In den Sternen steht die Liebe - Eileen Cook - E-Book

In den Sternen steht die Liebe E-Book

Eileen Cook

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Beschreibung

Sie malt sich die Zukunft, wie sie ihr gefällt: Der humorvolle Liebesroman »In den Sternen steht die Liebe« von Eileen Cook als eBook bei dotbooks. Hallo, geht's noch? Sophie kann es nicht fassen: Nach sechs Jahren Beziehung lässt ihr Freund Doug sie einfach für eine andere sitzen! Da ist es nur verständlich, dass sie sich ein klitzekleines bisschen rächen will … Als sie von der Neugier der Neuen auf alles Esoterische erfährt, beschließt Sophie, sich als Hellseherin auszugeben, um der Konkurrentin die eine oder andere verrückte Idee einzuflüstern. Mithilfe des charmanten Nick McKenna, der seit Jahren den faulen Zauber der Astrologen entlarvt und sein Insiderwissen liebend gerne mit ihr teilt, gelingt Sophie die Verwandlung zur »Fachfrau in Sachen Übersinnliches« sehr gut – so gut, dass sie plötzlich als Wahrsagerin Karriere macht! Aber wird ihre neue Berühmtheit womöglich noch mehr Chaos stiften? »Cooks Roman ist dazu bestimmt, die Bestsellerlisten zu erobern: Er ist zum Brüllen komisch, und die Leserinnen werden sich auf Anhieb in ihren Stil verlieben.« Romantic Times Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die spritzige Komödie »In den Sternen steht die Liebe« von Eileen Cook. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 371

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Über dieses Buch:

Hallo, geht’s noch? Sophie kann es nicht fassen: Nach sechs Jahren Beziehung lässt ihr Freund Doug sie einfach für eine andere sitzen! Da ist es nur verständlich, dass sie sich ein klitzekleines bisschen rächen will … Als sie von der Neugier der Neuen auf alles Esoterische erfährt, beschließt Sophie, sich als Hellseherin auszugeben, um der Konkurrentin die eine oder andere verrückte Idee einzuflüstern. Mithilfe des charmanten Nick McKenna, der seit Jahren den faulen Zauber der Astrologen entlarvt und sein Insiderwissen liebend gerne mit ihr teilt, gelingt Sophie die Verwandlung zur »Fachfrau in Sachen Übersinnliches« sehr gut – so gut, dass sie plötzlich als Wahrsagerin Karriere macht! Aber wird ihre neue Berühmtheit womöglich noch mehr Chaos stiften?

»Cooks Roman ist dazu bestimmt, die Bestsellerlisten zu erobern: Er ist zum Brüllen komisch, und die Leserinnen werden sich auf Anhieb in ihren Stil verlieben.« Romantic Times

Über die Autorin:

Eileen Cook ist Autorin und Schreibtrainerin an der Creative Academy und der Simon Fraser University. Ihre Bücher wurden bereits in neun Sprachen übersetzt. Sie lebt in Vancouver.

Die Website der Autorin: www.eileencook.com

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eBook-Neuausgabe Juni 2021

Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 2008 unter dem Originaltitel »Unpredictable« bei The Berkley Publishing Group, New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 2009 unter dem Titel »Aszendent Liebe« bei Goldmann.

Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 2008 by Eileen Cook

Published by Arrangement with Eileen Cook

Copyright © der deutschen Erstausgabe 2009 Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Copyright © der Neuausgabe 2021 dotbooks GmbH, München

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: dotbooks GmbH, München, unter Verwendung von Bildmotiven von Adobe Stock/Nadzeya26 und Adobe Stock/Catrin1309

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)

ISBN 978-3-96655-573-9

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Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: [email protected]. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

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Eileen Cook

In den Sternen steht die Liebe

Roman

Aus dem Amerikanischen von Christine Heinzius

dotbooks.

Eins

STEINBOCK

Der heutige Tag steckt voller neuer Abenteuer, seien Sie bereit, aus sich herauszugehen. Scheuen Sie nicht das Risiko, es ist an der Zeit, sich zu nehmen, was Sie wollen. Andere haben vielleicht Probleme mit Ihrem neuen Ich, bleiben Sie jedoch dabei, und sie werden Sie mehr schätzen lernen.

Ich möchte festhalten, dass ich einen perfekten Grund dafür habe, in das Apartmenthaus meines Freundes einzubrechen. Gut, genau genommen gilt er gemäß dem Gesetz wohl nicht als perfekter Grund. Es ist nicht so, dass das Haus brennt und sich Kinder oder Welpen darin befinden, aber mein Leben steht kurz vor der Katastrophe, was eindeutig eine Art von Notfall ist. Ich möchte daher klarstellen, dass:

ich nicht in seine Wohnung einbreche, sondern nur in die

Waschküche

des Gebäudes, was, wie Ihnen jeder bestätigen kann, wohl kaum als Verbrechen gilt.

wir sechs Jahre zusammengewohnt haben, bevor er ausgezogen ist, also ist jede seiner Wohnungen irgendwie auch meine.

ich außerdem zum Einbrechen nichts

zerbrechen musste,

also war es mehr ein »Eindringen«.

Doug würde darauf hinweisen, dass er genau genommen gar nicht mehr mein Freund ist, da er mit mir Schluss gemacht hat, aber das ist eine Situation, die ich richtigzustellen gedenke. Er scheint zu glauben, dass ich eine sechsjährige Beziehung mit einem Lächeln, einem Kuss auf die Wange und dem Versprechen, Freunde zu bleiben, aufgebe. Ganz offensichtlich bin nicht ich hier die Verrückte. Sollte ich erwischt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass mich irgendein Gericht auf dieser Welt verurteilen würde.

Natürlich ist es ein Teil des Plans, nicht erwischt zu werden, weswegen ich im Augenblick, Dougs Socken in der Hand, unter der Spüle in der Waschküche hocke. Nicht mit allen seinen Socken, sondern mit jeweils einem von jedem Paar, das sich gerade im Trockner befand. Das ist mein Plan: Seine Socken zu klauen, um ihn langsam in den Wahnsinn oder, noch besser, nach Hause zu treiben. Er ist jemand, der alte Gewohnheiten mag. Wenn ihm bewusst wird, wie chaotisch sein Leben ohne mich geworden ist, was das traurige Fehlen passender Socken demonstriert, wird er meinen Wert erkennen. Darauf zähle ich. Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass er in die Waschküche kommt. Wenn ich ihn zu Hause überhaupt mal dazu gebracht habe, eine Ladung Wäsche in die Maschine zu stecken – ein Ereignis, das in etwa so regelmäßig vorkam wie eine Sonnenfinsternis –, tat er alles in den Trockner und ließ es dort, denn er wusste ja, dass die Wäschefee schließlich jedes Stück falten und an den richtigen Platz legen würde. Nicht dass es mir etwas ausgemacht hätte, die Wäsche zu erledigen. Er hat einen stressigen Job, und mir machte es nichts aus, mich um solche Dinge zu kümmern. Aber es war einfach so, dass er während der sechs Jahre, die wir zusammengewohnt haben, niemals den Trockner geleert hat. Woher kommt es also, dass er hier, in seinem neuen Zuhause, so pünktlich geworden ist?

Doug hat im Wäschekeller mit mir Schluss gemacht, was, wenn man Doug kennt, sehr typisch war. Er mag es, Dinge auf seiner Liste abzuhaken. Da er nicht zu den Leuten gehört, die auf den richtigen Augenblick warten, sollte ich von Glück sprechen, dass ich nicht gerade im Badezimmer war, als er das Bedürfnis spürte, Schluss zu machen. Doug möchte, dass seine Unterwäsche auf diese präzise Origamiart gefaltet wird, so wie seine Mutter es für ihn getan hat. Bein, Bein, Schritt, zusammenfalten; Bein, Bein, Schritt, zusammenfalten. Ich habe es so lange gemacht, dass ich es im Schlaf konnte, und es kam so weit, dass ich sogar meine eigenen Slips auf diese Art faltete, ohne darüber nachzudenken. An dem Tag, an dem er mit mir Schluss gemacht hat, stand ich da, faltete mein millionstes Unterwäschenugget und überlegte, was ich noch kaufen musste, als er hereinkam und mir sagte, dass er mich verlässt. Ich dachte, er meinte, dass er die Wohnung verlässt, um in den Laden zu gehen, daher bat ich ihn, Milch und Waschmittel mitzubringen. Ich begriff es nicht.

Ich habe es nicht kommen sehen. Das klingt erbärmlich, nicht wahr? Ehrlich, ich weiß, dass wir unsere Probleme hatten, in welcher langjährigen Beziehung gibt es die nicht, aber ich dachte trotzdem, dass wir glücklich wären. Ich war glücklich. Nach sechs Jahren hatte ich mich in falscher Sicherheit gewiegt. Ich dachte, wir wären füreinander bestimmt. Ich fühlte mich wie jemand, der den Hauptpreis in der Beziehungslotterie gewonnen hat. Wir hatten ein langes Gespräch darüber geführt, dass es an der Zeit wäre, unsere Beziehung auf die »nächste Ebene« zu bringen. Ich hatte wirklich geglaubt, dass das bedeutet, dieses Jahr bekäme ich den Ring von ihm. Anscheinend meinte er mit »nächster Ebene« seine eigene Wohnung.

Es geht wohl um Erwartungen, vermute ich. Etwas, was ich ganz sicher erwartet hätte, wäre, dass wir ein- oder zweimal darüber geredet hätten, wenn unsere Beziehung den Bach runtergeht. Es war dann aber so, dass es keinen Streit gab, keine große Heulszene, bei der ich dramatisch auf dem Sofa lag, ihn bat, nicht zu gehen, und ihn schließlich als Schwein beschimpfte. Er hat niemals etwas erwähnt, bis zu diesem Morgen, als er in die Waschküche kam und sagte, dass er ginge, mir seine saubere Unterwäsche aus der Hand nahm und zur Tür hinausspazierte.

Wie konnte er beschließen zu gehen? Es ist derselbe Mann, der vor dem geöffneten Kühlschrank steht und brüllt, dass kein Senf da sei, bis ich aufstehe und ihn ihm zeige. Er sieht ihn dann an, als hätte er noch nie eine Plastikflasche zum Drücken gesehen, und wirft mir vor, sie nicht an den »richtigen« Platz gestellt zu haben. Es ist also derselbe Mann, der in einem anderthalb Kubikmeter großen Kühlschrank den Senf nicht findet. Wie kann so jemand allein leben? Und wichtiger, warum will er allein leben?

Jedes Mal, wenn ich ihn das frage, sagt er, dass er Platz brauche und dass er mich wirklich liebt, sich aber nicht mehr sicher ist, ob er noch in mich verliebt ist. Was, zum Teufel, soll das bedeuten? Das ist die Art von Satz, die normalerweise dazu führt, dass jemand an einem Steakmesser erstickt. Er war nie ein Typ, der über seine Gefühle spricht. Ich begann mich zu fragen, ob es vielleicht nur die Panik vor der Hochzeit war. Ich wollte nicht, dass er unsere gesamte Beziehung wegwarf, nur weil er nervös wurde.

Ich gebe gerne zu, dass ich mir zu Anfang nicht sicher war, es zu überstehen, als er ging. Es war zwei Tage vor dem Valentinstag. Februar ist der schlimmste Monat in Vancouver, nichts als ununterbrochener Regen, die Art von Regen, die einen dazu bringt, den Bau einer Arche als Hobby in Betracht zu ziehen, man weiß ja nie. Der einzige Lichtblick im Februar ist der Valentinstag, und dieses Jahr wurde mir sogar der genommen. Weiterhin ein- und auszuatmen schien schlicht zu anstrengend. Ich konnte nicht einfach weitermachen, ohne mehr zu wissen, deswegen begann ich, ihm nachzuspionieren. Streichen wir das. Spionieren klingt so negativ. Es klingt besser, wenn ich sage, dass ich nach ihm sah, wie bei einem sozialen Experiment. Er war vor drei Wochen ausgezogen, und nach ihm zu sehen war zu meinem neuesten Hobby geworden. Ich hatte sechs Jahre in diese Beziehung investiert und den Großteil meines Lebens, von einem Happy End zu träumen. Ich werde nicht ohne eine Erklärung aufgeben. Wenn wir erst wieder zusammen sind, wird er mir eines Tages für meinen Einsatz danken.

Das ist erst das zweite Mal, dass ich in diesem Haus bin. Meistens parke ich ein wenig abseits und beobachte das Gebäude. Bisher habe ich gesehen, dass er zwei Pizzas geliefert bekommen und ein FedEx-Paket angenommen hat. Er sieht gut aus, müsste aber mal zum Friseur. Was ihm wirklich bewusst werden muss, ist, wie sehr er mich braucht und dass er ohne mich nicht leben kann. Als er nicht von allein darauf zu kommen schien, wusste ich, dass ich ihm auf die Sprünge helfen musste, daher startete ich die Operation »Bring ihn nach Hause«, die mit dem Auto begann. Als er es beim Händler abholte, bekam er zwei Schlüssel. Als er auszog, ließ er einen in der Chaosschublade zurück, er hatte ihn komplett vergessen. Ich fing damit an, zu seinem Büro zu fahren und das Auto um ein paar Parkplätze zu verschieben. Ich hatte dies fünfmal getan, am Schluss habe ich es sogar eine ganze Etage tiefer geparkt. Wenn ich jetzt eine dieser Nächte erlebe, in denen ich in Selbstmitleid versinke, stelle ich ihn mir vor. Er steht mit seiner Aktentasche da und schaut auf den Platz, an dem er das Auto geparkt hat, bekommt Panik und sieht es dann drei oder vier Parkplätze entfernt. Ihm wird in diesem Augenblick klar, dass sein Leben ins Chaos abrutscht, dass er mich braucht. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich fühle mich dann wirklich besser.

Meine beste Freundin, Jane, die in Zeiten emotionaler Krisen ganz sicher mit Eiscreme vorbeikommt, und zwar nicht mit der billigen Hausmarke, sondern der vollsahnigen und fetten Markencreme, findet mich brillant. Um genau zu sein sagte sie etwas wie »Du hast den Verstand verloren«, aber ich weiß, dass sie gemeint hat »Das ist total irre«, im Sinne von »irre clever«.

Doug hat eine Wohnung in einem modernen Chrom-und-Glas-Hochhaus gemietet. Das erste Mal, als ich zu dem Haus kam, ging jemand vor mir, und ich bin einfach mit ihm durch die Haustür spaziert. Ich sah mir den Eingang an: Ziemlich typisch, eine Wand voller grauer Metallbriefkästen, ein paar staubige Grünlilien (aus Plastik) und Kunst, die aussah, als wäre sie von einem Kindergartenkind gemalt worden, mit großen Flecken in Grundfarben, die wütend und irgendwie leicht pornographisch aussahen. Ich fand eine Broschüre über das Apartmenthaus. Sie nannten sich selbst einen Ort für »städtische Singles«, und ich weiß, das bedeutet ein Abschlepport. Im Grunde ist es ein riesiges Phallussymbol, in dem Männer mit dünner werdenden Haaren wohnen und junge Frauen voller Silikon, die nach einem Mann mit einem festen Job suchen. Doug passt dort hinein. Er verliert seine Haare, er hat keine Geheimratsecken oder kahle Stellen, sondern sein Haar wird einfach überall dünner. Sein Kopf ähnelt einer Pusteblume, und es sieht aus, als würden seine Haare sich vom Kopf lösen und verwehen, wenn man kräftig bläst. Das sollte ich eigentlich nicht erzählen, weil es dann so klingt, als sei er dämlich, dabei ist er ein wirklich attraktiver Mann und ein guter Fang. Er hält sich in Form. Er spielt Baseball, Basketball und Hockey, und wenn er nicht genügend Freunde zusammenbekommt, geht er ins Fitnessstudio. Er hat ein wunderbares Lächeln. Als Kind stand er mal zu dicht hinter einem Freund, der gerade beim Baseball schlug und ihm den Schläger direkt ins Gesicht knallte. Sein Zahn schnitt in seine Lippe, und er hat immer noch diese winzige, weiße Narbe an seiner Oberlippe. Dadurch ist sein Lächeln leicht schief und absolut charmant. Wenn er irgendwohin geht, gehört er zu den Leuten, die mitten im Geschehen sind. Er hat einen festen Job. Er arbeitet im Finanzdistrikt als persönlicher Investmentberater. Seinem Dad gehört das Unternehmen, und irgendwann wird er es übernehmen. Da ich jemand bin, der nicht einmal sein eigenes Konto ausgleicht, finde ich seinen Beruf sehr beeindruckend.

Heute Abend bin ich in Dougs Haus geschlüpft, um seine Socken zu klauen. Die zweite Phase der Operation »Bring ihn nach Hause« war genau geplant. Sein Auto woanders hinzustellen funktionierte nicht. Es war an der Zeit, eine Stufe weiter zu gehen. Ich packte ein paar noble Einkaufstüten mit zerknülltem Papier voll und stellte mich wartend neben die Haustür. Als ich jemanden aus dem Aufzug kommen sah, kämpfte ich mit den Tüten, um an meine Handtasche zu gelangen, als wollte ich meinen Schlüssel herausnehmen. Ich lächelte, warf meine Haare zurück und nutzte ganz allgemein mein schauspielerisches Talent aus dem Highschool-Theaterkurs, um aus mir eine hektische, überlastete, städtische Singlefrau mit eleganten Einkaufstüten zu machen. Ich seufzte ein paarmal tief und runzelte die Stirn, als müsse ich mich so sehr konzentrieren wie ein Spitzenpolitiker, der darüber nachdenkt, ob er den roten Knopf drücken soll oder nicht. Als eine Frau in einem giftgrünen Designer-Yogaoutfit durch die Tür trat, hielt sie sie mir auf. Ich flüsterte »Danke« und ging hinein.

Ich ging nach unten in die Eingeweide des Gebäudes zur deutlich ausgeschilderten Waschküche. Direkt daneben lag ein Fitnessraum, in dem so laut Hip-Hop gespielt wurde, dass ich die Schallwellen sehen konnte, wie sie durch die Wand in die Waschküche drangen. Ich warf die Einkaufstüten in einen großen Mülleimer und betrachtete die Reihe von Waschmaschinen und Trocknern. Ich wusste, dass Doug seine Wäsche heute Abend erledigen würde, denn es ist Sonntag, und am letzten Montag jedes Monats gibt es in seiner Firma ein großes Projektmeeting. Doug möchte dann gern super aussehen. Er legt seine Kleidung für die ganze Woche heraus, für jeden Tag stellt er ein Outfit auf einem Kleiderbügel zusammen, inklusive Unterwäsche und Socken. Wenn man solange mit jemandem zusammenlebt, bedeutet das, dass man mehr über ihn weiß, als er vielleicht erwartet. Ich habe vor, dieses Wissen zu meinem Vorteil zu nutzen.

Der Raum ist weiß: weiße Wände, weiße Bodenfliesen, weiße Waschmaschinen und Trockner. Und sauber, so sauber, dass man auf den Tischen zum Wäschefalten hätte operieren können. Ich frage mich, was aus all den Staubmäusen geworden ist, die eigentlich in den Ecken leben sollten. Sie müssen alle in mein Haus umgezogen sein. Es gibt acht Waschmaschinen und acht Trockner, und alle bis auf einen laufen auf Hochtouren (Sonntag ist anscheinend ein großer Waschtag für den städtischen Single). Ich öffnete jeden Trockner und wühlte darin, ich suchte nach bekannter Wäsche: Khakihosen und Baumwollhemden, nein; ein String im Leopardenmuster mit passendem BH, nein; ein Sortiment von Wochentagsunterhosen inRegenbogenfarben, nein; weiße Boxershorts mit dunklen Socken. Bis – Volltreffer. Farb- und Weißwäsche gemischt, das hätte ich mir denken können. Seine Unterwäsche hatte schon einen Graustich. Bleiche würde dagegen helfen, aber das werde ich ihm nicht sagen. Sollte er einen Unfall haben und in schlechten, schmutzig grauen Unterhosen erwischt werden, dann ist das nicht meine Verantwortung. Als wir noch zusammengewohnt haben, habe ich gebleicht, nach Farben sortiert und Weichspüler benutzt (nicht dass ich angeben möchte). Ich ziehe Socken aus dem Trockner und kämpfe gegen den Drang, sie zusammenzurollen. Stattdessen finde ich Paare und werfe jeweils eine Socke wieder in die Maschine und stopfe die anderen in meine Handtasche. Ich schließe den Trockner gerade noch rechtzeitig, als ich Doug im Flur lachen höre.

Bevor ich ihn lachen hörte, hatte ich eigentlich überhaupt nicht darüber nachgedacht, was ich tun würde, sollte ich ihn sehen. Doug in einer Waschküche war mir so fremd, dass ich es mir gar nicht vorstellen konnte. Schließlich hatte er bereits mit mir Schluss gemacht. Was für einen Grund könnte er sonst haben, eine Waschküche zu betreten? Ich denke kurz darüber nach, mich in den einen leeren Trockner zu zwängen, entscheide mich dann aber dagegen. Verdammt, dieser Raum ist so hell erleuchtet. Wer braucht bloß so viel Licht, um seine Wäsche zu waschen? Ich denke daran, mich an die Wand zu stellen, um mit der Umgebung zu verschmelzen, aber selbst Doug, der über die perfekte Art, mich zu ignorieren, zu verfügen scheint, wird mich dort wahrscheinlich bemerken. Dann sehe ich plötzlich die Lösung. An der hinteren Wand befindet sich eine große, industrielle Spüle (natürlich weiß) und darunter ein Regal voller weißer Baumwollwaschsäcke. Ich werfe mich auf den Boden, zerre die Säcke heraus, quetsche mich hinein und ziehe die Säcke über mich.

Die Tür öffnet sich, und Doug betritt die Waschküche. Er spricht mit einer blonden Frau, die aussieht, als wäre sie ein Model für einen Katalog für unglaublich große, schwedische Frauen mit Melonenbrüsten. Sie lacht, eigentlich quietscht sie über etwas, das Doug gesagt haben muss, und ihre Zähne sehen wie regelmäßige Chickletkaugummis aus. Ich hasse sie.

»Oh, Douglas, du hast so einen coolen Humor!« Sie klopft ihm spielerisch auf den Arm, und ich überlege, ihr, natürlich spielerisch, eine Faust in diese perfekten Zähne zu rammen. Wer nennt ihn Douglas? Er hasst es, Douglas genannt zu werden, außer von großen Models mit Melonenbrüsten, wie es scheint.

»Ich nenne sie nur so, wie ich sie sehe«, sagt Doug und grinst sein »Ach Mensch«-Grinsen. Er hat seinen Wäschekorb in der Hand, unseren Wäschekorb. Wann hat er den denn mitgenommen? Ich habe ihn bei Winners gekauft. Es ist die Kopie eines teuren Designerkorbes. Es ist nicht wichtig, dass es ein falsches Designerteil ist. Der Punkt ist, dass ich diesen Wäschekorb mag. Ich erinnere mich nicht, dass er in seinem Haufen geteilter Sachen lag, als er ausgezogen ist. Der Schweinehund muss noch mal ins Haus geschlichen sein, um ihn zu holen! Er hat sich immer wieder in unser Haus geschlichen! Ich fühle mich verletzt. Wie kann er es wagen, unser Haus heimlich zu betreten. Was hat er sonst noch geklaut? Ich muss daran denken, morgen einen Schlosser anzurufen. Wenn er glaubt, er könne kommen und gehen, wie er will, nur weil er für einen Teil bezahlt, dann sollte er besser noch mal darüber nachdenken. Ich würde ihn am liebsten sofort ausschimpfen und ihm diesen Korb aus seinen Händen reißen, aber ich verstecke mich unter der Spüle in seiner Waschküche. Und ich nehme an, er würde zuerst eine Erklärung dafür hören wollen.

»Ruf mich doch einfach später mal an?«, sagte Melonentittie, während Doug seine Wäsche, ohne die Hälfte seiner Socken, die sich in meiner Handtasche befinden, in den gestohlenen Wäschekorb legt. Ich sehe, wie er im Nacken rot anläuft. Melonentittie ist zu weit gegangen. Jetzt wird Doug ihr sagen, dass er lieber Doug und nicht Douglas genannt wird. Und dass er gerade erst eine sehr ernste, lange Beziehung beendet hat. Und dass sein Herz gebrochen und er sich noch nicht sicher ist, ob er schon über mich hinweggekommen ist, und dass er ernsthaft darüber nachdenkt, dass wir wieder zusammenkommen. Und dass er aufdringliche Frauen nicht leiden kann und dass sie einfach verschwinden soll.

»Ich denke, den Anruf kann ich mir sparen und dich sofort zum Abendessen einladen«, sagt Doug und versucht, cool auszusehen, indem er sich an den Trockner lehnt. Wem will er was vormachen? Melonentittie lacht und wirft ihre Haare zurück. Sie trägt einen Fitnessdress, der aussieht, als sei er für den roten Teppich gemacht und nicht, um darin zu schwitzen. Ich meine, wer trainiert schon ohne einen Sport-BH, und sie trägt keinen – weder einen Sport-BH noch sonst einen. Ich bemühe mich, ihr zugutezuhalten, dass ihre BHs vielleicht gerade alle in der Wäsche sind, aber ich glaube nicht so recht daran. Jetzt leckt sie sich tatsächlich die Lippen, als wäre das hier ein Vorsprechen für einen Porno. »Du wusstest wohl schon, dass ich dich das fragen würde«, fügt er hinzu. Sie schubst ihn noch einmal spielerisch, und ich stelle mir vor, wie es sich wohl anfühlen würde, ihr einen spielerischen Schubs von der Lions Gate Bridge zu geben.

»Veräppelst du mich?« Sie wirft ihre Haare wieder nach hinten. Ich bin überrascht, dass sie noch kein Karpaltunnelsyndrom entwickelt hat, bei all dem Haarewerfen. Man sollte meinen, dass ihre Handgelenke nachgeben oder dass sie merkwürdig aussehende, kräftige Armmuskeln entwickeln würde. »Ich hätte dir nicht erzählen dürfen, dass ich zu einer Hellseherin gehe. Jetzt hältst du mich für verrückt.« Ich nicke. Los, Doug, sag ihr, dass sie verrückt ist. Dann lauf weg. Lauf am besten nach Hause.

»Nein, ich halte dich nicht für verrückt. Ich nehme an, dass an diesen parapsychologischen Phänomenen viel mehr dran ist, als wir wissen. Ich habe auch schon mal daran gedacht, zu einer Hellseherin zu gehen. Falls du diese Woche zu dieser Esoterikmesse gehen willst, dann musst du für mich fragen, was ich mit meinem Leben anstellen soll.«

»Abgemacht«, sagt sie. Doug lächelt, und ich unterdrücke das Bedürfnis, die Ameisenfalle, die gegen meinen Kopf drückt, auf ihn zu werfen, direkt in sein anzügliches Grinsen. Ich atme wahrscheinlich gerade tödliches Ameisengift ein, während mein Freund einer anderen Frau den Hof macht. In meinen Augen stehen Tränen, und ich bemühe mich, sie durch schiere Willenskraft wieder einzusaugen. Ich weigere mich, deswegen zu weinen. Sie holt ihre Sachen aus dem Trockner, auch den Leopardenmusterstring mit passendem BH. Ich hätte es wissen müssen. Sie zieht jedes Kleidungsstück langsam aus dem Trockner, um sicherzugehen, dass Doug alles gut sehen kann. Es fehlt eigentlich nur noch irgendeine Musik, zu der sie ihren Schmutzige-Wäsche-Tanz vorführen kann. Die Arme muss mit der Hip-Hop-Musik auskommen, die aus dem Nebenraum dringt. Ehrlich, sie hat mehr neckische Unterwäsche als eine Filiale von Victoria’s Secret. Wo sind ihre Slips mit ausgeleiertem Gummizug für fette Tage? Die wäscht sie wohl im Waschbecken in ihrer Wohnung. Ihre billige Unterwäsche-Peepshow ist der öffentlichen Waschküche vorbehalten. Doug sabbert praktisch auf seine sauberen Shorts und T-Shirts.

»Also ... zurück zum Abendessen. Wohin möchtest du gehen?«, fragt sie.

»Ich bin für alles offen. Magst du Meeresfrüchte? Wir könnten im Stanley Park spazieren gehen und dann zum Fish House.« Ich möchte an dieser Stelle gern darauf hinweisen, dass Doug es für zu übertrieben und teuer hielt, als ich an unserem Jahrestag dorthin gehen wollte. Anscheinend ist es der perfekte Laden für Waschküchenverabredungen. Melonentittie faltet ihre Fädchen und Fähnchen, die sie als Unterwäsche benutzt, in ihrem echten Designerwäschekorb zu winzigen Stapeln.

»Ich liebe das Essen dort«, sprudelt es aus M.T. heraus. »Hast du schon mal ihre Krabbenküchlein gegessen? Lecker. Ich esse kein rotes Fleisch, weißt du. Ich bin ganz verrückt nach Biogemüse, und der Koch dort macht einen super leckeren, vegetarischen Grillteller.« Die Melone berührt Dougs Arm, und sie verlassen die Waschküche.

Ich denke, ich bleibe noch eine Weile unter der Spüle liegen. Irgendwie ist es hier nett und ruhig. Die Baumwollwäschesäcke riechen wie das Trocknerparfüm von Bounce. Ich liebe diesen Geruch. Wäre da nicht das Ameisengift, das mir direkt ins Gehirn tropft, könnte ich die ganze Nacht hier liegen. Plötzlich erscheint mir die Sockenmission der Operation »Bring ihn nach Hause« sinnlos. Der Grund, warum Doug plötzlich Raum für sich brauchte, erscheint nun glasklar: Er konnte nicht sowohl mich als auch die Melone in seinem Leben unterbringen. Bei diesen Brüsten war einfach kein Platz mehr für mich. Er sucht offensichtlich nach einem neuen Abenteuer. Nicht dass ich nicht attraktiv wäre, ich bin einfach nur der absolute Durchschnitt: durchschnittliche Größe, durchschnittlich braunes Haar und durchschnittlich große Brüste. Meine Haare sind wellig, jeder sagt, dass er gern welliges Haar hätte, bis ihm klar wird, dass wellig einfach nur eine nette Umschreibung von unzähmbar ist. Als Fluch meiner irischen Vorfahren sind meine Nase und meine Wangen voller Sommersprossen. Ich habe früher versucht, sie mit Makeup zu überdecken, aber dann wurde mir klar, dass ich eine ein Zentimeter dicke Grundierung bräuchte, um sie zu verbergen. Selbst wenn ich meinen Wonderbra ausstopfen würde, könnte ich nicht mithalten. Ich schniefe ein paarmal und wische mir die Nase an einem von Dougs Socken ab. Ich fange gerade mit einer richtigen Heulerei an, als ich direkt vor mir ein Paar Schuhe sehe, in denen Beine stecken. Ich hatte niemanden hereinkommen hören. Ich versuche, leise zu schniefen, aber es ist zu spät. Dieser Typ beugt sich vor und starrt mich an.

»Alles in Ordnung?« Das erscheint mir eine dämliche Frage, daher beschließe ich, sie nicht einer Antwort zu würdigen. »Soll ich jemanden anrufen?«, fragt er. Er hat einen leichten schottischen Akzent, wodurch die Wörter in einer so beruhigenden Art und Weise ineinanderfließen, dass ich meine Augen schließen und schlafen möchte. Er will aber offensichtlich nicht wieder gehen und mich meinem langsamen Selbstmord durch Ameisengift im Gehirn überlassen – er wird weitersprechen, bis ich reagiere. Ich krieche unter der Spüle hervor und atme ein paarmal tief ein. Ich reibe meine rechte Schläfe und spüre, dass die Ameisenfalle dort eine runde Druckstelle hinterlassen hat. Perfekt. Zusätzlich zu meinen emotionalen Narben habe ich jetzt auch noch eine körperliche.

»Nein danke, mir geht’s gut.«

»Ihnen geht’s gut?«, wiederholt er. Anscheinend hört er nicht gut. Mir fällt auf, dass er seinen Kopf zur Seite neigt wie ein verwirrter Hund.

»Ja, gut. Ich habe nur Wäsche gewaschen und habe all diese Socken, die ihren Partner verloren haben – Wissen Sie, wie so was passiert?« Er nickt. »Diese Socken hatten jahrelang einen Partner. Sie lebten ihr alltägliches Leben, ohne zu ahnen, dass sich etwas ändern würde, und dann, zack, kommen sie plötzlich ganz allein aus dem Trockner. Ich meine, was nützt eine einzelne Socke? Jetzt, da sie alle ohne Partner sind, sind sie nichts mehr wert. Man kann sie genauso gut wegwerfen.« Ich werfe einige von Dougs Socken in den Mülleimer, ertrage es jedoch nicht und hole sie wieder heraus. Er reicht mir ein gebügeltes Stofftaschentuch. Ich kenne niemanden, der diese Dinger noch benutzt, außer alten Männern, aber er ist nicht alt. Vielleicht Mitte dreißig. Er ist ein bisschen kleiner als ich und trägt eine Brille mit dickem Rahmen wie Buddy Holly, sodass seine blauen Augen auffallen. Ich putze mir die Nase in sein Taschentuch und will es ihm gerade zurückgeben, als mir klar wird, dass er es wahrscheinlich nicht voller Schnuddel einer verrückten Frau wiederhaben möchte.

»Sind Sie sicher, dass ich niemanden anrufen soll? Ich könnte Sie in Ihre Wohnung zurückbringen, wenn Sie möchten.«

»Ich wohne nicht hier«, sage ich, bevor mir bewusst wird, dass das nicht gerade gut klingt. Jetzt wird er denken, dass ich irgendeine verrückte Frau mit Sockenfetischismus bin, die in das Gebäude eingebrochen ist, was ich genau genommen vielleicht auch bin. »Ich habe nur eine Freundin besucht«, sage ich.

»Ich bin Nick McKenna. Ich wohne im zehnten Stock.«

»Sophie Kintock.« Wir reichen uns die Hand, und es ist alles sehr zivilisiert, abgesehen von der Tatsache, dass er mich gefunden hat, als ich gerade in ein Bündel Socken geheult habe. »Ich gehe dann mal.« Ich versuche, ihm ein selbstbewusstes Lächeln zu schenken, und gehe auf die Tür zu. Ich drehe mich um und sehe, wie er mich beobachtet und seinen Wäschekorb in der Hand hält. Mir fällt auf, dass er der Besitzer der Khakihosen und Baumwollhemden ist. Zumindest trennt er Buntwäsche von der Weißwäsche.

Ich verlasse das Apartmenthaus und gehe durch die Straße zu meinem Wagen. Es beginnt zu regnen oder, besser gesagt, es regnet weiter. Ich lasse Dougs Socken auf der Straße fallen, alle paar Meter einen, eine Baumwollspur zum Gebäude. Die letzte behalte ich in der Hand. Ich weiß nicht, warum. Ich sage mir, egal wie deprimiert ich sein werde, ich werde nicht mit seiner Socke schlafen als einem traurigen, verqueren Stück Erinnerung an unsere Beziehung. Aber gleichzeitig will ich sie behalten. Der Abend war nicht total nutzlos. Morgen wird er trotzdem mit einem gemischten Sockenpaar ins Meeting gehen müssen.

Zwei

WASSERMANN

Ein guter Freund erzählt Ihnen Dinge, die sie nicht hören wollen. Seien Sie bereit zuzuhören, und bleiben Sie für alles offen.

»Doug hat eine neue Freundin?!«, fragt Jane, einen großen, fettfreien Caffè latte in einer Hand, während sie mit der anderen einen Monstersportwagen schiebt. Ihr zweijähriger Sohn Ethan wirft sich darin hin und her, und Jane bemüht sich, ihn wieder zum Einschlafen zu bewegen. Der Mini-Hummer-Kinderwagen passt kaum in den Laden, in dem ich arbeite, und sieht aus, als könne man mit ihm den Mount Everest besteigen. All das beeindruckt den zwei Jahre alten Ethan allerdings nicht, er konzentriert sich ganz darauf, sich gegen die Seitenwand des Wagens zu werfen in dem Versuch zu entkommen. Ich selbst träume davon, dass mich jemand in einem riesigen Ruhesessel beim Einkaufen herumschiebt, aber natürlich habe ich da kein Glück.

»Ich wusste, dass da was im Busch war, als er ging. Er wollte jemand anderes treffen. Er wurde von diesem Wesen verhext. Der arme Kerl weiß wahrscheinlich gar nicht, wie ihm geschieht. Ich sage dir, diese Riesenbrüste haben ihn total hypnotisiert.« Ich lächele den Kunden an, der gerade den Laden betritt. »Kann ich Ihnen irgendwie helfen?«, rufe ich.

Stack of Books, wo ich arbeite, gilt in der Branche als etwas Besonderes. Wir sind auf schwer zu findende, seltene Bücher spezialisiert. Wenn man nach einem Buch sucht, das nicht mehr aufgelegt wird oder von dem es in der gesamten Welt noch ungefähr zehn Ausgaben gibt, dann sind wir die Rettung. Da selbst das auf dem heutigen riesigen Büchermarkt noch nicht genug ist, bieten wir auch Recherchen an. Wir übernehmen Anfragen aller Art, ob ein Designer mehr über viktorianische Esszimmer wissen will oder ein Student eine Kopie eines Landvertrages mit Indianern für eine Seminararbeit sucht oder aber ein Regierungsbeamter ein Zitat braucht, das perfekt in seine nächste Rede passt. Gäbe es diese Recherchearbeit nicht, hätte ich den Job wohl nicht bekommen. Manchmal ist es gut, dass ich mein Hauptfach ein halbes Dutzend Mal gewechselt habe. Ich weiß ein bisschen was von vielem, ein breit angelegtes, aber oberflächliches Wissen. Es ist keine hochbezahlte Karriere, aber ich habe schließlich einen Abschluss in englischer Literatur, was mich nicht gerade für einen Job mit tollem Status im Finanzdistrikt qualifiziert. Mein Dad sagte immer, ich solle etwas studieren, das zu einem Job führt. Ob ich denn nicht wüsste, dass die Englische-Literatur-Fabrik Leute entlässt? Haha. Ein echter Witzbold, mein Dad.

Der Laden ist klein, sehr klein, kleiner als das Wohnheimzimmer, das Jane und ich uns im College geteilt haben. Beide Seitenwände sind vom Boden bis zur Decke voller Bücher. Judith, die Eigentümerin, hat Holzleitern einbauen lassen, mit denen man die oberen Regalbretter erreicht. Vor ein paar Jahren habe ich Judith dabei geholfen, ein paar alte Holztische zu restaurieren, die jetzt mitten im Raum stehen, voller Bücherstapel. An der hinteren Wand befindet sich unser »Büro«, eine L-förmige Theke mit einer antiken Registrierkasse, einem supermodernen Computer für Kundendaten, Inventar und die Suche im Internet. Es steht immer eine Kanne Tee bereit, die Stammkunden wissen, dass sie sich bedienen können. Ich verbringe meine Tage damit, Bücher zu verkaufen und in unserer Sammlung von Recherchetexten oder im Internet irgendetwas zu suchen. Für einen Büchernarren ist dies so ziemlich der Traumjob. Ich werde bezahlt, um die merkwürdigsten Bagatellen zu jagen, und es ist, als lebe man in einem Kreuzworträtsel. Judith ist eine tolle Chefin. Es ist ihr egal, wenn Jane kommt und hier herumhängt, solange die Kunden bekommen, was sie brauchen.

»Und, hast du ihn dazu gebracht, seinen Krempel abzuholen?«, fragt Jane. Sie öffnet ihre Tasche und sucht nach einem Imbiss für Ethan. Sie schleppt immer genug zu essen für ein komplettes italienisches Hochzeitsbüfett mit sich herum. Sie hat Tupperdosen voller Cheerios, Saftkartons, Trauben (halbiert, um ein Ersticken zu vermeiden), eine Tüte mit Tierkeksen, Grahamcracker, Erdnussbuttersandwiches und ein paar Rosinen, die so aussehen, als seien sie seit der Geburt ihres ersten Kindes Amanda vor fünf Jahren in der Tasche.

Hätte mir jemand am College erzählt, dass Jane eine Hausfrau würde, hätte ich gelacht, bis mir das Bier aus der Nase getropft wäre. Jane war diejenige, die mir beigebracht hat, Martinis zu trinken, sie hatte schwarz gefärbte Haare, die zu ihrem Eyeliner passten, und blies mit ihren Nelkenzigaretten diese fantastischen Rauchringe. Sie hatte vor, nach New York zu ziehen und Modedesignerin zu werden, gab aber all das für Kinder und Küche auf. Man sollte meinen, dass sie verbittert wäre, aber Jane gehört zu den Leuten, die ihr Leben tatsächlich mögen. Sie und Jeremy haben direkt nach dem Abschluss geheiratet.

Jeremy hat eine Stelle bei einem Hightech-Unternehmen in Vancouver bekommen, und die beiden sind ein paar Wochen nach ihrer Hochzeit dorthin gezogen. Ich wohnte damals wieder zu Hause in Traverse City, Michigan, und kellnerte, was so ziemlich der einzige Job ist, der sich Leuten mit einem Abschluss in englischer Literatur anbietet. Es stellte sich heraus, dass meine Fähigkeit, große literarische Werke zu interpretieren, nicht gefragt war. Mein Dad erwähnte dies oft. Er wollte mir eine Stelle beim Kundendienst der Versicherung, für die er arbeitete, besorgen. Es langweilte mich zwar, zu kellnern, aber es fühlte sich wie ein »Zwischen-Job« an, ein Boxenstopp auf dem Weg zu größeren Taten. Den ganzen Tag am Telefon mit Leuten zu sprechen, die verzweifelt versuchten, ihre Versicherungspolice zu verstehen, fühlte sich an, als würde ich eine unbefristete Stelle im Fegefeuer annehmen. Anstatt der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen, bin ich weggelaufen, um Jane und Jeremy in Vancouver zu besuchen. Als ich dort angekommen war, wurde mir etwas klar. Wenn Jane hier leben konnte, dann konnte ich das auch.

Ich hatte immer in Europa leben wollen, in einer exotischen Stadt wie London oder Paris. Kanada hat jedoch einige Vorteile: Es ist nicht so weit weg, eine Freundin von mir wohnt bereits dort, sie sprechen Englisch (wenn auch mit einem zugegebenermaßen lustigen Akzent), es ist ein sicheres Land, die Lebenshaltungskosten würden mich nicht dazu zwingen, meine Niere zu verkaufen, und, vielleicht am wichtigsten, ich hatte ein Jobangebot, bei dem ich nie wieder fragen müsste, wer die Suppe bestellt hat. Obwohl sich jeder Kanada als ein Land genau wie die USA, bloß sauberer, vorstellt, ist es tatsächlich ziemlich interessant und gilt immer noch als Ausland. Ich erzähle den Leuten zu Hause, dass es hier überall die kanadischen Wahrzeichen gibt, also Mounties, wilde Bären, Elche, Schnee und Berge. Das ist genau genommen nicht zu hundert Prozent wahr. Ich habe noch nie einen Bären oder einen Elch gesehen, wohl aber Schnee und Berge. Die Mounties tragen fast nie diese traumhaften, roten Uniformen (vielleicht ist irgendwem aufgefallen, dass Zielrot nicht gerade eine raffinierte Wahl für Gesetzeshüter ist), aber man kann eben nicht alles haben.

Als ich Jane und Jeremy in Vancouver besuchte, verliebte ich mich in die Stadt. Sie war nicht so, wie ich mir Kanada vorgestellt hatte. Ich hatte irgendwie ein schneebedecktes Panorama inklusive Hundeschlitten und attraktiven, kräftigen Männern in Holzfällerhemden vor Augen. Ich dachte, es gäbe viel Ahornsirup, Bacon und pummelige Menschen mit karierten Wollmützen mit Ohrenklappen. Der erste Schock für mich war die Tatsache, dass es in Vancouver gar nicht kalt war. Ich hatte einfach angenommen, dass es in ganz Kanada kalt sei. Ehrlich, hat man jemals Fotos von Kanada ohne Schnee gesehen? Es stellte sich heraus, dass Vancouver an der Westküste liegt und dasselbe Wetter wie Seattle hat, mild mit genug Regen, um sich zu fragen, ob man nicht vielleicht in Atlantis wohnt.

Die Stadt sieht wie ein Park von Disney aus. Es gibt saubere, strahlende, hohe Bürgersteige mit einem System für den öffentlichen Nahverkehr, das sich SkyTrain nennt und im Prinzip die klassische Disneybahn ist. Außerdem sind alle disneymäßig nett, lächeln und entschuldigen sich, wenn sie einen anrempeln, und sie sehen ganz allgemein so aus, als hätten sie jederzeit Lust, innezuhalten und »It’s a Small World« zu singen. Auch wenn sie unnatürlich sauber und freundlich war, war sie doch eine echte Stadt, komplett mit trendigen Boutiquen, Designerläden, Chinatown, Theatern, einem Hockeyteam und Restaurants, die einem jede nur erdenkliche Art von Essen servieren. Für ein Mädchen, das in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, in der die Eröffnung eines Fastfoodrestaurants fast ein Feiertag war, war es überwältigend.

Der Umzug hierher brachte mich nicht nur dazu, Hockey und Sushi zu mögen, es gab auch nervige Unterschiede zwischen Kanada und den USA, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Zum einen benutzen die Kanadier tatsächlich das metrische System. In der siebten Klasse hatte mein Mathelehrer versucht, uns damit Angst zu machen, dass Amerika die Bequemlichkeit seiner Gallonen, Feet und Pfund gegen die präzise metrische Variante eintauschen würde. Wir lachten uns kaputt und waren uns so sicher, dass unser Land niemals Logik über Gewohnheit stellen würde. Kanada teilte unsere Werte anscheinend nicht und wechselte von einem Tag auf den anderen das System. Gestern fuhren sie mit soundso viel Meilen pro Stunde herum, und heute waren es Kilometer und Tausendfüßler oder so.

An meinem ersten Tag in Vancouver bin ich in den örtlichen Lebensmittelladen gegangen und stellte fest, dass alles in Einheiten gewogen wurde, die mir nichts sagten. Bei verpackten Dingen war es nicht allzu kompliziert, schließlich brauchte ich mir die Menge nur anzusehen, um eine Vermutung über das Gewicht anstellen zu können, aber die Kühltheke war ein Problem. Hinter dem Glas lagen Stapel von Wurst und Aufschnitt, die alle Preise pro hundert Gramm hatten. Ich hatte keine Ahnung, wie viel ein Gramm sein könnte, geschweige denn hundert. Hundert von irgendwas klang für mich nach ziemlich viel. Als ich an der Reihe war, trat ich vor und verlangte fünfundzwanzig Gramm Truthahnbrust. Die Angestellte zog eine Augenbraue hoch und fragte, ob ich mir sicher sei. Ich hörte einen anderen Kunden kichern. Ich wollte auf gar keinen Fall zugeben, dass ich keine Ahnung hatte.

Ich versuchte, wie eine gereizte Kundin auszusehen, die es nicht gewohnt war, von jemandem mit Haarnetz Fragen gestellt zu bekommen. Die Angestellte zuckte mit den Schultern, nahm mit ihrer Plastikzange eine Scheibe Truthahnbrust vom Stapel und legte sie auf das Wachspapier auf der Waage. Sie sah darauf, hob die Scheibe noch einmal hoch und halbierte sie. Dann wog sie sie noch einmal, wickelte sie sorgfältig ein und reichte sie mir über die Theke, dabei fragte sie, ob ich noch etwas brauchte. Ich schlich nach Hause und druckte auf einem Computer eine Umrechnungstabelle aus, die ich drei Jahre lang ständig mit mir herumtrug.

Schließlich wurde Vancouver von einem exotischen Ort zu meiner Heimat. Ich kenne mich jetzt in dem verwirrenden Durcheinander von Einbahnstraßen aus. Ich weiß, wo es das beste Sushi gibt, wo Thaipaprika, hausgemachte Cranberry-Scones und tollen, handgearbeiteten Schmuck. Ich habe angefangen »eh« zu sagen wie die Einheimischen. Manchmal fühle ich mich wie eine Undercoveragentin, denn niemand, der mich zum ersten Mal sieht oder trifft, würde darauf kommen, dass ich nicht in Vancouver geboren wurde. Niemand scheint zu sehen, dass ich nicht ganz hierhergehöre. Zumindest glaube ich das. Außerdem, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mich noch nie in meinem Leben so gefühlt, dass ich völlig irgendwohin gehöre, warum sollte ich mir also jetzt darüber Gedanken machen?

Jane und Jeremy schienen sich keinerlei Gedanken darüber zu machen, ob sie hierhergehören. Sie haben ihre Kinder hier bekommen, was sie, rein technisch gesehen wohl zu einem Teil zu Kanadiern macht. Jane verwandelte sich von einem Martini trinkenden Partygirl zu jemandem, der gerade einem Land’s-End-Katalog entsprungen zu sein schien. Sie hat zwei Kinder, kennt Gutenachtgeschichten auswendig und kocht Suppe ohne Rezept. Was noch nerviger ist: Sie und Jeremy sind das perfekte Paar. Er bringt ihr jeden Donnerstag Blumen, und freitags holen sie einen Babysitter, um einen Abend zu zweit zu verbringen. Jane hat den Stoffwechsel eines Wiesels und kann essen, was sie will. Vor ein paar Jahren hat sie mit Boxtraining angefangen und hat jetzt Armmuskeln wie eine dieser weiblichen Actionheldinnen. Sie hat vor Jahren mit dem Rauchen aufgehört und ist jetzt nervig frei von ärgerlichen Gewohnheiten. Ich würde sie hassen, wäre sie nicht meine beste Freundin auf der ganzen Welt.

Sie und ich knabbern Ethans Cheerios, während er sich ganz darauf konzentriert, sich Traubenhälften in die Haare zu schmieren. Ich weiß, dass sie hören will, dass ich Doug gesagt habe, er solle seinen Kram abholen.

»Nein, ich will nichts überstürzen. Ich glaube, wenn diese aufgeblasene Busenfaszination verschwindet, wird er wieder zurückkommen wollen«, verkünde ich und werfe dabei Cheerios in die Luft und fange sie mit dem Mund auf.

»Findest du, dass es eine gute Idee ist, darauf zu bauen?«

»Na ja, ich habe jedenfalls nicht vor, einfach aufzugeben. Weißt du, wie lange wir zusammen waren?« Ich mache eine dramatische Pause. »Ewig, so lange. Du kennst Doug doch, er hasst Veränderungen. Erinnerst du dich, wie lange er gezögert hat, bis wir zusammengezogen sind?«

»Das meine ich ja. Doug hatte immer Angst vor einer Beziehung. Vielleicht ist es an der Zeit weiterzugehen.«

»Einfacher gesagt als getan. Es ist hässlich da draußen. Ich bin einunddreißig Jahre alt. Wenn ich noch einmal von vorn anfangen muss, mich verabreden, die Verlierer aussortieren, mich entscheiden und jemand anderes suchen, dann schaffe ich das nie. Kannst du dir überhaupt vorstellen, wie lange es dauern würde, jemanden zu finden, den ich mag, und dann eine neue Beziehung zu beginnen? Da kann ich doch gleich sagen, ich werde mich niemals binden. Noch einmal von vom anzufangen, das ist dasselbe wie aufzugeben, und ich gebe nicht schnell auf. Doug und ich passen perfekt zueinander. Er ist bloß durchein ... nervös eben.« Ich sehe sie vorsichtig an, und mir fällt plötzlich auf, dass es fast immer um Doug ging, wenn Jane und ich uns während der letzten Jahre gestritten haben. »Du findest nicht, dass Doug und ich zusammengehören, oder?«

Sie verdreht die Augen. »Ich habe nichts gegen Doug. Er ist ein netter Kerl. Ich finde nur einfach, dass ihr beide unterschiedliche Dinge wollt. Du fühlst dich von ihm angezogen, weil er alles das ist, wonach du suchst: Er hat ein solides Leben, einen soliden Job. Er weiß, dass er solide ist, und hat panische Angst, dass solide langweilig bedeutet. Das macht ihn nicht zu einem verkehrten Kerl, aber zum Verkehrten für dich.« Ethan stößt einen dieser Schreie aus, die nur Kleinkinder zustande bringen – spitz, schrill und kurz davor, Glas zum Zerspringen zu bringen. »Hör mal, ich muss das Kind nach Hause bringen. Wir müssen Amanda noch aus der Vorschule abholen.« Sie umarmt mich und geht auf die Tür zu.

Ich habe das Bedürfnis, sie zu bitten, noch zu bleiben. Ich will nicht allein sein. Das, was ich jetzt am allermeisten vermisse, ist, Gesellschaft zu haben. Nicht, dass Doug und ich bis in die frühen Morgenstunden tiefgründige, philosophische Gespräche führten – er sah sich normalerweise Sport an –, aber es war schön, dass er da war. Wenn ich etwas Lustiges las, konnte ich aufsehen und es mit jemandem teilen. In einem leeren Haus zu lachen klingt traurig. Gestern Abend habe ich eine alte Air-Supply-CD aufgelegt und dazu in die Socke geweint, die ich gestohlen habe. Ich denke darüber nach, ihr einen Namen zu geben. Die Socke war