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Der Österreicher Victor Weisskopf (1908–2002) war ein großer Physiker. Er studierte bei Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg und Erwin Schrödinger in Leipzig und Berlin. Vor dem "Anschluss" musste er aufgrund seiner jüdischen Herkunft das Land verlassen. In den USA wurde er Mitglied des Manhattan-Projekts und war an der Entwicklung der Atombombe beteiligt. Als ihm die Konsequenzen seiner Arbeit im vollen Ausmaß bewusst wurden, war es zu spät. Weisskopf wurde daraufhin zum vehementen Gegner von Atomwaffen. Eine späte Erkenntnis im moralischen Dilemma der Atomphysik oder eine logische Schlussfolgerung des Mannes, der später Professor am MIT und Direktor am CERN wurde? Der Autor erzählt die Lebensgeschichte des Physikers und leidenschaftlichen Klavierspielers auf spannende und fundierte Weise.
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2026
Peter Illetschko
Peter Illetschko
Residenz Verlag
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Typografische Gestaltung, Satz: Lanz, Wien
Lektorat: Clara Schermer
ISBN ePub:
978 3 7017 4734 4
ISBN Printausgabe:
978 3 7017 3621 8
Prolog:
Die »Schnapsidee« – Eine Entführung, die nie stattfindet
1
Jugend in Wien: In einem Land mit Minderwertigkeitsgefühlen
2
Bewegende Lehr- und Wanderjahre: Weisskopf und wie er die Welt sieht
3
Als Assistent des Kompromisslosen: Weisskopf bei Wolfgang Pauli in der Schweiz
4
Die Stunde der theoretischen Physiker: Victor Weisskopf in Los Alamos
5
Gespensterjagd in der amerikanischen Gesellschaft: Weisskopf als Oppenheimers Freund und Fürsprecher
6
Das theoretische Werk: Zu zögerlich für den Nobelpreis?
7
Der Wissenschaftler als Friedensaktivist: Ein Doppelleben
8
Teilchenphysik am CERN: Viki, der Ermöglicher
Epilog:
Weisskopf und die Frage nach dem Heimatbegriff
»Ich habe […] beobachtet, dass Wissenschaftler ihre Emotionen unterdrücken. Sie wollen besonders […] sachlich sein, so wie man das mit Wissenschaftlern assoziiert. Aber das ist falsch. Wissenschaft – das ist eine menschliche Tätigkeit, und menschliche Tätigkeiten sind niemals kühl. Menschliche Tätigkeiten sind voller spontaner Emotionen, von Erfüllung und sie haben mitunter ein tragisches Ende.«
Victor Frederick Weisskopf1
Als Wissenschaftsjournalist kann man sich schon einmal im Online-Bildarchiv des Europäischen Kernforschungszentrums CERN verlieren; scrollen, lesen und klicken wie ein Teenager in Social-Media-Kanälen. Dabei findet man Fotos von Maschinen, die mit sehr viel Geld gebaut wurden und nur einen Zweck haben: neue Erkenntnisse in der Physik zu gewinnen. Es sind auf den Bildern vor allem ältere Herren (und nur sehr wenige Frauen) zu sehen, die am CERN eine neue Physik finden oder die bekannten theoretischen Modelle bestätigen wollen. Viele prominente Namen tauchen auf: Felix Bloch, Nobelpreisträger mit schweizerischen Wurzeln und der erste Generaldirektor des Kernforschungszentrums, John Ellis, theoretischer Physiker, seit 1973 am CERN und als schräger Intellektueller meist mit selbstgestrickten Pullovern unterwegs. Aber auch der italienische Experimentalphysiker und Nobelpreisträger Carlo Rubbia, der das große Kino ins CERN brachte, hat seinen Fixplatz im Fotoarchiv des Zentrums.
Wie es der Zufall so wollte, fand ich auf dieser Zeitreise ein Foto, das den in Wien geborenen US-amerikanischen Atomphysiker Victor Frederick Weisskopf zeigt: Das Bild stammt von einem für das Europäische Kernforschungszentrum denkwürdigen Tag, dem 16. Oktober 1971, als der Teilchenbeschleuniger Intersecting Storage Rings (ISR) feierlich eröffnet wurde. In diesem Beschleuniger wurde weltweit zum ersten Mal die Proton-Proton-Kollision erwirkt, und das erstmals mit einem Beschleuniger-Bau, der über die Grenzen der Schweiz hinausgehend nach Frankreich reichte. Sechs Männer, nicht mehr ganz jung, standen und saßen versammelt auf einer Bühne. Die Bedeutung dieses Moments lag in der Luft. Sie wirkten wie Industrielle, die einander in einer Fabrik zur Eröffnung einer neuen Maschine trafen und sich gegenseitig Rosen der Bewunderung streuten.
Im Zuge der Einweihungszeremonie überreichte der ISR-Projektleiter, der norwegische Teilchenphysiker Kjell Johnsen, symbolisch einen Schlüssel an den Präsidenten des CERN-Rates, den Physiker Edoardo Amaldi. Ebenfalls auf dem Podium war Weisskopf, der als Sohn einer jüdischen Familie aus Wien in den USA Karriere machte und von 1961 bis 1965 CERN-Generaldirektor war. Außerdem der französische Staatssekretär Marcel Anthonioz, während des Nationalsozialismus Mitglied der Widerstandsbewegung Résistance, und der damalige Generaldirektor am CERN, Willibald Jentschke, ein österreichischer Teilchenphysiker, der noch 1944 die Mitgliedschaft bei der NSDAP beantragte und später das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) mit begründete. Und schließlich, am rechten Rand des Bildes: Werner Heisenberg. Der weltbekannte Quantenphysiker blieb während der Nazizeit in Deutschland und war Kopf des »Uranvereins«. Dieses Projekt widmete sich dem Nutzbarmachen der 1938 entdeckten Kernspaltung, die, so die Befürchtung der westlichen Welt, zum Bau einer Atombombe für Adolf Hitler hätte führen können.
Sechs Männer auf einem Bild, deren Biografien nicht unterschiedlicher sein könnten und damit die Geschichte Europas widerspiegeln. Die wirklich interessanten Fragen der Physikgeschichte des 20. Jahrhunderts, der technischen Entwicklungen und ihrer moralischen Auswirkungen, zeigten sich in ihren Lebensgeschichten. Vor meiner Recherche zu diesem Buch kannte ich noch nicht viele davon. Von Weisskopf zum Beispiel wusste ich immerhin, dass ihm als Physiker und Wissenschaftsmanager eine beeindruckende Karriere gelang; dass er in Los Alamos am National Laboratory war, und als Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Weisskopf studierte in einer Zeit, in der die ersten wichtigen Arbeiten zur Quantenphysik bereits entstanden waren. Er verließ als jüdischer Wissenschaftler Österreich noch vor dem »Anschluss« und ging schließlich auf Vermittlung von Niels Bohr in die USA, wo er eine Stelle an der University of Rochester annehmen konnte. Ab 1943 beteiligte er sich am Manhattan-Projekt in Los Alamos, in der Wüste von New Mexico. Nach dem Krieg wurde der großgewachsene, freundliche Mann ein angesehener Professor für theoretische Physik am weltberühmten MIT in Cambridge bei Boston und zwischenzeitlich eben auch Generaldirektor am CERN (1961–1965).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er unter dem Eindruck der beiden Atombombenabwürfe und zahlloser Todesopfer auch Friedensaktivist. Keiner, der auf die Straße ging und demonstrierte, aber einer, der mit Vorträgen, Texten und Briefen deutlich machte, wofür er stand: Abrüstung und Frieden. Das war nicht außergewöhnlich: Viele der Kollegen aus dem Manhattan-Projekt – keine Beteiligung von Frauen belegt – wurden aktiv gegen das atomare Wettrüsten. Weisskopf war auch fixer Bestandteil der Pugwash-Konferenz, einer Wissenschaftlervereinigung, die sich gegen einen drohenden Atomkrieg zwischen den USA und der UdSSR engagierte.
Aber da gab es noch etwas: Sein Credo lautete, jeder habe eine zweite Chance verdient, auch Menschen wie Werner Heisenberg, die in Kriegszeiten auf der Gegenseite standen. Warum bemühte er sich, ein Vermittler zu sein – und blieb ein solcher bis ans Ende seiner Tage? Er war dabei immer sachlich. Eine große Ausnahme: eine reichlich verrückte Idee, die folgenlos blieb, an die er in späteren Jahren gar nicht gern erinnert wurde.
Weisskopf blieb auch nach seinem Tod im Jahr 2002 der besondere Ruf als außerordentlich beliebter, weil besonders verständlich vortragender, und humorvoller Universitätslehrer. Es gibt zahllose Anekdoten über Weisskopf, die man sich bis heute erzählt. Nobelpreisträger Anton Zeilinger, einer der wichtigsten Quantenphysiker der Gegenwart, weiß auch von einer Episode zu berichten: Als er am MIT eine Vorlesung von Weisskopf hörte, traute er sich erstmals, eine Frage zu stellen, in seinem besten Englisch. In der Pause sei Weisskopf zu ihm geeilt und habe ihn freundlich begrüßt: »Sie sind also auch aus Wien?« Seine Sprachfärbung hatte ihn verraten. Er erzählte die Geschichte beim Symposium zu Ehren von Wolfgang Paulis 100. Geburtstag im Jahr 2000 – Weisskopf war damals anwesend, zum letzten Mal in seiner Geburtsstadt.
Natürlich besteht ein Leben wie jenes von Weisskopf aus weit mehr als nur aus Anekdoten und dem Offensichtlichen. Als ich 2014 Gast beim »Austrian Research and Innovation Talk« am MIT Media Lab in Boston war, suchte ich deshalb nach Spuren von Weisskopf, der in Newton, einem verträumten Vorort der Stadt, gelebt hatte. Ich erhielt über Kontakte eine Telefonnummer von Duscha Weisskopf, der zweiten Frau und Witwe des Physikers, und rief sie an. Sie lud mich, ohne zu zögern, zu sich ein. Es war ein für die Region typischer, prächtiger Indian-Summer-Tag, an dem ich mit ihr gemeinsam in Erinnerungen eintauchen durfte und ein Gefühl davon bekam, wer – und wie – dieser Wissenschaftler gewesen war.
Duscha Weisskopf, die Tochter des 1934 im KZ Dachau ermordeten Lyrikers und Musikkritikers Wilhelm Eduard »Willi« Schmid, erzählte mir gerührt von einem Mann, der sein Leben, die Physik und die Musik in vollen Zügen genoss. Sie zeigte Fotoalben, schwelgte in Geschichten über ihn. Sie bedauerte, dass »Viki« nie den Nobelpreis bekam, und ergänzte, als Ehemann hätte er ihn auf jeden Fall verdient. Duscha starb, einen Monat vor ihrem 98. Geburtstag, im November 2022 und konnte das Finale dieses Buchprojekts nicht mehr erleben.
Nach dem Gespräch 2014 schien gar keine Zeit mehr, das Leben und Wirken dieses weit gereisten Physikers weiter zu erforschen. Ich legte das Material beiseite – natürlich mit äußerst schlechtem Gewissen: Duscha hatte mir schließlich nicht nur ihre Zeit, sondern auch Exemplare einiger Bücher von Weisskopf geschenkt. Jahrelang dachte ich zwar an die Möglichkeit, über diesen Physiker und sein bewegtes Leben zu schreiben, ließ mich aber von meinem Alltag eines Wissenschaftsjournalisten gefangen nehmen, von anderen, nicht weniger spannenden Themen. Die Gedanken über ein mögliches biografisches Werk über Weisskopf setzten jede Menge Staub an.
Bis mich meine Nachfolgerin als Ressortleiter bei der Tageszeitung »Der Standard«, die Quantenphysikerin und Buchautorin Tanja Traxler, wieder erinnerte. War da nicht etwas? Mit einem fragenden Lächeln brachte sie mich dazu, die Beschäftigung mit Victor Weisskopfs Leben wieder aufzunehmen. Es begann eine Reise auf der Suche nach Antworten, die mir dieses Wissenschaftlerleben bieten könnte.
Dieses Buch nun ist das Ergebnis meiner über die Jahre immer wieder aufflammenden Neugier – und nicht nur das. Es ist eine kritische Erkundung der Lebensgeschichte von Victor Weisskopf, seiner Erfolge, aber auch der Herausforderungen und moralischen Zweifel, die er auf seinem Weg gemeistert hat, und die ihn bis zuletzt beschäftigt haben.
Die Recherche fühlte sich an wie ein endloses Graben und Schürfen nach Unterlagen und Dokumenten. Ich habe nicht nur zahlreiche Archive besucht, sondern auch Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen, Zeitzeugen und Zeitzeuginnen sowie die Familie um einen Einblick gebeten. So ist daraus eine Biografie entstanden, die sich auch auf Interviews beruft. Mir schien eine Figur der Wissenschaftsgeschichte genau dadurch einen bleibenden, lebendigen Eindruck zu hinterlassen. Victor Frederick Weisskopf, genannt »Viki«, möge auch damit in Erinnerung bleiben.
Dass nun mehr als 80 Jahre seit dem Abwurf der ersten beiden Atombomben über Hiroshima und Nagasaki vergangen sind, 80 Jahre auch, seit die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Europa ein Ende fand, sah ich als Anregung für ein tiefergehendes Nachdenken über die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. Man darf die Tragik der Geschichte nicht für hinkende Vergleiche mit der Gegenwart heranziehen: Die relative Ohnmacht gegenüber gegenwärtigen autokratischen und antiwissenschaftlichen Staatsführungen quer über den Erdball war mir dennoch eine zusätzliche Motivation für dieses Buch. Mögen alle Menschen, die im Denken, Arbeiten und Leben demokratische, zukunftsorientierte Ideen verfolgen, wie Victor Weisskopf einen Platz zum freien Denken, Arbeiten und Leben finden. Möge die Wissenschaft immer frei sein und über moralische Fragen und Zweifel eingehend reflektieren können.
Alle Zitate in diesem Buch sind mit Quellenangaben versehen und zur besseren Verständlichkeit auf Deutsch übersetzt.
Es gibt so viele Menschen, die mich bei der Arbeit an diesem Buch begleitet haben, ihnen allen möchte ich danken: ganz besonders dem Team des Residenz Verlags unter der weitsichtigen und geduldigen Leitung von Claudia Romeder sowie meiner Lektorin Clara Schermer.
Walter Kutschera, Physiker, sage ich besonders herzlich Danke! für Gedankenaustausch und strenge Lektüre. Ohne ihn wären nicht nur die Darstellungen von physikalischen Erkenntnissen in diesem Buch nicht möglich gewesen.
Ich danke Thomas Weisskopf und Karen Worth, den Kindern von Victor Weisskopf, für ihre kostbare Zeit und den Einblick in ihre Erinnerung an ihren Vater, sowie Duscha Weisskopf, der zweiten Ehefrau von Victor Weisskopf, 2022 verstorben, für einen Nachmittag voller Erinnerungen.
Von unschätzbarem Wert waren die Begegnungen mit: Martin Weisskopf, Neffe von Victor Weisskopf, den Archivaren Christof Capellaro (Zentralbibliothek für Physik der Universität Wien), Amanda Hawk (Distinctive Collections der MIT Libraries, Boston), Maria Steiner (Bruno Kreisky Archiv) sowie Horst Eichinger, Direktor des Bundesrealgymnasiums Stubenbastei, Wolfgang L. Reiter, Physiker und Historiker, Ulrike Felt, Wissenschaftsforscherin, und Georg Gaugusch, Chef eines traditionsreichen Kleidermachers und Manufakturwarenhändlers sowie Historiker.
Eine zentrale beratende Rolle spielten Tanja Traxler, Journalistin und Physikerin, und vor allem Klaus Taschwer, Journalist und Historiker.
Schließlich möchte ich auch Philipp Marxgut, heute Generalsekretär des Complexity Science Hub in Wien, seinerzeit österreichischer Wissenschaftsattaché in den USA, für den Kontakt zu Duscha Weisskopf danken.
Es gibt viele Freunde und Freundinnen, die ich noch erwähnen möchte: Mit Michael Rederer durfte ich anregende Diskussionen über meine Arbeit führen, Wolfgang Miller versteht es, die in seiner DNA festgeschriebene Bosheit zum Vorteil des Gesprächspartners zu machen und ihn damit anzustacheln, Thomas Jäkle ist auch in Zeiten, in denen einem die Dinge auf den Kopf fallen, ein wahrer Freund, Stephan Vogt und Aglaja Sedelmeier sind mit der hohen Kunst der Motivation sehr vertraut. Danke aber vor allem an Christine Smudits-Hackspiel für die liebevoll-strenge Erinnerung an den Plan, den uneingeschränkten Rückhalt und die Überzeugung, dass dieses Buch den Erwartungen entsprechen wird.
Peter Illetschko Wien, November 2025
J. Robert Oppenheimer erhält Ende Oktober 1942 einen seltsamen Brief. Ein junger österreichischer Physiker-Kollege von der University of Rochester, Victor Frederick Weisskopf, schlägt dem Physiker auf drei mit Schreibmaschine geschriebenen Seiten vor, den berühmten deutschen Physiker Werner Heisenberg entführen zu lassen. Er bietet sich sogar selbst als Kidnapper an. »Ich möchte jedenfalls hinzufügen: Wenn man mich fragt, würde ich es machen.«2
Weisskopf schreibt, während eines geplanten Vortrags von Heisenberg an der Universität Zürich schiene die beste Gelegenheit dafür. Das Gleiche – die Entführung eines Physikers – würden jetzt, im Zweiten Weltkrieg, übrigens auch die Deutschen machen, und zwar mit ihm, Oppenheimer, oder auch mit Hans Bethe, einem Deutschen, der erst seit kurzem in den USA forscht. Es geht um die vielleicht wichtigste machtpolitische Frage dieser Tage: Wer würde als Erstes die Atombombe bauen können? Die Nazis, wie Weisskopf und viele andere in die USA geflüchtete Physiker fürchten? Oder doch die US-Amerikaner?
Über die Eckdaten zu Heisenbergs Besuch in Zürich besteht wahrlich kein Zweifel: Weisskopf erzählt von einem Brief des österreichischen Physiknobelpreisträgers Wolfgang Pauli, dessen Assistent er von 1933 bis 1935 war. Pauli wiederum soll von Gregor Wentzel, ebenfalls Physiker, ein Schreiben mit den entsprechenden Informationen erhalten haben: Heisenberg wird sicher in der Schweiz erwartet.3
Wer immer zu diesem Vortrag nach Zürich reist, um umzusetzen, was der junge Österreicher vorschlägt: Werner Heisenberg muss ihn kennen, Vertrauen haben. Vorsicht sei geboten: Weisskopf betont, es sei jemand auszuwählen, »… der nicht allzu viel über die Sache selbst weiß, weil Heisenberg ein wirklicher Nazi sein könnte und ihn nach Deutschland bringen lassen könnte, wo er möglicherweise gefoltert würde. Dies könnte auch gegen den Willen Heisenbergs geschehen – durch eine Panne in der Organisation oder durch ein Spionage-Leck im US-Konsulat.«4
