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Im Zeichen der Magie E-Book

Hala Jelen

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Beschreibung

In einem Städtchen namens Lemberg führen die Magierinnen Trude und Linde ein beschauliches Leben. Als sie jedoch mit der Obhut und der Erziehung des Sternenkinds Adie betraut werden, beginnt für alle ein großes Abenteuer: Denn das kleine Mädchen entpuppt sich als eine mächtige Magierin, die erst noch in den Zauberkünsten unterwiesen werden muss, während der böse Dämon Xyrus nichts unversucht lässt, um die Zauberkräfte des Sternenkinds zu rauben. Adie wird die Hilfe all ihrer Beschützerinnen und Freunde benötigen, um dieses Abenteuer bestehen zu können...

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Seitenzahl: 379

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Im Zeichen der Magie

Hala Jelen

Herausgeber:

Friederike Heyne Edition, München

Autor: Hala Jelen

Satz: Reinhold Zwiebler

Umschlaggestaltung: Hala Jelen

1. Auflage 2012

Verlag: tredition GmbH, Mittelweg 177, 20148 Hamburg

Printed in Germany

ISBN: 978-3-8472-8646-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

In einem Städtchen namens Lemberg führen die Magierinnen Trude und Linde ein beschauliches Leben. Als sie jedoch mit der Obhut und der Erziehung des Sternenkinds Adie betraut werden, beginnt für alle ein großes Abenteuer: Denn das kleine Mädchen entpuppt sich als eine mächtige Magierin, die erst noch in den Zauberkünsten unterwiesen werden muss, während der böse Dämon Xyrus nichts unversucht lässt, um die Zauberkräfte des Sternenkinds zu rauben. Adie wird die Hilfe all ihrer Beschützerinnen und Freunde benötigen, um dieses Abenteuer bestehen zu können...

Inhalt

Sternenkind

Gefahr im Spielzimmer

Der Umzug 

Schulbeginn 

Abenteuer mit Freunden 

Das geheime Zimmer 

Gefangen im Bild 

Die verbotene Tür 

In der Falle 

Sternenkind

Lemburg war eine mittelgroße Stadt mit einem sehr hübschen Vorort. Sie war umgeben von vielen Bäumen und viel Grün. Sie hatte zwei Schulen, ein Schwimmbad, eine Bibliothek und viele nette Geschäfte, wo man alles bekommen konnte, was jeder so täglich zum Leben brauchte. Hatte man besondere Wünsche, so gab es die Möglichkeit, mit dem Auto oder mit dem Bus, der jede Viertelstunde vom Marktplatz abfuhr, in die Stadtmitte zu gelangen, wo es Kaufhäuser, eine Ladenpassage und viele elegante Geschäfte für gehobene Ansprüche gab. Stattdessen hatte man in der Vorstadt aber ein geruhsameres Leben; die meisten der kleinen, sauberen Häuschen standen in Gärten und man hatte einen schönen Ausblick aus den Fenstern. Im Sommer hörte man ständig das Vogelgezwitscher, vielleicht als Dank für das Futter, das im Winter reichlich in die vielen Vogelhäuschen gestreut wurde.

Die wohltuende Ruhe wurde nur von den lauten Geräuschen des Autoverkehrs unterbrochen, der durch die Straßen brauste. Aber so ging es selbst in den allerkleinsten Dörfern zu. Das Gehupe und der Motorenlärm gehörten eben zum Alltag und man hatte sich längst damit abgefunden.

An einer der Straßen stand ein kleines, schmuckes Häuschen, das von zwei Damen bewohnt wurde. Man kannte sie unter den Namen Trude und Linde, keiner jedoch kannte ihren Familiennamen. Nicht, dass sie diesen geheim hielten – keinesfalls – denn, weil die Leute eben so neugierig waren, hatten sie die freundlichen Damen häufig danach gefragt und jene nannten ihnen den Namen auch, nur – sobald die Leute ihn hörten, vergaßen sie ihn gleich wieder und nach der zweiten Nachfrage und der wiederholten Antwort, die sie ebenfalls vergaßen, genierten die Leute sich und fragten nicht weiter. Aber an der Pforte vor dem Haus gab es ein Schild mit dem Namen. Die Leute blieben davor stehen um den Namen zu lesen, was sie auch taten, und gingen zufrieden fort – und vergaßen ihn sofort wieder. Also sprachen sie die Damen nur mit „Frau Trude“ und „Frau Linde“ an.

Über das Alter der Damen waren sich die Leute ebenfalls nicht einig. Wenn sich die anderen Damen zum gewohnten Kaffeekränzchen trafen, kamen sie öfters auf Frau Trude und Frau Linde zu sprechen. Wenn ihr Alter erwähnt wurde, so meinte eine, sie müssten schon über sechzig sein, da widersprach ihr gleich eine andere: „Ach was, höchstens vierzig, älter sind sie bestimmt nicht!“ So wurde diese Frage nie befriedigend beantwortet. Nur in einem waren sich alle einig: Die beiden waren immer nett und freundlich, wenn sie auch sehr zurückgezogen lebten. So üblich was diese Einigkeit gar nicht, denn unter den Frauen gab es auch einige Lästermäuler, die gerne über andere herzogen und an manchen kein gutes Haar ließen. Die Damen Trude und Linde flößten ihnen aber Respekt ein, obwohl sie sich selbst nicht erklären konnten, warum. Deshalb sprachen sie nie schlecht über sie. Und eine erzählte einmal: „Sie müssen ein gutes Herz für Kinder haben. Als mein Mann gerade zu einem Kunden weggefahren war, da ist unser Kleiner krank geworden. Er hatte wohl hohes Fieber, hat geglüht und keuchte so schlimm, als bekäme er keine Luft mehr. Was sollte ich machen? Ich packte ihn warm ein und rannte mit dem Kinderwagen zum Arzt, so schnell ich nur konnte! Und da kam gerade diese Frau Trude vorbei und fragte besorgt, was passiert sei. Ich wollte weiter, aber sie beugte sich über meinen Berli, legte ihm ganz leicht die Hand auf die Stirn, ganz liebevoll, und dann sagte sie: Der Kleine hat Fieber, aber beruhigen Sie sich, der Arzt wird ihm schon helfen.‘ Dann ging sie, ich rannte weiter, aber ihre Worte waren so tröstlich, dass ich nicht mehr so viel Angst hatte. Und als ich dann beim Arzt war, sagte er, dass es nur eine kleine Erkältung sei und das Fieber hatte auch schon nachgelassen. Gott, was war ich erleichtert! Wenn die nette Frau Trude mich nicht beruhigt hätte, ich glaube, ich wäre vor Sorge halb verrückt geworden!“ Und die Frauen nickten zustimmend: Die Frau Trude und auch die andere waren eben etwas Besonderes, so mitfühlend und verständnisvoll.

Die Damen waren in der Tat etwas Besonderes. Sie bewohnten ein kleines, freundliches Häuschen mit einem Stockwerk und einem hübschen Giebel. Selbst das Häuschen war etwas Besonderes. Wenn man rein kam, befand man sich gleich in einer netten Diele, an deren Seite eine schmale Treppe nach oben führte. Was aber außer den zwei Bewohnerinnen keiner wusste: Nach dem ersten Stock wurde die Treppe ganz breit und führte in mehrere weitere Stockwerke mit unzähligen Zimmern, sodass das kleine Häuschen einer auf den Kopf gestellten Pyramide glich; unten klein und oben immer größer, was kein normaler Sterblicher von außen sehen konnte. Denn dort oben begann das Reich der Magie.

Eine besonders neugierige Nachbarin wollte einmal unbedingt sehen, wie die zwei Damen wohnten und wie sie eingerichtet seien. So stattete sie ihnen überraschend einen Besuch ab, unter dem Vorwand, zu fragen, was sie für Dünger für ihre Blumen im Garten verwendeten, da diese so herrlich blühten. Die Damen ahnten schon den Grund des Besuches, empfingen sie jedoch freundlich und führten sie durch das Parterre, wo sie die Küche, das Esszimmer und das Bad besichtigen konnte, was sie sichtlich enttäuschte. Alles war hübsch und aufgeräumt, jedoch nichts Außergewöhnliches. Dann aber, mutig geworden, fragte sie, ob sie auch das obere Geschoss anschauen dürfte. „Ja, gern“, lächelte Trude und brachte sie zu der Treppe. Als die Frau jedoch die zweite Stufe gerade hinaufsteigen wollte, schrie sie plötzlich auf: „Oh, mein Rücken ...! Das tut mir um die Hüfte so weh ...!“ Also stützten Trude und Linde die jammernde Frau, brachten sie zurück in die Diele und setzten sie in einen Sessel.

„Das muss ein Hexenschuss sein. Ab und zu bekomme ich so was. Das ist mir aber peinlich, dass es gerade hier bei Ihnen passieren muss“, sagte die Betrübte, während Linde ihr ein Glas Cognac reichte. Sie trank es in einem Zug aus und sagte dann: „Das tat gut auf den Schrecken, aber es tut mir immer noch alles weh ...! Ich gehe wohl besser nach Hause.“

So brachten die Damen die Nachbarin zu deren Haus, von beiden Seiten stützend, und ließen es sich nicht nehmen, die klagende Frau auf ein Sofa zu legen, warm in Decken zu hüllen und den Arzt anzurufen. Danach verabschiedeten sie sich mit vielen Genesungswünschen und guten Ratschlägen. Auf dem Heimweg schaute Trude ihre Schwester von der Seite an und als sie ihr zufriedenes Grinsen sah, sagte sie etwas vorwurfsvoll: „Musstest du ihr gleich so schlimme Schmerzen verpassen? Das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Ein Schluckauf hätte auch genügt!“ Aber Linde entgegnete mit zufriedenem Lächeln: „Sie hätte nicht so neugierig sein sollen und überall ihre Nase hineinstecken! Bei uns oben hatte sie nichts zu suchen, so viel Neugier gehört bestraft!“

Trude schaute streng auf die kichernde Linde, trotzdem begann sie selbst zu schmunzeln. Ihre Schwester hatte ja auch recht und außerdem: Diese Nachbarin würde sich bestimmt nicht so bald wieder blicken lassen. Doch fairerweise wollte sie die Frau am nächsten Tag kurz besuchen und nach ihrem Befinden fragen; so wie es sich in einer guten Nachbarschaft gehört. Die zwei Damen, deren Namen eigentlich Grislinde und Altrude waren – nur für „Menschen“ hießen sie Trude und Linde, sonst würden ihre Namen ungewöhnlich klingen und unnötige Bedenken auslösen, und irgendwie mussten sie schließlich angeredet werden –, saßen nun zusammen beim Kaffee im kleinen Wohnzimmer, im Parterre ihres Hauses. Altrude war ein wenig älter als Grislinde, obwohl der kleine Unterschied von ein, zwei Jahrhunderten nicht ins Gewicht fiel. Sie tranken heißen Kaffee und sinnierten, wobei Linde schlecht gelaunt war. „Wie lange sollen wir denn noch untätig herumsitzen? Zu was hat man uns aus unserem schönen Heim im Zwischenreich geholt in dieses unangenehme Land mit lauter dummen Menschen, die nichts von Magie verstehen und mit denen ich nichts anfangen kann? Und immer lächeln und immer freundlich sein. Ich habe genug! Dabei weiß ich nicht mal ungefähr, was wir hier überhaupt tun sollen!“ – „Nun habe doch Geduld“, sagte die weise Altrude, „Auch ich weiß nichts Genaueres, nur, dass wir eine wichtige Aufgabe bekommen, die sogar gefährlich sein könnte. Aber die Große Mutter wusste schon, warum sie gerade uns damit beauftragt hat. Außerdem sind wir bisher nur zu zweit und damit noch nicht kräftig genug, um das Böse zu bekämpfen. Sie wird uns noch andere zur Verstärkung schicken und mit jeder mehr wächst unsere Kraft um das Mehrfache.“ – „Hoffentlich bekommen wir auch wirklich fähige Hilfe“, meinte Grislinde verdrießlich, „und keine, die nicht mal ein Kaninchen aus dem Hut zaubern kann.“

„Keine Bange, die Große Mutter weiß immer, was sie tut“, sprach Altrude beruhigend. „Und wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, kommt bald jemand“, sagte sie nachdenklich – und wie auf Kommando hörten sie von draußen das Quietschen der kleinen Pforte am Zaun. Altrude stand gleich auf, um zu der Tür zu gehen, während Grislinde zum Fenster hinaus sah, neugierig zu erfahren, wen sie zu erwarten hatten. Gleich darauf hörte Altrude sie aufstöhnen: „Das kann doch nicht wahr sein! Es ist Lucinda! Ausgerechnet Lucinda, die schlechteste und unbegabteste der Nachwuchszauberinnen! Wie konnte die Große Mutter uns das antun!“ – „Ich weiß es auch nicht.“ Altrude bemühte sich um Fassung, obwohl ihr noch die Missgeschicke der jüngsten Nachwuchshexe sehr gut in Erinnerung waren. „Wir müssen eben auf unsere Große Mutter vertrauen, sie weiß schon, was sie tut. Wir sollten Geduld haben.“ Bevor Grislinde noch weiterjammern konnte, klopfte es schon an der Tür. Doch bevor sie jemand aufmachen konnte, wurde die Tür durchsichtig wie Glas und Lucinda trat lächelnd in den Raum. „Kann ich das nicht schon sehr gut?“, fragte sie strahlend.

Altrude umarmte sie herzlich „Willkommen, Lucinda! Ja doch, das war schon sehr schön. Nur: Das dürfen wir hier nicht machen, es könnte dich jemand von den Nachbarn sehen.“ – „Es war doch niemand in der Nähe ... aber ... Entschuldigung!“, meinte Lucinda friedfertig, ließ die Tür wieder durchsichtig werden, schlüpfte hinaus, stellte sich vor den Eingang und klopfte brav an. Linde rang um Fassung und Trude öffnete wortlos. Lucinda schwebte hinein und fragte Beifall heischend: „War es richtig so?“ Trude schluckte und dann antwortete sie: „Ja, sicher, es war jetzt gut so. Nur, als du schon da warst, hättest du auch drinbleiben können.“ – „Ich werde es mir merken und immer so machen“, sagte Lucinda unbekümmert, was Trude allerdings bezweifelte, da sie die Vergesslichkeit von ihr schon kannte.

Lucinda stand da mit ihrem kleinen Handköfferchen in der Hand und lächelte sie heiter und fröhlich an, obwohl Grislindes Begrüßung etwas gezwungen wirkte. „Lucinda ist noch jung, hat rotblonde Ringellöckchen und eine schlanke Figur, sie ist ein hübsches Mädchen“, dachte Linde bei sich. Nachdem Lucinda sich genug umgesehen hatte, meinte sie: „Jetzt muss ich wohl auspacken“, und öffnete ihr kleines Gepäck. Sie zog ein rotes Kleid heraus, ein grünes, ein geblumtes, ein gestreiftes, zwei Röcke, vier Blusen, mehrere Wäschestücke, fünf Paar Schuhe und dann Bücher; ein, zwei, noch ein paar, noch einige – auf dem Boden häuften sich ein Berg von Kleidungsstücken und ein Stapel Bücher. Zum Schluss zog sie noch einen großen Käfig mit einem Papagei heraus. Der Vogel machte einen sehr schlecht gelaunten Eindruck, plusterte sich auf, krächzte kurz und schloss dann die Augen, offenbar in der Absicht, nach der anstrengenden Reise jetzt auszuruhen.

Die zwei Magierinnen betrachteten sprachlos die Dinge, die sich inmitten ihres Wohnzimmers auf dem Teppich türmten. Altrude fand als Erste ihre Sprache wieder. „Wozu brauchst du das alles? Wir können doch auch hier einkaufen gehen, oder auch daheim etwas herbeizaubern.“ – „Ach, das sind doch nur die Kleinigkeiten, die ich so immer brauche. Und dabei sind auch meine Lieblingsbücher. Auch konnte ich ja meinen Cocco nicht alleine lassen. Außerdem“, – Lucinda senkte geheimnisvoll ihre Stimme – „durch ihn können wir mit der Großen Mutter sprechen, wie die Erdenmenschen durch das Telefon. Sie hat ihn selbst angelernt. Ihr braucht ihm nur zuzurufen, Cocco, Magie!‘ Und schon könnt ihr mit ihr sprechen!“ Als die zwei Worte fielen, machte der Vogel die Augen auf, dann den Schnabel, und sie hörten die vertraute Stimme: „Ist Lucinda gut angekommen? Und wie geht es euch beiden?“ – „Alles in Ordnung, Lucinda ist da, doch was sollen wir weiter tun?“ Sie sprachen vor Aufregung alle durcheinander, aber die gebieterische Stimme unterbrach sie.

„Ihr bekommt eine richtige Aufgabe. Morgen um diese Zeit wird es sich ereignen, darum seid alle unten zu Hause, im Zimmer mit Blick auf die Straße. Und seid auf der Hut, es könnte gefährlich werden. Passt gut auf euch auf!“, endete die Stimme, jetzt viel wärmer und voller Sorge. „Das werden wir ganz bestimmt!“, riefen die drei Frauen. „Aber was dann? Worauf sollen wir aufpassen?“ Aber Cocco schloss wieder die Augen. Das Gespräch war beendet.

„Nun, was machen wir jetzt?“, fragte Lucinda erwartungsvoll, doch gleich schreckte sie auf, als sie eine schwebende, fast durchsichtige Gestalt einer Frau auf sich zukommen sah. Sie hob abwehrend ihre Hände. „Keine Angst“, sagte Trude beruhigend, „das ist unsere Haushälterin Mathilde. Sie lebt – nur vielleicht ist ,lebt‘ nicht der richtige Ausdruck für Geister. Sie ist uns mit ihrem Mann Greg als Dienstehepaar vom Zwischenreich überwiesen worden und sie helfen uns im Haushalt.“ – „Das alles muss ich wohl aufräumen?“, wisperte die Gestalt mit leidender Stimme. „Diese tägliche Arbeit und auch noch die dritte Person zu bedienen und hinter ihr aufzuräumen! Mit mir kann man das ja machen!“, seufzte sie so kräftig, dass die Gardinen sich aufbauschten, und verschwand mit einem Teil des Kleiderberges auf der Treppe in die oberen Räume, immer leise vor sich hin klagend.

„Das musst du nicht so eng sehen“, meinte Trude entschuldigend. „Sie und Greg sind schon sehr nützlich. Nur ist sie immer unzufrieden und beklagt sich dauernd, während Greg ständig beleidigt ist, wer weiß schon weswegen. Er fühlt sich wohl zu Höherem berufen, aber was soll man schon tun. Gutes Personal ist eben schwer zu kriegen.“ – „Dann gehe ich auf mein Zimmer. Sicher habt ihr eins für mich übrig, nicht wahr?“, fragte Lucinda, und als sie eine schwebende Männergestalt erblickte, sagte sie dann gleich: „Greg wird mir sicher mein Zimmer zeigen“, und fragte den Geist, der daraufhin vor sich her brummte: „Nur herumkommandieren, na ja, von mir kann man ja alles verlangen!“ – und beide verschwanden auf der Treppe hinaufgehend.

„Wann hat man uns eigentlich diese Dienstboten zugewiesen?“, fragte Linde, und Trude erzählte: „Die beiden wurden zur Strafe in Geister für hundert Jahre verwandelt. Sie hatten zwar damals keinem wirklich etwas angetan, aber sie wollten einer Fee ihre Zauberkraft klauen und wurden dabei erwischt. Ihnen wäre zwar lieber, wenn sie irgendwo in Schlössern spuken könnten, da hätten sie mehr Zeit für sich, aber das wurde ihnen nicht erlaubt. Nur, da sie geständig waren und bereuten, hat man ihnen ein wenig Zauberkraft übrig gelassen von der, die sie früher hatten, aber nur so viel, dass sie keinen Schaden anrichten können.“

Am nächsten Tag saßen Trude und Linde gerade zusammen mit Lucinda beim Kaffee, als Cocco sich aufplusterte und zu kreischen begann: „Magie Magie!“ und gleich danach hörten sie die Stimme der Großen Mutter: „Aufgepasst, Mädels! Jetzt ist es so weit, sammelt eure Kräfte!“ Die Stimme verstummte und Altrude zeigte mit einer weiten Armbewegung zur Wand, die daraufhin durchsichtig wie Glas wurde und sie die Straße sehen konnten. Dort stand eine junge Frau mit einem Kinderwagen, der gerade eine Tüte mit Einkäufen geplatzt war. Sie war dabei, die Sachen aufzusammeln, die bis auf die Fahrbahn gerollt waren. So ließ sie den Kinderwagen stehen und bückte sich, um ihr Obst und Gemüse aufzuheben und bemerkte dabei nicht, dass eine kleine, dunkle Wolke sich dem Wagen näherte, ihn umhüllte und ihn in Richtung der viel befahrenen Straße rollen ließ. „Jetzt!“, riefen die Magierinnen, und mit einer schnellen Geste ließ Trude die Zeit anhalten. Die Frau blieb gebückt stehen, kein Hauch bewegte die Blätter der Bäume mehr und der Kinderwagen hielt mit einem Ruck an. Doch das Baby darin wurde hinausgeschleudert, flog durch die durchsichtige Wand und landete auf dem Tisch zwischen den Kaffeetassen.

„Ja ... warum ist denn das Baby nicht mit erstarrt durch deinen Zauberspruch?“, staunte Lucinda, doch Trude achtete nicht darauf, sondern schaute sich genau das kleine Mädchen an, das sie auch mit großen Augen anschaute, ohne im Geringsten erschrocken zu sein. Dann hob Trude das kleine Händchen des Babys hoch und lächelte. „Das ist kein Wunder. Sie ist das Sternenkind! Sie hat ein kleines Mal in Form eine Sternchens auf ihrem Ärmchen.“ Als die anderen sie sprachlos anstarrten, erklärte sie: „Ich musste der großen Mutter versprechen, das Geheimnis ihrer Herkunft für mich zu behalten, bis sie bei uns ist. Jetzt kann ich es euch erzählen. Auf einem anderen Stern, fern von dieser Galaxis, lebt ein Königspaar, Jetzt herrschen dort große Unruhen. Man vermutet, dass sogar feindliche Spione in den Palast geschleust wurden, und dass sie die kleine Prinzessin entführen wollten, vielleicht sogar umbringen. In ihrer Not wandte sich die Königin an die Große Mutter und flehte um Hilfe. Daher wurde das Kind auf die Erde geschickt. Zuerst wusste man nicht, wie es weitergehen sollte mit dem winzigen Baby, das doch noch die Mutter brauchte. Doch zufällig wurde eine junge Frau im Krankenhaus von einem Baby entbunden, das leider nicht mehr lebte. In dem Moment, als die Pflegerin das arme tote Kind im Arm hielt, ließ die Große Mutter die Zeit anhalten, legte der Frau das Sternenkind in den Arm und nahm das kleine Würmchen mit, das sie auf einem anderen Stern begraben ließ, wo bis heute noch die schönsten Blumen wachsen. Dann lief die Zeit wieder und die Schwester legte das lebende Kind der Mutter in die Arme. Niemand hatte etwas bemerkt. Die junge Frau war überglücklich, umso mehr, da ihr Mann erst kürzlich nach einem Unfall verstorben war. Und so lebt das Baby nun bei ihr und sie umsorgt und pflegt es mit der größten Liebe. Sie gab ihm den Namen Adriane, nennt sie aber Adie. Wir werden jedoch in der Zukunft auf die Kleine sehr aufpassen müssen, denn böse Kräfte sind am Werk, die sie töten wollen. Sie hat nämlich in sich eine übergroße Zauberkraft, die sich aber erst entwickeln wird. So, jetzt wisst ihr alles, was ich weiß.“

„Und warum hat die Große Mutter nicht uns allen das erzählt?“, fragte Linde leicht gekränkt, doch Trude zuckte nur mit den Schultern: „Du kennst sie ja. Sie hat schon immer ihre Gründe und Geheimnisse. Jetzt überlegen wir uns besser, wie wir die Kleine wieder in den Kinderwagen bekommen.“ – „Ach, das wird schön!“, rief Lucinda strahlend aus. „Jede von uns wird dem Mädchen eine Gabe schenken. Ich gebe ihr etwas von meiner Zauberkraft und gleich schöne Haare, wie ich sie habe, von Altrude bekommt sie etwas Weisheit und ...!“

„Nicht doch, Lucinda!“ Trude schüttelte entrüstet ihren Kopf. „Das ist nicht das Märchen von Dornröschen, du liest zu viele Märchen und Liebesromane! Lebe mal etwas vernünftiger! Im Übrigen: Die Kleine braucht keine unserer Gaben, sie hat selber welche. Sie wurden ihr angeboren. Unsere Aufgabe wird nur sein, ihr alles beizubringen, damit sich ihre Kräfte entwickeln. Wie wir das machen sollen, bereitet mir aber Kopfzerbrechen, da sie doch bei ihrer Mutter, also der Frau, die die Stelle ihrer Mutter bei ihr einnimmt, lebt. Darüber werde ich nachdenken müssen.“

Dann ging Trude hinaus, legte das Baby vorsichtig in die Kissen, sprach kurz einen Spruch, der den Wagen mit dem Kind schützen sollte, stellte sich hinter die junge Frau und ließ die Zeit wieder aus der Erstarrung erwachen. Sie bückte sich, um etwas von den hingefallenen Sachen aufzuheben, und reichte es der Frau, die kurz erschrak: „Ich habe Sie gar nicht kommen sehen ... vielen Dank!“, sagte sie und ging sie mit dem Kinderwagen weg, ohne zu ahnen, was gerade eben geschehen war.

Es war nicht schwer für die Magierinnen, sich Informationen über die junge Frau zu beschaffen: Sie war eine junge Witwe, hieß Barbara Holm und lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, sogar ärmlich. Sie bewohnte eine kleine Mansardenwohnung, die im Winter eiskalt und im Sommer brühend heiß wurde. Sie verdiente sich etwas Geld, indem sie auf einer alten Nähmaschine für andere, die auch nicht viel hatten, Sachen änderte oder ausbesserte. Aber es reichte gerade für das Notwendigste und nur mit Mühe konnte sie ihre Miete bezahlen. Also, das konnten Trude und Linde nicht weiter zulassen, Adie durfte doch nicht in Armut aufwachsen! Und Frau Holm tat ihnen auch leid. „Das wird geändert!“, beschlossen sie.

Sie suchten die Bekanntschaft von Frau Holm. Das ergab sich ganz einfach, da sie zum gleichen Supermarkt einkaufen gingen wie Frau Holm und Gespräche ergaben sich dort oft wie von selbst. Nach einigen Treffen wurden sie sogar zu ihr eingeladen, obwohl sich Frau Holm doch ein wenig für ihr bescheidenes Heim genierte.

Kurze Zeit später saßen alle gemeinsam bei Frau Holm zum Kaffee. Trude sah die Nähmaschine, machte eine kleine Bemerkung darüber und sagte ganz nebenbei: „Wir haben zu Hause eine ganze Menge Stoffe. Wir wollten uns davon etwas nähen lassen, doch irgendwie vergaßen wir sie und nun liegen sie bei uns herum und nehmen uns nur Platz weg. Möchten Sie sie nicht haben? Wenn Sie sie überhaupt gebrauchen können ...“ – „Ja ... ich weiß nicht ...“, sagte Frau Holm zögernd. „Das sind sicher teure Stoffe, und ob ich sie mir leisten kann ...?“

„Nicht doch!“, entrüstete sich Linde. „Die möchten wir Ihnen schenken, Sie tun uns damit sogar einen Gefallen, weil wir den Platz für andere Sachen brauchen. Und die Stoffe sind zu hübsch, um sie einfach irgendwie loszuwerden. Doch Sie könnten bestimmt etwas damit anfangen.“ So kam Frau Holm in das hübsche Magierhaus und machte große Augen, als Trude und Linde die Treppe herunterkamen, beide Arme voll von wunderbaren Stoffen in allen möglichen Farben, uni und gemustert, geblumt und kariert, immer reichlich für mindestens ein Kleid.

„Die sind wunderschön!“, sagte sie begeistert. „Wollen Sie sie wirklich an mich verschenken?“ – „Ja, natürlich! Machen Sie sich daraus ein paar hübsche Kleider“, meinten die beiden. „Ich weiß nicht, ob meine Nähkünste dafür reichen“, zweifelte Barbara Holm. „Aber ich werde es versuchen. Und ich danke Ihnen von ganzem Herzen!“

Als sie wieder in ihrer Mansarde war, breitete sie die Stoffe auf ihrem Bett aus und überlegte: „Soll ich es wagen? Und was, wenn ich den Stoff nur zerschneide und es nicht schaffe, etwas Vernünftiges zu nähen? Aber ich will es versuchen!“

Sie nahm die Schere und begann mit einem einfachen Schnitt. Die Schere glitt wie von selbst durch den Stoff, und als sie an der Nähmaschine saß, kam es ihr vor, als ob jemand anderes die Nadel führte. Sie war wie in Trance – und als sie aufhörte, sah sie ein wunderschönes Kleid, das sie selbst gemacht hatte. Sie wollte es kaum glauben, doch dann nahm sie den nächsten Stoff, dann den übernächsten und im Laufe eines Nachmittags lagen auf ihrem Bett fünf wunderhübsche, modische Kleider. Sie sank auf den Stuhl und glaubte zu träumen. Sie konnte wirklich gut nähen, nur wahrscheinlich war ihr das wohl gar nicht bewusst gewesen, da sie bis jetzt nur alte Sachen zum Ausbessern bekommen hatte. Ja, so musste es sein. Ein energisches Klopfen riss sie aus ihren Gedanken – es war ihre Vermieterin, ziemlich aufgebracht, da Frau Holm ihre Miete noch nicht bezahlt hatte, wie leider schon so oft. Ohne abzuwarten stürmte sie in das Zimmer. Doch dann blieb sie mit einem Ruck stehen, als ihr Blick auf die Kleider fiel. Da wurde sie ruhiger und fragte neugierig: „Was sind das für Kleider? Haben Sie sie genäht?“ – „Ja, ich bin gerade fertig geworden. Das mit der Miete tut mir sehr leid, aber nächste Woche ...“

„Könnte ich mir die Kleider anschauen und anprobieren? Oder sind sie für Sie selbst?“ – „Oh nein, bitte, probieren Sie sie nur an! Sehr gerne. Sie können sich etwas davon aussuchen.“

Die Vermieterin sprach nicht mehr von Miete, schaute sich die Sachen an, und als Sie die Kleider nacheinander anprobierte, passten sie wie nach Maß. Sie drehte sich vor dem kleinen Spiegel, der da stand, schaute sich von allen Seiten an und meinte dann: „Ich suche mir hier was aus und wir könnten das mit der Miete verrechnen“, worüber Frau Holm froh und erleichtert war.

Doch dabei blieb es nicht. Die Vermieterin hatte viele Freundinnen und Bekannte, die ihre neuen Kleider bewunderten und ihr keine Ruhe ließen, bis sie ihnen sagte, woher sie diese hatte. Und in den nächsten Tagen bestürmten sie Frau Holm, für sie zu nähen. Bis jetzt kauften sie in der Stadt, in Läden und Boutiquen, aber so schöne Kleider wie von Frau Holm gab es nirgends. Darum gingen jetzt alle zu ihr, begierig, auch so schöne Kleider zu bekommen. Da Frau Holm jetzt Geld hatte, konnte sie selbst Stoffe kaufen, obwohl die von den zwei netten Damen immer noch reichten. Sie schienen nicht weniger zu werden. Also nähte sie Tag für Tag, und ihre Modelle wurden immer prächtiger. Die neuen Kundinnen waren begeistert: Nicht nur, dass die Sachen hervorragend passten, die Damen sahen in ihnen besser aus als je zuvor. Die dickste Freundin der Vermieterin sah plötzlich aus, als ob sie einige Kilo abgenommen hätte, und eine andere, die spindeldürr war, hatte auf einmal eine ansehnliche Figur. Und es sprach sich schnell herum, was für eine herrliche Näherin Frau Holm war, sodass sie sich vor Arbeit kaum retten konnte, obwohl ihre Nähmaschine so schnell wie ein Blitz unter ihren Händen die Stoffe bearbeitete. Doch bei ihrer Zeitnot vergaß sie trotzdem nicht ihre früheren Kunden, die nicht viel Geld hatten. In jeder freien Minute besserte sie deren alte Kleidung aus, und jetzt nahm sie nicht einmal mehr Geld von ihnen, da sie genug bei den reichen Kundinnen verdiente. Sie wusste, wie arm sie waren und vergaß nicht, dass es auch mal ihr so schlecht ging.

Barbara Holm war glücklich. Endlich konnte sie für ihr Kind richtig sorgen, es war immer bei ihr und bekam jetzt die richtige, vitaminreiche Nahrung, die sie sich früher nicht hatte leisten können. Die Kleine hatte jetzt volle und rosige Bäckchen bekommen. Außerdem besuchten die zwei oft ihre neuen Bekannten – Trude und Linde – und die freundlichen Damen rissen sich gerade zu darum, Adie in ihrem Wagen spazieren zu fahren. Das war Frau Holm sehr recht, da sie selbst viel Arbeit hatte, und so kam das Kind doch an die frische Luft. Und als ihr die Damen eines Tages sagten, dass sie, ganz zufällig natürlich, erfahren hatten, dass bei ihnen in der Nähe gerade eine kleine, hübsche Wohnung frei wurde, die für sie und das Baby wie geschaffen sei und nicht teuer obendrein, so umarmte sie die beiden überschwänglich.

„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll. Sie hat mir der Himmel geschickt! Seitdem ich Sie kenne, ist mein Leben ganz verändert, alles wurde wieder gut. Das habe ich nur Ihnen zu verdanken!“ – „Aber nicht doch!“, wehrte Trude bescheiden ab, ganz gerührt über die herrlichen Worte. „Sie hatten früher eine Pechsträhne, aber durch Ihren Fleiß hat sich alles zum Guten gewendet. Das haben Sie allein geschafft.“

So zog Frau Holm mit ihrem Kind und den wenigen Habseligkeiten in die neue Wohnung, die zwar nicht sehr groß war, doch hell und freundlich. Sie hatte jetzt auch Platz genug, um eine Ecke für die Näherei und Stoffe einzurichten und in der Nähe Adies Bettchen aufzustellen. Sie wollte Adie immer im Auge behalten, umso mehr, da sie bereits krabbeln konnte. Sie wollte aufpassen, dass sie nichts herunterzog und sich wehtat. Adie nahm alles, was sie fand, zum Spielen und räumte von dem großen Bücherschrank – dem einzig Wertvollen aus Frau Holms früheren Leben – sämtliche Bücher des niedrigsten Faches heraus und quietschte dann vor Freude und klatschte in die kleinen Händchen. Das machte der aber Mutter nichts aus, dann wurde eben abends wieder alles eingeräumt.

Alles schien wunderbar geregelt, die weise Trude wurde aber von Tag zu Tag unruhiger und nervöser. „Ich weiß nicht, aber irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl. Alles läuft viel zu glatt und zu harmonisch. Das ist wie die Ruhe vor dem Sturm.“ – „Warum, es ist doch alles gut verlaufen, oder?“, fragte Lucinda naiv. „Ihr habt dieser armen Frau mit Zauberkraft geholfen, damit sie nähen kann und Geld verdient. Ihr habt Leuten eine Erbschaft verschafft, damit diese aus der Wohnung ausziehen und ein Haus kaufen konnten und so die Wohnung für Frau Holm und Adie frei wurde. Warum machst du dir jetzt Sorgen?“ – „Eben darum“, sagte Trude düster. „Glaubt ihr, die finsteren Mächte haben das Sternenkind vergessen? Es ist ihnen einmal nicht gelungen, den Kinderwagen auf die große Straße zu rollen, damit er mit dem Kind von Autos überfahren wird. Sie haben den Fehler gemacht, nur einen Geist der niederen Klasse loszuschicken. Nächstes Mal kommt sicher ein viel Mächtigerer. Hoffentlich sind wir auch da zur Stelle!“

Wie auf Kommando erklang die Stimmer der großen Mutter, ohne dass Cocco sie ankündigen konnte: „Adie ist in Gefahr! Zaubert euch sofort zu ihr!!“ Einen Sekundenbruchteil standen sie da wie versteinert, doch dann hoben Trude und Linde ihre Hände – und standen im Zimmer der Frau Holm.

Sofort erkannten sie die schlimme Lage: Eine schwarze, schattenhafte Gestalt stand mit erhobenen Händen über dem Kinderbett und die Mutter lag regungslos über dem Kind. Als sie beide erschienen, drehte sich das Gespenst ihnen zu und schickte aus seinen Händen mit langen Krallen einen Blitz auf sie. Doch sie waren schnell. Sie fassten sich an den Händen und schickten ihm einen runden, leuchtenden Kugelblitz entgegen, der seinen Todesstrahl auf ihn selbst lenkte. Er wand sich, kreischte und wurde dann zu einer dunklen Wolke, die durch das offene Fenster verschwand.

Linde und Trude stürzten sich auf die junge Frau, nahmen sie vom Kind und legten sie auf den Boden. Betrübt sagte Trude: „Sie ist tot und nicht einmal ich könnte sie wieder zum Leben erwecken. Das arme Ding! Sie sah die Gefahr, warf sich über ihr Kind um es zu schützen und hat dafür sterben müssen.“

Sie blieben beide eine Weile still, aber dann mussten sie überlegen, was zu tun sei. Wenn jemand einen tödlichen Unfall hat, muss man die Polizei rufen. Aber was hätten sie der erzählen können? Dass ein böser Geist im Spiele war? Das würde niemand glauben und sie für verrückt erklären. Nach langem Überlegen entschlossen sie sich, einen Unfall zu inszenieren: Der schwere Bücherschrank ist auf die arme Frau gefallen und hat sie getötet. Das klang glaubwürdig. Das war die einzig vernünftige Idee.

So legten sie den leblosen Körper vor den Schrank und Trude hob ihren Finger: Daraufhin löste sich das schwere Möbelstück von der Wand und fiel ganz, ganz langsam um, um dann fast sanft Barbara Holm unter sich zu begraben.

Die Magierinnen zauberten sich wieder hinaus, diesmal auf die leere Treppe des Hauses, und begannen an der Tür der Wohnung zu läuten, natürlich vergebens. Dann trommelten sie gegen die Tür, bis eine Mieterin herauskam und neugierig fragte: „Ist vielleicht Frau Holm nicht zu Hause?“ – „Doch, sie müsste da sein, wir waren verabredet“, versicherte Linde und setzte hinzu: „Da war vorher ein Krach zu hören, vielleicht ist sie hingefallen und ohnmächtig? Das war doch ganz laut. Sie haben es sicher auch gehört.“ Die Nachbarin überlegte und sagte dann langsam: „Wenn ich es mir überlege, ... ja, da war etwas zu hören.“

So leicht kann man jemandem etwas einreden, auch ohne Zauberei. Angelockt von dem lauten Klopfen und den Gesprächen ließen sich auch andere Mieter sehen, neugierig zu erfahren, ob etwas passiert wäre. Dann holte einer den Hausmeister, der die Tür aufschloss – und alle schrien entsetzt auf, als sie das traurige Bild sahen: Offensichtlich war Frau Holm von dem schweren Schrank erschlagen worden. Danach telefonierten sie nach dem Krankenwagen und die Polizei erschien auch gleich darauf. Doch der Fall war klar: Es handelte sich hier um einen tragischen Unfall.

Als die Formalitäten erledigt waren, richteten sich alle Augen auf Adie, die jetzt leise zu weinen begann. Trude ging sofort zu ihr, wickelte sie in eine Decke und sagte entschieden zum Polizisten: „Die Kleine nehmen wir jetzt mit, wir sind Verwandte, Barbara Holm war unsere Nichte und sie hat sonst keine lebenden Verwandten. Wir werden uns ab jetzt um das Kind kümmern.“

Der Polizist war unentschlossen und verlangte von ihnen, sich auszuweisen. Das konnten sie, und wie: Trude zauberte aus ihrer Tasche alle nötigen Papiere, sodass sie das Baby gleich mitnehmen konnten. Natürlich waren auch noch andere Formalitäten in Ämtern zu erledigen, um das Kind zu adoptieren, doch als die steifen Beamten die beiden Damen sahen, bekamen sie alle verträumte Augen und akzeptierten alles, was ihnen vorgelegt wurde, ohne Fragen zu stellen. Und als die beiden weggingen, hatte jeder der Beamten die ganze Angelegenheit schon wieder vergessen.

So kam Adie in das hübsche Magierhäuschen und alle kümmerten sich um sie. Sie war ein liebes Kind, schrie nur, wenn sie Hunger hatte, sonst krabbelte sie fröhlich in dem großen Wohnzimmer herum. Sie war so lieb und niedlich, dass sogar Mathilda und Greg bei ihrem Anblick ihre Verdrossenheit vergaßen und beide sie oft in der Luft umkreisten, war ihr so gut gefiel, dass sie lachend in die Hände klatschte.

Alle Tage verliefen harmonisch. Es gab keinen Alarm von Cocco, obwohl sie natürlich immer auf der Hut waren. Adie entwickelte sich prächtig, konnte schon ein wenig sprechen, lief im Hause umher, doch am liebsten spielte sie mit bunten Bausteinen, aus denen sie ganz fantastische Figuren baute, die es eigentlich gar nicht geben konnte. Normalerweise hätten sie in sich zusammenfallen müssen, doch bei ihr hielten sie und wurden immer höher.

Meistens war jemand dabei, um auf sie aufzupassen, obwohl das Haus vor bösen Mächten durch Zauber geschützt war. Aber alle waren ganz vernarrt in das Kind und waren gern in seiner Nähe.

Eines Tages wollten aber alle in die oberen Räume gehen, um die Türen im höchsten Stock zu überprüfen. Sie führten zu den anderen Zwischenreichen, jede Tür zu einem anderen, und man sollte von Zeit zu Zeit nachsehen, ob sie gut verschlossen waren und sich kein fremdes Wesen einschleichen konnte. So blieb eine Weile Adie ganz allein und spielte mit ihren Bausteinen. Das war ihre Lieblingsbeschäftigung.

Zur gleichen Zeit trieb sich in der Gegend ein Mann herum, ein grobschlächtiger Kerl, bei dem schon seit der Kindheit der Verstand leicht getrübt war, aber es reichte dazu, in Häuser einzubrechen und Sachen zu stehlen, die er dann weiterverkaufte und das Geld vertrank.

Er schaute durch die Fenster und sah das Wohnzimmer, in dem außer einem kleinen Kind niemand war. Er drückte auf die Klinke – die leichtsinnige Lucinda vergaß oft abzusperren – und ging hinein.

Er sah Adie, die mit dem Rücken zu ihm saß und ruhig spielte, ohne sich umzudrehen. Er stand da und erinnerte sich in seinem umnebelten Hirn, dass er einmal bei einem Einbruch eine Puppe gefunden hatte, die er mitgenommen und mit der er gerne gespielt hatte. Sein Spiel gefiel ihm: Er verdrehte der Puppe die Arme und Beine und riss ihr dann die Perücke herunter. Das war ein schönes Spiel, er könnte das doch auch mit dem Mädchen tun! Er näherte sich ihm leise und dann legte er seine schweren Hände auf die Schultern des Kindes. Doch er zog sie sofort zurück, weil er das Gefühl hatte, er hätte einen elektrischen Schlag bekommen. Das machte ihn jetzt wütend. Er versuchte es noch einmal, doch Adie machte nur eine unwillige Bewegung mit der Hand und der Mann flog bis an die Decke, wo er kleben blieb, mit den Armen und Beinen wild ruderte und lauthals schrie.

Durch das Geschrei aufgeschreckt stürmten Linde, Trude und Lucinda herunter und schauten verständnislos auf den Mann, der an der Decke hing, und auf Adie, die unten seelenruhig weiterspielte. Trude fand als Erste ihre Sprache wieder. „Was war denn los, Adie, wie kommt der Mann da oben an die Decke?“ – „Böser Mann. Hab wegmacht!“, antwortete Adie und zuckte gleichgültig mit den kleinen Schultern.

Auf einen Fingerzeig von Linde fiel der Mann schwer herunter. Er stand jedoch nicht auf, sondern lag auf dem Boden, wie ein Käfer, den man auf den Rücken gedreht hatte, fuchtelte mit seinen Armen und Beinen und schrie unverständliches Zeug. So musste die Polizei geholt werden. Sie kannten aber schon den Einbrecher, weil sie ihn schon einige Male verhaftet hatten. Jetzt nahmen sie ihn auch wieder mit, verstanden von seinem Gestammel aber kein einziges Wort und meinten nur: „Jetzt ist er endgültig durchgedreht. Der muss in eine Anstalt.“ Als sich alles beruhigt hatte, saßen alle drei still und nachdenklich da. Dann sprach Trude: „Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Nicht so früh! Sie kann noch nicht richtig sprechen, aber zaubern kann sie schon!“

„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Linde besorgt. „Sie ist noch viel zu klein, um mit der Zauberkraft richtig umgehen zu können. Was machen wir, wenn sie wieder Ähnliches tut und jemand Fremdes dabei ist?“ – „Wir dürfen sie nicht mehr aus den Augen lassen und dafür sorgen, dass sie mit keinem Erdenmenschen Kontakt bekommt. Wir müssen sie von allen abschirmen, bis sie etwas größer ist. Dann werden wir sie unterrichten, wie man mit Zauberei umgehen muss. Wir bringen ihr alles bei, was wir wissen, und da ihre Kräfte sowieso wachsen werden und vielleicht noch größer werden als unsere, werde ich ihr einen passenden Lehrer besorgen. Ich wüsste schon einen: Meister Viridius weiß mehr über die Magie als sonst jemand in allen Zwischenreichen. So, Schluss damit, Adie soll jetzt ihren Nachmittagsschlaf bekommen, und wir werden sie auch weiterhin behandeln, als wäre sie das normalste Kind der Welt.“

Es kam der Tag der Beerdigung von Barbara Holm. Trude und Linde waren dabei, Lucinda blieb zu Hause bei Adie. Es waren nur wenige Menschen gekommen, die ihr die letzte Ehre erweisen wollten. Es waren ausschließlich die Leute, für die sie immer noch die Ausbesserungsarbeiten gemacht hatte, trotz ihrer vielen reichen Kundschaft, die sich jetzt nicht blicken ließ. Doch die Armen hatten sie nicht vergessen und legten bescheidene Blumengaben auf ihr Grab, ohne zu wissen, dass das ganze Geld der Frau Holm, die letztens sehr gut verdient hatte, unter ihnen verteilt werden sollte. Das hatte Trude erwirkt, da sie in das herbeigezauberte Testament eine Klausel gesetzt hatte: Barbara Holms ganzes Geld soll unter denen verteilt werden, die zu ihrem Begräbnis kommen.

Wenn die Vermieterin und die reichen Damen das gewusst hätten, so wären sie wahrscheinlich auch gekommen. Die hatten jetzt aber noch zusätzliche Sorgen: Sie sahen in ihren Kleidern gar nicht mehr so gut aus wie früher. Die Dicke sah wieder aus wie ein Mehlsack und die Dünne nur noch wie ein klappriges Gestell. Mit dem Ableben der jungen Frau war auch der Zauber der Kleider erloschen.

„Was meinst du, Grislinde“, sprach Trude, als sie nach Hause gingen, „wäre es nicht langsam an der Zeit, Lucinda in unsere Geheimnisse einzuweihen und ihr unsere Mission hier zu erklären? Sie ist zwar eine Anfängerin, manchmal ungeschickt und zu impulsiv, aber es wäre doch besser, sie wüsste alles. Sonst könnte sie sich durch ihre Naivität vielleicht sogar in Gefahr bringen, auch Adie und uns.“ – „Ich glaube, du hast recht“, meinte Linde nachdenklich. „Außerdem wurde uns das durch die Große Mutter nicht ausdrücklich verboten. Ja, ich glaube, jetzt ist die richtige Zeit dafür. Sie soll heute alles erfahren.“ Zu Hause angekommen, riefen sie Lucinda und sagten ihr, dass die Zeit gekommen sei, sie in Geheimnisse einzuweihen, die sie noch nicht kannte und welche ihren Aufenthalt in dem Erdenreich notwendig gemacht hatten. Lucinda hörte mit angehaltenem Atem zu und Trude begann langsam zu erzählen: „Wie ihr bereits beide wisst, kommt Adie von einem anderen Stern, weit entfernt von der Galaxis, wo wir uns jetzt befinden. Da ihre Eltern besondere Kräfte besitzen, vererbten sie sie auf ihr Kind, jedoch nicht nur das: Adie wurde mit einem kleinen Muttermal auf der Innenseite eines Armes geboren, einem kleinen Stern, und das bedeutet, dass sie in sich Kräfte besitzt, die von so weit kommen, dass nicht nur wir uns das nicht vorstellen können. Etwas von der Kraft hat sie bereits, aber wenn sie erst größer wird, werden die Kräfte sich voll entfalten. Es sind gute Mächte, die ihr diese Gabe schenkten, und sie wird viel tun können, um so manches Unheil abzuwenden. Und nun zu der anderen Sache, die nicht so gut ist. Es gibt einen mächtigen Magier. Er ist ein Dämon, der schon manches Zwischenreich zerstört hat, und er weiß von Adie und ihren Kräften. Er hat schon viele von uns, auch sehr mächtige Magierinnen, getötet und ihre Seelen in einen schwarzen Kristall verbannt, wodurch er ihre Zauberkraft an sich reißen konnte. Mit jeder, die er getötet hat, wurde er stärker und mächtiger. Und nun will er den Zauber von Adie für sich übernehmen, denn wenn er sie tötet, wird er mit ihrer Kraft unbesiegbar sein. Außerdem hat er Angst vor ihr, denn nur sie könnte ihn besiegen. Aber es ist nicht leicht, dies zu erreichen. Dazu müsste Adie den schwarzen Kristall zerstören und die gefangenen Seelen daraus befreien. Der Kristall ist in einem Gefäß aufbewahrt und dieses ist mit drei Schlüsseln verschlossen. Man müsste diese erst suchen und finden, denn er hat sie nicht mehr. Zur Sicherheit hat er sie bei anderen finsteren Mächten in Aufbewahrung gegeben und diese müsste man erst ausfindig machen. Der Kristall selbst befindet sich in dem Gefäß im Gewölbe seiner schwarzen Höhle, wo der Dämon mit seinem Gefolge lebt: seiner Assistentin und lauter Monster und niedere Kreaturen. Bis jetzt konnten sie uns nicht schaden, dafür sind wir zu stark, und jetzt sogar zu dritt. Wir müssen nur darauf vorbereitet sein, dass auch er selbst hier erscheinen könnte – und ihm sind wir nicht gewachsen, nur mit Adie. Im Übrigen: Wie ihr wisst, gibt es viele Parallelwelten, wir können leider nicht in jedes Zwischenreich, und wenn es uns doch gelingt, versagen unsere Kräfte. Unsere Kräfte versagen in der Fremde. Aber unser Feind – er heißt Xyrus – kann überallhin. Und auch vor anderen sollten wir uns hüten: Er hat überall seine Spione. Sie könnten auch hier sein und wie Erdenmenschen aussehen. Also sind wir alle vorsichtig und trauen niemandem, vor allem aber müssen wir auf Adie aufpassen. So, das war es, was ich erzählen wollte; seid vorsichtig! Besonders du, Lucinda, denn du bist zu allen freundlich und zu vertrauensselig. Bitte, denke an die Gefahr!“

Lucinda blieb trotz ihrer sonstigen Redseligkeit lange stumm und nachdenklich. Doch dann streckte sie sich und sagte mutig und mit glänzenden Augen: „Ich habe keine Angst! Wir werden zu dritt für Adies Sicherheit sorgen. Ich werde sie keinen Augenblick mehr aus den Augen lassen! Mit Xyrus‘ Unholden werden wir schon fertig, und er selbst scheint sich noch in seiner Höhle zu verstecken, vielleicht um den Kristall selbst zu bewachen. Und wenn Adie erst kein Kleinkind mehr ist, werden wir ihr beibringen, ihre Kräfte zu benutzen. Bis dahin passen wir auf sie auf!“

Trude lächelte. „Es ist gut, dass du so mutig bist. Wir brauchen noch eine zusätzliche Zaubererkraft, die uns unterstützt. Ich habe auch schon selbst daran gedacht, Adie richtiges Zaubern beizubringen. Sie hat schon einmal bewiesen, dass sie schon Macht besitzt, aber sie muss erst größer werden, damit sie alles auch richtig begreift.“ Ihre Sorgen und Ängste sollten sich als richtig erweisen.

Eines Tages gingen Linde und Trude zusammen zu einem Kaffeekränzchen, zu dem sie von einer freundlichen Nachbarin eingeladen worden waren. Eigentlich hatten sie nicht viel Lust dazu, das Haus zu verlassen, aber sie konnten die Einladung nicht ablehnen. Sie wollten sich immer als gute Nachbarinnen zeigen und keinen Argwohn erwecken. Außerdem war Lucinda ja da, um auf die Kleine aufzupassen.

Adie lag im ersten Stock in ihrem Bettchen, um ihr Mittagsschläfchen zu halten, und Lucinda schmökerte in einem Liebesroman unten im Wohnzimmer. Sie war ganz vertieft in die tragische Geschichte und seufzte laut über das schlimme Schicksal eines schönen, aber armen Mädchens, als sie plötzlich vor sich zwei durchsichtige Gestalten sah, die sie umringten und händeringend nach oben zeigten. Das waren Greg und Mathilde, und sie wisperten: „Geh nach oben, Gefahr!“

Lucinda sprang auf, das Buch fiel auf die Erde. Sie vergaß die traurige Geschichte und eilte die Treppe hinauf. Sie riss die Tür zum Kinderzimmer auf und sah sechs widerliche Zwerge mit platten Nasen, wulstigen Lippen und karottengelben Haarschöpfen. Sie sprangen umher, und zwei versuchten gerade, am Kinderbett hochzuklettern. Lucinda packte sie beide am Nacken und schrie wütend: „Verschwindet, ihr kleinen Scheusale!“ Doch sie wichen nicht, sondern versuchten weiter, das Bett zu erklimmen.