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Wenn man in einem gewissen Alter ist, erinnert man sich gerne an vergangene Zeiten. Denn: "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er etwas erzählen". So steht es in dem Text des Liedes von Matthias Claudius, Urians Reise um die Welt. Kenia ist nun nicht die Welt, aber ein beliebtes Reiseziel. Viele Jahre lang waren wir dort zu Gast und haben viel gesehen. Dies alles ist in diesem kleinen Buch zu lesen. Angefangen von dem Strandurlaub über Stadtbesichtigungen (Nairobi - Mombasa - Malindi) und Safaris (Amboseli, - Tsavo Ost und Tsavo West, - Masai Mara, - Haller Park) sowie Sansibar. Lassen Sie sich einfach davon überraschen und schnell werden Sie merken, dass Kenia ein wunderschönes Land ist.
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Seitenzahl: 683
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Für Robert
Das wichtigste Stück des Reisegepäcks ist und bleibt ein fröhliches Herz (Hermann Löns (1866-1914)
Text: Karin Herter
Die Autorin:
Karin Herter, geb. 1945 in Leipzig. Seit über 50 Jahren wohnhaft in
Bensheim an der Bergstraße.
Verheiratet, zwei Kinder und fünf
Enkelkinder
Bereits erschienen:
Insektensucht: 2010 BoD - Books on Demand, Norderstedt,
ISBN: 9 783 839 139 264
Vogelsucht: 2010 Kurt Gioth - Printlogistik, [email protected]
Prolog
1989
Diani Beach, Südküste
1990
Mombasa – Stadtfahrt, Nairobi und Amboseli Nationalpark
1991
Dhau Tour, Mombasa, Beach Boys
1992
Badeurlaub
1993
Sansibar
1994
Tsavo Ost und Tsavo West
1995
Masai Mara
1997
Malindi
1999
Südküste - Strandurlaub
2004
Haller Park
Epilog
Vokabeln von Johanna
Welche Tiere man sehen kann
„Kannst Du bitte einmal die Türe zumachen? Es zieht und mir fliegen sämtliche Notizen weg“! rief Johanna, kurz Jo genannt. Ihre Freundinnen benutzten gerne diese Namensabkürzung und deshalb staunten sie sehr, dass auch Jonas von seinen Freunden einfach nur Jo genannt wurde. Das führte öfters zu lustigen Situationen und deshalb beschlossen beide nach ihrer Hochzeit, sich lieber mit dem vollen Namen zu nennen.
„ Was schreibst Du denn schon wieder?“, erwiderte Jonas.
„ Ich schreibe über unsere Reisen nach Kenia, aber so muss ich alles erst wieder ordnen!“
„Du wolltest doch kein Buch mehr schreiben?!“, brummelte Jonas. Er dachte bereits an das in Gedanken-Nichtdasein von Johanna. Ging das denn alles schon wieder los? Er schloss aber dennoch die Tür, der eheliche Frieden war ihm einfach wichtiger. Es stimmte ja, sie hatten gemeinsam schon oft in Afrika Urlaub gemacht. Warum also nicht ein Buch darüber schreiben? Johanna ließ sich sowieso nicht davon abbringen. Ihr Sternbild ist Löwe und wer kann schon einen Löwen zähmen, wenn dieser gerade voller Tatendrang ist?
„Dann bin ich einmal gespannt, was Du noch alles darüber weißt“, lenkte er ein.
„Keine Sorge, ich habe sämtliche Alben beschriftet und schon einmal ein kleines Buch darüber geschrieben. Hast Du das etwa vergessen?“
„Nein, das habe ich nicht, das war aber etwas anderes“. Damals war es ein Geschenk für seinen Schwiegervater und für die Kinder. Das war ja alles in Ordnung, aber nun schon wieder eines? Johannas ersten Bücher hatten sehr viel Zeit in Anspruch genommen, mal ganz vom Geld abgesehen. Jonas kämpfte innerlich noch mit seiner Zustimmung. „Siehst Du, dann ist doch alles ganz einfach. Ich schreibe es ja auch für Dich“, säuselte Johanna. Nichts wäre schlimmer, als einen Mann um sich zu haben, der mit einem neuen Buch nicht einverstanden wäre. Sie musste irgendeinen Weg finden, um ihn davon zu überzeugen. Am besten, ich fange die ersten Seiten einfach an und danach wird mir schon etwas einfallen, dachte sie für sich.
„ Besteht die Chance, dass ich Dich umstimmen kann?“, fragte Jonas noch einmal nach.
„Nein, das kannst Du nicht“, sagte Johanna lachend. Das Schmunzeln im Gesicht von Jonas war nicht zu übersehen. Sie hatte gewonnen und begann zu schreiben.
Johanna und Jonas saßen im Wohnzimmer. Das Fernsehprogramm war wieder einmal nicht sehr unterhaltsam. Johanna ließ ihren Gedanken freien Lauf, während Jonas immer wieder einmal mit der Fernbedienung zippte. Sie dachte an die im August bevorstehende Silberhochzeit. Was sollten sie tun? Wegfahren oder zu Hause bleiben und zusammen mit allen feiern? Das wäre sicherlich eine Menge Arbeit. Wollte sie sich das antun? Aber wohin sollten sie denn fahren? Sie musste so langsam mit Jonas darüber reden.
„Jonas, meinst Du, wir könnten zu unserer Silberhochzeit wegfahren? Wäre das eine Idee?“, begann sie zu fragen.
“Ja, können wir“, kam die knappe Antwort von Jonas zurück. „Mach´ doch gleich einmal einen Vorschlag“, grinste er.
Typisch Jonas, dachte Johanna, aber wenn das Thema schon einmal angeschnitten wurde, wollte sie es auch fortsetzen.
„Sollen wir irgendwo hin fliegen? Das wäre doch toll. Irgendwo hin wo es warm ist? Vielleicht nach Afrika? In Kenia ist es um diese Zeit doch bestimmt noch warm.“
„ Keine schlechte Idee, aber wie kommst Du auf Kenia?“ Das wusste Johanna eigentlich auch nicht. Sie hatte wohl hin und wieder über Safaris gelesen, aber so richtig befasst hatte sie sich mit diesem Land eigentlich nicht. Nun, da der Gedanke aber da war, wollte sie auch daran festhalten.
„Wir können uns ja einmal Reiseprospekte holen und nachsehen, was alles kosten würde.“ Jonas zeigte bereits Interesse.
„ Dann werde ich gleich morgen welche holen“, freute sich Johanna. Das ging ja schneller als sie erwartet hatte.
Am nächsten Tag brachte sie die Prospekte mit.
Bevor man in ein fremdes Land fährt oder fliegt, sollte man sich doch ein wenig mehr als normal darüber informieren. Man kann nicht einfach in ein Flugzeug steigen und sagen, ich fliege nach Kenia. Etwas vorbereitet muss man schon sein.
Schnell fand Johanna beim Durchblättern der Prospekte die Reiseinformationen. Waren denn ihre Impfungen noch aktuell?
Als Jonas abends von der Arbeit nach Hause kam, fragte sie sofort: „Jonas, wo sind denn unsere Impfpässe? Ich kann sie nicht finden!“
„Gute Frage, wir müssen einmal in einem Ordner nachsehen. Ich glaube, ich habe sie abgehängt“, erwiderte er.
Für solche Dinge war er nun einmal zuständig; das hatte sich in all den Jahren so ergeben.
„Hier steht etwas von einer Gelbfieberimpfung und einer Malariaprophylaxe.“
„Dafür werden wir wohl erst einmal zu einem Arzt gehen. Mal sehen, was dieser dazu sagt.“ meinte Jonas. Begeistert klang das nicht gerade. Er ging äußerst selten zum Arzt und auch nur, wenn es sich überhaupt nicht vermeiden ließ.
„Lass uns das gleich morgen tun. Wer weiß, was wir noch alles brauchen und alles zusammen spritzen lassen oder einnehmen ist sicherlich nicht so gut.“ Johanna war schon völlig aufgeregt. „Weißt Du was, ich freue mich schon sehr auf unsere Reise!“ Sie fiel ihm um den Hals, ehe er sich versah.
Den Termin beim Hausarzt bekamen beide ziemlich schnell. Sie erzählten ihm von ihrer bevorstehenden Reise nach Kenia. Nachdem sie über sämtliche Risiken aufgeklärt waren, blieb vorerst nur noch die Gelbfieberimpfung ein Thema. Für die Malariaprophylaxe war noch Zeit, aber für die Gelbfieberimpfung müssten sie nach Heidelberg in das Tropeninstitut fahren.
Zu Hause wieder angekommen holten sich Johanna und Jonas einen Termin und nach einigen Tagen fuhren sie nach Heidelberg. Da beide an der Bergstraße wohnen, war der Weg dorthin nicht weit. Das Tropeninstitut fanden sie gleich, da es sich auf dem Gelände der Universität befindet und man nur den Schildern nach fahren muss. Dabei ist es egal, aus welcher Richtung man kommt.
Gelbfieber ist eine vor allem in den tropischen Gebieten Afrikas, Mittel- und Südamerikas verbreitete Viruserkrankung. Die Übertragung geschieht durch Viren der Stechmücke Aedes. Es können nicht nur Menschen, sondern auch Tiere davon befallen werden. Dieser Virus gehört zu der Familie der Flaviviren. Zu diesen gehört ebenfalls der Dengue Virus und das Hepatitis C Virus. Hat man einen Virus dieserArt, bekommt man Schüttelfrost mit Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen, der Puls ist sehr langsam, Erbrechen und Übelkeit inbegriffen. Das alles kann wieder vergehen, aber oft kann auch die Leber anschwellen, die Nieren versagen und man muss Blut erbrechen. Man kann also daran sterben, da es noch kein spezielles Medikament gegen Gelbfieber gibt. Es ist also sehr wichtig, dass man sich zur Vorbeugung impfen lässt. Da diese Impfung zehn Jahre anhält, ist sie ein langer Schutz auf vielen Reisen.
Wie bei alle Impfungen können Nebenwirkungen auftreten: Grippeähnliche Symptome, Hautrötungen oder Schwellungen.
„Das war ja gar nicht schlimm“, sagte Johanna auf der Heimfahrt.“ Nach zehn Wochen könnten wir eigentlich schon losfliegen, denn ab da sind wir schon geschützt.“ Jonas gab keine Antwort, sondern konzentrierte sich auf den laufenden Verkehr auf der Autobahn. Sie kann es schon wieder nicht abwarten, dachte er.
„Zuhause werden wir uns aber gleich ein Hotel aussuchen oder?“ Johanna gab nicht nach. Sie wollte einfach schon geraume Zeit vorher alles wissen. Es musste ja schließlich genau überlegt werden, was man alles mitnehmen würde. Männer! Sie meinen immer, alles geht von alleine. Johanna merkte, dass sie etwas unwirsch wurde. Also gut, verschieben wir alles auf später. Es eilte ja auch wirklich nicht. Ein gutes Vierteljahr lag ja noch dazwischen.
Nachdem beide wieder Zuhause waren, legte Jonas den Afrikaprospekt auf den Tisch. „Dann wollen wir einmal nachsehen, was uns gefallen würde“, grinste er. „Nord-oder Südküste?“ Johanna stutzte. Schon wiederwarsiedaraufhereingefallen.Unddasnachfastfünfundzwanzig Ehejahren. Jonas wollte sie nur zappeln lassen. Sofort setzte sie sich zu ihm. Seite für Seite sahen sie alle Angebote durch, verglichen die Preise und blieben schließlich bei einem nicht ganz so teuren Hotel hängen. Ja, dieses würde ihnen gefallen. Die Gebäude nicht so hoch und auch sonst machte alles einen guten Eindruck. Außerdem hatten sie gehört, dass Kenias Südküste am schönsten sei. Dann würden sie ja auch noch mit einer Fähre übersetzen; auf einer Fähre war Johanna noch nie gewesen.
Jetzt nahm alles Gestalt an.
„Jonas, wir müssen noch einmal zum Arzt“, fiel Johanna ein.
„Warum denn das?“ Jonas gefiel das überhaupt nicht. „Haben wir etwas vergessen?“
„Ja“, erwiderte Johanna. „Wir brauchen noch eine Impfung. Gegen Hepatitis! Und dann lassen wir auch gleich noch unseren Impfpass nachsehen. Mal sehen, ob unsere Tetanusspritze aufgefrischt werden muss.“
„Dann bringen wir das auch so schnell wie möglich hinter uns“, sagte Jonas.
Johanna besorgte einen Termin beim Hausarzt.
Am nächsten Tag gingen sie erst einmal zum Reisebüro und buchten.
Freudestrahlend erzählten sie alles ihren beiden Kindern. Diese fanden es toll, zumal sie sowieso schon immer gesagt hatten, eine Silberne Hochzeit betrifft ja nur die Eheleute und nicht die ganze Verwandtschaft.
Johanna und Jonas blühten sichtlich auf. Elf Jahre hatten sie gar keinen Urlaub gemacht, aber jetzt wollten sie alles nachholen.
In Gedanken waren beide schon am Kofferpacken. „Lange Hosen und Socken für den Abend, dürfen wir nicht vergessen“, sagte Jonas.
„Du wirst doch nicht glauben, dass ich abends Socken anziehe? Bei den Temperaturen?!“ Johanna fand das nicht witzig, aber Jonas hatte ja Recht, denn beide wollten ja keine Malaria bekommen.
“Ich werde sie nicht vergessen“, brummelte sie deshalb zurück. „Ganz wichtig sind unsere eigenen Medikamente und Mückenschutz“, fügte sie schnell noch hinzu.
Sie wollte dort entscheiden, ob sie Socken brauchte oder nicht, aber das vermied sie zu sagen. Man muss ja nicht immer alles vorher ausdiskutieren, hinterher reichte auch. Auf was man aber alles achten sollte! Keine Eiswürfel im Getränk und auch so kein Eis; nur gekochte Speisen essen und auf rohe Salate und Wurstwaren verzichten. Na, sie würden sich dran halten.
Oft saßen sie da und blätterten in einem Reiseführer. Kenia musste wirklich schön sein. Was man da alles sehen konnte! Die Vorfreude war riesengroß und der Abflug rückte immer näher. Es galt, sich um die Malariaprophylaxe zu kümmern.
„Lassen wir uns Resochin oder Lariam verschreiben?“, fragte Johanna Jonas.
„Ja, welches ist denn besser?“
„Keine Ahnung, ich glaube Resochin muss man anders nehmen.“
„Ja, jede Woche zwei und immer am gleichen Wochentag. Lass uns Lariam nehmen. Die Wirkung ist ja genauso und für uns sicherlich einfacher.“
„Stimmt, sie soll auch verträglicher sein. Wir müssen aber daran denken, dass wir sie nach dem Urlaub auch noch nehmen müssen“, bemerkte Johanna noch. Sie hatten sich entschieden, es blieb bei Lariam.
Pünktlich eine Woche vor Abflug schluckten beide eine Tablette. Der Beipackzettel listete sämtliche Nebenwirkungen auf.
„Jonas, hast Du über die Nebenwirkungen gelesen?“, fragte Johanna. „Hier stehen ja einige: Epileptische Anfälle, Halluzinationen, Angstzustände und lauter solche Sachen“, fuhr Johanna fort.
„Was liest Du das aber auch! Nebenwirkungen haben doch alle Medikamente. Wollen wir nach Kenia oder wollen wir nicht?!“ Jonas konnte solche Art von Fragen gar nicht leiden. Immer dieses Nachlesen.
„ Du brauchst gar nicht zu brummeln, die Beipackzettel sind zum Lesen da. Ich werde ja einmal fragen dürfen oder?“
Nach drei Tagen fragte Johanna: “Jonas, spürst Du irgendwelche Nebenwirkungen?“
„Nein, Du?“
„Ich merke auch nichts“, beantwortete Johanna seine Gegenfrage. Sie war richtig froh darüber. Die Koffer waren fast fertig gepackt. Nur noch ein paar Kleinigkeiten hineingeben und dann kamen noch die Kofferanhänger dran. Deckel zu und fertig.
„Wo sind denn unsere Impfpässe?“
„Liebe Güte Johanna, kannst Du überhaupt noch schlafen ohne an Medikamente und irgendwelche Pässe zu denken?“ Jonas fand es mittlerweile schon etwas nervig. Aber sie hatte Recht, sie wollten ja nichts vergessen.
„Ich habe sie zu dem Handgepäck gelegt. Du musst nur richtig
hinsehen“, antwortete er. Innerlich dachte er, wer weiß, ob wir die überhaupt brauchen. Aber gut, Johanna wurde täglich nervöser und er machte sich ja schließlich auch Gedanken.
„Hast Du sie gefunden?“
„Ja, habe ich. Jetzt haben wir aber wirklich alles zusammen“, lachte Johanna.
„Wirklich?“, kam prompt die Antwort von Jonas. „Was machst Du mit Deinem Ehering? Ziehst Du den aus? Wir hatten uns doch schon darüber unterhalten, dass wir keinerlei Schmuck mitnehmen oder?“ „Stimmt, aber dabei hatte ich nicht unbedingt an den Ehering gedacht. Eher an Kettchen oder eben normale Ringe. Muss das wirklich sein? Ich bekomme meinen Ehering so schlecht vom Finger.“ So richtig einverstanden war Johanna damit nicht.
Bis sie den Ring vom Finger bekam, würde es ewig dauern, aber gut, sie wollten ja vorsichtig sein. Ihr schoss der Gedanke durch den Kopf: Warum fliegen wir eigentlich nach Kenia, wenn man auf so vieles aufpassen muss? Sicherlich hätte es doch andere schöne Ziele gegeben. Aber nun war es sowieso zu spät. Der Ehering kam ab und somit war alles erledigt.
Den Flughafen Frankfurt/ Main kannten beide ja schon von früher, denn manchmal war sie mit den beiden Kindern dort gewesen. Auf der Aussichtsterrasse konnte man so schön nach den Flugzeugen sehen. Das machte den Kindern Spaß, jedenfalls als sie noch klein waren, und ebenso Johanna und Jonas. Da hatte man das Gefühl, man würde in den nächsten Flieger einsteigen und auch weg fliegen.
Jetzt war es natürlich ganz anders. Jetzt war es Wirklichkeit. Ein tolles Gefühl für beide.
Nachdem sie ihre Flugtickets ausgehändigt bekamen und Johanna nachsah, in welcher Reihe sie wohl saßen, staunte sie nicht schlecht.
„Johannes, Du hast ja „Raucher gebucht!“, sagte sie erfreut. Johannes war Nichtraucher und konnte es überhaupt nicht leiden, wenn sie rauchte. „Willst Du Dir das antun?“ Johannes grinste. Es hatte ihn wohl einige Überwindung gekostet, aber er betrachtete es als kleine Zugabe zu dem Silberhochzeitsflug.
„Habe ich das getan?“, fragte er deshalb mit einem Grinsen im Gesicht. “Ich werde es einfach aushalten. Wer raucht schon nachts an einem Stück.“ Abwarten, dachte Johanna.
Jonas saß am Fenster, daneben Johanna und am Gang ein Mann. Er sah nicht unsympathisch aus, allerdings machte er es sich gleich sehr bequem. Für Johanna wurde es ziemlich eng, aber warum gleich aufregen? Im Laufe des Fluges würde sich das sicherlich noch ändern. Sobald sie in der Luft waren, die Sicherheitsmaßnahmen gezeigt worden waren, kam die Speisekarte.
Es gab zum Abendessen:
Dreikornsalat mit Apfel, Sellerie und Ananas in Sahne. Rindersteak mit Kräuterbutter, Brokkoli, Anna Kartoffeln. Schwedenfrüchte – Butter – Käse – Brötchen, Kaffee oder Tee.
Ein Getränk zum Abendessen wurde nicht berechnet.
„ Das liest sich aber lecker.“ Johanna war total begeistert. „Und hier steht auch gleich noch das Frühstück darunter!“
Orangensaft, gekochter Schinken, Salami und Klosterkäse. Joghurt, Butter, Marmelade, Plundergebäck und Vollkornbrot. Dazu Kaffee oder Tee.
„Klasse“, freute sich auch Jonas.
Nach der Warterei am Flughafen waren beide hungrig. Klar, vor Aufregung hatten sie zu Hause nicht gerade viel gegessen.
„Das schmeckt aber sehr gut“, sagte Johanna gleich nach dem ersten Bissen. Allerdings war es doch recht eng.
Die DC 10-30, mit der sie flogen, hatte wirklich nicht viel Platz für die Beine und manchmal dachte Johanna, ihr Nachbar rücke immer näher zu ihr heran. Mit angewinkelten Armen saß sie da und bemühte sich, die Gabel und das Messer ohne anzuecken zu benutzen.
Jonas nickte nur. Er war in Gedanken schon in Kenia. Vor ihrer Reise hatten sie viel über das Land gelesen, gerade auch über die Temperaturen. Nicht unwichtig, wenn man so weit fliegt. Schnell fanden beide heraus, dass der August nicht so ganz für „nur Sonne“ geeignet war, aber die Silberhochzeit war definitiv in diesem Monat. Als könne Johanna Gedanken lesen, fragte sie: „Ob wir immer schönes Wetter haben werden?“ „Sicherlich“, erwiderte Jonas. „Wir fliegen ja schließlich nicht ins Hochland. Dort ist im Juli und August die kälteste Zeit. Nachts etwa 10° mindestens. An der Küste ist es auf jeden Fall viel wärmer. Hast Du Dein schlaues Buch über Suaheli mit? Wir können ja ein bisschen rein gucken. Der Flug dauert ja noch ein paar Stunden.“
Dazu hatte Johanna eigentlich keine Lust. Ihr Nachbar schlief fest und sie überlegte, wie sie am besten zur Toilette kommen würde. Ohne diesen aufzuwecken ging das sicher überhaupt nicht.
Gut, dann würde sie noch eine Weile warten und so begann sie doch in dem kleinen Büchlein zu lesen. Da standen ja wirklich viele Sätze, mit denen man vielleicht etwas anfangen konnte. Aber wie wurde denn alles ausgesprochen? Nein, so machte es keinen Sinn. Zuerst wollte sie die Sprache von den Afrikanern selber hören. Dann war immer noch Zeit, sich intensiver um alles zu kümmern. Man musste ja auch nicht gleich alles überstürzen. Außerdem hatte sie gelesen, dass Afrikaner in der Schule Deutsch und Englisch lernen. Wenn das der Fall war, dann wäre die Verständigung wesentlich einfacher. Sie schlug das Buch zu und packte es wieder weg.
Ob ich jetzt erst einmal zur Toilette gehe? Warum soll ich denn auf diesen fremden Mann neben mir Rücksicht nehmen? fragte sie sich. Er hatte bereits angefangen zu rauchen, obwohl Johannes und sie noch beim Essen waren. Das fand sie einfach unverschämt und anstandslos. Nein, so etwas darf man nicht durchgehen lassen und schon stand sie auf und ging zur Toilette. Dort stand sie eine Weile in der Schlange und als sie wieder auf dem Rückweg war sah sie schon von weitem, dass ihr Nachbar bereits wieder schlief. “Kann ich bitte wieder auf meinen Platz?“, fragte Johanna. Keine Antwort, aber er stand bereitwillig auf. „Ein unangenehmer Patron“, dachte sie, aber es war ihr letztendlich egal. Der Flug würde schon vorbeigehen.
„Meine Damen und Herren“, ertönte eine freundliche Stimme. „Wir befinden uns genau über dem Äquator und wir erklären Sie für getauft.“ Die Stewarts liefen durch die Reihen und gaben allen einen Aufkleber: „Mit Condor über den Äquator“. „Prima“, sagte Johanna zu Jonas, “den kleben wir dann später mit ins Album.“
„Wenn Sie rechts aus dem Fenster blicken, können Sie den Kilimandscharo sehen“, kam erneut eine Durchsage.
„Schade“, sagte Jonas, „wir sitzen auf der falschen Seite. Den sehen wir aber auf dem Rückflug.“ Eventuell hätte man ja nach rechts sehen können, aber da einige aufstanden, war es unmöglich.
„Du hast Recht, dann sehen wir ihn eben auf dem Heimflug.“ Johanna war schon ein wenig enttäuscht.
„Komm, verzieh nicht so Dein Gesicht. Jetzt dauert es auch nicht mehr lange, bis wir in Mombasa landen.“
Etwa eine Stunde vor der Landung, bekamen alle Passagiere Formulare ausgeteilt. „Die sind für die Einreise und wenn Sie Fragen haben, wir helfen Ihnen gerne“, sagte die Stewardess.
„Na Klasse, alles steht auf Englisch da. Ich denke, dass bekommen wir aber hin“, sagte Jonas. Im ganzen Flugzeug wurde es auf einmal unruhig. Manche konnten gar nichts alleine ausfüllen, anderen fehlten nur manche Worte. Man half sich aber gegenseitig. Zum Schluss konnten alle Zettel ausgefüllt eingesammelt werden.
Gespannt warteten alle auf die Landung. Aber was war denn das? Dicke Wolken über Mombasa! Es rüttelte ziemlich und die Stimmung von Johanna sank genauso beharrlich wie das Flugzeug. Sie hatte schönes Wetter erwartet und nun das?
„Bis wir im Hotel sind, hat es sicher wieder aufgehört“, beruhigte Jonas Johanna. Wir haben ja noch eine große Strecke vor uns und das bisschen Regen wird uns doch jetzt nicht die Laune verderben oder?“ Immer nur Sonne im Kopf, dachte Jonas für sich. Er mochte die Sonne auch, aber Johanna übertrieb es mal wieder.
Das Flugzeug landete einige hundert Meter vom Flughafengebäude entfernt.
„Oh, das ist ja ein Miniflughafen“, sagte Johanna. „ Ob da überhaupt alle Passagiere zügig abgefertigt werden können?“
„Warte es doch ab“, erwiderte Jonas. „Mir ist es auf jeden Fall schon recht warm. Geht es Dir auch so?“
„Ja, allerdings vermisse ich den Geruch nach Afrika, über den so viel zu lesen ist.“ Johanna hielt die Nase in die Luft und schnupperte.
„Das kann ich sowieso nicht glauben. Ein Land kann man nicht riechen.“ Jonas war durch und durch ein Realist.
„Ist ja auch egal“, lenkte Johanna ein. Jetzt musste man schließlich nicht diskutieren; jetzt wollte sie nichts wie von den Zollbeamten abgefertigt werden. So bequem war es ja im Flugzeug auch nicht gewesen. So langsam machte sich bei ihr die Müdigkeit bemerkbar. Mit 44 Jahren fühlte sich Johanna eigentlich noch jung, aber manchmal kam es ihr doch vor, als sei sie schon viel älter. Vom Äußeren natürlich nicht. Sie trug ihre schwarzen Haare immer kurz und mit Jeans zog sie sich eher sportlich als elegant an. Nur gut, dass sie Jonas nicht einholen konnte, denn er war ja schon 50 Jahre, dachte sie dann schnell. Sie schielte zu ihm hinüber. Er sah noch aus wie am ersten Tag. Seine ganz kurzen Haare gaben auch ihm ein junges Aussehen. Ja, wenn er dann erst braun gebrannt war, sah er schon toll aus. Sie musste wesentlich mehr in der Sonne liegen, während er schon bei den ersten Strahlen Farbe bekam.
Die Schlange vor den Schaltern nahm kein Ende. Hin und wieder ertönte ein „Jambo“ und alles ging sehr, sehr langsam voran. Die meisten Beamten sprachen Englisch, aber es verstanden auch viele deutsch. Sie hatten demnach deutsch und englisch in der Schule gelernt.
„ Jetzt muss man auch noch nachweisen, wie viel D-Mark man dabei hat. Was soll das denn?“ Jonas brummelte vor sich hin. „Und wir müssen genau aufschreiben, für was wir unser Geld ausgegeben haben. Das wird auf dem Rückflug kontrolliert.“
“Das stand aber nirgends“, erwiderte Johanna. „Wir bekommen das schon hin, obwohl ich es auch sehr ungewöhnlich finde.“
„Doch, das steht bei den Währungs- und Devisenbestimmungen: Kenia-Schillinge dürfen weder ein noch ausgeführt werden! Bei der Einreise ist die Summe des mitgeführten Bargeldes auf einem Formblatt (currency declaration form) zu deklarieren. Auf diesem wird jeder Wechselbetrag eingetragen und bei der Ausreise muss alles übereinstimmen. Man darf auch nur bei Banken oder in Hotels wechseln. Das wird ganz streng kontrolliert.“
Da hatte Jonas wohl etwas gründlicher alles gelesen, dachte Johanna.
Nachdem sie den Schalter hinter sich hatten, mussten beide abermals in einer Schlange anstehen. Jetzt wollte ein Zöllner wissen, ob sie Freunde in Kenia hätten und ob sie Geschenke mitgebracht hätten. Zum Glück mussten sie ihre Koffer nicht öffnen. Jonas war schon etwas angesäuert, aber in einem Land wie Kenia hätten beide sicherlich den Kürzeren gezogen. Man sah Jonas aber an, dass er nicht mehr gut gelaunt war.
Johanna war riesig erleichtert als sie dann das Flughafengebäude verlassen konnten. Sofort wurden sie von schwarzen Menschen umringt, die alle die Koffer zum Bus tragen wollten. Zum Glück stand auch gleich ein Reiseleiter da, der sie alle zum Bus brachte. Als die Koffer verstaut waren, alle anderen Hotelgäste endlich auch im Bus saßen, konnte es endlich losgehen. Endlich waren sie in Mombasa angekommen. Was Johanna alles über diese Stadt gelesen hatte:
Mombasa sei im Grunde genommen keine sehenswerte Stadt. Das zeigte schon die Geschichte, denn auch Vasco da Gama zog es vor, weiter nach Malindi zu segeln.
Viele Völker tummelten sich früher in der Stadt und viele Religionen trafen aufeinander wie: Sunniten, Hindus, Schiiten, Parsen, Jainas, Methodisten, Anglikaner, Katholiken und es war der afrikanische Geisterglaube vorhanden.
Viele wollten Mombasa erobern: Die Portugiesen schlugen immer wieder Aufstände nieder und erbauten zum Schutz das Fort Jesus, aber auch dieses half nichts. Schließlich konnte der Sultan von Oman mit seiner Familie eine lange Zeit herrschen, aber erst durch die Engländer erlebte Mombasa einen Aufschwung.
In dieser Stadt waren beide also angekommen. Johanna hatte das Gefühl, als sei ganz Mombasa am Flughafen. Nein, natürlich nicht 380 000 Einwohner, aber überall standen schwarze Menschen. Ein eigenartiges Gefühl.
Gespannt blickten Johanna und Jonas aus dem Fenster. Die Fahrt zur Lakoni-Fähre führte zum Teil mitten durch Mombasa. Zuerst waren die Häuser noch einigermaßen ansehnlich, aber dann sahen sie auch viele, die Fenster ohne Scheiben hatten. Wäsche hing überall heraus. Dazwischen immer wieder Blechhütten. Vor diesen saßen Menschen und machten Feuer. Es qualmte sehr und der verbrannte Geruch drang auch in den Bus. Von weitem sahen sie die Elefantenzähne, das Wahrzeichen von Mombasa, die in einem Bogen über eine Straße ragten.
Je weiter der Bus in Richtung Hafen fuhr, um so mehr Menschen liefen auf der Straße.
„Jonas, wollen all die Menschen auf die Fähre?“, fragte Johanna.
„Kann schon sein“, erwiderte Jonas. „Vielleicht sind sie auf dem Weg zur Arbeit. Mach´ Dir keine Gedanken, die Fähre wird schon groß genug sein.“
Kurz vor der Fähre hielt der Bus. „Alle aussteigen“, sagte der Reiseleiter.“ Ihre Wertsachen lassen sie im Bus. Er wird abgeschlossen.
Personen dürfen nicht im Bus bleiben. Bitte folgen Sie mir nacheinander und bleiben Sie zusammen.“
Folgsam liefen alle dem Reiseleiter hinterher.
Auf der Fähre herrschte ein unheimliches Gedränge. Johanna erschrak. „Oh, Jonas, ich habe meine Uhr noch an. Was mache ich denn nun? Am Arm ist sie sicherlich besser aufgehoben als in irgendeiner Tasche, oder?“
„Ja, lass sie einfach an. Es wird sie Dir bestimmt niemand wegnehmen“, sagte Jonas. „Ich halte einfach meine rechte Hand darüber, damit sie keiner sieht.“ Johanna ärgerte sich. Warum hatte sie daran nicht gedacht. Jonas lachte.
„Hast Du etwa Angst?“, fragte er.
„Nein, habe ich nicht. Ich habe doch gelesen, dass Wertgegenstände gerne gestohlen werden. Sieh doch mal, wie der eine Mann dort nach meiner Uhr sieht!“
„Nun siehst Du aber Gespenster Johanna.“ Jonas war sich zwar auch nicht so sicher, aber so wertvoll war die Uhr von Johanna sowieso nicht. Aber es stimmte ja, sie wurden mehr oder weniger von allen beobachtet. Sie hielten wahrscheinlich alle Touristen für reich.
Johanna und Jonas waren froh, als sie die Fähre verlassen konnten und stiegen schnell in den Bus ein, der sie nun endlich zum Hotel bringen würde.
Der Reiseleiter verteilte Zettel. Auf diesen standen Safaris und verschiedene Ausflüge.
„Wir sehen uns alles im Hotel an, da haben wir mehr Ruhe oder?“, fragte Johanna.
„Ja, jetzt sehen wir uns erst einmal die Umgebung an der Südküste an“, erwiderte Jonas. Er war zwar auch schon recht müde, aber die Neugier auf alles ließ ihn kein Auge zu machen.
Sie fuhren durch Lakoni, dem Vorort von Mombasa, und weiter auf der Küstenstrasse in Richtung Süden. Gerade sah alle noch ziemlich trostlos und schmutzig aus, aber nun fuhren sie durch eine üppige Palmenlandschaft. Es gab auch viele Reis -und Maniokfelder zu sehen. Neben der Straße herrschte reges Treiben. Überall standen Holz-und Blechhütten zwischen Kokospalmen, es qualmte an allen Ecken und Enden. Die Menschen saßen herum, stierten vor sich hin, andere hatten es eilig. Frauen mit und ohne Kinder transportierten etwas auf dem Kopf. Mal war es ein großer Korb, ein Wasserbehälter oder auch Bananen. Zwischen den Häusern und Blechbuden spielten Kinder; neben verbeulten Autos, zwischen Hühnern und Hunden. Für „Weiße“ ein völlig ungewöhnlicher Anblick.
„Jonas, wo sind wir bloß hingeraten? Kann man denn so leben?“
Johanna war deprimiert. Wie oft wurden im Fernsehen Bilder und Landschaften aus Afrika gezeigt. Dass es ein armes Land ist, wusste jeder. Nein, die gezeigten Bilder konnten niemals dieses reale Leben widerspiegeln. Jonas gab keine Antwort. Johanna hatte Recht. So hatte er sich Afrika auch nicht vorgestellt, aber nun waren sie da und es konnte ja nur besser werden.
„Sieh mal, hier auf der Karte kommt nur noch Ngombeni und Tiwi, danach schon Diani Beach. Wir sind sicher bald im Hotel, Johanna.“ In der Stimme von Jonas lag Vorfreude. „Dann haben wir 35 km hinter uns, vorausgesetzt, dass die Angaben stimmen.“
Johanna gab keine Antwort. Was sie unterwegs alles gesehen hatte, lag ihr einfach auf dem Magen. Dennoch war sie auf das Hotel neugierig. Es sollte zwischen Korallenfelsen stehen. Das war schon ungewöhnlich. „Ich freue mich, wenn wir bald im Hotel sind, Jonas.“
Der Empfang im Hotel war sehr herzlich. „Jambo Mama, Jambo Papa“ wurden beide begrüßt. Als alle Formalitäten erledigt waren, wurden Johanna und Jonas zu ihrem Zimmer gebracht.
Das Gebäude lag in einer schönen Gartenanlage im zweiten Stock.
„Guck mal Jonas, überall stehen Palmen. Wir können auch das Meer sehen. Wir werden schnell die Koffer auspacken und danach sehen wir uns erst einmal das Hotel an. Wir essen ja sowieso erst abends“.
„ Wir können die Koffer ja auch später noch auspacken und gleich losgehen?“, erwiderte Jonas. „Nein, erst auspacken. Wir wollen die Sachen ja noch anziehen und ich habe keine Lust ganz zerknittert auszusehen! Alles ist wirklich lange genug im Koffer zusammengepresst gewesen.“ Johanna wollte nicht weiter diskutieren. „Männer“ grummelte sie vor sich hin und fing mit dem Aus-und Einräumen an. So langsam ging ihr die Klimaanlage gegen den Strich. Draußen war es so schön warm, aber in ihrem Zimmer erschien es Johanna viel zu kühl. „Jonas, sieh lieber einmal nach, wie man die Klimaanlage abstellt. Hier ist es einfach kühl. Wir sind in Afrika und ich möchte lieber schwitzen als frieren!“
„Ich werde nachsehen, aber bist Du nicht endlich fertig? Das dauert ja ewig“. Na toll, dachte Johanna, gleich am Anfang wird genörgelt. Das braucht im Urlaub ja kein Mensch. Sie legte schnell noch die Bücher auf den Nachttisch und sagte:
„ Du hättest Dir besser eine kurze Hose angezogen als mich zu drängen schneller zu sein.“ „ Stimmt, aber dazu brauche ich sicher nicht lange“, erwiderte Jonas.
„Oh, hier sind aber viele Treppen.“ Johanna war nicht gerade in bester Laune. Keiner Wunder nach dem Flug und der doch recht langen Anfahrt. Sie war einfach nur müde und am liebsten hätte sie sich einfach auf´s Bett gelegt und ein paar Stunden geschlafen. Aber nein, Jonas wollte gleich das ganze Hotel erkunden. Bei drei Wochen Urlaub hätte das ihrer Ansicht nach schon noch Zeit gehabt, aber Jonas war unermüdlich.
Es war gerade Flut. Die Wellen schlugen an den Strand.
„Was wird denn hier angeschwemmt?“, fragte Johanna. „Das ist ja ganz schwarz?“
„Seegras“, erwiderte Jonas. „Man sagt, dann ist das Meer gesund. Weißt Du, die Fische können im Seegras laichen. Was Du hier siehst, sind abgestorbene Blätter.“
„Und wo ist das Korallenriff? Ich kann es nirgends finden?“, fragte Johanna.
„Warte doch ab bis Ebbe ist, dann siehst Du es sicher. Ich bin auch gespannt, wie weit es vom Strand entfernt ist.“
Jonas hatte schon Bilder gesehen, auf denen es abgebildet war. Es hatte ihm gefallen, denn da der Indische Ozean auch Haie beherbergte, war das Korallenriff ein Schutz für die badenden Menschen. Davon hatte er Johanna allerdings nichts erzählt. Man soll Frauen nicht unnötig beunruhigen. Er war schon froh, dass sie nicht die Flosse bei der Ausfahrt der Fähre aus dem Hafen von Mombasa gesehen hatte. Logisch, dass Haie im oder am Rand des Hafenbeckens gar manches zu fressen finden. „Lass uns noch etwas trinken gehen und dann ziehen wir uns für das Abendessen um.“
Abends im Speisesaal waren Johanna und Jonas überrascht. Alle Tische waren sauber eingedeckt und für jeden Tisch gab es einen eigenen Kellner. Beide hatten Halbpension gebucht, dass Essen wurde serviert, den Salat mussten sie sich selbst holen.
„Jonas, den Salat kannst Du gleich vergessen. Man soll hier nichts Ungewaschenes essen.“
„Denkst Du, den hätte niemand gewaschen?“ Jonas grinste, aber schon kam von Johanna die Antwort: „ Ist das Wasser denn auch sauber, mit dem der Salat gewaschen wird?“ Das wusste Jonas natürlich auch nicht und so beschlossen beide, auf den Salat einfach zu verzichten.
Nach einem Abstecher an der Bar, fielen beide todmüde ins Bett und schliefen bis in den frühen Morgen.
Als Johanna am nächsten Morgen aus dem Fenster sahen, staunte sie nicht schlecht.
„ Jonas, da sind Affen! Guck mal“, rief Johanna. „Sind die niedlich. Ob die beißen?“
„Keine Ahnung, aber sicher sind sie an Menschen gewöhnt, wenn sie so durchs Hotel springen“, kam die Antwort.
„Das sind Grüne Meerkatzen, ich habe über sie gelesen“, sagte Johanna. „Das darf doch nicht wahr sein, guck mal, da schießt jemand mit einer Steinschleuder auf sie!“ Johanna ging wütend auf den Balkon und rief ganz laut „No!“ Der Boy grinste nur und verschwand hinter einem Gebäude. „Wie kann man denn auf Affen mit einer Schleuder schießen!“ Johanna konnte das nicht verstehen.
„Ich weiß, dass sie manchmal zu einer Plage werden können“, sagte Jonas.
„Das ist kein Grund, eine Schleuder zu nutzen!“ Johanna hatte dafür kein Verständnis. „Man könnte sie doch auch einfach so verjagen!“
„Johanna, komm lass es gut sein. Wir sind hier in einem fremden Land und völlig ahnungslos. Sie werden schon ihre Erfahrung mit diesen Tieren haben. Lass uns lieber gehen.“
Als beide später mit einem Ehepaar ins Gespräch kamen und von den Affen erzählten, wurden sie von der Frau gewarnt. Die Affen können kräftig zubeißen. Eine Touristin musste nach so einem Biss nach Mombasa ins Krankenhaus. Diese Affen haben Bakterien, die Europäer nicht vertragen. Dieses gilt natürlich für alle Tiere. Mit dieser Warnung hatte sich für Johanna und Jonas das Thema erst einmal erledigt.
Später lagen sie unter Palmen am Strand.
„Hier gibt es ja wirklich eine Vielzahl von fremden Tieren“, rief Johanna. Da an dem Stamm sitzt ein Gecko.“
„Das ist aber nichts Besonderes oder?“
„Doch, denn das ist ein Gelbkopf-Zwerggecko!“
„Sag´ bloß, Du hast ihn sofort erkannt?“ Johanna und die Tiere. Selbst in Kenia fand sie alle toll.
„ Ich habe Dir doch gesagt, dass ich viel über Kenia gelesen habe. Auch über die Artenvielfalt. Dieser hier hat einen gelben Kopf und einen blauen Körper. Guck doch, am Hals ist er fast schwarz. Deshalb ist es ein Männchen.“
„Was Du so alles weißt!“
„Ja, weiß ich auch. Die Weibchen haben einen hellen Hals.“
„Das Bild habe ich mir auch gemerkt. Sicher meinst Du nicht den Hals, sondern die Kehle.“ verbesserte Jonas Johanna.
„Sei nicht so pingelig, wenn Du das Bild auch gesehen hast, dann weißt Du ja was ich meine.“
Es sollte aber nicht das einzige fremdartige Tier bleiben.
Eines Tages war ein Gezeter und Geschrei oberhalb vom Pool. Einige Boys schlugen auf etwas ein. Ziemlich hellgrün sah das Tier aus. Es bäumte sich immer wieder nach oben.
„Das ist eine Grüne Mamba“, rief der herbeigeeilte Bademeister.
Johanna sträubten sich die Haare. Im Hotel eine Grüne Mamba?
„Keine Sorge“, sagte der Bademeister, „die sind schon mal da. Meistens leben sie in Bäumen oder Sträuchern.“
Super, dachte Johanna, dann muss man ja überall aufpassen. Ein Glück, dass der Bademeister sehr gut deutsch sprach. Auf Englisch hätte sie sicher nicht alles verstanden.
„Diese Schlangen sind auch für Menschen giftig. 10 bis 20 mg genügen schon. Man muss sofort ins Krankenhaus.“
Johanna war bedient. Zum Glück fiel ihr ein, dass Schlangen normalerweise Menschen nicht angreifen. Eben nur, wenn sie sich bedroht fühlten. Auf jeden Fall wollte sie nirgends im Gras barfuß laufen.
Im Innenhof des Hotels gab es einen kleinen Teich. Sie gingen nur selten dort hin, denn sie hatten ja zu Hause gelesen, dass man stehende Gewässer meiden sollte, aber die Webervögel zogen beide an wie ein Magnet. Diese kleinen Vögel gehören in die Ordnung der Sperlingsvögel. Sie flochten in dem Schilf ihre Nester.
„Das muss ein Männchen sein“, sagte Johanna zu Jonas. „Die Männchen fangen an zu bauen und wenn alles dem auserwählten Weibchen gefällt, dann vervollständigt sie den Innenausbau. Das ist ein langer Weg bis dahin, denn die Weibchen sind sehr wählerisch. Aus diesem Grund bauen die Männchen mehrere Nester, denn eines wird ihr ja sicher gefallen. Sieh doch mal, sie bauen von oben nach unten!“ Jonas freute sich auch über die kleinen gelben Vögel und antwortete:
„Die Männchen sehen wieder einmal schöner aus. Guck, die Männchen sind gelb-schwarz und dort sitzt ein Weibchen. Das ist nur gelb.“
Er war froh, dass Johanna nicht gesehen hatte, wie eine Krähe sich einen Vogel geschnappt hatte. Das mochte sie gar nicht. Sie war immer auf der Seite der schwächeren. Das große Vögel auch etwas fressen mussten, übersah sie einfach.
So gingen die Tage dahin. Beide hatten keine Lust auf eine Mombasa Tour oder gar auf eine Safari.
„Wir könnten doch einmal ein Stück der Straße entlang laufen“, fragte eines Tages Johanna. „Es gehen doch immer Touristen dort bis zu einem Geschäft hin. Wir laufen einfach mit oder?“
Jonas war einverstanden, denn bis jetzt hatten sie ja nur das Hotel kennengelernt. Das war wirklich Erholung pur! Morgens faul in der Sonne liegen, schwimmen und lesen; essen, trinken, schlafen und am nächsten Tag begann alles wieder von vorne.
So liefen sie aus dem Hotel nach links eine kurze Strecke der Straße entlang. Es gab da nicht viel zu sehen. Bis auf eine Regentonne, die wie einen kleinen Eingang hatte. Von dort krabbelte ein kleines Mädchen heraus, aber bevor sie auf die beiden Zulaufen konnte, drehten Johanna und Jonas um. „Wir hätten irgendeine Süßigkeit mitnehmen sollen“, sagte Johanna.
„Nein“, erwiderte Jonas. „Süßigkeiten machen zwar allen Kindern Freude, aber überlege doch einmal, gibt es hier vielleicht in der Nähe Zahnärzte? Wenn sie von allen Touristen nur eine Kleinigkeit bekommen, dann wird das über den Tag verteilt doch ganz schön viel. Ich denke nicht, dass das für die Zähne gesund ist.“
„Ja, Du hast Recht, Jonas.“
Daran hatte Johanna überhaupt nicht gedacht. Sicher, viele hatten gesagt, man solle Süßigkeiten oder Kugelschreiber verteilen. Letztere waren dann doch sinnvoller. Schade, dass sie von zu Hause keine mitgenommen hatten, aber das war nun nicht mehr zu ändern.
Sie liefen zurück.
„Dann lass uns einfach noch nach rechts laufen. Vielleicht ist dort ja wenigstens ein Geschäft oder ähnliches.“
Johanna wollte noch nicht zurück ins Hotel. Irgendetwas musste es ja noch zu sehen geben. Tatsächlich kamen sie an einen Laden und gingen hinein. Andenken, Kleidungsstücke und allerlei Schnick-Schnack waren zu sehen. Johanna gefielen die vielen aus Holz geschnitzten Tiere. Sie stellten alle wilden Tiere aus Afrika dar.
„Sollen wir solche Elefanten mitnehmen?“ Johanna fragte vorsichtig, weil sie wusste, Jonas hielt sowieso nichts von Souvenirs.
„Nein, das lassen wir sein“, kam auch prompt seine Antwort. „ Irgendwann sieht die sowieso keiner mehr an.“ Johanna schmollte eine Weile. Im Stillen gab sie ihm natürlich Recht. Auf Dauer waren alle Figuren nur Staubfänger, aber eigentlich...... Sie fand sie eben schön.
„Vielleicht sind die Figuren bei den Beach-Boys am Strand billiger?“ Johanna hatte viele am Strand gesehen, die mit Touristen handelten. Oft verjagte sie der Bademeister, aber das war mehr oder weniger nur zum Schein. Kaum war er wieder in der Hotelanlage, kamen sie zurück und ließen sich bei ihren Geschäften nicht stören. Ein tägliches Spiel. „Lieber nicht, die hauen uns sowieso nur über´s Ohr und außerdem mag ich nicht handeln.“
Damit war die Sache also erledigt.
Irgendwie herrschte eines Morgens eine gewisse Unruhe unter den anwesenden Afrikanern. Manchmal sah Johanna einen einzelnen Mann ganz oben auf der Treppe zum Pool stehen. Er suchte irgendetwas am Strand, aber was?
Die Flut ging gerade zurück. Bald konnte man das vorgelagerte Riff sehen.
„Jonas, guck einmal dort oben an der Treppe steht ein Afrikaner, der nicht ins Hotel gehört.“
„Ich sehe darin nichts Besonderes. Vielleicht ist er von WWF?“
„WWF? Kannst Du mir sagen was das heißt?“.
„Kann ich“, lachte Jonas.
„World Wildlife Fund . Zuerst sollten nur die Regenwälder geschützt werden, aber dann wurden daraus immer mehr Naturbereiche. Vor allem auch seltene oder vom Aussterben bedrohte Tiere. Hast Du das neulich nicht in der Zeitung gelesen? Der Name wurde geändert in: „World Wilde Fund For Nature“, auf Deutsch „Welt-Naturstiftung“.
Die Abkürzung vom Anfang ist aber geblieben.“
„Nein, das habe ich sicher überlesen. Ich bin mir aber sicher, dass diese
Menschen Uniformen anhaben und nicht so aussehen wie dieser Mann dort oben. Jetzt sieht er durchs Fernglas. Wenn der Bademeister kommt, werde ich ihn fragen. Der weiß das sicherlich.“
„Tu das, damit Deine Neugier gestillt ist.“
Johanna wartete bis der Bademeister geduscht hatte. Das tat er jeden Morgen bevor er seine Arbeit begann. Ein reinlicher Mensch, dachte sie zuerst, aber dann erfuhr sie, dass er zu Hause gar keine Gelegenheit zum Duschen hatte. Ja, sie waren eben in Afrika.
„Hast Du eine Ahnung was der Mann dort oben an der Treppe für eine Funktion hat?“, fragte Johanna.
„Ja, habe ich“, war seine etwas knapp geratene Antwort.
Eigenartig, dachte Johanna. Er ist doch sonst immer so freundlich. Es lag etwas in der Luft. Das spürte sie, aber vielleicht hatte er auch nur nicht gut geschlafen. Er hatte ihnen ja erzählt, dass sie keine Klimaanlage hatten. So einen Luxus gab es nur für Reiche Afrikaner oder eben für Touristen.
Sie nahm sich vor, weiter auf diesen Unbekannten zu achten.
Am Strand war unterdessen alles wie immer. Die Beach -Boys standen bei den Gästen und plauderten in den verschiedensten Sprachen. Einige gingen wütend weg, weil manche mit ihnen nichts zu tun haben wollten. Immer wieder wurden Fahrten zum Riff angeboten.
„So eine Fahrt könnten wir auch machen oder?“, fragte Johanna. Salomon, ein junger Kenianer, hatte sie schon öfters angesprochen. Für zwanzig D-Mark wolle er sie hinfahren.
„Nein, das ist ja viel zu teuer. Wir können auch bei Ebbe bis dorthin alleine laufen oder schaffst Du diese Entfernung nicht?“
„Wieso soll ich die paar Meter nicht schaffen?“ Johanna war leicht angesäuert. Sie hätte gerne den jungen Mann etwas verdienen lassen, aber das wollte sie Jonas nicht so sagen.
„Ich schaffe das schon. Wir laufen gleich los, wenn die Ebbe anfängt. Dann schaffe ich das ohne mit der Wimper zu zucken. Mit Badeschuhen wäre es natürlich besser, aber Du hast gesagt, wir brauchen keine!“
„Ja, ich hatte ja nicht ahnen können, dass wir zum Riff laufen würden.
Komm, wir laufen weiter am Strand entlang.“
„Was ist denn jetzt los?“ Johanna sah entsetzt Jonas an. Hinter ihr kam der Mann von der Treppe mit einem Knüppel in der Hand an ihr vorbei gestürmt. Alle Beach-Boys rannten so schnell sie konnten weg, aber schon kam noch ein Afrikaner mit einem Knüppel. Auf jeden, den sie noch erwischen konnten, schlugen sie brutal ein.
„Nein“, schrie Johanna. „Sie haben doch gar nichts Böses getan!“
„Polizei! Das sind Banditos. Wir werden sie schon alle noch einfangen“, antwortete der Afrikaner.
„Sei ruhig, Johanna, Du machst es nur schlimmer. Komm schnell, wir gehen ins Hotel zurück.“ Jonas wollte keinen Kontakt zur Polizei. Von ihr hörte man nichts Gutes. „Komm schon, wir können keinem helfen!“
Bedrückt erreichten sie das Hotel. Gleich am Anfang standen mehrere Elefanten aus Holz, die die Beach-Boys schnell hatten fallen lassen. „Die bringe ich aber in Sicherheit. Morgen lege ich sie dann wieder genau an diese Stelle zurück.“
„Wenn Du meinst.“ Jonas war auch nicht gerade über diesen Einsatz der Polizei erfreut. Allerdings fragte er sich, ob es auch wirklich Polizisten waren.
Sie blieben noch eine Weile am Strand stehen und beide hingen ihren Gedanken nach. Ein Beach-Boy war noch in der Nähe vom Riff, aber die Flut kam und was machte er dann? Die beiden Polizisten standen noch da. Sie grinsten, denn sie wussten, dass die Flut ihnen helfen würde. Sollte der Beach-Boy ruhig noch eine Weile da draußen denken, er sei in Sicherheit. Die Flut würde ihn schon zurück bringen.
Ganz so lange warteten die beiden aber nicht. Sie schnappten sich einfach ein Boot und ließen sich zu dem Beach-Boy hin rudern. Mit ängstlichem Gesicht begann er zu rudern. Man sah ihm an, dass er dieses nur widerwillig tat, aber er konnte sich nicht gegen die Polizisten wehren. Vor dem Gefängnis hatten sie alle Angst. Die Polizisten zerrten den Beach-Boy ins Boot und schlugen heftig auf ihn ein.
„Nein, mehr sehe ich mir jetzt aber nicht mehr an. Mir ist schon ganz übel.“
„Du hast Recht Johanna, ich mag das auch nicht weiter verfolgen. Wir sind sowieso machtlos. Wir gehen ins Zimmer und dann gibt es sowieso bald Essen.“
„Oh, an Essen brauche ich erst einmal nicht denken. Nur schnell weg von hier.“
Beim Essen war Johanna immer noch recht schweigsam. Wie konnte man denn so auf einen Menschen einschlagen?
„Ich werde morgen früh gleich den Bademeister danach fragen, ob das hier immer so ist.“
„Ja, der weiß das sicherlich.“
Jonas las gerade die Menü-Karte.
„Was magst Du denn essen, Johanna? Es gibt Kalbfleisch mit Thunfischsoße oder gegrillten Fisch mit Soße. Sieh doch einmal, sie haben sogar Consomme Brunoise hingeschrieben.“
„ Ja, sie geben sich wirklich alle Mühe, aber ich esse lieber gegrilltes Hühnchen mit Kartoffeln und Gemüse.“
„Das Apfelkompott danach lasse ich weg. Dafür nehme ich den Kenia Käse und den Kenia Kaffee hinterher.“
Na endlich, dachte Jonas. So langsam erhellte sich das Gesicht von Johanna wieder. Sie war eben doch recht sensibel. Nicht, dass es ihm nichts ausgemacht hätte, aber was hätten sie denn tun sollen. Gegen die Polizei in Kenia sollte man sicherlich nicht aufmucken.
Am nächsten Morgen wartete Johanna auf den Bademeister. Als er kam begrüßte er alle mit Jambo und begann mit seinem täglichen Duschbad. „Warum werden die Afrikaner denn geschlagen?“ Johanna wollte es gleich wissen und nicht erst warten, bis der Bademeister Lust zum Plaudern hatte.
„Sie haben keine Arbeitserlaubnis“, kam die knappe Antwort.
„Aber deshalb muss man doch nicht auf sie einschlagen, oder?“
„Bei uns ist das so. Sie wissen alle, wie gefährlich das Handeln ohne Erlaubnis für sie sein kann. Die Erlaubnis kostet allerdings Geld, das viele dafür gar nicht haben. Sie müssen ihre Kinder ernähren und Schulgeld bezahlen. Werden die Beach-Boys geschnappt, kommen sie direkt ins Gefängnis. Dort müssen sie lange auf eine Verhandlung warten. Es ist alles sehr traurig, aber ich kann auch nichts dagegen tun.“ Nach diesen Sätzen ging er seine Runde. Ihm war es unangenehm über die kenianische Polizei zu reden. Wahrscheinlich hatte er sowieso vor ihr Angst.
So nahm Johanna die geretteten Holzelefanten und stellte sie an einen Felsen am Strand. Es dauerte nicht lange als eine Stimme sagte:
„Assante sana, Mama.“
Es war der Beach-Boy, dem sie gehörten. Er strahlte über das ganze Gesicht. Johanna freute sich mit ihm. Es sind eben manchmal die kleinen Taten, die eine frohe Stimmung erzeugen.
„Mama, kommst Du mit Papa mit zum Riff?“
Johanna hatte sich mittlerweile an diese Anrede der Beach-Boys gewöhnt. Wussten sie keinen Namen, dann reichte Mama und Papa.
„Ach nein, heute nicht“, erwiderte Johanna.
„Wir laufen lieber morgen ganz früh los.“
Sie besprach alles mit Jonas. Es war nicht so weit bis zum Riff. Beide würden spielend den Weg hin und zurück schaffen bevor die Flut kam.
„Ja, wenn wir Badeschuhe hätten?“
Johanna hatte wohl in dem Geschäft an der Straße welche gesehen, sogar einige anprobiert, aber sie hatten ihr entweder nicht so richtig gepasst oder nicht gefallen.
„Wir schaffen das auch ohne Schuhe. Wir müssen nur aufpassen, dass wir uns nicht in irgendeinem Loch die Knöchel verstauchen.“ Jonas sah darin überhaupt kein Problem.
„Lass uns auch ein Hemd oder T-Shirt mitnehmen. Nicht, dass wir uns einen Sonnenbrand holen. Vor allem auch einen Hut.“
„Ja, ja und eincremen müssen wir uns auch.“
Jonas lachte. Johanna dachte wirklich an alles. Nur gut, dass das Thema Polizei nun vergessen war.
Am nächsten Tag liefen sie zum Riff.
„Ich habe gelesen, es sind etwa sechshundert Meter bis zum Riff. Ob das stimmt?“
„Meine Schritte zähle ich aber nicht. Ich gucke lieber nach Tieren.“
Jonas wollte nicht immer alles hundertprozentig wissen.
„Weißt Du, was das für ein Riff ist?“, fragte Johanna weiter.
„Meiner Ansicht nach ist es ein Saumriff. Ich habe einmal die
Abbildungen von den verschiedenen Riffarten gesehen. Saumriffe sind häufig. Ich kann mich aber auch irren.“
„Wenn es eines ist, dann hat es sich von der Küste aus zum Meer ausgebreitet. Ist doch gut, wenn man vor einer Reise sich über alles informiert.“
„Schon, aber nicht jeder hat Interesse an der Natur.“
„Da hast Du Recht, denn sonst würden die Touristen nicht jede Menge Muscheln mit nach Hause nehmen. Hast Du den Muschelverkäufer am Strand gesehen?“
„Ja, habe ich. Er wollte mir auch welche verkaufen. Allerdings wird er nicht lange dort sitzen, denn die Männer vom WWF habe ich schon durchs Hotel laufen sehen.“
„Dann ist ja schon wieder jemand auf der Flucht!“
„Ich denke, die vom WWF sind nicht so brutal. Fang´ aber bitte nicht wieder davon an. Guck lieber genau wohin Du trittst. Halt, dort ist ein Seeigel.“
Johanna hatte ihn schon längst bemerkt. Sie hatte einmal in Jugoslawien eine Anzahl von Stacheln in der Hand gehabt. Das fand sie nicht witzig und deshalb war sie immer vorsichtig.
„Kannst Du Dir vorstellen, wie schwer das Leben hier für all die kleinen Lebewesen ist? Auch für die Korallen, Algen und Weichkorallen. Das Riff-Dach ist ja unheimlich dem Wind und den Wellen ausgesetzt.“
„Das ist schon ein richtiges Naturwunder. Deshalb muss man es unbedingt schützen.“
„Jonas, komm schnell. Was sind denn das für welche?“
„Liebe Güte Johanna, ich habe zwar sehr viel darüber gelesen, aber ein
Experte bin ich bei all den Lebewesen auch nicht.“
„Komm einfach und sieh sie Dir an.“
In einem kleinen Wasserloch befanden sich winzige Fische.
„Das sind Gobies, die kleinsten Fische hier am Riff.“
„Gobies?“
„Ja, das sind wohl die kleinsten Wirbeltiere. Toll, dass Du sie entdeckt hast.“
„Der sieht fast durchsichtig aus. Sieh einmal, an seinem Kopf sind lauter dunkle Punkte. Aber ehrlich, wo hast Du das denn gelesen?“
„Ach, Du musst mir auch immer den Spaß verderben, Johanna. Das hat mir der Bademeister gesagt. Er meinte, vielleicht haben wir ja Glück und wir sehen einen.“
„Und woher weiß er das?“
„Vielleicht aus der Schule? Sie leben doch hier am und mit dem Riff. Da lernt man sicher auch einiges über die Fische. Es fahren ja auch viele zum Fischen hinaus aufs Meer.“
„So kann es sein, aber dort ist ein Einsiedler-Krebs.“
Beide kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Eigentlich sah das Riff von weitem gar nicht so toll aus, aber nachdem sie mitten drauf standen, war es doch ein Erlebnis. Sie blieben noch eine Weile. Die Hotelanlage konnten sie von weitem sehen und all das Treiben am Strand.
„Jonas, am Hotel sieht man Kamele.“
„Dann lass uns wieder zurück laufen. Vielleicht treffen wir ja noch auf sie.“
So liefen sie wieder vorsichtig zurück. Johanna taten mittlerweile die Füße weh. Immer wieder war irgendetwas spitzes unter ihren Fußsohlen. Auf Dauer war das kein Vergnügen.
„Ohne Schuhe ist das Laufen echt schwierig“, brummelte auch Jonas vor sich hin.
„Sollten wir noch einmal so eine Tour machen, dann kaufen wir uns wirklich Badeschuhe oder?“
„Meinst Du, wir fliegen noch einmal nach Kenia?“
Ja, das war die Frage, die beide beschäftigte. Allerdings hatte noch keiner sie ausgesprochen.
Als sie wieder am Strand angekommen waren, sahen sie die Kamele in voller Größe. Drei ausgewachsene und ein noch junges. Freudestrahlend lief Johanna auf sie zu. Sicher ist ein Kamel nichts weltbewegendes, aber so ganz aus der Nähe war es doch etwas anderes. Ob sie es wohl einmal streicheln durfte?
Die Afrikaner, die ganz in der Nähe saßen, beobachteten sie. Egal, sie ging ganz nahe heran. Da rief Jonas: „Johanna, lass es lieber sein.“
Und ehe sich Johanna sich versah, standen die Afrikaner um sie herum.
„Mama, möchtest Du darauf reiten?“
„Nein, ich möchte sie nur streicheln. Jonas, hole doch einmal den Foto.
Das ist doch einmal eine schöne Aufnahme.“
„Mama, ein Foto kostet Geld.“
„Nur für ein Foto mit Kamelen, die sowieso da stehen?“
„Ja, Foto kostet Geld.“
„Johanna, bleib weg. Für Geld brauchen wir kein Foto!“
Johanna war enttäuscht, aber die Afrikaner gaben nicht nach. Dann eben nicht, dachte sie und ging zu Jonas zurück. Dieser hatte den Foto schon in der Hand und grinste.
„Komm, lass uns zur Liege gehen. Mir tun meine Füße weh. Diskutieren mag ich jetzt auch nicht mehr.“
„Hast Du gesehen, die Afrikaner sehen echt wie Kameltreiber aus, die man so von Aufnahmen her kennt.“
„Stimmt“, antwortete Johanna. „Sie sind sicher keine richtigen Kenianer.
Ihre Vorfahren waren eher Araber oder so eine ähnliche Rasse. Nachts wollte ich ihnen auch nicht begegnen.“
„Wir gucken sie uns von weitem an und wenn wir wieder zu Hause sind, zeige ich Dir einmal ein schönes Bild.“
„Wieso ein Bild?“
„Du kennst mich doch schon über fünfundzwanzig Jahre, oder?
Dann müsstest Du wissen, dass ich auch ohne Geld eine Aufnahme hinbekomme. Ich hoffe nur, dass das Bild etwas geworden ist.“
„Das sieht Dir ähnlich. Aber toll, ich freue mich schon darauf.“
„Heute ist hier ja richtig etwas los! Jonas, da kommen Massai!“
Von weitem hatten sie sie schon öfters gesehen, aber nun standen sie ziemlich in der Nähe.
„Die sehen ja toll aus. Komm` Jonas, wir gehen einfach einmal zu ihnen hin.“
„Wenn Du es unbedingt willst.“
Jonas hatte das ewige Händeschütteln eigentlich satt. Jeder Beach-Boy wollte eine Hand und wenn er sie ihm nicht gab, kam es Jonas vor, als sei der Afrikaner beleidigt. Dafür drückten sie dann umso mehr Johannas Hand. Wenn sie aber einfach einmal den Arm um sie legten, schritt er ein. Das ging ja gar nicht. Nicht, dass sie etwas wollten, aber das Anfassen ärgerte ihn doch. Vor allem, weil Johanna offensichtlich nichts dagegen hatte. Jetzt war sie tatsächlich fasziniert von den schwarzen Menschen mit den roten Tüchern. Dabei waren alle ziemlich dünn. Da Jonas sich nicht den Urlaub verderben wollte, ging er ebenfalls auf sie zu.
Offensichtlich wollten die Massai gar nichts verkaufen. Sie standen im Halbkreis auf ihre Stöcke gestützt und unterhielten sich. Dann kam aber doch einer zu Johanna und Jonas. Er sagte: „Heute Abend Massai-Tanz im Hotel. Kommst Du Mama?“
„Ach so, ich soll gar nicht mitkommen oder?“ Jonas war verärgert, doch der Massai bemerkte es sofort und fügte hinzu: „Papa Du auch?“ „Mal sehen.“ Die Antwort von Jonas fiel knapp aus. Johanna sagte vorsichtshalber nichts.
Jonas war öfters ohne Grund eifersüchtig, aber warum sollte sie sich darüber aufregen. Sie würden sowieso abends zu den schon angekündigten Massai-Tänzen gehen.
Sie gingen zurück zur Liege.
„Die Massai wollten gar nichts verkaufen“, begann Johanna das Gespräch.
„Wir hätten sowieso nichts kaufen können“, kam die Antwort von Jonas.
„Wieso nicht?“
„Ja denkst Du vielleicht, die Massai geben uns eine Quittung?“
„Ich brauche sowieso keine Quittung.“
„Hast Du vergessen, dass wir alle Ausgaben am Zoll belegen müssen?“
„Doch nicht Kleinigkeiten oder?“
„Es hieß, sie wären am Zoll sehr streng. Ich habe keine Lust auf Ärger.“ Und wegen einem Massai-Souvenir sowieso nicht. Das dachte er lieber nur.
„Dann eben nicht.“ Johanna ärgerte sich. Wie konnte man nur so genau sein. Jonas hatte ja Recht, aber mehr als etwas wegnehmen konnten Zöllner ja nicht.
Abends saßen viele Touristen zusammen an den Tischen und warteten auf die Massai. Zuvor wurde aber erst noch Jambo, Jambo Bwana gespielt. Ein Lied, dass alle mitsangen, wenigstens den Anfang des Textes. So richtig Suaheli sprechen konnte ja doch keiner. Alle beschränkten sich auf Jambo, das man zur jeder Tageszeit sagen konnte. Die Reiseprospekte waren voll mit hilfreichen Redewendungen, deshalb konnten Jonas und sie aber wenigstens asante sana (vielen Dank) und auch tafadhali ( bitte) sagen. Beide dachten sich, dass es sich so gehört, wenn man in ein fremdes Land fährt.
Die Massai kamen auf die Tanzfläche und bildeten einen Halbkreis.
Danach fingen sie an zu singen. Eigentlich waren es nur Silben die sie in gleichmäßigen Tönen von sich gaben. Dabei neigten sie sich nach vorne und beugten leicht die Knie vor und zurück.
„Die sehen genauso aus wie am Strand“, sagte Johanna.
„Ich glaube, sie haben noch ein paar Perlenketten mehr um“, erwiderte Jonas.
„Ja, die Ohrläppchen erscheinen jetzt noch länger. Das muss ja schrecklich wehtun, wenn sie so ein großes Loch gestochen bekommen.“ „Andere Länder, andere Sitten oder? Das ist nur ein Piecks, Johanna. Die Ohrläppchen werden doch dann immer mehr gedehnt. Ich denke, das könnte man bei uns in einem Piercing-Studio auch. Mit Sicherheit wäre das steriler. Ich möchte gar nicht wissen, wie sie das machen.“ „Ich habe noch gar keine Massai-Frau gesehen.“
„Ich auch nicht, aber diese kümmern sich sicher lieber um die Kinder und das Vieh.“
„Du meinst sicher müssen.“
„Stimmt, hier zählen Frauen ja nicht viel.“
Eine ganze Weile verharrten die Massai in ihrem Singsang. Danach traten einzelne hervor und fingen an, mit beiden Beinen in die Höhe zu springen. Dabei schrien sie im „U“.
„Das ist schon ein eigenartiger Tanz.“
„Jonas, das sind junge Massai . Man nennt sie Morani. Sie müssen erst noch ihre Tapferkeit beweisen. Das ist so eine Art Kriegstanz. Lach nicht, das habe ich irgendwo gelesen.“
„ Dachte ich mir“, grinste Jonas. Johanna las sowieso sehr viel. Es wunderte ihn nicht, dass sie vor ihrem Abflug nach Kenia erst noch ganz viel über Land und Leute erfahren wollte.
„Weißt Du auch wo die Massai leben?“
„Klar. Sie leben immer in der Nähe von Nationalparks. Einige wohnen in Tansania, aber die meisten im Süden von Kenia.“
„Davon sind wir hier aber ein Stück entfernt.“
„Sie werden eben hier in der Gegend irgendwo wohnen. Ich denke solange, bis die Urlauber alle wieder Kenia verlassen haben.“
„Ja, so wird es wohl sein. Hier am Strand mit den vielen Hotels ist auf jeden Fall mehr los als bei ihnen zu Hause. Frauen, die sie bewundern und dabei noch ein bisschen Geld verdienen.“
„Das musstest Du natürlich bemerken. Sie sehen nun einmal anders aus als all die anderen Afrikaner.“
Nachdem der Tanz zu Ende war, schlenderten Johanna und Jonas zu den Verkaufsständen, die die Massai aufgebaut hatten. Es gab jede Menge an Bunten Perlenarmbänder, Schlüsselanhänger mit winzigen Perlen besetzt, Sandalen, die vorne abgeschnitten waren und wohl eher für die Afrikaner von Bedeutung waren. Johanna blieb vor eine Perlenkette stehen.
„Jonas, guck mal, die sieht doch direkt schick aus. Zu meiner braunen Farbe.“
„Was soll sie denn kosten?“
„Warte, ich frage gleich einmal.“
Der Massai antwortete: „Zwanzig D-Mark.“
„Nein Johanna, das ist zu viel für so ein paar Perlen.“
„Ich versuche einmal zu handeln.“
Johanna gab noch nicht auf.
„Das ist zu viel, die kann ich nicht nehmen.“
„Fünfzehn D-Mark.“
„Nein, auch zu teuer.“
„Mama, willst Du, dass ich gar nichts verdiene?“
Das wollte Johanna natürlich nicht, aber die Perlen sahen aus wie aus einem Kinderbastelkasten. Sie waren nur hübsch angeordnet.
„Für zwölf D-Mark nehme ich sie. Sag einfach ja und Du hast sie verkauft.“
Der Massai lachte und sagte zu Jonas:
„Mama kann handeln.“
Somit gelangte die Halskette in den Besitz von Johanna.
„Die ziehst Du zu Hause sowieso nicht an.“ Jonas war sich da ziemlich sicher.
„Wer weiß, und wenn nicht, dann habe ich eben eine Erinnerung an
Kenia. Das macht ja auch nichts.“
Es war ein schöner Abend gewesen.
Johanna und Jonas saßen nachmittags nach dem Schwimmen öfters auf dem Balkon und sahen den Grünen Meerkatzen zu. Es gelang Jonas, sie immer näher heran zu locken.
„Lass das doch Jonas, das soll man doch nicht tun! Gerade erst hat eine Frau erzählt, sie hätte gesehen, wie so ein kleines Äffchen mit ihrem Bikinioberteil weg gesprungen sei.“
„Klar, Grüne Meerkatzen sind ja auch Allesfresser“, erwiderte Jonas lachend.
„ Sicher, sie mögen besonders Bikinis. Ich hatte es aber ernst gemeint.“
„Guck doch, gleich ist einer bei uns auf dem Balkon.“
Jonas ging ins Zimmer und holte sich ein Vivil.
„Was gibt das denn jetzt? Du willst doch dem Affen nicht etwa ein Vivil geben?“ Johanna war entsetzt.
Der Affe kam tatsächlich immer näher und mit einem Satz saß er auf dem Balkongeländer.
Johanna lief schnell ins Zimmer und schloss die Balkontüre. Sie hatte auf jeden Fall keine Lust sich kratzen zu lassen.
Jonas hielt dem Affen das Vivil hin. Dieser guckte und nahm ganz vorsichtig dieses kleine Stück. Zuerst roch er daran und schließlich schleckte er es weg. Unglaublich.
„Bringst Du mir noch eines Johanna?“
„Nein, ich mache die Tür nicht auf, solange der Affe da ist und außerdem kann Vivil wohl auch nicht gesund sein.“
Jonas lachte. Tiere wissen doch eigentlich von alleine, was sie fressen dürfen oder nicht. Aber gut, morgen war auch noch ein Tag.
„Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass die Grünen Meerkatzen sehr viel auf der Erde laufen? Sie turnen gar nicht so oft in den Bäumen herum.“
„ Ja, unser Balkon ist aber nicht auf der Erde. Sag´schon, was Du noch über diese Affen weißt. Eher gibst Du doch keine Ruhe.“
„ Stimmt. Grüne Meerkatzen leben immer in der Nähe von Wasser, weil sie viel trinken. Damit meine ich aber nicht das Meer, eher Seen und Flüsse. Hier muss also ähnliches in der Nähe sein.“
„Keine Ahnung, wir sind ja nur im Hotel und der unmittelbaren Umgebung geblieben. Ich denke, sie trinken hier wohl eher aus Tümpeln.“
