogene Jungen, die einander glichen und offensichtlich Brüder waren. Als ich das Foto in der Hand hielt, hatte ich das Gefühl, als stünde jemand neben mir. Wissen Sie, was ich meine? Es fühlte sich genauso an, wie wenn jemand hinter einem hergeht. Erschrocken ließ ich das Bild sofort fallen. Die weißhaarige Dame war gekommen, um mich zu holen! Langsam drehte ich mich um und sah gar nichts. Bestimmt hatte ich es mir nur eingebildet.

ENDE DER LESEPROBE

Die amerikanische Originalausgabe erschien 1997 unter dem Titel

»Talking to Heaven« bei Dutton, New York

13. Auflage

Vollständige Taschenbuchausgabe Juli 2000 © 1998 der deutschsprachigen Ausgabe Wilhelm Goldmann Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH © 1997 der Originalausgabe James Van Praagh Published by arrangement with Dutton Plume, a division of Penguin Putnam Inc. Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur Satz: Uhl + Massopust, Aalen Lektorat: Gerhard Juckoff

WL · Herstellung: Han

eISBN 9783641162115V003

www.goldmann-verlag.de

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