Im Osten viel Neues - Edith Anneliese Groth - E-Book

Im Osten viel Neues E-Book

Edith Anneliese Groth

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Beschreibung

Wo andere von Mittelmeer und Sandburgen träumen, zieht es Edith und ihren Bruder Rolf jeden Sommer von Bochum in "die Zone". Denn hier warten nicht nur Himbeerbrause, das Sandmännchen und die lieben Verwandten aus Radeberg und Dresden. Es sind auch die Sommertage auf dem Dachboden, das Hühnerfüttern und der erste Schwarm, die die Sehnsucht schüren. Eine Vorfreude auf so viel Neues, wo andere nur ein angestaubtes Ostdeutschland wähnen. Ohne verklärenden Blick auf das System schildert Edith Anneliese Groth liebevoll das, wie Kinderaugen und -herzen in jenen Sommerferien fürs Leben aufsaugen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 38

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Vorwort

Ausglamiesorn

Bibborn

Nuguggemada

Gemiedlich

S’würd gegässn

Ein „herrlisches Fleggschen Erde“

Beedorsielsche un Biebmaddse

Rodgäbbchen un Gönig Drosselbard

Ei verbibbsch

Däschdlmäschdl

Heemfahrd

Vorwort

Meine Kindheitserinnerungen an „Dunkeldeutschland“, so wurde damals die DDR genannt, sind wunderschön. Mit meinen Eltern und meinem Bruder verbrachte ich im Alter zwischen acht und sechzehn Jahren jeden Sommerurlaub bei unseren Verwandten in der Nähe von Dresden. Es sind meine Erlebnisse, die ich hier niederschreibe, Erinnerungen an die Zeit in der „Ostzone“, wie ich sie im Gedächtnis habe. Die Zeit des geteilten Deutschlands soll nicht in Vergessenheit geraten.

Im Oktober 1949 wurden zwei deutsche Staaten gegründet, die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Meine Mutter wohnte in Radeberg bei Dresden, das Städtchen gehörte damals zur DDR. Mein Vater stammte aus Bochum in der BRD. Kurz vor der Schließung der Grenze holte mein Vater seine Lotte, die er liebte, zu sich nach Bochum und heiratete sie. So wurden mein Bruder Rolf und ich Kinder der BRD. Im Herzen waren wir aber durch die jährlichen Besuche bei unseren Verwandten in Radeberg und Dresden stark mit der DDR verbunden.

Ich habe in meiner Urlaubszeit schöne und nachdenkliche Augenblicke erlebt. Es gab Momente, die mir als Kind Angst machten. Es gab die unbeschwerten Stunden, die ich mit meinen Freunden und Verwandten verbrachte. Es war die Zeit meiner ersten Liebe. Es sind Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.

Ausglamiesorn

Die jährliche Urlaubsreise mit meinen Eltern und meinem Bruder Rolf in die damalige DDR war für mich eine gefühlte Weltreise. Eine Fahrt in ein anderes Land, das wir als sehr abenteuerlich empfanden. Die Vorschriften, die Eingeschränktheit im täglichen Leben, das „Psst“, das so oft gesagt wurde – für Rolf und mich waren diese Dinge so spannend wie die Geschichten in unseren Kinderbüchern. Meine Eltern sahen es bestimmt anders, für sie war da nichts „Abenteuerliches“, höchstens etwas Beängstigendes, etwas, was viele Nerven kostete. Was war nicht alles vorzubereiten, zu beachten, bevor die Reise losgehen konnte.

Ein nicht enden wollender Papierkrieg für uns „Klassenfeinde“ stand bevor. Das war der Begriff, den die DDR für Menschen aus Westdeutschland benutzte. Die Bedeutung des Wortes „Klassenfeind“ hat mich als Kind lange beschäftigt. „Wieso bin ich ein Klassenfeind, ich gehe doch hier in Bochum und nicht in Radeberg zur Schule?“, lautete meine damalige Frage. Meine Mutter wollte doch nur ihre Verwandten wiedersehen, Mutter, Schwester, Bruder, Nichten und Neffen. Und es war ihr Geburtsort, den wir besuchen wollten. Das hatte doch mit Politik nichts zu tun, unverständlich für mich als Kind die für uns Westdeutsche gemachten Auflagen. Die Erwachsenen verstanden es ebenso wenig.

Nichtsdestotrotz, ich liebte diese Besuche in Radeberg, sehnte mich nach Sandmännchen, Schnatterinchen und Pittiplatsch. Das waren die Helden der dortigen Kinder. Und auf die wunderbaren Märchenfilme freute ich mich, die meinen Bruder und mich immer wieder aufs Neue verzauberten. Ich erinnere mich da an „König Drosselbart“ mit Manfred Krug, einfach fantastisch. Und was ich noch sehr liebte, und das ist bis heute so geblieben, ist der sächsische Dialekt. Der klingt einfach gemütlich. Es gibt keine harten Konsonanten. Statt k gibt es das g, p wird zum b und statt t wird das d gesprochen, der Unterkiefer wird beim Sprechen vorgeschoben. Eigentlich ganz einfach. Das haben wir als Kinder mehrfach geübt, gelungen ist es uns nie. „Had där Dschunge abor ainä gewaldsche Bulverriebe“ (hat der Junge aber einen großen Kopf) klingt wie beruhigende Musik in meinen Ohren. „Kumma, wattata dampft“ (sieh mal, wie es da dampft), mein Kohlenpottdeutsch klingt dagegen hart und exotisch.

Herrliche und aufregende Zeiten waren die Wochen bis zur „großen Reise“ nach Radeberg für uns Geschwister. Die Vorfreude war groß. Was musste da nicht alles „ausglamiesort“ werden, wie meine Mama sagte. Es wurde geplant, gerechnet und für den Urlaub eingekauft, in großen Mengen. In der DDR gab es vieles nicht, was für uns in der BRD ganz selbstverständlich war. Z.B. waren Südfrüchte wie Bananen und Orangen sehr selten zu haben. Bei uns in Westdeutschland konnte man alles kaufen, wenn es der Geldbeutel erlaubte. Ging ich mit meinem Vater in Bochum zum Markt, sah ich riesige Berge von Orangen und Bananen. Wie peinlich war es mir damals, wenn mein Papa beim Kauf um jeden Pfennig handelte. „Zu teuer, für diese kleinen Dinger so viel Geld zu bezahlen. Für 50 Pfennig weniger kaufe ich sie.“ Und er bekam sie tatsächlich nach längerem Verhandeln günstiger. Ich hätte im Erdboden versinken können. Mit Mama erledigte ich weitere Einkäufe für die Verwandten. Strümpfe, Zigaretten, Schokolade, Seifen und Kosmetikartikel waren im Überfluss vorhanden. Da fiel die Auswahl schwer.