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Anja Hilscher

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Beschreibung

Von Machos, Terroristen und Kopftüchern – Wie ist der Islam wirklich?

Von wegen, den Islam kennen! Hier wird all denen, die meinen, vom Islam nun wirklich alles zu wissen, einmal gehörig der Kopf gewaschen! Temporeich, frech und ausgestattet mit einem ziemlich anarchischen Humor zeigt Anja Hilscher, wie islamisches Denken und Leben wirklich geht. Ob sie über das Gottesbild erzählt oder über die islamischen Gebote, über religiösen Fanatismus, islamische Machos oder den Sinn des Lebens – so überraschend anders und bunt bekommt man diese Religion selten präsentiert. Und das Beste: Die vielen freundlichen Züge, die man in diesem Buch an der ach so finsteren Lehre Mohammads entdecken kann, kann die Autorin auch noch aus der Tradition des Islam begründen!

  • Plaudernd und mitunter respektlos gegen Vorurteile über den Islam
  • Eine unterhaltsame und bildende Lektüre

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Seitenzahl: 184

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Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Dieses Buch ist gewidmet: M, M, M, M und M (alias Else von Richlin)

Närrisch, dass jeder in seinem Falleseine besondere Meinung preist!Wenn Islam »Gott ergeben« heißt,Im Islam leben und sterben wir alle.

(Goethe, West-Östlicher Diwan)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Das sind diese Machos, wo die Frauen Tücher tragen müssen. Manche sind auch Terroristen!Ist der Mann eigentlich verrückt geworden??Sonst zieht die Wahnsinnige womöglich gleich die Kalashnikow raus und ballert in die Decke!Okay. Ist also alles gaaanz anders. Wie ist dann der Islam bitte in Wirklichkeit?
»Wir sind doch ganz anders als die!«
Jedes rosige, glatzköpfige, deutsche Baby ist also in Wirklichkeit Muslim, und weiß es nur nicht! Also, soweit kommt’s noch!
Allah ist strenger als der Liebe Gott
So fängt’s schon an, bei den Muslimen! Wie die ihre Kinder unterrichten!Beten? Fasten? Frauen steinigen? Was wird’s schon sein?
Das Paradies – man gönnt sich ja sonst nichts!Der Koran als Kochbuch – Vom Sinn der GeboteUnangenehm extrem
Die Muslime übertreiben immer irgendwie. Im Ramadan zum Beispiel trinken sie tagsüber nicht mal – und abends wird richtig reingehauen und Party gemacht!
Adam, Eva und die Sache mit der Gleichberechtigung
Wie bitte? Gnade! Das kann hierja wohl jetzt nicht wahr sein!
Allah und das TaoZur Ätiologie des Phänomens der Abwasch-VerweigerungFür Sex gibt’s bei uns Punkte!! – Wie das Leben glücken kann
Schnell und freudlos unter der Bettdecke kleine Nachwuchs-Märtyrer produzieren! Leuchtet ein.
… und das Gegenteil: Wie man sich ins Unglück stürzt
Abgehobenes Esoterikgelaber! Was soll das mit Islam zu tun haben?
Die Hadsch – vom Sinn des OpfernsDas röteste Tuch aller Zeiten
Das steht gar nicht im Koran! Und in der Türkei ist es auch verboten – aber hier wollen die das einfordern, die Mohammedaner!
Die Köpfe unter den TüchernWarum Mauern zwar nicht islamisch ist, aber sindIslam – die Ökoreligion
Kann man wohl sagen! Danach bleiben ja immer bergeweise Plastikgeschirr und Hammelknochen zurück!
Warum ich Recht habe und der Rest der Welt UnrechtWie Phönix aus der Asche – eine PrognoseCopyright

Vorwort

Muslime.

Das sind diese Machos, wo die Frauen Tücher tragen müssen. Manche sind auch Terroristen!

Ist es ungefähr das, was Sie so denken, wenn Sie dieses Wort hören? Dann hat es sowieso keinen Zweck mit uns beiden – legen Sie dieses Buch besser zurück auf den Stapel! Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Nicht, dass ich Leser verprellen möchte, aber Sie gehören nicht zu meiner Zielgruppe. Falls Sie aber was anderes denken – oder auch gar nichts – dann lesen Sie ruhig weiter!

Gemäß einer schon älteren »Spiegel«-Umfrage rangiert der Prophet Mohammed auf der Beliebtheitsskala religiöser Persönlichkeiten knapp vor Pontius Pilatus. Na, super! Es scheint, als hätte der Islam ein kleines Imageproblem. Gebessert haben dürfte sich das in letzter Zeit kaum – selbst direkt nach »Nine/Eleven« war die Stimmungslage da noch besser! Gemäß einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach denken 91% der Befragten beim Stichwort »Islam« an »Frauenunterdrückung«, Tendenz steigend. Und satte 88% widersprechen gemäß einer Online-Umfrage der »Welt« der Aussage des Bundespräsidenten: »Der Islam gehört zu Deutschland«. Integrationsverweigerer und »Hassprediger« sind in aller Munde. Der Untergang des christlichen, für alle erdenklichen guten Werte stehenden Abendlandes steht kurz bevor! Wer das noch nicht mitbekommen hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Der ist gedanklich schon islamistisch unterwandert und ein Wegbereiter der »Scharia«; Kategorie hoffnungslos naive und blauäugige Gutmenschen. Wie der nette Herr Ströbele, der einen islamischen Feiertag will.

Ist der Mann eigentlich verrückt geworden??

Manchmal werde ich von Leuten auf mein Kopftuch angesprochen. »Ich bin zum Islam übergetreten!«, antworte ich dann knapp. »Ach so!!«, kommt es dann in der Regel. Mit leicht hysterischem Unterton und ein bisschen arg schnell, wie aus der Pistole geschossen. Dann folgt betretenes Schweigen. Bis einem von uns ein neues Thema einfällt. Ganz Mutige fügen aber auch, damit es nicht so unhöflich rüberkommt, hinzu: »Wie kommt das denn? Ach, dein Mann ist ja Türke, ne?« – »Nö«, antworte ich dann. »Meine Mutter ist schon vor mir übergetreten. So kam das.« (»Der Wahnsinn hat bei uns eben Tradition!«, müsste ich dann eigentlich noch hinzufügen, um den im Raum stehenden Gedanken einfach mal frech auszusprechen.) Spätestens dann ist das Gespräch zu Ende.

Da scheint ja wohl gar nichts mehr zu passen … »Wer weiß, was noch für böse Überraschungen kommen, wenn man weiterfragt!« , denkt dann sicher der ein oder andere. Es ist ja so: Muslime, und auch Konvertiten allgemein, sind bekanntlich mit großer Vorsicht zu genießen.

Konvertieren – zum Islam?? Muss man eigentlich komplett wahnsinnig sein? Vom Leben im Allgemeinen – und dem im Westen im Besonderen – gänzlich enttäuscht? Vollkommen frustriert? Moralisch abgrundtief desorientiert? Als Frau? Freiwillig?? Soll das einer glauben? Über all diese sich aufdrängenden Fragen hüllen wir mal lieber ganz schnell den Mantel des Schweigens!

Sonst zieht die Wahnsinnige womöglich gleich die Kalashnikow raus und ballert in die Decke!

»Warum denn ausgerechnet diese Männerreligion?«, fragte mich vor langer Zeit mal einer. Immerhin! Eine immens qualifizierte, natürlich rein rhetorische Frage – zudem aus dem Mund eines Religionslehrers! Mit feinem Sprachgefühl ausgestattet, hielten mich die beiden Worte »Männerreligion« und »ausgerechnet« entschieden davon ab, dem Mann eine ernsthafte Antwort zu geben. Mein Problem ist aber, dass ich es ums Verrecken nicht schaffe, den Mund zu halten. Deshalb habe ich mich inzwischen darauf verlegt, irgendwas zu sagen. Bloß nichts Erstgemeintes. Kennen Sie die Stelle in »Harold and Maude«, wo Harold dem Militaristenschwein von seinem Onkel seine vermeintliche Kriegsbegeisterung beweisen will? »Ja, Onkel! Ich will! Ich will in den Krieg!! Werde ich dort auch immer Waffen tragen dürfen?« – »Ja, Neffe, ganz bestimmt.« – »Ein Maschinengewehr??« – »Klar! Gibt’s da bestimmt auch für Dich!« – »Oh, toll!! Schießt man damit auch?« – »Natürlich, mein Junge, was sonst?« – »Und ist es wirklich so, dass man auf Menschen schießt?? Ra-ta-ta-ta-ta-ta-ta-ta-ta!! Zusammen mit den Kameraden? Wird Blut spritzen?« – Irgendwann wird der Onkel zögerlicher in seinen Antworten und vermutet vage, dass da was nicht stimmt mit dem Jungen …

Sehr, sehr lustig, die Stelle. So ähnlich mache ich es auch. Der Unterschied ist, dass die Leute bei Muslimen von Anfang an denken, dass da etwas nicht ganz stimmt. Am besten also, man geht voll drauf ein und lässt richtig die Gestörte raushängen: »Jep, ich bin Muslima. Die kalte, komplizierte Welt überfordert mich total! Ich bin ein seelisch labiler Mensch und brauche starre Regeln, weil ich zu psychotischen Schüben neige. Es überfordert mich, selbst zu denken. Und, ganz im Vertrauen, ich bin auch ein bisschen masochistisch. Im Sommer trage ich deshalb extradicke Wolltücher und unterdrückt werden bringt’s, finde ich, auch irgendwie …« – Na ja, offen gestanden mache ich es nicht so extrem. Ich traue mich nicht. Deshalb muss ich dieses Buch schreiben.

Manchmal hoffe ich, dass den Menschen dämmert, dass es eben nicht so einfach ist. Es ist nicht alles so, wie es aussieht. Selbst bei den Dingen oder Menschen, die das eigene Vorurteil auf den ersten Blick zu bestätigen scheinen, lohnt es sich, länger und genauer hinzugucken. Manchmal übersieht man kleine Details, die alles in ein ganz anderes Licht rücken … würden! Wenn man es zuließe. Was man natürlich nicht tut, deshalb muss ich Ihnen die hier gezielt unter die Nase reiben. Beispiel: Hätten Sie erwartet, dass tief verschleierte Frauen unter den schwarzen Tüchern und Mänteln manchmal nicht nur einen intelligenten, emanzipiert denkenden Kopf, sondern auch sehr schick gekleidete Körper verstecken? Vielleicht sogar einen Minirock? – Jetzt mal ehrlich! Ich meine, wären Sie wirklich auf die Idee gekommen? Oder hätten Sie sie nicht, vom Äußeren her, eher in die abendländische Kategorie »asketisch lebende Nonne« eingeordnet? Und um jetzt der Entstehung eines neuen Klischees vorzubeugen, merke ich an dieser Stelle an, dass das bei mir zum Beispiel so nicht der Fall ist. Das heißt, die Sache mit dem klugen, emanzipierten Kopf, da überlasse ich das Urteil einmal anderen. Aber erstens bin ich nicht tief verschleiert, und zweitens trage ich schicke Klamotten meist weder drunter noch drüber. Ehrlich gesagt: Ich habe gar keine.

Angesichts der Skrupellosigkeit, mit der das Bild des Islam verzerrt wird, stellen sich halbwegs gebildeten Muslimen regelmäßig die Nackenhaare auf. Mir auch. Seit über 20 Jahren. Es gibt Vorurteile und Missverständnisse ohne Ende. Die Medien scheinen leider wenig Hemmungen zu haben, die Gräben noch zu vertiefen. Immer dieselben Koranzitate, Halbwahrheiten, Schleierfotos und Verweise auf Gewalt und Frauenunterdrückung in Ländern mit mehrheitlich islamischer Bevölkerung! Individuell zusammengemixt, mit irgendwelchen Weiß-der-Himmel-woher stammenden Volksweisheiten und anatolischen Kochrezepten abgeschmeckt. Das Ganze zurechtgekürzt und in eine halbstündige Reportage oder in einen 4-seitigen Artikel gepfercht, wird die Verwirrung vollkommen. Fröhlich werden die Klischees bedient, denn süßer die Kassen nie klingeln! Buchverlage und Fernsehsender spielen sich dabei mit islamischen Fanatikern ungeniert die Bälle zu. Erstere freuen sich über die hohen Quoten und Verkaufszahlen, Letztere über das große Forum, das man ihnen zur Verbreitung ihrer verqueren Weltsicht bietet.

Okay. Ist also alles gaaanz anders. Wie ist dann der Islam bitte in Wirklichkeit?

Kann man zwischen Kultur und Religion denn überhaupt unterscheiden? Und wenn ja, wie? Verträgt sich der islamische Glaube mit aufgeklärtem Denken? Gibt die islamische Lehre irgendeine Rechtfertigung für Ehrenmord und Zwangsverheiratung? Ist Allah wirklich böser als der Liebe Gott? Stimmt es, dass kleine Araber religionsbedingt nicht abwaschen dürfen? Müssen Türkinnen Woolworth-Taschen tragen? Muss man als Anhänger der islamischen Religion komplett humorfrei sein – oder erleichtert es die Sache nur? Spinnen Konvertiten? Und last not least (von Interesse besonders für die männlichen Herrschaften): Stimmt das mit den Jungfrauen im Paradies?

Diese und andere Fragen versuche ich in diesem Buch (nach bestem Wissen) zu beantworten. Seien Sie nicht böse, sollte Ihnen beim Lesen unversehens das eine oder andere Stückchen Weltbild wegbröckeln. Es wächst nach, wenn auch ein bisschen anders – ich spreche aus Erfahrung!

Schließlich noch eine Warnung: Mein Sinn für Humor ist zuweilen ein wenig rustikal. Vielleicht haben Sie das schon gemerkt. Es gibt sicher sympathischere Arten von Humor. Einen anderen Humor hab ich aber nicht, und vielleicht unterhält er dafür wenigstens. Infotainment nennt sich das. Ich bringe Sie (hoffentlich) zum Lachen und eh Sie sich’s versehen, bringe ich – zack! – meine Infos an den Mann oder die Frau. Falls Sie aber zu der einen oder anderen Bevölkerungsgruppe gehören, die in diesem Buch Seitenhiebe einstecken muss, nehmen Sie es nicht tragisch. Trösten Sie sich damit, dass ich grenzwertige Witze auch dann nicht auslasse, wenn Sie auf meine eigenen Kosten gehen. Nehmen Sie es sportlich!

»Wir sind doch ganz anders als die!«

Ein sehr weit verbreitetes Vorurteil. »Wir« sind wahlweise »wir Christen« oder – noch dämlicher – »wir Deutschen«. »Die« – das sind »die Muslime«.

Dieses erste Kapitel widmet sich dem, mit Verlaub, idiotischsten aller Argumente, welches zuerst bearbeitet werden sollte. Die folgenden Kapitel steigen dann im Schwierigkeitsgrad langsam. Ganz ähnlich übrigens wie beim »Hamburger ABC«, dem Lehrwerk, mit dem ich in meinen Alphabetisierungskursen unterrichte. Falls Sie sich irgendwann überfordert fühlen, lesen Sie die ersten Kapitel einfach noch mal, oder machen Sie eine Pause.

Wenn ich mich mit jemandem über den Islam unterhalte, kommt unweigerlich früher oder später der Punkt, an dem mein Gesprächspartner, möglicherweise überfordert von zu viel neuem geistigem Input, in heller Empörung ausruft: »Ja, dann geh doch mal da hin! Fahr doch mal in ein jemenitisches Dorf! Oder nach Mekka, wo die ganzen Muslime sind! Da wirst du schon sehen!« Ich selbst sei ja, trotz Kopftuch, nicht nur der deutschen Sprache mächtig, sondern auch sonst nicht so ganz ins Bild passend, eine Ausnahme. Und außerdem ja auch keine so ganz »richtige« muslimische Frau. Jeder weiß, wer die »Richtigen« sind. Nämlich die mit Standard-Schleier, aus dem kein Haar hervorlugt. Die aus einem anderen Land kommen, beim Reden schüchtern zu Boden gucken und immer die Woolworth-Taschen schleppen.

Wenn Diskussionsabende zum Thema »Frau im Islam« stattfinden, sind regelmäßig die teilnehmenden Omis (es sind immer zu 98% Omis, die restlichen 2% sind Opis) enttäuscht, dass so wenig »Richtige« da sind. Bei einer derartigen Veranstaltung in einer Volkshochschule meldete sich gleich anfangs eine freundliche ältere Dame zu Wort, die etwas zum Thema »Frauen im Islam« beitragen wollte. Da sei eine kurdische Nachbarin, mit der sie sich so gerne unterhalten würde und die immer ganz nett gucke. Leider spreche die kein Wort Deutsch. »Am Mittwoch hab ich die im Supermarkt getroffen!« , erklärte sie. »Die saß vor der Kühltruhe, auf der Erde. Im Schneidersitz, auf einer ausgebreiteten Decke, mit einem Baby auf dem Arm. Das fand ich einfach rührend!« Sie habe sie gegrüßt und dann einen Augenblick überlegt, ob man ihr nicht einen Stuhl bringen könne. Die kurdische Frau habe ihr aber nur zugelächelt und ganz zufrieden ausgesehen.

Innerlich entrang sich meiner Brust während dieses Beitrags ein abgrundtiefer Seufzer. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich anmerken, dass sowohl die freundliche ältere Dame als auch die nette Kurdin meine volle Sympathie haben. Erstere, weil es an Menschenfreundlichkeit und Toleranz wohl kaum zu überbieten ist, wenn man sich in einer solchen Situation nicht etwa über die »unintegrierten« und »hoffnungslos unangepassten Ausländer« aufregt, sondern statt dessen überlegt, wo man vielleicht einen Campingstuhl herbekommt, weil der Boden doch so hart und kalt ist. Mir scheint, diese Frau hat die Lehren des Christentums wirklich verstanden! Und Letztere, weil ich diese Sorte ungebildeter, aber unheimlich warmherziger und oft auch sehr witziger Frauen aus meinen Alphabetisierungskursen kenne und weiß, wie oft ihnen Unrecht getan wird, indem man ihnen mangelnde Integrationsbereitschaft unterstellt.

Tatsache ist aber: Der Islam schreibt nicht vor, sich in fremden Ländern vollkommen unangepasst zu verhalten. Er schreibt auch nicht vor, ungebildet zu sein. Im Gegenteil! Der Erwerb von Wissen hat im Islam einen äußerst hohen Stellenwert. Die erste Universität wurde von Muslimen gegründet! Es ist lediglich so, dass die kurdische Frau mutmaßlich einen leidlich islamischen Hintergrund hat, wenn auch sehr wenig religiöse Bildung. Möglicherweise aber nicht einmal das, denn viele Kurden z.B., die hier als Muslime wahrgenommen werden, sind Jeziden, also Angehörige einer völlig anderen Religion. Übrigens tragen die auch manchmal Tücher. Der Islam hat nichts mit Hautfarbe zu tun. Er hat auch nicht unbedingt was mit Nationalität oder Kultur zu tun. In Saudi-Arabien ist – zumindest heute – nicht »mehr Islam« als in Deutschland. Auch in anderen »islamischen Ländern« (die ich deshalb in Anführungsstriche setze) ist nur einiges islamisch, anderes dagegen nicht im Geringsten. Der Islam ist eine Glaubenslehre, die man als erwachsener Mensch entweder annimmt, manchmal auch praktisch befolgt, oder auch nicht. Das heißt, jeder, der das islamische Glaubensbekenntnis ausspricht, darf sich als Muslim bezeichnen, und gemäß islamischer Lehre hat niemand das Recht, dies in Frage zu stellen. Auch dann nicht, wenn das Verhalten der betreffenden Person nach allen Erkenntnissen der islamischen Theologie »unislamisch« sein sollte. Das Glaubensbekenntnis lautet »La illaha illallah, mohammadu-rassullullah«, was so viel heißt wie »Es gibt nur einen anbetungswürdigen Gott, und Mohammed ist sein Prophet«. »Muslim« darf sich also fast jeder nennen und ich ihn auch. Da geht’s ja um den ganz persönlichen Glauben und Seelenzustand, über den niemand sich ein Urteil erlauben kann.

Aber mit dem Wort »Islam« sollte man vorsichtiger sein. Das heißt zwar übersetzt lediglich »Ergebung« oder »Hingabe« oder »Unterwerfung«. Andererseits ist »Islam« aber auch die Bezeichnung für die vom Propheten Mohammed vorgelebte und erläuterte Glaubenslehre, die im Koran dargelegt wird. Dort heißt es, dass die Glaubenslehre »Islam« mit der Offenbarung des Korans vollendet sei. Zu Deutsch: Wenn wir wissen wollen, was »Islam« ist, müssen wir uns schon mit dem Koran und dem Leben des Propheten Mohammed beschäftigen. Das heißt nicht, dass Muslime jeden Buchstaben des Korans, ohne Berücksichtigung der Offenbarungshintergründe, wortwörtlich verstehen und sämtliche Handlungen des Propheten blind und detailgenau imitieren müssen. Zumindest für gläubige Muslime ist »Islam« eben nicht nur ein seelischer Zustand, sondern auch eine abgeschlossene und einigermaßen gut definierbare religiöse Lehre, aber keineswegs alles, was im Nahen Osten so passiert und geglaubt wird. Zum Teil widersprechen sowohl Glaube als auch kulturelle Bräuche in diesen Regionen dem Islam und dem Koran, und zwar ohne Wenn und Aber. Zu einem anderen Teil mit Wenn und Aber. Und zu einem dritten Teil gar nicht. Es wäre ziemlich sinnvoll, da einmal mit einem Minimum an Aufwand zu differenzieren. Sonst dürfen wir uns zumindest nicht darüber ärgern, wenn manche Muslime das auch nicht tun: »Berlusconi hat Sex mit minderjährigen Nutten! Da sieht man wieder, wie unmoralisch das Christentum ist!«

Wer glaubt, dass man in den Islam sozusagen »hineingeboren« wird, wie etwa beim Judentum, hat wahrscheinlich etwas falsch verstanden, obwohl es nicht ganz unrichtig ist. Es gibt zwar im Islam keine Taufe, aber die Religionszugehörigkeit von Vater und Mutter ist auch nicht ausschlaggebend. Es ist viel schlimmer! Nichtmuslimische Leser mit Neigung zu hohem Blutdruck mögen sich bitte an dieser Stelle setzen; denn was jetzt kommt, kann, falsch verstanden, möglicherweise wie eine Bestätigung der Hypothese vom islamischen Weltherrschaftsanspruch klingen. Es ist nämlich so, dass Muslime der Ansicht sind, dass jeder Mensch als »Muslim« geboren wird! Jeder. Nicht nur die mit muslimischen Eltern. Mit wachsendem Bewusstsein und Verstand gerät jeder kleine »Muslim« jedoch an einen Punkt, an dem es von ihm selbst abhängt, ob er weiterhin »Muslim« bleibt (indem er das islamische Glaubensbekenntnis annimmt) oder nicht. Was natürlich auch nicht so hundert Prozent seine eigene Entscheidung ist, sondern auch mit der Erziehung zu tun hat. Beziehungsweise damit, wie viel Käse man ihm über den Islam erzählt oder nicht erzählt.

Jedes rosige, glatzköpfige, deutsche Baby ist also in Wirklichkeit Muslim, und weiß es nur nicht! Also, soweit kommt’s noch!

Ich hoffe, dass Sie, geneigte/r LeserIn, das Buch an dieser Stelle noch nicht in die Ecke gepfeffert bzw. auf den Stapel zurückgelegt haben. Dies ist nämlich die erste Bewährungsprobe, nach deren Bestehen Sie vielleicht verstehen, warum es nötig war, ein Buch zum Zwecke der Beseitigung von Missverständnissen bezüglich des Islams zu schreiben. Das Wort »Muslim« geht auf denselben arabischen Wortstamm zurück wie das Wort »Islam« – und wie auch der mit dem hebräischen »Shalom« (womit Jesus grüßte) eng verwandte Friedensgruß »salam«. Sprechen Sie’s mal bitte laut und lassen sich’s auf der Zunge zergehen. Schließen Sie die Augen und lassen Sie bis in Ihre tiefsten Bewusstseinsschichten dringen, wie verdammt ähnlich die beiden Wörter klingen! Und was das für den einen oder anderen, der den bösen, fremden Islam am liebsten ins Paralleluniversum verbannen möchte, jetzt bedeutet …! Der Wortstamm, von dem »Salam«, »Islam« und »Muslim« abgeleitet ist und dessen Bedeutung da überall mit drin steckt, lautet »S, L, M«. Das heißt so viel wie »heil sein«, »ganz« oder »unversehrt« sein.

Das Wort »Salam«, also der »Frieden«, den man dem Mitmenschen wünscht, bezieht sich auf einen inneren Frieden. So, wie ihn ein Mensch empfindet, der sich dem Leben, dem Schicksal im besten Sinne des Wortes »ergeben« hat. Ein Mensch, dessen Herz wieder »heil« und »ganz« geworden ist. Wie ein Kind eben. »La illaha illallah« und »Ich bin (stolzer) Muslim!« sagen darf jeder. Auch Terroristen. Aber nur ein Mensch, der wirklich Frieden mit sich, Gott und der Welt geschlossen hat, ist »Muslim« im eigentlichen Wortsinne. Ist so. Können sie sich auf den Kopf stellen, die Fanatiker – zusammen mit den Islamhassern, die das beide gerne anders hätten. Daraus folgert, dass natürlich auch keineswegs nur nominelle Anhänger des Islam »erlöst werden« können (während alle »Ungläubigen« in der Hölle schmoren). In mindestens zwei Koranversen heißt es sehr deutlich, dass auch Christen und andere Gläubige, die sich bemühen, Gutes zu bewirken, ihren Frieden finden werden. Also »ihren Gott« – denn »As-Salam« (also »Friede«) ist einer der Namen Gottes. Übrigens werden Christen im Koran ohnehin nicht als »Ungläubige«, sondern vielmehr als »Ahl-ulkitab« bezeichnet, also »Leute des Buches«. Sie gelten also als achtenswerte Besitzer einer heiligen Schrift. Jedes Baby, nach islamischem Verständnis rein und unschuldig geboren, ist, wie bereits gesagt, ein »Muslim«. »Wenn ihr nicht werdet wie eins von diesen!« heißt es bekanntlich auch in der Bibel. Das sagte nämlich ein gewisser Jesus über die Kinder, und meinte genau das! Übrigens wird auch Jesus im Koran als »Muslim« bezeichnet! Fallen Sie jetzt vom Stuhl? Oder haben Sie’s verstanden?

Koran zum Thema »Islam als Glaubenslehre«:

»Heute habe Ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam zum Bekenntnis erwählt.« (5:4)

Koran zum Thema »Erlösung Andersgläubiger«:

»Jene, die geglaubt haben, und die Juden, und die Sabäer und die Christen – wer da an Allah glaubt, und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut – keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.« (5:70) (ähnlich in 2:63)

Hadithe zum Thema Wissenserwerb:

»Allahs Gesandter hat gesagt: Streben nach Wissen ist Pflicht für jeden Muslim.« (Hadithsammlung Ibn Madjah, Mischkat)

»Wer auf der Suche nach Wissen auszieht, der ist auf Allahs Pfad, bis er zurückkehrt.« (Tirmidhi)

»Wer einen Weg beschreitet, um Wissen zu erlangen, dem wird Allah deswegen einen Weg zum Paradies leicht machen.« (Muslim)

Hadith zum Thema »Jedes Kind ist ein ›Muslim‹«:

Abu Huraira zufolge sagte der Prophet: »Jeder Mensch wird als Muslim geboren. Alsdann machen seine Eltern aus ihm einen Juden, Christen oder Zoroastrier.« (Bukhari, Muslim)

Allah ist strenger als der Liebe Gott

Bevor ich mich diesem Thema widme, sollten wir uns vielleicht einigen, was wir unter »Allah« und »Liebem Gott« verstehen. Die Frage ist, ob wir davon ausgehen, dass es Gott wirklich gibt (und der dann auch irgendwie ist), oder lediglich über unsere Vorstellungen, sprich Gottesbilder sprechen wollen. Das wäre leichter und unverfänglicher. Vor allem könnte dann auch die große Gruppe der Zweifler und Agnostiker, ja sogar Atheisten mitdiskutieren. Ich würde, als gläubiger Mensch, aber Möglichkeit Nummer eins vorziehen. Gottesbilder gibt’s natürlich viele, Gott aber, zumindest nach christlichem wie auch islamischem Glauben, nur einen. Also kann der auch nur einmal irgendwie sein … oder nicht?

Wenn wir über Gottesbilder sprechen, scheint der »Liebe Gott« eindeutig netter zu sein. Im Religionsunterricht lernen wir, dass er, jedenfalls seit Jesus, immer nur lieb ist und aussieht wie der Almöhi. Man darf ihn auch malen. Allah verbietet das.

So fängt’s schon an, bei den Muslimen! Wie die ihre Kinder unterrichten!