INDIGO ILLUSION - L.C. Hamilton - E-Book

INDIGO ILLUSION E-Book

L.C. Hamilton

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Beschreibung

Willkommen in New Born Kingdom, der Urban-Fantasy Welt hinter den Spiegeln. Kilian und Jegor Lancaster sind die königlichen Ermittler von Icon, der Welthauptstadt in New Born Kingdom -- dem Land der Monster und Magie. Ihr neuster Fall mit 19 toten Trickster Magiern, tritt eine Welle an Events los, die keiner von ihnen kommen sah. Eine dunkle Geschichte zwischen Liebe, Lügen und Magie beginnt. Indigo Illusion - Die Revolutions Saga von L. C. Hamilton ist der Beginn einer Urban-Fantasy Reihe, die den Leser in eine Welt voller Monster, Horror und diversen LGBTQAI+ Charakteren führt. Der Beginn einer Geschichte zwischen Kreaturen, Konflikt und einem korrupten System. Bist du bereit dabei zu sein?

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Seitenzahl: 440

Veröffentlichungsjahr: 2021

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revolution-series.com

Für meine Mama, meine Väter und meine Großeltern.

„Schaut hoch in die Sterne und nicht runter auf eure Füße. Versucht zu verstehen, was ihr seht, und fragt euch, was das Universum existieren lässt. Seid neugierig.“– Stephen Hawking

Anmerkung des Autors

Hast du schon mal versucht vor Verantwortung wegzulaufen, zu flüchten und nicht daran zu denken, was deine Familie oder dein Umfeld davon denkt? Oder hast du dich schon mal wie ein Außenseiter gefühlt? Jemand der nicht reinpasst? Und war das der Grund, wieso du lieber mit einer Puppe redest und einem komischen Magier? Willkommen in Indigo Illusion, der Welt von Kilian und Jegor Lancaster, zwei magischen Ermittlern, die genau mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wie wir Menschen.

Indigo Illusion, die Revolutions Saga, ist die Einführungsgeschichte der beiden Cousins, die in Icon leben, der magischen Hauptstadt in New Born Kingdom. Eine Prophezeiung bringt sie an ihren nächsten Fall. Ein Fall voll von Herausforderungen, Monstern und Beziehungsproblemen, mit denen sie sich zuvor nie herumschlagen mussten. Tauche ein in die Welt von Indigo Illusion, erlebe und entdecke den Fall und die Welt von Icon während du den Cousins auf ihren Ermittlungen folgst.

Die Revolutions Saga ist eine urbane Fantasiereise, zwischen Monstern, Liebe und Hass in einer magischen Cosmopolitan-Society, die mehr oder minder fair ist.

Ich hoffe, dass dieses Buch dir Mut, Tapferkeit bringt, Vorstellungskraft und neue Kreativität, ganz egal wo du es lesen wirst. Jetzt ist es an der Zeit die erste Geschichte zu erkunden und in eine neue Welt einzutauchen. Die Revolution ist auf dem Vormarsch.

Bist du bereit ein Teil von ihr zu sein?

Inhaltsverzeichnis

PROLOG

Kapitel I : Das zerbrochene Siegel

Kapitel II : Relayne

Kapitel III : Forbes

Kapitel IV : Im Untergrund

Kapitel V : Die Legende

Kapitel VI : Heimgesucht

Kapitel VII : Acer

Kapitel VIII : Petyr

Kapitel IX : Bekannte

Kapitel X : Fremder

Kapitel XI : Shadra

Kapitel XII : Bund

Kapitel XIII : Der Boogeyman

Kapitel XIV : Omen

Kapitel XV : Die Sieben Sünden

Kapitel XVI : Saeculga

Kapitel XVII : Wendepunkt

Kapitel XVIII : Kinder des Siegels

Kapitel XIX : Familie

Kapitel XX : Menschlich zu sein

Kapitel XXI : Von Liebenden und Verlusten

Kapitel XXII : Zerbrochene Teile

Kapitel XXIII : Verrat

Kapitel XXIV : Der Tod und die drei Musen

Kapitel XXV : Purpurrot

Kapitel XXVI : Glauben

Kapitel XXVII : Vor dem Sturm

Kapitel XXVIII : Tanz mit dem Teufel

Epilog

PROLOG JEGOR

Wieso versuchst du es, wenn du dir nicht sicher bist?

Icon, Doom, 2005

Doom, wie sie es genannt wurde, war eine pechschwarze Gegend, das Viertel in dem Schwarze Magie geschah. Gerüchten zufolge war es der Ort, an dem Dämonen und Kreaturen bei Nacht erwachten.

Für Jegor war es das beste Viertel der Stadt, auch wenn er gerade einmal vierzehn Jahre alt war. Jegor mochte die Dunkelheit und genoss den kalten Regen, der auf seine Haut fiel. Die düsteren, nebeligen Straßen gaben ihm ein angenehmes Gefühl, wo andere sich doch lieber zu Hause unter der Decke versteckten. Für Jegor war die Dunkelheit wie eine freundliche Hand, die immer greifbar war, wenn er sie am meisten brauchte. Er erinnerte sich noch genau daran wie es war, an dem Tag der Zeremonie von Merlin. Die Zeremonie, durch die jedes Kind im Alter von vier Jahren erwählt wurde. Der Tag, an dem seine magische Klasse ihn auserkoren hatte.

Icon, die Stadt in der sie lebten, war die Hauptstadt von Jegors Welt – New Born Kingdom. Die magische Population war nur halb so groß, wie die der menschlichen Welt. Nicht alle Länder existierten so, wie sie es in der menschlichen Welt taten. Icons Architektur ähnelte der des viktorianischen Londons, als auch der des modernen Londons. Einige Viertel trugen den gleichen Namen. Dennoch erkannte man die Unterschiede deutlich, an der Magie in den einzelnen Gegenden. Portale wurden für das Reisen genutzt. Mit Objekten, Kräutern und magischen Artefakten wurde Handel betrieben. Geld hatte hier kein Nutzen. Die einzige Währung, die existierte, war Silber, die Mehrheit der Magier interessierte sich jedoch hauptsächlich für Objekte. Der Nutzen des Silbers lag im Erwerb essentieller Dinge wie Essen und Medizin. Gerade, wenn es um magische Artefakte ging, war Handeln die beliebteste Option in allen magischen Ländern. Manche Magier handelten sogar mit nicht-magischen Objekten, wie Fernsehern oder Mobiltelefonen. Im Gegensatz zu seinem Cousin Kilian, hatte Jegor jedoch kein Interesse an den modernen Lebensarten und Techniken der Menschen. Dinge wie Mp3 Player interessierten ihn schlicht und ergreifend nicht. Icon selbst war eine sehr gespaltene Stadt, wenn es darum ging, entweder die modernen Traditionen aufzugreifen oder lieber den alten, magischen und vor allem vertrauten Arten treu zu bleiben.

„Schön dich wiederzusehen, mein liebster Freund.“ Es war eine charmante, raue Stimme, die ihn begrüßte.

Jegor blickte zu der Person hinter dem Tresen des Ladens, den er gerade betreten hatte. Es war der bekannteste magische Laden in diesem Viertel: Fears Trunkstube. Ein Laden für jegliche Art von magischen Artefakten. Egal ob Heilungstrank, Mittel, die ein gebrochenes Herz flicken konnten oder verbotene Kräuter, Fear hatte alles. Selbst das, welches man woanders nicht bekommen würde. Er war ein koreanisch-russischer Magier und der stärkste Zauberer in Icon. Jedes Jahr wurde er in den politischen Rat gewählt, der für die Stadt zuständig war. Jede Stadt hatte einen Rat, der von Magiern der vier Klassen geleitet wurde.

„Hat dir deine Mutter nicht gesagt, dass du hier nicht mehr herkommen sollst?“, fragte Fear mit einem ominösen Glitzern in seinen Augen.

Jegor zog seine Kapuze herunter und offenbarte einen kahlen Kopf. Der Tag der Zeremonie hatte den Verlust seiner Haare verursacht. Ein Preis, den er für seine Magie bezahlte. Seine Augen waren grau, passend zu seinen schwarzen Klamotten. Wenn es keinen besonderen Anlass gab, trug Jegor immer schwarz. Dies war nur einer der Gründe, weshalb andere Kinder sich von ihm fern hielten. Er verhielt sich nicht so wie die Gesellschaft es von ihm verlangte. Noch dazu war er wesentlich weniger charmant als sein Cousin Kilian.

„Es interessiert mich nicht, was Mutter sagt. Ich bin es leid, königlichen Unterricht zu nehmen, während die wichtigen Dinge ignoriert werden. Jeder verhält sich so, als hätte die Schwarze Magie mich niemals ausgesucht.“ Seine Stimme war nicht wütend, sie zeigte nur, wie müde Jegor war.

Müde, dieselben Dinge immer wieder und wieder zu hören. Sein Blick wanderte umher. Da waren Tränke und Kräuter in verschiedenen Farben – grün, blau, violett und einem tiefen Rot. Die Etiketten verrieten Zweck oder Inhalt, manchmal beides – Heilung, Gifte, oder die wesentlichen Dinge für bestimmte Rezepturen. Ein anderes Regal wiederum behauste Bücher in verschiedenen Sprachen. Das wundersamste Buch war der Touristenführer für London. Fear mochte die Menschenwelt nicht sonderlich, dennoch fand er es interessant, diese zu studieren und zu verstehen. Vor allem, wenn es um Touristen ging. Neben den Büchern befand sich eine Kollektion allerlei Artefakte aus den magischen Ländereien Madness, Aeropa und sogar Daarcemking. Ein Totenkopf, dem eine Schlange aus einer der Augenhöhlen ragte. Eine schwarze Rose mit Vampirzähnen. Eine Werwolfsklaue, die in grüner Flüssigkeit lebendig gehalten wurde. Jedes Mal, wenn Jegor Fear besuchte, hatte jener Magier ein neues Artefakt in seinem Laden. Er war dafür bekannt, viel zu reisen und in beiden Welten unterwegs zu sein.

„Das ist nun mal das Leben mit königlichem Blut. Rege dich nicht auf. Deine Mutter hat immer gehofft, dass du und Kilian in einer der ruhigeren Klassen landen würdet. Aber die Zeremonie hatte eben anderes im Sinn. Früher oder später wirst du das akzeptieren. Fokussiere dich nicht auf deine Wut, sondern auf etwas, was deine Zeit wert ist, mein junger Magier.“ Fear blickte Jegor in die Augen. Jegor hatte noch nie solch sonderbaren Augen gesehen wie Fears. Sie waren so dunkel, dass sie einen an den Tod erinnerten. Trug Fear einmal nicht seine schwarzen Jeans und die tief geschnittenen Pullover, welche sein Schlüsselbein freilegten, sah man ihn in langen Mänteln, die mit besonders detaillierten Stickereien versehen waren. Abgerundet wurde das Ganze durch seine kurzen, weißblonden Haare.

„Ich wünschte, sie würde mich wie Kilian behandeln. Er kann machen was er will. Papa ist der Einzige, der mich wirklich zu verstehen scheint. Aber er ist krank. Schwer krank.“ Jegor sah zu dem Berg an mythologischen Büchern im Regal. „Fear, mein Vater liegt im Sterben.“ Jegor schluckte. Es war das erste Mal, dass er es laut ausgesprochen hatte. Diese Worte zu hören machte es real. Der Schmerze manifestierte sich, ganz genau da, wo sein Herz saß. Eine schwarze Nadel, die sich in sein Fleisch bohrte, da wo es am meisten schmerzte.

Bereits im jungen Alter von vier Jahren hatte Jegor gelernt, seine Emotion zu unterdrücken. Sein Cousin war das komplette Gegenteil. Es war nur einer der deutlichen Unterschiede zwischen den Beiden. Jedes Kind, das bei der Zeremonie der alten Magier auserwählt wurde, musste sich der Zeremonie von Merlin stellen. Jedes Kind mit magischem Blut musste zu jenem Ritual, bei welchem entschieden wurde, in welche Klasse der Magier es landen würde. Grün, Weiß, Schwarz oder Rot. Jede Klasse stand für eine andere Blutlinie von Magie. Jegor war auserwählt, ein Voodoo zu sein, und somit Teil der Schwarzen Klasse zu sein. Voodoo Magie war eine der Ältesten. Magie, die weit über Blutrituale und das Stechen von Nadeln in Puppen hinausging. Es war der schmale Grat zwischen Wahnsinn und Dunkelheit. Das Balancieren der dunklen Magie, den die meisten in den Folgejahren nicht in der Lage waren zu meistern. Kilian war im Gegensatz dazu von der Roten Klasse der Magie erwählt worden. Er war ein Trickster. Sie waren die seltensten Magier, denn in ihren Venen floss das Blut der alten Magier. Der große Houdini war ein jener Vorfahre. Alles änderte sich, als Jegor und Kilian auserwählt wurden. Die Menschen Icons fingen an zu reden. Nach hunderten von Generationen waren Jegor und Kilian die erste Ernennung die, aus einem klaren Muster ausbrauchen. Keiner ihrer Vorfahren war von der Roten oder Schwarzen Klasse auserwählt worden. Es war eine simple Linie von Weiß und Grün gewesen. Diese Veränderung hatte den Palast und das Volk in eine Wolke neuer Gerüchte gehüllt. Jegor hatte sich schnell daran gewöhnt, unter ständiger Beobachtung zu stehen und hatte seine Lücken im System gefunden, ebenso wie Kilian. Alle Jubeljahre kam es dennoch dazu, dass Kilian die Aufmerksamkeit des Palastes genoss.

Fear sah erneut zu Jegor und für einen Moment konnte dieser nicht sagen, was genau im Kopf des Ladenbesitzers vorging. Fear machte eine ausdruckslose Miene, bevor er sich zu einer kleinen Box bewegte, welche er mit Hilfe eines Schlüssels öffnete. Er nahm etwas heraus und verschloss sie wieder, diesmal mit Hilfe von grauem Nebel, der aus seinen Fingern kam.

„Öffne deine Hand, mein liebster Freund“, sprach er zu Jegor.

Jegor öffnete die Hand und einen Moment später hielt er eine Voodoo-Puppe darin. Erschrocken sah er zu dem Magier. „Wir dürfen keine eigene Voodoo-Puppe haben bis wir sechzehn sind“, sprach Jegor ernst. Ganz egal, wie genervt er von seinen Eltern war, er war bedacht, die Regeln befolgte er dennoch. Während Kilian sie brach, verbog er sie.

Fear lächelte kurz. „Und dennoch habe ich mich dazu entschieden, sie dir zu geben. Die Puppe, die du in deinen Händen hältst, ist nicht irgendeine Puppe. Von jetzt an ist es deine Puppe – ein Freund, ein Helfer, jemand, mit dem du reden kannst, wenn ich mal nicht da bin. Sein Name ist Carlin. Ich bekam ihn von einem alten Freund. Er konnte sich nicht mehr um ihn kümmern. Die meisten Puppen, die sie euch geben werden, sind sowieso nicht gut genug, um richtige Magie auszuüben. Carlin hingegen ist genau richtig für dich. Ich wollte ihn dir geben wenn du älter bist, aber ich habe gesehen wie du mit deiner Magie vorankommst. Du bist sehr viel weiter als die meisten Kinder in deinem Jahr.“

Jegor sah zu der Puppe. Sie war weiß, die Farbe eines Geistes. Die Nähte waren schwarz und hier und da konnte man ein paar Tropfen Blut sehen. Eins der Augen fehlte, während das andere monströs groß wirkte. Die Lippen verzogen sich zu einem wahnsinnigen Lächeln. Jegor fürchtete sich jedoch nicht. Auf eine wundersame Weise fühlte er sich mit der Puppe verbunden. Carlin sah ihn an. Noch bevor Jegor seine Worte fand, unterbrach ein komisches Geräusch die Konversation. Jegor sah zu Fear.

„Hast du das gehört?“

„Ach das sind nur die Spinnen, die ich für die kommende Stunde vorbereiten muss.“

„Fear, Spinnen machen keine Geräusche.“

Fears Ausdruck veränderte sich und langsam ging er auf den jungen Magier zu. Er legte eine Hand auf Jegors Schulter.

„Manchmal, mein liebster Freund, ist es besser, keine Fragen zu stellen. Wir alle haben

Geheimnisse, die wir nur verstecken können, wenn einer von uns tot ist.“

Jegor drehte sich nicht um.

Augenblicklich trat er in die dunkle Nacht, einen neuen Freund an seiner Seite. Fear sah dem jungen Magier hinterher, bis dieser die nächste Straßenecke erreicht hatte und in die Nacht verschwand. „Deine Reise hat gerade erst begonnen, mein liebster Voodoo“, murmelte Fear und schritt zu der Tür seines Kellers. Er öffnete sie und blickte auf die Person, die auf den Stufen seiner Treppe hockte.

„Guten Abend, Maddison. Lass uns mit deiner Stunde beginnen.“

Kapitel I

Das zerbrochene Siegel

Magie hat ihren Preis.– F.F., „Der Tod und die drei Musen“,Die wahren Urbanen Legenden

Icon, Mai, 2018

Jegor war ein Frühaufsteher, selbst an einem dunklen, nebeligen Morgen. Nicht nur wegen seiner Pflichten im Palast, sondern für das generelle Praktizieren seiner Magie. Ebenso wie sein Cousin Kilian, hatte Jegor eine eigene Wohnung, in der er die meiste Zeit des Tages verbrachte. Er mochte den Palast, dennoch gab es bestimmte Regeln, die man zu befolgen hatte. Nicht zu vergessen die Augen, die einem überall hin folgten. Im Gegensatz zu seiner gängigen, schwarzen Kleidung, war seine Wohnung komplett weiß. Weiße Wände, weiße Möbel, selbst die Küche war komplett weiß. Alles war gut strukturiert und organisiert, bis ins kleinste Detail. Ein Praxisraum für seine Vodoomagie war ebenfalls vorhanden und gefüllt mit Artefakten und nützlichen Büchern. Gläserne Gefäße, gefüllt mit allen möglichen Zutaten waren fein säuberlich in ein Regal sortiert. Gleich daneben befand sich das Regal für alle Arten von Kräutern und Tierhäute. Das markante Detail in seinem Schlafzimmer, neben dem großen Bett, war das Klavier.

Die Muse jenes zu spielen, suchte ihn meist vor dem Schlafengehen heim. Es war seine Form der Meditation. Meditation war ein wichtiger Schlüssel für Magier, um in Balance zu bleiben.

Magier, die dies nicht taten, ereilte oft ein schreckliches Schicksal, angefangen bei dem Verlust einzelner Erinnerungen bis hin zur vollkommenen Amnesie. Manche verfielen dem Wahnsinn selbst.

Mach dich auf dem Weg zum Palast, irgendetwas stimmt nicht. Eine dunkle Stimme, die ihm nur allzu bekannt war, erklang in seinem Kopf.

„Und was genau stimmt nicht, Carlin?“, Jegor blickte zu seiner kleinen Vodoopuppe, die an seinem

Gürtel neben Phiolen und klein-gezauberten Waffen hing. Der Gürtel war das einzige Accessoire, welches Jegor an sich trug. Keine Ringe, keine Halsketten. Jegor war ein simpler Mann, wenn es um Mode ging. Kilian war das komplette Gegenteil und war stets perfekt gekleidet. Jegor konzentrierte sich auf die Uhr über seinem Bett. Die magische Uhr zeigte alle neun Zeitzonen von New Born Kingdom. An diesem Morgen hatten sie alle etwas gemeinsam: 11:44 Uhr – der Zeitpunkt, an dem alle Uhren gestoppt hatten. Jegor blickte noch einmal zu Carlin. Was auch immer ihn im Palast erwartete, er verstand bereits jetzt, dass es sich nicht um einen normalen Fall handeln würde. Passend zu Carlins Warnung und seinem Instinkt, erreichte eine Nachricht seines Onkels Synclair ihn.

Komm so schnell es geht zum Palast. Es ist dringend.

Dies konnte nur eines bedeuten: Sein Onkel Alegro, König von Icon, war alarmiert. Etwas war geschehen. Etwas, das den ganzen Palast wach hielt und sich auf Icon auswirken würde.

Synclair war das einzige Familienmitglied der Lancasters, zu welchem Jegor ein gutes Verhältnis hatte, abgesehen von seinem Cousin Kilian. Sein 45 Jahre alter Onkel war ein so genannter Geist, einer jener Magier, die Geister sehen und mit ihnen kommunizieren konnten. Synclairs Aufgabe war es, die Balance zwischen den Lebenden und Toten zu bewahren. Immer dann, wenn jemand von dieser Welt ging, schritt ein Geist ein und sorgte dafür, dass die Person in Frieden auf die andere Seite übergehen konnte. Wenn dem nicht so war, weil (manche) Geister sich dazu entschieden, zu bleiben, war es die Aufgabe des Geist Magiers, jene zu überwachen. Dies sorgte für die Sicherheit in der magischen Welt.

Synclair war einer der wenigen Menschen, dem Jegor wirklich vertraute. Besonders seit dem Verlust seiner Eltern war Synclair für ihn da gewesen. Um den Thron jedoch kümmerte er sich herzlichst wenig. Er kannte die Regeln, er kannte die Geheimnisse der Stadt, dennoch fühlte er sich als rechte Hand viel wohler.

Jegor zog sich seinen langen, schwarzen Mantel über und machte sich auf dem Weg zum Palast.

Als er seine Wohnung verlassen hatte, lief die Uhr weiter, als hätte sie nie zuvor gestoppt.

***

„Kilian, wach auf.“ Eine sanfte, weibliche Stimme weckte den Prinzen aus seiner Traumwelt. Kilian seufzte und öffnete langsam seine Augen. Sie wirkten müde, jedoch nur für den Moment, bis er sich umdrehte und zu der Person sah, die neben ihm lag. Sie war schön und nackt, dennoch wusste er nicht, wer sie war. Letzte Nacht muss wohl wild gewesen sein, dachte Kilian sich und zeigte ein gespieltes Lächeln.

„Wie geht es dir, meine Liebe? Hast du gut geschlafen?“, fragte Kilian die blonde Frau.

Seine Erinnerungen kehrten langsam zurück. Sie hatte ihn in einem seiner liebsten Pubs in der Menschenwelt gefunden. Wieder einmal war er dorthin gereist, um seinen Problemen zu entfliehen.

„Mir geht es wunderbar, ich könnte mich hieran wirklich gewöhnen“, antwortete sie.

„Geht mir genauso. Aber du weißt ja wie das ist, Magier sind schwer beschäftigt. Ich muss los“, antwortete Kilian und gab ihr einen Kuss.

Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass er ebenfalls keine Kleidung trug. Für gewöhnlich schlief er nicht nackt. Er blickte in den länglichen Spiegel und betrachtete sich von oben bis unten, ein süffisantes Grinsen in seinem Gesicht. Kilian sah sich gerne selbst an. Seine Eltern hatten gute Arbeit geleistet und er wusste dies zu schätzen. Seine sonnengeküsste Haut, die grünen Augen und das wellige, braune Haar mit den frisierten side-cuts, waren ein Augenschmaus für die meisten Menschen und Nicht-Menschen um ihn herum.

In nur wenigen Sekunden hatte Kilian sich seine Kleidung gegriffen. Eine graue Anzughose, kombiniert mit einem weißen Hemd und einer dunkelgrünen Weste. Das war sein übliches Erscheinungsbild; stets ein Hauch von Vintage. Das prägnanteste Accessoire war sein Blazer. Passend zu der Ästhetik war der Blazer weiß mit grünen Efeublättern bestickt Einige der Blätter waren mit goldenen Rändern verziert.

„Ich mag dich lieber ohne Klamotten“, kommentierte die blonde Frau.

Spätestens jetzt war Kilian genervt. Sie war süß, aber zu einengend für seinen Geschmack. Eines Tages wirst du die magische Welt regieren und deine ganzen Eskapaden werden ein Ende finden. Kilian konnte die Worte seines Vaters deutlich in seinem Kopf hören. Er würde sich niemals darüber beschweren, dass er unter guten Umständen im Palast aufgewachsen war, dennoch hatte er nie um die ganze Verantwortung gebeten, die auf ihm lastete. Der Prinz zu sein, der eines Tages die Krone tragen würde, war stressig genug. Doch die Chance, dass sein Vater ihn enterben würde, war höchst unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz hatte Kilian schon mit dem Gedanken gespielt, genau diese Idee bei einem Familienessen anzusprechen. In seinen Augen war seine jüngere Schwester Kalimba die bessere Wahl. Kalimba war die geborene Anführerin. Doch sie war eine Frau. Und eine Frau auf dem Thron der Lancasters? So etwas war in der international-vielfältigen Blutlinie der Lancasters noch nie vorgekommen.

„Geht mir auch so. Aber ich muss jetzt los. Hab einen schönen Tag, meine Liebe.“ Kilian ging zu dem Bett und beugte sich zu der jungen Frau. Er gab ihr einen Kuss, der sie glauben ließ, dass er zurückkommen würde und verließ dann die Wohnung.

Seine Schritte führten ihn durch Greenwich, nicht fernab des Flussufers. Wenigstens hatte er sich einen Stadtteil ausgesucht, in welchem sich ein Portal zu seiner Welt befand. Glücklicherweise konnte er Portale nutzen, ganz gleich wo sein Ziel in der Menschen- oder Magierwelt lag. Auch wenn der Rat das Reisen mit Portalen überwachte, so war es eine der praktischsten Reisemöglichkeiten in New Born Kingdom.

Dieser Morgen fühlte sich seltsam anders an. Kilian sah sich um und erkannte, dass die Busse und Autos sich langsamer bewegten als sonst. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf ein kleines Mädchen, das sich vor einem Elektronikladen befand. Wie hypnotisiert starrte sie auf den Fernseher im Schaufenster. Kilian trat hinter sie und sah auf den Bildschirm. „Was für eine schreckliche Nacht für die Magier“, wisperte das kleine Mädchen. Sie wirkte als würde sie unter fremden Einfluss stehen. Der Fernseher zeigte die Leiche einer Magierin, die letzte Nacht gestorben war – ertrunken, während des legendären Wassertanktricks.

Kilian erstarrte. Das war kein gutes Zeichen.

„Sie ist nicht die Einzige. 19 andere sind ebenso gestorben.“ Das Mädchen drehte sich zu Kilian um. Sie war extrem blass und ihre Augen schienen nicht normal.

„Es hat gerade erst begonnen, Prinz Lancaster.“ Ihre Stimme war nun dunkel und kratzig. Noch bevor Kilian etwas tun konnte, fiel der Körper des Mädchens auf den Gehweg und verschwand. Wie ein Tropfen, der in die Tiefe einer Pfütze fiel. Kilian schnipste mit seinen Fingern. Im nächsten Moment, befand er sich vor dem nächstgelegenen Portal. Als Prinz der königlichen Familie war er nun besonders alarmiert. Er wusste, dass dies ein neuer Fall war, um den sein Cousin und er sich kümmern mussten.

***

Das kleine Mädchen, welches in London verschwand, tauchte in Icon wieder auf. Sie befand sich in einer dunklen Gasse, irgendwo in Doom. Ihre Augen waren noch immer zurückgerollt, zeigten nur das Weiße.

„Hat der Trick funktioniert?“, fragte eine dunkle Stimme aus den Schatten.

„Natürlich. Ich werde ihm eine Vision senden, die seinen Verstand manipuliert. Er wird keinen guten Schlaf bekommen in den nächsten Nächten“, antwortete das Mädchen mit einem süffisanten Grinsen.

„Wunderbar. Invidia wartet auf dem Gut auf dich. Behalte sie im Auge, in letzter Zeit war sie nicht im Gleichgewicht mit ihren Kräften“, befahl die Stimme.

Das Mädchen stimmte zu und ließ sich ein weiteres Mal fallen. Erneut verschwand sie ins Nichts.

***

„Wo zur Hölle ist er schon wieder?“, fluchte Alegro Lancaster, König von Icon und Vater von

Kilian. Er schritt auf und ab, während er mit den anderen Familienmitgliedern in der Haupthalle wartete. Es war ein Thronraum, wie er im Buche stand, fast komplett in Weiß, bis auf die Throne für das Königspaar. Beide waren silbern mit schwarzen Kissen. Anders als die meisten Räume im Palast, schmückte einzig das riesige Gemälde des Stammbaumes die linke Seite der Halle. Dieser zeigte eine vielfältige Blutlinie und Geschichte, rund um die Welt der königlichen Familie. Der Thronraum wurde für große Feierlichkeiten benutzt, welche im Palast stattfanden.

Immer, wenn dies der Fall war, verwandelte die königliche Familie den Saal mit Hilfe ihrer Magie. Der Palast hinterließ einen gewaltigen Eindruck auf jeden, der zu Besuch kam.

„Wann ist Kilian jemals pünktlich?“, fragte Kennady, Kilians jüngere Schwester. Sie war 16 und hatte bereits jetzt einen Persönlichkeit von herausragender Intelligenz und eine ebenso großes Mundwerk. Neben ihr saß Kalimba, Kilians ältere Schwester. Die Zwanzigjährige konnte meistens im Garten des Palastes gefunden werden, weil sie den Frieden der Natur genoss. Gemeinsam mit Kennady gehörte Kalimba zu der Grünen Klasse der Magie. Kalimba war ein Umland, ihre jüngere Schwester ein Element im Namen des Feuers. Kennady konnte dieses Element kontrollieren, während ihre Schwester sich die Natur zu Nutzen machen konnte. Kalimba war dafür bekannt, die Streitigkeiten ihrer Familie zu schlichten. Kennady dagegen, war diejenige, die eben solche Konflikte auslöste. Im Gegensatz zu ihren älteren Geschwistern, hatte sie noch viel zu lernen.

„Bruder, entspann dich. Kilian hat gewiss mitbekommen, was geschehen ist. Gib ihm etwas Zeit.“, sprach die sanfte Stimme von Synclair Lancaster. Im Gegensatz zu seinem Bruder war Synclair gut darin, seinen Ärger zu kontrollieren. Besonders wenn es um Kilian ging, hatte er schnell gelernt, geduldig zu sein und dem jungen Prinzen seinen freien Willen zu geben, alles andere war ohnehin Zeitverschwendung.

Alegro verdrehte seine Augen. Kilians Verhalten konnte nicht mehr so weitergehen, insbesondere, wenn die Gerüchte der Wahrheit entsprachen. Sein Blick wanderte zu seiner Frau, Tyana. Sie war schon den ganzen Morgen schweigsam. Tyana war eine ruhige Natur, dennoch bedeutete ihr vollkommenes Schweigen jener Art, dass auch sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Er hatte dies bereits gelernt, als sie sich kennengelernt hatten, kurz nach dem Tod von Kilians leiblicher Mutter. Amalias Todestag hatte Alegro verändert. Kein Tag verging an dem er nicht versuchte Kilian zum Wohle seiner selbst und der Krone, Disziplin einzuflößen. Rowen und Amadelia, Jegors Eltern, hatten ihr Bestes gegeben und versucht zu helfen, gemeinsam mit Synclair und seiner Frau Leandra. Dennoch zeigte Kilian das gleiche Temperament seiner Mutter. Sie war eine Instinkt gewesen, im Namen der Roten Klasse der Magie. Das Training hat erst gefruchtet, als Alegro auf Tyana getroffen hatte. Als Magierin der Weißen Klasse, hatte sie die ruhige Hand, die für die Lancasters nötig gewesen war. Jedoch waren Jegors Eltern mittlerweile verstorben und auch Leandra war nicht mehr unter ihnen. Der König seufzte. Er fühlte, dass Kilian gerade den Palast betreten hatte.

***

„Ich muss Carlin nicht fragen, um dich wissen zu lassen, dass alle warten.“

„Es ist auch schön dich zu sehen, Jegor. Farbenfroh gekleidet, wie eh und je“, antwortete Kilian seinem älteren Cousin. Jegor zeigte keine Reaktion. Beide Cousins liefen zum Thronsaal. Kilian wusste, dass sein Vater nicht begeistert sein würde. „Hast du schon etwas gehört?“

„Es ist überall in den Nachrichten, Kil – sogar in der Menschenwelt. Ich bin heute Morgen zur Marktmitte. Jeder redet darüber. Der Rat hat eine Nachricht gesendet, dass alle ruhig bleiben sollen. Sie warten auf unsere nächste Entscheidung. Was auch immer letzte Nacht passiert ist, ist nicht wie die anderen Fälle, die wir bisher hatten.“

Es war kaum möglich, dass Jegor noch erster wirkte als sonst, doch genau in diesem Moment war dies der Fall.

„Wie kann es nur möglich sein, dass 19 von uns zur selben Zeit sterben? Was für eine kranke Magie ist das?“, fragte Kilian. Er hatte bereits höhere Zahlen gesehen, doch dieses Mal handelte es sich um Magier seiner eigenen Klasse. Kilian Lancaster war ein stolzer Trickster. Dass 19 jener gestorben waren, blieb nicht unbemerkt. Trickster waren Visionäre, die Leute in Illusionen zogen. Sie hielten die Balance zwischen Träumen und Realität. Kilian war alarmiert.

„Ist das dein Ernst oder hast du wirklich die Lektionen der Siegel vergessen?“, fragte Jegor. „Willst du mich verarschen? Wenn das wahr ist, dann steht uns das Ende der Welt bevor. Ich bin sicher noch nicht bereit, König zu sein und die Krone zu tragen, wie Vater es will!“, feuerte Kilian zurück. Im Gegensatz zu seinem Cousin hatte Kilian kaum aufgepasst in der Mythologie Klasse. Urbane Legenden waren eine wichtige Bestandteil in der Welt, doch sein Vater hatte dafür gesorgt, dass königliche Manieren und Status höhere Prioritäten hatten.

„Natürlich ist das dein einziges Problem, du Diva.“ Jegor seufzte und öffnete die Tür zum Thronraum.

„Vater!“, sagte Kilian in einem erfreuten Ton, doch Alegro schien nicht im Ansatz glücklich zu sein ihn zu sehen.

„Wir besprechen dein Verhalten später. Jetzt gerade ist es meine Pflicht, euch die Information über den aktuellen Fall zu geben. Hört genau zu. Die Zeit ist ab jetzt unser Feind und wenn wir nicht schnell handeln, verlieren wir mehr von ihr, als wir uns leisten können.“

Jegor und Kilian wechselten einen Blick. Wenn es um die Aufklärung von Fällen ging, gab es niemanden, dem sie mehr vertrauten als einander. In diesem Moment verstanden beide, wie ernst die Lage war, dennoch waren sie skeptisch.

„Erzähl uns mehr“, sagte Jegor. Er konnte Carlin in seinem Kopf lachen hören.

„Letzte Nacht starben 19 Magier – zur gleichen Zeit, als sie den gleichen Trick praktizierten. Zum Glück ist es keiner von unseren engen Freunden. Einige waren sehr junge Magier. Es ist eine Warnung. Etwas, wovon ich euch schon vor Jahren hätte erzählen sollen, wurde ins Rollen gebracht. Ich war arrogant zu denken, dass nichts passieren und die Balance bestehen würde.“

Alegro fokussierte sich auf die zwei Cousins. „Ich erzählte euch die Geschichte der Siegel nur einmal. Doch nun ist sie genau was ihr braucht. Jemand hat eines der sieben Siegel gestohlen, welche das Gleichgewicht zwischen der Menschenwelt und unserer Welt bewahren. Da die Magier selbst attackiert wurden, denken wir es ist Aquanda oder Fenero. Eines dieser beiden enthält den Schlüssel zur Magie. Synclair und ich werden weitere Forschungen anstellen, doch wir sind uns bereits jetzt so gut wie sicher. Das Siegel muss zumindest bewegt worden sein, damit so etwas geschehen kann.“

„Aber ich bin doch auch ein Trickster und ich erinnere mich an Houdinis ältesten Trick. Wieso wurde ich nicht verletzt?“, fragte Kilian und sah sich um. Keiner aus seiner Familie schien geschockt – nicht einmal seine Schwestern. Kilian fühlte die Anspannung in ihm steigen, jene Art die bis zu seinem Nacken kroch und Wut wachsen ließ. Hatte sein Vater ihm wirklich so etwas Wichtiges vor ihm versteckt? Kilian wusste, dass Mythologie in New Born Kingdom Realität war. Jene Geschichten, die sich Menschen zur Belustigung erzählten, wanderten in dieser Welt wahrhaftig umher.

Dennoch waren die Urbanen Legenden anders und es gab deutliche Unterschiede zwischen jenen, Mythologie und den Geschichten aus der Menschenwelt. Ihr Ursprung war niemandem bekannt. Einige hielten sie für Fiktionen, andere hielten sie für Magie jenseits von New Born Kingdom.

„Ganz genau. Kilian sollte sich nicht mehr an große Geheimnisse erinnern können, es sei denn da ist etwas, was du uns erzählen möchtest, Alegro?“, fragte Jegor und blickte zum König. Zynismus triefte aus seiner Stimme. Kilian wusste, dass Jegor seinem Vater nicht vertraute. Er verurteilte Jegor dafür nicht.

Die Familienseite seines Vaters hatte ihm kaum Aufmerksamkeit geschenkt, seit seine Eltern verstorben waren.

Synclair, Kalimba und Kilian waren seine einzigen Kontaktpersonen im Palast.

„Sag es ihnen, Alegro“, sprach die sanfte Stimme von Tyana Lancaster. „Sie sind keine Kinder mehr und wenn du es ihnen nicht sagst, dann werde ich es tun.“ Tyana erhob sich von ihrem Thron. Synclair kicherte amüsiert. „Ich liebe die Reibung in dieser Familie“, kommentierte er und klatschte in die Hände.

„Das ist nicht witzig, Synclair –“

„Ganz genau, das ist es nicht“, schnitt Synclair Alegro das Wort ab. „Ich habe dir bereits vor Jahren gesagt, dass du sie lehren sollst. Dass du sie jeden Tag, jede verdammte Nacht, wissen lassen sollst, was auf sie zukommen kann. Jegor hat seine Eltern verloren! Leugnen, dass du wegen Kilian noch jemanden verlieren wirst, ist selbstsüchtig und töricht, Alegro!“ Wut begann sich auf Synclairs Gesicht abzuzeichnen. Kilian hatte seinen Onkel zuletzt beim Familienfest vor fünf Jahren so wütend gesehen. Die Situation war ernst. Verwirrung war auf Kilians Gesicht geschrieben. Hatte sein Vater wirklich etwas vor ihm versteckt? Etwas im Zusammenhang mit den Urbanen Legenden? All diese Jahre hatte er für die Stadt gearbeitet und Fälle gelöst und zum Dank wurde er belogen. Hatte man das große Ganze des Systems, in welchem er lebte, wirklich so verheimlicht? Kilians Gedanken rasten. Was hatte sich sein Vater dabei gedacht? Wie konnte er ihn als die Zukunft von Icon bezeichnen und nicht erklären, mit welcher Legende er verbunden war? Etwas jenseits seines Weges der Magie, welchen er gelernt hatte. Kilians Verwirrung wandelte sich zu einer bitteren Miene gegenüber seinem Vaters. „Euer Onkel hat recht. Für euer Wohl habe ich es zu lange verheimlicht.Wir – die königliche Familie, beschlossen gemeinsam, dies wie ein Geheimnis zu hüten, um euch vor der Realität unserer Gesellschaft zu schützen. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass ihr es erfahrt. Es gibt eine Legende – eine Legende, die zu uns fand, als du geboren wurdest, Kilian.“ Alegro nahm einen tiefen Atemzug und sah zu seiner Frau Tyana.

Kilian sah, wie Tyana ihre Hände öffnete. Sie schloss die Augen und murmelte einen Zauber. Eine

Pergamentrolle materialisiert sich in ihren Händen. Sie atmete tief durch und begann die Worte der Schriftrolle zu lesen. „Jede Legende, beginnt mit einer einfachen Geschichte“, – in den darauf folgenden Minuten trug Tyana die Legende vor.

Merlin's Legende

Jede Legende beginnt

mit einer einfachen Geschichte,

doch diese scheint nicht mit Gold im Lichte

Wenn die Uhr schlägt zwölf,

und der Fall ist gebrochen,

die Krone soll wählen,

wenn Loyalität hat gesprochen.

Sieben Kinder sind das Instrumentarium,

freigesetzt vom Ministerium,

Zeit und Vertrauen sind die schwerste Last,

wenn Liebe und Lügen sich verstecken

hinter zweigeschlechtlicher Hast

Sekunden sind zu schnell verschwunden,

wenn die Balance erst ist verbunden

Begegne einer Schlange niemals am Morgen,

so ist dies tun ein Debakel und öffnet Pandoras Box

und ihr Spektakel

Ein Spektakel welches die Welt nicht bestehen kann und sehen

Im Glanz des Untergang

Kilian und Jegor brauchten einen Moment, um zu verstehen, was sie gerade gehört hatten. Keiner von den königlichen Mitgliedern hatte jemals erwähnt, wie wichtig die Legende war. Tatsächlich war sie eine gängige Erzählung, die jeder magischen Klasse bekannt war

bekannt in jeder magischen Klasse. Kilian und Jegor kannten sie als eine magische Gutenacht Geschichte. Ein Märchen ohne tiefere Bedeutung.

Kilian fand endlich seine Stimme wieder. „Wie konntest du das vor uns verheimlichen? Uns glauben lassen, dass diese Legende nur eine weitere, urbane Geschichte ist? Und dann tust du so, als ob das Wichtigste in meinem Leben das Herrschen ist! Wie ich eine Frau finde und die Krone eines Tages auf dem Kopf trage! Schämst du dich nicht?!“ Kilian schrie nicht, doch seine Wut war auf seinem Gesicht zu sehen und seine Stimme zitterte unter der Anspannung. Er war 27 Jahre alt und sein Vater hatte in keinen Moment nur ein Wort hiervon erwähnt.

Genauso wie seine Schwestern, sein Onkel – keiner von ihnen.

Kilian sah zu Jegor. Wieso war er so ruhig? „Hast du davon etwas gewusst?“, fragte Kilian und für einen Moment hatte er das Gefühl, dass jeder in diesem Raum gegen ihn war.

„Er wusste es nicht“, unterbrach Alegro seinen Sohn. „Als wir die Legende erhielten, war es nicht klar, ob sie jemals stattfinden würde. Das ist der Grund, wieso ich wollte, dass du dich auf die Krone konzentrierst. Aber, zu meiner Enttäuschen schläfst du lieber mit gefühlt jeder zweiten Frau, betrinkst dich und fokussierst dich auf alberne Magiershows in der Menschenwelt!“

„Oh, Vater. Du lässt es so klingen, als wäre das alles Schlimmes. Und vergiss nicht, das ich auch mit Männern schlafe“, feuerte Kilian zurück. Seine Emotionen leiteten ihn. Er war bekannt für Ermittlungen in dieser Stadt. Er war das Gesicht des Palastes, derjenige der als Nächster auf dem Thron sitzen sollte. Er hatte bereits Kreaturen aus aller Art von Mythologien getroffen. Hatte dunkle Schatten und Angst in allen Formen gesehen. Kilian hatte gelernt Märchen von Mythologie und fiktionalen Legenden zu unterscheiden. Zumindest dachte er das. Was war der wirkliche Grund für diese Heimlichtuerei außer sein Schutz? Kilian verstand es nicht. Was würden die Leute sagen, wenn sie es herausfinden würden? Oder wussten sie es und er war wirklich der Einzige, den man belogen hatte? Der zukünftige König verstrickte sich in seinen eigenen Gedanken, gefangen zwischen Wut, Verwirrung und Missverständnis. „Warum bist du denn so aufgelöst? Ist doch cool ein Held zu sein“, meldete sich Kennady zu Wort.

„Halt deine beschissene Schnauze, Schwesterherz! Als ob du dazu was sagen kannst. Du würdest doch verdammt nochmal kotzen, wenn du eine Leiche mit herausgerissener Zunge finden würdest. Du hast im Vergleich zu mir und Jegor einen Scheiß gesehen, du kleine Pissnelke. Oder soll ich nochmal betonen, was für einen verdammten Haufen Lügner aus Königsmitgliedern wir hier haben? Was habt ihr noch alles so verheimlicht für das Wohl des Königshauses?“ Kilian schrie, bereit einen Zauber auf seine Schwester loszulassen.

„Kilian genug!“, rief Tyana und löste eine Welle der Ruhe aus. „Ich weiß, dass du aufgebracht bist und du hast jedes Recht dazu. Aber dein Vater und ich haben beide diese Entscheidung getroffen.

Wenn du sauer sein willst, musst du deine Wut gegen uns beide richten. Nichtsdestotrotz sind du und Jegor zwei der auserwählten Kinder und jemand hat das Siegel bewegt oder gestohlen. Verstehst du, was für eine Verantwortung in deinen Händen liegt?

Gerade ist es nur ein Siegel. Es wird schlimmer, wenn wir ein weiteres verlieren. Unsere Welt wird aus dem Gleichgewicht gebracht werden und die Menschenwelt ist nicht bereit für uns. Das waren sie noch nie. Es würde eine Katastrophe nach der anderen auslösen. Die Leute glauben, dass es bereits jetzt eine ist, da so viele Magier zur gleichen Zeit gestorben sind. Wird noch ein Siegel bewegt oder gestohlen, wird die Lücke zwischen den Welten größer Die Spiegel werden ihren Schutz verlieren, wenn nicht sogar hier und dort brechen. Die Leute werden sich wundern und sehen, was wir sehen. Du musst das verhindern. Du und Jegor müssen die anderen Kinder finden, ob du willst oder nicht.“

Kilian ballte seine Hände zu Fäusten. Warum beharrten sie darauf, die Balance zu bewahren? War es der Hass gegen die Menschen? Was wäre denn so schlimm daran, wenn beide Welten sich vereinen würden? Wieder überschlugen sich Kilians Gedanken.

„Wie sollen wir die anderen Kinder finden? Und wie finden wir heraus, wo die Siegel sind, damit wir sie beschützen können?“, fragte Jegor.

Kilian warf ihm einen strafenden Blick zu. Wie zur Hölle konnte er so ruhig sein? War er wirklich der Einzige, der nichts wusste? War Jegor nicht zumindest ein bisschen wütend, über die jahrelange Lüge?

„Was wir bis jetzt wissen ist, dass jedes Kind eine Vision, einen Traum oder ein Omen über ein anderes Kind erwarten wird. Wir glauben, dass die Legende genau jetzt in diesem Moment passiert. Was auch immer als nächstes geschieht, ihr seid verbunden. Einer von euch wird eines der anderen Kinder finden. Wir haben euch in den letzten Jahren alles beigebracht, was ihr als Magier wissen müsst. Ich bete jede Nacht zu Artemis, dass sie euch beschützen wird.“ Tyana wirkte erschüttert. Kilian hielt einen weiteren, grimmigen Kommentar zurück. Es gab keine Zelle seines Körpers, die Empathie für auch nur einen von ihnen empfand. Sie hatten es geheim gehalten und ihn aussehen lassen wie einen Narren. Wenn es irgendwas gebracht hatte, dann den Drang nur noch weitere Distanz zu dieser Familie zu schaffen. Der Gedanke, dass seine Großmutter und sein Großvater ebenso etwas damit zu tun hatten, überraschte ihn noch weniger. Die Wut brodelte in seinem Körper. „Eins noch, Mutter“, sprach Kilian und ignorierte seinen Vater. „Wieso klingst du so, als würdest du dich gerade von uns verabschieden?“, seine Stimme war so ruhig wie sie nur sein konnte. Auch wenn sie nicht seine wahre Mutter war, mochte Kilian Tyana. Sie hatte immer ihr Bestes gegeben um ihm zu helfen – gerade dann, wenn sein Vater nichts anderes für richtig gehalten hatte, als ihn mit den Aufgaben eines Königs unter Druck zu setzen. Dennoch änderte es nichts daran, dass sie gelogen hatte. Diese Legende wie ein Geheimnis zu behandeln und nicht wie eine Urbane Legende, traf Kilian hart.

Tyana blickte Kilian nicht an. Etwas stimmte nicht. Der Prinz wollte erneut schreien. Normalerweise vermied er Familienversammlungen wo er nur konnte, doch gerade wollte er nichts lieber hören, als die Wahrheit, ganz egal wie weh sie tat.

Kalimba sah zu ihrem Bruder und erhob sich. „Die Kinder der Siegel, haben alle etwas gemeinsam.“ Ein Moment der Ruhe stand zwischen ihnen, bevor sie erneut sprach. „Sie werden jemanden verlieren, der ihnen nahe steht. Sehr wahrscheinlich jemanden aus ihrer Familie.“ Kilian erstarrte. Er konnte es nicht glauben. Noch bevor jemand von ihnen etwas sagen konnte, hatte Kilian sich umgedreht und ging, so schnell er konnte, in Richtung Ausgang. Erinnerungen krochen in seine Gedanken, Bilder und Momente, die er begraben hatte. Doch in diesem Moment konnte er an nichts anderes denken. Er sah seine leibliche Mutter. Ihre Leiche. Es würde wieder passieren. Er würde wieder jemanden verlieren, nur weil er mit einer Legende verbunden war. Wie konnte auch nur einer von ihnen denken, dass es richtig war dies zu verheimlichen? Er war kein Teenager mehr. All die Jahre der Praktizierung von Magie, aufgebaut auf Lügen und nun hing alles von einer einzigen Prophezeiung ab, die keiner auch nur im entferntesten erwähnt hatte? Der Palast und der Rat waren verantwortlich dafür, welche Legenden wahr und welche Fiktion waren. Besonders, wenn es darum ging, die Geschichten zu trennen, die in der Menschenwelt Volkskunde waren. Kilian hörte Schritte hinter sich. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es sich um Jegor handelte. Es gab keinen anderen Menschen, mit dem er über die neusten Erkenntnisse reden würde.

***

Shoreditch war der Bezirk in Icon, der niemals schlief – nicht einmal in den Morgenstunden. Es war laut, lebendig und farbenfroh. Ebenso wie der Stadtteil in der Menschenwelt war Shoreditch eine sehr künstlerische Gegend. Straßenkunst war an fast jeder Ecke zu entdecken. Kleinere Märkte für jegliche Art von Kunst, Pubs und Cafés waren der Schauplatz für Straßenmagier, um ihre Magie zur Schau zu stellen. Das Café der Schwarzen Fee war eines jener Cafés im Herzen von Shoreditch.

„Hast du gerade gehört, was er gesagt hat? Er denkt, dass Samhain besser ist als Yule! Hast du ihm diesen Gedanken in den Kopf gesetzt, Relayne?“ fragte Summer schockiert und sah zu ihrer besten Freundin.

„Ich habe nichts gesagt, aber beschuldigen werde ich ihn nicht. Er hat ja recht“, antwortete Relayne. Summer sah aus, als würde sie einem von beiden gleich eine verpassen. „Ihr beide stresst mich.“

„Du bist doch immer gestresst“, antwortete Ashton und schenkte ihr ein Lächeln.

„Ach, halt die Klappe“, antwortete Summer und entschied sich dennoch dazu, Ashton einen Kuss auf die Wange zu geben.

Relayne lächelte. Summer so glücklich zu sehen machte sie ebenso glücklich. Vor einem Jahr, hatte Summer ihr Ashton vorgestellt und seitdem schien ihre Freundin ein niemandes Gegenwart mehr zu strahlen als in Ashtons.

Summer war eine 23 Jahre alte Instinkt, ebenso wie Relayne. Sie konnten Gefühle kontrollieren, spüren und verstehen. Summers dunkle Haut und ihr aktueller schwarzer Afro standen in Kontrast zu Relayne, welche sehr blass war, Sommersprossen in ihrem Gesicht und fuchsrotes Haar hatte. Ashton hatte den gleichen Hautton wie Summer, doch mehr Tattoos und kurze, gelockte, schwarze Haare. Sein Style war eine Mischung aus Skaterboy und Rockstar.

„Und wie läuft es, Relayne?“, fragte Summer.

Relayne sah müde aus; dunkle Ränder unter ihren Augen, ihre Haare waren zu einem chaotischen Dutt gebunden.

„Ich habe einfach immer wieder diesen komischen Traum. Ich sehe diese zwei Typen in mein Café spazieren und dann verschwimmt alles. Ich weiß nicht.“ Relayne seufzte.

„Klingt so, als würdest du Urlaub brauchen. Du steckst mehr Arbeit in dieses Café, als du solltest.

Selbst Relayne Parker braucht einmal eine Pause“, sagte Summer und Ashton nickte.

„Aber die Schwarze Fee läuft nun mal nicht alleine“, entgegnete Relayne.

„Du brauchst besseres Marketing. Oder wir helfen dir, mehr Arbeiter zu finden, damit du auch mehr vom Leben hast“, schlug Ashton vor. Summer nickte eifrig.

„Danke, ihr Zwei. Ihr seid die Besten. Mama wäre so stolz, wenn sie sehen könnte, dass ich Leute wie euch in meinem Leben habe“, sagte Relayne und sah zu einem Foto hinter dem Tresen. Es zeigte Skylar, ihre Mutter, und sie, als sie jünger war. Zwei Jahre bevor Skylar gestorben war. Relayne war 18 gewesen, als es passierte. Die Umstände waren noch immer unklar. Nach dem Tod ihrer Mutter hatte Relayne die volle Verantwortung für das Café übernommen. Über dem Café befand sich Relaynes kleine Wohnung. Sie war gut genug für eine Person und für Relayne mehr als ausreichend zum Leben.

Im nächsten Moment öffnete sich die Tür des Cafés und eine Person trat ein. Lange Beine, schlank und gelocktes, weißblondes Haar, das auf ihre Schultern fiel.

„Baelfire!“, rief Relayne und lief zu der Schönheit, die gerade den Laden betreten hatte.

„Hello, Babygirl. Summer hat mir versprochen, nichts zu verraten. Ich musste dich einfach sehen.“ Ein breites Lächeln zeichnete sich auf Baelfires Gesicht ab. Ihr extravaganter Stil und ihr kurioses Make-Up war ihr Markenzeichen. Irgendwas an ihr war anders, verrückt und anziehend, die Art von Person, die man besser kennen lernen wollte. Und sicher eine Inspiration für jeden Pop-Art Künstler dort draußen.

„Ich habe zwei Tickets für den Zirkus heute und du hast absolut keine Chance Nein zu sagen.“ „Ach? Und was ist, wenn ich Nein sage?“, fragte Relayne und biss sich auf die Unterlippe, wohl wissend, dass Baelfire eine Schwäche für sie hatte und ohnehin nicht widerstehen konnte. Bevor sie sich küssen konnten, unterbrach eine Stimme die Situation. Relayne sah zu dem Tisch, von welchem die Stimme erklungen war. „Entschuldige mich kurz.“

Relayne ging zu dem Tisch und sah die Person an, die an jenem saß. Natürlich war er es.

„Rose. Ich schätze mal, du hättest gerne deine liebste Bestellung. Und möchtest du mir vielleicht mal verraten, wie du es immer schaffst in mein Café zu kommen, ohne dass ich dich sehe?“

Der Mann mit den dunkelroten Haaren und dem linken Arm voller Rosen-Tattoos lächelte. „Und wo wäre der Spaß daran, wenn ich es dir verraten würde?“ , fragte er mit einer leisen aber angenehmen Stimme. Rose war einer ihrer Stammkunden seit sie das Café ihre Mutter übernommen hatte. Relayne wusste nicht einmal seinen richtigen Namen. All ihre Informationen beruhten auf seinem guten Aussehen, den Tattoos und, dass er jemand war, der immer mehr zu wissen schien, als alle anderen. „Hm, abgesehen davon, wie wäre es damit, dass du auf dich aufpasst? Nur für den Fall, dass du noch nicht weißt, mit wem du dich aktuell umgibst.“ Sein Blick wandte sich nicht von dem Buch, das er las, ab. Milton's Paradies.

„Sicher“, antwortete Relayne knapp und schritt davon, sich fragend, was hinter seinen Worten steckte.

***

Kilian drehte sich um und sah zu Jegor. „Wie in Merlins verdammten Namen denkst du, bin ich in der Lage das zu tun? Ich habe die letzten Jahre damit verbracht, vor dem Wahnsinn dieses Palastes abzuhauen. Und jetzt verlangen alle, dass ich der Held bin und sie rette.“ Kilian schüttelte seinen Kopf. „Und als wäre das nicht genug, verliere ich wegen dieser dummen Legende auch noch meine zweite Mutter oder eine meiner Schwestern. Es sei denn, die Legende schnappt sich meinen Vater, das wäre wenigstens eine Erleichterung.“

Jegor nickte, auch wenn er wusste, dass Kilian seine letzte Bemerkung nicht ernst meinte. Kilian ließ seiner Wut gerne in Form von Verwünschungen freien Lauf. „Ich kann verstehen, dass du sauer bist. Aber ich weiß auch, dass du diese Welt liebst. Keiner liebt Magie so sehr, wie du es tust, Kil. Du bist ein Trickster, Kilian, 19 deiner Klasse wurden umgebracht. Tue nicht so, als würde dich das nicht kümmern, denn es kümmert selbst mich. Das sind unsere Leute und jemand versucht das Gleichgewicht zu zerstören. Jedes Siegel hat die Aufgabe uns von der Menschenwelt zu trennen. Stell dir vor was passiert, wenn jemand alle Siegel in seinen Händen hält. Diese Person könnte eine neue Welt kreieren; neue Regeln einführen; und vor allem den Schutzschild zwischen uns und den Menschen brechen. Wenn wir sie nicht aufhalten, wirst du dir bald wünschen, dass dein größter Feind tatsächlich dein Vater ist.“

Ein leises Lachen unterbrach die Situation.

„Bei Houdinis verdammten Namen, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass Carlin aufhören soll ein hinterhältiges Miststück zu sein?! Gerade wenn wir eine ernste Diskussion haben!“ Kilian schauderte.

Jegor lächelte und als wäre dies noch nicht gruselig genug, blickte Carlin von Jegors Gürtel hoch zu Kilian, als wäre es die normalste Sache der Welt.

Dennoch hatte Jegor recht. Kilian liebte diese Welt. Magie war der Grund, weshalb er jeden Tag sich aus seinem Bett erhob. Wenn nur die Verantwortung eines Prinzen nicht wäre. Manchmal fragte er sich, wie es sein würde, wenn seine Mutter noch am Leben wäre. Würde er sich dann seiner Verantwortung stellen? Sie sah gewiss zu ihm herunter, trank Tee und machte sich darüber lustig, was für ein Chaos diese Gesellschaft war. Insbesondere der Palast und der Rat. Kilian konnte den Gedanken nicht loslassen, dass ihm mehr als nur die Legende verschwiegen wurde. Doch war bereits genug, dass er unter starker Anspannung stand.

„Hast du eine Idee, wo wir anfangen sollen? Es sei denn, du willst noch weitere Stunden damit verbringen, aus dem Fenster zu starren, während die Welt brennt“, unterbrach Jegor die Gedanken von Kilian.

„Keine Sorge, Prinzessin, ich habe da schon eine Idee“, erklärte Kilian. Es war nicht die erste

Situation, die ihn mit etwas konfrontierte, was ihm unangenehm war. Die meiste Zeit regte sich

Ekel in Kilian, wenn es um die Kreaturen in ihren Fällen ging. Damals hatte er die Wahl zwischen Rat und Palastarbeit und glücklicherweise hatte er seinen Vater überzeugen können, Ermittler zu werden und sein Training mit Jegor zu beginnen. Eine der wenigen verantwortungsbewussten Dinge in seinem Leben. Kilian liebte den Nervenkitzel der Ermittlungen, das wahre Gesicht eines Magiers zu sehen und wozu sie fähig waren. Er wusste, dass das System Lücken und Probleme hatte, Löcher durch die Leute schlüpften um illegale Schandtaten zu vollziehen. Jene Leute zu finden und sie ins Gefängnis unter dem Ratsgebäude in Icon zu bringen, war die Aufgabe von Kilian und Jegor. Der junge Prinz wusste jedoch, dass dieser Fall nicht wie jeder andere war. Dies war eine in Stein gemeißelte Prophezeiung. Ganz egal ob Merlin selbst oder jemand anderes diese geschrieben hatte. Wenn eine Prophezeiung wahr wurde, so bedeutete dies, dass alte Magie des Ursprungs, aus Zeiten, in der die Gesellschaft in New Born Kingdom erst entstand, involviert war. Es war nicht das erste Mal, dass dies geschah, und es würde auch nicht das Letzte sein. Kilian fühlte seinen Kopf schmerzen, je mehr er über die Komplexität des ganzen Konstrukts nachdachte. Doch da war etwas, was ein eventueller Hinweis sein konnte.

„Sie war in meinem Traum letzte Woche. Erst dachte ich, dass meine Kreativität überhand nimmt.

Aber leider war es kein Sextraum. Sie muss die Vision sein, die Vater erwähnte. Ich bin an Träume der Roten Klasse gewöhnt, aber das hier war anders. Eine Vision. Ich traf sie einmal, als ich jünger war. Konnte ja nicht wissen, dass das einen Grund hatte. Aber schauen wir mal, ob sie sich als würdig erweisen kann, eine von uns zu werden“, erklärte Kilian und ging in Richtung der Eingangstür. Als Trickster der Roten Klasse der Magie war er an Träume gewöhnt. Alle Magier der Roten und Grünen Klasse hatten Träume. Doch Visionen waren ein Privileg der Weißen Klasse. Kilian hatte bereits früh gelernt eine Vision und einen Traum zu unterscheiden.

„Wie ist ihr Name?“

Kilian drehte sich um, ein süffisantes Grinsen in seinem Gesicht.

„Relayne. Relayne Parker.“

Kapitel II Relayne

Und so erschuf er die Instinkts. Um ihnen eine Chance zu geben, die Dinge besser und richtig zu machen. – F.F., „Der Puppenmacher“,Die wahren Urbanen Legenden

Nach dem Auftauchen von Baelfire, ließen Summer und Ashton, Relayne arbeiten. Es wirkte wie ein ruhiger Tag im Café. Relayne hatte in den Nachrichten gehört was geschehen war. Auf der Arbeit war sie oft abgeschottet von der dunklen Realität. Es war nicht der erste Vorfall, bei dem Magier starben, jedoch der erste, bei dem es so viele zur gleichen Zeit und lediglich Trickster betraf. Rose saß noch immer in seiner Ecke, nicht wirklich daran interessiert zu reden. Manchmal fragte Relayne sich, ob er auf Grund eines Hintergedanken im Café lungerte. Vermutlich war er nur eine weitere, verlorene Seele, die den Problemen der magischen Gesellschaft entkommen wollte. Nicht alles war in Ordnung und es gab immer noch zu viele Unterschiede zwischen den einzelnen Klassen. Dabei ging es nicht nur um die Unterschiede von arm und reich, sondern auch darum, dass man mit Respekt behandelt wurde, ganz egal welcher Blutlinie man angehörte. Oder dem Fakt, dass die meisten Mitglieder im Rat nur zu der Weißen Klasse der Magie gehörten. Die einzige Balance im Rat bestand im sogenannten Kreis, welcher der Kopf des Rates war. Jener setzte sich aus je zwei Mitglieder aus allen vier Magierklassen zusammen. Jedes andere Ratsmitglied war entweder aus der Grünen oder Weißen Klasse. Der Rat war auch dafür verantwortlich, dass es beinahe unmöglich gewesen war die Lizenz für dieses Café zu erhalten.

Relayne mochte den Rat nicht. Doch was konnte eine gewöhnliche Straßenmagierin, in einem komplizierten politischen System, schon anstellen?

Neben dem Tisch, an welchem Rose sich befand, saßen zwei Geschwister. Alicia und Flynn waren ihre Namen. Manchmal kamen sie ins Café, um ihren Morgen hier zu verbringen, bevor sie sich um ihre magischen Aufgaben in Icon kümmerten.

Relayne wollte zu einem anderen Kunden gehen und diesem Kaffee bringen, als sie bemerkte, dass die Zeit in ihrem Café stehen geblieben war. Nur noch sie konnte sich noch bewegen. Als sie sich umsah, erblickte sie zwei Fremde an ihrem Tresen.

Genau genommen waren es keine Fremden. Sie wusste wer die beiden waren. Jeder in dieser Stadt kannte ihre Gesichter.