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Ja mei – das sind Münchner Kurzgeschichten und Mundartgedichte zum Schmunzeln. Sie erzählen von den Anekdoten hiesiger Wirtshausmusikanten und beschäftigen sich augenzwinkernd mit den üblichen Klischees der Isarmetropole, wie etwa der Ehrenrettung der Leberkässemmel oder dem Aussterben der Seppen. Man erfährt aber auch auf unterhaltsame Weise Wissenswertes über die Stadtgeschichte und kann dabei gemütlich in der alten Zeit strawanzen – bis hin zur ersten Wiesnmass, siehe Titelbild! Ja mei, als Münchner Kindl muss man halt schon sehr früh anfangen, sich mit den hiesigen Traditionen zu befassen.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Münchner Gschichtln
von
Sepp Wanninger
3., überarbeitete und erweiterte Auflage, ©2021
E-BOOK ISBN 978-3-9823443-0-0
Texte: Sepp Wanninger, Ottobrunn
Künstlerische Beratung: Annette Wanninger, Ottobrunn
Lektorat: Beate Eckert-Kalthoff, Petershausen
Herausgegeben im Eigenverlag Sepp Wanninger
Prinz-Otto-Str. 6
85521 Ottobrunn
www.sepp-wanninger.com
Dieses E-BOOK ist auch als Taschenbuch erhältlich.
Softcover ISBN 978-3-9823443-1-7
Hardcover ISBN 978-3-9823443-2-4
Ja mei
Impressum
Inhalt
Vorwort
MÜNCHNER JAHRESZEITEN
Im Paradies
Der Leberkas
Fahr ma auf Minga mim Floß
Eisfahrt
Wiesnblues
Die staade Zeit
Eigschneibt
Sepperltag
Annett la Gfrett
Der Blick ins Paradies
Sommerzeit – staade Zeit
WIRTSHAUSMUSIKANTEN
Bruckner 8
Der Wiesnhit
Die wurschthautlose Weißwurscht
Der Huber, der Meier und i
’s Resei
Made in Japan
Die Tuba von Brzlhaun
Weaner Bluat
DIE OIDE ZEIT
Drunt in da greana Au
Ein Wagen von der Linie 8
Wiesnbummel mit der Oma
SAUDUMME GSCHICHTEN
Wia d’ Schelln Sau
Die Moritat vom Kaiserschmarrn
Das Märchen vom Dorschkönig
Die 17er Tram
’s Liad von da Wasserschnoizn
Der Heihupfa mim Heischnupfa
Ein Rausch, ein außerirdischer
A kloans Glossarium
Quellenangaben
Ja mei,
als Münchner Kindl muss man halt schon sehr früh anfangen, sich mit den hiesigen Traditionen zu befassen. Das Titelbild zeigt daher keineswegs meine Taufe, auf der meine Eltern stolz verkünden: „Da Bua hoaßt Sepp!“ Es war vielmehr einer der ersten Wiesnbesuche, auf dem ich behutsam in die bayerische Schmankerlküche, zu der ja bekanntermaßen auch das Bier zählt, eingeführt wurde. Dieses frühzeitige Kennenlernen wichtiger Lebensgrundlagen brachte nicht nur Vorteile in der Schule – schon am ersten Schultag konnte ich fehlerfrei von „oans bis gsufffa“ zählen! – sondern auch als angehender Musikant. Gerade das „Prosit der Gemüatlichkeit“ mit anschließendem Woaßtasscho wurde zum ständigen Begleiter, ein Garant für vereinte Bierglückseligkeit.
Und des is fei ned glogn – alle andern Gschichtln sind (meistens) frei erfunden, wobei jegliche Änlichkeiten mit lebenden und realen Personen nicht ganz zufällig wären …
Vui Spass beim Lesen!
Sepp Wanninger
„Das Jahr hat 365 Tage, ebenso viele zählt der Münchner als zum Genuss des Lebens gehörig und rechnet davon nur die gebotenen Fast- und Freitage, Quatember und einige wenige Tage religiöser Erinnerung ab, die übrigen sind einer ununterbrochenen Kette fröhlicher Veranlassungen geweiht. […] Ein treffliches recipe gegen die Melancholie und ihr trauriges Gefolge: Probatum est!“ 1
Felix von Schiller, ein Landschaftsmaler und Schriftsteller aus Breslau, verfasste diese Werbung schon 1840 in einem München Führer – und es hat sich bis heute eigentlich nix daran geändert. Für einen hiesigen Musikanten ist es quasi a
gmahde Wiesn, rechnet man noch private Feste wie Geburtstage oder Hochzeiten sowie die alljährliche Floßsaison dazu. So mancher Münchner unterteilt das Jahr freilich auch nur in zwei Jahreszeiten – die, in der man im Biergarten hockt und die, in der man nicht im Biergarten hockt …
… denn nur, wenn’s rengt oder schneit,
is der Münchner bereit,
dass er sei Zeit
in der Wirtschaft verbringt.
Doch wenn dann des erste Vogerl singt
und de Sunn aa bloß a bissl scheint,
hockt ois glei wieder ganz selig
im Biergarten vereint.
Biergartln –
a so hat oiwei scho
da Münchner gern sei Zeit vado.
Es werd gratscht und vui dischgriert
oder vor sich hin sinniert,
ma setzt sei Goaßgschau auf und schaugt
ins Leere, weil’s oam daugt.
Diese Bierglückseligkeit
waar was für die Ewigkeit …
Zeitung lesen,
d’ Welt vergessen
unter am Kastaniendach,
Spatzen tratzn,
Kas obatzn
und da Radi woant no nach.
Da Sepp, a oider Musikant,
hat aa moi wieder rückwärts traamt
vo seiner allerbesten Zeit,
bekannt und beliebt bei alle Leit,
zwengs seine Gsangl,
zwengs seim vaschmitztn Lacha
und zwengs seim Dacklgschau.
Er war quasi da Stoiz vo da Au!
Aber heit wui seine Liader koa Mensch mehr hörn:
Hauptsach laut und Hauptsach plärrn!
Er woit sein Frust grad obeschwoabn,
da is’ auf oamoi dunkel worn,
a Wind is kumma, frostig frisch,
hockt ned a Fremder an seim Tisch!
Zaundürr, a schialich graaber Hund,
grad stinga duat er ausm Mund,
stellt se ois Boandlkramer vor
und flüstert eahm glei was ins Ohr.
Ma braucht an Musiker da drobn!
Er blinzlt ganz varreckt nach obn
und schenkt eahm glei a Schnapserl ei,
(Des werd doch ned a Kerschgeist sei?!)
erzählt eahm no, wia schee’s da is,
es waar ja aa des Paradies.
Da kriagt da Sepperl feichte Augn,
er deaf ins Paradies neischaugn
und traamt scho vo da Ewigkeit
ohne Raum und ohne Zeit,
uuunendliche Gmüatlichkeit;
ein himmlisches Elysium,
Monacum et bavaricum,
quasi ein Garten Eden Münchner Art,
wo vielleicht sogar a Trambahn fahrt?
Ein Wagen von der Linie acht,
weißblau, a Himmelsrunde macht.
Drin hockt de Münchner Prominenz
im Engelsgwand ois Hemadlenz.
Und was eahm no am bessern gfoit:
Musikantenhoagast, drentahoib!
Da Sepperl grinst jetzt ganz vaschmitzt:
„Boandlkramer, de Sach is gritzt!
I daat gern in Himmi fahrn,
du konnst ja zruck in d’ Geisterbahn.“
Ein letzter Schluck aus seiner Mass,
dann packt a’s,
wei zwoa Engerl ham scho auf eahm gwart,
heit is „Josephi Himmifahrt“!
Sie ham aa glei den Münchner packt
und se no sei Quetscherl gschnappt.
So fliagns mit eahm zur Himmelspforte,
jenem ganz besondren Orte,
der am End da Anfang is,
da geht’s nei ins Paradies.
Da Petrus hat scho gwart auf eahm
und duat aa glei as Gschloss aufsperrn,
hoit sei goidns Büacherl raus,
(akkrat so wia da Nikolaus!)
macht beim Sepp a Hakerl nei,
ab jetz werd’s da Josephus sei.
Da war der neie Engl froh,
aber d’ Lederhosn, de lasst er o.
Nur oans werd dabei leicht geniern:
Wia soi a d’ Hosntrager über d’ Flügl kriagn?
„So, jetz werd’s schee langsam Zeit
fürs Lebn in der Ewigkeit.
Net lang umananderg’hockt,
in da Früah werd zerst frohlockt
und, nix durchanader bringa,
ab Mittag Hosianna singa.
Denn nur die Fleißigen und Frommen
werden ihr Manna auch bekommen“,
sprach’s in einem ernsten Ton –
und schwebt davon.
Oha!
Des war doch koa Gaudi nicht,
de oide Ludwig Thoma Gschicht
vom Münchner, der in Himmi kimmt,
und schwere Buße auf sich nimmt:
Ein Leben ohne Leberkas,
ohne Weißwürscht, Brezn, Bier vom Fass,
koa Lüngerl,
koa Züngerl,
koa Suizl,
koa Muizl,
koa Haxerl vo da Sau,
ein Drama – in weißblau!
Doch Josephus woaß genau,
dass bei einem Musikant
ois ganz anders laffa kannt.
So hoit er brav sei Quetscherl raus,
suacht si a scheens Woikerl aus
und fangt zum Frohlocken o,
grad a so,wiar as hoit ko,
in altbewährter Gstanzlform:
(vielleicht ned ganz die Himmelsnorm …)
Neili hamma ’n Deifi gsehgn,
sama auf sein’ Schwoaf nauftretn,
ham eahm oane obeghaut,
da hat da Deifi gschaugt.
Doch hoit, bevor er onehockt
und den ganzn Himmi rockt,
schaugt er si erst moi alles o,
es laft eahm ja koa Zeit davo.
Draht si hinum, draht si herum,
specht moi obe und dann obn rum,
roast erst hintre, wieder fire,
krawet rum auf alle Viere,
doch nix wia Woikn, so a Gfrett,
er find’ den Garten Eden net!
Koa Wiesn mit am Löwenzahn,
Oimarausch und Enzian,
Heischreck, Kuahdreg, stoizer Pfau,
hint und vorn ois grau in grau.
Nirgens konnst an Hopfa zupfa,
d’ Weinbeerl vo de Rebn rupfa,
konn ma’s d’ Engerl da vawehrn,
wenns in Urlaub fahrn nach Wean?
Ma hörts in Weinglückseligkeit
jodln aus der Ewigkeit.
Sonst hört ma nix, rundumadum,
koa Vogerl singt, koa Bienengsumm,
ma riacht aa nix, koan Duft von Rosn,
außer: sei oide Lederhosn.
„Ja, was hab i da ogfangt?
Da hab i sauber in Dreg neiglangt!“
So kummt er, obwohl er da no fremd is,
ganz enttäuscht zu der Erkenntnis:
Herobn gibt’s koa greane Au,
wachst aa koa Birnbaam net, schee blau
und – ma konn’s glei gar net glaam,
ned amoi a Apfebaam!
„A Paradies is des fei nicht!“
Langsam steigt da Grant ins Gsicht.
Wo sans, de ganzn Musikanten,
die mit eahm doch zammspuin kanntn?
Da daat a singa oder jazzn,
nächtelang de Tastn tratzn.
Stattdessen auf ra Woikn hockn,
oi Tag nur Vor-sich-hin-frohlocken,
alloa mit seinem Quetschntrumm,
koa Gage, ohne Publikum,
ohne Brotzeit, ohne Bier,
singa ohne Gurglschmier.
