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Ein Buch wie eine Liebeserklärung: federleicht erzählt in 684 SMS. Als Elisa eine SMS von einer unbekannten Nummer erhält, antwortet sie kokett. Und schnell beginnt ein wohlig-kribbelnder Flirt, der zwei alltagsgestresste Großstädter um die dreißig aus ihrem Trott herausreißt. Ungezwungen erzählen sie einander aus ihrem Leben, von ihren Sehnsüchten und Enttäuschungen, ohne sich je zu treffen. Bald wird der Austausch intensiver und leidenschaftlicher, es mischen sich Hoffnungen, Zweifel und Ängste in das leichtfüßige Geplänkel. Dann plötzlich outet sich der Fremde, und alles ist ganz anders als gedacht …
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2015
Xisela López
Roman
Ein Buch wie eine Liebeserklärung: federleicht erzählt in 684 SMS.
Als Elisa eine SMS von einer unbekannten Nummer erhält, antwortet sie kokett. Und schnell beginnt ein wohlig-kribbelnder Flirt, der zwei alltagsgestresste Großstädter um die dreißig aus ihrem Trott herausreißt. Ungezwungen erzählen sie einander aus ihrem Leben, von ihren Sehnsüchten und Enttäuschungen, ohne sich je zu treffen. Bald wird der Austausch intensiver und leidenschaftlicher, es mischen sich Hoffnungen, Zweifel und Ängste in das leichtfüßige Geplänkel.
Dann plötzlich outet sich der Fremde, und alles ist ganz anders als gedacht …
Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel «Volverán las naranjas» bei Espasa Libros, S.L.U.
Zitat im 14. Kapitel aus: Julio Cortázar: «Rayuela. Himmel und Hölle».
Aus dem Spanischen von Fritz Rudolf Fries, Suhrkamp, 2014 (1981).
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Mai 2015
Copyright © 2015 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
«Volverán las naranjas» © 2014 by Xisela López Álvarez, © 2014 by Espasa Libros S.L.U.
Redaktion Johanna Schwering
Umschlaggestaltung any.way, Barbara Hanke/Cordula Schmidt
Illustration Ruth Botzenhardt
ISBN 978-3-644-31331-6
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
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Widmung
SMS
So hat alles ...
1. Kapitel
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5. Kapitel
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40. Kapitel
41. Kapitel
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47. Kapitel
48. Kapitel
49. Kapitel
50. Kapitel
51. Kapitel
52. Kapitel
53. Kapitel
Was? Nach dieser ...
Für dich, für ihn. Für Juan.
618884825
Schatz, gerade haben wir an der Tankstelle gehalten. Ich sitze im Auto und sehe dich an der Kasse stehen. Du lächelst den Tankwart an und kräuselst dabei die Nase, wie du es immer tust, und du siehst zauberhaft aus.
Du hast recht, wenn wir unterwegs sind, sehe ich dich mit ganz anderen Augen. Ich weiß, ab Sonntagabend beginnt für uns wieder der Alltag – zurück aufs Sofa, zur Einbauküche und zum wöchentlichen Kinoabend im Renoir –, aber ich weiß auch, dass wir es gemeinsam schaffen können, die Routine zu durchbrechen …
Ich werde mich für dich verkleiden, als Cowboy, als Butler oder als Napoleon, nur um dich vor dem Einschlafen noch einmal lächeln zu sehen. Ich mache dir wieder frisch gepressten Orangensaft, aber nur manchmal, sonst gewöhnst du dich am Ende noch zu sehr daran.
Ich kann alles für dich sein – der Unbekannte, der Sensible, der Macho. In tausend Männer kann ich mich verwandeln, und dann, eines Tages, wirst du herausfinden, welcher davon der Mensch deines Lebens ist.
Ein Kuss an deinen Kuss!
Empfangen: 06.06.2008, 18:16:59
So hat alles angefangen, mit dieser ungelesenen SMS auf dem Display eines Handys. Zu der Zeit gab es noch kein Whatsapp, die Wörter waren noch kostbar, und man dachte nach, bevor man auf «senden» drückte. Na ja, genauer gesagt hat alles während meiner Nachtschicht zum 7. Juni 2008 angefangen. Das Handy wurde mir in einem Zip-Beutel übergeben, zusammen mit dem Protokoll eines Unfalls, der sich auf der A6 ereignet hatte, am Ende des Autobahntunnels bei Kilometer 456, an der Ausfahrt Becerrea/Cereixal. Das Paar in dem schwarzen Ford Focus war sofort tot gewesen, die Insassen der beiden anderen beteiligten Autos hatten leichte Verletzungen und Knochenbrüche erlitten. Unfallursache: ungeklärt. Offenbar war der Fahrer des Fords aus irgendeinem Grund von der Fahrbahn abgekommen.
Ich nahm das Handy aus dem Beutel und blickte auf das Display. Eine ungelesene Nachricht. Augenblicklich stieg eine diffuse Panik in mir auf. In dem Protokoll stand zwar, die Familie sei bereits unterrichtet worden, aber vielleicht gab es jemanden, der noch nicht Bescheid wusste, und mir würde nun die schreckliche Aufgabe zukommen, einen Freund oder Angehörigen zu informieren. In meinem Kopf hörte ich die Stimme meiner Mutter: Alex, du bist zu sensibel. Warum wirst du nicht Schriftstellerin oder Friseurin geworden? Das würde viel besser zu dir passen.
Vielleicht hatte meine Mutter sogar recht. Aber seit ich an einem Abend vor vielen Jahren im Fernsehen Mord ist ihr Hobby gesehen hatte, wusste ich, dass ich Polizistin werden und Kriminalfälle lösen wollte. Alle haben damit gerechnet, dass ich mir diese Idee früher oder später wieder aus dem Kopf schlagen würde, aber das war nicht der Fall, und so bin ich heute mit 28 Jahren die jüngste Polizistin von Lugo, Abteilung Verkehrsdienst. Wobei das Aufnehmen von Verkehrsdelikten, wie sich jeder denken kann, leider nicht ganz so aufregend ist wie die Ermittlungen von Jessica Fletcher. Vielleicht habe ich deshalb in der besagten Nacht getan, was ich getan habe.
Ich starrte noch immer auf das Display und spürte diesen vertrauten Schauer, der mich immer überkommt, wenn ich einen persönlichen Gegenstand in den Händen halte, der einmal jemandem gehört hat und der sein Eigenleben ungerührt fortführt, obwohl der Eigentümer längst gestorben ist.
Ich seufzte und kontrollierte den SMS-Eingang. Ich musste sowieso einen Unfallbericht für die Akten schreiben, und vielleicht war der Fahrer ja abgelenkt worden, weil er eine Nachricht geschrieben oder telefoniert hatte. Die SMS war um 18:16 Uhr eingegangen. Den Zeugenaussagen zufolge hatte sich der Unfall um 19:48 Uhr ereignet.
Keine aus- oder eingehenden Anrufe oder Kurzmitteilungen 15 Minuten vor oder nach dem Unfall notierte ich am linken Rand des Protokolls. Schließlich rief ich die ungelesene SMS auf, möglicherweise lieferte sie ja Hinweise auf den Geisteszustand des Fahrers.
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Schatz, gerade haben wir an der Tankstelle gehalten. Ich sitze im Auto und sehe dich an der Kasse stehen. Du lächelst den Tankwart an und kräuselst dabei die Nase, wie du es immer tust, und du siehst zauberhaft aus.
Du hast recht, wenn wir unterwegs sind, sehe ich dich mit ganz anderen Augen. Ich weiß, ab Sonntagabend beginnt für uns wieder der Alltag – zurück aufs Sofa, zur Einbauküche und zum wöchentlichen Kinoabend im Renoir –, aber ich weiß auch, dass wir es gemeinsam schaffen können, die Routine zu durchbrechen …
Ich werde mich für dich verkleiden, als Cowboy, als Butler oder als Napoleon, nur um dich vor dem Einschlafen noch einmal lächeln zu sehen. Ich mache dir wieder frisch gepressten Orangensaft, aber nur manchmal, sonst gewöhnst du dich am Ende noch zu sehr daran.
Ich kann alles für dich sein – der Unbekannte, der Sensible, der Macho. In tausend Männer kann ich mich verwandeln, und dann, eines Tages, wirst du herausfinden, welcher davon der Mensch deines Lebens ist.
Ein Kuss an deinen Kuss!
Empfangen: 06.06.2008, 18:16:59
Im Leben von Fremden herumzuwühlen, bereitet mir immer Bauchschmerzen, aber beim Lesen dieser Nachricht kam ich mir regelrecht vor wie ein Eindringling. Doch zugleich berührte mich die rätselhafte SMS. Das Schicksal hatte es so gewollt, dass diese persönlichen Worte die letzte Botschaft an das Unfallopfer waren. Es hätte ja auch Ruf mal zurück dort stehen können. Aber so war es nicht.
Ich klickte mich durch den SMS-Ordner des Nokia 2630. Insgesamt 684 SMS, die zwischen zwei Nummern hin- und hergesendet worden waren: 618884825 und Elisa. Warum speicherte jemand fast 700 Nachrichten? Noch dazu von einer einzigen Nummer? Wahllos las ich eine Handvoll Nachrichten durch.
618884825
Die Welt ist ein seltsamer Ort, Kleines.
Empfangen: 16.04.2008, 14:37:46
Elisa
Ich verliere langsam die Lust an dem Spiel. Vielleicht sollte ich einfach abhauen und mit dir am einarmigen Banditen zocken …
Gesendet: 29.03.2008, 22:27:38
618884825
Aber dir ist schon klar, dass man gegen die Automaten am Ende immer verliert, oder?
Empfangen: 29.03.2008, 22:30:01
Elisa
Doch, doch. Ich komme mir schon vor wie eines dieser vergessenen Regale in der Videothek, in dem die Filmklassiker stehen. Niemand leiht sie aus, weil alle wissen, dass sie sowieso immer da sein werden. Der richtige Moment, sie sich anzusehen, kommt nie, und am Ende nimmt man doch wieder den neuesten Blockbuster mit nach Hause …
Gesendet: 29.03.2008, 22:40:04
618884825
Also, ich würde mir heute Abend liebend gern einen alten Streifen mit dir ansehen …
Empfangen: 29.03.2008, 22:42:26
Elisa
Heute hast du mir gar keine SMS geschickt. Die Sache schläft wohl langsam ein.
Gesendet: 22.04.2008, 20:57:27
618884825
Das sagt die Richtige …
Empfangen: 22.04.2008, 20:59:01
Jetzt gab es kein Zurück mehr. Was ich gelesen hatte, war so faszinierend, dass ich einfach alles über die Geschichte hinter diesen SMS erfahren musste. Jede einzelne wollte ich lesen, und nichts auf der Welt würde mich davon abhalten.
In 90 Prozent der Fälle meldet sich niemand, um auf die beschlagnahmten Habseligkeiten der Toten Anspruch zu erheben. Also würde es höchstwahrscheinlich keine Menschenseele erfahren, wenn ich mir die Nachrichten genauer ansah, und bis zum Ende der Schicht lagen noch lange sieben Stunden und sechzehn Minuten vor mir. Außer mir hatten nur Pepe und Álvaro Nachtdienst, beide Mitte vierzig und ausgewiesene Experten auf zwei Gebieten: Beamtenrecht und Fußball.
