Isidor - Adrian Steineck - E-Book

Isidor E-Book

Adrian Steineck

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Beschreibung

Held der Geschichten ist Isidor, der Waschbär. Er ist Geschichtenerzähler und reist immer wieder in die Menschenwelt, um Kindern ihre Ängste und Sorgen zu nehmen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Adrian Steineck

Isidor

Erzählungen

© 2021 Adrian Steineck

Verlag und Druck:tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-14103-2

Hardcover:

978-3-347-14104-9

e-Book:

978-3-347-14105-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Der kuschelgesichtige Waschbär

Isidor, der Geschichtenerzähler

Abenteuer im Wunderwald

Gegensätze ziehen sich an

Danksagungen

Der kuschelgesichtige Waschbär

I Pantamonia

Wie einmal ein Kartenzeichner ganz treffend gesagt hat, ist das Land der Papanellen derart unermesslich groß, dass keiner jemals seine Grenzen oder auch nur eine Ahnung von diesen erblickt hat. Besagter Kartenzeichner war einer, der es wissen musste: Es handelte sich um den Windweber Gabriel, der seinen Sitz auf der Krone des höchsten Baumes im Land hatte. Da saß er dann, mit seiner langen Löwenmähne, dem mächtigen Schweif und den gewaltigen Pranken, und vertrieb sich die Zeit mit dem Zeichnen von Karten. Hin und wieder blickte er mit seinen gelben Augen, in denen ein Feuer zu brennen schien und die dennoch von unglaublicher Sanftmut waren, hinunter von seinem Baum, um zu sehen, was sich so im Land der Papanellen zutrug. Er war zwar seit 300 Jahren bereits der Überzeugung, dass er alles Geschehen dort unten schon einmal so oder zumindest ähnlich gesehen hatte, aber dennoch bereitete es ihm ein tiefes inneres Vergnügen, das Treiben der Bewohner des Papanellen-Landes zu beobachten.

Meistens richtete er den Blick dabei nach Pantamonia, der Stadt der Geschichtenerzähler. Ein gewaltiger Strom von Besuchern wogte den ganzen Tag über durch das mächtige Eingangstor der Stadt, und ein geschäftiges Gewusel füllte ihre Straßen. Langbeinige Zentauren, die halb Mensch und halb Pferd waren, gingen einträchtig neben Zeterzwergen, mit denen sie sich unterhielten, wobei die Zwerge ihrem Namen getreu unablässig über alles Mögliche zeterten. Überhaupt herrschte in Pantamonia eine seltene Eintracht. Auf großen Schildkröten ritten einige Füchse, die listig dreinblickten, dabei aber stets darauf achteten, kein anderes Wesen mit ihren großen Lasttieren nieder zu stampfen.

Wer genau hinsah, bemerkte, dass das Wogen der verschiedenen Wesen keineswegs so chaotisch und ziellos war, wie es auf das flüchtige Auge wirkte. Die vielen Wesen strebten alle ins Zentrum von Pantamonia, wo die große Burg der Geschichtenerzähler stand. Viele durften sie nicht betreten, sondern wurden bereits am Eingang wieder abgewiesen, was sie nicht selten in Tränen ausbrechen ließ.

Gerade jetzt stand wieder einer am Eingang zur Burg und bat um Einlass. Es handelte sich dabei um ein Wesen von etwa 60 Zentimetern Höhe. Sein graues Fell, das von ungewöhnlicher Schönheit war, sein grauschwarz gestreifter Schwanz und die schwarze Gesichtsmaske, die die Knopfaugen umgab, wiesen es zweifelsfrei als Waschbären aus.

Das possierliche Wesen war gerade damit beschäftigt, mit einem der beiden Burgwächter zu verhandeln. Bei diesen handelte es sich um zwei große Schildkröten, die auf zwei Beinen standen und ihren prächtig gemusterten Rückenpanzer dem Strom der Besucher zuwandten. Nur wenn man an sie herantrat und ihnen auf den Rücken klopfte, streckten sie die Köpfe aus dem Gehäuse und schnellten herum. Das hatte also auch der Waschbär getan und sah sich nun als Lohn für seine Mühe in eine Diskussion mit dem linken der beiden gepanzerten Zerberusse verwickelt.

„Was ist Euer Begehr?“, schnarrte der Wächter monoton. Der Waschbär war zunächst etwas eingeschüchtert – schließlich überragte ihn die Schildkröte um mehr als Haupteslänge –, fasste sich jedoch ein Herz, trat mutig einen Schritt vor und sagte: „Ich bin Isidor, der Waschbär, und möchte Geschichten erzählen.“

„Das wollen hier alle, kleiner Freund“, erwiderte die Schildkröte, nun schon etwas freundlicher. Sie beugte sich etwas nach vorne, so dass ihr altes und schuppiges Gesicht, dem eine große Schlauheit und Güte innewohnte, näher an den Waschbären kam. „Ich sehe, Ihr seid ein Bär des Waschens. Warum wollt Ihr Geschichten erzählen? Das ist keine Angewohnheit Eurer Art.“

Isidor überlegte kurz. Er hatte diese Frage vorausgesehen und sich den Kopf über eine Antwort zerbrochen, seit er vor fünf Wochen von zu Hause aufgebrochen war, um die blauen Dünen der Wüste Fanghir zu durchqueren und nach Pantamonia zu gelangen. Er wusste, dass seine Antwort darüber entschied, ob dieses gewaltige Unterfangen umsonst gewesen war. „Ich weiß, dass wir Waschbären unter den großen Geschichtenerzählern des Landes nicht sehr zahlreich vertreten sind“, fing er vorsichtig an. „Was aber mich betrifft, so habe ich den Drang zum Geschichtenerzählen bereits in die Wiege gelegt bekommen, und es ist mir ein Herzenswunsch…“

Die Schildkröte unterbrach ihn, indem sie sich noch etwas weiter vorbeugte, einige Male mit ihren trüben Augen blinzelte und dann mehr zu sich selbst als zu ihm sprach: „Mh… schwarze Knopfaugen… ungewöhnlich schöne Färbung… sieht kuschelig aus… wird bei den Menschenkindern gut ankommen… hm, hm…“ Die Schildkröte wiegte bedächtig den Kopf hin und her und murmelte noch eine Weile. Isidor wurde bereits langsam ungeduldig, als der Gepanzerte einen Schritt zur Seite machte und ihm Durchgang gewährte. „Er möge passieren. Es sei Ihm gewährt“, meinte die Schildkröte dazu gleichmütig. Isidor konnte sein Glück kaum fassen, als sich in dem Tor vor ihm tatsächlich ein kleiner Spalt öffnete, gerade groß genug, dass er hindurchhuschen konnte. „Ein Waschbär als Geschichtenerzähler, hat man so etwas schon einmal gehört?“, rief ihm noch ein Zeterzwerg hintendrein, doch dann hatte das Tor sich auch schon wieder geschlossen, und Isidor war im Inneren der Burg von Pantamonia.

 

II Lehrstunden

Isidor erblickte vor sich einen langen Gang mit verschiedenen Türen zu beiden Seiten. Er wartete zunächst kurze Zeit, ob ihn hier jemand empfangen und weiter begleiten würde, machte sich aber schließlich allein auf den Weg. Er kam zur ersten Tür und sah das Schild „Professor Ambrosius“ an der Türe.

Bei diesem Anblick durchlief ihn ein ehrfürchtiges Schaudern. Das also war jener Professor, der seit undenklichen Zeiten Geschichtenerzähler ausbildete und bei dem schon unzählige legendäre Wesen Unterricht genommen hatten. Isidor hob seine pelzige Pfote, um zu klopfen. Als er von drinnen keine Antwort bekam, rüttelte er am Türknauf und war überrascht, als die so massiv wirkende Holztür federleicht vor ihm aufsprang.

Dahinter erblickte er zunächst gar nichts, denn es dauerte eine Weile, bis Isidors Augen sich an das Halbdunkel in dem Raum gewöhnt hatten. „Hallo?“, rief er zaghaft in das Dämmerlicht. „Professor Ambrosius, seid Ihr da?“

Isidor überlegte kurz, ob er kehrt machen und an eine der anderen Türen klopfen sollte, denn in diesem Zimmer schien offenbar niemand zu sein. Er tapste etwas zögerlich in den Raum hinein und rief dabei noch einmal: „Professor Ambrosius?“

Der Waschbär sah jetzt, dass ein überdimensionaler, enorm massiv wirkender Schreibtisch das Zentrum des Zimmers bildete. Darauf lagen unzählige Stöße von Papier, einer höher als der andere. Als er sich umsah, bemerkte Isidor, dass auch der Boden des Zimmers mit Papierhaufen bedeckt war, von dem ihm einige fast bis zum Kinn reichten.

Isidor erschrak etwas, als hinter dem größten Papierhaufen auf dem Schreibtisch auf einmal ein keuchendes Husten zu hören war, das jahrhundertealten Staub aufwirbelte – Isidor sah ganze Flocken davon im dämmrigen Lichte tanzen. „Diese…hust, hust…diese lästige…hust…diese nutzlose und bornierte Büro…hust, hust, hust…Bürokra… hust… Bürokratie…“, hörte er jemanden hinter dem Papierhaufen schimpfen. „Seit Jahrhunderten bin ich am Abarbeiten, und es ist kein Ende in Sicht.“ Isidor hörte das Wesen hinter dem Papierhaufen etwas leise vor sich hinmurmeln, dann trat er einen Schritt vor und sagte laut: „Seid Ihr Professor Ambrosius?“

Für einen Moment wurde es still hinter dem Papierberg. Isidor strengte seine Augen an, um zu erkennen, was für eine Gestalt sich wohl dahinter befinden musste, aber es war zwecklos. „Ja, ich bin’s“, kam es schließlich langsam hinter dem Berg hervor. „Professor Ambrosius, ja, so nennt man mich. Wer aber ist hier?“

„Ich bin Isidor, der Waschbär“, stellte Isidor sich vor. „Entschuldigt bitte, dass ich einfach so in Euer Studierzimmer eingedrungen bin, aber ich bin neu hier und wollte fragen, wo ich das Erzählen von Geschichten erlernen kann.“

Wieder dauerte es eine Weile, bis endlos gedehnt die Worte kamen: „Isidor…der….Waschbär…“ Dann kam erst einmal nichts mehr.

Isidor trat nun noch einen Schritt näher und lugte vorsichtig um den Papierberg herum. Zunächst glaubte er, seine Augen müssten ihm in dem Halbdunkel einen Streich gespielt haben. Er blinzelte deshalb einige Male, rieb sich die Knopfaugen mit den flinken Pfötchen und blickte noch einmal hin. Kein Zweifel, die beiden langen Fühler, die beiden Ärmchen, die direkt aus dem Hals wuchsen… Professor Ambrosius war eine…

„Geschichten erzählen wollt Ihr?“, kam es nun langsam hinter dem Papier hervor. Dann hörte Isidor ein Geräusch, und wie in Zeitlupe kam eine große Schnecke, die ein wunderschön gemustertes Haus auf Ihrem Rücken trug und mit Ihrem linken Ärmchen an einem Stab eine Brille hatte, die sie sich nun umständlich und langsam auf die Nase setzte. Dann musterte sie Isidor eine Weile. „Nun denn, so erzählt!“, forderte Professor Ambrosius ihn dann auf.

Isidor war so verblüfft, dass er zunächst nicht reagierte und mit offenem Mund die Schnecke vor sich anstarrte. Das also war Professor Ambrosius, von dem man so viel erzählen hörte! Kein Wunder, dass er mit dem Bearbeiten seiner Formulare nicht hinterherkam!

„Nun denn, wird’s heut noch?“, forderte die Schnecke ihn nun etwas unwirsch auf. „Oder bin ich eine groteske Figur, die so wunderlich ist, dass Ihr sie nur anstarren könnt? Erzählt mir etwas!“

Isidor fühlte, wie ihm unwillkürlich das Wasser im Munde zusammenlief – Weinbergschnecken waren seine Lieblingsspeise. Dann aber ermahnte er sich, dass er hier vor sich eine Respektsperson hatte, einen der legendärsten Geschichtenerzähler, den es im ganzen Land der Papanellen gab, und er klappte den Mund zu. „Ich soll… erzählen?“, meinte er ungläubig.

„Bitte“, forderte ihn die Schnecke freundlich auf. Isidor sah, dass sie den Kerben und Rillen auf Ihrem Haus nach zu urteilen schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel haben musste – buchstäblich. Als Isidor nichts einfiel, meinte der Professor geduldig: „Ihr seid gekommen, um das Erzählen von Geschichten zu erlernen, wenn ich Euch recht verstanden habe. Wie lernt man etwas am Besten? Indem man es tut! Wohlan, so erzählt!“

Isidor überlegte eine Weile. Er war auf vieles vorbereitet gewesen, aber dass er so unvermittelt ins kalte Wasser geworfen wurde, hatte er dann doch nicht gedacht. Blitzschnell gingen ihm die Lieder und kurzen Erzählungen durch den Kopf, die er als Waschbärenjunges auf dem Schoss seiner Großmutter gehört hatte, einer altehrwürdigen Waschbärin, die sich recht gut auf das Singen und Berichten verstand. Er prüfte, was er davon wohl noch zusammenbringen würde, dann begann er: „Es war einmal – oder auch zweimal – ein Waschbärenkönig, der alt und des Regierens überdrüssig geworden war. Er ließ also seine Söhne zu sich kommen, um sie einem Test zu unterziehen.

Er sprach zum ersten Sohn: ‚Du, Bandur, sag mir: Was ist die oberste Aufgabe eines Waschbären?’ ‚Die Pflicht eines Waschbären, oh Vater’, antwortete ihm dieser, ‚ist es, allen Lebewesen ein ständiger und treuer Begleiter und Helfer in der Not zu sein.’

Da wandte der König sich an seinen zweiten Sohn und frage diesen, was denn ein jeder Waschbär als oberste Pflicht anzusehen habe. ‚Die oberste Pflicht eines Waschbären, oh Vater, ist es, anderen Lebewesen Freude zu bereiten, gut zu sein, dabei aber niemals sich selbst zu verleugnen’, antwortete jener Zweite, der Aledrem hieß.

Als der König sich nun an den dritten Sohn mit derselben Frage wandte, antwortete dieser, der Jonathan genannt wurde, dass es einem Waschbären aufgetragen sei, mutig und tapfer und weise in seinen Entscheidungen zu sein.

Durch derlei Antworten sah der alte König, dass er seine Söhne wohl allesamt zu rechten Waschbären erzogen hatte, und sprach zu sich selbst: ‚Alle der genannten Eigenschaften sind auf ihre Weise gut und richtig und würden sich auf das Vortrefflichste ergänzen. Warum sollte ich eine dieser Eigenschaften wegnehmen? Hilfreich zu sein, bereitet automatisch Freude, und Tapferkeit und Weisheit schaden wohl auch nichts.’ Also ernannte der kluge König sie alle drei zu seinen Nachfolgern. Und fortan wurde das Volk der Waschbären von drei Königen regiert, die treu, gut, weise und mutig waren, ohne sich aber jemals selbst zu verleugnen.“

„Wunderbar, wunderbar“, rief die Schnecke entzückt aus. „Ich sehe, Ihr versteht Euch vortrefflich auf das Geschichtenerzählen. Da und dort könnt Ihr Eure Erzählung noch etwas ausschmücken, aber das bringt die Erfahrung und Übung dann schon mit sich. Ihr seid ein Geschichtenerzähler.“

Über das Lob des Professors war Isidor so erfreut, dass er es zunächst gar nicht fassen konnte. „Ihr schmeichelt mir“, wandte er deshalb ein. „Außerdem habe ich mir diese Geschichte nicht selbst ausgedacht, sondern aus der Erinnerung wiedergegeben. Auch weiß ich nicht, ob ich mich an alles richtig erinnere.“

„Was meint Ihr, wie früher erzählt wurde, bevor es die Schrift gab? Geschichtenerzähler zogen von Land zu Land und erzählten aus dem Gedächtnis etwas, und die, die es gehört hatten, erzählten es dann weiter. Dabei erinnerten sie sich manchmal falsch, und dadurch wurden die Geschichten verändert. Jeder versah eine Erzählung dadurch mit seiner eigenen Note. Wiedergeben aus dem Gedächtnis – nichts anderes sind die Ursprünge des Geschichtenerzählens. Ich wiederhole noch einmal: Ihr seid ein geborener Geschichtenerzähler, mein junger Freund.“

Isidor konnte noch immer nicht fassen, dass er aus so berufenem Munde ein solches Lob hörte. „Aber… aber ich wollte hierher kommen, um zu lernen. Ich hoffte, dass Ihr mich unterrichten würdet.“ Er senkte den Kopf.

„Wenn das nicht zuviel verlangt ist von Euch. Ich bin nur ein kleiner Waschbär.“

„Ja, noch seid Ihr ein kleiner Waschbär. Aber eines Tages wird man Euch zu den großen Geschichtenerzählern im Land der Papanellen rechnen können.“ Professor Ambrosius schüttelte sachte den Kopf, wobei seine Fühler wackelten. „Ich kann Euch nichts lehren, mein Freund. Das Erzählen liegt in Euch, und Ihr müsst es selbst zur Reife bringen. Da braucht Ihr eine alte Schnecke wie mich nicht.“ Er lächelte sanft.

„Aber Ihr habt doch die großen Geschichtenerzähler dieses Landes ausgebildet“, versuchte Isidor es noch einmal. Er konnte nicht glauben, dass er diese weite Wanderung auf sich genommen hatte, nur um zu hören, dass er nichts mehr lernen konnte. „Ganthor, den Silberrücken… den Windweber Gabriel…“

„Denen habe ich auch nichts anderes erzählt“, meinte Professor Ambrosius nachsichtig. „Auch sie trugen das Talent zum Erzählen in sich, und die Zeit zeigte, dass sie es auch zu nutzen verstanden. Aber beigebracht habe ich ihnen nichts.“

Isidor sah die Schnecke ungläubig an. „Ihr meint also wirklich, dass ich bereits alles kann?“ „Nein, nicht dass Ihr alles könnt“, verbesserte ihn der Professor sanft. „Nur dass Ihr das Talent zu Großem in Euch tragt. Wenn Ihr aber von dieser Gabe keinen Gebrauch macht, wird sich bald niemand mehr an Euch erinnern. Dann werden die Leute sagen: Seht, hier ist Isidor, der Waschbär, der Großes in sich trug, aber keinen Gebrauch davon machte. Das ist schlimmer als jemand, der zu Kleinem geboren ist und sich in diesem Kleinen dann aber vorzüglich zurechtfindet und darin sein Glück macht.“

„Aber ich möchte Unterricht haben“, meinte Isidor nach einer Weile noch einmal. „Bitte schlagt mir diesen Wunsch nicht ab.“