Japanisch für Anfänger - Marc Weiherhof - E-Book

Japanisch für Anfänger E-Book

Marc Weiherhof

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Beschreibung

Mit einer Gay Romance die Lachmuskeln trainieren? Rico und Hiroshi sorgen für einen flachen Bauch. Garantiert! Rico, ein äußerst gut aussehender, muskulös gebauter Fitnesstrainer, versteht unter romantischer Liebe bislang lediglich Leistungssport mit möglichst vielen Partnern. Gefühle? Fehlanzeige. Eine Beziehung? Viel zu aufwendig. Doch das ändert sich, als er den verträumten, japanischstämmigen Hiroshi kennenlernt. Mit seiner liebenswert tollpatschigen Art zieht der Altenpfleger den Coach in seinen Bann. Ein seltsam unbekanntes Gefühl schleicht sich in Ricos Brust. Ist er womöglich von einem tödlichen Virus befallen? Nein, Verliebtheit rafft normalerweise niemanden dahin, außer man macht wirklich alles falsch. Japanisch für Anfänger ist ein humoristisches Feuerwerk gespickt mit großen Emotionen und prickelnder Homoerotik. Lehn dich zurück und starte jetzt dein Bauchmuskeltraining!

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Marc Weiherhof

Japanisch für Anfänger

Eine humorvolle Gay Romanze

© 2017 Marc Weiherhof

Behind Weiherhof | Parkallee 46 | 8952 Schlieren | SCHWEIZ

Web: http://www.marc-weiherhof.ch

E-Mail: [email protected]

Coverdesign: Marc Weiherhof

Coverfotos: http://de.123rf.com

Das Werk, einschließlich aller Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und oder des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliches Zugänglichmachen. Alle Figuren und Ereignisse im Buch sind freie Erfindungen des Autors. Übereinstimmungen mit realen Personen oder Ereignissen wären rein zufällig.

Inhaltsangabe

Rico, ein äußerst gut aussehender, muskulös gebauter Fitnesstrainer, versteht unter romantischer Liebe bislang lediglich Leistungssport mit möglichst vielen Partnern. Gefühle? Fehlanzeige. Eine Beziehung? Viel zu aufwendig. Doch das ändert sich, als er den verträumten, japanischstämmigen Hiroshi kennenlernt. Mit seiner liebenswert tollpatschigen Art zieht der Altenpfleger den Coach in seinen Bann. Ein seltsam unbekanntes Gefühl schleicht sich in Ricos Brust. Ist er womöglich von einem tödlichen Virus befallen? Nein, Verliebtheit rafft normalerweise niemanden dahin, außer man macht wirklich alles falsch.

„Japanisch für Anfänger“ ist ein humoristisches Feuerwerk gespickt mit großen Emotionen und prickelnder Homoerotik.

Danksagung

Liebe Freundinnen und Freunde haben mich bei der Veröffentlichung dieses Romans begleitet und mich tatkräftig unterstützt. Sie haben mir ihre kostbare Zeit geschenkt, große Geduld bewiesen und ganz viel Herzblut in das Projekt investiert – dieses Engagement verdient meine allergrößte Anerkennung. Ein herzliches Dankeschön an Bernd, Christopher, Mana und Silvia.

Über den Autor

Ich bin ein schwuler, katzenvernarrter, schweizerischer Lesemuffel mit Weltenbummler-Ambitionen, der für sein Leben gerne Geschichten erzählt.

Purer Nervenkitzel, innige Liebe, schräger Humor, eine große Portion Homoerotik, erschütternde Dramen und tiefe Emotionen, das und mehr erwartet dich in meinen Gay Romance-Büchern und Kurzgeschichten.

Besuche mich auf meiner Homepage (www.marc-weiherhof.ch) und tauche ein, in eine bunte Welt schwuler Geschichten. Ich freue mich über deine Rückmeldungen oder dein Like auf Facebook (www.facebook.com/marc.weiherhof).

Inhaltsverzeichnis

Kapitel eins

Kapitel zwei

Kapitel drei

Kapitel vier

Kapitel fünf

Kapitel sechs

Kapitel sieben

Kapitel acht

Kapitel neun

Kapitel zehn

Kapitel elf

Kapitel zwölf

Kapitel dreizehn

Kapitel vierzehn

Kapitel fünfzehn

Epilog

Kapitel eins

„Kommt schon. Ihr werdet doch nicht schon beim Warm-up schlappmachen, oder? Jetzt legen wir erst so richtig los. Zehn Minuten Bergintervall. Go, go, go.“ Ricos Stimme vermittelt unbändigen Bewegungsdrang und wirkt ansteckend. Keuchen und der eine oder andere Fluch dringen an seine Ohren. Er lächelt und speist den am Lenker seines Indoorbikes befestigten Touchscreen mit den entsprechenden Befehlen. Die Elektronik greift unverzüglich ein und erhöht den Widerstand.

Rico legt mehr Kraft in seine Beine.

Er trägt kurze schwarze Rennradhosen und ein atmungsaktives Muskelshirt in Rot. Diese Klamotten betonen nicht nur seinen sportlich-muskulösen Körperbau, sondern eignen sich auch bestens fürs Indoorcycling. Eingängige Popmusik dröhnt aus den Boxen und unterstützt die Sportler beim Erreichen der gesetzten Trainingsziele. Ricos Sportgerät, ein rot glänzendes Indoorbike – eine Art stationäres Fahrrad ohne Räder, dafür mit Stützstreben als Füße – steht in der Mitte des hell erleuchteten Raums. Leicht versetzt hinter ihm stehen die Bikes der Teilnehmer in einer Reihe. Mithilfe eines großen Spiegels behält er jederzeit den Überblick und kann zielgerichtet Ratschläge geben und die Sportler bei Bedarf anfeuern. „Nicht schlappmachen, Bea“, ermahnt er eine sehnige, blonde Frau Mitte dreißig, deren Gesicht eine äußerst ungesunde Farbe angenommen hat.

Eine überreife Tomate ist nichts dagegen.

Ihre Blicke treffen sich. „Trink einen Schluck und schalt den Widerstand um eine Stufe zurück.“ Die Blondine nickt und gibt dem Bordcomputer die entsprechenden Befehle. Dann nimmt sie gierig mehrere Schlucke aus ihrer Trinkflasche und tupft sich die Stirn mit einem Handtuch ab. „Kommt schon, weiter. Lasst euch von der Musik tragen. Setzt euch ein Ziel und fahrt darauf zu.“ Ein feiner Schweißfilm bildet sich auf Ricos Körper und das rote Shirt klebt an seinem trainierten Oberkörper. Er weiß, wie hart das Training ist, und dennoch fühlt man sich am Ende, als ob man etwas Großes erreicht hätte. „Die letzten Minuten noch, Leute. Nicht schlappmachen. Da vorne ist euer Ziel, steht auf und gebt alles, um es zu erreichen.“ Rico erhebt sich, die Kursteilnehmer machen es ihm nach. Ihm bleiben die teils neidischen, teils lüsternen Blicke auf seinen Knackarsch nicht verborgen – ein Booster für sein Ego.

Schweres Atmen erfüllt den Raum.

Das Gerät piepst, zeigt an, dass die letzten zehn Sekunden angebrochen sind. Er zählt laut mit, spornt die Teilnehmer nochmals so richtig an. Ein junger Mann, der offenkundig das erste Mal an einem Cycling-Kurs teilnimmt, sieht gequält aus. Er kriegt kaum Luft, sein Kopf ist feuerrot und das Haar patschnass. „Gut. Ihr habt es geschafft. Seid ihr stolz auf euch?“

„Ja“, echoen die Teilnehmer im Chor, während sie sich auf ihre Sättel zurückfallen lassen.

„Aber wisst ihr, was das Geilste ist? Wir sind noch lange nicht am Ende. Zehn Minuten Ausdauer. Intervall Nummer fünf.“ Rico lässt seinen Blick über die Teilnehmer schweifen. Bea hat sich erholt, sieht nun wieder topmotiviert aus und auch bei den anderen scheint es keine Probleme zu geben. Bei allen außer dem Italiener. „Fernando, alles klar bei dir?“, erkundigt sich Rico skeptisch. Die einzige Antwort, die er erhält, ist ein wenig überzeugendes Nicken. „Trink etwas und schalte auf Intervall drei zurück.“

„Ich schaffe das schon“, knurrt Fernando und strampelt noch viel schneller, obwohl es mehr als deutlich ist, dass er bald zusammenklappt.

„Du siehst aber nicht so aus. Ich will nicht, dass du in meinem Kurs einen Kreislaufkollaps erleidest. Tu bitte, was ich dir sage.“

„Alles gut.“

Rico seufzt. „Deine Verantwortung, Fernando.“ Er schickt dem jungen Mann seinen eindringlichsten Blick, bevor er das Training fortführt. „Gut, nicht nachlassen, Leute. Diese paar Minuten dienen als Entspannung und dennoch soll unser Körper Kalorien verbrennen. Bereitet euch auf den endgeilen Schlussspurt vor. Rennmodus. Zehn Minuten volle Power.“ Erneutes Stöhnen. „Ihr macht das nicht für mich, daran solltet ihr immer denken. Wem es zu anstrengend ist, der kann natürlich auch den Kopf in den Sand stecken und aufgeben.“ Kopfschütteln bei den Sportlern. „Also hört auf euch zu beschweren und verlangt eurem Körper das Maximum ab.“ Die vier Frauen und fünf Männer trinken gierig aus ihren Flaschen, wischen sich den Schweiß vom Gesicht und strampeln weiter. Wieder zählt der Trainer – manche dürften ihn auch Folterknecht nennen – die Sekunden runter. „Acht – Rennmodus Stufe vier, sieben – ich will alles von euch sehen, fünf – zehn Minuten volle Power, drei – keine Ausreden, zwei – keine Schwäche, eins – bereit und los!“ Die Teilnehmer bedienen ihre Touchscreens. Ihre Bewegungen werden fast augenblicklich schneller, ihre Atmung angestrengter. Rico steht auf, lehnt sich mit den Unterarmen auf den Lenker und tritt kräftig in die Pedale, die Anderen folgen seinem Beispiel. Die Clips an den Schuhen verhindern, dass die Sportler abrutschen und sich verletzen. „Schneller, los, schneller.“

„Sklaventreiber“, murrt die Blondine und schickt ihm böse Blicke, bevor sie sich wieder auf ihren Körper konzentriert. Rico verkneift sich ein Grinsen, wohl wissend, dass ihn die Teilnehmer beobachten.

„Und was seid ihr, Babys? Wollt ihr etwa die Schneckenolympiade gewinnen oder wie sehe ich das?“ Rico will alles aus den Teilnehmern herauskitzeln. „Los, schneller. Ich will Geschwindigkeitsrekorde sehen. Lasst die Funken sprühen!“ Auf diese Art des Ansporns reagiert erwartungsgemäß vor allem das männliche Geschlecht überdurchschnittlich gut, so auch heute: Die Männer legen noch mal kräftig zu. Um die Damen zu motivieren, bedarf es einer subtileren Herangehensweise – sie muss man bei ihrem Stolz packen. „Und die Ladys? Ist es zu schwer für euch? Tja, da sieht man mal wieder den Unterschied zwischen den Geschlechtern.“ Na also. Zusammen radelt die Truppe auf die unsichtbare Ziellinie zu. Es scheint, als ob niemand mehr auf die Musik hörte. Die Sportler sind in ihrer ganz eigenen Welt mit brennenden Muskeln und Körpern am Limit gefangen. Doch niemand will so kurz vor dem Ziel aufgeben oder zeigen, dass er der Herausforderung nicht gewachsen ist. „Noch dreißig Sekunden. Kommt schon. Schneller, gebt nicht auf. Gebt alles. Kommt. Los.“ Natürlich brennt auch bei Rico die Wadenmuskulatur, außerdem ist er total verschwitzt und dennoch gibt ihm dieser Job den gewissen Kick. Schweiß, Kraft, Muskeln, striktes Training und körperliche Betätigung, das ist seine Welt.

Er liebt es.

„Zählt laut mit und legt noch einen Zacken zu. Ich will sehen, wer schneller ist. Ihr oder ich? Die Frauen oder die Männer!“, brüllt Rico in den Raum. „Zehn.“ Alle setzen ein. Bei manchen ist außer dem lautstarken Keuchen nichts zu hören.

Vor allem Fernando macht Rico Sorgen.

Der junge Italiener sieht noch mitgenommener als zuvor aus. „Neun.“ Er gibt sein Letztes. „Acht.“ Fernando hat die Augen geschlossen, sein Gesicht ist feuerrot. „Sieben.“ Er wird langsamer. „Sechs.“ Soll ich das Training vorzeitig abbrechen? „Fünf.“ Nein, wir beenden es ordnungsgemäß. „Vier.“ Die Teilnehmer sind bis zu den Haarspitzen angespannt. „Drei.“ Der Italiener hängt mittlerweile über dem Lenker. „Zwei.“ Sein Brustkorb hebt und senkt sich viel zu schnell. „Eins und fertig“, beendet er die Trainingseinheit. „Da könnt ihr verdammt stolz auf euch sein. Ihr habt es geschafft! Herzlichen Glückwunsch. Gut, jetzt auslaufen lassen und noch fünf Minuten locker weiterfahren“, instruiert er die Teilnehmer, bevor er sich von seinem Indoorbike schwingt und auf Fernando zugeht. „Wie geht es dir?“, will er wissen und berührt den Mann an der Schulter. Einen Moment lang reagiert Fernando nicht, doch dann blickt er langsam auf. Sein Gesicht ist schweißüberströmt und er kriegt kaum noch Luft.

„Gut“, bringt er keuchend hervor.

„Das glaube ich dir nicht. Steig bitte ab und komm mit mir. Es ist wohl besser, wenn du dich hinlegst.“

„Mir geht’s …“

„Schluss jetzt. Steig ab, sonst muss ich dich dazu zwingen und das wäre mehr als peinlich für dich.“ Die zwei sehen sich einen Moment tief in die Augen, bevor Fernando klein beigibt und widerwillig absteigt. Die Männer verlassen den Trainingsraum und gehen durch das Fitnessstudio zum modernen Empfangsbereich. Dort gibt es bequeme Sessel, Regale mit Zeitungen und Magazinen, sowie eine Couch. „Leg dich hin. Ich bringe dir etwas zu trinken und einen Energieriegel.“ Ohne Widerworte tut Fernando, was ihm sein Trainer rät. Langsam lässt er sich auf die Couch sinken, noch immer atmend wie ein Walross nach einem Marathon.

„Konnichiwa, Misaki“, begrüßt Rico die japanisch-stämmige Kollegin am Empfang freundlich.

„Dir auch einen guten Tag, Rico.“ Obwohl sie es nie zugeben würde, gefällt es ihr ausgesprochen gut, in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden – sie strahlt übers ganze Gesicht. Das war’s dann aber auch schon mit Ricos Japanisch – obwohl Misaki es schon oft versucht hat, liegt ihm diese fremdartige Sprache einfach nicht. Als der Blick der Empfangsdame auf Fernando fällt, entfährt ihr ein entsetztes Keuchen. „Oh Gott. Was ist passiert? Was ist mit ihm? Muss ich einen Krankenwagen rufen?“

„Nein, eine Ambulanz braucht der sicher nicht, mach dir keine Sorgen, Misaki. Nicht jeder hält mein Training aus“, entgegnet Rico mit einem breiten Grinsen.

„Ja, das kann ich mir vorstellen“, gibt Misaki zwinkernd und kichernd zurück. „Du sollst doch die kleinen Schwächlinge nicht immer so hart rannehmen, Rico.“

„Ja, ich weiß, aber was soll ich machen, wenn man mir solche Anfänger zuteilt?“

„Er wollte explizit zu dir. Ich hab ihm gesagt, dass es eigentlich kein Kurs für Anfänger ist.“

„Hey, ich kann euch hören“, beschwert sich Fernando. Misaki und Rico lachen vergnügt. Der Fitnesstrainer bedient sich an der Bar mit einer Wasserflasche und einem Energieriegel.

„Hier, trink ein paar Schlucke, bevor du den Riegel isst. Bleib bitte liegen, bis es dir besser geht. Ich beende fix den Kurs und schaue nochmals nach dir.“ Fernando nickt und nimmt einen kräftigen Zug aus der Wasserflasche. Rico trocknet sich das Gesicht mit seinem Handtuch ab und betritt erneut den Trainingsraum. „Gut, das war’s. Beendet das Training, desinfiziert die Bikes und geht duschen. Ihr wart genial. Jeder Einzelne von euch hat heute einen tollen Einsatz geleistet. Hat Spaß gemacht. Das nächste Training ist heute in einer Woche.“

„Du hast uns ja wieder ganz schön ans Limit getrieben“, meint Bea vorwurfsvoll, bevor sie einen kräftigen Schluck aus ihrer Flasche nimmt. Sie tritt so nah zu Rico, dass er sie riechen kann. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich schnell und das verschwitzte Top zeigt zu viel von ihrem Dekolleté. Schweißperlen rinnen an ihren Brüsten entlang. Rico unterdrückt ein Schaudern. Sie fixiert ihn mit einem mehr als eindeutigen Blick und klimpert mit ihren Wimpern. „Ich würde gerne mal ein Privattraining mit dir absolvieren, Rico. Was hältst du davon?“ Sie flirtet ihn gnadenlos offensichtlich an.

„Bea, ich …“

„Jaja, ich weiß, du triffst dich nicht privat mit Kundinnen. Das Studio verbietet es, ich kenne alle Ausreden, aber Rico, du würdest es nicht bereuen. Ich bin sehr …“

„Ich stehe nicht auf Titten, Bea“, platzt er schließlich heraus. Sie verstummt und starrt ihn an. Man sieht förmlich, wie sich in ihrem Kopf die Gedanken überschlagen.

„Schade. Wir hätten sicher viel Spaß zusammen gehabt“, entgegnet sie schnippisch und versucht verzweifelt ihre Contenance zu bewahren. „Warum sind die heißesten Kerle immer schwul?“ Damit geht sie davon und schwingt ihren Hintern dabei derart lasziv, dass die Kerle an den Trainingsgeräten aus der Routine kommen. Rico verabschiedet sich von den anderen Teilnehmern.

„Das würde ich gerne wiederholen“, spricht ihn Thorsten, ein großer, schlanker Kerl an.

„Das freut mich, du kannst am Empfang gerne einen neuen Termin buchen.“

„Das werde ich machen.“

„Vielleicht kommst du in die fortgeschrittene Gruppe? Ich könnte mir dich dort gut vorstellen. So wie ich dich heute erlebt habe, würde das gut passen.“

„Okay, alles klar. Danke, Mann.“ Damit verabschiedet sich Thorsten und verschwindet Richtung Umkleide. Der Fitnesscoach stellt die Musik aus, reinigt sein Rad und alle anderen Trainingsgeräte erneut, reißt das Fenster weit auf und verlässt den Raum. Auf dem Weg zurück zum Eingang begrüßt er langjährige Kunden, gibt Tipps an den Geräten und unterhält sich mit Kollegen. Als er am Empfangstresen ankommt, sinkt seine Laune schlagartig.

Die Couch ist leer.

„Wo ist mein niedlicher Patient hin?“, fragt er Misaki, die gerade eine ältere Kundin berät und ihr ein Faltprospekt zeigt. Sie grinst ihn nur verschmitzt an und verdreht die Augen.

„Es ging ihm angeblich besser“, antwortet sie knapp und konzentriert sich wieder auf die Kundin.

„Gut“, murmelt Rico ernüchtert, als er sich zu den Umkleiden aufmacht. Eigentlich hätte er sich gerne noch eingehender um Fernando gekümmert und ist ein wenig enttäuscht, dass sich der Kleine einfach vom Acker gemacht hat. Habe ich die Blicke falsch gedeutet? Ist mein Gaydar defekt? Ricos Schicht ist zu Ende, weshalb er sich auf eine erfrischende Dusche und den ersehnten Feierabend freut. Es ist gerade mal dreizehn Uhr, also steht ihm der ganze Nachmittag zur Verfügung. Die Personalräume befinden sich neben der Kundenumkleide. Als Rico darauf zugeht, tritt ein Lächeln auf sein Gesicht. Wusste ich’s doch! Vor der Tür mit der mehr als deutlichen Aufschrift ‚Nur für Personal’ steht Fernando. Er hat sich lässig an die Wand gelehnt und sieht unheimlich gut aus: Schlank, groß, dunkler Teint. Als Rico näher kommt, beginnt der Italiener zu strahlen.

„Da bist du ja endlich.“

„Ja, da bin ich. Es scheint dir wieder besser zu gehen, wie ich sehe“, entgegnet Rico mit einem breiten Grinsen.

„Ich weiß auch nicht, was mit mir los war. Wahrscheinlich hat mir deine Rückansicht den Atem geraubt.“ Fernando tritt vor Rico und legt seine Hände auf dessen verschwitzte Oberarme. Lasziv leckt sich der junge Mann über die Lippen. Es ist klar, was er will, doch Rico wird ihn noch ein wenig zappeln lassen.

„Sag mal, spinnst du? Ich arbeite hier. Wie kommst du dazu, mich derart plump anzugraben?“ Fernando reißt die Augen weit auf und lässt Rico blitzschnell los, als ob er hochansteckend, nicht zu sagen infektiös wäre. Erst als der Trainer zu lachen beginnt, dämmert es seinem Kunden.

„Blödmann.“ Rico packt Fernandos Arm, öffnet mit seiner Magnetkarte die Tür und schiebt den Südländer ins Innere der Personalumkleide. Ihre Lippen finden sich, als würden sie magnetisch voneinander angezogen. Fernando zieht Rico das Muskelshirt über den Kopf, bevor sie ihren Kuss fortsetzen. „Nicht, dass du wieder zusammenklappst.“

„Dabei sicher nicht“, bemerkt Fernando schmunzelnd. Hastig befreien sich die Männer von den restlichen, durchgeschwitzten Klamotten und den Schuhen. Grinsend hält Rico eine Kondompackung in die Höhe, die er aus seinen Hosen gefischt hat.

„Los, rein da“, kommandiert Rico und schubst Fernando in die angrenzenden Duschen. Sie schließen sich in einer Kabine ein. Fernando ist unwesentlich kleiner als Rico. Sein dunkler Teint und die fast schwarzen Haare, die seinen gesamten Körper überziehen, stehen in purem Kontrast zu Ricos komplett rasiertem kaukasischen Körper. Der Trainer drückt den Italiener gegen die kalten Kacheln, was diesem ein spitzes Keuchen entlockt. Sie küssen sich hungrig. Mit einem Druck auf den Knopf springt die Dusche an. Warmes Wasser prasselt über die erhitzten Körper. Sie berühren sich überall, lassen ihrer Lust freien Lauf. Mit einem kecken Grinsen auf den Lippen geht Fernando in die Knie. Er leckt sich über die Lippen, umfasst Ricos Glied mit seiner Hand und führt es zu seinen Lippen. Blitzschnell schießt die Zungenspitze hervor, umrundet die Eichel, neckt das empfindsame Fleisch.

Rico entweicht ein Stöhnen.

Er sieht dem Italiener dabei zu, wie der ihn oral befriedigt, überwältigt von den Empfindungen, die Fernando mit seinem Mund auslöst. „Aah, jaa, du machst das sehr gut“, keucht er entzückt.

„Wenigstens etwas, nachdem ich fast vom Rad gefallen wäre“, murmelt Fernando. Die Männer lachen.

„Du hast das bisher noch nie gemacht oder?“

„Das hier?“, empört sich Fernando und knabbert sanft an Ricos Hoden. „Natürlich habe ich das schon gemacht.“

„Aua, nein“, entfährt es Rico kichernd. „Spinning, natürlich.“

„Nein, das war mein erstes Mal.“

„Dachte ich mir fast. Du hast mir immer noch nicht den wahren Grund für deine Teilnahme verraten.“ Zweimal lässt Fernando Ricos Penis noch in seinen Mund gleiten, bevor er ihn anlächelt und antwortet.

„Weil ich wusste, dass du den Kurs leitest und da wollte ich dich kennenlernen.“

„Das, aaah, ist dir gelungen“, stöhnt Rico, zieht Fernando hoch und küsst ihn lustvoll auf den Mund. Mit einer schnellen Bewegung dreht er den Südländer um und presst ihn mit der Brust gegen die Fliesen. Das Wasser prasselt noch immer über die Männer. Nebel verwandelt die Kabine in eine Art Dampfbad. Mit dem Finger beginnt Rico Fernandos Eingang zu erkunden. Er dringt sanft ein, weitet ihn, während er ihm den Hals küsst. Mit der freien Hand verwöhnt er Fernandos Nippel. Die dunkle Haut des Mannes zieht Rico magisch an.

Er dringt mit seinem Finger tief in Fernando ein.

Der Südländer stöhnt und drängt ihm entgegen. Rico nimmt einen zweiten Finger dazu. Der kleine Hintern hat damit keine Probleme. Als Fernando genug vorbereitet ist, zieht sich Rico das Kondom über und setzt an. Mit einem einzigen Stoß versenkt er sich in dem Mann. Fernando wimmert und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Rico stützt ihn und knabbert an seinem Hals. Seine Hand wandert tiefer. Mit langen Zügen verwöhnt er Fernandos Penis, während er einen harten Rhythmus aufnimmt. „Ah, ja, wow, nimm mich“, wimmert Fernando.

„Du scheinst das tatsächlich besser wegzustecken als das Indoorcycling“, entgegnet Rico grinsend, nur um noch fester und tiefer einzudringen. Fernando hält sich mit den Händen an der Wand fest, stöhnt seine Lust in den engen, mit Dampfschwaden ausgefüllten Raum. Fernando richtet sich auf und dreht seinen Kopf zu Rico, der ihn sofort zu küssen beginnt. Ihre Bewegungen werden fordernder. Ihre Geräusche lauter. Rico wichst Fernandos Schwanz unnachgiebig hart.

„Ich komme, wenn du nicht aufhörst“, wimmert dieser.

„Das ist doch das Ziel, oder nicht?“, murmelt Rico grinsend. Seine Stöße werden härter. Er packt Fernando an den Hüften, um tiefer eindringen zu können. Noch während Rico ihn fickt und ohne dass er ihn berührt, beginnt Fernandos Schwanz wild zu pulsieren. Mit einem animalischen Stöhnen kommt der Italiener und verteilt seinen Samen über die Kacheln. „Ja, geil, du bist so geil“, murmelt Rico, der selbst kurz davor ist. Er drückt Fernandos Oberkörper nach unten, umfasst ihn an den Schultern und setzt zum Schlussspurt an. Immer tiefer und härter fickt er sein Gegenüber. Mit einem tiefen Knurren wird Rico fortgerissen. Er kommt tief in Fernando und genießt jede Zuckung des knackigen Hinterns. Wortlos zieht er sich zurück. Verknotet das Kondom und legt es neben die Verpackung. Sein Schwanz tropft noch immer vor Lust. Fernando geht in die Knie und lutscht ihm den Penis sauber. Sie lächeln sich an, beide wild atmend.

Nachdem sie geduscht haben, schlüpft Fernando mit einem Handtuch um die Hüften in die Kundenumkleide, während sich Rico anzieht und das Fitnessstudio wenig später verlässt.

Geil war’s.

Kapitel zwei

„Guten Morgen, Frau Rowohlt. Wie geht es Ihnen an diesem bezaubernden Tag?“, will Hiroshi Kentaka wissen, als er nach dem obligatorischen Klopfen die Tür öffnet und das Bewohnerzimmer betritt. Die Sonne scheint durch die geöffneten Vorhänge und erfüllt den Raum mit Helligkeit. Die Rentnerin hat jeden Millimeter Stellfläche in ihren eigenen vier Wänden voll ausgereizt. Die Fenstersimse quellen über mit kitschigem Trödel und auf dem Boden vor dem zweiflügeligen Fenster steht eine Armada an Beistelltischen, auf denen die Rentnerin unzählige Töpfe mit Orchideen platziert hat. Die Luftwurzeln der Tropenblumen haben sich zu einem einzigen, dichten Wirrwarr zusammengefügt – verbunden für die Ewigkeit. Die grazilen Blüten erstrahlen in Weiß, Gelb und Rosa. In einer alten Massivholzvitrine entdeckt Hiroshi bedeutsamere Erinnerungen wie Fotos der Familie oder Sammelfiguren. Was die Rentnerin in dem überdimensionalen Schrank noch alles für Schätze versteckt hält, darüber kann der Altenpfleger nur spekulieren.

„Ach, du bist es, Hiroshi“, freut sich die dralle Frau, die in ihrem Sessel sitzt und sich zum Pflegefachmann umdreht. Sie hat ihr ergrautes Haupthaar strähnchenweise violett gefärbt und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. „Mir geht es blendend.“ In ihren mit Altersflecken übersäten Händen hält sie Stricknadeln. Hiroshi hat ihr schon beim Stricken zugesehen und ist sich sicher, dass Traudl Rowohlt in einer Strickolympiade den ersten Preis holen würde. Auf ihrem Schoß liegt ein verschiedenfarbiges Irgendetwas, das Hiroshi nicht auf Anhieb einordnen kann.

„Was stricken Sie? Ist es etwa ein Schal oder Socken?“ Ihr durch die Jahre und starkes Rauchen rau gewordenes Lachen erfüllt den Raum.

„Das ist eine iPad-Schutzhülle“, antwortet sie ihm mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem Ton, der geradezu schreit: Wie kann man das nicht sehen? „Mein Enkel hat sich so ein Tablet angeschafft und da dachte ich mir, dass er sicher noch eine Hülle braucht. Diese Dinger gehen ja enorm schnell kaputt und ich schusseliges Muttchen, würde es sowieso sofort fallen lassen.“

„Wie alt ist ihr Enkel denn?“

„Fünfunddreißig.“ Hiroshi verkneift sich ein Grinsen und versucht gelassen zu bleiben. Er kann sich mehr als bildhaft vorstellen, wie entzückt ein Mittdreißiger über eine von Oma eigens für ihn gestrickte Schutzhülle sein wird.

„Oh, dann wird Ihr Enkel sicher begeistert sein.“

„Du bist ein miserabler Lügner, Hiroshi“, durchschaut ihn Frau Rowohlt auf Anhieb. „Ihr jungen Leute schätzt die gute alte Handwerkskunst einfach nicht mehr. Für euch gibt es nur noch Plastik und Chinakram. Wahrscheinlich wird er die Schutzhülle in einer Schublade verschwinden lassen oder direkt entsorgen.“

„Nein, das wird er sicher nicht“, widerspricht Hiroshi, der sich neben Frau Rowohlt setzt und ihr in die Augen schaut. „Er wird sie in Ehren halten.“

„In der Schublade.“

„Ja, vielleicht“, muss Hiroshi eingestehen. „Aber warum ich eigentlich hier bin: Sind Sie bereit für die Physiotherapie?“

„Ist schon wieder Dienstag?“, stöhnt die Rentnerin genervt. Hiroshi nickt und sieht sie mitfühlend an. „Ich werde das diesmal einfach auslassen. Ich fühle mich heute irgendwie nicht danach.“

„Ach, Frau Rowohlt. Das haben wir doch schon ein paar Mal besprochen. Die Therapie tut Ihnen gut, unterstützt Sie bei der Erholung von der Operation und dabei, wieder volle Beweglichkeit zu erlangen.“

„Wenn ich nicht gehen muss, mache ich dir auch eine iPad-Hülle, Hiroshi. Was hältst du davon?“ Der Pfleger lacht und legt seine Hand auf die der alten Frau.

„Bestechen Sie mich gerade?“

„Ich biete dir nur ein Geschenk an“, entgegnet sie grinsend. „Deine Hände sind angenehm warm“, sagt sie mit einem Schnurren in der Stimme. „Meine sind immer so kalt wie Eisklötze. Seit ich hier im Altenheim bin, ist es mir sowieso immer kalt und dabei weiß ich eigentlich gar nicht warum. Wahrscheinlich, weil ich ein altes Huhn bin. Was ist jetzt also mit der Therapie?“

„Ach, Frau Rowohlt. Die Physio tut Ihnen wirklich gut. Wir wollen doch schließlich nur das Beste für Sie und dazu gehört, dass sie bald wieder ohne Rollator gehen können. Eine Hüftoperation ist kein Zuckerschlecken und Sie müssen aufpassen, dass …“

„Du bist noch schlimmer als mein lieber Enkel“, murrt Frau Rowohlt und erhebt sich schwerfällig aus ihrem Sessel. Die Strickerei wirft sie achtlos auf die Sitzfläche, die Nadeln klappern. „Er ist Fitnesstrainer in einem renommierten Studio, musst du wissen.“

„Ach ja?“, hakt er nach. Die Bewohner erzählen oft von ihren Familien, Angehörigen und Freunden. Er lauscht den emotionalen Geschichten unheimlich gern, weil die Rentner dabei richtiggehend aufblühen. Dieses Funkeln, das er nun in den Augen von Frau Rowohlt sieht, ist einmalig. Das entschädigt ihn mehr, als das Gehalt für die Strapazen, die dieser Job mit sich bringt. „Gefällt ihm dieser Job? Ist das sein Traum?“

„Auf jeden Fall. Außerdem macht er seine Arbeit sehr gut. Die Kunden sind mehr als zufrieden mit ihm und auch sein Vorgesetzter hat nichts auszusetzen, lobt ihn in den höchsten Tönen. Zudem sieht er blendend aus.“

„Ihr Enkel scheint ein richtig toller Kerl zu sein, Frau Rowohlt.“

„Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du mich Traudl nennen sollst?“, schnappt die Rentnerin fast schon beleidigt.

„Wir dürfen unsere Bewohner nicht …“

„Papperlapapp. Wenn du mich nicht Traudl nennst, gehe ich nicht mehr zur Physio und du bist schuld.“ Hiroshi seufzt tief und lang, während die Rentnerin die linke Augenbraue keck hochzieht und ihn anhimmelt.

„Das ist jetzt schon die zweite Bestechung heute, wenn das so weitergeht, muss ich mir ernsthaft Gedanken machen. Aber gut, du hast gewonnen. Dann begleitest du mich jetzt zur Therapie?“ Sichtlich zufrieden über diesen kleinen Etappensieg strahlt die Rentnerin übers ganze Gesicht. Sie nickt, wankt langsam zum Rollator und deutet zur Tür.

„Warum man euch jungen Leute immer zu eurem Glück zwingen muss, ist mir wahrlich ein Rätsel.“ Der große, hagere Japaner mit den tiefschwarzen Haaren und die leicht gebückt gehende, mollige Rentnerin gehen langsam zur Tür. Hiroshi passt seine Geschwindigkeit fast schon automatisch der seiner Schützlinge an. Er würde es ihr nie direkt sagen, aber er findet Traudl Rowohlt eine wirklich tolle Persönlichkeit und mag sie gern. Viele Pensionäre im Heim sind griesgrämig, aufmüpfig und teils aggressiv.

Nicht so Traudl.

Er öffnet ihr die Tür und wartet, bis sie an ihm vorbei in den Flur getreten ist. „Hier, schließ bitte ab. Ich will nicht, dass Herr Müller von nebenan oder die neugierige Heidi in mein Zimmer gehen.“ Hiroshi nickt, verriegelt die Tür und reicht ihr den Schlüssel zurück. Mit einer geschmeidigen Bewegung lässt sie ihn in ihre Tasche im Korb des Rollators fallen. „Also, zurück zu meinem Enkel. Er sieht super aus, ist groß, breitschultrig, hat hellbraune Haare, überall Muckis und er ist ein richtig lieber Schatz.“

„Das hört sich toll an, Traudl. Aber warum bitte erzählst du mir das alles?“ Er drückt den Knopf, um den Aufzug zu rufen. Er wird das Gefühl nicht los, dass da mehr dahintersteckt.

„Man wird doch noch von seinem Enkel erzählen dürfen, oder etwa nicht?“ Spiel du nur das Unschuldslamm, ich hab dich längst durchschaut. Wie auf Kommando beginnen sich Bilder in Hiroshis Kopf zu formen. Sinnliche, erotische Bilder von einem dunkelhaarigen, muskelbepackten Hünen, der sicherlich zum Niederknien schön ist. Braune, kurz geschnittene Haare, Grübchen, strahlend weiße Zähne und Muskeln, wohin das Auge reicht. Warum erzählt sie mir das? Niemals hätte so ein gottähnliches Mannsbild Interesse an einem dünnen, untrainierten und bleichen Japaner.

„Natürlich darfst du mir von ihm erzählen, Traudl. Bitte entschuldige.“ Er verdrängt die Bilder in seinem Kopf erfolgreich.

„Schon gut, Hiroshi. Ich habe schon mitbekommen, dass du kein Interesse an meinem Enkel hast. Erzähl mir lieber was von dir. Sag, wie war dein Wochenende?“

„Ich habe durchaus Interesse an ihm“, verteidigt sich Hiroshi und merkt zu spät, wie sich das anhören muss. Traudl grinst wissend. „Nein, nicht so. Ach, Traudl, du bist unmöglich.“ Hiroshi fährt sich verlegen durch seine kurzen Haare. „Am Wochenende habe ich gearbeitet, also keine Entspannung. Aber dafür habe ich diese Woche drei Tage frei. Darauf freue ich mich schon riesig.“

„Das kann ich mir vorstellen“, entgegnet Traudl mitfühlend. „In meinem Alter hat man ja quasi jeden Tag Wochenende. Ich kann da also nicht mehr mitreden. Aber ich kann mich vage an das Gefühl erinnern.“ Wieder dröhnt ihr rauchiges Lachen durch die Flure.

„Du Glückliche.“ Er seufzt. „Kleines Späßchen. Mir bereitet mein Job extrem viel Freude, da stört es mich nicht, wenn ich mal kein Wochenende habe. Außerdem ist es langweilig, stets an den Samstagen und Sonntagen freizuhaben.“

„Man merkt, dass du deinen Job liebst. Du bist der beste Pfleger in diesem Gefängnis, Hiroshi, das muss ich dir endlich mal sagen.“ Ihr Gegenüber errötet.

„Danke, Traudl. Aber Gefängnis?“

„Insiderwitz“, entgegnet Traudl zwinkernd. Das Zweiergespann betritt den Aufzug. Drei weitere Rentner verstellen die kleine Kabine. Vier Personen, ein Rollstuhl und drei Rollatoren reizen das vorhandene Platzangebot zur Gänze aus.

„Ich gehe zu Fuß“, verkündet Hiroshi, drückt den Knopf für das erste Untergeschoss und verschwindet eilig durch die Tür ins Treppenhaus. Er ist froh, dass er ein paar Sekunden für sich hat. Traudls Enkel muss ein absoluter Fitnessfanatiker sein; gut, das ist wohl die Voraussetzung, wenn man als Trainer arbeitet. Beim bloßen Gedanken an den scheinbar gutaussehenden Hünen wird Hiroshi hart. Er richtet seinen Penis durch die Hose und seufzt. Warum denke ich jetzt schon wieder an ihn? Ich kenne ihn doch nicht einmal. Wahrscheinlich ist er ein strohdummer Muskelprotz oder er ist hässlich – neigen Omis nicht grundsätzlich dazu, ihre Enkel süß zu finden? – oder er hat einen durch übermäßigen Steroidkonsum mickrig kleinen Schwanz. Gott, hör auf solche Sachen zu denken. Dabei hat Hiroshi keine allzu hohen Ansprüche. Alles, was er sich wünscht, ist ein Mann, der romantisch ist. Ein Kerl, der ihn auf seinem Lebensweg begleitet und ihn gleichzeitig auf Händen trägt.

Einen richtigen Prinzen halt.

Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder? Hiroshi nimmt zwei Stufen auf einmal und ist noch vor Traudl im Untergeschoss – wahrscheinlich musste der Aufzug in jedem Stockwerk halten, damit jemand aus- oder einsteigen konnte. Von dem tristen Flur gehen mehrere Räume ab, wovon einer der ungeliebte Physioraum ist. In einem Spiegel, der die Tristesse des Kellergeschosses durchbrechen soll, betrachtet sich Hiroshi. Er ist groß, fast ein Meter fünfundachtzig, wiegt aber nur um die fünfundsechzig Kilogramm. Die bleiche Haut, die schwarzen Haare und die mandelförmigen Augen kennzeichnen ihn überdeutlich als Asiat, auch wenn er noch nie in seinem Leben in Japan oder überhaupt in Asien war. Mit einem Ping kündigt sich endlich der Aufzug an.

„Da bist du ja wieder“, frohlockt Traudl, als sie ihn entdeckt. Langsam schiebt sie sich mit ihrer Gehhilfe in Richtung Therapieraum. Hiroshi öffnet die Tür und lässt ihr den Vortritt.

„Hallo allerseits“, begrüßt er die Kursleiterin und die anderen Bewohner. Die Rentnerin winkt euphorisch in die Runde. Ein „Guten Morgen“, schallt ihnen als Antwort entgegen. Der kleine Raum ist mit allem ausgestattet, was es für eine erfolgreiche Physiotherapie braucht. Mehrere Barren, unterschiedlich große Sitzbälle, verschiedenfarbige Isomatten, Fitnessbänder und sogar eine Sprossenwand. Traudl setzt sich neben die anderen auf die bereitgestellten Stühle und beginnt sogleich eine hitzige Diskussion. Irgendetwas mit Menüplänen und eintönigem Essen in diesem Gefängnis.

„Guten Morgen, Hiroshi“, begrüßt ihn die Therapeutin. Claire ist eine kleine, sportliche Frau in den Zwanzigern. Ihre braunen Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

„Morgen, Claire. Wie geht es dir heute?“

„Ich bin hundemüde. Mein Wochenende war der Horror und die unterschiedlichen Schichten schlauchen mich total.“

„Wem sagst du das?“

„Kommst du Frau Rowohlt wieder abholen?“

„Wie lange braucht ihr heute ungefähr?“

„Na, wenn meine Patientinnen und Patienten mitarbeiten, sind wir in einer Stunde durch.“

„Ich werde hier sein.“ Die Therapeutin nickt und Hiroshi winkt zum Abschied in die Runde. „Bis später, Ladys und Gentlemen, und viel Spaß.“ Traudl wirft ihm eine Kusshand zu, die er gekonnt einfängt und in seiner Hosentasche versteckt, bevor er den Raum verlässt. Die hauseigene Wäscherei befindet sich nur ein paar Türen weiter. Er liebt es, in diesem nach frischer Wäsche duftenden Raum zu sein und sich aufzuwärmen – aufgrund der vielen Trockner ist die Temperatur meist um einige Grad höher als sonst wo im Haus. Als er den Raum mit einem Stapel frischer Frotteewäsche verlässt, schaudert ihn kurz. Er arbeitet in Abteilung zwei, also im zweiten Obergeschoss. Einen Teil der Wäsche benötigt er für die Pflege seines nächsten Bewohners. Heute ist nicht nur Therapie-, sondern auch Badetag. Eine knappe Stunde sollte reichen, um den hageren Herr Tanner zu baden, zu pflegen und wieder anzuziehen, sofern der gute Mann schon wach ist.

Pünktlich eine Stunde später steht Hiroshi wieder vor dem Therapieraum. Joe Tanner war wach und ziemlich aggressiv gewesen. Er hatte partout keine Lust zu baden, also hat sich Hiroshi mit ihm auf Waschen verständigt. Leider nicht besonders erfolgreich.

Das Veilchen wird ihn noch eine Weile entstellen.

Als er die Tür öffnet, erwartet ihn Traudl bereits. Sie steht an ihren Rollator gelehnt im hinteren Bereich des Zimmers. „Da bist du ja endlich.“ Sie klingt gereizt.

„Was ist los?“, erkundigt sich Hiroshi, sofort alarmiert.

„Was soll sein? Ich will gehen, das ist los.“ Hiroshis Blick schweift fragend zu Claire, die ratlos den Kopf schüttelt und die Schultern hochzieht. Erst jetzt entdecken die Frauen die zarte Verfärbung in Hiroshis Gesicht. „Was ist passiert?“, echoen sie im Chor.

„Ein Bewohner wollte weder baden noch gewaschen werden. Ich habe nur mal kurz nicht aufgepasst und das ist das Ergebnis.“ Traudl zieht Hiroshi zu sich runter und küsst ihn auf die Stirn.

„Armer Junge“, flüstert sie und streicht ihm über die Wange. Das ist der Alltag in einem Altenheim. Manche Bewohner sind anhänglich, während andere gewalttätig werden. Ein Pfleger muss entsprechend reagieren können, was nicht immer einfach ist. Hiroshi begleitet Frau Rowohlt nach oben, wo sie sich im Aufenthaltsraum niederlässt. „Bringst du mir mein Strickzeug?“ Hiroshi nickt und kehrt ein paar Minuten später mit der angefangenen Schutzhülle zurück. Der Vormittag rast nur so dahin. Nach dem Mittagessen, das einige Senioren auf der Etage, andere in der Cafeteria einnehmen, widmet sich Hiroshi den ihm zugeteilten Bewohnern.

Freizeitbeschäftigung ist angesagt.

Während sich Hiroshi noch überlegt, was er heute mit seinen Leuten machen soll, äußert Traudl eine Idee. „Können wir in den Garten gehen, Hiroshi?“ Der Altenpfleger sieht sie an und überlegt. „Damit ich mal wieder ein paar Vögelchen beobachten und hören kann.“ Damit hat sie Hiroshi überzeugt.

„Das ist eine wunderbare Idee. Wer begleitet uns nach draußen?“, motiviert er die Leute, die sich auf der Couch und an den Tischen im Aufenthaltsraum versammelt haben. Unwirsches Gebrumme schlägt ihm entgegen. „Ach, kommt schon. Ein bisschen frische Luft tut uns allen gut. Herr Werner, begleiten Sie uns?“, will Hiroshi von einem alten Herrn wissen, zu dem er sich herunterbeugt, um ihn direkt anzusprechen. Der Bewohner ist nicht viel älter als Traudl und dennoch ist mit ihm kaum mehr eine Unterhaltung möglich. Leider hat er in den letzten Monaten ziemlich abgebaut. In den milchigen Augen des Mannes liest Hiroshi dennoch Zustimmung in Form eines kaum wahrnehmbaren Funkelns. Zehn Minuten später sind beide Rentner und der Pfleger bereit, um den Garten zu stürmen. Hiroshi schiebt Herrn Werner im Rollstuhl zum Aufzug, während Traudl mit ihrem Rollator folgt. „Komm, Traudl, keine Müdigkeit vorschützen.“

„Wenn du erst mal so alt bist wie ich, dann kannst du mitreden“, antwortet sie mürrisch. „Ich bin fünfundachtzig Jahre alt. Wie findest du das?“

„Fünfundachtzig? Unglaublich. Dafür hast du dich äußerst gut gehalten, Traudl.“ Hiroshi ist froh, dass die Aufzugstüren öffnen, so kann er Frau Rowohlts Klaps ausweichen. Draußen scheint die Sonne, ein wundervoller Frühlingstag erwartet das Trio. Hiroshi schiebt Herrn Werner vor sich her und passt seine Geschwindigkeit an Traudls an.

„Hörst du, wie die Vögel zwitschern?“

„Ja klar hör ich die“, antwortet Hiroshi wahrheitsgemäß. Natürlich kann ein junger Mensch die Natur noch nicht gleich intensiv genießen wie eine fünfundachtzigjährige Frau.

„Das gleichmäßige Pfeifen ist ein Spatz. Bei dem hohen Zirpen bin ich nicht ganz sicher. Könnte ein Sperber sein.“

„Wie kannst du nur all diese Vogelstimmen auseinanderhalten, Traudl? Für mich hört sich das alles irgendwie gleich an.“

„Du Banause.“ Die Rentnerin schüttelt belustigt den Kopf. „Ich liebe es, den Vögeln beim Singen zuzuhören. Jede Gattung hat einen ganz eigenen Ruf“, erklärt Traudl und sieht sich suchend im Garten um. Bis jetzt hat sie noch keinen einzigen gefiederten Freund entdeckt. Auf einem mit Steinplatten ausgelegten Weg dringt die Gruppe tiefer in den Garten vor. Herr Werner starrt beinahe teilnahmslos geradeaus und dennoch spürt man, dass er sich freut. „Ich würde mich gern kurz ausruhen, Hiroshi“, äußert sich Traudl und schnauft als Beweis wie eine Dampfwalze.

„Kein Problem. Wollen wir uns dort vorn an den Teich setzen?“

„Gute Idee.“ Hiroshi platziert den Senior im Rollstuhl neben der Bank und zieht die Bremsen an. Traudl Rowohlt lässt sich schwerfällig auf das knirschende Holz der Bank fallen und zieht die Gehhilfe zu sich. Hiroshi setzt sich neben sie. Unter der leichten Jacke ist sein weißer Kittel zu sehen. „Reichst du mir mal eine Zigarette aus dem Korb?“

„Du sollst doch nicht rauchen, Traudl“, seufzt Hiroshi.

„Warum denn nicht? Ich bin fünfundachtzig Jahre alt und rauche schon mein ganzes verdammtes Leben lang. Hat es mich ins Grab gebracht? Nein.“ Hiroshi verdreht die Augen und reicht ihr die Kippen.

Widerstand ist zwecklos.

Sie steckt sich eine zwischen die faltigen Lippen und zündet sie an. „Ah, tut das gut“, meint sie zufrieden seufzend, als sie den Rauch in ihre Lungen zieht. Aus ihrem Mund qualmt Rauch. Hiroshi hustet und wedelt sich mit der Hand Frischluft zu. „Bist du einer von diesen Gesundheitsfanatikern?“, ranzt sie ihn an.

„Nein, bin ich nicht. Aber trotzdem will ich nicht passiv rauchen und den beißenden Rauch mag ich auch nicht.“ Die Rentnerin schüttelt belustigt den Kopf.

„Hast du Zeit, mir heute etwas im Laden zu besorgen?“

„Heute schaffe ich es nicht, Traudl. Aber frag doch den Zivi.“

„Ist der volljährig?“

---ENDE DER LESEPROBE---