In der Bank da sind die Räuber - Brigitte Wehrfritz - E-Book

In der Bank da sind die Räuber E-Book

Brigitte Wehrfritz

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Beschreibung

Wenn man sein ganzes Leben hart arbeitet, einen soliden Handwerksbetrieb zum 75. Jubiläum führt und am Ende vor dem Nichts steht, dann ist das mehr als man ertragen kann. Die Autorin musste erleben, wie nach dem Tod ihres geliebten Mannes all ihre Hoffnungen, Ziele und schließlich ihre gesamte Existenz durch gezieltes Fremdverschulden hinterhältiger Banker, gierigen Maklern und schließlich der Ignoranz der eigenen Familie, gnadenlos vernichtet wurden. So wie Brigitte Wehrfritz, die trotz allem niemals ihren herzlichen Humor verlor, geht es vielen Menschen in Deutschland. Ihr aufwühlender Bericht soll wachrütteln und warnen.

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Seitenzahl: 183

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Brigitte Wehrfritz

IN DER BANK DA SIND DIE RÄUBER

Wie man gezielt eine Existenz zerstört.

Eine wahre Geschichte

Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Dateien sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Impressum:

© Autorin: Brigitte Wehrfritz

© Alle Rechte bei der Autorin

Gedruckte Ausgabe: Amazon-KDP

Herausgeber: © red scorpion books

Konvertierung: Zeilenwert GmbH / Libreka

© Redaktion: www.evelyne-kern.de

Covergestaltung: Brigitte Winkler

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019

ISBN: 9783959249614

Die Handlung ist nicht fiktiv. Namensgleichheiten oder ähnliche Begebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. *Namen sind erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Inhaltsverzeichnis:

Cover

Titel

Impressum

1. Es war einmal

2. So fing alles an

3. Wir brauchen mehr Geld

4. Die Ouvertüre

5. 1977 - Eine größere Behausung wird gesucht

6. Rückblende 1979 - Kaffeekränzchen mit Polizei

7. Wir, die Vermieter

8. 1998 - Zurück zum Anfang, der Überfall beginnt

9. Der Krisengipfel

10. 1999 - Das Jubiläum – die Firma wird 75

11. Der Angriff auf die Wohnung

12. Die Bankentour

13. Wir schaffen das

14. Vernichtung eines Bausparvertrages

15. Die Edelscheune

16. Der tägliche Kampf ums Überleben

17. Angriff auf den Garten, der Garten im Focus

18. Das Gutachten

19. Der Kämpfer

20. Omas Auto

21. Wenn Du solche Freunde hast, brauchst Du keine Feinde

22. Rückblende 1981 Beim Nachbarn brennt es

23. Man muss sparen wo man kann

24. Auf ein Neues

25. Wir die Hausmeister

26. Zwangsverwaltung

27. Hast nix, bist nix, kriegst nix

28. Der neue Anwalt

29. Die Notlösung – ein Strohhalm

30. 1999 Galerie I-Kuh

31. Zweimal abgebrannt

32. Das Rentenkonto

33. Einmal Glück gehabt

34. Im Visier der Polizei

Teil 2 - Reingefallen

35. Nachfolger gesucht

36. Der nächste Versuch

37. Neue Bank, neues Pech

38. An der Quelle saß der Knabe

39. Die Raubritterburg alias Finanzamt

40. Vertreibung aus dem Paradies

41. Ein Hoffnungsschimmer

42. Mit 70 in den Trümmern der Existenz

43. 2017 - Die Rentenlüge

44. Rückblick auf ein langes Leben

45. 2010 - Die Sache mit den Messgeräten

46. Sechs gegen eine

47. Auf Wohnungssuche

48. 1980 - Die Straßenausbausatzung

49. Der Stein des Anstoßes

50. Die Bahnlinie und der Radweg

51. Und es folgt der nächste Streich

52. Betrüger der Extraklasse

53. 2016 - Dubiose Erschließungskosten

54. 2012/2013 - Die Erpressung der Stadt

55. Die Umsatzsteuerfalle

56. 2001 - Meine treue Hilfe muss gehen

57. Die Nächte im Garten

58. Der Freundschaftsdienst und andere Begebenheiten

59. Die entschwundenen Mitarbeiter

60. Die etwas anderen Abwrack-Möglichkeiten

61. Guter Wille geht betteln

62. Die Pleite mit dem Denkmalschutz

63. Der etwas andere Versicherungsbetrug

64. Der wirkliche Bankräuber

65. Angekommen?

66. Danke

Widmung

Für meinen geliebten Mann, dem Einiges erspart geblieben ist.

Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank. -Bertolt Brecht-

Es war einmal…

„Der Vorstand unseres Hauses hat in der gestrigen Sitzung beschlossen, nicht mehr mit Ihrer Firma zu arbeiten. Er kündigt Ihnen zum 1. April 2000 alle Kredite, fristlos! Bitte gleichen Sie alle Konten aus“, und als ob diese Mitteilung nicht reichte, kam noch der lapidare Kommentar, dass alles noch schriftlich kommt.

Entgeistert sahen wir uns an. Damit hatten wir nicht gerechnet. Herr Huber von der Dorf- und Landkasse teilte uns diese Entscheidung ungerührt mit. Das war es dann wohl, gute Nacht schöne Welt, ein Jahr Kampf umsonst.

Wir sperrten alle Türen zu und saßen geknickt an unseren Plätzen. Der Chef, unsere Mitarbeiterin Daniela und ich, die Chefin. Unfähig etwas zu sagen, geschweige denn zu denken oder ganz einfach aufzuschreien. Soll das Schreckensjahr umsonst gewesen sein? 365 Tage voller Sorgen, Ängste und Hoffnungen? Immer wenn der Postbeamte an der Türe klingelte, waren wir auf alles gefasst. Ob Mahnung, Mahnbescheid oder ein ganz normaler Einschreibebrief, es war jedes Mal eine Stimmung wie kurz vor der Hinrichtung.

Das Klingeln des Telefons brachte unseren Adrenalinspiegel ebenfalls ständig auf Hochtouren.

Die Nackenhaare stellten sich auf, und dann war es Gott sei Dank ein Kunde, der einen Auftrag hatte. Wir hätten ihn am liebsten durch das Telefon geküsst vor Freude.

Am nächsten Morgen waren wir eine Viertelstunde beschäftigt alle Kuverts gegenzuzeichnen, die uns der Postbote von unserer Hausbank überbrachte. Soviel Mühe haben die sich mit uns gemacht. Jedes einzelne Kuvert ein Hinrichtungsurteil!

Wie konnten wir nur so naiv sein, den Worten und Briefen des letzten Jahres zu glauben, die von Hilfe sprachen, wenn wir nur alles tun, was die Bank will.

So fing alles an

Ich erinnere mich noch genau an die Atmosphäre im

Büro, als unser Lieferant anrief und wissen wollte, wieso der von ihm abgebuchte Betrag wieder zurückgeholt wurde.

Wir fielen aus allen Wolken, hatten wir doch die Abbuchung schon auf unserem Konto gesehen. Es konnte sich nur um einen Irrtum handeln, so wir unisono, und versprachen, sofort bei unserer Hausbank anzurufen, um das aufzuklären. Nach diesem Telefongespräch saßen wir dann da mit unserem Talent.

Es wäre notwendig, das Konto auszugleichen, vorher würden sie die Überweisung nicht mehr durchführen, wurde uns erklärt.

Wir dachten bisher, dass eine Bank dazu da sei, Kredite zu geben, damit in den Firmen alles läuft wie geschmiert. Hier hatten wir uns gründlich getäuscht.

Sicher, wir hatten zu diesem Zeitpunkt ein sehr notleidendes Firmenkonto, der Betrag setzte sich aus Lager- und Ladenbestand, die Vorfinanzierung der Waren der laufenden Aufträge zusammen und türmte sich durch hohe Überziehungs-Zinsen auf.

Unser Chef, der im Herbst 1997 an Kehlkopfkrebs erkrankte, schnellstens operiert werden musste und deshalb fast drei Monate nicht richtig sprechen konnte, blieb nicht ohne Folgen. Aufträge blieben aus, weil er keinen Kundenkontakt halten konnte.

Damals hatten wir zwölf Mitarbeiter, denen man nicht so plötzlich kündigen konnte. Wir mussten Löhne zahlen, hatten fast keine Aufträge also auch keinen Umsatz erwirtschaften können. Wir hatten ja schon wegen der schweren Krankheit meines Mannes viel Nerven gebraucht.

Unsere tüchtige Hausärztin hatte damals so nebenbei die kratzige Stimme unseres Chefs bemerkt und gründliche Untersuchungen beim Facharzt angeordnet. Binnen drei Tage war er in der Klinik in Erlangen und der Operationstermin stand sofort fest. Es blieb keine Zeit mehr in der Firma alles zu organisieren. Die Ärzte hatten ganze Arbeit geleistet, die Operation war gelungen, der Patient war am Nachmittag noch nicht bei Bewusstsein und sein Aussehen ruiniert.

So einen großen runden Kopf mit Schlitzaugen und einem Bart, der nun doppelt so breit war, haben Sie oder ich im ganzen Leben noch nicht gesehen.

Da mein Mann noch nach Stunden nicht erwachte, stellte ich gemäß meinem Motto „geht nicht, gibt’s nicht“ die gesamte Station auf den Kopf und gab so lange keine Ruhe, bis die Ärzte den Patienten in die Intensivstation verlegten.

„Sicher ist sicher“, dachte ich. Er wäre sonst verblutet, obwohl die Wachstation sich gegenüber des Zimmers befand.

Ich fuhr ja am Abend wegen der Firma wieder heim und ich wollte partout keine Überraschung, etwa wie „Operation gelungen, Patient tot.“

Auf unseren späteren Spaziergängen in der Stadt war mein Mann der Hit auf der Straße. Alle starrten ihn an, sein Kopf und die Schulter waren aufgeblasen wie ein Luftballon, Kopf und Hals übergangslos. Mit Hut in der Hand und Sitzplatz vor dem Kaufhaus wäre er wahrscheinlich reich geworden.

Schuld war ein Fehler der Beatmung während der Narkose, die Luft wurde anstelle in die Lunge, ins Gewebe geblasen. Die Studenten der medizinischen Fakultät Erlangen haben seitdem Gelegenheit ein Foto des aufgeblasenen Gesichtes meines Mannes im Hörsaal zu sehen und die Folgen schludriger Arbeit zu studieren. So geht man in die Geschichte der Medizin ein.

Diese Sorgen mit der Krankheit, die ständigen Untersuchungen forderten viel Kraft. Obwohl keine weiteren Behandlungen nötig waren, die Angst war trotzdem immer dabei. Um die fehlenden Umsätze aufzufangen und die Kosten zu senken, baten wir die Bauernkasse um Tilgungsaussetzung, bis wir wieder im Lot sind.

Denkste! Das war die Gelegenheit uns zu zeigen wo der Hammer hängt, wir waren zum ersten Mal angreifbar.

Wir brauchen mehr Geld

Durch unvorhergesehene Handwerkerrechnungen verursacht durch den Umbau unserer Edelscheune war eine Nachfinanzierung erforderlich. Bei unserer Hausbank angefragt, waren der Direktor und sein Helfershelfer schnell zur Stelle und boten uns an, zur Sicherheit eine große Lebensversicherung für uns abzuschließen. Anders könne er die Nachfinanzierung nicht darstellen.

Er bräuchte eben Sicherheiten falls wir unseren Geist vor der Abzahlung aufgeben sollten. Man tarnte die Sicherheit als Rentenversicherung, das war auch unser Glück, sonst hätten sie den kläglichen Rest an Rückkaufswert auch wieder eingefordert, mussten wir von nun an monatlich 3000 DM von unserem leidgeprüften Geschäftskonto berappen.

Von den nun immer noch mehr ansteigenden Kontokorrentzinsen hätten wir uns jeden Monat eine Karibikreise gönnen können.

So haben wir tagaus tagein geschuftet, um der Bank die Zinsen in schwindelerregender Höhe zahlen zu können.

Um auch unseren Anteil beizutragen, ließ unsere Rechnungsstellung außerdem sehr zu wünschen übrig. Bei der Bearbeitung unserer Arbeitsberichte, nach denen die Rechnungen geschrieben wurden, kam der Chef immer nur bis H oder J, danach war Pause wegen Überlastung. Die Kunden mit den Buchstaben bis Z hatten durch die Zwangspause seiner Arbeitskraft automatisch ein längeres Zahlungsziel. So gegen Weihnachten kamen auch sie an die Reihe. Womit diese natürlich jetzt nicht gerechnet hatten, schließlich mussten doch Weihnachtsgeschenke gekauft werden. Die Bezahlung unserer Rechnungen wurde also aufgeschoben.

Die jetzt übliche großspurige Werbung mit der Nullzins-Finanzierung der Großkonzerne hatten wir in unserer Firma damals schon, da dachten die Banker noch gar nicht daran. Wir waren auch für Zwischenfinanzierung mancher Kunden zuständig. Wir bemerkten dies zwar, waren aber großzügig, man mahnt eben gute Kunden nicht. Das war ein Fehler, den wir nun schwer büßen mussten. Wir waren blauäugig, leichtgläubig und etwas lasch, was Geld anbelangte.

Uns wurde immer wieder versichert, wie viel wir verdienen und merkten nicht, wer sich alles bediente. Ob Steuerberater, Finanzamt, Stadt oder Bank, wir waren Zahlemann und Töchter. Erklären konnte uns keiner weshalb wir uns nichts leisten konnten, aber für die anderen immer etwas übrig hatten.

Die Ouvertüre

Wie war das denn im Jahr davor? Ein Lieferant buchte ab, eine ziemlich große Summe, für Rechnungen, die nicht einmal zwei Wochen alt waren. Dafür bekamen wir sage und schreibe drei Prozent Skonto, während die Bank 14 % und mehr daran verdiente. Wir wollten bei den Lieferanten glänzen und gut dastehen, obwohl wir keinen höheren Rabatt mehr dafür erhielten. Im Gegenteil. Hätten wir wie andere mit den Zahlungen gewartet, hätte die Bank nicht die Möglichkeit gehabt, uns in aller Öffentlichkeit zu blamieren und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Seit über zwanzig Jahren waren wir Kunde bei dieser Bank und ließen diese gut an uns verdienen, sie war der stille Teilhaber unserer Firma.

Der damalige Direktor hatte so viel Vertrauen in uns, dass er per Handschlag unter unserem damit erworbenen Naturdenkmal von Kastanie einen Kredit für den Kauf für den Kauf eines alten heruntergekommenen Anwesens zusagte, wohl wissend, dass wir alles daran setzen, den alten Kasten wieder herzurichten und den Wert damit steigern würden.

1977 - Eine größere Behausung wird gesucht

Es hatte so schön begonnen. Die Hochzeit war geplant. Ich wohnte schon bei meinem künftigen Mann, der einen Handwerksbetrieb sein eigen nannte. Meine Tochter hatte ein Zimmer für sich. Ich hatte eine tolle Arbeitsstelle und fühlte mich sehr wohl. Verdiente gutes Geld.

Kurz zuvor verstarb der Onkel meines Mannes in dessen Haus wir zur Miete wohnten und dort auch die Werkstatt mit dem Büro untergebracht war. Da tauchten vierzehn Erben auf und wollten so schnell wie möglich das Anwesen mitten in der Stadt verkaufen.

Wir waren zwar auch an der Erbschaft beteiligt, aber dieser Anteil reichte bei weitem nicht aus, es selbst zu kaufen. Die betuchte Nachbarin kaufte es und wir konnten weiterhin darin wohnen.

Es dauerte nicht lange, bekamen wir doch kurz nach der Hochzeit ein fertiges Kind, die Tochter meines Mannes aus der vorherigen Ehe. Das Mädchen war zwölf, von der Mutter misshandelt und ziemlich fertig mit der Welt. So kam das Jugendamt auf die Idee es mit uns zu versuchen. Nur wohin mit ihr. Es gab kein weiteres Zimmer.

So blieb uns nichts anders übrig als unser Nachtlager im

Wohnzimmer auf einem sehr schmalen Klappbett aufzuschlagen und sie in unserem nagelneuen, schönem Schlafzimmer mit Doppelbett unterzubringen. Was tut man nicht alles um des Friedens willen.

Mit der Bettenaufteilung, das war noch nicht alles. Wir schafften es, dass unser neues Kind von den untersten Notenstufen sich um drei verbessert hatte. Sie bekam ein Frühstück, ein Mittagessen, ein Abendessen. Sie bekam normale Klamotten, keine Sandaletten im Winter. Wir kümmerten uns um die Hausaufgaben, so dass die Lehrer voller Lob für uns waren. Zwei Jahre lang zahlten wir weiterhin Unterhalt an die Mutter, auch Unterhalt für die Tochter, obwohl sie schon die ganze Zeit bei uns lebte. Das Kindergeld bekam sie, nicht wir. Und als wir das Sorgerecht bei Gericht einklagen mussten, bekam diese Rabenmutter noch eine Abfindung von uns, damit sie ihre Tochter nicht in ein Erziehungsheim schicken konnte, was wirklich nicht nötig war.

Die Suche nach einem bezahlbaren Haus mit den Möglichkeiten auch einen Handwerksbetrieb mit Laden unterzubringen gestaltete sich sehr schwierig. In einer Nobelgegend wollte man uns nicht haben, obwohl die dortige Ruine von uns gerettet worden wäre. Sie ist bis heute nicht gerettet, aber einen Nobelanwalt als Nachbarn stellten wir uns auch nicht so einfach vor. Vom Standesdünkel in dieser Gegend, dem Monte Protzo, ganz zu schweigen.

Und in der Innenstadt gab es nichts, was unser Budget erlaubt hätte. Bis die Käuferin unseres bisherigen Wohnhauses auf ein altes historisches Anwesen mit viel

Grund herum und nicht weit von der Innenstadt entfernt, hinwies.

Besichtigt, überlegt, was man daraus machen kann und mit der Bank gesprochen. Und so erschien der damalige Direktor mit dem Sachbearbeiter um die Immobilie in Augenschein zu nehmen.

Sie kannten unseren Betrieb und Möglichkeiten und per Handschlag unter unserem Naturdenkmal Kastanie bekamen wir die Zusage zum Kauf. Wir hatten uns viel Arbeit und auch viel Sorgen gekauft.

Rückblende 1979 Kaffeekränzchen mit Polizei im Bauerngarten

Wir waren nun stolze Hausbesitzer, wohnten seit einem halben Jahr im Haus, und erfreuten uns an dem schönen Bauerngarten. Das Verhältnis zu unseren Mitarbeitern war gut und so luden wir sie im Sommer zu uns in den Garten ein. Der Tisch war gedeckt, Kuchen und Sahne, alles war da. Die Mitarbeiter mit ihren Frauen saßen am Tisch als ich mit zwei vollen Kaffeekannen in den Händen zwei fremde Männer in dieser Runde erblickte. „Können Sie uns sagen, wo ihr Mann gestern zwischen 12 und 13 Uhr war? Huch, was war denn das! Und gestern? Ja was war gestern? Auf meine Frage wer sie sind und was das soll, gingen die Zwei nicht ein. Ich sollte einfach die Frage beantworten.

Das mit gestern war zwar erst einen Tag her, aber meinen Sie, das würde einem so schnell einfallen.

Nach einer Schreckminute, die vollen Kaffeekannen klapperten in meinen Händen vor sich hin, konnte ich mich erinnern, dass es der letzte Schultag vor den Sommerferien war, unsere Mädels mittags in das Kreuzi sind und wir zwei im Garten unser Mittagessen grillten.

Die Zwei von der Kripo, wie sich dann herausstellte, waren mit dem Alibi zufrieden, aber die Fragen hatten einen traurigen Anlass. Ein junges Mädchen war in unmittelbarer Nähe unseres Gartens in der Mittagszeit erstochen worden. Um den Täter zu finden, war der Kripo jedes Mittel recht.

Jeder der sich auf der Nürnberger Straße befand und etwas ungewöhnlich aussah, z.B. rote Haare, wurde sofort in die Grüne Minna verladen und dort verhört. Sogar die Bildzeitung berichtete über diesen Mordfall. Zum Schluss stellte sich heraus, dass unser 12-jähriges Nachbarmädchen den Täter kannte. Hatte er doch an ihr ebenfalls schon Fesselungsspiele versucht und dann doch von ihr abgelassen. Sie hatte mehr Glück als die Studentin aus München, die nur in Ruhe lesen wollte.

Erst nachdem die Polizei das Nachbarhaus auf den Kopf gestellt hatte, rückte sie mit ihrem Wissen heraus und der Täter, ein 16jähriger Schreiner-Lehrling aus der Nachbarschaft konnte verhaftet werden. Schlimm an der ganzen Geschichte war, dass der Mörder nach nur sechs Jahren Haft wieder frei kam.

Ihm wurde Affekt unterstellt, die Studentin hätte geschrien, obwohl wir glaubhaft versichert, dass wir die

Schreie hätten hören müssen.

Unser Kaffeekränzchen war natürlich dann beendet. Es sollte nicht der einzige Polizeieinsatz bei uns werden.

Wir, die Vermieter

Wir hatten auch einmal einen Mieter aus dem Sudan. Der studierte auf Staatskosten in Bayreuth, war schon ein Jahr verheiratet und holte nun seine Frau zum Zwecke der Familienplanung nach. Sie war bildhübsch, sah mit ihrem Sari aus wie eine Prinzessin, hatte kunstvolle Henna-Bemalungen an den Händen und kam anscheinend aus einer reichen Familie.

Der neue Mieter wurde uns von einer Professorin vermittelt, die afrikanisches Recht lehrte und sich um Afrikaner kümmert. Er stolzierte täglich mit seinem Kaftan und dem dazu passenden Käppi entweder an die Uni oder in unserem Garten umher. Dass er muslimischen Glaubens war, muss ich nicht extra betonen, er stammte aus dem Norden des Sudan.

Am ersten Tag ging er überhaupt nicht zum Studieren, wird ja jeder verstehen, wenn man seine Frau ein Jahr nicht gesehen hat. Am zweiten Tag ließ er sie allein.

Nachmittags bemerkten wir beißenden Rauch im Flur des

Hauses, meine Mutter hatte schon rot geränderte Augen. Aus der Lüftung hinter dem Haus quoll Rauch.

Wir befürchteten einen Brand, klopften und klingelten wie verrückt an der Tür, auch wussten wir nicht, ist sie zu Hause oder unterwegs? Aus Sorge, dass uns die Hütte abbrennt, sperrten wir die Türe auf um den Strom abzuschalten, damit nicht noch mehr passiert. Um nicht alleine die Verantwortung zu tragen, machte dies unser Elektriker. Die Türe aufgesperrt, hineingegangen, die Wohnung voller Rauch und mittendrin hüpfte das Prinzesschen nackend mit Räucherstäbchen, oder was immer das war, im Kreis herum. Sie nahm uns in ihrem Rausch nicht zur Kenntnis, aber wir beichteten unser Eindringen abends ihrem Mann und baten um Entschuldigung. Konnten wir wissen, dass Fruchtbarkeitstänze im Sudan zur Eheschließung gehören? Wir hatten auch noch Glück, wie uns die Professorin erklärte, die machen das sonst im Freien. Da hätte es aber einen Stau vor unserer Haustüre gegeben.

Seine Bemühungen in Sachen Nachwuchs waren von Erfolg gekrönt, die Räucherstäbchen trugen das Ihrige dazu bei. Pünktlich kam ein Sohn zur Welt, das kleine Glück war perfekt. Weniger perfekt war die Haushaltsführung der jungen Dame. Wir hatten möbliert vermietet mit Federbetten und allem Drum und Dran. Die Professorin lieh ihnen ein passendes Bücherregal.

Nach Abschluss des Studiums stand der Auszug aus dem Abendland bevor. Zwar nur mit einem Koffer eingezogen, stand nun für die Abreise ein Transporter bereit. Gewundert hatten wir uns schon, aber beim Verabschieden waren wir zu sehr beschäftigt und gerührt, bemerkten nicht, dass auch der Hausstand von dannen fuhr.

Auf dem Boden der Tatsachen angekommen, standen wir vor einer ausgeräumten Wohnung. Keine Töpfe, Teller, Tassen, alles war weg.

Es waren nur noch Berge von gebrauchten Windeln, massig Keksschachteln und Schokoladenpapiere da, aufgestapelt hinter einem Vorhang. Wir wussten nun, weshalb die junge Mutter mittlerweile das Dreifache wog. Vollgesaugte Federbetten inklusive der Matratzen, fertig zum Entsorgen. Einzig das Bücherregal stand noch im Raum, zum Abtransport zu sperrig, weshalb er es großzügig seiner Gönnerin zurückschenkte.

Der junge Mann nahm es mit dem Gaststudium und Stipendium sehr genau, so dass noch nach Jahren diverse Gerichtsvollzieher bei uns erschienen um Krankenhaus-, Arzt-, Bücher- und sonstige Rechnungen einzutreiben und so kam es, dass die Universität nun auch für Vater- und andere Freuden zahlen musste.

Jahrelang mühten wir uns ab, eine Wohnung nach der anderen fertigzustellen, jede freie Minute opferten wir. Das Privatleben blieb auf der Strecke, Urlaub gab es ganz selten, aber wir hatten nach zehn Jahren ein Haus mit sechs Wohnungen, was uns half, die Bürde der Belastungen zu mindern.

Der Gedanke, dass dies unsere Rente sei, ließ uns durchhalten und ohne Sorge an das Alter denk Die Töchter gingen zur Schule, machten uns keinen Ärger, wir hatten Freude am Garten und Haus, wo sich Omas, Tanten, Kinder, Mieter und Katzen tummelten, sogar eine Ente gehörte uns.

Ein Cousin, der alles was man essen konnte selbst schlachtete, brachte meine Daisy um und sie wurde von meiner näheren Verwandtschaft gnadenlos verspeist. Sie wäre sowieso an Herzverfettung gestorben, da sie von Oma und Tante mit Nudeln, Kartoffeln und anderen leckeren Essensresten verwöhnt wurde, weshalb nicht vorher umbringen und was davon haben.

Danach war der Familienfrieden erheblich gestört und ich weigerte mich den Bratentopf abzuwaschen, in dem man meine Daisy gebraten hatte.

Keine Ahnung vom Vermieten, aber kurzer Hand ins kalte Wasser gesprungen. Unsere Mieter waren meist besondere Persönlichkeiten. Es musste an uns Vermietern und unserer Auswahl gelegen haben, dass wir öfter auf besondere Mieter oder schräge Typen hereinfielen.

Der eine war zwar nicht schräg, aber verschlafen. Weck- und sonstige Dienste waren scheinbar Teil des Mietvertrages. So bewahrten wir ihn vor der Enterbung, weil wir ihn rechtzeitig aufweckten, damit er es zur Taufe seines Patenkindes in den Regensburger Dom schaffte. Die Bemühungen ihn wach zu kriegen, waren immens.

Da half kein Klingeln, kein Klopfen, kein Schreien durch die Türe. Das Telefon hörten wir, aber er nicht. Wir holten den Schlüssel für den Notfall, sperrten die Türe auf, zerrten ihn aus dem Bett, denn es war nur noch eine Stunde bis zur Taufe. Blitzschnell angezogen, ließ er in Hektik Papiere und Geld auf dem Parkplatz liegen und fuhr wie der Teufel von dannen. Benzin hatte er anscheinend genügend im Tank.

Den Blumenstrauß überbrachte er uns danach mit der Bemerkung, wenn das nicht geklappt hätte, wäre er jetzt ein armer Schlucker, seine Familie hätte ihn enterbt. Die versammelte Taufgemeinde und der Pfarrer waren gerade dabei, den Täufling ohne ihn, den Paten, zu taufen.

Ein anderer war von einer Mitbewohnerin so angetan, dass er nachts einen Versuch startete, sie zu erobern. Leider hatte er vergessen, dass in der obersten Etage kein Treppengeländer war und purzelte angesäuselt eine Treppe hinunter direkt vor seine Wohnungstüre. Durch blaue Flecke misstrauisch geworden, wollte die am nächsten Tag angereiste Ehefrau seine Version von uns bestätigt wissen. Anscheinend kannte sie ihn gut.