So lieb – und sooo frech - Margarete Saltzmann - E-Book

So lieb – und sooo frech E-Book

Margarete Saltzmann

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Beschreibung

Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. »Jetzt!« Doreen sprach das Wort fast lautlos aus und nickte ihrem Zwillingsbruder zu, der ebenso verborgen wie sie, hinter einem Busch hockte. Marvin zog jetzt an den kaum unsichtbaren Nylonfäden, an denen er die alte Brieftasche festgebunden hatte. Ein Mann in mittlerem Alter hatte sich danach gebückt, und nun schaute er einigermaßen verblüfft, als das Teil – wie von Geisterhand bewegt – über den Bürgersteig rutschte. Er machte einen Schritt, um sich dann erneut zu bücken, aber wieder entwischte ihm die Brieftasche, und er mußte mit den Armen rudern, um das Gleichgewicht zu halten. Als er sich aufrichtete, zeigte sein Gesicht unverhohlenen Ärger Marvin und Doreen, die zehnjährigen Zwillinge, grinsten sich verschwörerisch an, begannen dann aber haltlos zu kichern. Marvin zog seine Beute ganz heran, nahm sie auf und lief mit seiner Schwester davon, immer noch fröhlich lachend. Der Zorn des Mannes verrauchte, auch über sein Gesicht huschte ein Lächeln, als er die Fröhlichkeit der Kinder bemerkte. Nun, was sollte es, ein harmloser Streich, nichts weiter, und er war eben darauf hereingefallen. Er fand seine gute Laune wieder und ging davon. Die Kinder aber schauten auf die Uhr, es war höchste Zeit, daß sie heimliefen, sonst würde sich ihre Mutter Sorgen machen. Stefanie Rosenberg, die Mutter der beiden Racker, die den ehrenvollen Spitznamen Pünktchen und Anton trugen, hatte sich vor einem halben Jahr von ihrem Mann Manfred getrennt. Seitdem erzog sie die Kinder allein und vermißte ihren Mann jeden Tag aufs Neue. Es war nicht so gewesen, daß er untreu gewesen wäre oder sie

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Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Mami – 1901 –So lieb – und sooo frech

Dorren und Marvin spielen Schicksal

Margarete Saltzmann

»Jetzt!« Doreen sprach das Wort fast lautlos aus und nickte ihrem Zwillingsbruder zu, der ebenso verborgen wie sie, hinter einem Busch hockte.

Marvin zog jetzt an den kaum unsichtbaren Nylonfäden, an denen er die alte Brieftasche festgebunden hatte. Ein Mann in mittlerem Alter hatte sich danach gebückt, und nun schaute er einigermaßen verblüfft, als das Teil – wie von Geisterhand bewegt – über den Bürgersteig rutschte. Er machte einen Schritt, um sich dann erneut zu bücken, aber wieder entwischte ihm die Brieftasche, und er mußte mit den Armen rudern, um das Gleichgewicht zu halten. Als er sich aufrichtete, zeigte sein Gesicht unverhohlenen Ärger

Marvin und Doreen, die zehnjährigen Zwillinge, grinsten sich verschwörerisch an, begannen dann aber haltlos zu kichern. Marvin zog seine Beute ganz heran, nahm sie auf und lief mit seiner Schwester davon, immer noch fröhlich lachend.

Der Zorn des Mannes verrauchte, auch über sein Gesicht huschte ein Lächeln, als er die Fröhlichkeit der Kinder bemerkte. Nun, was sollte es, ein harmloser Streich, nichts weiter, und er war eben darauf hereingefallen. Er fand seine gute Laune wieder und ging davon. Die Kinder aber schauten auf die Uhr, es war höchste Zeit, daß sie heimliefen, sonst würde sich ihre Mutter Sorgen machen.

Stefanie Rosenberg, die Mutter der beiden Racker, die den ehrenvollen Spitznamen Pünktchen und Anton trugen, hatte sich vor einem halben Jahr von ihrem Mann Manfred getrennt. Seitdem erzog sie die Kinder allein und vermißte ihren Mann jeden Tag aufs Neue. Es war nicht so gewesen, daß er untreu gewesen wäre oder sie schlecht behandelt hätte, nein. Er liebte sie und die Kinder fast abgöttisch. Aber in vielen Dingen war er wenig entschlußfreudig, überließ lieber alle Entscheidungen Stefanie und kümmerte sich im Grunde um gar nichts. Immer wieder hatte die attraktive 32jährige auf ihren Mann eingeredet, denn ihr war nach und nach einiges zuviel geworden, doch selbst die Streiche seiner Kinder entlockten ihm höchstens ein Lächeln, aber niemals eine Strafpredigt. So hatte sich zwischen den Eheleuten immer mehr eine Mauer aus Nichtigkeiten aufgebaut, bis Stefanie es nicht mehr ausgehalten hatte. Ihr war klar, was sie sich selbst und den Kindern antat, aber schweren Herzens hatte sie ihren Mann weggeschickt. Und zum erstenmal in seinem Leben hatte Manfred vehement widersprochen, doch seine Frau war hart geblieben.

Marvin und Doreen vermißten ihren Vater sehr, vor allem, weil ihre Mutter ja viel strenger mit ihnen war. Die Kinder verstanden es nicht recht, daß ihre Eltern sich getrennt hatten, doch sie akzeptierten es notgedrungen. Stefanie hatte versucht, es ihnen begreiflich zu machen, daß Papa und Mama sich im Augenblick nicht verstanden. Stefanie selbst kam mit dieser Situation nur schwer zurecht, aber sie wußte, daß es mit dem alten Zustand so nicht hatte weitergehen können. Und so hatte sie vor einigen Tagen einem Impuls nachgegeben: Sie würde mit den Kindern Urlaub machen, um Abstand zu gewinnen und in Ruhe noch einmal nachzudenken – ohne Manfred, der ja noch immer in greifbarer Nähe war und stets aufs Neue Verwirrung in ihrem Gefühlsleben stiftete.

So hatte die junge Frau spontan eine Kreuzfahrt gebucht, und die Abreise stand in zwei Tagen bevor. Stefanie sorgte dafür, daß ein Freund sich in regelmäßigen Abständen um das Haus kümmerte, die Blumen goß und die Post aus dem Kasten nahm.

Dieser Freund aber machte sich Sorgen um das Paar, er hielt die beiden für prächtige Menschen, und eine Trennung, wie sie jetzt erfolgt war, hielt er für einen Fehler.

Als Stefanie ihn nun um Hilfe bat, rief Andreas Stefanies Mann an.

»Deine Familie macht eine Kreuzfahrt, Manfred. Willst du dich nicht freimachen und versuchen, das gleiche Schiff zu nehmen? Eine bessere Gelegenheit wirst du nicht bekommen, um Steffi zurückzuerobern.«

»Woher weißt du das?« fragte er verstört. Manfred war offenbar geschockt darüber, daß seine Frau und die Kinder einfach so für einige Zeit aus seinem Leben verschwinden wollten.

Andreas erzählte es ihm.

»Das kann sie doch nicht machen. Ich meine, sie kann doch nicht einfach die Kinder nehmen und wegfahren.«

»Doch, sie kann, Manfred. Und wenn du nicht selbst endlich mal die Initiative ergreifst, wirst du sie wirklich und für alle Zeiten verlieren.« Andreas versuchte seinen Freund anzustacheln. »Mensch, tu endlich was, damit Steffi sieht, daß du um sie kämpfst. Du liebst sie doch immer noch, oder etwa nicht?«

»Und wie«, seufzte Manfred sehnsüchtig.

»Dann sieh zu, daß du noch etwas machst. Meist springen ja ein oder zwei Leute direkt vor dem Termin ab. Wenn du Glück hast, bekommst du noch einen Platz.«

»Und wenn nicht?«

»Dann mußt du dir, verflixt noch mal, etwas Gutes einfallen lassen. Stelle dich nicht so dumm an, überleg dir was!«

Es bedurfte wirklich erst dieser Aufforderung, um Manfred wachzurütteln.

Und er hatte tatsächlich viel Glück. Im letzten Moment hatte ein Passagier wegen Krankheit storniert, und der junge Mann bekam eine Einzelkabine.

An Geld hatte es in dieser Familie zum Glück nie gefehlt, Manfred verdiente recht gut als Verkaufsmanager einer großen Automobilfirma. War erfolgreich in seinem Beruf und hatte Steffi auch nach der Trennung stets ausreichend mit Geld versorgt. Es machte zwar einige Schwierigkeiten, von heute auf morgen Urlaub zu bekommen, aber schließlich war auch das geschafft.

Am nächsten Tag würde es losgehen.

*

Waren Doreen und Marvin auf der Bahnfahrt zum Ablegehafen noch aufgeregt und wild gewesen, kaum zu bändigen, wie Stefanie entnervt feststellte, so wurden sie dann ganz plötzlich ruhig, als sie das Kreuzfahrtschiff sahen, mit dem sie fahren würden. Ein richtiger Ozeanriese, eine Stadt für sich, mit allen Annehmlichkeiten, die man sich nur denken konnte.

Stefanie war es im Grunde völlig egal gewesen, wohin die Reise ging, nur weg aus der gewohnten Umgebung, fort von allem, was ihr vertraut war und sie am nüchternen Denken hindern konnte. Und auf eine gute Kinderbetreuung hatte sie Wert gelegt, denn sie brauchte dringend Ruhe zum Abschalten und Nachdenken. Und so würde die Reise quer durchs Mittelmeer gehen, über Genua in Italien nach Griechenland bis hin nach Istanbul und Ägypten. Überall gab es Zwischenstops und Landausflüge, eine gute Gelegenheit, die Landschaft kennenzulernen und die Geschichtskenntnisse ein wenig aufzufrischen.

Das Gepäck war schon in die Kabinen gebracht worden, und oben am Ende der Gangway wurden Stefanie und ihre Kinder sehr freundlich von einer Stewardeß begrüßt, die gleich darauf eine Erzieherin herbeirief, die die Kinderbetreuung an Bord innehatte.

Eine hübsche junge Frau tauchte auf, stellte sich erst bei den Kindern und dann bei der Mutter als Kathrin vor und begleitete die drei zu ihrer Kabine.

»Wenn es Ihnen recht ist, Frau Rosenberg, nehme ich die Kinder auch gleich mit. Wir haben hier an Bord für die Kinder einen eigenen Eßraum. Da gibt es dann auch keine Unruhe mehr im Speisesaal. Da viele unserer Passagiere schon älter sind, ist es angenehmer für beide Seiten. So stellen wir auch gleich den Kontakt zu den anderen Kindern her. Wie schön, Zwillinge hatten wir hier noch nie.«

Wahrscheinlich wird sie sich bald wünschen, auch diese beiden nicht kennengelernt zu haben, überlegte Stefanie schmunzelnd.

»Wie viele Kinder sind überhaupt an Bord?« erkundigte sie sich dann. Kathrin gefiel ihr, sie schien energisch genug, um die beiden Racker im Zaum zu halten, aber auch fröhlich genug, um einiges an Unsinn mitzumachen.

»Oh, dieses Mal sind es nur sieben, und wir sind drei Betreuerinnen, so daß sich immer jemand um die Kinder kümmern kann, wenn die Eltern es wünschen. Schließlich sollen Sie sich ja erholen.«

»Gehen wir auch zum Kapitän? Ich habe noch nie einen aus der Nähe gesehen«, fragte Marvin.

Kathrin lächelte. »Morgen oder übermorgen machen wir die große Schiffsbesichtigung, da lernt ihr auch den Kapitän kennen.«

»O klasse«, freute sich der Junge, stieß seine Schwester an und zwinkerte ihr zu, was sie mit einem Lachen quittierte.

»Ich sehe schon, ihr werdet eine Menge Spaß haben, und ich werde euch gar nicht mehr zu Gesicht bekommen«, schmunzelte Stefanie. »Nun geht ruhig mit, ich packe eure Koffer schon aus.«

Nach einem Abschiedskuß, den beide Kinder etwas hastig auf die Wange ihrer Mutter drückten, verschwanden sie aufgeregt plappernd mit Kathrin, und Stefanie holte tief Luft.

War das wirklich richtig gewesen, einfach so alles liegen- und stehenzulassen und für einige Zeit zu verschwinden? Ja, wohl doch. Sie fühlte sich im Augenblick, als wäre sie von zu Hause ausgerissen, ein unbekanntes Gefühl von Freiheit. Und mit einem fröhlichen Summen begann sie, die Koffer auszupacken.

*

Zuerst hatte Stefanie noch etwas zu tun gehabt, sie packte die Koffer aus, legte die Kleidung ordentlich in die Schränke, freute sich über die großzügige Einrichtung der Kabine, und dann stellte sie ganz plötzlich fest, daß sie im Augenblick gar nichts zu tun hatte.

Die Kinder waren in der Gruppe gut aufgehoben, Hausarbeit gab es hier nicht, und zum erstenmal seit langer Zeit saß sie einfach da und legte die Hände in den Schoß. Aber war das nicht Sinn und Zweck dieser Reise gewesen? Einfach mal abzuschalten, fort von den täglichen Pflichten, einfach mal nichts tun, und doch war es ein sehr ungewohntes Gefühl, und Stefanie hatte fast ein schlechtes Gewissen, auch wenn sie sich selbst sagte, daß das nicht nötig war. Und natürlich wollte sie hier auch die Gedanken an ihren Mann Manfred fortwischen, doch genau das gelang ihr nicht. Er schlich sich in ihre Gedanken, und für einen flüchtigen Augenblick überlegte sie, wie es wohl wäre, hätten sie diese Reise zusammen unternommen.

Schließlich aber raffte sie sich auf. Sie mußte jetzt nicht unbedingt nach den Kindern sehen, sie waren gut versorgt und würden das Schiff wahrscheinlich bald von oben bis unten kennen. Nein, sie konnte ganz einfach mal losgehen, durch die Ladenstraße des Schiffes bummeln, sich vielleicht irgendwo hinsetzen und die Seele baumeln lassen, während sie die Reise genoß.

Immerhin war es ja noch der erste Tag, sie hatten gerade erst abgelegt, wahrscheinlich würde auf den meisten Decks noch ein wenig Chaos herrschen, bis alle Leute sich soweit auskannten, daß sie nicht mehr planlos umherliefen.

Und Stefanie würde sich daran gewöhnen müssen, daß sie sich nicht den ganzen Tag um die Kinder kümmern mußte, sondern daß sie auch Zeit für sich hatte, auch wenn sie bis jetzt noch nicht wußte, was sie damit anfangen sollte.

*

Als die junge Frau auf einer Art Abenteuerstreifzug das Schiff erforschte, stellte sie fest, daß es hier unendlich viele Möglichkeiten gab, sich zu beschäftigen, etwas für die Gesundheit zu tun, einzukaufen oder ganz einfach nur zu faulenzen.

Ein riesiger Swimmingpool war in das Mitteldeck des Schiffes gebaut, drum herum standen Liegestühle, die zum Ausruhen und Sonnenbaden einluden, jetzt allerdings noch nicht besetzt waren, denn die Sonne wärmte noch nicht so, wie Stefanie sich das vorstellte.

Die Geschäfte waren außerordentlich gut bestückt, wenn auch nicht ganz preiswert, und die Fitneßräume ließen keinen Wunsch offen. Mehrere Bars gab es an Bord, welche die verschiedenen Geschmäcker befriedigten, von Fruchtsaft bis zu harten Getränken war alles vertreten.

Viel Personal war anwesend, aufmerksam, freundlich und stets darauf bedacht, auch die ausgefallensten Wünsche der Passagiere zu erfüllen.

Stefanie begann sich jetzt richtig darüber zu freuen, daß sie diese Kreuzfahrt gebucht hatte, soviel Abwechslung hatte es in den letzten Jahren ihres Lebens nicht mehr gegeben. Das hatte natürlich auch daran gelegen, daß sie Manfred einfach nicht hatte überreden können, mal vernünftigen Urlaub mit ihnen zu machen.

Nun gut, das alles hätte er auch haben können, nein, wir gemeinsam, dachte sie ein wenig traurig und stellte wieder einmal fest, wie sehr ihr Mann ihr doch fehlte.

*

Manfred Rosenberg war nicht ganz wohl zumute, als er an Bord ging. Machte er nicht doch einen großen Fehler, indem er Stefanie geradezu verfolgte? War das alles nicht viel zu überstürzt gewesen?

Aber dann sagte er sich wieder, daß er seine Frau und seine Kinder auf keinen Fall allein lassen wollte. Zum einen konnte auf einer solchen Reise alles mögliche passieren, zum anderen aber konnte Steffi ihm hier nicht einfach davonlaufen. Sie würde früher oder später mit ihm reden müssen, denn er würde ständig in ihrer Nähe sein.

Nachdem er sich so selbst Mut zugesprochen und festgestellt hatte, daß es für Bedenken ja doch zu spät war, suchte er seine Kabine auf, packte seine Sachen aus und starrte ein wenig nachdenklich aus dem Bullauge. Dann aber gab er sich einen Ruck und suchte zielstrebig den Speisesaal auf und dort den Oberkellner.

Manfred hatte keine Ahnung, ob das richtig war, was er tat, doch ein großer Geldschein wechselte den Besitzer, und bei der späteren Tischeinteilung würde Stefanie eine riesige Überraschung erleben.

Dann jedoch machte sich Manfred auf, das Schiff ein wenig zu erkunden, und es war wirklich reiner Zufall, daß die beiden Eheleute nicht aufeinander trafen.

*

Es hatte Stefanie schließlich doch keine Ruhe gelassen. Mochten die Ablenkung und die Betreuung an Bord auch noch so gut sein, sie wollte wissen, wie es ihren Kindern ging, wo sie tagsüber untergebracht waren und was sie taten. Das vor allen Dingen.

Kathrin lächelte verstehend, als sie Stefanie hereinkommen sah und deutete dann auf das großzügig eingerichtete Spielzimmer.

Ein riesiges Regal stand an der Wand, darin lagen säuberlich gestapelt Spiele für jedes Alter, Bauklötze, Bücher, Zeichenpapier und Stifte jeder Art.

»Ich habe mir schon gedacht, daß Sie noch vorbeikommen«, sagte Kathrin lächelnd. »Den meisten Müttern geht es so, denn es ist gar nicht so einfach, die Kinder einfach loszulassen, nicht wahr?«

Stefanie war froh, daß die junge Frau sie verstand. Es wäre ihr peinlich gewesen, hätte man sie jetzt als übervorsichtig oder Glucke bezeichnet. Denn im Grunde wollte sie sich ja nur überzeugen, daß es ihren Kindern an nichts fehlte und daß sie sich wohl fühlten.

Und das taten sie offensichtlich. Die beiden hockten mit zwei anderen Kindern zusammen an einem niedrigen Tisch und spielten mit Begeisterung und unter großem Gelächter ein Würfelspiel, bei dem Doreen augenscheinlich dabei war zu gewinnen. Ihr Jubeln ließ das jedenfalls vermuten.

Die Zwillinge hatten im Eifer des Spiels ihre Mutter noch gar nicht bemerkt, und als Stefanie sie jetzt so fröhlich dasitzen sah, bedankte sie sich nur kurz bei Kathrin und ging gleich wieder hinaus. Dann beschloß sie, sich selbst etwas besonders Gutes zu gönnen und suchte die Kosmetikerin an Bord auf.