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In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkinder" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Ihre Lebensschicksale gehen zu Herzen, ihre erstaunliche Jugend, ihre erste Liebe – ein Leben in Reichtum, in Saus und Braus, aber oft auch in großer, verletzender Einsamkeit. Große Gefühle, zauberhafte Prinzessinnen, edle Prinzen begeistern die Leserinnen dieser einzigartigen Romane und ziehen sie in ihren Bann. »Oma kommt!« Der Jubelschrei aus zwei Kinderkehlen empfing Graf Markus von Erftingen schon an der Haustür, als er heimkam. Die Zwillinge, Katharina und Robert, waren beide ganz atemlos von ihrem raschen Lauf durch das Schloß. Die Kinder waren sieben Jahre alt, hatten beide ein fein gezeichnetes, schmales Gesicht und wilde blonde Locken, wobei die Haare von Katharina weit in den Rücken herunterhingen und meist in einem Pferdeschwanz oder Zöpfen gebändigt wurden. Jetzt aber flogen die Haare, die sich aus dem Band gelöst hatten, wild umher, und einzelne Strähnen legten sich über das Gesicht des Mädchens. Unwillig pustete sie, um die Haare zu entfernen, und Graf Markus fühlte sich an seine Frau erinnert. Regina von Erftingen, die Mutter der beiden, war vor rund einem Jahr gestorben. Auch sie hatte dieses leuchtend blonde Haar besessen, und mit der gleichen übermütigen Geste hatte sie es oft aus dem Gesicht gepustet. Graf Markus vermißte seine Frau noch immer sehr, es war die große Liebe zwischen den beiden gewesen. Und die Existenz der Kinder erinnerte den Mann immer wieder schmerzlich an seinen Verlust, wobei er nicht bedachte, daß auch die Kinder ihre Mutter vermißten. So aber auch jetzt. Die Miene des gutaussehenden Mitvierzigers verdüsterte sich, und die Kinder wurden augenblicklich ruhig, als sie seinen Ausdruck bemerkten. Wenn Vaters Miene sich so verschloß, hatten die beiden gelernt, dann war mit ihm nicht gut zu reden, und er würde jetzt auch keinen Lärm oder gar Streiche tolerieren. Robert, der längst nicht so mutig war wie seine Schwester Ka-tharina, griff nach der Hand des Mädchens, und gemeinsam standen die beiden dann still und blickten erwartungsvoll in das Gesicht ihres Vaters. Dem ging gerade im letzten Moment auf, daß er die Kinder dafür büßen lassen wollte, wie sehr er den Schmerz empfand. Er faßte sich, und sein Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. Er ging in die Hocke und zog die beiden liebevoll an sich. »So? Oma kommt? Woher wißt ihr das?«
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Oma kommt!« Der Jubelschrei aus zwei Kinderkehlen empfing Graf Markus von Erftingen schon an der Haustür, als er heimkam. Die Zwillinge, Katharina und Robert, waren beide ganz atemlos von ihrem raschen Lauf durch das Schloß.
Die Kinder waren sieben Jahre alt, hatten beide ein fein gezeichnetes, schmales Gesicht und wilde blonde Locken, wobei die Haare von Katharina weit in den Rücken herunterhingen und meist in einem Pferdeschwanz oder Zöpfen gebändigt wurden.
Jetzt aber flogen die Haare, die sich aus dem Band gelöst hatten, wild umher, und einzelne Strähnen legten sich über das Gesicht des Mädchens. Unwillig pustete sie, um die Haare zu entfernen, und Graf Markus fühlte sich an seine Frau erinnert. Regina von Erftingen, die Mutter der beiden, war vor rund einem Jahr gestorben. Auch sie hatte dieses leuchtend blonde Haar besessen, und mit der gleichen übermütigen Geste hatte sie es oft aus dem Gesicht gepustet.
Graf Markus vermißte seine Frau noch immer sehr, es war die große Liebe zwischen den beiden gewesen. Und die Existenz der Kinder erinnerte den Mann immer wieder schmerzlich an seinen Verlust, wobei er nicht bedachte, daß auch die Kinder ihre Mutter vermißten.
So aber auch jetzt. Die Miene des gutaussehenden Mitvierzigers verdüsterte sich, und die Kinder wurden augenblicklich ruhig, als sie seinen Ausdruck bemerkten. Wenn Vaters Miene sich so verschloß, hatten die beiden gelernt, dann war mit ihm nicht gut zu reden, und er würde jetzt auch keinen Lärm oder gar Streiche tolerieren.
Robert, der längst nicht so mutig war wie seine Schwester Ka-tharina, griff nach der Hand des Mädchens, und gemeinsam standen die beiden dann still und blickten erwartungsvoll in das Gesicht ihres Vaters. Dem ging gerade im letzten Moment auf, daß er die Kinder dafür büßen lassen wollte, wie sehr er den Schmerz empfand. Er faßte sich, und sein Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. Er ging in die Hocke und zog die beiden liebevoll an sich.
»So? Oma kommt? Woher wißt ihr das?«
»Sie hat angerufen«, sprudelte Katharina hervor. »Und Fräulein Greitemeier soll nicht so streng mit uns sein, hat sie auch gesagt«, setzte sie altklug hinzu.
Robert boxte sie in die Rippen. »Das solltest du doch nicht erzählen.«
Die Miene von Graf Markus wurde aufmerksam.
»Wie soll ich das verstehen? Raus mit der Sprache, ihr zwei!«
»Na ja, das war so – weißt du…«, begann Robert kleinlaut und verstummte gleich darauf wieder, als die Erzieherin der Kinder, Anneliese Greitemeier, näher kam.
Selbst Graf Markus, der nicht sehr sensibel war in Bezug auf die Empfindungen seiner Kinder, fiel dieses merkwürdige Verhalten auf.
Anneliese Greitemeier war etwa Mitte vierzig und wirkte wenig attraktiv. Das unterstrich sie noch, indem sie sich unvorteilhaft kleidete und die Haare zu einem strengen Knoten im Nacken aufsteckte. Dazu trug sie eine Hornbrille, so daß sie wirklich wie die Karikatur einer altjüngferlichen Lehrerin wirkte.
Jetzt schaute sie streng auf die Kinder.
»Ich habe euch doch ermahnt, euren Vater nicht gleich an der Tür zu überfallen«, verkündete sie.
Katharina schien jetzt aber nicht bereit, sich einfach abkanzeln zu lassen, für ihre sieben Jahre bewies sie erstaunlich viel Mut. Empört starrte sie zurück.
»Wir freuen uns aber, wenn Vater von der Arbeit nach Hause kommt, und wir wollten ihn ja nur begrüßen. Schließlich ist er unser Vater und kein Fremder.«
Graf Markus stand auf, faßte seine Kinder um die Schultern und drückte sie noch einmal an sich.
»Geht jetzt spielen, ihr zwei. Ich muß mit Frau Greitemeier reden.« Liebevoll drückte er ihnen noch einen Kuß auf die Stirn und gab ihnen dann einen leichten Stups. Dann richtete sich seine Aufmerksamkeit voll auf die Frau. Warum war ihm nie vorher aufgefallen, wie streng diese Person wirkte? War sie wirklich das, was er für seine Kinder wollte?
Wie jeden Tag in den vergangenen drei Monaten, seit Frau Greitemeier hier arbeitete, bereitete sie sich vor, um ihrem Arbeitgeber den täglichen Bericht abzuliefern über die Aktivitäten und Fortschritte der Kinder. Als sie ansetzte, um emotionslos zu erzählen, was sich den Tag über ereignet hatte, winkte Graf Markus ab.
»Heute nicht, das ist jetzt nicht wichtig.«
Die Miene von Frau Greitemeier drückte unmißverständlich aus, daß sie es durchaus für wichtig hielt, und ihre Mißbilligung machte dem Grafen deutlich, daß sie keine hohe Meinung von Vätern hatte, die nichts darüber wissen wollten, was ihre Kinder den ganzen Tag getan hatten.
»Die Kinder haben mir erzählt, daß meine Schwiegermutter sich zu Besuch angemeldet hat?« fragte er. Frau Greitemeier nickte bestätigend.
»Die Fürstin gab telefonisch Anweisung, ihre Räume für morgen bereitzuhalten. Und wenn ich dazu noch bemerken darf, Graf…«
Erftingen schaute auf. »Noch etwas?«
»Die Fürstin kommt ohne eine Zofe. Es könnte mit dem Personal knapp werden.«
Ein flüchtiges, ironisches Lächeln stahl sich in das gebräunte, gut geschnittene Gesicht von Graf Markus. »Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wann meine Schwiegermutter ein letztes Mal eine Zofe gebraucht hätte. Sie ist sehr wohl in der Lage, sich allein anzuziehen«, bemerkte er trocken. »Im übrigen begrüße ich es sehr, daß meine Schwiegermutter schon morgen kommt, dann kann sie sich vorerst um die Kinder und ihre Nachfolgerin kümmern.«
Frau Greitemeier schnappte fassungslos nach Luft, als ihr die Bedeutung dieser Worte aufging.
»Meine Nachfolgerin?«
Graf Markus hielt dem gestrengen Blick stand. »Ich hatte eigentlich nicht vor, es Ihnen hier zwischen Tür und Angel zu sagen, doch das Verhalten meiner Kinder läßt keine andere Möglichkeit mehr zu. Sie sind hiermit fristlos entlassen, Frau Greitemeier. Da die Entlassung noch innerhalb der Probezeit erfolgt, bin ich nicht dazu verpflichtet, werde Ihnen aber trotzdem ein volles Monatsgehalt zusätzlich auszahlen. Es ist mir wichtig, daß meine Kinder frei und ungezwungen aufwachsen. Doch im Augenblick sehen sie eher so aus, als wären sie verängstigt. Sie sollen Respekt vor mir wie vor jedem anderen Menschen auch haben, aber ich wünsche keine Duckmäuser.«
Frau Greitemeier schnappte erneut nach Luft. »Ich sorge dafür, daß Ihre Kinder mit dem gebührenden Abstand zu anderen Menschen und mit vornehmer Zurückhaltung erzogen werden. Schließlich werden sie einmal Graf und Gräfin sein.«
Jetzt explodierte Graf Markus. »So ein hirnrissiger Blödsinn. Die beiden sind Robert und Katharina von Erftingen. Das ist ein Name, ein guter Name, aber nicht mehr. Und sie werden für ihren Lebens-unterhalt arbeiten müssen genau wie Sie und auch ich. Name und Adelstitel sind heutzutage kein Freibrief für irgend etwas mehr. Und für das Leben brauchen meine Kinder eine offene und vernünftige Erziehung. Ich denke, ich habe meinen Standpunkt hiermit deutlich klargelegt. Ich möchte Sie bitten zu packen und morgen früh das Haus zu verlassen.«
Anneliese Greitemeier drehte sich abrupt um und ging mit fe-sten Schritten die Treppe hinauf ins Obergeschoß, wo sich ihr Zimmer befand. Jeder ihrer Schritte drückte Unwillen und Wut aus, aber Graf Markus ließ sich davon nicht beeindrucken. Trotzdem seufzte er. Das war die fünfte Erzieherin innerhalb des letzten Jahres. Wie kam es nur, daß Regine, seine geliebte Frau, so mühelos mit den Kindern fertiggeworden war und sie zu wundervollen Menschen erzogen hatte?
»O Gott, Regina, warum hast du mich allein gelassen?« stöhnte er. Dann ging er, um mit den Kindern zu Abend zu essen. Gott sei Dank würde morgen früh seine Schwiegermutter kommen. Fürstin Katharina von Mettenheim war eine großartige ältere Dame, die mit beiden Beinen fest auf der Erde stand. Graf Markus freute sich auf diesen Besuch.
*
Fürstin Katharina von Mettenheim liebte es, in den frühen Morgenstunden zu reisen. So hielt sie es auch an diesem Tag und kam bereits kurz nach zehn auf Falkenhorst, dem Stammsitz derer von Erftingen an. Die knapp zweistündige Autofahrt war in den Augen der Frau keine besonders große Entfernung. Graf Markus kannte diese Eigenart seiner Schwiegermutter, wie so viele andere auch. Und an diesem Tag hatte er in seiner Firma Bescheid gegeben, daß er später käme. Er war der Inhaber einer großen Maschinenbaufirma mit Filialen im europäischen Ausland, hatte die Firma, damals noch ein kleines Werk, von seinem Vater geerbt und erweitert. Nun führte er sie sehr erfolgreich, aber mit viel Arbeit und Elan. Und so wußte er jetzt, daß seine Sekretärin sich um all diejenigen kümmern würde, die der Meinung waren, ihn unbedingt sprechen zu müssen.
Der Graf kam mit den Kindern die Treppe hinuntergelaufen, als der rote Sportflitzer, den die Fürstin bevorzugte, direkt vor dem Portal hielt. Neben anderen ungewöhnlichen Eigenheiten liebte die Fürstin das schnelle Autofahren, und sie lehnte einen Chauffeur, außer bei offiziellen Anlässen, ab. Fürstin Katharina wirkte ausgesprochen zierlich, denn sie war nicht sehr hochgewachsen, und schlank. Sie bevorzugte einen sportlichen Kleidungsstil und trug ihre grauen ungefärbten Haare kurz geschnitten ohne Dauerwelle. Und ihrem frischen, fröhlichen Gesicht sah man die fast siebzig Jahre nicht an, die Haut war für ihr Alter ungewöhnlich glatt. Regina war ihre jüngste und einzige Tochter gewesen, eine Nachzüglerin, und es hatte die alte Dame schwer getroffen, als die junge Frau nach kurzer schwerer Krankheit starb. Aber mit bewunderswerter Kraft hatte die Frau, neben anderen, schweren Schicksalsschlägen, auch diesen hingenommen, und nicht nur Graf Markus fragte sich manchmal, woher die zähe alte Dame die Kraft nahm, ihr Leben so positiv zu sehen.
Fürstin Katharina liebte ihre beiden jüngsten Enkelkinder fast abgöttisch, wie auch ihren Schwiegersohn Markus, der ihre Tochter sehr glücklich gemacht hatte.
Die Kinder stürmten jetzt auf die Frau zu, als diese aus dem Auto stieg, und warfen sich jubelnd in ihre Arme. Aufgeregtes freudiges Geplapper und Gelächter klang auf, bis Fürstin Katharina es endlich schaffte, die Kinder etwas zu beruhigen. Lächelnd kam nun auch Graf Markus heran, nahm seine Schwiegermutter in die Arme und küßte sie auf beide Wangen.
»Schön, daß du da bist. Hattest du eine gute Fahrt?« erkundigte er sich.
»Es war ganz angenehm. Und du, mein Lieber, machst du heute blau? Wo ist denn eure Erzieherin?« erkundigte sie sich dann bei den Zwillingen.
»Papa hat sie gefeuert«, kicherte Katharina.
»Und sie war ganz schön sauer«, setzte Robert hinzu.
»Was sind denn das für Ausdrücke?« rügte die Fürstin scherzhaft. »Die habt ihr aber nicht von mir, nein?«
»Komm erst einmal herein, Mutter. Martha hat ein wundervolles Frühstück gezaubert.«
»So, Martha ist noch da, ja?« bemerkte sie etwas ironisch. »Da bin ich aber froh, daß du nicht das ganze Personal auswechselst. Ich glaube, Marthas Kochkünste würden mir doch sehr fehlen.«
»Also wirklich, Mutter, was soll das?« protestierte der Graf. »Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß du von vornherein gegen Frau Greitemeier warst.«
»Und ich habe recht gehabt, mein Junge. Aber darauf will ich jetzt gar nicht herumreiten. Ich nehme an, du brauchst schnell eine neue Erzieherin, und ich soll dir helfen?« Ihre Augen funkelten vor Vergnügen, dies war ein Auftrag nach ihrem Herzen.
Graf Markus druckste plötzlich ein wenig verlegen herum. »Ich hatte eigentlich gehofft, daß du auf jeden Fall bleibst, bis jemand Neues da ist.«
Die Fürstin drohte ihm scherzhaft mit dem Finger. »So etwas nenne ich ausnutzen verwandtschaftlicher Beziehungen, mein Junge. Aber nun gut, ich bleibe gerne.«
Die Kinder brachen in lauten Jubel aus, und Graf Markus seufzte zufrieden.
Nach einem herzhaften Frühstück verschwanden die beiden widerspruchslos eine Weile in ihren Zimmern. So hatte der Graf die Gelegenheit, ein paar Worte mit seiner Schwiegermutter zu wechseln, ohne daß die neugierigen Ohren der Zwillinge dabei waren.
»Stell dir vor, Mutter, Frau Greitemeier wollte die Kinder zu vornehmer Zurückhaltung er- ziehen. Dabei haben die beiden regelrechte Angst vor ihr und auch vor mir entwickelt. So konnte es einfach nicht weiterge- hen.«
»Es wundert mich, daß du es bemerkt hast«, stellte die Fürstin fest. »Aber vielleicht bist du jetzt bereit, auf meinen Ratschlag zu hören.«
Graf Markus kratzte sich am Kopf, etwas verlegen, wie es schien. »Weißt du, ich glaube, das beste für die Kinder und für uns alle – ich meine…«
»Verstehe ich dich richtig«, lachte die Fürstin, »daß es dir sehr recht wäre, wenn ich eine neue Kraft aussuche und einstelle?«
»Das hätte ich nicht besser ausdrücken können, Mutter.«
Katharina von Mettenheim legte ihrem Schwiegersohn die Hand auf den Arm. »Meinst du nicht, daß es vielleicht das Allerbeste wäre, wenn du eine neue Frau findest? Ich sehe doch, wie ver-bittert und einsam du bist. Und denke auch mal an die Kin- der.«
»Ja, glaubst du denn, ich könnte Regina so einfach vergessen?« brach es aus ihm heraus.
»Niemand verlangt oder erwartet von dir, daß du Regina vergißt. Das würde ich dir sogar sehr übel nehmen. Aber sieh mal, das Leben geht weiter. Du kannst dich nicht dein Leben lang in deiner Arbeit verkriechen. Bisher scheint sie aber jedenfalls dein Ein und Alles zu sein. Du nimmst den Kindern einen liebevollen Vater, und du nimmst dir selbst ein glückliches, erfülltes Le- ben.«
Die Fürstin war wohl die einzige, die in diesem Ton mit dem Grafen reden konnte. Er wandte sich aber bei den Worten seiner Schwiegermutter ab. Doch sie blieb beharrlich.
»Mutter, wie könnte ich eine Frau lieben – nach Regina?«
Sie tätschelte ihm beruhigend die Hand. »Du kannst, mein Junge. Du kannst und du wirst – eines Tages.«
Das Telefon klingelte, und Graf Markus, erleichtert über die Störung, lief rasch hin. Er meldete sich und hörte eine Weile zu, dann runzelte er verärgert die Stirn.
»Nun, wenn es unbedingt sein muß, dann treffen wir uns am Freitag. Im übrigen schätze ich es nicht, auf diese Weise daheim überfallen zu werden.« Abrupt legte er den Hörer wieder auf. Die Fürstin schaute ihn fragend an.
»Ärger?«
»Ach, das war nur jemand von der Werbeagentur, die die neue Kampagne starten soll. Es gibt jetzt Rückfragen, nachdem der bisherige Sachbearbeiter durch einen plötzlichen Unfall ausgeschieden ist. Frau Jessica Vandenberg, die neue Sachbearbeiterin, wollte mich regelrecht überfahren und gleich herkommen. Aber das wird sich schon noch alles regeln. Nun, das ist jetzt unwichtig und gehört nicht hierher. Auf jeden Fall freue ich mich, daß du da bist, Mutter. Und ich verspreche es dir, ich lasse dir freie Hand bei der Suche nach einer neuen Erzieherin.«
