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In diesem Buch zeige ich nicht das Klischee einer Edelhure, sondern ich zeige das Leben, das sich auf dem harten Straßenstrich abspielt. Ich schreibe über wahre Begebenheiten und Hintergründe dieses so fatalen Gewerbes. Doch die einfache Wirklichkeit erscheint uns hier manchmal auch in den humorvollsten Schattierungen. Es gibt oft Zufälle, die es gar nicht gibt; es gibt Erlebnisse, bei denen man mit offenem Mund da steht und nur so staunt, und andere wiederum, wo man so richtig in sich hinein schmunzelt. Ich plaudere sehr direkt aus dem Nähkästchen. Freuen Sie sich darauf und lassen Sie sich überraschen!
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Seitenzahl: 484
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Inga Heliana
Intimsphäre
Erlebnisse einer Hure auf dem Straßenstrich
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Die Verlockungen der Nacht
Das erste Mal
Vergewaltigung in der Jugend
Als „Professionelle“ unterwegs ...
Der Zuhälter
Wie wir (fast) bei unseren Vätern ins Auto stiegen
Bekanntschaft mit der Sitte
Carlo und Undine
Polizisten sind auch nur Männer
Die Rechnung kommt zum Schluss
Der verunglückte Dreier
Stefan vom anderen Ufer
Anschaffen im Appartement
Fred im Peitschen-Kabinett
Das vergessene Höschen
Bertram in luftigen Höhen
Im falschen Revier
Auch Beamte bei der Sitte sind nur Männer
Kleine Philosophie zum Gewerbe, Teil 1
Der gefüllte Pariser
Mein Bruder als „Lude“
Der blonde Engel
Kleine Philosophie zum Gewerbe, Teil 2
Der Voyeur
Sepp mit dem Schlaganfall
Ein schillernder Paradiesvogel der Nacht
Klaus, draußen vor der Tür
Die geheimnisvolle Irina
Der vergessliche Kunde
Ein neues Leben in Hamburg
Gefährliche Sexspiele
Polizisten, die erpressen
Der Tick mit dem Seidenschal
Der Hühnerleber-Orgasmus
Besuch in der Herbertstraße
Lachnümmerchen mit Luden
Wenn die Ehefrau früher nach Hause kommt
Kleiner Ratgeber für die Ehefrauen „zur Seite springender Männer“
Hermanns Frau und ich
Die Rache der betrogenen Ehefrau
Ein besonderer Brief
Martin, der Hase
Erwin, mein „Verlobter“
Im Visier der Polizei
Geld in der Manteltasche
Thomas mit den Prothesen
Mama!
Philipp
Das 1000-MarkAngebot
Inserate
Am Tod vorbeigeschrammt
Impressum neobooks
Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Buch zeige ich nicht das Klischee einer Edelhure, sondern ich zeige das Leben, das sich auf dem harten Straßenstrich abspielt. Ich schreibe über wahre Begebenheiten und Hintergründe dieses so fatalen Gewerbes. Doch die einfache Wirklichkeit erscheint uns hier manchmal auch in den humorvollsten Schattierungen. Es gibt oft Zufälle, die es gar nicht gibt; es gibt Erlebnisse, bei denen man mit offenem Mund da steht und nur so staunt, und andere wiederum, wo man so richtig in sich hinein schmunzelt. Ich plaudere sehr direkt aus dem Nähkästchen. Freuen Sie sich darauf und lassen Sie sich überraschen!
Es gibt aber auch eine andere, sehr dunkle Seite, die uns Damen des horizontalen Gewerbes sehr an die Seele geht, und diese andere Seite will ich dem Leser ebenfalls nicht vorenthalten. Mit meinem Bericht fange ich an, meine traurige Vergangenheit aufzuarbeiten, denn ich frage mich immer wieder, was war der eigentliche Auslöser, dass es so weit kommen konnte? Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um mich auf der Straße der käuflichen Liebe hinzugeben: Meinen Körper auf einem so niedrigen Niveau den Männern anzubieten. Denn der Straßenstrich ist der Abschaum. Das will ich gar nicht versuchen, zu beschönigen, obwohl ich versucht habe, aus dieser Situation das Beste zu machen. Eines musste ich dabei jedoch feststellen: Du kannst in diesem Milieu unglaublich faszinierende Männer kennenlernen. Sogar sehr bekannte Persönlichkeiten. Vielleicht tun sie es der Anonymität wegen. Es waren aufregende Männer in sehr guten Positionen dabei, bekannte Geschäftsleute aus München, aber auch Rentner, Studenten, Angestellte und Arbeiter gehörten zu meiner Klientel. Sie suchten aus unterschiedlichen Gründen das schnelle Abenteuer. Ich bekam viele Visitenkarten und deren Sammeln gehörte alsbald zu meinem Hobby – zeigte es mir doch eine gewisse Macht über die Männer.
Ich konnte sie anrufen, wenn ich Lust dazu spürte. Und ich ließ mir manchmal viel Zeit, wenn ich überhaupt jemanden von ihnen anrief. Wenn sie mich wiedersehen wollten, sollten sie sich gefälligst auf die Suche nach mir begeben. (Ich musste immer wieder feststellen, dass mich diese Aktion irgendwie interessanter für die Männer machte.) Ich hatte einen kleinen Trumpf in der Hand, den ich ausspielen konnte. Wie sehr habe ich das genossen! Honorige Freier gab es zu der damaligen Zeit zuhauf. Ich weiß nicht, wie das heute auf dem Straßenstrich aussieht, aber ich glaube, bestimmt nicht mehr so rosig. Damals war auch die Konkurrenz noch lange nicht so groß. Seit Öffnung der Grenzen steigen sich die Liebesdamen jedoch bestimmt gegenseitig auf die Füße.
Aber ich will Sie, liebe Leser, nicht mit Kleinigkeiten langweilen, sondern Sie bitten, mich ein Stück auf dem Weg meines Lebens zu begleiten.
Inga Heliana,
Sommer 2016
Wer glaubt, eine Frau wird zur Hure geboren, der irrt. Wer meint, sie muss das Zeug in sich tragen, diesen dornigen und steinigen Weg zu gehen, der irrt. Es kann eine jede von uns treffen. Jede Frau kann eines Tages so weit abrutschen, dass sie den Halt verliert und in ein bodenloses Nichts fällt. Es muss allerdings schon sehr, sehr viel passieren, wenn eine Frau aus gutbürgerlichem Haus so weit abrutscht, dass sie sich eines Tages auf der Straße im wahrsten Sinne des Wortes wiederfindet und sie mit fassungslosem Staunen und Entsetzen erlebt, wie dieses kleine schüchterne Wesen, welches sie doch so gut zu kennen glaubte, sich von einer Stunde zur anderen in einen männermordenden Vamp verwandelt.
Eben noch ganz bieder in ihrer Kleidung, in ihrem Sinnen und Denken, geht der Tag, ein ganz normaler Büroalltag, zu Ende, als diese kleine Tippse bereits ihre Gedankenwelt zu verändern beginnt. Ihre Gedanken drehen sich nicht mehr um alltäglichen Bürokram, nein, sie drehen sich um Männer, nur um Männer, zum Teil ganz brave Ehemänner, die sich auf dem Heimweg befinden, die keine sündigen Gedanken hegen, Männer, die nur von dem Gedanken beseelt sind, schnell heimzukommen zu Muttern. Diese Männer, diese ganz besonders, will sie ansprechen, auf sich aufmerksam machen, ihre Sinne verwirren, vernebeln. Sie sollen sie verlieren, für einen Moment nur noch von dem Gedanken beseelt sein, diese Frau, dieses verführerische Weib, welches ihnen so unverhofft über den Weg läuft, zu besitzen, sie zu besteigen, ihre Sinnenlust zum Bersten zu bringen, nur noch eins zu sein – mit ihr: Zu lodern in einem Feuer der Lust und Leidenschaft! Für einen kurzen Moment alles eingefahrene, nüchterne Denken über Bord zu werfen und die eigene prachtvolle Männlichkeit einem lodernden Feuer überlassen. Um dann, wie aus einem Rausch zu erwachen mit dem Gefühl, geträumt zu haben. Denn das, was sie gerade erlebt haben, konnte gar nicht Wirklichkeit sein. Es war nichts weiter als ein Trugschluss ihrer Gedanken und Fantasien.
Dieser unscheinbaren, biederen, kleinen Tippse bereitete es eine grenzenlose Freude, das schlafende Tier im Mann zu wecken. Mit Fassungslosigkeit erlebte ich es jeden Tag aufs Neue, wie schnell es dieser Frau gelang, sich zu verändern. Ohne jegliche Skrupel warf sie ihren Köder aus und traf dabei allerdings nicht immer ins Schwarze. Wenn sie jemanden bei ihren nächtlichen Rundgängen ins Visier genommen hatte – und dabei traf sie ihre Wahl immer sehr genau –, der konnte sicher sein, nicht ungeschoren davon zu kommen. Wie eine Spinne spann sie ihr Netz. Ihre Art, sich zu bewegen, ihre aufreizend wohlgeformten Beine, ihre leicht schwingenden Hüften, die Art, wie sich kleidete, der leichte Touch ins Mondäne, vermischt mit dieser leichten Spur ins Verruchte, ließ so manch eiligen Autofahrer plötzlich die Fahrt verlangsamen. Ein begehrliches, sinnliches Verlangen nahm von ihm Besitz. Er hatte Mühe, sich auf den Verkehr zu konzentrieren, auf die Straße. Er hatte Mühe, seine Gedanken unter Kontrolle zu bringen, nicht zu sehr abzugleiten und seiner in die Höhe schießenden Männlichkeit Herr zu werden. Es ist nicht so einfach, wenn einem plötzlich beim Autofahren der eigene angewachsene „Steuerknüppel“ in die Quere kommt. Wie soll sich da einer beim Fahren konzentrieren?! Und ich pickte sie mir heraus, meine Männer. Oh, nein, ich schwang mich nicht zu jedem ins Auto, schon gar nicht verhandelte ich am heruntergekurbelten Autofenster, um mich auf ein kurzes Gespräch einzulassen.
Ich hatte ein untrügliches Gespür für meine Freier, nennen wir es einfach Intuition, wo ich ein leichtes Spiel hatte. Wenn ein Auto anhielt, riss ich die Wagentür auf und mit einem eleganten Schwung hatte ich es mir auch schon auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht, währenddessen ich schon zirpte: „Fahren Sie doch bitte ein kleines Stückchen weiter, wo wir uns beide einen Moment in Ruhe unterhalten können.“ Oft saßen die Männer da und bekamen den Mund nicht mehr zu – vor allem, wenn ich manchmal die Unverfrorenheit besaß, mich in ein Auto zu schwingen, das notgedrungen vor einer roten Ampel hielt, jedoch bestimmt nicht in der Absicht, eine Frau aufzugabeln. In diesem besonderen Fall bat ich etwas aufgeregt darum, ein kleines Stück mitgenommen zu werden, da ich den Eindruck habe, verfolgt zu werden. Oft genug hatte ich mit dieser Masche unglaublichen Erfolg, denn jeder wollte den Beschützer spielen.
Ich war mir der Verwerflichkeit meiner Handlungsweise vollauf bewusst, aber mein Hass auf die Männerwelt vernebelte mein Denken total. Es wäre sicherlich besser gewesen, sich nur mit den Männern auf einen kleinen Liebestrip einzulassen, die von sich aus den Wunsch dazu verspürten, ohne dass ich diejenige war, die ihnen dieses Begehren einpflanzte. Denn da kurvten wirklich genug potenzwillige Kavaliere durch die Gegend. Aber nein, da konnte ich ja meine Hassgefühle nicht voll ausleben! Zumal es mir ein köstliches Vergnügen bereitete, meine Macht über die Männer zu demonstrieren. Das war auch so ein Teil von mir, der mich sehr befremdete, mit dem ich mich nicht anfreunden konnte, denn auf der anderen Seite wiederum suchte ich den Kontakt von Wärme, von Nähe – und das auf dem Straßenstrich, der doch bekannt war für die schnelle Mark, wo Männer abgekocht werden, wo Gefühle fehl am Platze sind! Gefühle haben im horizontalen Gewerbe nichts verloren. Sind hier vollkommen fehl am Platze. Und doch schenkte ich jedem Gast wenigstens freundliche Worte, so manches Mal sogar kleine Streicheleinheiten. Ich habe nie schnodderig daher geredet. Ich merkte sehr schnell, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Wenn sich mal einer im Ton vergriff, wies ich ihn höflich in seine Schranken. Ich habe mit meiner freundlichen Art sehr gute Erfahrungen gemacht.
Wenn die Nacht mich mit ihren Schwingen einholte, stand ich voller Lust in den Startlöchern und hatte den Eindruck, eine mir vollkommen fremde Frau auf ihren Streifzügen durch das Dunkel der Nacht zu begleiten. Das war nicht ich, sondern eine Fremde von irgendwoher, die mir plötzlich über den Weg gelaufen war. Die mich an die Hand nahm, um mich mit dem Sumpf des Lebens bekannt zu machen. Wie oft schüttelte ich angewidert und entsetzt den Kopf über diese Frau, die besitzergreifend treubraven Ehemännern lustvoll den Kopf verdrehte. Diese Männer waren ihre liebsten Opfer. Es bereitete ihr ein geradezu sadistisches Vergnügen, ihnen begehrlich die Sinne zu rauben, sie für einen Moment nicht mehr klar denken zu lassen. Das soll nun aber nicht heißen, dass Inga, so nannte sich dieser männermordende Vamp, es darauf abgesehen hatte, den braven Ehemännern Ungelegenheiten zu bereiten. Sie war im Gegenteil sehr darauf bedacht, dass der treubrave Ehemann, sobald er sein plötzlich auftretendes Verlangen gestillt hatte, ordentlich gekleidet und ohne „Verkehrsflecken“, wenn auch manchmal mit etwas verklärtem Blick, pünktlich zu Mutti nach Hause kam. Manch einer fragte mich anschließend in seiner Hilflosigkeit: „Und was sage ich, wenn meine Frau mich fragt, warum ich auf einmal so verändert bin?“ (Frauen haben da oft eine sehr feine Antenne, die den Männern allerdings in der Regel fehlt.) „Dann sage ihr einfach“, sagte ich, „,es ist das Glück, mit dir verheiratet zu sein. Das wurde mir heute auf der Heimfahrt mal so richtig bewusst.’ Das ist etwas, das dir fast jede Frau abnimmt, wenn du es ihr nur überzeugend genug erklärst! Das dürfte wohl nicht so schwer sein.“ Mit meinen Worten waren damit meist alle Bedenken aus dem Wege geräumt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ehefrauen ich an solchen Abenden glücklich gemacht habe. (Darauf bilde ich mir jetzt aber bestimmt nichts ein!) Und wer weiß, vielleicht wurde das mit einem Mal tatsächlich einem Mann bewusst. Manchmal muss man Männer einfach zum Nachdenken anregen, zumal wenn es um die eigene Frau geht. Darum möchte ich allen Ehefrauen raten – die den Verdacht hegen, ob er nun begründet ist oder nicht –, auf gar keinen Fall gleich das Handtuch zu werfen oder ihren Liebsten mit anzüglichen Fragen zu bombardieren!
Wenn ein Mann zu einer Hure geht, sind selten Gefühle mit im Spiel. Das gilt für den Mann genauso wie für die Hure. Ein Seitensprung mit ihr ist für einen Mann in der Regel so nichtssagend wie der Kuss einer Fliege. Das gilt in erster Linie für Ehemänner. Wenn er seine „Tore“ verschossen hat, ist er längst mit seinen Gedanken schon woanders. Vielleicht sogar reuevoll bei Ihnen, gnädige Frau! Denn oft plagt gerade verheirate Männer danach das schlechte Gewissen und sie denken voll Sehnsucht an die eigene Frau – wissen in diesem Augenblick das häusliche Glück erst richtig zu schätzen! (Denn die meisten Männer möchten am liebsten um ihrer selbst willen begehrt werden, nicht, weil sie sich dieses „Vergnügen“ erkaufen müssen!) Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe die Männer kennengelernt, vielleicht besser, als es mir lieb ist.
Oft haben es verheiratete „Seitenspringer“ sehr eilig, wenn sie ihre „Bälle verschossen“ haben, die Stätte der Lust zu verlassen. Zum Glück gibt es aber genügend Ehemänner, die jeder Versuchung widerstehen. Und das ist für mich Grund genug, es auf meine alten Tage noch ein zweites Mal zu versuchen. Der erste Versuch, mit einem Mann bis ans Ende der Tage glücklich zu werden, ging leider in die Binsen. In dieser Ehe, die nur sechs Jahre hielt, zerbrachen keineswegs alle Illusionen in mir. Dass meine Ehe eigentlich auf gar nicht so wackeligen Beinen gestanden war, stellte ich allerdings erst fest, als ich bereits endgültig alle Brücken abgebrochen hatte. Ein Zurück gab es nicht mehr für mich. Mein Exmann hatte bereits eine Neue gefunden, mit der er zwischenzeitlich zusammenlebte. Trotzdem waren wir noch über viele Jahre freundschaftlich miteinander verbunden.
Ich kann mich also einreihen in das Heer der Geschiedenen, jedoch keineswegs Abgeschreckten. Dadurch, dass ich schon einmal verheiratet war, hatte ich einen gewissen Status in der Gesellschaft, die natürlich keine Ahnung von meiner Vergangenheit hat. Ich zählte bereits 32 Lenze, als ich mit meinem Auserwählten vor den Traualtar trat. Ich war so frei, ihm zu sagen, dass er eine Frau mit Vergangenheit heiratet. (Allerdings wäre ich beim Erzählen nicht in die Tiefe gegangen!) Die damalige Antwort meines Ex imponierte mir gewaltig: „Ich heirate die Frau, die ich liebe. Egal, was du für eine Vergangenheit hast, sie hat dich geprägt, sie hat den Menschen aus dir gemacht, in den ich mich verliebt habe. Das Einzige, was mich jetzt interessiert, ist unsere gemeinsame Zukunft. Und die soll uns beiden Glück bescheren. Was wir jetzt daraus machen, liegt in unseren Händen. Und nun lass deine Vergangenheit ruhen. Denke nicht mehr daran, wenn du mit mir zusammenlebst.“ Die Worte meines Exmannes haben mich sehr beeindruckt. Und niemals hat er auch nur ein einziges Mal während unserer Ehe ein Wort über meine „Vergangenheit“ verloren, noch ist er in mich gedrungen, wie das in der Regel Männer gerne tun.
So, und jetzt möchte ich aus meinem turbulenten Leben als Strich-Mieze erzählen. Machen Sie sich also auf einige delikate Abenteuer gefasst. Den verehrten Leser möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass er manchmal den Eindruck gewinnt, ich würde mein Hurenleben durch eine rosarote Brille betrachten. Dies ist jedoch nicht der Fall, auch wenn ich so manch skurriles Erlebnis zum Besten gebe. In den Genuss solcher Erlebnisse kommen alle Liebesdamen in der Zeit ihrer Laufbahn. Dieses Leben wäre gar nicht zu ertragen, wenn es sich nur aus Tragödien zusammensetzen würde. Auch das Leben am Rande der Gesellschaft hat zwei Seiten: Man lernt mit einem Auge zu weinen und mit einem Auge zu lachen.
Ich bin noch heute sehr gläubig und war es bereits zur damaligen Zeit. Meine Großmutter, zu der ich immer sehr engen Kontakt hatte, hatte mich im Glauben und mit sehr viel Liebe erzogen. Ich glaube, dass mir das auf meinen Irrwegen sehr geholfen hat – wusste ich doch, ich bin nie alleine! Jeden Abend, bevor ich auf die „Walz“ ging, hatte ich meinen himmlischen Vater um besonderen Schutz gebeten, dabei aber niemals das Danken vergessen. So hatte ich eigentlich auch nie richtig Angst. Ich glaube noch heute, Gott hat mir so manches Mal einen Schutzengel zur Seite gestellt, denn vor Gott sind alle Menschen gleich. Er verachtet nicht einmal eine Liebesdame. So habe ich es immer gesehen.
Gespart habe ich keinen Penny. So wie ich es verdient habe, habe ich es auch wieder ausgegeben. Für Kleidung, Schmuck, gute Restaurants, Reisen. Und ich habe immer ein Auge auf notleidende Menschen gehabt. Denen habe ich mit meinem Sündengeld geholfen. Indem sie nicht wussten, woher es kam, fühlten sie sich mit meiner Hilfe auch nicht beschmutzt. Vielleicht wäre es ihnen auch egal gewesen. Ich habe mich allerdings immer wieder gefragt, warum sich meine Eltern nie gefragt haben, wie ich mir mit meinem Gehalt diese Sprünge leisten konnte! Natürlich habe ich auch so manches Mal meine Mutter und Oma großzügig zum Essen ausgeführt, beiden schöne Geschenke gemacht, doch meinem Vater nicht, der konnte sich all das selbst leisten. Außerdem war er ziemlich knickerig, obwohl es der Familie nie schlecht ging, denn er verdiente in seiner Führungsposition gut. Vielleicht hatte er sogar ein kleines Vermögen angesammelt, denn er gönnte sich bis zum heutigen Tage selbst nie sonderlich viel. Doch das weiß ich nicht. Inzwischen ist er längst gestorben, allerdings 95 Jahre alt geworden und dabei geistig rege geblieben! Da habe ich gute Aussichten, steinalt zu werden. Meine Mutter wurde nur 85, meine Großmutter erlebte noch ihr 80. Lebensjahr. Die Mutter meines Vaters verstarb erst mit 98 Jahren, geistig und körperlich fit. Alle Achtung. Vielleicht hätten sie allesamt viel früher das Zeitliche gesegnet, wenn sie einen Blick auf mein nächtliches Treiben geworfen hätten. Zum Glück blieb ihnen dies jedoch erspart!
Das erste Mal, als ich es für Geld getan habe, war ich gerade mal 18 Jahre jung. Aus einer Laune heraus lässt sich bestimmt keine Frau auf dieses minderwertige Niveau herab. So etwas passiert auch niemals von heute auf morgen. Da geht immer irgendein tragisches Erlebnis voraus, vielleicht auch viele kleine (oder große), die den Weg für diese Laufbahn ebnen. In der Regel versuchen dann die meisten Frauen, das Beste aus diesem Leben zu machen; einem Teil gelingt es, andere wiederum zerbrechen daran. Die wenigsten Frauen schaffen den endgültigen Absprung – vor allem, wenn sie schon länger drin sind in diesem Gewerbe. Hut ab vor denen, die auf Dauer den Absprung schaffen.
Ich war damals mit meiner Freundin Iris, einer Schulfreundin, in einem Tanzlokal. Es war spät geworden und die letzte Straßenbahn war uns gerade vor der Nase davongefahren. Für ein Taxi fehlte uns das Geld, und um zu Fuß nach Hause zu latschen, darauf hatten wir keinen Bock. So beschlossen wir beide, per Anhalter nach Hause zu trampen.
Wir mussten gar nicht lange warten, als auch schon ein dicker Mercedes mit quietschenden Reifen neben uns hielt. Am Steuer ein älterer, seriös wirkender Daddy mit schlohweißem Haar. Er bat uns, einzusteigen, denn er hatte die gleiche Richtung – nur andere Gedanken als wir zwei Naivlinge. Sehr bald ließ er durchsickern, dass er Lust auf ein schnelles Abenteuer hatte. Dabei verklickerte uns dies der alte Knacki irgendwie humorvoll, nicht so steril. Im ersten Moment waren Iris und ich erstmal shocking. Dann machte unser Schock großen Kulleraugen Platz, als unser Grand Signore zwei Blaue in der Hand hielt und sie uns entgegenstreckte für unsere Dienste. Dabei waren wir blauäugig und naiv zu dem älteren Herrn ins Auto gestiegen. Waren der Meinung, dass uns zu zweit nichts passieren könne. An so ein Abenteuer hatten wir beide ganz bestimmt nicht gedacht. Jetzt saßen wir da und wussten nicht, wie wir uns verhalten sollten. „Natürlich fahre ich euch beide nach Hause, auch wenn ihr keine Lust habt, mich zu verwöhnen. Schließlich bin ich kein alter Lustmolch“, nahm der Daddy den Gesprächsfaden wieder auf. Auf einmal kam Leben in die zwei stummen Fischlein. Iris und ich sahen uns an und waren uns einig: So schnell würden wir nie mehr an so viel Geld kommen. Und knapp bei Kasse sind junge Mädchen doch oft. „Also gut, wir werden Sie verwöhnen“, antwortete ich für uns beide. „Fahren Sie auf einen stillen Parkplatz.“ Hocherfreut steuerte unser Galan den nächsten ruhigen Parkplatz an. Iris fummelte von hinten nach vorne, ich fummelte von der Seite, und der kleine Wichtelzwerg kam schnell zum Überschäumen. Der alte Daddy war sehr zufrieden. Iris und ich sahen uns an und dachten das Gleiche: Wie kann man nur auf so einfache und schnelle Art so viel Geld verdienen! Denn die Kröten hatte uns unser Galan gleich zugesteckt, bevor er die Hose herunterließ. Im Anschluss wurden Iris und ich auf dem schnellsten Wege nach Hause gebracht. Unser Don Juan hatte es auf einmal selbst sehr eilig, heimzukommen.
In dieser Nacht konnte ich lange nicht einschlafen. Dieses Erlebnis wühlte mich total auf. Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich mich tatsächlich auf so ein Abenteuer eingelassen hatte. War ich denn von allen guten Geistern verlassen? Auf jeden Fall schwor ich mir, dass mir, dass ich mich auf so ein zwielichtiges Abenteuer nie mehr einlassen würde, denn damit war der Weg in die Gosse vorprogrammiert. Und dafür war mir mein junges Leben einfach zu schade.
Trotzdem: Iris und ich hatten Blut geschleckt und wurden neugierig. Obwohl wir beide, das muss ich zu unserer Entschuldigung sagen, erst einmal standhaft versucht haben, dieser Versuchung zu trotzen. Doch Pustekuchen. Dieses kleine Abenteuer ging uns – verdammt noch mal – nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt fuhren wir gerne nach einem ausgiebigen Tanzabend per Autostopp nach Hause. Zum Glück wohnten wir nicht weit auseinander. Aber nie mehr versuchte sich uns ein Autofahrer unsittlich zu nähern, noch machte uns jemand ein finanzielles Angebot. Kuchenmist! War wohl nichts mit der großen Kohle. Wir mussten uns etwas anderes einfallen lassen. In die Bar von großen Hotels getrauten wir uns nicht. Dazu fehlte uns der Mut. Uns war klar, dass man da bestimmt honorige Herren für ein Liebesabenteuer aufgabeln konnte.
Eines Tages kam Iris auf die Idee, einfach auf die Straße zu gehen. Sie hatte abends, als sie einmal mit Bekannten unterwegs war, mitbekommen, dass da gewisse Damen in der Gegend vom Karolinenplatz ihr Unwesen trieben. Warum sollten wir beide nicht da unser Glück versuchen. Natürlich nur abends, wenn es dunkel war.
Ich war anfangs alles andere als begeistert von dieser Idee, jedoch verstand es Iris, mir mit Engelszungen die Sache schmackhaft zu machen. Wenigstens versuchen sollten wir es doch einmal. Iris und ich bildeten uns in unserer grenzenlosen Naivität ein, jederzeit wieder damit aufhören zu können. Wir wollten auch nur ab und zu ein bisschen „naschen.“ Haha. Von wegen! Und dann war ich tatsächlich bereit, den Schleier der Anständigkeit in den Dreck zu zerren und ein ganz verwerfliches Frauenzimmer zu werden.
Bis zu meinem 16. Lebensjahr war es für mich selbstverständlich, dass ich eines Tages als Jungfrau in die Ehe gehe. Ich wollte nur aus Liebe heiraten. Natürlich einen braven Mann, der Verständnis für meine sexuelle Zurückhaltung bis zum Tag der Eheschließung hatte. Und ich wollte zwei Kinder in die Welt setzen. Nach Möglichkeit einen Jungen und ein Mädchen. Zwischendurch wollte ich auch mal ganz ernsthaft mit 17 Jahren in ein Kloster gehen. Meine Eltern waren entsetzt über mein Vorhaben. Meiner besten Freundin gelang es, mir dieses Vorhaben wieder auszureden. Die Illusion, unberührt in die Ehe zu gehen, war mit einem Male zerplatzt wie eine Seifenblase. Auf einmal zählten alle diese Werte nicht mehr. In meinem Denken war ich mit einem Male um viele Jahre gealtert.
Das soll nun jedoch nicht heißen, dass ich bei meiner ersten Begegnung mit einem Freier noch Jungfrau war. Mit 13 Jahren hatte ich meinen ersten Freund. Er war der Schwarm aller Mädchen in unserer Siedlung. Lars war mit seinen schwarzen Locken, seinen dunkelblauen Augen, seiner sportlichen Figur und seiner stattlichen Größe von 1,80 m eine wirkliche Augenweide. Er war 16 Jahre alt, als wir beide anfingen, miteinander zu gehen. Als ich diesen hübschen Jungen das erste Mal sah, brannte mein Herz sofort lichterloh. Ich ließ mir jedoch nichts anmerken, gab mich immer sehr reserviert. Vielleicht hatten es Lars zudem auch meine Formen angetan, denn ich war bereits mit Ende 12 sehr gut entwickelt, womit ich selbst große Probleme hatte. Mit 13 bekam ich meinen ersten Büstenhalter. Ich war darüber sehr unglücklich, auch wenn die Jungs in meiner Klasse ganz verrückt nach meinen Formen waren. Ich beneidete alle meine Mitschülerinnen und Freundinnen, die noch so herrlich platt waren. Jedenfalls fühlte ich mich sehr geschmeichelt, als mir Lars über meinen Bruder seinen ersten Liebesbrief zukommen ließ. Ich ließ Lars erst ein paar Wochen zappeln, bis ich ihn das erste Mal zu einem Spaziergang getroffen habe. Zwei Jahre gingen wir miteinander (so nannte man das früher jedenfalls.) Meine Eltern hatten nichts gegen die Freundschaft mit dem gut erzogenen jungen Mann. Es war eine Zeit der Bescheidenheit, des Flirtens, Turtelns, der Freude an den kleinen Dingen des Lebens. Lars hatte nicht nur sehr viel Humor, er konnte auch herrlich küssen und dabei so zärtlich sein. Petting war in dieser Zeit allerdings ein Fremdwort für uns beide. Das war ein Tabu-Thema. Darüber dachte Lars genau wie ich. Die zwei Jahre mit ihm zählen mit zu den schönsten in meinem ganzen Leben. Weil es eine Zeit voller Unschuld war, die ich sehr genossen habe. Nach zwei Jahren trennten wir uns in aller Freundschaft. Unsere Gefühle füreinander waren im Laufe des letzten halben Jahres auf der Strecke geblieben. Mit jedem Tag ein klein wenig mehr. Wir konnten nichts dagegen tun, so sehr uns beide das auch schmerzte.
Ich war gerade 18 geworden, als mir auf sehr brutale Weise die Unschuld genommen wurde. Wenn mir das jemand erzählt hätte, dass es auch so geht, ich hätte es ganz gewiss nicht geglaubt. Ich musste es wohl erst selbst erleben. Ich ging mit meiner Freundin Iris in unser Lieblings-Tanzlokal in Schwabing. Da lernte ich einen Hünen von Mann kennen. Er war genau 1,88 m groß und passte recht zu meiner kleinen Größe von 1,62 m. Ich hatte schon immer ein Faible für große Männer – und die ein Faible für kleine Frauen. Er tanzte wie ein junger Gott und brachte mein Herzerl sehr bald zum Schwingen. Er hatte schulterlange, blonde Locken und ein ebenmäßiges Gesicht, aus dem dich lausbubenhaft zwei Blauaugen anlachten. Als er mir und Iris anbot, uns zu später Stunde nach Hause zu fahren, stimmten wir begeistert zu. Er fuhr einen 300er Mercedes. Oh, wie Iris und ich uns fühlten. Wie im Himmel. Doch sehr unsanft wurden wir, insbesondere ich, sehr schnell aus unseren himmlischen Träumen gerissen.
In der Nähe unseres Zuhauses befand sich ein menschenleerer großer Parkplatz, wo Tom, so hieß mein Verehrer, gerne noch ein wenig mit mir schmusen wollte. Ich hatte nichts dagegen, noch ein paar glutvolle Küsse mit ihm auszutauschen. Immerhin küsste ich für mein Leben gern. Lars, meine erste Liebe, hatte mich so richtig auf den Geschmack gebracht. Also tausche ich feurige, glutvolle Küsse mit Tom und denke in meiner Naivität nicht im Entferntesten daran, dass ich mit meinen heißen Küssen bei Tom mehr auslöste, als ich es vorhatte. Jedenfalls setzte ich mich sehr energisch zur Wehr, als er erst zärtlich, dann sehr unnachgiebig versuchte, sich mit seiner riesigen Hand Eingang in mein Höschen zu verschaffen. Das war nicht eingeplant. Bis jetzt waren die Tänzer, die Iris und mich nach einem Tanzabend in der Diskothek nach Hause brachten, immer anständig gewesen. Wir hatten uns zwar zum Abschied oft zärtlich geküsst und auch ein bisschen geschmust. Doch richtig zudringlich ist kein Einziger von ihnen geworden. Wenn es ein Mann einmal versuchte und er stieß auf Widerstand oder es hagelte ein energisches „Nein“, kam es nie zu weiteren Vorstößen.
Tom jedoch war unerbittlich. Er hatte Feuer gefangen. Vielleicht hatte er vorher auch schon ein bisschen viel Alkohol erwischt. Ich weiß es nicht. Er ließ sich jedenfalls nicht in seine Schranken weisen. So sehr ich mich auch dagegen zur Wehr setze, ihn anflehte, von mir abzulassen, ihn sogar in die Lippe biss. Nicht einmal Iris konnte von hinten etwas ausrichten, so sehr sie auch an seiner Schulter riss und dann vor lauter Verzweiflung auf ihn eintrommelte. Tom bahnte sich unverdrossen seinen Weg zu meiner unschuldigen kleinen Möse und drang brutal und sehr schmerzhaft mit einem Finger in mein Allerheiligstes. Dass er damit alle meine Träume unwiderruflich zerstörte, indem er es schaffte, mein Jungfernhäutchen zu durchstoßen, war ihm bestimmt egal. Bei mir wurde dies zur Gewissheit, als ich einen heftigen kurzen Schmerz verspürte und fühlte, wie mein Höschen nass wurde. Wenn er es geschafft hätte, mich auf seinen Schoß zu ziehen, hätte ich wahrscheinlich seinen riesigen Prügel zu spüren bekommen, der bereits frech aus seinem Hosenschlitz hervorlugte. Wenn ich es geschafft hätte, mich aus Toms Umklammerung zu befreien, wäre ich sicherlich aus dem Auto gesprungen, doch das war nicht möglich. Iris’ Schreie und ihr wütendes Trommeln sowie meine Beschimpfungen stachelten Tom wohl nur noch mehr an. Als er merkte, was er da angerichtet hatte, musste ihn das wohl sehr ernüchtert haben, denn auf der Stelle ließ er los von mir, öffnete die Beifahrertür und stieß mich aus dem Auto. Iris sprang von hinten heraus. Dann sahen wir nur noch eine Staubwolke, bevor sich der Schlitten in ein Nichts auflöste. Von Taktgefühl konnte bei diesem jungen Mann wirklich keine Rede sein. Wie konnte ich nur auf diesen Typen reinfallen?
Ich war nur mehr ein wimmerndes Etwas, welches liebevoll von Iris in den Arm genommen wurde. Sie war genauso fertig wie ich. „Dieser Schweinehund hat mich mit dem Finger entjungfert. Jetzt kann ich meine Träume, als Jungfrau in die Ehe zu gehen, endgültig begraben“, wimmerte ich noch ganz außer mir. Der seelische Schmerz war viel größer als der körperliche, den mir Tom zugefügt hatte. Ich war in ein tiefes schwarzes Loch gefallen. Dieses Loch war noch viel schwärzer als die größte Finsternis. In diesem Moment wünschte ich mir, tot zu sein. Aber das Leben geht weiter. Auch für mich.
„Du täuscht dich bestimmt. Das hat dieses brutale Schwein bestimmt nicht fertiggebracht, er hat dich doch nur mit der Hand berührt“, versuchte Iris mich zu trösten. „Auf jeden Fall soll uns der heutige Abend eine Lehre sein. Wir können froh sein, dass der Kerl in seiner bestialischen Wut nicht noch versucht hat, uns zu überfahren: So in Rage wie der war! Ich habe auf einmal richtig Angst bekommen, als er sich zu mir umgedreht hat und ich in sein vor Wut verzerrtes Gesicht geblickt habe! Es war nur mehr eine einzige Fratze. Er wollte mir noch eine reinhauen, aber ich bin rechtzeitig in Deckung gegangen. Wir können froh sein, aus dieser Geschichte noch heil herausgekommen zu sein. Vielleicht war er ja ein Geisteskranker, so wie der sich zum Schluss aufgeführt hat, das ist auf keinen Fall normal.“
Bei ihren Worten hatte ich mein Höschen ausgezogen. Ich sah einige große Blutspritzer. Da wurde meine Vermutung zur endgültigen Gewissheit. Der letzte kleine Rest Hoffnung, dass es dieser Mistkerl doch nicht geschafft hatte, war endgültig zerstört. Auch an meinem Kleid befanden sich Blutflecken. Iris sah auf einmal aus wie ein Gespenst. Ihre Augen wurden groß und rund. Entsetzt schlugen wir beide die Hände vor unser Gesicht und dann weinten wir hemmungslos. „Warum weinst du eigentlich?“, fragte ich nach einer Weile, in der wir uns fest im Arm hielten.
„Weil ich nicht besser auf dich achtgegeben habe“, sagte Iris. „Vielleicht hätte ich es verhindern können, wenn ich euch beide besser im Auge behalten hätte. Ich hatte nämlich auf einmal ein so komisches Gefühl, habe es dann aber als Hirngespinst abgetan. Vielleicht hätte ich das, was nun einmal passiert ist, unterbinden können, wenn ich von hinten nach vorne gekrabbelt wäre und mich zwischen euch gedrängt hätte. Ich mache mir große Vorwürfe.“
„Lass gut sein“, beruhigte ich sie, „was passiert ist, ist passiert. Jetzt kann man es nicht mehr rückgängig machen. Du hast getan, was du tun konntest. Ich hätte nicht so naiv sein dürfen. Meine Oma hat mir immer wieder gepredigt, dass meine heißen Küsse einmal in die Hose gehen. Ich solle die Glut der Männer beim Küssen nicht zu sehr anstacheln. Eines Tages würde einer mal die Beherrschung verlieren und dann würde ich recht dumm aus der Wäsche schauen. (Ich habe nämlich meiner Großmutter immer von meinen heißen Küssen erzählt.) Und jetzt ist es passiert, was ich selbst nie für möglich gehalten habe. Es soll mir für die Zukunft eine Lehre sein.“
Sehr traurig marschierten Iris und ich nach Hause. Unterwegs warf ich das Höschen zusammengewickelt in einen Abfalleimer. Daheim wusch ich die Blutflecken aus dem Kleid. Am anderen Tag war nichts mehr davon zu sehen. Aber die seelischen Narben, die brauchten lange, sehr lange, bis sie verheilten. Meine Seelenqualen waren übergroß. Dieses Erlebnis schloss ein noch viel engeres Band zwischen Iris und mich. Es war gut, dass ich mich immer wieder bei ihr ausweinen konnte. Sie verstand es, mich in ihrer mütterlichen Art zu trösten und mich aufzurichten. Iris liebte das Leben mit all seinen Schatten und Sonnenseiten. Sie war das Lachen, sie war die Sonne in meinem Leben. Sie konnte so schnell nichts aus der Bahn werfen. Iris kannte auch keine Depressionen, so wie ich. Ihr Elternhaus war heil, auf jeden Fall gefestigter als das meinige. Ich freute mich für sie.
Rückblickend glaube ich, dass dieses grauenvolle Erlebnis den endgültigen Ausgangspunkt für mein abenteuerliches Leben bildete. Iris wiederum, die ihre Unschuld ein halbes Jahr zuvor ihrer großen Liebe Ingo geschenkt hatte, erlebte allerdings erst zwei Wochen später die größte Enttäuschung ihres Lebens. Ingo war bereits 32 Jahre alt, als sie ihn mit Mitte 19 kennengelernt hatte. Ihre Eltern waren von Anfang an gegen diese Beziehung, weil sie meinten, der Altersunterschied sei zu groß und Ingo wäre nur auf ein Abenteuer aus. Wie recht sie hatten, wurde Iris jedoch erst klar, als er sich ein Jahr lang sexuell bei ihr ausgetobt hatte. Da wurde sie ihm langweilig. Unter zwielichtigen Gründen machte er mit ihr Schluss. Durch Zufall erfuhr sie dann auch noch, dass er eine andere Frau geschwängert hatte. Dabei hatte er Iris vorher die Sterne vom Himmel versprochen. Das Kind kam zwei Monate später, nachdem er sich von ihr getrennt hatte, zur Welt. Die Frau wiederum weinte sich bei Iris über diesen Dreckskerl von Ingo aus, nachdem sie durch Zufall ihre Adresse bei ihm gefunden hatte. Er hatte zur gleichen Zeit mit beiden ein Verhältnis gehabt und keine wusste von der anderen, und er trennte sich ungefähr zur gleichen Zeit von beiden, nachdem er bei der werdenden Mutter sexuell nicht mehr viel ausrichten konnte. Außerdem leugnete er hartnäckig, der Vater des Kindes zu sein. Angeblich sei er gar nicht zeugungsfähig. Tja, so sind die Männer, wenn es ans Eingemachte geht, lernt man sie richtig kennen! Für Iris brach derzeit, genau wie bei mir, eine Welt zusammen. Da hatten wir beide uns wirklich gesucht und gefunden in unserem gnadenlosen Hass auf die Männer! (Der dann doch nicht so gnadenlos war ...)
Wenn ich abends in meinem Bett lag und nicht einschlafen konnte vor lauter Grübeln, dann entfloh ich wieder auf meine kleine einsame Insel. Hier gab es nur das Meer, Palmen, die Sonne und ein paar Äffchen, die mir Gesellschaft leisteten. Das Böse, all das Widerwärtige gab es nicht für mich. Ich war eingebettet in sehr viel Liebe. Ich fühlte mich geborgen. Die Sonnenstrahlen liebkosten mein Gesicht und die Äffchen fächerten mir Kühlung zu. Manchmal musste ich mit Gewalt auf meine kleine Insel flüchten. Immer dann, wenn mir meine Gedanken davongaloppierten, wenn sie rabenschwarz wurden. Wenn ich nicht meinen Glauben an Gott gehabt hätte, ich glaube, ich wäre vielleicht verrückt geworden. In meinen Gebeten habe ich immer wieder Trost gesucht und gefunden.
Tja, so war mein Lebensweg vielleicht schon vorprogrammiert ... Ich weiß es nicht genau, wenn ich so voller Trauer Rückblick halte. Was war aus meinem Vorsatz geworden, mit 17 Jahren ins Kloster zu gehen und Nonne zu werden? Und wo war ich in Wirklichkeit gelandet? Ich gebe niemandem die Schuld dafür, dass alles ganz anders gekommen ist! Jeder Mensch ist für sein Leben und für das, was er daraus macht, selbst verantwortlich – auch dann, wenn es so aus den Fugen gerät, wie es bei mir der Fall war. Ich war alt genug, zu wissen, was ich tat, als ich anfing, meinen Körper für Geld zu verkaufen.
Meinen Körper, aber nicht meine Seele.
Ich habe immer versucht, den Schmutz der Straße nicht einzuatmen, trotzdem sauber zu bleiben. Ich wollte mir meine ureigene Persönlichkeit erhalten, ich wollte nicht, dass meine Seele Schaden erleidet. In meinem tiefsten Inneren habe ich versucht, rein zu bleiben, für den Mann, mit dem ich eines Tages glücklich werde, dem ich meine ganze Liebe schenke. Ich habe versucht, mir tiefe, wahre Gefühle zu erhalten, auch dann, wenn ich mich im Dreck suhlte, in dem Sumpf, in dem ich mich für Geld anbot.
Bevor Iris und ich uns ins nächtliche Getümmel stürzten, eruierten wir erst einmal an einem schönen Sonntag die Lage. Was wir als Erstes brauchten, waren geeignete Plätze, wo wir mit unseren Freiern ungestört unsere sexuellen Praktiken ausüben konnten. In den 70er -Jahren gab es zum Glück noch nicht so viele Autos wie heute. So war es kein Problem, ein paar für uns infrage kommende Plätzchen ausfindig zu machen. Einige waren romantisch mit Bäumen versetzt und lagen zudem in unmittelbarer Nähe des Karolinenplatzes, der nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt lag. Also sehr zentral.
Bei dieser Gelegenheit will ich den verehrten Lesern den Karolinenplatz vorstellen, denn ich gehe davon aus, dass nicht nur Einheimische aus München sich meinen Lebensbericht zu Gemüte führen. Unser Karolinenplatz bietet sich nicht nur geradezu fantastisch an, um auf Kundenfang zu gehen, sondern er ist auch ein kleines Juwel. Stellen Sie sich also einen großen runden Platz vor. In der Mitte ein kleines Rondell mit einem Rasen und wunderschönen, farbenprächtigen Blumen, in dessen Zentrum sich ein schlanker Obelisk in den Himmel reckt. Um das Rondell führt eine breite Straße, dann folgt ein breiter Gehsteig mit einigen Sträuchern. Die Bebauung ist aufgelockert, ehemalige Palais oder herrschaftliche Villen mit größeren, sehr gepflegten Vorgärten.
Iris und ich sind der Ansicht, dass uns die Sträucher gegebenenfalls Schutz gewähren können, sollten plötzlich aus dem Nichts heraus Kolleginnen von uns auftauchen. Der Platz liegt äußerst zentral, nicht weit vom Stachus entfernt, dem Mittelpunkt der Stadt, und bietet genug Abstand zur Nymphenburger Straße, wo die registrierten Huren ihr Unwesen trieben. Direkt vom Karolinenplatz aus führt eine nicht sehr breite Straße hin zum Stachus. Und genau hier, gleich zu Beginn der Straße, hatte sich das sehr exklusive Nacht-Cabaret „Eve“ etabliert. In einem ehemaligen Palais wurden die noblen und honorigen Gäste bereits an der Tür von zwei livrierten Türstehern in Empfang genommen. Hierher verirrten sich auch viele reiche Geschäftsleute, die sich ein Amüsement versprachen. Enttäuscht wurden sie in diesem Cabaret bestimmt nicht. Wenn sie im Anschluss noch Appetit auf ein kleines Dessert hatten, konnten Iris und ich so manches Mal Abhilfe leisten.
Der allererste Abend, an dem Iris und ich auf Männerfang gingen, war ein Tag gleich nach dem Monatsersten. Wir dachten, dass da die Männer etwas freigiebiger waren. Außerdem mussten wir uns doch auch erst einmal einstimmen in dieses fatale Gewerbe. In der Nähe des Karolinenplatzes fanden wir ein sehr gemütliches, kleines Abendcafé: leicht schummerige Beleuchtung mit vielen kleinen Tischchen und auch Nischen mit gepolsterten Eckbänken. An den Wänden Jugendstillampen und herrliche, altertümliche Bilder. Hier gab es auch bis 23.00 Uhr warme Küche. Das Café machte auf den ersten Blick einen sehr einladenden Eindruck auf uns, was sich im Laufe der Jahre als richtig herausstellte . Wir waren hier immer gern gesehen und fühlten uns wohl. Hier konnten Iris und ich uns auch Nachrichten hinterlassen.
Zu zweit tranken wir eine Flasche Sekt, um uns auf unser großes Abenteuer einzustimmen. Leicht beschwingt zogen wir dann mit zitternden Knien los. Was würde uns da erwarten auf freier Wildbahn? Schließlich waren wir beide keine Profis. Und niemand zur Stelle, der uns schützte. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Bruderherz noch keine Ahnung. Wahrscheinlich hätte er uns unser Vorhaben sofort wieder ausgeredet!
Iris und ich hatten vereinbart, dass wir uns nach etwa einer bis eineinhalb Stunden wieder in unserem kleinen Café treffen, um uns auszutauschen und eventuell zu überlegen, ob wir noch einen „letzten Fisch“ an Land ziehen wollten. Wer zuerst da war, sollte auf jeden Fall warten, auch dann, wenn es etwas länger dauern konnte. Gegen 21.00 Uhr hatten wir uns beide getrennt, denn wir wollten nicht auf der gleichen Straße traben. Sollte die andere bis Mitternacht nicht auftauchen, wäre zu überlegen, ob man die Polizei verständigte. Selbst dann, wenn eine von uns beiden sich in der Wohnung eines Freiers verquatschen sollte, gab es doch die Möglichkeit, die Freundin anzurufen und Bescheid zu geben. Das hatten Iris und ich als Vorsichtsmaßnahme fest vereinbart. Erst hatten wir in Erwägung gezogen, dass eine auf die andere wartet und zugleich das Autokennzeichen notiert. Aber das haben wir dann doch wieder nach reiflicher Überlegung verworfen. Wir wollten nicht gleich am ersten Abend das Unheil heraufbeschwören, indem wir uns beide zu intensiv damit befassten.
Ich hatte mir eine kleine Seitenstraße in der Nähe des Karolinenplatzes für meinen Erstlingsversuch ausgesucht. Ich muss gestehen, mich hatte auf einmal so etwas wie Jagdfieber gepackt. So in etwa, wie ein Hund aufgeregt seine Beute wittert. Ich war auf einmal ein weiblicher Jäger, der auf Beutefang ging. So ein Gefühl hatte ich. Dabei musste ich nicht länger als fünf Minuten auf mein erstes „Opfer“ warten. Und mein erstes Erlebnis mit einem Freier wurde zu einem Erlebnis der besonderen Art. Hielt da so ein mittelalterlicher, gut aussehender Herr mit seinem Auto neben mir. Ich trug einen weit schwingenden bunten Rock, hohe Sandalen und ein knappes Mieder. Stöckelte langsam und gedankenverloren vor mich hin, hatte Eisenplättchen unter der Stöckeln, die so schön bei jedem Schritt klapperten. Nicht zu überhören. Zu übersehen war ich in meiner aufreizenden Verkleidung allerdings auch nicht.
Jetzt wurde es mir doch mit einem Mal ganz schwummerig. Ich glaubte, ich habe Lampenfieber. Wo war auf einmal mein ganzes Selbstbewusstsein geblieben? Gerade war ich doch noch so voller Elan und so selbstsicher. Gerade war wohl tausend Jahre her! Meine Beine schienen plötzlich aus Gummi zu sein. In was für ein Abenteuer ließ ich mich da nur ein? Schon wurde ich schwankend, wollte weitergehen, mein verrücktes Vorhaben wenigstens für heute aufgeben, da hörte ich eine sonore Stimme: „Guten Abend, schöne junge Frau. Haben Sie nicht Lust, mir den Abend ein wenig zu versüßen?“
Die Stimme gefiel mir, sprach mich an. Auch seine Worte. Duzte mich wenigstens nicht gleich. Also gab ich mir einen Ruck, überwand meine Schwellenangst, riss die Beifahrertür auf und schwang mich in das geräumige Auto. Dachte mir noch: Die Karre eignet sich ganz gut für ein Hupferl. „Einen schönen guten Abend“, gab ich dann wohlerzogen zur Antwort und strahlte meinen neuen Beifahrer an. „Fahren Sie doch bitte ein Stückchen weiter, wo wir uns in Ruhe ein wenig unterhalten können. In stiller Zweisamkeit“, schnurrte ich wie ein Kätzchen und bedachte den graumelierten, seriösen Herrn mit einem liebevollen Seitenblick. Der Mann lächelte und fuhr in die nächste Seitenstraße, wo er sogar einen Platz zum Einparken fand. Ich atmete tief durch. Das Schlimmste hatte ich schon einmal hinter mir: nämlich das Anbandeln. Den ersten Kontakt aufnehmen.
Abwartend blickt mich der Herr an. „Und jetzt?“, fragte er nur.
„Ich möchte Sie für einen Moment den Alltag vergessen lassen, indem ich Sie fantastisch im Auto verwöhne. Es sei denn, Sie befinden sich in der glücklichen Lage, eine sturmfreie Bude zu haben, wo ich es vielleicht schaffe, Ihnen die Sterne vom Himmel zu holen?“, gurrte ich und strich meinem Fahrer zart über die behosten Schenkel. Der somit Angesprochene musste lachen.
„Ich habe tatsächlich eine sturmfreie Bude. Bin momentan Strohwitwer. Meine Frau ist noch für eine Woche verreist.“ In Gedanken rechnete ich schnell nach. Frauen kamen gern früher von ihrer Reise zurück. In der Regel aber höchstens drei oder vier Tage.
„Das ist ja wunderbar“, gurrte ich wie ein verliebtes Täubchen. „Dann steht unserem Verwöhnprogramm ja nichts mehr im Wege.“
„Und was soll das Programm kosten?“, holte mich da mein Galan wieder in die Realität zurück. Fast war ich schon am Davonschweben. Wenn es immer so einfach war, Männer aufzutun, war das ja eine mehr als angenehme Sache! Dabei hatten Iris und ich uns das viel schwieriger vorgestellt. Ich druckse bei der unvermeidlichen Frage herum, bevor ich dem Herrn der Schöpfung eine klare Antwort gab:
„Das Mindeste, was ich mir in der Wohnung erwarte, sind hundert Mark. (Das war damals die übliche Taxe.) Ich bin dir (jetzt war es angebracht, zum Du überzugehen) jedoch keineswegs böse, wenn du mir etwas mehr schenkst, dafür, dass ich dich ganz besonders raffiniert verwöhne.“ Bei meinen Worten griff ich ihm sanft zwischen die Schenkel und ließ meine Finger seine „Kronjuwelen“ ertasten – war doch sehr überrascht über mich, mit welcher Selbstverständlichkeit ich mit einem Mal bei einem wildfremden Mann zu krabbeln anfange. Vielleicht geschah dies auch nur, um die eigene Unsicherheit zu übertölpeln.
Der Mann verdrehte genüsslich die Augen und meinte: „Einverstanden. Wenn du mich besonders schön verwöhnst, will ich mich dafür gern erkenntlich zeigen.“ (Natürlich hatte ich das alles schon vorher mit Iris etwas geprobt. Aber die Wirklichkeit sieht dann doch etwas anders aus.) Puh. Ich atmete wieder tief durch, dieses Mal schon etwas leiser. Ich musste mich wohl doch auf ein großes Lernprogramm einstellen. Warum gab es eigentlich keine Kurse oder Seminare, wo Frauen auf diese besondere Tätigkeit vorbereitet werden? Für mich als Neuling war das alles wie ein Sprung ins kalte Wasser. Schwimm oder geh unter! Ich wollte aber nicht untergehen, also schwamm ich. Den Kopf nach oben.
Wir fuhren also in die Wohnung des Freiers, die im Zentrum lag. Ein gutes Gefühl hatte ich nicht, als wir die gemütliche Dreizimmerwohnung betraten. Was war, wenn auf einmal doch die Angetraute hereinplatzte und mittenmang im Geschehen stand? Vorsichtshalber bat ich Jörn, so hieß meine erste Eroberung, den Schlüssel von innen schräg in die Wohnungstür zu stecken, so kam sie nicht in die Wohnung, falls sie wider Erwarten vorzeitig die heimatlichen Gefilde aufsuchen wollte. Die Wohnung war heimelig und gemütlich; alles picobello sauber und aufgeräumt. Jörn war also kein Schlamperter. Gut erzogen. Solche Männer lobe ich mir. Aber noch waren wir nicht so weit, an die Freuden der Liebe zu denken. Erst einmal mussten wir den geschäftlichen Teil abklären, schließlich war ich nicht zu meinem Privatvergnügen mit Jörn mitgegangen. Nachdem er uns beiden ein Glas Wein eingeschenkt hat, kam er gleich von selbst auf den geschäftlichen Teil unserer Abmachung zurück und schob mir diskret zwei Blaue (200, DM) unter das Weinglas. „Ich bin sicher, dass du mich dafür wunderbar verwöhnen wirst“, strahlte er mich bei seinen Worten an.
Als Erstes glaubte ich jedoch meinen Augen nicht zu trauen: Das war wirklich ein sehr guter Start! Überschwänglich bedanke ich mich bei Jörn, bevor ich flugs das Geld in meiner Handtasche verstaue. Konnte doch sein, dass er es mir wieder wegmopste, weil er vielleicht doch nicht mit mir zufrieden war. Nichts ist unmöglich!
„Magst du dich vorher noch ein wenig frisch machen?“, fragte mich Jörn. Natürlich mochte ich das. Er gab mir ein Handtuch mit auf den Weg ins Badezimmer. Als ich ins Wohnzimmer zurückkam, hatte sich Jörn ebenfalls entkleidet. Bevor nun er seinerseits ins Badezimmer marschierte, meinte er noch ganz forsch: „Du hast doch nichts dagegen, wenn wir ins Schlafzimmer gehen? Ich lege dann auch ein Badetuch unter. Und natürlich gehen wir dann in mein Bett.“
Hat der Mensch denn Töne! Nee, da machte ich nicht mit. Ein kleines Pietätsgefühl hatte ich denn doch noch! „Aber Jörn“, entfuhr es mir ganz entrüstet. „Du willst doch nicht etwa dein Schlafzimmer entweihen? Im Wohnzimmer ist es außerdem viel gemütlicher und wärmer. Ich möchte es schon lange einmal auf so einem dicken, flauschigen Teppich treiben, wie er hier im Wohnzimmer liegt. Da können wir das Badelaken auch darüber ausbreiten.“
Jörn zog einen Flunsch, man sah ihm seine Enttäuschung an. Nachdem auch er sich geduscht hatte, kam er etwas lustlos ins Wohnzimmer. Er war schlank und rank, hatte eine sportliche Figur und stellte rein optisch schon etwas dar. Nur, was da so zwischenmang den Beinen baumelte, wollte mir gar nicht so recht gefallen. Das war schon ein sehr kleiner Kreisel. Da würde ich mir wohl etwas einfallen lassen müssen, ihn in mein Löchlein einkreiseln zu lassen.
Schweigend legte sich Jörn neben mich. Ich hatte das Badelaken zwischenzeitlich ausgebreitet und auch ein paar Kissen von der Couch geholt. Ich machte nicht den Fehler und schnappte mir gleich wollüstig das kleine Hutzelmännchen, sondern streichelte erst einmal zärtlich seine glatte Brust, seine Brustwarzen, bevor ich mit zarten Berührungen seinen Bauch abtastete. Wie eine Spinne so zart wanderten dann meine Fingerkuppen hinab zu seinen glatten Schenkeln. Jörns Geschlecht sparte ich dabei aus, berührte nur kurz zart seinen prallen, gut geformten Hodensack. Der kleine Spargel fing zu zittern an, bevor er langsam, ganz langsam begann, Formen anzunehmen. Meine Fingerkuppen erkundeten streichelzart die erogenen Zonen auf Jörns seidenweicher Haut. Sie bahnten sich ihren Weg hinab zu seinen Schenkeln und wieder herauf zu seinem Bauch, seiner Brust, seinen Brustwarzen. Ein Stöhnen entrang sich seinem Mund, als ich meine Fingernägel etwas stärker bei den Brustwarzen einsetzte. Sein kleiner, noch etwas verschlafener Spargel sprang mit einem Satz erwachend in die Höhe. „Ich bin bereit“, signalisierte er mir voller Freude. Behutsam stülpe ich ihm ein Gummimützchen über, bevor ich mich ganz sanft auf Jörn niederließ und seinen kleinen Freund in meine Liebespforte einführte. In diesem besonderen Fall war Behutsamkeit angesagt; sonst konnte es mir passieren, dass die ganze Pracht wieder in sich zusammenfiel. Im nächsten Moment auch schon rammelte Jörn drauf los wie ein wild gewordener Stier. Ich erlebte ihn voll in Aktion. Jedoch nicht lange, da entrang sich seinem Mund ein heißes Keuchen: „Ich komme, ich komme“, rief er mit verklärtem Blick.
Ich spürte das Schrumpfen seiner Männlichkeit, und noch während des Schrumpfens verschwand der noch eben so verklärte Blick auf Jörns Gesicht, Tränen schossen aus seinen Augen. Er setzte sich auf. Sein Körper wurde regelrecht von Weinkrämpfen geschüttelt. Ein Häufchen Elend saß plötzlich neben mir. Nichts war mehr übrig geblieben von dem selbstbewussten Mann. Ich dachte, ich bin im Kino. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich einen Mann weinen, und dann gleich in so einer verfahrenen Situation. Fehlt gerade noch, dass seine Frau plötzlich kochlöffelschwingend vor uns stand! Doch davor wurde ich zu meinem Glück verschont. Selbst ein wenig hilflos, nahm ich das zitternde Bündel Mann in den Arm und versuchte ihn zu trösten.
„Jetzt bin ich 15 Jahre verheiratet und nicht ein einziges Mal habe ich meine Frau betrogen. Ich war ihr immer treu. Jeder Versuchung habe ich widerstanden. Und dann rennst du mir über den Weg und alle Sicherungen brennen bei mir durch. Ich schäme mich so sehr, denn ich habe eine so liebe Frau, mit der ich sehr glücklich bin. Wie wird sie nur mit meinem Seitensprung fertig werden?“
Ich glaubte, mich verhört zu haben. „Du hast doch nicht etwa vor, deiner Frau zu beichten?“, blaffe ich ihn an. „Nachdem das Kind nun schon mal in den Brunnen gefallen ist, musst du es auch ganz allein wieder rausziehen. Du allein musst mit deinem Seitensprung fertig werden. Wenn du deine Ehe nicht zerstören möchtest, hältst du gefälligst deinen Schnabel und bleibst für den Rest deines Lebens deiner Frau treu. Lass dir das eine Lehre sein, fremdgehen macht nicht immer froh!“
Langsam versiegten die Tränen des Seitenspringers und er wurde sehr nachdenklich. „Verspricht mir aber im eigenen Interesse, seiner Frau nichts zu erzählen!“ Gemeinsam verwischten wir noch alle verräterischen Spuren, bevor ich einen sehr in sich gekehrten Ehemann verließ. Zum Glück hatte uns niemand gesehen. Ich habe ihm die Daumen gedrückt, dass alles gut gegangen ist, denn er war kein Unsympath, dieser Jörn.
Ich konnte an diesem Abend nichts mehr auf die Beine stellen, so sehr hatte mich dieses Erlebnis mitgenommen. Iris saß schon wartend da, als ich nach fast eineinhalb Stunden wie vereinbart, in unserem kleinen Café eintrudele. Sie strahlte wie ein Honigkuchenpferd und hatte auf die Schnelle gleich „zwei Pferdchen geritten.“ Beide Freier hatten sich als sehr unkompliziert und großzügig erwiesen. Sie war mit beiden auf den Parkplatz gefahren. Teilnahmsvoll hörte sich Iris meinen Bericht an und richtete mich dann mit ihrer einfühlsamen Art und ihrem Humor schnell wieder auf. Wir köpften sogar noch eine zweite Pulle Sekt und stießen auf unseren gar nicht so misslungenen Abend an. Es tat uns beiden sehr gut, dass wir uns mitteilen konnten. „Das nächste Mal musst du mich dafür trösten“, meinte Iris, als sie mich endlich wieder zum Lachen brachte. In jedem Fall waren wir uns einig, dass dieser Abend ein guter Start war. Dieser Einstieg in das horizontale Gewerbe animierte uns dazu, weiterzumachen.
Der Sog des Mammons hatte Iris und mich schnell in seiner Gewalt. Das Geld, es war zu einfach und zu schnell verdient! Iris und ich versuchten aus jeder Situation das Beste zu machen, trotzdem wunderte ich mich immer wieder, mit welcher Kaltblütigkeit ich dieses Leben, das doch wirklich der Abschaum war, ertragen konnte. Dieses Leben am Rande der Gesellschaft, welches ich mir selbst ausgesucht hatte. Wie konnte ich mich in diesem Morast suhlen, ohne einen seelischen Schaden davon zu tragen? So manches Mal hatte ich den Eindruck, in meinem Körper wohnten zwei Seelen. Ich konnte es manchmal einfach nicht fassen. Es war wohl dieser Kick, der Reiz des Abenteuers und dieses Kribbeln im Bauch, das mich immer wieder losstiefeln ließ. Iris erging es nicht anders. Unseren Hass auf die Männer hatten wir zwischenzeitlich schon etwas eingedämmt, denn die Freier, die wir kennenlernten, waren eigentlich recht nett. Sie trugen keine Schuld an unserer Misere.
In der Regel waren die Männer im Auto unkompliziert. Der Akt an sich ging meist sehr schnell über die Bühne. Die Männer, die ein Abenteuer im Auto suchen, haben in der Regel nicht viel Zeit -oder aber, sie wollen ihre Erektion möglichst schnell hinter sich bringen, um sich dann konzentriert wieder anderen Dingen zuzuwenden. Oft wartet auch jemand zu Hause auf sie.
Eines Abends machte ich die Bekanntschaft eines stürmischen jungen Mannes, der es sehr eilig hatte, sein prall gefülltes Säckel bei mir auszuladen. Ich konnte ihn überreden, mit mir ins Hotel zu gehen, und hatte noch nicht einmal die Zimmertür hinter mir geschlossen, da packte mich der Typ auch schon und warf mich aufs Bett. Ich hatte zu tun, mich aus seiner Umklammerung zu lösen und erst einmal streng die Fronten zu klären. Ich war wirklich einiges gewohnt, aber so etwas Verrücktes war mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen. Den Liebeslohn hatte mir mein feuriger Galan bereits im Aufzug in den Ausschnitt gesteckt, danach wollte er mir gleich zwischen die Schenkel greifen. Aber so geht es nicht! Schließlich bin ich kein Stück Vieh, welches man nach Lust und Laune begrabbeln kann. Ich war echt von den Socken und hatte zu tun, Land zu gewinnen. Mir ahnte Schreckliches. Beim Tadeln riss er sich schon die Hose herunter und mir blieb gerade noch Zeit, ihm ein Regenmäntelchen überzustülpen. Ein kurzes Stößchen und der „Eierlikör“ fing zu strömen an. Ein letzter Seufzer und mein „Patient“ strahlte mich zufrieden an. Erst dann erzählte er mir, dass seine Frau für eine Woche verreist sei. Bereits sechs Tage hätte er enthaltsam gelebt. Es sei die Hölle für ihn gewesen. Er hatte dringend eine Frau gebraucht. So entschuldigte er zumindest sein Verhalten.
„Weißt du“, erzählte er mir, „ich habe vor einem halben Jahr meine große Liebe geheiratet. Sie war es auch, die mich bis dahin sehr unbedarften Jüngling in das Zauberreich der Erotik eingeführt hat. Ich bin von zu Hause sehr streng erzogen worden. Bin auf dem Land aufgewachsen. Wir waren sechs Buben und mein Vater hielt uns allesamt schwer an der Kandare. Ich war bereits 24, als ich meine Frau kennengelernt habe. Sie war die Schwester eines Freundes und lebte schon damals in München, in der Großstadt. Wir gingen ein ganzes Jahr miteinander, bis wir dann geheiratet haben. Und erst von da ab begann die wirkliche Freiheit für mich. Ich bin noch immer ganz verrückt nach meinem Weiberl und begehre sie noch immer heiß und innig. Sie war mir wirklich eine sehr gute Lehrmeisterin.“
Die Augen des jungen Mannes, ich will ihn Franz nennen, leuchteten, als er mir voller Begeisterung von seinem Weiberl erzählte. Ich musste bei seinen Erzählungen still in mich hineinschmunzeln. „Weißt du, dass ich mich den ganzen Tag darauf freue, abends wieder bei meiner Mausi sein zu können. Weißt du, ich arbeite in einem Herrenbekleidungsgeschäft als Verkäufer. Den Job habe ich durch Vermittlung von Marianne bekommen. Mir macht meine Arbeit viel Spaß, denn ich habe sehr nette Kollegen.“
„Sage mal, wie kannst du dich denn da auf die Kunden konzentrieren, wenn du dauernd an dein Schatzerl denken musst?“, unterbrach ich Franz` Redefluss. „Och, das klappt sehr gut. Ich sehe in jedem Kunden mein Schatzerl und darum bin ich zu jedem besonders nett und berate ihn gut.“
„Ist es dir denn da noch nicht passiert, dass du aus Versehen einem Kunden zum Abschied ein Busserl gegeben hast?“, fragte ich amüsiert.
„Doch, einige Male wäre mir das beinahe schon passiert. Ich habe mich im letzten Moment gerade noch zurückreißen können. Jetzt passe ich besonders auf, dass mir das nicht tatsächlich einmal passiert.“
Franz und ich mussten bei dem Gedanken beide sehr herzlich lachen. Weiter erzählte er mir, dass er am Anfang ihrer Ehe so verrückt nach seiner Mausi war, dass er es gar nicht erwarten konnte, abends wieder bei ihr zu sein. In den ersten zwei Monaten sei er wie ein Verdurstender nach Hause zu seinem Eheweib geeilt, hätte sich wie ein hungriger Wolf auf sie gestürzt und ihr noch im Flur seinen kleinen Freund (der in Wirklichkeit eine ganz beachtliche Größe aufwies) einverleibt. In den ersten Wochen nach der Hochzeit war seine Holde noch ganz begeistert von den stürmischen Liebesbezeugungen ihres Gatten gewesen. Jedoch, die Begeisterung verflüchtigte sich zusehends. Und eines Abends wollte sie von diesen feurigen Frontalangriffen nichts mehr wissen. „Glattweg von einem Tag zum anderen“, erzählte mir mein junger Freier enttäuscht. „Und jetzt ist sie für eine Woche zu ihren Eltern gefahren. Sie müsse wieder neue Energie auftanken“, hat sie gesagt.
