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Die jungen Künstler, Damian, Magnus, Daniel, Alicia, Nicolas und Jana sind bekannte Magier auf Tour durch Spanien. In dem Moment, in dem Daniel Jana, von Magnus schwer verletzt, vor sich liegen sieht, erkennt er seine tiefe Liebe zu ihr. Daniels Annäherung an Jana gestaltet sich schwierig, da sie seitdem immer vor Schreck zusammenfährt, wenn ein Mann sich ihr nähert. Sie sind gemeinsam aufgewachsen und seit Jana denken kann liebt sie Daniel. Sie waren eng befreundet und für lange Zeit unzertrennlich. Sobald er begann sich für Mädchen zu interessieren und störte ihn seine fünf Jahre jüngere Spielkameradin. Sie lief ihm trotzdem nach, woraufhin er sie harsch abwies. Tief getroffen von dieser Abweisung, vermeidet Jana es seitdem mit ihm alleine zu sein. Fünf Jahre musste sie bei ihren Stiefeltern ausharren, nachdem Daniel gegangen war, um sich mit Magnus und Damian in Shows als Magier einen Namen zu machen. Seit fünf Monaten geht sie mit ihnen auf Tour und muss mitansehen, wie Daniel mit seinen weiblichen Fans die Nächte verbringt. Auf die Erwiderung ihrer Liebe hofft sie schon lange nicht mehr und will sich in die Schlange seiner Eroberungen auch nicht einreihen. Unerwartet erben die sechs Stiefgeschwister eine geheimnisvolle Villa am Meer, die bei den Ältesten unglaubliche Erinnerungen weckt. Geplagt von Schuldgefühlen gegenüber Jana, will Magnus verschwinden. Daraufhin gerät sie in große Gefahr.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Anika Alex
Insel der Sirenen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Impressum neobooks
Sie liegt mit zugeschwollenen und verklebten Augen auf dem Boden. Ihr ganzer Körper und besonders die Beule an ihrem Hinterkopf schmerzt. Wie festgenagelt liegt sie dort und will schreien, aber eine große Hand liegt auf ihrem Mund und drückt ihn so dicht an der Nase zu, dass ihr vor Sauerstoffmangel ganz schwindelig wird.
‚Gleich werde ich ohnmächtig‘, panisch versucht sie an dieser Hand vorbeizuatmen, um Luft in ihre Lungen zu bekommen.
Noch vor wenigen Minuten saß Jana, zusammen mit ihrem Stiefbruder Magnus gut gelaunt in ihrem Hotelzimmer. Sie hatte mit ihm eine neue Idee für die Show ausgearbeitet, die sie für ihre nächste Tour in Betracht ziehen.
Damian und Magnus, die Ältesten der sechs Stiefgeschwister verließen, als sie volljährig waren die Familie und leisteten all die Jahre wichtige Vorarbeit. Sie traten anfangs zu zweit in Deutschland in Shows als Magier auf, um sich einen Namen zu machen. Jeder der „Geschwister“ der volljährig wurde, wirkte bei ihnen mit und mit den Jahren kam der Erfolg. Nachdem sie, Jana die Jüngste der Sechs dazukam, gingen sie gemeinsam nach Spanien, um als Magier Gruppe Phedrasi in ihren eigenen Shows aufzutreten. Heute sind sie prominent und ihre Show größtenteils ausgebucht.
Sie arbeiten zu zweit, weil die Anderen unterwegs sind, um die nächste Location anzusehen. Wie immer, bei der Ausarbeitung ihrer Ideen, lachen und scherzen sie. Häufig kabbeln sie sich, nehmen sich aber nichts Übel; fühlen sich miteinander sicher und vertrauen einander in jeder Lebenslage.
Die ausgelassene Stimmung endet abrupt. Jana spürt Magnus Stimmungswandel und sieht ihn verdutzt an. Seine Augen sind kalt wie Stahl, seine Gesichtszüge verhärtet und unvermittelt schlägt er auf sie ein.
Jana ist so geschockt und daher unfähig sich zu bewegen, dass sie einen Moment lang nur hilflos auf ihrem Stuhl sitzen kann. Erst trifft eine Faust ihren Magen, danach die Nase und die Augen, als sie aufsteht um sich zu wehren, stößt er sie durch ihr Zimmer.
Aufgrund des Stoßes stolpert sie, schlägt mit dem Hinterkopf unglücklich auf eine Tischkante auf und liegt daraufhin eine Weile bewusstlos auf dem Boden. Der Aufprall führt bei ihr zu Schwindel und ihr Magen zieht sich zusammen, ihr ist speiübel. Die eine Hand presst er fest auf ihren Mund, wodurch ihr vom Sturz schmerzender Hinterkopf zu platzen droht. Mit der Anderen prügelt er weiter auf sie ein.
Magnus!
Sie wuchsen zusammen auf, in einer Familie, in die sie adoptiert wurden. Bei der Adoption sind Damian und Magnus sechs Jahre, Daniel fünf und Alicia vier. Nicolas ist, zu dem Zeitpunkt, ein Jahr und sie, Jana drei Monate. Das wissen sie so genau, da Damian die Adoptionsunterlagen fand und sie ihnen zeigte. Die „Geschwister“ seien nicht miteinander verwandt steht in diesen Papieren und es bestehe auch kein Verwandtschaftsverhältnis zu einem der Stiefeltern.
Weder die Mutter noch der Vater kümmerten sich pflichtbewusst um die Kinder. Jana weiß, dass sie ihr Überleben dem Engagement ihrer älteren Geschwister verdankt.
Dank mangelnder Führung ihrer Eltern hielten die Kinder fest zusammen. Warum ihre Stiefeltern sich vor achtzehn Jahren entschlossen sie zu adoptierten, ist ihnen ein Rätsel.
Magnus und sein Freund Damian beschützten ihre Geschwister. Vor allem vor ihrem Adoptivvater Robert, der nach genügend Alkoholkonsum nur noch schlagkräftig argumentierte, leider nicht mit Worten. Er jagte die Zwei durchs Haus und gemeinsam halfen sie, ihn abzulenken, damit er im Suff den Überblick über seine sechs Stiefkinder verlor und aufgab.
Die Pflegemutter Celia, ignorierte diese Vorfälle, die Kinder interessierten sie nicht. Emotionslos lief sie wie ein Zombie umher und kümmerte sich nur um das Nötigste und oft nicht einmal das! Die Sucht nach Tabletten stumpfte sie mehr und mehr ab.
Der starke Zusammenhalt der sechs Stiefgeschwister brachte sie dazu eine gemeinsame Zukunft zu planen, was sie letztendlich als Magiergruppe geschafft haben. Und urplötzlich fällt Magnus wie ein Berserker über sie her, ohne Vorwarnung! Es gab nicht die geringsten Anzeichen, kein Neid, keine Eifersucht oder Drogen, keiner von ihnen nimmt Drogen. In letzter Zeit klagt er häufiger über Kopfschmerzen, aber wer hat die nicht von Zeit zu Zeit?
Endlich geht die Tür auf und vier Hände ziehen Magnus von Jana herunter. Damian holt aus und gibt Magnus einen Kinnhaken, sodass der zu Boden geht, während Daniel regungslos auf Jana starrt.
Geschockt!
Entsetzt!
Ein Zuruf von Damian er soll endlich den Krankenwagen rufen, rüttelt ihn aus seiner Schockstarre. Erschüttert kniet er sich neben Jana, zieht schnell ein Laken über ihren malträtierten Körper und kramt sein Handy aus seiner Hosentasche. Anschließend ruft er den Krankenwagen.
Unter Tränen nimmt er vorsichtig ihre Hand, streichelt sie und spricht leise auf sie ein.
Damian hält Magnus in Schach, der erschüttert Janas Richtung blickt.
Jana lugt durch die Kulissen der Bühne und verfolgt die Show, die nur noch aus Damian, Nicolas, Alicia und Daniel besteht. Genau genommen achtet sie nicht auf alle vier, sondern nur auf Daniel, ihre heimliche Liebe. Seit sie denken kann schwärmt sie für ihn. Sobald sie laufen konnte, heftete sie sich an seine Fersen, bis er nachgab und mit ihr spielte. Seitdem waren sie für lange Zeit unzertrennlich. Seine Interessen verlagerten sich in seiner Pubertät und er ließ sie links liegen. Als sie ihm wieder nachlief, baute er sich vor ihr auf und zischte:
„Was willst du von mir? Such dir Freunde und lass mich in Frieden!“
Lange Zeit war sie verletzt und bis heute geht sie ihm aus dem Weg, um nicht mit ihm alleine sein zu müssen. Das war ihr bisher leicht gefallen, da sie am längsten bei ihren Eltern ausharren musste.
Seit fünf Monaten tourt Jana mit ihren Freunden erfolgreich durch Spanien. Noch zwei Auftritte dann ist ihre Tour abgeschlossen.
Bis sie die Schule beendet hatte, trafen sich die Geschwister nur ein oder zweimal im Jahr und hielten ansonsten Kontakt per Telefon und sozialen Netzwerken.
Jana bemüht sie sich Daniel gegenüber gleichgültig zu sein, da ihre Liebe zu ihm keine Chance hat, das ist ihr seit langem schmerzlich bewusst.
Sie hasst es mit ansehen zu müssen, wie er immer wieder neue Frauen aufreißt, denn er verabredet sich niemals zweimal mit der Gleichen. Aber in diese Schlange ist sie auch nicht bereit sich einzureihen. Sie hätte niemals die Kraft sich ein kurzes Vergnügen mit ihm zu gönnen und dann mit anzusehen, wie er mit anderen Frauen ausgeht. So ein kurzes Geplänkel wäre ohnehin nichts für sie.
Aber trotzdem kann man ihn ja anschmachten. Schließlich bleibt das unbemerkt!
Daniels breite Schultern, seine blonden Haare, die blauen Augen und vor allem sein Lächeln, bei dem seine weiblichen Fans dahinschmelzen, führen dazu, dass es für ihn kein Problem ist ständig neue Frauen abzuschleppen. Jana ist eifersüchtig, aber sie wird sich nicht die Blöße geben ihm zu zeigen, wie sehr sie ihn liebt und um ihn besser von sich fernzuhalten zickt sie ihn oft an.
Aber er begehrt sie! Instinktiv hat sie seit Anfang der Tour seinen brennenden Blick auf sich gespürt. Ein paar mal hat sie ihn dabei ertappt und in seinen Augen ein Begehren gesehen, das ihr feuchte Träume beschert, aber er sucht nur kurzfristige Ablenkung und während für sie nur eine feste Beziehung in Frage kommt.
Nach dem Überfall von Magnus kann sie sowieso keinen Mann in ihre Nähe lassen. Vor Angst ist sie dann wie gelähmt, ihr Herz schlägt schneller und sie kann sich kaum bewegen, würde aber am liebsten wegrennen. Die anderen Männer haben daran keine Schuld, ihr Verstand weiß das genau, aber sie schafft es in diesen Momenten nicht, dieses Wissen auch umzusetzen.
Seit Daniel sie damals abgewiesen hat, hält sie Abstand zu ihm. Im Prinzip verstehen sie sich gut, sie arbeiten miteinander und sind wie Geschwister, nur gibt es seitdem eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen.
Bis heute kann sie ihm diese forsche Abweisung nicht ganz verzeihen. In ihrer Kindheit waren sie so lange befreundet, hatten fest zusammengehalten und plötzlich will er mit ihr, außerhalb des Hauses nichts mehr zu tun haben. Ob sie ihm jemals vergeben kann?
Unvermittelt war er, nach dem Überfall, bei ihr im Krankenhaus aufgetaucht. Er war mit Sicherheit der Letzte, mit dem sie gerechnet hätte. Bei der Eingliederung war sie bewusstlos und als sie aufwachte, saß er in ihrem Zimmer.
In dem Moment war noch alles gut. Jana freute sich, ihm wichtig genug zu sein, um an ihrer Seite zu warten, bis sie aufwacht. Ein paar Minuten später setzte er sich zu ihr auf die Bettkante. Schon als Daniel auf sie zukam, spürte sie, wie Angst in ihr aufstieg.
‚Er ist mein Freund, wir kennen uns seit unserer Kindheit, er wird mir nichts tun!’, sie schloss die Augen und versuchte sich an die schönen Dinge zu erinnern, die sie gemeinsam erlebt hatten. Stattdessen tauchte vor ihrem inneren Auge genau die Szene auf die sie zu verdrängen versuchte: Magnus Angriff! Erschrocken schnappte sie nach Luft, was einen stechenden Schmerz in die Rippen zur Folge hatte. Sie geriet in Panik, fing an zu röcheln und geriet dadurch in einen Strudel aus Schmerz und Angst.
Daniel war sofort bei ihr, um sie zu beruhigen, nahm sie in den Arm und sprach beruhigend auf sie ein.
Da Jana wusste, wie unbegründet diese Angst war, wehrte sie sich aus Scham darüber noch mehr. Daniels beruhigende Stimme gab ihr den Rest und sie stieß ihn von sich. Frustriert rief er die Krankenschwester, damit sie sich um Jana kümmerte. Es dauerte eine ganze Weile, bis es den Ärzten möglich war ihr ein Beruhigungsmittel zu geben.
Sie war verzweifelt über ihre unrealistische Angst und versuchte Alicia zu erklären wie es dazu gekommen war. Die gab es den Männern weiter, die sich daraufhin nur noch in Gegenwart von Alicia in ihre Nähe trauten.
Ein Trauma nach diesem Überfall wäre normal teilte ihr der behandelnde Arzt mit und es würde einige Zeit dauern, bis sie darüber hinwegkommt.
Ein schwacher Trost, da es ihr nicht verborgen geblieben ist, wie sehr sie Daniel mit ihrer Angst verletzt hat, auch wenn ihr nicht einleuchtet, warum er sie an diesem Tag an ihrem Bett war.
Seitdem hält Daniel sich von ihr fern. Er war im Krankenhaus die ganze Zeit bei ihr, um ihr beizustehen. Schließlich wacht Jana auf, sieht ihn auf sich zukommen und schlägt vor Panik schreiend um sich.
Dabei hatte er überhaupt nichts gemacht! Er wollte nur an ihr Bett kommen, um sich zu ihr zu setzen und ihr endlich zu sagen, was sie ihm bedeutet! Wie sehr er sie liebt!
Für ihn ist ihre Reaktion auf ihn unbegreiflich! Wie kann sie in seiner Gegenwart in Panik geraten?
Vor langer Zeit hatte er sie abgewiesen, aber das ist lange her und er kann es bestimmt wieder gut machen. Natürlich wird sie einige Zeit brauchen, um ihn wieder zu vertrauen und ihm sicher nicht um den Hals fallen. Aber er wird es versuchen, denn er liebt sie seit langem, nur war ihm das nie so ganz bewusst.
Nach dem Überfall von Magnus, schwor Daniel auf Jana aufzupassen. Ihm ist in dem Moment als er sie so hilflos und verletzt auf Boden liegen sah klar geworden wie rettungslos er sich in sie verliebt hat. Er wird alles daran setzen eine Beziehung mit ihr anzufangen. Exklusiv, denn er interessiert sich seitdem nur noch für sie. Eigentlich hatte er sein Leben lang nur Augen für sie gehabt, aber ihre Zusammenarbeit machte es schwierig. Damit es keine Konflikte gibt, die ihre Arbeit gefährden könnte war er die ganzen Jahre der Überzeugung, es wäre das Beste von Jana Abstand zu halten. Darum hat er sich andere Frauen gesucht, um sich von ihr abzulenken und nicht in Versuchung zu geraten. Es hilft ein klein wenig, zumindest läuft er nicht wie ein Welpe hinter ihr her. Dieser Unfall hat ihm die Augen geöffnet und er wird alles daran setzen, sie für sich zu gewinnen.
Aber diese dämliche Panikattacke schmeißt ihm gewaltig zurück! Er kommt ja noch nicht mal auf drei Meter an sie heran! Ein Punkt, der auch für seine Freunde sehr schwer zu ertragen ist!
Janas behandelnder Arzt behauptet es ist normal, es würde einige Zeit dauern, da sich in ihrem Gehirn das Szenario wiederholt abspielt, um es zu verarbeiten. Das beruhigt ihn nicht. Er fühlt sich verletzt. Sie kennen sich ein Leben lang und nie hat er ihr etwas getan. Na gut er wies sie damals ab und das ziemlich forsch, das ist ihm klar. Das erklärt allerdings nicht die Angst, die in sie gefahren war, als er sich auf ihr Bett setzte.
Bei einem Blick in ihre großen Augen, die ihn panisch ansahen, fühlte er sich, als würde ihm jemand ein Messer ins Herz rammen. Natürlich weiß er, dass ein Trauma zu solchen Angstreaktion führen kann. Aber warum muss sie sich ausgerechnet so vor Männern fürchten? Und vor allen Dingen vor ihm? Das kann er nicht akzeptieren! Und das alles wegen Magnus, wegen dieser bescheuerten Krankheit! Und ausgerechnet jetzt. Wobei wenn das nicht passiert wäre …
Alicias Gegenwart lässt diese Angst verblassen und sie bringt Jana durch ihre Stimme und ihre Berührungen erden sie. Wenn sie da ist, kann Jana sich beruhigen, zumindest eine Zeitlang. Dann muss der Abstand zu den Männern nicht so groß sein. Jana hasst es, so abhängig von jemanden zu sein. Bei ihren Stiefeltern musste sie sich das letzte Jahr alleine durchkämpfen und dem betrunkenen Vater aus dem Weg gehen. Plötzlich ist sie auf jemanden angewiesen. Im Krankenhaus wurde ihr nach dem Panikanfall gesagt, sie soll sich langsam an die Auslöser der Angst herantasten und sich ihnen stellen! Irgendwann wird sie das wohl auch schaffen! Es geht sowieso schon viel zu lange, schon vier Wochen! Warum hört das nicht endlich auf!
Sie soll Atemübungen machen, um sich zu beruhigen, aber durch ihre gebrochenen Rippen sind diese äußerst schmerzhaft. Vier Wochen reichen nicht aus, um ihre Knochen zu heilen. Dabei ist sie froh dermaßen gut weggekommen zu sein, mit drei Rippen, zwei Fingern und einem Speichenbruch im linken Unterarm. Ein paar Minuten länger und er hätte sie halb totgeprügelt.
Jana kann sich glücklich schätzen, da ihre Knochen schnell heilen, in zwei Tagen kommt der Gips ab. Mit den Rippen wird sie sich noch ein paar Wochen länger herumschlagen müssen.
Sie und ihre Freunde sind alle sechs außergewöhnlich kräftig, andernfalls hätte es noch viel schlimmer für sie ausgehen können.
Seit dieser Panikattacke suchen die Männer Jana nur noch in Begleitung von Alicia auf und begegnen sie ihr zufällig, bewegen sie sich vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken. Langsam kommt sie sich vor wie ein wildes Tier, dem man nicht zu Nahe kommen darf, um es nicht in die Flucht zu schlagen. Diese plötzliche Angst vor ihnen muss die Männer kränken, dessen ist sie sich bewusst.
Und was ist mit Magnus?
Tja, Jana hielt sich zur falschen Zeit am falschen Ort auf. In dem Moment war er wie von Sinnen und hätte jeden angegriffen. Ihr Kopf weiß das, aber sie kommt von ihrer Angst nicht los, die sich fest in ihre Eingeweide krallt und sie Nachts kaum schlafen lässt.
‚Ist ein Monat nicht lang genug?‘, denkt sie ärgerlich. Sie wünscht sich, wie vor dem Angriff, fröhlich zu sein und ihr Leben zu genießen. Die immerwährende Furcht, erneut in Panik zu geraten und die Kontrolle zu verlieren, blockiert ihre Lebensfreude enorm.
Sie soll einen Psychologen aufsuchen und mit ihm darüber reden. Wie soll das gehen? Sie sind auf Tour! Alle paar Tage eine andere Stadt.
Ihre Freunde finden es immer wieder faszinierend wie sie die Zuschauer in Wallung bringen kann, wie sie Hochspannung erzeugt und bei ihnen Begeisterung hervorruft. Die Energie, die vom Publikum ausgeht berauscht Jana. Auch wenn sie sonst eher der zurückhaltende Typ ist, auf der Bühne ist sie völlig verändert. Ihr fällt es leicht, die Zuschauer in ihren Bann zu schlagen. Privat ist sie ruhig, aber bereits als Kind moderierte sie die „Show“, wenn ihre Geschwister ihre „magischen“ Fähigkeiten trainierten. Die begeisterte Masse pulsiert bei jeder Show, die sie leitet.
Die Aufführung geht ihrem Ende zu, in einer Viertelstunde werden die Vier die Bühne verlassen. Damian steht in der Mitte, wie der Fels der er ist. Er misst fast zwei Meter und hat breite Schultern, wie alle ihre „Brüder“. Seine schwarzen Haare und die dunkelblauen Augen, sein markantes Gesicht und nicht zuletzt seine einnehmende Präsenz stellen ihn in den Mittelpunkt des Geschehens. Egal wo er steht, alle Blicke richten sich auf ihn. Klaglos übernimmt er alle schwierigen Aufgaben und hat bei den Absprachen das letzte Wort. Aus Erfahrung wissen sie, seine Entscheidungen, denen oft lange, heftige Diskussionen vorausgehen, zu schätzen, da sie durchdacht und stimmig sind. Ihn lachen zu hören ist wunderbar, weil es viel zu selten vorkommt.
Neben ihm steht Daniel, er scheint etwas schmaler zu sein und ist mit seinem umwerfenden Lächeln ein echter Frauenschwarm.
‚Und ich schwärme am meisten für ihn‘, denkt Jana schmachtend. Er nimmt das Leben leicht und genießt es in vollen Zügen, geht aber wichtigen Herausforderungen nicht aus dem Weg.
