Imperial Crossfade - Alexander Miller - E-Book

Imperial Crossfade E-Book

Alexander Miller

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Beschreibung

Prinz Alex, Enkel der Kaiserin des intergalaktischen Imperiums von Asgard, strebt nach dem Abschluss seines Wirtschaftsstudiums eine Offizierslaufbahn in der Sternenflotte an, um sich im Gegensatz zu seinen eher auf Verwaltung spezialisierten Verwandten in eine gute Position bei Hofe zu bringen. Das scheint nicht bei allen gern gesehen zu werden und so findet sich der Liebling der Kaiserin unverhofft statt in einem harmlosen Manöver, in einer brutalen Raumschlacht mit den aufständischen Republiken wieder. Nach einem verzweifelten Hyperraumsprung treibt er mit wenigen Überlebenden in einem riesigen Kampfschiff durch die Weiten des Alls, ohne die Chance auf einen weiteren Hyperraumeintritt oder Kontakt zum Reich. Seine einzige Chance ist die Hoffnung auf Suchmannschaften. Als Ihre jahrelange Reise sie in ein bewohntes System führt, nutzen sie die Gelegenheit dem Raumschiff mit seinen beschränkten Ressourcen zu entkommen, doch die Überlebenden spalten sich nicht nur in verfeindete Lager, die Bewohner des Planeten sind auch nicht das, was sie zu sein scheinen: sie sind auf seit Jahrhunderten verschollene Kolonisten des Reiches gestoßen, die sich auf ein mittelalterliches Niveau zurückentwickelt haben und gegen die echsenartigen Ureinwohner ihrer neuen Heimat kämpfen. Alex beginnt den Planeten unter seine Kontrolle zu bringen …

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EPUB
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Seitenzahl: 645

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Alexander Miller

Imperial Crossfade

Verschollen auf dem

Copyright: © 2016 Alexander Miller

Lektorat: Erik Kinting / www.buchlektorat.net

Umschlag & Satz: Erik Kinting

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Kapitel 1

Prolog

Der Kampfverband war nur zwei Sprünge von der Basis im Heimatsystem entfernt. Angeführt vom Schlachtschiff Donnerhall, zwei schweren Kreuzern und vier Zerstörern flog er gemächlich vom Sprungpunkt in das System.

In diesem Doppelsternsystem gab es außer einer massereichen Sonne und einem roten Zwerg keine Planeten mit einer nutzbaren Biosphäre oder metallreichen Asteroidensystemen. Dafür gab es noch vier große massereiche Gasplaneten und daraus resultierten fünf Sprungpunkte zu anderen Systemen, von denen drei intensiv genutzt wurden. Womit niemand gerechnet hatte, war der große, doppelt so starke feindliche Flottenverband auf einer Umlaufbahn um den Gasplaneten, den wir als Sprungpunkt genutzt hatten. Der feindliche Verband ist auf Abfangkurs, mit einem deutlichen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber unseren Schiffen.

Ich sitze auf dem zweiten Gefechtsstand des Schlachtschiffs an der Taktikkonsole, als Vertretung des zweiten taktischen Offiziers, der plötzlich erkrankt ist. Automatisch zuckt meine Hand zum Alarmknopf und ich löse Gefechtsalarm aus.

In einer ersten Reaktion, beschleunigt unser Verband sofort maximal, in Richtung des nächsten Sprungpunktes, aber es ist sinnlos, in zehn Minuten wird die feindliche Flotte uns passieren und in fünf Minuten werden sie ihre Raketen absetzen. Gegen zwei feindliche Schlachtschiffe, zwei Schlachtkreuzer, vier Kreuzer und zehn Zerstörer haben wir eigentlich keine Chance. Es ist das erste und anscheinend letzte Mal, dass ich die Verantwortung als Offizier der taktischen Abteilung im Gefecht tragen muss.

Aber der Kapitän lässt sich nicht irritieren und jedes unserer Schiffe stößt zehn Täuschkörper aus. Hinter unserem Verband entfalten sich verschiedene 200 – 500 Meter große Kugeln aus hauchdünner Metallfolie, die Störsignale absondern; ihre kleinen Triebwerke bringen die voluminösen aber leichten Objekte auf divergierende Kurse. Rund um unsere Schiffe entfalten sich ebenfalls Metallfolien nach einem letzten Antriebsimpuls. Jetzt sieht unser Schlachtschiff genauso aus, wie eine Metallkugel mit einem Durchmesser von 500 Metern. Unser Schiff ist von den Störkörpern rein optisch und auch von den feindlichen Sensoren, die alle Abstrahlungen analysieren, nicht mehr zu unterscheiden.

Inzwischen haben alle unsere Kampfschiffe im Schatten der Störkörper Raketen abgesetzt, die zunächst noch ohne Antrieb im Tarnmodus durchs All treiben. Unser Schlachtschiff hat außerdem seine 20 Jäger und drei Shuttle gestartet, die sich im Schatten der 70 Störkörper halten. Wenn der Kapitän nicht vor dem Sprung in das Sternensystem die volle Kampfbereitschaft und das Aufmunitionieren der Jäger befohlen hätte, wäre dies unmöglich gewesen.

Zwischen allen Sonden gibt es Signale, die die feindlichen Sensoren und Taktikgefechtsstände verwirren sollen. Das dürfte es ihnen zunächst unmöglich machen, zwischen Störkörpern und Raumschiffen zu unterscheiden, solange wir nicht feuern oder den Antrieb benutzen. Alle Jäger bekommen jetzt noch ihre Zielzuweisungen, für ihre vier schweren Schiffsraketen, und die aktuellen Kursdaten der feindlichen Schiffe. Zum Glück haben wir vor einem Monat eine ähnliche taktische Lage in einer Simulation durchgespielt, und zwar so lange, bis unser eindringender Verband überlebt hat. In der Simulation war aber die feindliche Flotte nicht einmal halb so groß wie heute.

Unser Verband hat sich in drei echte und zwei simulierte Schiffsformationen geteilt, die auf verschiedenen Kursen die anderen vier Sprungpunkte des Systems anfliegen. Wir steuern, ohne den Hauptantrieb zu nutzen, nur mit den schwachen Steuerdüsen den am wenigsten genutzten Sprungpunkt, der sehr weit weg in kaum besiedelte Gebiete führt, an. Unser Schiff stellt sich tot und ohne Antriebssignaturen sind wir von den Täuschkörpern weiterhin nicht zu unterscheiden.

Der Gegner hat eine Aufforderung zur Kapitulation gesendet, die wir ignorieren. Mal sehen was er jetzt macht. Wenn er seine Raketensalven auf alle 70 Objekte gleichmäßig aufteilt, wird unsere Raketenabwehr problemlos damit fertig. Außerdem muss er sich aufteilen, wenn er die Laser und Partikelgeschütze einsetzen will. Unsere Jäger und die Raketen werden sich zunächst alle auf die beiden Schlachtschiffe und zwei Schlachtkreuzer stürzen. Ich glaube nicht, dass ihnen das gefällt.

Die ganze Aktion hat weitere vier Minuten gedauert und der Gegner hat jetzt noch eine Minute, bis wir in Reichweite seiner Raketen kommen. Da der Gegner mit einem erheblichen Geschwindigkeitsvorteil hinterher stürmt, können wir unsere erste Raketensalve mit einem leichten Zeitvorteil etwas eher starten. Wenn unsere zielsuchenden Raketen auf den Feind zurasen, gehen gleichzeitig alle elektronischen zielsuchenden und markierenden Systeme auf volle Leistung, das erschwert den gegnerischen Raketen und Geschützen das Treffen enorm. Wir haben zusätzlich einige neue Täuschkörper in die Salve gemischt, das wird sie noch weiter verwirren.

Alle starren gespannt auf die Monitore ihrer Gefechtsstationen und mit einem Auge auf den großen Monitor an der Stirnwand, der die taktische Lage anzeigt. Die feindlichen Schiffe zittern mit hektischen Ausweichbewegungen um ihre Kurslinien, um den von ihnen erwarteten, von unseren Lasern und Geschützen abgefeuerten Projektilen auszuweichen. Aber wir haben zugunsten der Tarnung bisher auf den Einsatz dieser Waffen verzichtet. Mehr als ein zufälliger Glückstreffer ist auf diese Entfernung sowieso nicht drin. Unsere zielsuchenden, computergesteuerten Raketen haben eine viel größere Reichweite und lassen sich nicht so einfach irritieren.

Dann ertönt ein Alarm auf dem taktischen Monitor, die Sensoren zeigen die Kurse der abgefeuerten feindlichen Raketen. Anscheinend haben wir ein Riesenglück: Von ihren 100 Raketen, die sie in jeder Salve abschießen, fliegt die Hälfte auf die zwei durch Täuschkörper simulierten Gruppen, die unsere wahrscheinlichsten Ausweichziele ansteuern. Nur die Hälfte ihrer Raketensalve und der eingesetzten anderen Waffen richtet sich gegen unsere getarnten Schiffe, die in drei Gruppen ihre Ziele ansteuern. Von unseren 60 abgesetzten Raketen fliegen 40 in der ersten Salve sofort auf unsere vier Primärziele los und die letzten 20 starten erst kurz vor der Ankunft der feindlichen Raketen. Das bewirkt, dass die Feindschiffe mit extrem kurzer Vorwarnung erreicht werden. Die Shuttles und Jäger haben im Schutz der Störkörper in Richtung des Kurses der Feindverbände beschleunigt und sich ein Stück von uns entfernt. Sie schalten jetzt die Triebwerke ab und aktivieren die Tarnfunktion.

Das ist eine unangenehme Überraschung für den Gegner. Er schlägt sich jetzt mit den ersten gestarteten Raketen herum, aktiviert seine Abwehrsysteme und fährt weiter ständige Kurskorrekturen, damit wir ihn nicht mit einer Salve von Metallkörpern wie mit einer Schrotladung erwischen. Genau darauf verzichten wir aber, weil wir dann sofort enttarnt wären und dem Gegner unsere aktuelle Position verraten würden. Die Taktik des Kapitäns, auf Tarnung, Täuschkörper, Raketen und Jäger zu setzen und auf ständige Salven von Metallkörpern zu verzichten, ist ungewöhnlich, aber anscheinend zunächst sehr erfolgreich.

Als Erstes enttarnen sich unsere beiden anderen Gruppen, die aus jeweils einem Kreuzer und einem Zerstörer bestehen. Ihre Raketenabwehr springt auf die anfliegenden Raketen an. Von unserer Gruppe demaskieren sich zunächst nur die zwei Zerstörer, die die anfliegenden Raketen auf maximale Reichweite bekämpfen. Das löst eine Kurskorrektur des Feindverbandes aus, der zwei größere Gruppen in Richtung unserer anderen beiden Schiffspaare schickt.

Jetzt wird alles sehr unübersichtlich. Die ersten Raketen und Täuschkörper explodieren, wir demaskieren uns im letzten Moment und unsere Nahbereichsabwehr fegt die ankommenden feindlichen Raketen aus dem All. Unsere Raketen landen den ein oder anderen Treffer und die explodierenden Sprengköpfe blenden alle Sensoren. Von unserem Kampfverband erwischt es einen Zerstörer und einen Kreuzer aus den anderen beiden Gruppen. Unsere vier Primärziele sind alle leicht beschädigt, aber als sie unsere Jäger passieren schnappt die Falle zu und sie bekommen eine volle Ladung. Vier schwere Raketen von jedem Jäger und ein Haufen Schrapnell-Geschosse ihrer Bordgeschütze schlagen in den nur schwach gepanzerten Heckbereich der großen Feindschiffe ein. Wir zerstören die beiden Schlachtkreuzer und beschädigen ein Schlachtschiff schwer. Das andere Schlachtschiff ist äußerlich betrachtet nur leicht beschädigt, verliert aber deutlich an Antriebsleistung. Damit haben wir, selbst wenn unser Verband jetzt komplett vernichtet würde, bereits ein Unentschieden erreicht. Wir streben jetzt unter voller Leistung aller vier Triebwerke, gemeinsam mit unserem verbliebenen Zerstörer, den Sprungpunkt an. Unsere andere Gruppe, bestehend aus Kreuzer und Zerstörer, steuert den Sprungpunkt in Richtung unserer eigenen Militärbasis an, der verbliebene Zerstörer fliegt zu einem anderen Sprungpunkt. Die feindlichen Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer haben noch vor dem Passieren unseres Kurses ihre meisten Jäger abgesetzt. Unsere Jäger müssen sich jetzt mit der doppelten Anzahl an Feindjägern herumschlagen.

Unsere überlebenden Schiffe entfernen sich relativ unbehelligt von der ersten Konfrontation mit dem Feind. Wir leben noch und sind kaum beschädigt, vielleicht wird doch noch alles gut. Der Gegner entfernt sich jetzt immer weiter von uns, aber korrigiert nun die Kurse der Schiffe, nachdem sie eine letzte Salve auf unsere fliehenden Schiffe abgeschossen haben. Sie vernichten zwar noch einen unserer Zerstörer, aber ein Kreuzer und der andere Zerstörer können entkommen.

Die feindlichen Jäger sind unseren im Verhältnis von drei zu eins überlegen, aber unsere Leute wehren sich hervorragend, bevor sie von der feindlichen Übermacht zerstreut und aus ihren Formationen gedrängt werden. Es werden deutlich mehr feindliche Jäger abgeschossen als eigene, aber die zahlenmäßige Überlegenheit des Gegners ist erdrückend. Zwar ist jeder zerstörte Jäger ein empfindlicher Verlust, aber sie haben nur zwei Mann Besatzung. An Bord der Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer sind Tausende gestorben und Hunderte an Bord des Zerstörers.

Vier feindliche schwere Kreuzer und zehn Zerstörer nehmen jetzt Abfangkurs auf unser Schlachtschiff und unseren letzten Zerstörer. Sie werden uns zehn Minuten vor dem Sprungpunkt erreichen, genau wie die verbliebenen 18 feindlichen Jäger, die zum Glück einen großen Teil ihrer Waffenladung bereits verschossen haben. Die Jägerstaffel könnte uns mit ihrem enormen Beschleunigungsvorteil noch deutlich vor dem Rest der Flotte erreichen. Diesen Gefallen tun sie uns jedoch nicht, da sie für uns ohne den Schutz ihrer Großkampfschiffe kaum eine Bedrohung darstellen und eine leichte Beute für unsere Nahabwehr wären.

Die Geschwindigkeits- und Beschleunigungsvektoren aller Feindschiffe sehen jetzt so aus, als ob sie uns kurz vor dem Sprungpunkt mit deutlichem Geschwindigkeitsvorteil passieren und es dort zum finalen Schlagaustausch kommt. Wir treten dann vielleicht mit den Resten unseres Schlachtschiffes in den Hyperraum und könnten entkommen, weil der Gegner keine Zeit hat, um mit dem gleichen Vektor in den Sprungpunkt einzutauchen wie wir. Ihm blieb die Wahl uns auf unserem Kurs zu verfolgen oder einen zweiten Angriff zu fliegen und das Risiko einzugehen, uns zu verlieren. Scheinbar hat der feindliche Kommandant genug Vertrauen in die ihm verbliebene Schlagkraft und möchte uns den Todesstoß versetzen.

Die nächsten zwölf Stunden passiert nichts. Alle Raumschiffe sind weit zerstreut und außer Reichweite der Waffen. Das Gefecht selber wird sich in wenigen Sekunden abspielen. Aber schon jetzt ist klar, dass der Feind sich verrechnet hat. Seine Kreuzer und Zerstörer werden im Kampf gegen unser Schlachtschiff erhebliche Verluste einstecken und die zwei zerstörten Schlachtkreuzer, und das wahrscheinlich auf jahrelange Reparaturen angewiesene Schlachtschiff, gleichen unsere Verluste mehr als nur aus.

Sie kommen aller Voraussicht nach von der Südlichen Republik, die sich über zehnmal so viele Sternensysteme wie unser Reich ausdehnt und mit der es seit Monaten diplomatische Querelen gibt. Allerdings sind ihre Werft- und Produktionskapazitäten nicht viel größer als unsere; die meisten ihrer Planeten sind bettelarm und können gerade so ihre Bevölkerung ernähren. Gegen den Zusammenschluss unserer 99 reichen, entwickelten Systeme im Kaiserreich von Asgard hetzt ihre Propagandamaschine schon seit Jahren, aber bis heute ist es zu keinen echten Auseinandersetzungen gekommen.

Ihre Flotte ist dreimal so groß wie unsere, aber sie haben nur so viele moderne Großkampfschiffe wie wir und noch einmal so viele Schlachtkreuzer – eine Schiffsgattung auf die unsere Marine komplett verzichtet. Sie tragen zwar fast so viele Waffen wie ein Schlachtschiff, sind aber nur schwach gepanzert. Heute haben sie zwei Schlachtkreuzer verloren und zwei von ihren acht Schlachtschiffen sind so beschädigt, dass sie in den nächsten Monaten, eventuell Jahren nicht einsatzbereit sind. Unser Kreuzer und ein Zerstörer sind definitiv entkommen und werden den Gefechtsbericht an unsere Raumbasen übermitteln.

Wenn unsere restliche Flotte die weiteren Gefechte genauso erfolgreich führt wie wir heute, gewinnen wir den Krieg in einem Jahr. Allerdings sehen die Prognosen der Schiffs-KI für ein Überleben unserer zwei Schiffe eher bescheiden aus. Bei realistischer Abwägung aller taktischen und strategischen Fakten bleibt uns nichts anderes übrig, als unser Schiff so teuer wie möglich zu verkaufen und so viele Feinde wie möglich zu vernichten. Es wird ein heldenhaftes, rumreiches Gefecht werden, aber mit großer Wahrscheinlichkeit mein letztes.

Der Kapitän meldet sich jetzt auf meinem privaten Kanal. Er hat meinem Vater geschworen mich lebend und unverletzt zurückzubringen. Er ist der Einzige der weiß, dass ich zum Kaiserhaus gehöre und an achter Stelle in der Thronfolge stehe. Aber die militärische und taktische Situation lässt keinen Ausweg zu.

Er versucht mir die aktuelle Situation und die strategische Lage zu erklären: »Mit diesem plötzlichen Überfall hat uns die Südliche Republik kalt erwischt und wir können dem jetzt anstehenden Kampf nicht ausweichen, weil das strategische Gleichgewicht gewahrt werden muss. Aus ihren zehn nicht gepanzerten Zerstörern mache ich Hackfleisch, dann sieht es mit ihrer Überlegenheit an Schiffen schon nicht mehr so gut aus. Dann bleibt von ihrem dreimal so starken Kampfverband genau so wenig über, wie von unserem. In Zukunft werden sie es sich dreimal überlegen, mit wie vielen Schiffen sie uns angreifen.«

»Ich bin stolz unter Ihnen gedient zu haben«, ist das Einzige, was mir dazu einfällt. »Sie machen das Richtige, Herr Kapitän.«

Er ist sichtlich bewegt und versichert mir, dass wir noch über eine geheime gut getarnte Sonde verfügen, die eine letzte Aufzeichnung mit unserer letzten Position und allen Kommunikationsaufzeichnungen nach Asgard bringen wird. Außerdem haben wir noch eine kleine Chance – er greift dafür ganz tief in die Trickkiste.

Zumindest sterbe ich als Held. Das hätten mir mein Vater und meine Großmutter, die Kaiserin, niemals zugetraut.

20 Minuten vor dem Rendezvous mit dem Feind, stoßen wir noch einmal fünf Täuschkörper aus. Sie beschleunigen von uns weg, in Richtung der Feindverbände. Nach 15 Minuten entfalten sie sich und nehmen den feindlichen Schiffen die Sicht. Da klar ist, dass wir zum Sprungpunkt wollen, können wir nur mit unserer Geschwindigkeit und Beschleunigung variieren. Der Kapitän verlässt den direkten Kurs auf den Sprungpunkt, als der Feind durch die Täuschkörper den Kurswechsel nicht bemerken kann. Dann wird alles abgeschaltet und die Tarnfunktion aktiviert. Auf der Raumschiffhülle erscheint jetzt optisch der Weltraumhintergrund und es werden keinerlei aktive Signale, die unsere Position verraten könnten, emittiert. Kurzzeitig sind wir aus der Zielerfassung verschwunden.

Unmittelbar vor dem Erreichen der Raketenreichweite führt der Kapitän eine letzte Kurskorrektur durch, die uns Richtung Sprungpunkt schickt. Gleichzeitig dreht er den schwer gepanzerten Bug Richtung Feind, fährt alle Schilde auf Maximum hoch und nimmt die feindlichen Schiffe unter Beschuss. Dieses Mal feuern wir mit allen Schrapnell-Geschützen, Lasern, Partikelkanonen und Raketen, die wir haben. Die ersten Salven der Feinde rasen ins Leere, genau dorthin, wo wir uns ohne Kurskorrekturen befunden hätten. Fünf feindliche Zerstörer, die im Gegensatz zu uns nicht gepanzert sind, explodieren nach unseren ersten Treffern. Unsere Raketenabwehr spuckt alles aus, was sie hat, wir winden und oszillieren mit den Korrekturtriebwerken ständig auf unserem Kurs, um ihren Schrapnell-Geschossen zu entgehen. Trotzdem krachen die ersten Einschläge in unser Schiff. Die ersten Treffer verkraften wir gut, sie werden von unserer massiven Panzerung absorbiert. Dann schlagen Laser und Ionenstrahlen der Kreuzer in unser Schiff ein. Ich verfolge an der Taktikkonsole, wie Sektion um Sektion ausfällt und der Bugbereich komplett zerstört wird. Aber wir haben noch zwei Zerstörer und zwei Kreuzer erwischt und es gibt kaum noch unbeschädigte Feindschiffe.

Die Kommandozentrale im Bugbereich meldet sich nicht mehr und der erste Offizier hat auf meiner Reservebrücke das Kommando übernommen. Ich schicke den Feindschiffen noch einige Schüsse aus unseren hinteren Ionen-Kanonen hinterher und kann tatsächlich noch einen Zerstörer zur Explosion bringen, als unmittelbar vor Erreichen des Sprungpunktes noch einige Feindsalven von zerstreut fliegenden Jägern in unseren Heckbereich einschlagen.

Als Letztes spüre ich einen gewaltigen Einschlag in unmittelbarer Nähe und den Übertritt in den Hyperraum, dann verliere ich das Bewusstsein aus dem ich mehrmals in absoluter Dunkelheit erwache.

Die Schlacht haben wir gewonnen. Ein Zerstörer hat einen Ionenantrieb und einen Hyperraumgenerator, ein Kreuzer zwei und ein Schlachtschiff vier, demzufolge sind vier Zerstörer oder zwei Kreuzer fast so viel wert, wie ein Schlachtschiff ohne Jäger. Deswegen haben wir mit zwei beschädigten gegnerischen Schlachtschiffen, neun vernichteten Zerstörern, zwei vernichteten Kreuzern und zwei vernichteten Schlachtkreuzern haushoch gewonnen. Wir haben zwar unser Schlachtschiff, einen Kreuzer und drei Zerstörer verloren, aber der Gegner fast die dreifache Schiffskapazität. Eine Lehre aus der Schlacht ist, dass es im Gefecht vor allem auf die Großkampfschiffe ankommt. Ihre schwere Panzerung, die vielen Waffensysteme und die Jäger werden auch mit einer doppelt so großen leichten Kampfgruppe problemlos fertig. Mit einem Schlachtschiff mehr, hätten wir die Reste der Kampfgruppe aus dem All geblasen. Ein Kreuzer ist zwar doppelt so teuer wie ein Zerstörer, aber bei Weitem nicht doppelt so kampfstark, zumindest nicht in einem Begegnungsgefecht. Was überzeugt hat, sind die Jäger. Sie haben eine kurze Gefechtsausdauer, können zwar nicht durch den Hyperraum fliegen, aber beim Erstschlag sind zwei Jäger fast so kampfstark wie ein Zerstörer, auch wenn sie nur vier Raketen absetzen können. Ein völliger Reinfall sind die zwar schnellen aber schwach gepanzerten Schlachtkreuzer, die im Kampf den Großkampfschiffen mit Jägerunterstützung eindeutig unterlegen sind.

Davon habe ich jetzt allerdings nichts, weil ich in völliger Dunkelheit in meinem Raumanzug irgendwie eingeklemmt bin. Ich glaube zwar, dass noch alle meine Glieder vorhanden sind, aber ich kann mich trotz aller Bemühungen nicht befreien und frage mich, wie meine so hoffnungsvoll begonnene Karriere zu diesem etwas aussichtslosen Punkt gelangen konnte.

Kapitel 2

Rückblende

Ich bin der älteste Sohn des zweitältesten Bruders von drei Söhnen der Kaiserin von Asgard, meiner Großmutter. Asgard gehört zu einem kleineren aber einem der reichsten Staatengebilde der Menschheit im erforschten Raum unseres Spiralarms. Mein Vater verwaltet ein Sonnensystem mit drei besiedelten Planeten, welches zu den wichtigsten Systemen des Kaiserreiches gehört. Ich als ältester Sohn genoss eine völlig unbeschwerte Kindheit, immer bewacht und von allem Luxus des Hochadels umgeben.

In unserer Zeit werden Menschen, die auf Nanniten zurückgreifen können und vor allen Krankheiten geschützt sind, bis zu 120 Jahre alt, sind bis zum Alter von 100 Jahren noch rüstig und arbeitsfähig. Durch verschiedene extrem aufwendige und teure genetische Verbesserungen werden die Angehörigen der kaiserlichen Familie und des Hochadels mehr als doppelt so alt.

In der Thronfolge kommen mein Vater und seine beiden Brüder sowie die vier Kinder seines ältesten Bruders vor meinem Anspruch.

Seit der Beendigung der KI-Kriege vor 130 Jahren ist die Entwicklung in unserem Teil der Galaxis friedlich und wirtschaftlich erfolgreich verlaufen. In den kriegerischen Auseinandersetzungen damals, war es zu großen Zerstörungen und einem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang gekommen.

Vor 150 Jahren hatten sich mehrere künstliche Intelligenzen zu einem virtuellen Komplex zusammengeschlossen, sich selbstständig gemacht und große Teile der Menschheit kontrolliert. Kontrolle war kein großes Problem, da die Masse mittels implantierter Schnittstellen direkt neuronal mit dem Internet, einem allgegenwärtigen Informations- und Unterhaltungsnetzwerk, verbunden war. Dass eine solch komplexe Vernetzung auch die Möglichkeit einer nahezu perfekten Überwachung und Kontrolle durch den Staat mit sich bringt, hatte jene Massen jedoch schon lange nicht mehr interessiert. Umfangreiche Sicherheitsprotokolle, die eine Manipulation des Informationsflusses durch Dritte unmöglich machen sollten, bildeten das Bollwerk zum Schutz der Regierung. Eben jene Protokolle hielten der vereinten Rechenkapazität des KI-Netzwerkes aber nur Minuten stand. Nach einem teuer erkauften Sieg und der Zerstörung der künstlichen Intelligenzwesen, wurde das Computernetzwerk dezentral und anonym organisiert.

Es hatte Jahrzehnte gedauert, bis überhaupt jemand merkte, dass in den Geheimdiensten keine Menschen mit eigenem Willen mehr arbeiteten, sondern alles durch künstliche Intelligenzen gesteuert wurde. Zuerst wurden die Menschen nur lückenlos überwacht und später zunehmend mehr manipuliert und gesteuert. Dies geschah über die Geheimdienstzentralen und deren KIs. Es wurde genau kontrolliert, wo sich jeder Mensch jeweils befand und welchen Tätigkeiten er nachging. Eine Folge dieser Fehlentwicklungen ist für uns heute, dass es keine direkte automatische Verbindung zwischen Mensch und Internet mehr gibt, sondern nur zeitlich befristete und anonymisierte Verbindungen. Das hat die Menschen wieder zu selbstständigen Wesen gemacht und einen riesigen Wirtschaftsaufschwung ausgelöst. Vorher vegetierten viele nur noch, durch ständige Werbe- und Propaganda-Berieselung verdummt, ziellos vor sich hin und waren zu komplexen kreativen Problemlösungen nicht mehr fähig.

Viele Staaten funktionierten wie ein großer Ameisenhaufen und hatten sehr wenig mit den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu tun. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Fortschritt der Gesellschaft war zum Erliegen gekommen, weil ein großer Teil der Bevölkerung mehr oder weniger streng von staatlichen Stellen und Maschinen kontrolliert, mit großen Beschränkungen der individuellen Freiheit existieren musste. Viele Menschen bewegten sich nur noch zwischen Arbeit, Hausmonitor und Kühlschrank hin und her. Sie existierten überwiegend in verschiedenen Computerwelten und Serienprogrammen und hatten weitestgehend den Bezug zur Realität verloren.

Künstliche Intelligenzen sind jetzt nur noch dort erlaubt, wo sie unverzichtbar sind, zum Beispiel in Raumschiffen. Sie sind direkt an das physische Leben bestimmter Offiziere gekoppelt, ohne die sie nicht weiterexistieren können, sodass sich nie wieder so dominante Systeme entwickeln können, die relativ mühelos einen großen Teil der Menschen kontrollieren. Die Möglichkeit für eine direkte permanente Verbindung zu Computern haben nur noch die Offiziere der Armee, der Raumflotte und Sicherheitskräfte.

Mit den genetischen Veränderungen, die mir ein derart langes Leben bescheren, ist eine gewisse Aggressivität verbunden, weswegen ich schon in meiner Kindheit zur Ausübung von Kampfsportarten und den damit verbundenen Meditationsübungen angehalten wurde. In der Pubertät wurde alles kompliziert. Mir als Prinz warfen sich alle Frauen an den Hals, die unbedingt Prinzessin werden wollten und dazu kam, dass mir beinahe unbegrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung standen, weil sich meine Eltern scheiden ließen und ich es aufs Trefflichste verstand, den einen gegen den anderen auszuspielen.

Meine Großmutter, die jetzige Kaiserin, ist 130 Jahre alt, aber immer noch eine schöne Frau in der Blüte ihres Lebens. Ihr Vater führte einen großen Konzern und war maßgeblich am Kampf gegen die KI beteiligt. Er hatte in seinem Technologie-Konzern eine eigene Groß-KI, die sich nicht an den Unterdrückungsmaßnahmen der anderen beteiligte, sondern mit unserer Familie im Widerstand gegen die Diktatur kooperierte. Sie hatte als oberste Programmdirektive eine hochgradig illegale und sehr gut versteckte Moralklausel. Diese oberste Direktive beinhaltete unbedingte Loyalität dem Familienoberhaupt gegenüber. Andere KIs mussten als oberstes Ziel das Wohl der Menschheit einprogrammiert haben. Der Begriff Wohl schloss natürlich nicht Kontrolle und volle Passivität aus.

Nach den Wirren der Kriege stieg mein Urgroßvater mit Unterstützung der KI zum Herrscher von Asgard auf. Nach dem Aufbau unserer Flotte und Armee, konnten die Unruhen und Kriege auf den Nachbarsystemen schnell beseitigt werden. Unsere Wirtschaft kam wieder in Gang und machte unseren Planeten reich und attraktiv. Bald schlossen sich viele Systeme in unserer Nähe freiwillig unserem Imperium an. – Der Unterhalt einer Flotte von Raumschiffen verschlingt sehr viele Ressourcen, die ein einzelnes System nur schwer aufbringen kann.

Nach dem Abitur studierte ich zunächst Wirtschaftswissenschaften, Geschichte der frühen Industrialisierung und internationale Beziehungen, um von meinem überwachten Elternhaus wegzukommen. Durch mein lustiges Studentenleben löste ich den einen oder anderen gesellschaftlichen Skandal aus, sehr zur Freude meines Vaters. Nach dem Ende meines Studiums drängte mich meine ganze Familie zu einer arrangierten Hochzeit und einer Karriere in der Verwaltung, wozu ich überhaupt keine Lust hatte. Warum sollte ich mich an eine Frau binden, wenn ich jede Woche eine neue haben konnte und wozu sollte ich mir den ganzen Tag lang sinnlose Besprechungen anhören, die zu nichts führten? Außerdem hatte man die ganze Zeit die Skandalreporter an den Hacken und wurde rund um die Uhr von den großen Medien überwacht und kontrolliert. Ein einziges lustiges Partyfoto von mir, sichert einem Reporter den Lebensunterhalt für Jahre und mir eine stundenlange Strafpredigt von Vater und Großmutter, wobei Letzteres deutlich unangenehmer ist. Ich kenne keinen, der keine Angst vor Großmutter hat, wenn sie so richtig in Fahrt kommt und kein Blatt vor dem Mund nimmt. Vor allem kann sie sehr nachtragend und rachsüchtig sein. So hat sie durchaus schon öfter die eine oder andere hoffnungsvolle Karriere eines aufstrebenden jungen Beamten auf einem finsteren, von Hinterwäldlern bewohnten Dschungelplaneten beendet. Die Tatsache, dass ich ihr völlig unbefangen und nur mit einem Minimum an Respekt gegenübertrete, hat mich erstaunlicherweise, zu einem ihrer Lieblingsenkel gemacht.

Irgendwie sah ich mich gezwungen, oder auch genötigt, eine Entscheidung über meine weitere Zukunft zu treffen. Zum ersten Mal in meinem Leben tat ich etwas völlig Selbstständiges und verpflichtete mich, nach meinem erfolgreichen Studienabschluss, als Offizier der Raumflotte zu einer zweijährigen Offiziersausbildung und anschließendem zehnjährigem Truppendienst. Das war eine Alternative und Berufslaufbahn, die mir durchaus offenstand. Mein Vater unterstützte mich und sorgte dafür, dass ich meinen Dienst anonym antreten konnte.

Das Leben an der Offiziersschule nach Dienstablaufplan ließ mir, genau wie allen anderen, kaum noch Zeit für Aktivitäten außerhalb des Dienstplans. Am Anfang hatte ich große Probleme mich unterzuordnen und Befehlen, die aus meiner Sicht völlig sinnlos waren, Folge zu leisten. Mehrmals musste ich zu Aussprachen beim Kompaniechef antreten, einem altgedienten Truppenoffizier, der hier seine Altersteilzeit absaß. Er machte mir unmissverständlich klar, dass man erst dann Befehle geben kann, wenn man gelernt hat, selber welche zu befolgen. Darüber konnte ich dann eine Woche lang beim gründlichen Toilettenreinigen, dem ich mich stundenlang in der knapp bemessenen Freizeit widmen musste, nachdenken.

Danach wollte ich nicht mehr unbedingt aus der Gruppe hervorstechen, auf der Suche nach Sonderaufgaben und Bestrafungen. Aber da ich durch mein jahrelanges Kampfsporttraining und mit den genetisch implantierten Verbesserungen mit allen körperlichen Anforderungen, im Gegensatz zu vielen anderen Anwärtern, problemlos fertig wurde, gewöhnte ich mich allmählich an die Abläufe.

Die Ausbildung war sehr anspruchsvoll, aber besonders in den taktischen Fächern glänzte ich, weil ich mich schon in meinem absolvierten Studium für Militärgeschichte begeistert hatte.

Nach dem ersten halben Jahr mussten nach den ersten Zwischenprüfungen fast 30 Prozent der Kadetten die Akademie verlassen, da gab es keinen Bonus – für niemanden. Ich gehörte zu den besten 10 Prozent des Jahrgangs und das war etwas, das ich ganz allein erreicht hatte. Der Großteil meiner Familie hatte jedoch auf ein anderes Ergebnis gehofft.

Trotz der enormen dienstlichen Belastung gab es natürlich, da es sowohl Männer als auch Frauen an der Akademie gab, die ein oder andere flüchtige Liebesbeziehung. Hier musste ich mich auch noch anstrengen, weil ja niemand wusste, wer ich in Wirklichkeit war. Die Tatsache, dass alle den gleichen Ausbildungsstress hatten und die gleichen Dinge erlebten, führte dazu, dass man sich schnell näher kommen konnte. Dank meines guten Aussehens, meines durchtrainierten Körpers und meiner Leistungen, waren die Offiziersanwärterinnen, auch wenn sie nicht gerade Schlange standen, mir gegenüber jedenfalls nicht gänzlich abgeneigt.

Allerdings floss die meiste Energie in die Ausbildung, neben den theoretischen Vorlesungen wurden wir mit dem umfangreichen Training in verschiedenen Simulatoren konfrontiert. Alle lernten den Umgang mit Shuttles, zumindest im Simulator, und den verschiedenen Stationen in den größeren Schiffen. Niemand war davon begeistert, dass auch auf eine grundlegende Infanterieausbildung Wert gelegt wurde.

Ein Highlight in der Ausbildung nach dem ersten Jahr war das Überlebenstraining. Man wurde als kleine Gruppe von einem Hubschrauber in der Wildnis abgesetzt und musste sich zwei Wochen alleine durchschlagen und von den Dingen leben, die man ohne Hilfe von außen fand. Man musste außerdem noch jeden Tag eine größere Strecke überwinden und sich an bestimmten Kontrollpunkten per Funk melden. Ich hätte nie geglaubt wie aggressiv man wird, wenn man längere Zeit gar nicht oder nicht genug zu essen bekommt. Als wir am vierten Tag des Marsches am Lagerfeuer saßen und sich meine vier Kameraden um ein Stück von dem Kaninchen stritten, das wir zufällig erbeutet hatten, gab es einen heftigen Streit. Mit viel Selbstbeherrschung und Überredung konnte ich verhindern, dass wir übereinander herfielen und um dieses mickrige Stück Fleisch kämpfen. Die Flotte vertraut keinem Offizier Menschen und Raumschiffe an, der bei der ersten größeren Belastung durchdreht und die Kontrolle verliert. Zum Glück bestand ich auch diese Bewährungsprobe.

Im letzten halben Jahr verliebte ich mich zum ersten Mal ernsthaft. Es gab eine wirklich attraktive, bildhübsche, schwarzhaarige, hochgewachsene Mitschülerin mit einem unglaublich markanten Gesicht. Ihr Name war Iris und sie gehörte zu alledem noch zu den Besten der ohnehin kleinen Gruppe elitärer Anwärter. Diese zielstrebige Offiziersschülerin hatte sich von allen Beziehungen zu Männern oder Frauen ferngehalten und sich den Spitznahmen Stählerne Jungfrau redlich verdient. Meine Kameraden waren alle der Meinung, wenn es einer schaffte sie von den Vorzügen der Liebe zu überzeugen, wäre ich es. Viele meiner Kameraden waren schon mit dem einen oder anderen Versuch gescheitert. Irgendwann fand ich die Sache aber interessant und begann meine Verführungskünste auszuprobieren, dehnen sie aber problemlos widerstand.

An jedem Wochenende hatten wir einen Tag Ausgang, entweder von Freitagabend auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag. Nur alle vier Wochen hatten wir ein verlängertes Wochenende frei zur Verfügung. Die wenigsten hatten Geld für ein Hotelzimmer, aber ich hatte ein Penthouse gemietet. Ein kleines Luxusapartment mit drei Zimmern, das ich, wenn ich Dienst hatte, den Kameradinnen und Kameraden aus meiner Ausbildungseinheit großzügig zur Verfügung stellte, was mich durchaus beliebt machte. Meine Kameraden erklärte ich, dass meine Eltern reich seien. Endlich konnte ich meine Angebetete mit einer Karte für ein Konzert einer sehr populären Band zu einem unverbindlichen gemeinsamen Kulturabend überreden. Anschließend gingen wir exklusiv essen und unterhielten uns. Sie war genauso wie ich an Geschichte interessiert und gab sich sehr souverän und selbstsicher. Sie war außergewöhnlich und konfrontierte mich schließlich mit dem Verdacht, dass ich sie nur rumkriegen wolle, weil ich auch einen gewissen Ruf hätte, an einer flüchtigen Beziehung sei sie aber nicht interessiert. Kurzzeitig war ich sprachlos, was bei mir eigentlich nicht häufig der Fall ist. Also versuche ich es mit der Wahrheit:

»Du hast recht, aber ich finde dich unglaublich interessant und attraktiv, du bist eine außergewöhnliche, einzigartige Frau. Wenn du willst, können wir es mit einer Beziehung versuchen.«

»Sagst du das nicht zu jeder?«

»Nein, du bist die Erste. Das habe ich noch nie einer Frau angeboten. Du kannst in Ruhe darüber nachdenken. Aber wir können auch gerne in ein Apartment verschwinden, falls du es dir anders überlegst. In einem halben Jahr gehen wir in die Truppe und dann wird es wirklich gefährlich … vielleicht verpasst du ja etwas?«

Sie legte den Kopf zu Seite und schaute mich ganz komisch an: »Ich weiß nicht, ob es dir wirklich ernst ist, aber wenn du mich verarscht und bloßstellst, lasse ich dir die die Eier abschneiden. Du kannst auch noch mal in Ruhe darüber nachdenken, aber wenn wir uns jetzt aufeinander einlassen, dann gibt es für dich im nächsten halben Jahr keine andere Beziehung und nichts von uns wird je öffentlich diskutiert.«

Da war ich schon wieder sprachlos und brauchte eine Weile, um eine geeignete Antwort zu finden: »Ich habe noch nie eine Beziehung über ein halbes Jahr geführt. Heißt das jetzt, dass du mir wehtust, wenn die Beziehung nicht einmal bis zur Abschlussprüfung hält, oder heißt das, solange wir eine Beziehung haben, ist die streng monogam?«, frage ich sie amüsiert.

»Na gut, Letzteres«, meinte sie jetzt lachend. »Aber wenn du mich lächerlich machst, kann es schlimm für dich ausgehen.«

»Ich habe zwar einen gewissen Ruf, aber ich habe noch nie eine Kameradin lächerlich gemacht«, sagte ich ernst.

»Stimmt, ich habe es überprüfen lassen«, meinte sie mit einem breiten Grinsen. »Was meinst du, kannst du dir eine Beziehung mit mir vorstellen?«

Ich bin nicht naiv und die unzähligen gesellschaftlichen Verpflichtungen, die meine Abstammung mit sich bringt, haben mir durchaus etwas Menschenkenntnis eingebracht, die sie mir wahrscheinlich nicht zutraute. Sie war definitiv inkognito an der Schule und stammte aus einer einflussreichen Familie. Ich war ihr aber noch nie offiziell begegnet und mir wurden bereits alle heiratsfähigen Töchter der obersten tausend Familien vorgestellt. Also stammte sie aus einer nicht ganz so einflussreichen, aber sehr aggressiven Familie, wenn ich mir ihre selbstsichere Körperhaltung und das Auftreten so anschaute. Eigentlich war sonst ich derjenige, der in solchen Situationen die Kontrolle hatte. Für derartige Begegnungen gibt es klare Anweisungen meines Vaters. Ich hätte umgehend den Palastschutz konsultieren sollen. Aber ich war jung, seit zwei Wochen solo und ich wollte sie! Die erste Frau, die mir anscheinend gewachsen war. Vielleicht war es ja doch einmal interessant, sich mit einer Partnerin länger als zwei Monate, meinem bisheriger Rekord, einzulassen. »Was passiert, wenn ich jetzt Ja sage. Wie stellst du dir eine Beziehung vor?«

Sie überlegte. »Wir verbringen unsere Freizeit zusammen und wenn wir uns näher kennengelernt haben, können wir auch etwas intimer werden, unter Berücksichtigung des Aspektes, dass ich noch Jungfrau bin und es bis zu meiner Hochzeit auch bleiben möchte.«

»Was, kein Sex?«, frage ich schockiert und schaute etwas frustriert. Sie lachte. »Genau, das hatte ich mir gedacht. Du bist wie alle nur an einem wirklich interessiert.«

Um etwas von meiner unbedachten Reaktion abzulenken antworte ich selbstbewusst: »Kleiner Scherz, wir können es gerne langsam angehen lassen und ich werde alles, was zwischen uns passiert, für mich behalten. Ich lasse mich allerdings nicht unter Druck setzen und wenn es nichts wird, musst du es akzeptieren.« Ich lehnte mich vor, zufrieden mit mir, dass ich den Spieß scheinbar umgedreht hatte.

»Du bist aber wirklich von dir eingenommen. Alle anderen wären an dieser Stelle ausreichend abgeschreckt«, entgegnet sie mir und gab mir einen keuschen Kuss.

Von da an trafen wir uns regelmäßig. Sie war ungeheuer ehrgeizig und ich merkte, wie viel Zeit sie für das Studium aufbrachte. Erstaunlicherweise verbesserten sich meine Leistungen in den theoretischen Fächern, weil ich gezwungenermaßen mitlernen musste. Aber auch sie profitierte von meinen mathematischen und taktischen Begabungen und meinen hervorragenden Leistungen in diesem Bereich. Außerdem trainierte sie regelmäßig Kampfsport und da wir diese Leidenschaft teilten, legten wir unsere Trainingseinheiten zusammen.

Kurz vor den Prüfungen gehörten wir plötzlich zu den Kandidaten für die zehn Jahrgangsbesten, die für eine Laufbahn als taktischer Offizier und Kommandeur eines Raumschiffs infrage kamen. Meine sexuelle Frustration hatte inzwischen zwar kosmische Ausmaße angenommen, aber in den letzten 100 Jahren hatte kein Familienmitglied je den Ehrgeiz entwickelt, so etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Meine Familie traute mir zwar den Abschluss an der Akademie, die jedes Jahr fast 500 Offiziere ernannte, zu, aber einen Abschluss unter den Jahrgangsbesten und der Start in eine Kommandeurslaufbahn – das war weit jenseits des Vorstellungsvermögens aller meiner Verwandten. Das würde zu erheblichen Wellen im Familiengefüge führen. Alle rechneten damit, dass am Ende meiner Ausbildung der Palast stolz das erfolgreiche militärische Engagement des Kaiserhauses verkünden würde und ich mit viel Lob für zwei Jahre auf einen Adjutanten-Job in der Hauptstadt abgeschoben werden könnte. Ungeschriebenes Gesetz war aber auch, dass nur die erbrachte Leistung einen Offizier für eine taktische Laufbahn qualifizierte und niemand, egal welcher Herkunft, protegiert werden durfte.

Mit einem Mal packt mich der Ehrgeiz. Die Beziehung mit Iris war auch etwas, was ich so bisher nicht kannte. Wir hatten ein sehr vertrautes freundschaftliches Verhältnis, ich wollte es auf keinen Fall riskieren das zu zerstören, gerade in dieser entscheidenden Phase unserer Ausbildung. Trotzdem überkam mich häufig ein unheimliches Verlangen, wenn ich sie nur ansah.

An einem Samstag kurz vor den Prüfungen lernten wir gemeinsam in dem Penthouse, das ich gemietet hatte. Nach zwei Stunden Lernen machten wir eine Stunde Sport und büffelten dann noch einmal zwei Stunden. Zum Abendessen bestellte ich asiatisches Essen aus einem Luxusrestaurant.

Iris fing an sich für meine Familie zu interessieren: »Wie kommt es eigentlich, dass du so mit Geld um dich schmeißen kannst?«

Man sollte, wenn man nicht die ganze Wahrheit erzählen kann, immer nahe an der Realität bleiben, also antwortete ich: »Meine Eltern sind geschieden und meine Mutter hat bei der Scheidung sehr viel Geld bekommen. Irgendwie hat sie ein schlechtes Gewissen und unterstützt mich immer großzügig, unabhängig von meinem Vater, der meine ganze Ausbildung finanziert. Zum Glück reden meine Eltern nicht miteinander, sonst wüssten sie, dass ich von beiden Geld bekomme. Und was macht deine Familie?«

»Sie sind sehr konservativ, sehr reiche Landbesitzer«, antwortete sie langsam.

»Hast du noch Geschwister?«

»Ja, zwei kleine Brüder.«

»Wegen deiner Familie willst du unbedingt Jungfrau bleiben?« Sie nickte. »Ich habe es meinem Vater versprochen.«

»Es gibt da durchaus Möglichkeiten«, sage ich jetzt und setze ein treudoofes Grinsen auf.

Sie nickte. »Ich habe mich auch schon weitergebildet und mir verschiedene Filme angeschaut.«

»Du guckst Pornos? Ich bin entsetzt«, entgegne ich noch breiter grinsend.

Sie lachte und endlich wurden meine Hoffnungen erhört: »Ich würde ja gerne einige Sachen ausprobieren, aber ich habe Angst, dass ein Unfall passiert. Vielleicht überlege ich es mir ja, wenn du dich ans Bett fesseln lässt und ich die Kontrolle habe.«

»Und was schwebt dir da so an Experimenten vor?« Ich war jetzt wirklich interessiert.

Da wurde sie rot, überlegte, räusperte sich und meinte mit belegter Stimme: »Zum Beispiel Oralsex, natürlich gegenseitig. Oder kennst du dich damit nicht aus? Ich habe da so gewisse Gerüchte von verschiedenen weiblichen Kommilitonen gehört.«

Für mich ging das Gespräch endlich in die richtige Richtung und ich tastete mich vorsichtig weiter: »Ich habe da vielleicht ein wenig mehr Erfahrung als du sammeln können, aber ich habe mich noch nie ans Bett fesseln lassen. Meinst du denn, deine umfangreichen Studien lassen sich in der Praxis anwenden?« Ich bemühte mich, nicht noch mehr zu grinsen.

»Na klar, ich habe schließlich gestern erst an einer Banane geübt.« Jetzt lachte ich laut und hoffnungsvoll: »Das hört sich sehr beruhigend an. Unter diesen Umständen könnte ich mir sogar vorstellen, mich von dir gefangen nehmen zu lassen.«

Sie war nun auch ganz aufgeregt: »Na, dann zieh dich mal aus.« Nach dem Sport hatte ich geduscht und kam ihrer Aufforderung mit Begeisterung nach.

»Hm, das ist also das Stück der Begierde«, sagte sie und griff an meinen mächtig geschwollenen Penis. »Na los, leg dich aufs Bett, vorher ziehe ich mich nicht aus.«

Ich legte mich nackt in die Mitte und sie band meine Beine zusammen, an den Fußrahmen, und dann meine beiden Handgelenke so an das Kopfteil, dass ich die Hände noch bewegen konnte.

»Jetzt kannst du dich nicht mehr wehren«, sagte sie und verschwand im Bad.«

Naja wenn man von meinen geheimen Waffenimplantaten absah, stimmte das. In der linken Hand hatte ich ein ausfahrbares Keramikmesser mit einer monomolekularen Klinge, die ausfuhr, wenn ich mit meinen Zähnen eine spezielle Signalsequenz klapperte. Dann noch zwei Kontrollfragen und die Klinge schoss aus meinem Mittelhandknochen – sehr schmerzhaft, für alle Beteiligten. Aus dem rechten Handknochen konnte ich kleine Projektile abfeuern, die das Nervengift Sarin freigaben. Der Vorteil war, dass es ein sehr gutes Gegengift gab, das in dem Fall automatisch in meine Blutbahn freigesetzt würde. Es tötet alle Anwesenden in großem Umkreis, eine furchtbare Sache, gegen die ich mich lange gewehrt habe. Dann gab es noch drei verschieden aktivierbare Alarmmodule für den Palastschutz.

Aber ich schüttele meine paranoiden Gedanken ab. Als Iris aus dem Bad kam, nackt, mit einem Badetuch um den Körper, hatte ich nur noch Augen für sie. Sie ließ gekonnt das Handtuch fallen, legte sich neben mich und küsste mich. Mit zwei Fingern spielte sie an meiner Brustwarze herum. Dann ließ sie mich an ihrer Brust lecken und knabbern, was ihr sichtlich gefiel.

»Wollen wir uns jetzt gegenseitig lecken?«, fragte sie heiser.

»Nein, hock du dich erst einmal über mich.« Ich will zuerst sie kosten.

Sie hockte sich breitbeinig über mich und hielt sich mit einer Hand am Kopfende des Bettes fest. Ganz vorsichtig ließ ich meine Zunge an ihrem Kitzler kreisen – leider schmeckte sie noch etwas nach Duschgel. Ihren Unterleib hielt sie an meine Lippen und ihre Brüste drückt sie in meine Hände. Mit einer Hand griff sie in meine Haare und dann fing sie an, sich an meinem Mund zu reiben. Jetzt wurde sie richtig feucht und ich schmeckte ihr Verlangen. Ich knetete ihre Brustwarzen etwas stärker, was sie aufstöhnen ließ. Sie begann zu zucken und leise zu kreischen; schließlich ließ sie sich neben mir ins Bett fallen.

Mein Gesicht war von ihrem Sekreten bedeckt und statt auf den Mund küsste sie mich auf die Stirn. Ihre Hand spielte jetzt mit meinem Schwanz und meinen Hoden. Sie holte ein Kondom mit Erdbeergeschmack hervor und zog es mir über mein schon schmerzhaft pochendes Glied. Dann begann sie zu saugen und zu lutschen. Da müssen wir noch ein bisschen üben, dachte ich mir, war aber so erregt, dass es mir nach kurzer Zeit kam. Schweren Atems lagen wir nebeneinander und sie rieb sich noch etwas an mir.

»Na, willst du noch mal?«

»Nur, wenn du mir einen Kuss auf den Mund gibst.«

Sie lachte, stand auf und holte eine Schüssel mit Wasser. Sie wusch mir Gesicht und Penis, danach holte sie eine kleine Flasche Sekt und eine Tafel Schokolade. Sie hatte ziemlichen Spaß, mich in meinem hilflosen Zustand zu füttern.

Nach diesem kurzen Intermezzo regte sich wieder etwas bei mir, was sie sehr erfreute. Sie stülpte mir ein neues Kondom über und wir trieben es in der Neunundsechziger-Stellung, brachten uns noch einmal zum Höhepunkt. Dann machte sie mich los und kuschelte sich an mich.

Ich war rundum zufrieden und entspannt und sagte ihr, dass es mir jetzt viel besser ginge, worauf sie anfing zu kichern, bis wir beide lauthals lachten.

Das war in der Prüfungszeit jedoch der letzte Ausgang und in der Kaserne war man nie alleine. Leider.

Die Prüfungen liefen ausgesprochen gut. Es waren praktische Aufgaben, in denen wir an Simulatoren verschiedene Szenarien durchspielten und an Stationen die Funktionen des jeweiligen Offiziers übernehmen mussten. Es fing mit Routineaufgaben an und endete bei komplizierten taktischen Situationen, mit denen man als wachhabender Offizier konfrontiert werden konnte.

Ich schlug mich dank des intensiven Lernens sehr gut und machte mir Hoffnungen auf einen vorderen Platz im Ranking. Wegen Durchfallen und daraus resultierenden Nachprüfungen hatte ich überhaupt keine Sorgen. Ich war sehr zeitig mit allem fertig und Iris kurze Zeit nach mir ebenfalls.

Jetzt wollten wir unbedingt ein langes, stressfreies Wochenende im Anschluss an die Prüfungen genießen. Iris tat ganz verliebt, fuhr mich mit ihrem Auto an den Stadtrand und bog in die Auffahrt eines Luxusanwesens ein. Es gehörte der diplomatischen Vertretung eines kleinen, weniger entwickelten Planeten unseres Kaiserreichs. Allerdings führten sie im Senat eine republikanische Partei an, die meiner Großmutter seit Jahren ein Dorn im Auge war, insbesondere der korrupte schmierige Präsident des Systems war einer ihrer politischen Lieblingsfeinde.

Iris lächelte, als sie mich in ihr kleines Geheimnis einweihte: »Jetzt lernst du meine Eltern kennen. Mein Vater ist der Präsident einer kleinen aufstrebenden und erfolgreichen Welt.«

Ich wurde kalkweiß und mir entglitten die Gesichtszüge.

»Damit hast du überhaupt nicht gerechnet«, sagte sie lachend.

Neben der Auffahrt stand ein Wachgebäude; ein schmucker Offizier wollte eine Identifikationsüberprüfung vornehmen. Ich überließ ihm einen Blutstropfen für eine DNA-Analyse – nun war es endgültig vorbei, mit meiner kleinen Vorführung. Den Test kann man nicht manipulieren und Blut lügt nicht, meine wahre Identität tauchte auf. Ich musterte den Offizier streng und forderte: »Außer ihrem Patron erfährt das niemand.«

Dann bat ich Iris den Wagen anzuhalten und zu Fuß mit mir zum Haus zu gehen, ich wolle ihr noch etwas mitteilen. Sie schaute mich hoffnungsvoll und mit großen Augen an.

Ich seufzte, überlegte wie ich es sagen sollte und fing stockend an: »Leider war ich auch nicht ganz ehrlich zu dir und egal, was du von mir hörst, ich bin immer noch der gleiche junge Mann, den du kennengelernt hast und der dich wirklich mag, aber … ich bin ein Prinz und meine Großmutter ist die Kaiserin.«

Jetzt entglitten Iris die Gesichtszüge. »Das ist nicht dein Ernst? In den Augen meiner Familie seit ihr alle dumm, eingebildet und degeneriert.«

Ich versuchte den Seitenhieb zu ignorieren. Meine Gedanken überschlugen sich bei dem Versuch, einen Ausweg aus diesem Fiasko zu finden. »Auch wenn das auf einige meiner lieben Verwandten zutreffen mag, darfst du auf keinen Fall meine Großmutter unterschätzen! Also ich nehme mal an, das sind die letzten Minuten, die uns bleiben, bevor wir uns vor deiner Familie rechtfertigen müssen. Entweder wir verloben uns jetzt, ignorieren unsere Herkunft komplett und sehen uns nur als die Menschen, die sich kennen und lieben gelernt haben, oder wir sehen uns nie wieder. Wenn unsere Familien diese Beziehung nur als kleine Liebschaft ansehen, endet das Ganze noch vor Sonnenuntergang in einem politischen Skandal.« Das war eher eine spontane Eingebung von mir, die aber noch mächtige Wellen schlagen sollte.

Iris überlegte kurz und schien zu zweifeln: »Darfst du das denn überhaupt?«

Da war ich mir selbst nicht so sicher, immerhin war das in meinem Fall ein halber Staatsakt. »Naja, Großmutter kann ihre Einwilligung versagen, dann bedeutet das für mich das Ausscheiden aus der Thronfolge und ich würde endgültig zum schwarzen Schaf, sollte ich mich wirklich über ihren Willen hinwegsetzen.«

»Das würdest du für mich riskieren und alles aufgeben?«, fragte sie überrascht und mit hoffnungsvollem Blick.

»Natürlich nur, weil ich so dumm und degeneriert bin«, erklärte ich ihr, bevor ich sie küsste. Dann nannte ich ihr noch schnell meinen richtigen Namen mit Titel.

Sie nahm meine Hand und wir schlenderten zum Haus, wo ein kleiner, zur Fülle neigender Mann mit hochrotem Kopf aus dem Säuleneingang geschossen kam. »Halt dich zurück!«, hörte ich eine bildhübsche Frau hinter ihm herrufen. Zum Glück kommt Iris nach ihrer Mutter, dachte ich noch, dann blieb er schon wutschnaubend vor uns stehen.

Iris begrüßte ihn unschuldig – mit dem strahlenden Lächeln einer Tochter, die ihrem Vater fast jeden Wunsch abverlangen könnte, spielte sie unseren einzigen Trumpf aus: »Darf ich dir meinen Verlobten vorstellen, Vater? Prinz Alexander von Asgard, ein Offiziersschüler und Kamerad, den ich schätzen und lieben gelernt habe.«

Ihre Mutter fiel fast in Ohnmacht und ihr Vater keuchte: »Habt Ihr etwa meine Tochter entehrt?«

»Natürlich nicht, ich bin ein kultivierter Prinz«, entgegnete ich selbstbewusst. »Wollt Ihr mich nicht erst einmal hereinbitten, bevor Ihr dem Enkel der Kaiserin unsittliches Verhalten unterstellt?«

»Ich bitte um Entschuldigung, Exzellenz.« Es heißt zwar Hoheit, aber darauf wollte ich mal lieber nicht herumreiten.

»Weiß die Kaiserin überhaupt davon?«, fragte er mich in dem Versuch, seine Wut zu verbergen.

»Ist es nicht befriedigend für Euch, wenn Ihr auch einmal etwas als Erster wisst?«

Sie baten mich notgedrungen herein und verschwanden erst mal mit ihrer Tochter.

Ihre beiden kleinen Brüder, die ungefähr zehn und elf Jahre alt waren, kamen jetzt ins Wohnzimmer gerannt und schauten mich an, als ob ich ein Außerirdischer wäre.

»Bist du wirklich ein Prinz?«, fragte mich schließlich der Jüngere. »Klar« entgegnete ich, »aber ich werde Offizier und bald kommandiere ich ein Raumschiff.«

»Das können aber nur die allerbesten Absolventen!«, meinte der eine von beiden neunmalklug.

»Da gehören eure Schwester und ich natürlich mit dazu.«

Da kam ihre Mutter herein und verscheuchte die beiden Jungs. »Wie kommt es, dass eure Familie nichts von der Beziehung zu meiner Tochter weiß?«, wollte sie wissen.

Ein Diener brachte Kaffee und etwas Gebäck.

»Weil wir beide aus Sicherheitsgründen anonym auf der Akademie sind und wir unsere wahren Identitäten erst vor Kurzem herausgefunden haben.«

»Aber warum erfahren wir es jetzt als Erste?« Sie war hartnäckig und ließ sich nicht abwimmeln.

» Es ist bei Ihnen bestimmt deutlich unproblematischer, als bei meinem Vater und meiner Großmutter.«

Sie lächelte und tat verständnisvoll: »Ich zweifle nicht an Euren Absichten und habe für Eure Liebe großes Verständnis, aber seit Ihr sicher, dass Ihr den enormen Druck aushaltet, mit dem Ihr jetzt konfrontiert werdet?«

»Den habe ich in jedem Fall, wenn ich nicht die hirnlose Schachtel heirate, die mein Vater und meine Großmutter aus politischen Gründen für mich ausgewählt haben«, sagte ich frech und hoffte, so das Eis zu brechen.

Sie machte eigentlich einen netten Eindruck und wir unterhielten uns noch über belanglosen Klatsch und Tratsch am Kaiserhof.

Nach einem ziemlich förmlichen Mittagessen kam ein Diener herein und übergab mir eine Karte mit der Aufforderung von meinem Vater, mich sofort in den wartenden Wagen vom Palastschutz zu begeben. Der Vater von Iris sah mich kritisch an. »Jetzt weiß es meine Familie ebenfalls. Ich muss leider gehen.«

Wir verabschieden uns förmlich und ich gab Iris noch einen Kuss. Dann ging ich und kam dem Willen meines Vaters nach, weil ich es nicht noch schlimmer machen wollte, als es schon war. Das Wochenende hatte ich mir wirklich anders vorgestellt.

Der Flugwagen brachte mich umgehend in die Residenz meines Vaters und ich musste im Vorzimmer fast eine Stunde warten, bevor er seine laufende Besprechung beendet hatte. Dann schickte mich seine Sekretärin in sein Arbeitszimmer und gab mir noch einen tröstenden Blick mit auf den Weg.

»Hallo Vater.«

Er ging nervös vor seinem Schreibtisch auf und ab und schaute mir schließlich in die Augen. »Na, was hast du nun schon wieder angestellt? Was hattest du eigentlich in der ausländischen Vertretung zu suchen?«

»Die bezaubernde Tochter des Präsidenten ist ebenfalls auf der Akademie. Wir haben uns ineinander verliebt und wollen heiraten.« Da wurde er blass und schnappte nach Luft. Ich hatte ihn trotz all meiner jugendlichen Sünden nie so schockiert, dass er die Fassung verlor. Ich schob ihm erschrocken einen Stuhl hin, damit er sich setzen konnte. »Ich habe das nicht mit Absicht getan, ich wusste nicht wer sie ist, aber es ist meine erste große Liebe und ich hoffe, du verstehst mich.«

»Das ist wirklich dein Ernst?«

Ich nickte. »Nimm es nicht so schwer«, tröstete ich ihn. »Zum ersten Mal kannst du wirklich stolz auf mich sein. Ich bin einer der Jahrgangsbesten auf der Akademie und schlage die Laufbahn als taktischer Offizier und Kommandant ein. Das ist völlig unabhängig von meinem bisherigen Status als Prinz. Der behindert mich eher in meiner Karriere. Sei doch froh, dass ich so zielstrebig, engagiert, intelligent und erfolgreich bin. Ich habe mein Leben alleine in den Griff bekommen und komme völlig unabhängig von meiner Familie voran.«

Mein Vater wurde noch blasser. »Ist das auch wirklich wahr? Du erzählst kein Märchen?«

»Das habe ich dir folgsam alles geschrieben. Sag nicht, dass dich meine Erfolge an der Offiziersschule bisher nicht interessiert haben.« Zur Abwechslung versuche ich auch einmal einen Punkt zu landen.

»Ich habe das für deine übliche, großspurige, arrogante Angeberei gehalten«, gab mein Vater zu, »aber das kläre ich sofort.« Er geht kurz hinaus.

Gleich werde ich wissen, wie ich bei den Prüfungen abgeschnitten habe.

Als er ins Zimmer zurückkommt schaut er sehr nachdenklich. »Du bist tatsächlich einer der beiden Jahrgangsbesten und deine Verlobte ist die Achtbeste.« Er schüttelt den Kopf und ich grinse selbstzufrieden.

»Dann ist ja alles gut«, folgere ich in meiner jugendlichen Naivität. Mein Vater ist in seiner Jugend auch aus dem üblichen Palasttrott ausgebrochen und hat einige Jahre erfolgreich ein Unternehmen geleitet. Eigentlich müsste er mich verstehen.

»Du weist gar nicht, in was für politische Schwierigkeiten du uns damit bringst. Die Sicherheitslage ist nach Jahren der Stabilität zunehmend angespannt. Es gibt Probleme mit der Südlichen Republik und dein Schwiegervater in spe kontrolliert ein strategisch wichtiges, aber wirtschaftlich unbedeutendes System und will sich das teuer subventionieren lassen. Glaubst du, es ist etwas arrangiert worden, oder hat jemand bei eurer Beziehung nachgeholfen?«

»Dass wir beide zu den Jahrgangsbesten gehören, extrem viel zusammen gelernt haben und uns dadurch nähergekommen sind, macht eine Verschwörung sehr unwahrscheinlich«, gebe ich zu bedenken. »Deine Großmutter wird ausflippen«, meint mein Vater mit einem süffisanten Grinsen. »Damit wischt du einen Haufen von ihren Winkelzügen und Plänen einfach vom Tisch. Du bist nun einmal ein wichtiger Teil der Familie und die politischen Probleme betreffen dich genauso, wie alle anderen. Nichtsdestotrotz bin ich stolz auf deine Leistung und lade dich zum Essen ein. Danach müssen wir leider sofort nach Asgard fliegen.«

»Aber ich muss zurück auf die Akademie«, entgegnete ich.

»Du bist offiziell entschuldigt, deine Prüfungen sind vorbei und ich habe dich soeben zu einem Familientreffen befohlen.«

»Und was wird aus Iris?«

»Sie und ihre Eltern erhalten ebenfalls eine Einladung zum Hof der Kaiserin.«

»Ich hoffe, du redest vor dem Empfang mit Großmutter, um sie von ihrem Glück zu informieren?«, frage ich mit etwas unsicherem Blick und versuche Medienberichte wie Blutbad zu Hofe aus meinem Kopf zu verbannen.

Vater grinste und entgegnet: »Also machst du dir doch Sorgen um Iris und vor allem um deinen Kopf. Jetzt gehen wir essen und du erzählst mir alles von dem Wunder der Akademie. Ich hätte ein derartiges Prüfungsergebnis wirklich nicht von dir erwartet. «

Danach flogen wir für drei Tage nach Asgard und direkt aus dem Orbit mit einem Shuttle in den Palast der Kaiserin.

Wir wurden mit allen Ehren empfangen und direkt in den Privatbereich meiner Großmutter geleitet. Dort lauerte sie schon auf uns wie eine schlecht gelaunte Klapperschlange. Sie war eine mittelgroße bildhübsche Blondine, die so aussah, als ob sie immer ruhig, überlegt und diplomatisch sei, aber sie war hochintelligent, verschlagen und konnte auch sehr jähzornig und nachtragend sein. Sie sah wie eine sehr attraktive Frau von Mitte 40 aus – ihr wahres Alter konnte man nur in ihren Augen sehen.

Wir begrüßten sie mit Küsschen und sie gratulierte mir zu meinem Erfolg an der Offiziersschule. Anscheinend wusste sie schon immer, dass in mir großes Potenzial steckte, aber mit so einem Erfolg hatte sie nicht gerechnet. Ich war eine wirkliche Freude für ihre alten Tage. Ihren Frust ließ sie daher an meinem Vater aus. Ein bisschen tat er mir leid.

Zum Glück ließ sich mein Vater von ihrem Gesäusel nicht täuschen und einlullen, denn ohne Vorwarnung fuhr sie ihn an: »Wie konnte das mit der Schlampe passieren? Sie hätte niemals zusammen mit meinem Enkelsohn anonym studieren dürfen. Das ist doch eine klassische Honigfalle und ein totales Versagen deiner Sicherheitsvorkehrungen.«

Mein Vater wurde rot, versuchte sich zu fangen und zu rechtfertigen: »Erstens war sie dort genauso inkognito wie dein Enkelsohn und das Spionieren an der Offiziersschule ist aus guten Gründen eingeschränkt. Zweitens hat sie sich sehr positiv auf das Lernverhalten und den Abschluss von Alexander ausgewirkt.«

Sie seufzte: »Nichts als Ärger. Kaum gibt es endlich einmal überraschende positive Nachrichten, wird einem alles gleich wieder vergällt.« Dann mustert sie mich kritisch, wie die Schlange kurz vorm Zuschlagen, blickte mir in die Augen und sagte knallhart: »Du musst sie nicht heiraten. Ich biete ihrem fetten korrupten Vater eine großzügige Finanzhilfe für seinen stinkenden Planeten, dafür würde der Kerl seine Tochter sogar in ein Bordell verkaufen, dann suchen wir dir etwas Passendes und sie kannst du als Mätresse behalten.« Ich war immer wieder beeindruckt, wie viel Boshaftigkeit meine Großmutter in einen einzigen Satz packen konnte. Ich merkte jetzt, dass ich an einem entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben angekommen war und beschloss, ausnahmsweise einmal nicht patzig zu sein, sondern überlegte kurz und gab mich konziliant: »Ach Großmutter, bitte versteh mich, bisher habe ich nur dumme Vorzeigepüppchen oder Möchtegernprinzessinnen kennengelernt und flachgelegt, aber Iris ist eine sehr gute, intelligente, vorzeigbare Offiziersschülerin. Ohne sie wäre ich nicht der Beste und sie wusste garantiert nicht, wer ich bin. Deswegen habe ich ein ernsthaftes Interesse an ihr. Sei bitte einmal nett und mach kein Drama aus der Sache. Ich weiß, dass du deswegen einen Haufen an politischen Verwicklungen lösen musst, aber bitte glaube mir, ich wäre dir wirklich sehr dankbar und verpflichtet, wenn du das für mich auf dich nehmen würdest.«

Nicht nur mein Vater schaute jetzt komisch, auch Großmutter sah verblüfft aus und dann lachte sie und strahlte mich an: »Donnerwetter, mein geliebtes Enkelsöhnchen, du hast dich noch besser entwickelt, als ich jemals gedacht und gehofft hätte. Du bist schon fast erwachsen und kannst deine Position sehr kultiviert und überzeugend vertreten.« Sie tätschelt meine Wange und mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. »Wir sehen uns später, lass mich noch fünf Minuten mit deinem Vater reden.«

Ich gab ihr artig einen Kuss auf die Wange und aus dem Blick meines Vaters entnahm ich, dass er mich liebend gern begleitet hätte. Ich konnte es mir nicht verkneifen: »So schlimm wird es nicht, Vater. Viel Spaß, ihr beiden.«

Meine Großmutter lachte, sie verstand meinen Humor.

Im Vorraum wurde ich sofort von ihren wunderhübschen Hofdamen um schwirrt. Sie waren beeindruckt, weil die Kaiserin so viel wie heute in den letzten Tagen nicht gelacht hatte. Da war sie leicht reizbar, flüsterten mir die Damen zu. Eine kleine höfliche Untertreibung. Dass die Ursache dafür vor ihnen stand, gab ich natürlich nicht zu.

»Macht euch keine Sorgen, ich hoffe, dass mein guter Abschluss als Offizier sie nachhaltig aufheitert.«

Das brachte mir noch einen Haufen Komplimente und Gekicher ein. Nur eine meinte nachdenklich: »Länger als einen Tag hält das nicht vor, dann kommt die nächste Katastrophe.«

Als mein Vater und seine Mutter aus dem Arbeitszimmer kamen, zuckten die Damen alle zusammen und widmeten sich gleich der Kaiserin. Die gab sich konziliant und erwähnte meine guten Leistungen an der Offiziersschule. Wenn man sie so erlebte, konnte man meinen, sie könne kein Wässerchen trüben, aber sie konnte auch anders.

Am Abend gibt es ein festliches Essen mit Großmutter, meinem Vater, meinen beiden Onkeln mit ihren Frauen und mit mir. Ich durfte anlässlich meines Erfolges sogar neben der Kaiserin sitzen. Großmutter lobte mich für meinen guten Abschluss der bewies, wie viel ein jedes Mitglied der Familie erreichen konnte. Wenn sich ihre beiden Schwiegertöchter nur ein wenig um ihre Kinder kümmern würden, dann könnte man noch viel mehr erreichen. Schlimm sei nur das Versagen der Sicherheitsvorkehrungen von meinem Vater. Dass ich diese Schlampe heiraten wolle, das könne man mir nun wirklich nicht zur Last legen.

»Liebe Großmutter, sie ist keine Schlampe, sondern ein engagierter erfolgreicher junger Offizier unserer Raumstreitkräfte und eine durchaus attraktive, sehr schöne, liebenswerte Frau. Nicht alle Kinder kommen nach ihren Eltern und Großeltern, wie du selber gerade erwähnt hast.«

Alle hielten den Atem an. Es war absolut unüblich, die freundlich gemeinten Tischmonologe der Kaiserin zu unterbrechen.

Meine Großmutter lächelte: »Schaut nicht so blöd, der Junge kann sogar im Gegensatz zu anderen Jammerlappen und Heulsusen kultiviert eine eigene Meinung vertreten, aus ihm wird mal etwas wirklich Großes. Alex, du bekommst deinen Willen. Jeder muss seine Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht selber machen. Aber erst in zwei Jahren«, setzte sie sofort mit eisernem Blick hinzu. »Ein halbes Jahr musst du dich als Leutnant bewähren und dann hoffentlich als taktischer Offizier und Kommandant. Das fördert unseren Rückhalt in der Truppe, darauf könnten wir noch angewiesen sein. Deine Verlobte wird meine Hofdame, sie muss noch etwas kultiviert werden, bevor sie meinen Lieblingsenkel heiraten kann. Und in zwei Jahren gibt es eine glanzvolle Hochzeit.«

Mein Onkel protestierte: »Aber ihr republikanischer Vater!« »Kontrolliert ein strategisch wichtiges System und wir haben seine Tochter«, fiel sie meinem Onkel ins Wort.

Außerdem würde der republikanische Gedanke deutlich zurückgeschraubt, wenn der Parteivorsitzende seine Tochter mit dem Kaiserhaus liiert. Ein fieser Hintergedanke, der meiner Großmutter dieses Zugeständnis versüßte.

Ich überdachte meine Optionen und glaubte, mehr sei nicht drin. Ich wollte jetzt auch erst einmal unbedingt meine militärische Karriere forcieren, für die ich so hart gearbeitet hatte. Schließlich werden wir ungefähr 250 Jahre alt und da konnte ich mir die zwei Jahre ruhig Zeit lassen, bis zu meiner Hochzeit, das war bei solchen Verbindungen durchaus üblich. »Danke liebe Großmutter du bist die Beste«, nahm ich ihren Vorschlag an und gab ihr noch freiwillig einen Kuss auf die Wange.

Sie strahlte bis über beide Ohren, aber meine beiden Onkel und ihre Frauen schauten etwas pikiert und nur meinem Vater sah man an, dass er stolz auf mich war.

Die Kaiserin war jetzt bester Laune; sie hatte ihr politisches Talent bewiesen und ihren Schwiegertöchtern und Söhnen die Leviten gelesen – da konnte man auch mal ein wenig Spaß haben. Der traute Familienabend ging noch ganz lustig zu Ende.

Am nächsten Vormittag empfing meine Großmutter Iris mit ihren Eltern im Thronsaal, zu einem offiziellen Empfang zusammen mit meinem Vater und mir. Der Saal in all seiner Pracht konnte und sollte ein wenig einschüchternd wirken. Der Vater von Iris schwitzte und alle drei verbeugten sich tief vor der Kaiserin, die ein hoheitliches Lächeln aufgesetzt hatte.

»Erhebt Euch, wir sind heute ganz ungezwungen zusammengekommen, weil mich mein Enkelsohn um die Zustimmung zur Verlobung mit Eurer Tochter gebeten hat, einer Verbindung, der ich durchaus ablehnend gegenüberstehe. Aber mein geliebtes, erfolgreiches Enkelkind hat mich so inniglich gebeten, dass ich zumindest einmal mit Euch darüber reden wollte.« Sie schaute die drei an, wie eine hungrige Klapperschlange die Frühstücksmäuse.

Ich musste mir ein Grinsen verkneifen, als ich sah, wie sich mein Schwiegervater in spe aus seiner Schockstarre wand.