Imbalance - Holger Jensen - E-Book

Imbalance E-Book

Holger Jensen

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Beschreibung

Im Jahr 2059 - Miriam Thompson, Hydrologie-Wissenschaftlerin aus England, ist unterwegs zur unterseeischen Ölförderplattform "Brent-Deep" vor der Jan-Mayen-Insel. Ihr Aufenthalt in 1000 Meter Tiefe wird etwas anders verlaufen als vermutet. Daniil Sommer, Geologie-Student aus Moskau, sieht sich nach seiner Verhaftung als Demonstrant auf dem Roten Platz schnell in Sibirien wieder. Am Permafrost-Institut in Yakutsk gerät er in die Nähe des russischen Geheimdienstes FSB. Bruce Williams, Assistant Chief NYPD, hätte sich vielleicht heute besser nicht für den Streifendienst über New York einteilen lassen sollen. Evesham und Dana - unterwegs in einer geteilten Stadt Hamburg.

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Seitenzahl: 74

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Holger Jensen

Imbalance

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Travenstedt

Brent-Deep

Yakutsk

New York

Hamburg

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Imbalance

5 Kurzgeschichten zu den Themen Klimawandel, neue Technologien, Internet-Sicherheit, Globalisierung und Gesellschaftsentwicklung

Autor: Holger Jensen

Datum: 15.08.09 - 17.08.15

Genre: Fiktion

Lektorat: Anna-Sophie Jensen

Prolog

Travenstedt

Brent-Deep

Yakutsk

New York

Hamburg

Epilog

Am Anfang ist nichts verborgen und alles ist taghell

Die Klimakatastrophe kam doch schneller als erwartet, viel schneller. Unsere Klimaforscher hatten ihr Bestes getan. Aber die Klimamodelle waren einfach falsch. Wichtige wetter-beeinflussende Daten fehlten in den Berechnungen, wesentliche Eigenschaften der Klimaentwicklung waren den Wissenschaftlern noch nicht einmal bekannt. Da nützte auch die Einbindung der modernsten und leistungsfähigsten Rechenzentren der Welt nichts. Aber man wusste zwar, dass die Modelle fehlerhaft waren, doch schloss man fatalerweise aus den Ergebnissen, dass ein extremer Klimawandel noch in ferner Zukunft lag.

Im Zeitalter der Globalisierung, der Informationstechnik, einer zunehmenden Auflehnung benachteiligter oder radikaler Bevölkerungsgruppen, von Armut, Kriegen, gefestigten und Pseudo-Demokratien, Diktaturen und einer fortgesetzten Umweltzerstörung komme ich immer mehr zu der Ansicht, dass wir in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dringend eine neue Sicht auf die Dinge benötigen. Es geht darum zu begreifen, dass es nicht mehr reicht, nur Eigeninteressen zu verfolgen. Es geht um nichts Geringeres, als unser Handeln mit den Interessen der Welt in Einklang zu bringen - für eine bessere Zukunft aller Menschen.

Travenstedt

Datum: April 2059

Ort: Travenstedt im Norden Deutschlands

Gerd Eriksen saß zusammen mit seiner Frau Lena und seinem Sohn Vincent im Wintergarten ihres kleinen Hauses, als erneut ein Eishagelsturm über die Stadt hinwegfegte. Seit ein paar Wochen war es immer wieder zu diesen verheerenden Stürmen gekommen. Es herrschten Extremwetterlagen, die Angst auslösen konnten und an die man sich nicht gewöhnte, so wie man es früher tat. Eriksen erinnerte sich an das angenehme Gefühl in Sicherheit zu sein, während draußen ein schwerer Sturm tobte. Er musste sich beeilen, um die Aluminiumplatten auf dem Glasdach zu befestigen, bevor noch weitere Glaselemente brachen. Vincent half ohne große Aufforderung. Es war gefährlich ohne Kopfschutz das Haus zu verlassen. Die Hagelkörner waren jetzt schon fast so groß wie Tennisbälle.

Das Haus der Eriksens lag am Rande der Stadt Travenstedt in einer Neubausiedlung. Vor 16 Jahren waren sie aus dem hohen Norden kommend hierher umgezogen. Gerd Eriksen hatte bei der ENV-Nord, dem norddeutschen Energieversorger, einen Job angenommen und sich hier schnell bewähren können. Nach kurzer Zeit wurde ihm die Aufgabe des Chief Operation angeboten und er nahm an. Damit war er dafür verantwortlich, die Energieversorgung der drei nördlichsten Bundesländer sicherzustellen. Lena arbeitete seit ein paar Jahren als Pädagogin bei der städtischen Produktionsschule und Vincent, der 17 Jahre alte Sohn, war wie die Kopie seines Vaters. Sie hatten die gleichen Interessen und sahen sich sehr ähnlich.

Eriksen musste schnell los. Sein Smartphone zeigte einen Alarm aus dem ENV-Kontrollraum an. Die Energieversorgung war in den letzten Wochen mehrfach ausgefallen. Die Ursache dafür waren Schäden an den der Sonne nachgeführten Photovoltaik-Türmen. Er würde erst spät wieder zurück sein.

In der gemäßigten nordeuropäischen Klimazone, in der die Familie lebte, war das Leben seit jeher unproblematisch. Die Jahreszeiten wechselten einander ab, selten kam es zu schweren Stürmen und den gefürchteten Sturmfluten an der Nordseeküste. Die Temperaturen variierten im Laufe des Jahres zwischen -10°C und +35° C. Abwechselnde Sonnen- und Regenperioden sorgten für eine stabile Vegetation und fruchtbares Ackerland. Der Mensch hatte sich gut an diese Verhältnisse anpassen können. Der Rückzug der Vegetation im Spätherbst und die jährliche Wiedergeburt im Frühjahr glich einem wahren, immer wiederkehrenden Wunder.

In der letzten Zeit wurden die Eriksens oft von Nachbarn und Freunden besucht. Die Wettereskapaden sorgten dafür, dass die Leute näher zusammenrückten. Die Wettervorhersagen mit anschließender Unwetterwarnung nahmen zu. In anderen Teilen der Welt waren die Auswirkungen des Klimawandels schon länger deutlich geworden, doch nun zeigten sich auch hier in Europa starke Veränderungen. Veränderungen, mit denen kein Klimaforscher so schnell gerechnet hatte. Expertenrunden im Fernsehen versuchten die Lage zu analysieren. Die Bürgermeister einiger Städte hatten bereits den Notstand ausgerufen.

Gerd Eriksen war mit seinen 44 Jahren wirklich fit, aber erst seitdem er regelmäßig seine Runden joggte. Das Laufen entspannte ihn und ließ seinen Kopf klar werden. Darüberhinaus hatte er ein kleines Gewichtsproblem damit lösen können.

Die Fahrt zum ENV-Nord dauerte meist 20 Minuten. Gerd nutzte diese Zeit um die Prioritäten der anliegenden Aufgaben festzulegen. Die berufliche Belastung hatte in den letzten Jahren stark zugenommen, seit das Energieministerium der EU ein Verbot für den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken durchgesetzt hatte, die vor dem Jahr 2020 gebaut worden waren. Da die flächendeckende Energieversorgung der EU-Staaten dadurch bedroht war, wurde ein Plan erstellt, der vorsah, alle verfügbaren alternativen Energiequellen innerhalb kürzester Zeit anzuzapfen. Der Plan wurde in einer bis dahin nicht gekannten Gemeinschaftsaktion aller EU-Staaten umgesetzt. Die Politik war seinerzeit zu dieser Maßnahme gezwungen worden, nachdem bekannt wurde, dass die Strahlenbelastung älterer Kraftwerke im Umkreis von 5 Km für den Menschen deutlich gefährlicher war als damals angenommen wurde. Die Organisation Greenpeace-International hatte zusammen mit einigen Interessenverbänden gegen Atomkraft ein Gutachten von einem unabhängigen Institut in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse waren von angesehenen ausländischen Nuklear-Forschungsinstituten bestätigt worden. Alle Menschen, die näher als 10 Km an einem Kernkraftwerk wohnten, wurden umgehend umgesiedelt. Ein Zutritt in die Sperrbereiche und zu den Kraftwerken war seitdem nur noch unter strengen Auflagen möglich.

Eriksen parkte nach erfolgreicher biometrischer Authentifizierung seiner Person durch Iris und Mittelfinger auf dem Parkplatz des ENV-Nord Betriebsgeländes und stieg aus. Es war dunkel geworden, die Gebäude waren in neongelbes Licht getaucht. Ein Lüftchen wehte so, als ob es nie einen Hagelsturm gegeben hätte. Die Bewölkung war teilweise aufgerissen und ein paar Sterne waren zu sehen. „Schön“, dachte er und öffnete die schwere Tür zum Gebäude A, in dem der Kontrollraum untergebracht war. Die Sicherheitsschleuse war leer. Magnus, der Sicherheitsbeamte, war nicht zu sehen. „Ich komme auch alleine klar“, dachte Eriksen und steckte seine Codecard in den Scanner der zweiten Tür, die sogleich aufsprang, und trat ein. Im Halbdunkel der Lobby stach ihm das orangerote Licht des Alarmmelders in die Augen.

„Gerd, bist du das? Gut, dass du kommst“, sprach eine Stimme seitlich aus dem Dunkel. „Ich bin es - Ryke!“

„Hallo Ryke, was genau ist kaputt?“

Ryke tauschte den Becher Kaffee gerade von der rechten in die linke Hand um Gerd die Hand zu reichen. Dabei lief ihm der heiße Kaffee über einen Finger und er murmelte etwas Böses.

„Gerd, hol’ dir auch einen Kaffee, der ist gerade frisch durchgelaufen und komm’ dann bitte gleich in das Büros des Schichtleiters.“

„Wer ist es?“

„Es ist Hark Simonsen.“

Gerd betrat das Büro des Schichtleiters eine Minute später. Er kannte Hark. Er war ein guter Mann, sehr zuverlässlich. Hark kam aus Norwegen und hatte die meisten modernen Wasserkraftwerke Norwegens mitgebaut.

„Hallo Gerd - schön, dass du gleich gekommen bist. Wir haben durch den letzten Hagelschauer ein paar wichtige Türme verloren. Ich möchte mit dir die Stromverteilung aus den Reserven abstimmen. Zwei Teams mit je fünf Mann und schwerem Gerät sind unterwegs um die Schäden zu beheben.“

Eriksen und Hark Simonsen traten im Kontrollraum vor einen riesigen Touchscreen und drückten einige Felder. Daraufhin wurden Zahlen und Grafiken sichtbar, die den aktuellen Energiebedarf übersichtlich darstellten. Eriksen drückte noch einige Felder und ermittelte so die Energiemenge, die aufgrund der Ausfälle der PV-Türme fehlte. Nach der Feststellung, welche Fremdressourcen ihm zur Verfügung standen, rief er die Einsatzleiter der beiden Reparaturtrupps an und ließ sich eine Einschätzung darüber geben, wann die Reparaturen fertiggestellt sein würden. Eriksen und Hark entschieden sich für die Aufschaltung einer Wasserkraft-Energiequelle in Norwegen für die nächsten fünf Stunden. Nach Eingang der Bestätigung des dortigen Schichtleiters erfolgten eine Synchronisierung und die Einspeisung in das Stromnetz der ENV-Nord. Nach etwa 15 Minuten hatten sich alle Werte wieder normalisiert. Eriksen bemerkte die Entspannung in Hark Simonsens Augen. Hark war ein schmaler Mann mittlerer Größe mit großen Augen. Er war unscheinbar und hatte rote Haare, die er sehr kurz hielt, damit sie nicht so sehr auffielen. Der Schichtleiter hatte die Befugnis und auch die Fähigkeit dazu, die eingeleiteten Maßnahmen selbstständig durchzuführen. Doch hatte es sich bewährt, derartige Tätigkeiten nach dem 4 Augen-Prinzip umzusetzen.

45 Minuten später verließ Eriksen wieder das Gebäude. Drei große Photovoltaik-Türme am Brennermoor waren komplett ausgefallen. Bei größeren Schäden schaltete das Diagnose-Programm einen Turm automatisch physikalisch vom Netz. Dies war hier geschehen. Die Wiederinbetriebnahme war dann nur noch vor Ort möglich. Eriksen wandte sich dem Parkplatz zu, auf dem die Poolwagen der Firma standen, und bemerkte ein Graviton-Fluggerät des ENV-Nord, an dessen Seite der Schriftzug „ENV-Nord Energie von morgen“ zu lesen war. Eriksen tippte die Home-Taste seines Smartphones und hatte Sekunden später seine Frau am Ohr.

„Hallo meine Liebe. Ich muss noch mal zum Brennermoor. Die drei MegaSun-Anlagen sind ausgefallen. Ich denke, ich werde erst in ein bis zwei Stunden bei euch sein können. Bitte wartet nicht mit dem Essen.“