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Der Autor beschreibt autobiographisch, authentisch und spannend die Höhen und Tiefen seines Medizinerlebens. Es werden zahlreiche Krankheitsbilder beschrieben, die von allgemeinem Interesse sind. Auf spannende und facettenreiche Weise werden u.a. seine Reisen als Stipendiant der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft nach Winnipeg in Kanada und die Arbeit an einem dortigen modernen Krankenhaus beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war er selbst erst Medizinstudent im 7. Semester und wurde bereits als Assistent eingestellt. Der Autor ist leidenschaftlicher Arzt und praktiziert noch mit 73 Jahren in einer Praxis bei Hannover. Geboren am 20.11.1943 in Erfurt wuchs Eberhard Rinne in Hannover auf. Er studierte Medizin in Göttingen, Wien und Innsbruck. 1970 wurde ihm die Approbation als Arzt erteilt. Im selben Jahr promovierte er. Seine Ausbildung zum Facharzt absolvierte Rinne in Hannover und kann sowohl auf eine Praxistätigkeit in Peine bis 2005 zurückblicken, als auch auf viele Praxisvertretungen und die Ausübung als Honorararzt in zahlreichen Kliniken. Seit einigen Monaten praktiziert er als Kassenarzt in Garbsen bei Hannover.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Dr. Eberhard Rinne
Impressionen eines Medizinerlebens
Eine spannende Autobiographie
AUGUST VON GOETHE LITERATURVERLAG
FRANKFURT A.M. • LONDON • NEW YORK
Die neue Literatur, die – in Erinnerung an die Zusammenarbeit Heinrich Heines und Annette von Droste-Hülshoffs mit der Herausgeberin Elise von Hohenhausen – ein Wagnis ist, steht im Mittelpunkt der Verlagsarbeit. Das Lektorat nimmt daher Manuskripte an, um deren Einsendung das gebildete Publikum gebeten wird.
©2017 FRANKFURTER LITERATURVERLAG
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Medien- und Buchverlage
DR. VON HÄNSEL-HOHENHAUSEN
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Lektorat: Alexandra Eryiğit-Klos
ISBN 978-3-8372-2071-1
Meiner Frau Doris
Inhaltsverzeichnis
Präambel
Die Reiseerlebnisse des Studenten Eberhard Rinne
Teil I
Teil II
Weitere Reiseerlebnisse des Eberhard Rinne
Teil III
Die andere neue Philosophieeines naturwissenschaftlichen Denkers
Teil IV
Meine weiteren Reiseerlebnisse
Teil V
Reise nach Tansania
Teil VI
Präambel
Dieses Buch soll zeigen, wie Kompetenzüberschreitungen des medizinischen Personals zu schweren Komplikationen im medizinischen Bereich führen können. Ebenso sollen die Aufgaben eines Honorararztes aufgezeigt werden, die vielfältigen Probleme im medizinischen Bereich zu lösen.
Es war ein trüber und regnerischer Tag Anfang Mai des Jahres 2010. Ich las etwas resigniert im Deutschen Ärzteblatt den Annoncenteil durch. Seit Mitte 2005 hatte ich meine Praxis in Peine aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Bis jetzt hatte ich mich nur mit der Lektüre von medizinischen Fachbüchern und mit medizinischer Fachliteratur beschäftigt. Die Art und Weise meiner Freizeitgestaltung füllte mich nicht aus und gab mir auch nicht die Befriedigung, etwas Sinnvolles zu tun. Meine Augen blieben an einer Annonce hängen und ich las die Stellenanzeige sehr sorgfältig. Die Ausschreibung einer Facharztagentur für die Vermittlung von Fachärzten weckte mein Interesse. Soweit ich es damals mitbekommen habe, vermittelte die Agentur sämtliche Facharztrichtungen. Ein Anruf sollte genügen. Wie bei allen wichtigen Entscheidungen, schlief ich erst einmal eine Nacht darüber.
Am nächsten Morgen ergriff ich den Telefonhörer und wählte die entsprechende Nummer. Eine freundliche Frauenstimme meldete sich am anderen Ende der Leitung und freute sich sehr über meinen Wunsch, wieder tätig sein zu wollen. Sie bat mich, sämtliche Zeugnisse und Unterlagen meiner ärztlichen Tätigkeit als Fotokopie zuzusenden. Sie war damals schon der Meinung, dass sie das Passende für mich finden würde.
Der Sommer begann sehr hoffnungsvoll und ich las viel auf unserer schönen Terrasse. Ich hatte meine Bewerbung bei der Fach-arztagentur schon fast vergessen, als abends das Telefon klingelte. Am Telefon war wieder die freundliche Frau, mit der ich schon einmal wegen der Bewerbung gesprochen hatte. Sie fragte mich, ob ich Lust hätte, in Schwerin in der Notaufnahme der Heliosklinik zu arbeiten. Wenn ich zusagen würde, müsste ich jedoch sehr bald anfangen.
Ich sagte natürlich sofort zu und besprach mit meiner Frau das weitere Prozedere. Dann packte meine Frau meine Koffer und gab mir die erforderlichen Sachen mit. Eigentlich war ich sehr gefasst und dachte mir nur, du wirst die neue Aufgabe schon meistern.
Ein strahlender, sonniger Montagmorgen begrüßte mich, als ich vor die Tür trat, um meinen Sportwagen mit meinen Utensilien zu beladen. Ich ergriff meine beiden Koffer und lud sie in meinen Wagen ein. Ich stieg in meinen Mercedes Benz ein und startete den 3-Liter-6-Zylindermotor. Zügig verließ ich meine Heimatstadt Hannover und fuhr Richtung Norden auf die Autobahn A7, um mein Ziel, Schwerin, zu erreichen. Ich öffnete das elektronische Verdeck meines Sportwagens und regulierte meine Geschwindigkeit bei circa 150 km/h ein. Die Autobahn war nicht sehr stark befahren, sodass ich mich entschloss, mein Tempo zu erhöhen. Dafür musste ich mein Verdeck schließen. Da ich ziemlich hungrig war, verließ ich die Autobahn bei Bispingen. Vor einer Gaststätte, die ich bereits von früher kannte, schloss ich mein Autodach. Das Essen mundete mir wie gewohnt sehr gut. Deutlich gestärkt verließ ich das Restaurant wieder. Ich fuhr zur A7 und beschleunigte meinen Sportwagen rasant auf der Beschleunigungsspur, bis ich ein Tempo von 220 km/h erreichte. Dann zog ich mein Auto mit einer Geschwindigkeit von 200 bis 220 km/h auf die Überholspur. Ich liebte solch hohe Geschwindigkeiten, ja, ich war fasziniert von einem schnellen Leben. Ich war mir bewusst, dass ein schnelles Leben auch sehr schnell zu Ende gehen konnte. Ich hasste Langeweile und Langsamkeit. Ich war immer ein entscheidungsfreudiger Mann gewesen. Diese Eigenschaft kam mir in der Notaufnahme zugute. Dort musste oft sehr schnell gehandelt werden, sonst verblasste das Leben eines todkranken Patienten schneller, als man handeln konnte.
Ich ließ bei meiner zügigen Fahrt Hamburg bald links liegen. Dann aber stoppten mich lange Baustellen auf der A1 und ich stand für eine halbe Stunde im Stau. Es ging sehr langsam voran, so konnte ich über meine Tätigkeit als Stabsarzt in Hamburg nachdenken. Es war eine unbeschwerte Zeit für mich, in der meine Aufgabe als Arzt darin bestand, Wehrpflichtige zu mustern. Ich brauchte praktisch nur vormittags zu arbeiten, und diese Arbeit war nicht sehr interessant und stellte für mich keine Herausforderung dar. Mein Vorgesetzter war ein kleiner, dicklicher Beamter, der ab und zu einen Blick in mein Zimmer warf und nur seine Nase rümpfte. Er gehörte genau zu der Sorte von Vorgesetzten, die ich liebte, und ich trat solchen Menschen immer massiv entgegen. Der Widerstand gegen unfähige Menschen zog sich wie ein roter Faden durch mein Berufsleben. Vorgesetzte, die wirkliche Führungskräfte waren, schätzte ich dagegen sehr, und ich nahm ihren Rat gern an. Als meine Zeit bei der Bundeswehr zu Ende war, verabschiedete ich mich vom Korvettenkapitän. Wir unterhielten uns sehr angeregt eine Stunde lang. Der Kapitän war über meine mäßige Beurteilung überrascht. Er wollte mein Arbeitszeugnis verbessern, aber ich verzichtete darauf, weil ich ein unverbesserlicher Pazifist war. Ich hatte nie vorgehabt, eine Karriere in der Bundeswehr anzustreben. Ich hatte den Eindruck, er war etwas enttäuscht.
Der Stau hatte sich inzwischen aufgelöst und meine Gedanken richteten sich wieder auf meine zukünftige Arbeit in der Notaufnahme der Heliosklinik in Schwerin. Ich verließ die A1 und schwenkte auf die Autobahn A24, auf die Fahrspur nach Berlin über Schwerin. Die Autobahn nach Berlin war in einem miserablen Zustand und ich musste meine Reisegeschwindigkeit auf 80 km/h drosseln. Kurz vor der Grenze zu den neuen Bundesländern rief die zukünftige Wirtin meiner neuen Unterkunft auf meinem Autotelefon an. Sie beschrieb mir den direkten Weg zu meiner neuen Wohnung. Auf ihren Rat verließ ich die A24 bei Hagenow und fuhr auf der Bundesstraße nach Schwerin, der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Ich lenkte mein Fahrzeug direkt in die Innenstadt, fuhr zweimal rechts herum und war in der von der Wirtin angegebenen Straße. Sie wartete bereits vor dem Haus, in dem ich wohnen sollte. Wir begrüßten uns sehr herzlich und sie zeigte mir mein Zimmer, das recht hell und gemütlich war. Weiterhin gehörte eine kleine Küche dazu. Das Haus war eine ehemalige Kapitänsvilla und sah, mit weißer Farbe übertüncht, ganz adrett aus. Am Nachmittag war ich dann doch neugierig und stattete meiner zukünftigen Arbeitsstätte einen Besuch ab. Die Fahrt ging über eine Umgehungsstraße durch Schwerin. Auf beiden Seiten standen vierstöckige Häuser, die gerade renoviert worden waren. Nach einer 20-minütigen Fahrt erreichte ich die Heliosklinik mit der Notaufnahme. Zurück ging die Fahrt am Schweriner See entlang und ich sah das prächtig renovierte Schweriner Schloss. Die kupfernen Dächer spiegelten sich in der untergehenden Sonne. Mir kam das Schloss wie ein Märchenschloss vor und ich fand es jammerschade, dass in diesem Schloss kein Märchenprinz wohnte, sondern stattdessen nur der profane Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hier tagte. Zu Hause angekommen, lud ich meine Koffer aus und trug sie in meine neue Behausung. Ich machte es mir gemütlich und verstaute meine Kleider im Schrank. Danach fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf und wachte sogar ohne Wecker um 6.00 Uhr morgens ausgeruht auf. Ich frühstückte einen Happen und war doch etwas angespannt, bei dem Gedanken an die neuen Kollegen und die neue Arbeit, von der ich noch keinen blassen Schimmer hatte.
Ich stieg in meinen Wagen und fuhr zur Klinik. Erneut war ich sehr gespannt, was auf mich Neues zukommen würde. Ich liebte das Neue und neue Herausforderungen. Ich parkte mein Auto in der Nähe der Notaufnahme. Ich betrat die Notaufnahme und stellte mich beim Chefarzt der Notaufnahme vor. Er freute sich, dass ich als Verstärkung kam. Er stellte mich den Schwestern und meinen Kollegen vor sowie auch der Oberärztin, die mich in mein neues Arbeitsfeld einarbeiten sollte. Sie war eine warmherzige und sehr kompetente Chefin. Sie führte mich in die schwierige Behandlung der Patienten in der Notaufnahme ein. Ihr verdanke ich mein erweitertes Wissen und Können. Ich habe gern von ihr alles für mich Neue gelernt. Durch sie und meinen Ehrgeiz bekam ich den letzten Schliff, Patienten in Not optimal zu betreuen. Durch mein freundliches Wesen wurde ich auch bei den Schwestern sehr beliebt. Damit war eine gute Zusammenarbeit mit den Schwestern gewährleistet. Die Schwestern in der Notaufnahme waren vorzüglich ausgebildet und kamen den ärztlichen Anweisungen immer sofort nach. Ich war begeistert von dieser Schwesternschaft, von ihrem Können und von ihrer Kompetenz. In der Notaufnahme waren die wichtigsten Fachrichtungen mit entsprechenden Fachärzten besetzt, sodass ich bei Bedarf immer einen entsprechenden Facharzt hinzuziehen konnte. Es handelte sich hier um eine interdisziplinäre Notaufnahme, um die Patienten optimal zu betreuen. Auch wir Ärzte konnten bei dieser Organisation aus den anderen Fachgebieten viel Neues erlernen.
Meine Aufgabe war es nun, bei den Patienten die Anamnese zu erheben sowie die körperliche Untersuchung durchzuführen und gegebenenfalls die erforderliche Therapie einzuleiten. Anfangs bemerkte ich noch erhebliche Defizite des medizinischen Wissens und Könnens bei mir. Wenn ich so etwas bei mir bemerke, pflege ich sofort zu handeln. Abends las ich stundenlang Bücher über Differenzialdiagnostik innerer Krankheiten und vertiefte mich in mein EKG-Buch. Etwa nach zwei Monaten fühlte ich mich in der Notaufnahme schon erheblich sicherer und konnte nun auch komplexere Aufgaben lösen. Die Sache fing an, mir große Freude zu bereiten.
Die Routinefälle mussten zuerst gelöst werden. Die Patienten mit frischem Herzinfarkt wurden zu unseren zwei Herzkatheterplätzen weitergeleitet, zuvor wurde mit dem Kardiologen anhand des EKGs und der Klinik die Indikation zur Intervention mit Stents erörtert, um die verengten Koronarien durchgängig zu machen. War es nicht möglich, Stents zu implantieren, wurde ein Hubschrauber angefordert, der den Patienten nach Kiel zur Anastomosenoperation beziehungsweise Bypassoperation brachte. Meist wurde die Arteria mammaria dafür mobilisiert und mit den Koronararterien verbunden. Wir hatten zwei Katheterplätze und sie waren fast immer besetzt. Ich fand die Arbeit am Katheterplatz faszinierend. Hier hatten wir endlich eine Möglichkeit, den Herzinfarkt erfolgreich anzugehen. Auch die weitere Behandlung des Herzinfarktes ist wesentlich verbessert worden; zum Beispiel spielt das Absenken des Cholesterinspiegels mit Statinen eine große Rolle bei der Verlängerung der Überlebenszeit nach einem Herzinfarkt. Nach neusten Erkenntnissen scheint nicht allein die Reduktion des Cholesterinspiegels wichtig zu sein, sondern wahrscheinlich trägt eine Entzündung in der Gefäßwand mit zur Arteriosklerose bei. Dieser Ansatz ist offensichtlich von großem Interesse bei unserem Herzchirurgen in der MHH. Warten wir die weitere Forschung ab. Sie wird sicher sehr spannend werden.
Oft hatten wir es mit Blutungen aus einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür zu tun. Von unserem schnellen Eingreifen hing es ab, ob der Patient überlebte. Ich kann zu unserer Ehre sagen, dass wir keinen Patienten verloren haben, auch dank des souveränen Könnens meiner Oberärztin. Ich habe in dieser Zeit viel Neues gelernt und mein ärztliches Handeln ist erheblich schneller geworden.
Ein großer Teil der Patienten wurde bei uns zur Bluttransfusion bei bösartigen Bluterkrankungen wie zum Beispiel der Leukämie etc. eingewiesen. Wir mussten jene Patienten auf die entsprechenden Stationen verlegen. Die Telefonnummern kannte ich bald auswendig. Für die Leukämiepatienten war natürlich die onkologische Station zuständig. Viele Patienten mit COPD oder einer Pneumonie mussten bei uns sofort in der Notaufnahme mit Sauerstoff versorgt werden. Jeder Untersuchungsplatz war mit Sauerstoff ausgerüstet, sodass jeder Patient sofort mit dem lebensrettenden Gas versorgt werden konnte. Oft mussten wir sehr rasch handeln, um die gefährdeten Patienten zu retten. Es war manchmal eine schweißtreibende Arbeit für uns und die fleißigen Schwestern.
Weiterhin waren unsere diagnostischen Fähigkeiten gefragt. Wir mussten die tiefe Beinvenenthrombose von anderen Beinschwellungen abgrenzen. Hätten wir eine tiefe Beinvenenthrombose übersehen, bestand die große Gefahr, dass der Patient eine tödliche Lungenembolie erlitt. Mithilfe der Ultraschalluntersuchung, dem Doppler, konnten wir feststellen, ob es sich um eine tiefe Beinvenenthrombose oder um eine andere Schwellung handelte, zum Beispiel um kardiale Ödeme oder eine Elefantiasis. Die Patienten, die eine tiefe Beinvenenthrombose hatten, konnten wir ambulant betreuen. Sie erhielten Liquemin subcutan (ein Blutverdünnungsmittel unter die Haut) injiziert und das betroffene Bein wurde gewickelt, um eine Lungenembolie zu verhindern. Erhebliche Schwierigkeiten machten uns Patienten mit einer Lungenembolie. Hier waren das Labor, das EKG, das CT und die Klinik die wesentlichen diagnostischen Hilfsmittel, um eine Lungenembolie zu bestätigen.
Ich erinnere mich an eine Patientin, die leichenblass auf der Intensivstation der Notaufnahme lag und nach Luft rang. Sämtliche Parameter waren im Sinne einer Lungenembolie positiv. Der entsprechende Laborwert war deutlich erhöht. Im EKG war ein kompletter Rechtsschenkelblock nachweisbar, als Zeichen einer massiven Rechtherzbelastung. Das Vor-EKG war völlig unauffällig. Das Computerprogramm bestätigte die endgültige Diagnose einer Lungenembolie. Ich muss jedoch betonen, dass nicht jede Lungenembolie so einfach zu diagnostizieren ist. Ich zog 10.000 Einheiten Liquemin auf und injizierte das Blutverdünnungsmittel in die Vene der Patientin. Somit war das Leben der Patientin erhalten worden.
Es geschahen noch viele weitere interessante Fälle in unserer Notaufnahme. Einige davon werde ich Ihnen in den folgenden Zeilen schildern.
Ein junger Mann kam eines Tages in unsere Notaufnahme. Er sah sehr blass aus. Aus den vorigen Klinikberichten ging hervor, dass der Patient an einem Ewing-Sarkom litt, einem bösartigen Tumor des Knochensystems. Der besagte Mann hatte den Primärtumor im rechten Schienbein. Es bestand bei ihm eine schwere Tumoranämie, eine durch die Geschwulst verursachte Blutarmut. Er wurde zur Bluttransfusion auf die onkologische Station verlegt. Die Überlebenschancen des jungen Mannes waren nur gering. Solche tragischen Fälle waren leider an der Tagesordnung.
Ein weiterer unklarer Fall beschäftigte mich sehr. Es war wieder ein recht junger Mann, der in unsere Notaufnahme überwiesen wurde. Er hatte ein großes Lymphknotenpaket unter der linken Achselhöhle. Ich dachte zuerst an ein Lymphom, einen bösartigen Tumor des Lymphsystems. Aber die Laborwerte waren völlig unauffällig und im Bereich der Thoraxaufnahme waren keine Metastasen (Tochtergeschwülste) nachzuweisen. Ich befragte den Patienten sehr intensiv. Somit erfuhr ich, dass er von seiner Katze in die linke Hand gebissen worden war. Die Diagnose war nun sehr einfach, es handelte sich um die sogenannte Katzenkratzkrankheit. Diese Krankheit ist in sich selbst limitierend, das heißt, die Krankheit heilt von selbst ab. Ich entließ den Patienten erleichtert mit einem entsprechenden Brief an den Hausarzt.
