Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Die fiktive Protagonistin Jo Wendler greift in ihren Kriminal- und Detektivromanen unfassbare Behördenwillkür und kriminelle Handlungen auf, die sich in ähnlicher Form tatsächlich ereignet haben. Die Personen und Orte sind nicht identisch.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 478
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
KINDERHANDEL
HILFE FÜR EIN KLOSTER
DER WAHRE NESTBESCHMUTZER
ORGAN HANDEL
SENIOREN - RESIDENZ
Kinderhandel /Nestbeschmutzer - als Jo einen Ring aus Kinderprostitution und Menschenhandel aufdeckt und dieses auf Wunsch der Polizei, deutschen und tschechischen Behörden zur Anzeige bringt, wird sie zur Zielscheibe der Verbrecher, die scheinbar weitreichende Verbindungen haben und vor nichts zurückschrecken. Auf der Suche nach Beweisen kommt sie verbrecherischen Machenschaften auf die Spur. Diese führen sie zu einem Kloster, hinter dessen Mauern furchtbare Dinge geschehen.
Organ dealt - ein Tanktourist verschwindet an der deutsch-tschechischen Grenze. Wochen später taucht er mit einer Narbe im Unterbauch wieder auf. Die Detektei Jo Wendler ermittelt im Auftrag des Geschädigten und stößt auf weltweit agierende Organhändler.
In Europa gibt es immer noch unterschiedliche Regelungen zur Organspende. Während in Deutschland die Angehörigen ihre Zustimmung zu einer Organspende geben müssen, ist diese Regelung in Osteuropa, Spanien und anderen Ländern nicht notwendig. Unsicherheit und berechtigte Angst vor Missbrauch ist vielfach ein Argument gegen eine Organspende, doch diese Spende rettet Leben, vielleicht auch eines Tages das Ihre!
Die Seniorenresidenz - gegen Kinder hilft die Pille oder eine geschürte Angst die Arbeit, zu verlieren. Senioren sind eine Geldquelle, und weil diese nicht mehr sprudelt, haben sich findige Köpfe der Senioren – Residenz eine Lösung ausgedacht!
Abfahren krächzte der Lautsprecher, langsam setzte der Zug sich in Bewegung. Plötzlich wurde die Abtteiltür aufgerissen. Eine alte Dame stolperte herein und ließ sich erschöpft auf dem leeren Fensterplatz nieder. Josephine, im Freundeskreis Jo genannt, schaute sie freundlich an.
„Wissen sie noch vor einigen Jahren, wo ist die Zeit hin", sagte die alte Dame, „da waren die Fenster des Bahnhofs noch zerstört. Das haben die ganz gut wieder hingekriegt. Der alte Bahnhof wird immer moderner, nur die Menschen sind nicht mehr so gemütlich.“
Jo nickte der alten Dame bejahend zu. Freunde und Verwandte hatten ihr die Geschehnisse im Spätsommer des Jahres 1989 geschildert. Jo war damals 40 Jahre alt, sie versorgte ihren kleinen, vier Monate alten Bruder und mied die Gefahr in die Innenstadt zu gehen. Immer wieder gab es in der Innerstadt Demonstrationen und Polizeistreifen. Der Hauptbahnhof war, von bis zu den Zähnen bewaffneten Polizisten und treuen Staatsdienern völlig abgeriegelt.
Einige Hoffnungsvolle suchten eine Chance auf den Zug von Prag in die Freiheit aufzuspringen. Bei Einfahrt des Zuges fielen die ersten Pflastersteine gegen die bewaffnete Garde des totalitären Regimes. Reisende, die aus der Bahnhofshalle von den ankommenden Zügen in die Stadt wollten, wurden aufgefordert sich auf den Bahnhofsvorplatz auf die Straße zu legen. Unschuldige Bürger wurden verhaftet. Die Menschen hetzten in der Angst um ihr Leben durch die Straßen um den Hauptbahnhof, verfolgt von den Staatsbeamten. Es war ein Wunder, dass diese Ereignisse friedlich endeten, immer wieder hörte man die Rufe, „wir sind ein Volk!“
Der Zug gewann an Tempo und verließ die Stadt. Die Landschaft wurde offen und freundlich. Überall schöne Häuser und gepflegt Gärten. Das Bergmassiv der Sächsischen Schweiz ließ die Naturschönheit erahnen.
Der Zug fuhr langsam, er hatte den Grenzbahnhof erreicht.
Jo erkannte am Bahnhofsgebäude die vergitterten Fenster. Ihr lief es kalt über den Rücken. Im Sommer 1987 war es, sie hatte viele Monate das Geld zusammengespart, um mit ihrem jüngeren Bruder, das erste Mal einen Urlaub am Plattensee in Ungarn zu verbringen. Die Grenzposten holten sie und das Kind aus dem Zug, nahmen ihnen die Ausweispapiere weg und führten sie in den vergitterten Raum des Bahnhofsgebäudes. Viele Stunden verstrichen. Jo wurde untersucht, sie musste ihre gesamte Kleidung ablegen. Wie ein Pferd das beschlagen wird, die Fußsohlen zeigen, die Haare lösen, alle Verstecke am nackten Körper wurden von einer Beamtin mit Gummihandschuhen untersucht. Jo empfand noch immer Ekel vor der Entwürdigung. Dem Kind nahmen die Beamten den Walkman ab und untersuchten die Kassette auf versteckte Informationen. In der Nacht kamen zwei Herren, Jo musste ihr Einverständnis geben und daraufhin nahmen sie das Kind mit, es sollte in einem Kinderheim untergebracht werden.
Jo blieb noch einige Stunden sitzen, schwer bewaffnete Männer brachten sie in einem Kleinbus, Marke Barkas, in einen Plattenbau auf der anderen Seite der Elbe, wo sie Jo zu ihren Motiven des Urlaubs nach Ungarn befragten. Auch wenn diese Menschen ihr keine Republikflucht nachweisen konnten und sie ihren Bruder wieder erhielt, verlief ihr Leben immer in Angst vor dem Frauengefängnis und ständigen Verhörterminen.
Heute hatte sie einen Grund diese Grenze nach Jahren wieder zu überschreiten. Fünf Kilo Eierkuchenmehl, das nach einem Kinderfest übrig geblieben war, sollte sie den Obdachlosen der Mutter Theresa nach Prag bringen und sich mit einem Geistlichen der Prager Gemeinde treffen. Der Zug hatte die tschechische Grenze passiert, die Häuser waren heruntergekommen, überall Schmutz. Noch immer hielt der Zug in Usti nur eine Minute. Der Schreckenstein wirkte finster, die maroden Schienen selbst ließen den Zug ächzen.
Praha - Holeschovice, Schwester Elisabeth von der Deutschen Gemeinde stand bereits am Bahnsteig und begrüßte Jo freundlich. Sie wusste aus Briefen, dass Jo mehrere Jahre als Kind in Prag gelebt hatte und durch ihren Onkel, die Geschichte des Landes kannte. Jo fühlte sich in Prag zu Hause. Als Kind war sie mit ihren Familienangehörigen durch die Straßen gelaufen. Sie kannte die Prager Altstadt und die Kleinseite mit ihren Sehenswürdigkeiten. Ihr Cousin baute damals mit an der Metro, den Prager Frühling hatte sie im August 1968 miterlebt. Jo wandte sich zu Schwester Elisabeth und sagte mehr zu sich. „Seltsam, die meisten Ereignisse um Prag waren im August. Wann waren die zwei Fensterstürze zu Prag?"
Schwester Elisabeth bestätigte ihr, „der erste Fenstersturz war im Rathaus am Karlsplatz und erst der Zweite auf der Prager Burg. Unsere Kirchgemeinde liegt am Karlsplatz. “
Schwester Elisabeth kannte Jos Patenonkel, den Musikprofessor, der in der Karlsuniversität unterrichtete und für den Prager Rundfunk Kinderlieder komponierte. Jo vermisste den verstorbenen Onkel sehr, der ihr Sagen und Geschichten über Prag und ihre Familie erzählte. Ein Teil der Familie der mütterlichen Seite kam aus Österreich und Nordböhmen. Im Jahr 1945 mussten die Großeltern mit der gesamten Familie Haus und Hof verlassen, sie wurden nach Deutschland ausgewiesen. Damals war Jos Mutter erst 18 Jahre alt. Sie flüchtete mit vielen jungen Mädchen von Niemes über Tetschen, Teplice, Bilina in Richtung Aue, mit dem Ziel die Amerikaner zu erreichen. Junge deutsche Soldaten, noch Kinder, begleiteten und beschützen die Mädchen.
Die Wehrmachtsuniform war ihr Verhängnis, gleich hinter Tetschen wurden sie hinterrücks erschossen. In Usti wurde ein Blutbad an vielen unschuldigen Deutschen aus Rache angerichtet. Die Mädchen entgingen diesem Massaker knapp.
Eine Verwandte arbeitete als Schwester im Lazarett in Budweis. Sie geriet in tschechische Kriegsgefangenschaft und musste zwei Jahre bei einem Bauern, Sommer wie Winter barfuss das Feld bestellen. Der Bauer gab die junge deutsche Frau der russischen Besatzungsmacht zur Vergewaltigung frei. Vieh und Haustiere wurden besser verpflegt, als die deutsche Gefangene, die Abfälle des Bauern essen musste, um zu überleben.
Nach diesen Qualen kam sie als Umsiedlerin, verschüchtert und gedemütigt in die DDR. Zu ihren Erlebnissen durfte sie nie sprechen. Eine Entschädigung wurde immer abgelehnt, diese Tatsachen totgeschwiegen. Trotzdem setzten sich in der Folgezeit viele Vertriebene, für die Erhaltung von tschechischen Kirchen und Naturdenkmäler in Nordböhmen ein.
Das Eierkuchenmehl übergab Jo den Obdachlosen der Mutter Theresa in Prag. Der Geistliche der Deutschen Gemeinde erzählte, dass sich keine internationale Hilfsorganisation für Bedürftige in Nordböhmen einsetzt. Große Sorgen bereitete ihm das Schicksal der vielen Kinder der Prostituierten von der Europastraße 55, die völlig vergessen in den tschechischen Waisenhäusern Nordböhmens lebten.
Schwester Elisabeth nahm Josephine das Versprechen ab, dem kranken Geistlichen eines Gebirgsklosters zu helfen. Jo war erschüttert über den Bericht der Kirchenvertreter. Daraufhin sah sie die Hilfe für diese Waisenkinder in Nordböhmen als ihre Mission an.
Nach mehrmaligem Klingeln öffnete sich die Tür des geschützten Kinderheimes. Jo und ihre Begleitung mussten sich über die Schuhe Stofflappen ziehen und warten. Eine kleine resolute Frau, Mitte 50, Chefärztin des Waisenhauses, begrüßte die Besucher in gebrochenem Deutsch. Sie erklärte, „wir haben immer wieder um Hilfe aus Deutschland gebeten, denn die Väter der meisten Kinder sind die unbekannten Kunden der Frauen, die auf der Europastraße stehen. Keiner will davon hören.“
Sie führte die Gäste durch die zwei Gebäude. Der Putz bröckelte von den Wänden, die Wege waren zerstört und die Waschküche eine Ruine. Hingegen die Räume für die Kinder angenehm warm und sauber. Liebevoll betreuten die Schwestern die Kinder.
Die Frau Doktor seufzte, „hier leben 70 Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr. Ihre Mütter, die als Prostituierte arbeiten müssen, ließen ihre Babys in den Geburtskliniken zurück oder setzten sie aus. Der tschechische Staat stellt den Kindern nur Geld für Ernährung, Unterkunft und zweckmäßige Kleidung zur Verfügung. Wir brauchen dringend Hilfe für Anschaffungen, Kinderwagen, Reparaturarbeiten und Spielzeug.“ Die Mitglieder des Vereinsvorstandes fragten Frau Doktor, wie ist es mit Krankheiten, die an der „Roten Meile“ auftreten. Frau Doktor beantwortete diese Frage. „Die Kinder kommen nach der Klinik in ein Zentralheim, dort erfolgt die Registrierung. Sie erhalten ihre Geburtsurkunde und werden untersucht. Stellt der medizinische Dienst unheilbare Erkrankungen fest, kommen diese Kinder in ein besonderes Pflegeheim. Sie haben keine Chancen jemals in die Gesellschaft integriert zu werden oder Eltern zu finden. Ich kenne nur wenige Ausnahmen. Die Kinder, die in unserem Heim leben, sind gesund. Täglich mache ich Visite. Diese Kinder sind für Deutsche nicht zur Adoption freigegeben, dafür fehlen in Deutschland noch die Gesetze.“
Der Vorstand des Vereines, den Jo zu dem Hilfszweck mit einigen Gleichgesinnten gegründet hatte, schloss mit der Ärztin einen Patenschaftsvertrag ab. Jo schrieb unzählige Bettelbriefe an Betriebe, Vereine und Politiker, um sie auf die vergessenen Kinder an der deutsch-tschechischen Grenze aufmerksam zu machen.
Das gesellschaftskritische Magazin eines privaten Fernsehsenders griff das Problem auf und versprach Jo mit einem Filmbeitrag dem Kinderheim zu helfen und einen Spendenaufruf in Deutschland zu senden. Jedoch die Chefärztin des Kinderheimes begegnete den Medienvertretern mit Zurückhaltung und Misstrauen. Seit 1994 versuchten nationale und internationale Fernsehsender erfolglos die Öffentlichkeit auf die Probleme der „vergessenen Kinder der Prostituierten” aufmerksam zu machen. Diese Ablehnung spürte auch das Fernsehteam das Jo unterstützte. Sie standen vor verschlossenen Türen, Frau Doktor lehnte kurzfristig die Dreharbeiten ab. Völlig entnervt rief der Redakteur seinen Chef in Deutschland an und schilderte die Situation.
Von Deutschland kam die Antwort, „sie haben eine tatkräftige Frau im Team, machen sie sich keine Sorgen!”
Damit lag die gesamte Verantwortung bei Jo. Dank ihrer tschechischen Sprachkenntnisse wurde sie bei der örtlichen Polizei vorstellig. Der Polizeichef verständigte den Bürgermeister über Polizeifunk. Dieser verließ vorzeitig eine Beratung in der Kreisstadt und kam ins Hotel, wo das Fernsehteam Quartier genommen hatte, zur nächtlichen Krisensitzung.
Der Redakteur war erleichtert und meinte tief aufatmend, „bloß gut, dass wir nicht in Prag sind!”
„Warum?”, fragte ihn Jo völlig ahnungslos.
„Dann hätten Sie uns den Präsidenten herzitiert!“
Die Chefärztin wurde vom Bürgermeister von dem ehrlichen Hilfsangebot aus Deutschland überzeugt.
Es war Februar, eisige Kälte, im Gebirge hoher Schnee, das Drehteam hatte sich warm angezogen. Nach der Beratung mit dem Bürgermeister brach das Drehteam nochmals auf, um Impressionen von der belebten Europastraße einzufangen. Die Dreharbeiten waren durch die Hilfe des Bürgermeisters und der Polizei noch effektiver.
Der Sendetermin des Beitrages sollte nach vier Tagen erfolgen. Der Redakteur hielt einen Brief in der Hand und begann seine Berichterstattung. „Dieser Brief hat die Redaktion sehr bewegt!”
Er sprach weiter, seinen Standardsatz, „ein Bericht sehr persönlich aus dem Leben, Reporter decken auf!”
Dann folgte ein Filmbericht: In den Schaufenstern standen halb nackte junge Frauen und warteten auf Kundschaft. Auf der Europastraße liefen viele leicht bekleidete Mädchen, auf und ab, sie winkten und forderten die Männer auf anzuhalten.
Was das Drehteam zu sehen bekam, lies die Männer frösteln.
Eine junge Frau, kaum bekleidet, stand am Straßenrand und es schneite. Sie wiegte ihren schwammigen Körper aufreizend. Die prallen Brüste hielt nur ein kleines Schälchen, eine viel zu enge dünne Bluse bedeckte den Oberkörper, sie trug knappe Tangas und dünne hohe Absatzschuhe.
Zwei dunkelhäutige sehr junge Mädchen wurden von den Reportern befragt, wie sie sich vor Krankheiten schützen. Die Mädchen antworten kichernd, „da ist nichts mit Kondomen, die Männer wollen alles, vor allem ohne Kondome, dafür erhalten wir zehn DM, mit Kondom nur fünf DM!”
Eine Frau flüchtete vor ihrem Zuhälter ins Dunkle. Die Polizei, die die Europastraße mit Video überwachte, nahm sich der Frau an. In der Polizeistation setzte sie ihre blonde langhaarige Perücke ab. Der Kopf zeigte kahle Stellen, sie hatte sich die Krankheit an der „Roten Meile” geholt. Vor acht Monaten wurde sie unter dem Versprechen, als Verkäuferin in Deutschland arbeiten zu können, aus der Ukraine geholt. In Dubi nahmen ihr die Schlepper die Ausweispapiere ab. Sie wohnte mit drei weiteren jungen russischen Mädchen in einem neuen Quadratmeter großen Zimmer in einem Abrisshaus. Als sie sich weigerte, das Geld als Prostituierte für ihre Weiterreise nach Deutschland zu verdienen, wurde sie geschlagen. Sie bedankte sich mehrfach bei der Polizei und dafür, dass sie ärztliche Hilfe bekam, sie hatte unerträgliche Schmerzen. Sie sagte weinend, „es macht mir Angst, viele Männer scheinen sehr gute Stellungen in Deutschland zu haben, sie sprechen ein sehr gut verständliches Deutsch und kein sächsisches Kauderwelsch. Sie kommen meist in Brigade, sind auf der Geschäftsreise nach Prag und bringen kleine Präsente auf der Rückreise mit. Manchmal müssen wir dann auch noch die Taxifahrer bedienen, die eine Massage (Quickie) von uns fürs Warten geschenkt bekommen. Viele dieser Männer, die unsere Kunden sind, wissen nicht, welche Krankheiten sie mit nach Hause nehmen!“
Eine Frau gab ein Interviewe.
„Ich habe in Deutschland gearbeitet, die Zuhälter holten mich wieder zurück. Ich verdiene sehr wenig bei der großen und viel jüngeren Konkurrenz. Die deutschen Männer wollen junge Mädchen ab zwölf Jahre oder hochschwangere Frauen. Von den 100 DM, die ich mindestens täglich verdienen muss, erhalte ich nur mein Essen, Unterkunft und Kleidung. Das Leben ist sehr schwer“, dabei treten ihr Tränen in die Augen und sie spricht weiter, „für mich und die …“
Sofort eine Überblendung in das Waisenhaus Johanka. Die Sprecherin des Senders findet eine Überleitung. „Sie meinte die Kinder, die an der E 55 entstanden, bei einer kurzen Begegnung, der Frauen mit ihren Freiern. Die Mädchen müssen weiterarbeiten, in der Regel bis zur Niederkunft, Kinder sind geschäftsschädigend, also werden sie in den Geburtskliniken zurückgelassen.“
Das Kinderheim ist gemütlich, die Kinder spielen friedlich.
Frau Doktor, Leiterin des Waisenhauses spricht, „ob deutscher Vater oder tschechische Mutter, die Kinder brauchen Liebe, ein Zuhause, eine Zukunft und das können wir nur eine kurze Zeit bieten. Wenn die Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr keine neuen Eltern gefunden haben, kommen sie in das nächste Heim und so weiter.“
Dann kommt Jo zu Wort, die sich der Not der Waisenkinder angenommen hatte und der Fernsehredaktion den Brief schrieb. Jo sagte nur zwei Sätze:
„Ich möchte die Männer, darauf aufmerksam machen, was passieren kann! Der tschechische Staat gibt Unterkunft, Kleidung und Verpflegung, das kann doch nicht alles sein!”
Dann gab der Sender einige Erklärungen zur Situation ab.
Er sprach von Auslandsadoption, ein Sachverhalt, der mit Jos Hilfsaktion, Spenden für die Waisen zu sammeln, in keinem Zusammenhang stand. In diesem falschen Zusammenhang erklärte die Frauenstimme des Senders.
„Das genügt einer Frau nicht, die sich schon lange um Pflegeeltern bemüht!”
Danach folgte ein weiteres Interviewe mit der Kinderärztin des Waisenhauses. Sie erzählte den Reportern vor der Sendung:
„Die Kinder in den Heimen werden nach der Aufnahme und Quarantäne sechs Monate für tschechische Eltern zur Adoption ausgeschrieben. Da die meisten Waisenkinder der Europastraße dunkelhäutig sind, von Zigeunern abstammen, wollen tschechische Eltern diese Kinder nicht adoptieren. Dann können ausländische Paare sich um diese Kinder bemühen. Über Prag werden die Unterlagen in die zentrale Stelle nach Brünn weitergeleitet. Dabei ist es Voraussetzung, dass die Antragsteller von ihren zuständigen Adoptionsbehörden geprüft wurden und für eine Adoption im Ausland zugelassen sind. Wir haben schon 14 Kinder ins Ausland geben können. Mit den Kindern stehen wir ständig im Kontakt und lassen uns von den Jugendämtern berichten, wie es unseren Schützlingen geht. Eine Adoption nach Deutschland ist nicht möglich, weil die Bundesrepublik noch nicht der Hager Konvention, Schutz vor Kinderhandel und Kindesmissbrauch, beigetreten ist. Deshalb liegen in Brünn, aus Deutschland bereits 5.000 von den deutschen und tschechischen Behörden bestätigte Adoptionsanträge vor, die erst nach Entscheidung des Deutschen Bundestages, weiter bearbeitet werden können”.
Bereits noch in der laufenden Sendung erhielt Jo Anrufe und Faxnachrichten. Die Anrufer und Schreiber wollten spontan mit Sachspenden helfen. Viele Zuschauer fragten an, ob sie einem dieser Kinder in ihrer Familie ein Zuhause geben können. Obwohl diese Zuschauer von der Heimleiterin informiert worden, dass eine Adoption nicht möglich ist, riefen sie an, suchten einen Strohhalm und fanden wieder eine Ablehnung. Jo war von diesem Ergebnis überrascht und völlig überfordert. Sie las Briefe mit traurigen Schicksalen. Frauen wünschten sich nichts Sehnlichster als ein Kind. Durch Operationen, Schwangerschaftsabbruch und schweren Krankheiten waren sie selbst dazu nicht in der Lage. Jo und ihr Verein konnten diesen Ehepaaren nicht helfen. Sie hatten sich nie mit derartigen Problemen befasst, wussten durch die Chefärztin des Kinderheimes, dass keine Adoption aus Deutschland möglich war, weil das Hager Abkommen von Deutschland noch nicht unterzeichnet worden war. Ausgangspunkt der Hilfsaktion war, nur die Menschen in Deutschland auf die vergessenen Kinder aufmerksam zu machen und ihre Not durch Spenden zu lindern.
Zwei Tage nach der Sendung flatterte ein Brief der Behörde in Jos Briefkasten, worauf am nächsten Tag eine unnahbare Dame vom Jugendamt persönlich erschien.
Sie sagte zu Jo, „was sie tun, ist strafbar!”
Was tat Jo, was den Unmut dieser Dame erzeugte?
Sie hatte in der Fernsehaufzeichnung, nur zwei Sätze gesagt, die nichts mit den Vorwürfen der Amtsdame zu tun hatten. Diese Frau hatte nicht einmal die Sendung gesehen und sich zuerst bei dem Fernsehsender sachkundig gemacht. Es war eine Fernsehaufzeichnung!
Jo kannte vorher nicht das Ergebnis, das durch Schneiden der Texte und die Begleitansprache gesendet wurde. Sie hatte sich darauf verlassen, dass der Fernsehsender seriös berichtet und nicht einen Quotenfüller mit Halbwahrheiten ausstrahlen wollte.
Für dieses eine Mal glaubte ihr die Dame vom Amt. Sie wollte vorsorglich ihre Amtsbrüder und Schwestern in den anderen Bundesländern informieren, dass Jo mit ihrem Verein nur zum Spenden sammeln aufgerufen hatte. Die Dame konnte es sich bei ihrem Rundbrief nicht verkneifen zu vermerken, man möge Jos Tun beobachten und bei Verdachtsmomenten, Bericht erstatten. Jo übergab der Amtsdame 66 Originalbriefe zu Adoptionsanfragen, die bisher eingegangen waren und lies sich den Empfang bestätigen. Es wurde vereinbart, dass Jo wöchentlich die eingehenden Briefe beim Jugendamt abzuliefern hat. Bei der Erfüllung der ihr aufgetragenen Zwangsmaßnahme wurde sie nicht sehr freundlich von den Damen des zuständigen Jugendamtes empfangen. Das Jugendamt schickte alle Briefe mit einem behördlichen Anschreiben an alle Adoptionswilligen zurück. Selbst ein Adliger aus dem Nachbarfürstentum erhielt sein Schreiben mit einem Amtsbrief zurück.
Jo hatte den Auftrag, alle anrufenden Adoptionswilligen zu informieren, dass sie sich an ihr zuständiges Jugendamt zu wenden haben. Diese waren traurig auch aggressiv, weil sie sich um eine weitere Chance betrogen sahen.
Jo schrieb den Deutschen Bundestag an und bat um Ratifizierung des „Hager Abkommens.“
Sie erhielt von der CDU/CSU Fraktion und dem Innenministerium die Antwort, man werde sich befleißigen, der Hager Konvention so bald als möglich beizutreten.
Die Behörden der grenznahen Bundesländer schrieb Jo auch an, ihre Mission mit Fördermitteln zu unterstützen. Sie erhielt ständig Ablehnungen und war auf ihre privaten und von dem Verein zur Verfügung gestellten Mittel, lediglich Mitgliedsbeiträge, angewiesen. Die über 70-jährige Vereinsvorsitzende, die als Trümmerfrau die Landeshauptstadt mit aufgebaut hatte und die Not aus eigener Erfahrung kannte und nur von einer kleinen Rente lebte, finanzierte mit 5.000 DM die Spendenaktion vor. Sie glaubte diese Mittel wieder zurückerstattet, zu bekommen.
Die Sozialministerin aus Bayern delegierte die Verantwortung auf das zuständige Sozialministerium, mit der Bitte Jo und ihren Verein wenigstens für ihre ehrenamtliche Arbeit eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu finanzieren. Dazu gab es keine Antwort. Man schämte sich für diese Aktion der Hilfe. Nicht die „Rote Meile” an Deutschlands Grenze nach Böhmen, sondern Jo und ihr Team waren ein Schandfleck. Ihre Hilfsaktion erhielt keine Unterstützung aus den grenznahen Gebieten, wenn sie nicht konkret auf die Firmen zuging. Ihre Helfer waren, allein erziehende Mütter, Senioren und arme Menschen, die selbst Bezieher der „Tafel” waren. Sie halfen Jo, Babysachen zu stricken, zu reparieren und zu waschen. Diese Menschen durften als Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, nur 14,9 Stunden “ehrenamtlich” helfen. Auch die Behördendame vom Finanzamt zeigte Jo offen ihre Verachtung.
Sie behandelte Jo als sei sie die Prostituierte, die ihr Kind ausgesetzt hatte. Keine, auch noch so kleine Hilfe zur Spendenbearbeitung und den Möglichkeiten die Auslagen auszugleichen.
Jo bezahlte die Aufwendungen aus der eigenen Tasche und übergab alle Spenden, wie sie eingingen, an die Heime. Sie gab mehr aus, wie sie einnahm.
Jo erhielt aufgrund des Fernsehberichtes Sachspenden für das Kinderheim. Zu diesem Zeitpunkt verfügte sie noch nicht über ein Auto. So packte sie fünf Koffer und vier Umhängetaschen und fuhr gemeinsam mit der 73jährigen Vereinsvorsitzenden mit dem Taxi, dann dem Überlandbus nach Tschechien.
Die Sparkassenangestellte, die immer sehr freundlich war, staunte, als sie Jo begegnete. „Sie fahren wohl vier Wochen zur Kur nach Böhmen? So schön möchte ich es auch haben!”, stellte sie fest.
„Nein, wir fahren ins Kinderheim und bringen Spenden dahin”, berichtigte sie Jo.
Die Frau war begeistert. Sie drückte Jo Kleingeld in die Hand, „damit können sie die Fahrtkosten bestreiten.”
Im Grenzort angekommen, stand niemand vom Heim am Bus, obwohl das Heim telefonisch von dem ungewöhnlichen Spendentransport informiert war. Denn sonst hätte die Frau Doktor die Tür des Kinderheimes nicht geöffnet. So schleppten die zwei Helferinnen die schweren Koffer bis zum Kinderheim. Die Koffer wurden schnell im Empfangszimmer entleert. Zeit zum Kaffeetrinken war nicht, der Bus fuhr gleich wieder zurück, denn die meiste Zeit hatten die zwei Frauen durch das Schleppen der Koffer, zwei Kilometer vom Busbahnhof bis zum Kinderheim gebraucht.
Die Geldspenden sollten öffentlich im Haus der Kirchen in der deutsche Landeshauptstadt der Chefärztin übergeben werden. Ein Veto der Jugendamtsdame verhinderte das. Die Generalkonsulin des tschechischen Konsulats lachte darüber.
Kein Problem, dann ist die Spendenübergabe im Konsulat auf tschechischem Territorium. Zu diesem Termin waren viele geladene Gäste ins Generalkonsulat gekommen. Ein renommierter Rundfunksender hatte eine Vertreterin delegiert. Diese berichtete objektiv von der Spendenübergabe, das einzige Anliegen der Mission von Jo und ihrem Verein. Das Waisenheim erhielt einen Spendenscheck über 3.000 DM überreicht.
Ein Kinderchor sang das, von Andreas mit Hilfe des Musiklehrers komponierte Kinderlied „Johanka“.
Die Geschwister Andreas und Sabine unterstützten Jo in der Spendenabwicklung, wo sie nur konnten. Sie übernahmen den Telefondienst und sprachen mit Vertretern der Botschaft und notierten die wichtigsten Termine, wenn Jo mit dem Verein auf Spendentransport war. Zum Spielen mit seinen Schulkameraden hatte Andreas keinen Platz, da die Wohnung mit Spenden voll gestellt war. Der zehnjährige Junge spielte zur Ablenkung seiner Schwestern auf seinem Keyboard, wenn sie Bettelbriefe an Firmen und Politiker schrieben. Immer wieder erklang eine zärtliche Melodie, die Andreas selbst erdacht hatte und die Noten suchte. Die Drei fanden dazu einen Text, den Jo ins Tschechische übersetzte. Mit Unterstützung seines Musiklehrers bearbeitete Andreas den Text passend zu der Gesangstimme. Das Lied sollte bei der Spendenübergabe von einer Gesangstimme begleitet werden. Der Musiklehrer forderten nach der Veranstaltung in dem Generalkonsulat 500 DM für seine Aufwendungen; 20 Stunden Arrangement, Aufnahme im Studio für eine CD-Demo und die Gesangstimmen des Kinderchors.
Jo zahlte ihm privat sein Honorar, da sie alle eingegangenen Spenden an die Frau Doktor des Waisenheimes übergeben hatte und die Vereinskasse über eine derartige Summe, nicht mehr verfügte.
Nicht mit gegen gerechnet hatte der Gewinn orientierte Lehrer die sechs Unterrichtsstunden, die Andreas statt zu lernen, sein Lied für die Veranstaltung übte. Für den Lehrer war die Hilfsaktion eine gute Einnahmequelle.
Anders verhielten sich die Senioren, für die Andreas kostenlos musizierte. Für die Senioren eines Wohnparks, die für die Waisenkinder in Tschechien, Kleidung strickten, spielte Andreas aus Dankbarkeit zwei Jahre kostenlos auf seinem Keyboard, beliebte alte Weisen; Caprifischer, Tulpen aus Amsterdam und den Schneewalzer.
Die alten Damen liebten den ruhigen Jungen. Die Senioren bedankten sich mit dem „Blumenstrauß der Woche“ des Stadtfernsehens bei ihrem kleinen Musikanten.
Johanka Lied
Schlafet gut ihr Kinderleien,
denn hier im Heim seit ihr nicht mehr allein.
Was euch fehlt, Wärme und Glück
Johanka gibt sie euch zurück.
Menschen gibt’s in unsrem Land,
sie reichen allen Kindern ihre Hand,
wollen euch zur Seite stehn
Frau Doktors Augen strahlen sehn.
Dank dem Team von Johanka,
ist stets und immer für die Kinder da,
behütet sie das ganze Jahr,
mancher Kindertraum wird wahr.
Refrain:
Danke Johanka, Frieden, Sonnenschein,
die Kinderherzen lachen, sie sind nicht
mehr allein.
Danke Johanka, was ihr alles tut,
die Kinder sind zufrieden, denn
ihr macht ihnen Mut.
Die Chefärztin bedankte sich bei „Pani Jo” für ihre uneigennützige Hilfe. (Frau Jo ist ein Ehrenkodex).
Auch der tschechischen Präsident Havel, würdigte ihr Engagement und lies durch den Direktor der politischen Abteilung, Kancelár prezidenta republiky - CZ-Praha - Hrad, mitteilen:
„Herr Präsident hat sich sehr über Ihre Initiative gefreut. Die Aufgabe, die sie sich gestellt haben, nämlich zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik zu verhandeln, hat Herr Präsident mit großem Interesse vernommen. Ich möchte deshalb die Gelegenheit nutzen, um im Namen des Präsidenten ihre Arbeit zu würdigen.”
Selbst der tschechische Botschafter übergab der Chefärztin persönlich einen Scheck von 50 TDM direkt im Kinderheim, von Lesern einer Rheinischen Zeitung, die sich dem Spendenaufruf im Fernsehen angeschlossen hatten. Damit konnten die Gehwege und Gebäude saniert werden.
Die CDU des Kreisverbandes der Landeshauptstadt ehrte ihre Mitglieder für 40 und 50jährige Mitgliedschaft. Andreas wurde gebeten die Veranstaltung kulturell zu umrahmen und Jo durfte über ihre Mission sprechen. Höhepunkt sollte das Lied „Johanka” sein. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen und das Lied beklatscht.
Zu einer Gefühlsregung ließen sich die Zuhörer nicht hinreisen. Der Oberbürgermeister, der später kam, sollte das Lied auch hören und so wurde Andreas gebeten, nur dieses Lied noch einmal vorzutragen. Andreas spielte mit Begleitung eines Sängers des Kreuzchors das Johanka Lied. Der Oberbürgermeister bedankte sich mit einem Blumenstrauß bei Andreas.
Die ungewöhnlichen Leistungen des Kindes ließ das zuständige Sozialamt kalt. Das Amt genehmigte keinen Zuschuss für einen Landheimauffenthalt für Andreas, der fristgemäß beantragt wurde. Drei Monate nach Reiseantritt meldete sich das Sozialamt. „Der Jugendliche hat aus eigenen Mittel den Landheimauffenthalt finanziert, deshalb haben wir seinen Antrag abgelehnt.”
Eins wusste dieses Amt nicht, Andreas war aus Mangel an Geld nicht mit ins Landheim gefahren und damit aus dem Klassenkollektiv ausgegrenzt. Das Geld der drei elternlosen Geschwister reichte nicht einmal mehr für Andreas angemessene Kleidung und Schulmittel. Der Junge litt unter dem Stress, dass Jos Wohnung ein Warenlager, Telefonzentrale sowie Koordinierungsstelle für die Hilfsorganisation war. Seine schulischen Leistungen ließen nach, er musste das Gymnasium verlassen und in eine musische Realschule gehen.
Die Rabauken der neuen Klasse stürzten sich auf den ruhigen Jungen, ärgerten ihn und rempelten, wo sie konnten. Andreas kam die erste Zeit mit Kopfschmerzen aus der Schule. Der neue Klassenlehrer setzte sich für ihn ein und erklärte den Rüpeln. Andreas spricht Hochdeutsch und hat durch die Mission und Kontakte der Schwester gute Umgangsformen gelernt. Andreas bedauerte denn Schritt, das Gymnasium verlassen zu haben, denn es war immer noch sein Ziel zu studieren und in die Fußstapfen der älteren Schwester zu treten.
Die Konsulin erklärte Jo, das Kinderheim „Johanka” wurde durch ihre Hilfsaktion mehr, wie gut unterstützt. Es gibt andere Kinderheime, die noch nie Hilfe erhielten, ich werde den Kontakt zu einem tschechischen Landratsamt in Nordböhmen herstellen, damit das richtige Kinderheim gefunden wird. Wenige Tage darauf erhielt der Verein den Hilferuf eines Kinderheimes, das geschlossen werden sollte. Der Heimleiter Engel stellte das Kinderheim vor. „Unser Kinderheim liegt direkt an der Grenze an einem bekannten Ausflugsort. Der namhafte Berg wird jährlich von vielen deutschen Touristen besucht. Im Winter laden unsere Skihänge zum Wintersport ein. Unser Kinderheim existiert schon sehr lange. Es war vor dem Krieg ein deutsches Waisenhaus. Diese Bestimmung hat das Heim nach 1945 beibehalten. Das Heim besteht aus drei Gebäuden, einem Wirtschaftshaus, einer Villa und einem Schlösschen mit einem riesigen Park an alten, unter Naturschutz stehenden Bäumen. Neben dem Heim ist ein geschlossenes, baufälliges Naturtheater, für das die Stadt einen Investor sucht. In jedem Haus wohnen 20 Kinder. Zurzeit haben wir 41 Waisenkinder im Heim, davon stammen nur 15 Kinder von Prostituierten. Die Kinder sind sechs Monate bis sechs Jahre alt. Danach müssen sie in ein anderes Heim. Damit unser Heim finanziell überleben kann, betreiben wir einen Kindergarten für berufstätige Eltern. Wir nehmen nur so viele Kinder auf, dass die magische Zahl 60 nicht überschritten wird. Wie sie aus ihrer Hilfsaktion für das Kinderheim „Johanka” wissen, erhalten wir monatlich vom tschechischen Staat, pro Kind nur 70 DM, das sind ca. 1.700 Kronen. Dieses Geld teilt sich in Gehälter für die 35 Angestellten und Betriebskosten des Heimes (1,2 Kinder auf eine Angestellte - wie sieht das dagegen in Deutschland aus!), so bleiben den Kindern für Essen und Kleidung nur 20 DM, also 500 Kronen. Dafür können wir keine Anschaffungen, Spielzeug sowie Süßigkeiten kaufen. Wir brauchen dringend ein Auto, damit wir die Kinder zum Arzt fahren können, die neue tschechische Verkehrsordnung legt den Zwang von Kinderautositzen fest. Wir benötigen mindestens drei Kinderautositze, Kleidung, Lebensmittel, Windeln, Putzmittel, Bett- und Tischwäsche, eine neue Telefonanlage, Gebrauchsgegenstände und alle drei Gebäude müssen von Grund auf saniert werden.”
Schrieb der Heimleiter Engel unverwandt.
Das Firmenauto einer deutschen Baufirma fuhr in die kleine tschechische Kreisstadt im Dreiländereck. Einzelne Gebäude waren restauriert, die meisten Häuser waren verfallen. An einer zerstörten Waldbühne, stoppte das Auto. Verdeckt durch ehrwürdige Bäume sahen die Suchenden den Turm eines Schlösschens. Sie standen vor dem ehemals deutschen, nun tschechischen Waisenhaus.
Der erste Eindruck war erschreckend. Die drei Gebäude, die jeweils 20 Kinder aufnahmen, boten trotz Natur belassenen Parks, einen erbärmlichen Anblick. Das von weitem scheinende, romantische Schlösschen, wies Wasserschäden vom Dach bis zum Keller auf. Ein Wunder, dass der Putz die Wände noch zusammenhielt.
Freundlich begrüßte Heimleiter Engel, die Sozialarbeiterin Diana und die Vertreterin vom Landratsamt die Gäste aus Deutschland, Jo und zwei Bausachverständige, die der Direktor einer Baufirma, gegen eine Spendenbescheinigung von Jos Verein zur Verfügung gestellt hatte.
Ein Maßnahmekatalog für die Erhaltung des Heimes war notwendig. Die zwei Bausachverständigen begannen mit der Aufnahme der Schäden. Besser sie stellten fest, was noch in Ordnung war und dabei konnten sie ihren Aufwand reduzieren. In Deutschland drehten sich danach alle Räder der Bittstellung.
Unerwartet erhielt Jo einen Drohbrief der Dame vom Jugendamt.
„Sie haben schon wieder in der Öffentlichkeit für illegale Adoption geworben. Ich wurde von anderen Jugendämtern darauf aufmerksam gemacht.“
Ein Ehepaar schickte Jo einen Brief und drohte mit Klage, wegen Irreführung ihrer Gefühle. Wieder kamen über 400 Briefe in der Wohnung bei Jo an. Was war geschehen?
Der Fernsehsender hatte die Sendung vom Februar wiederholt, ohne Jo darüber zu informieren und die Aussagen zur Adoption zu ändern, die Jo bereits nach der ersten Sendung beanstandet hatte. Sie übergab alle Briefe ungeöffnet der Fernsehredaktion und diese schickte die Briefe mit einem Begleitschreiben an die Schreiber zurück.
Zur Besänftigung der Amtsdame erfolgte eine dritte Sendung zur Adoptionsproblematik. Die Dame vom Amt kam zu Wort.
Das, was sie sagte, war keine Neuigkeit.
„Mit Tschechien gibt es keine Verträge - also keine Adoption!”
Diesmal drehte der Fernsehsender im Heim von Engel. Frau Doktor wünschte prinzipiell keine Dreharbeiten im Waisenheim mehr. Sie wollte noch Geld aus Deutschland für die Sanierung der Gebäude haben, die alle tschechisches Staatseigentum sind.
Der Heimleiter Engel erklärte ausführlich, wie mit dem Sender abgesprochen, dass eine Adoption nicht möglich ist. Mehrere Ehepaare, die sich ein Kind wünschten, kamen zu Wort. Viele Jahre hatten sie in Deutschland auf eine Adoption gewartet, bis sie zu alt waren.
Da diese Sendung kein Spendenaufruf war, sondern nur die Adoptionsproblematik ansprach, erhielt das Heim keine Geldspenden.
Die Gründung einer internationalen Arbeitsgruppe mit tschechischen Vertretern des Heimes, der Stadt und der Landesregierung und deutschen Vertretern, unter Beobachtung der deutschen und tschechischen Botschaften, wollte die Hilfsaktion für alle Waisenkinder von Prostituierten entlang der Westeuropäischen Grenze organisieren. Das Heim von Engel sollte zukünftig der Zentralstandort und Verteilungszentrale der Hilfe für alle bedürftigen Waisenhäuser mit Prostituiertenkindern werden. Heime die Hilfsgüter benötigen, erhalten zukünftig zentral aus diesem Heim Hilfe. Dafür war die Rekonstruktion und Erweiterung des Heimes mit deutschen Sponsorenmittel geplant.
Im Rahmen einer Exkursion der Arbeitsgruppe auf die Festung Königstein überreichte der Animateur Jo ein Prospekt, mit den Worten, „ich kenne und achte ihre humanitäre Arbeit. Diese privilegierten Menschen, damit wies er auf das Prospekt eines Ritterordens, werden ihnen helfen!“
Jo erfuhr, dass es in Deutschland Ritter gibt, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Menschen in Not zu unterstützen.
Sie schrieb die Ritter an und bat um Hilfe für ihre Schützlinge. Wohlwollend wurde ihre Bitte geprüft. Sie erhielt eine Einladung dem Ritual des „Ritterschlages“, beizuwohnen. Jo erhielt die Empfehlung, Mitglied des Ordens zu werden, wodurch sie einen größeren Schutz und Hilfe durch die Ordensgemeinschaft erhält. Sie entschied sich zugunsten ihres Hilfsprojektes dem Orden beizutreten. Jo durfte die Zeremonie miterleben. Zukünftige Ritter erhalten eine Knappenweihe und wenn sie sich bewährt haben, werden sie zum Ritter geschlagen.
Die Delinquenten, die sich auf ihre Mission als Knappen und Ritter vorbereiteten, befanden sich in einen abgelegenen finsteren Raum der Wasserburg.
Alle weltlichen Habseligkeiten wurden abgelegt, im symbolischen weißen Büßerhemd standen sie sich gegenüber, unter ihnen Jo. Von fern erklangen mystische Gesänge der Ritter des Mittelalters. Der Zeremonienmeister kündigte die ankommenden Ritter und Gäste durch Aufstoßen des Zepters laut an. Immer wenn er mit dem Zepter aufstieß, schlugen die Herzen der in der Kammer Wartenden bis zum Hals. Jo erhielt ihre Knappenweihe und durfte sich danach „Dame de Grace” nennen.
Das Oberhaupt des Ordens erklärte sich sofort bereit die Arbeitsgruppe rein symbolisch zu leiten. Er verfügte, dass Jo in seinem Auftrag agieren darf. Damit sollte verhindert werden, dass das Kinderheim geschlossen wird, denn die tschechische Gemeinde hatte beschlossen, für das Waisenhaus, das eine Belastung und Schandfleck war, einen Käufer zu finden.
Der tschechische Botschafter in Berlin schickte, kein nichts sagendes Antwortschreiben, sondern bot Pani Jo konkrete Hilfe für das Waisenheim an. Er hatte in Berlin zu einem vorweihnachtlichen Abend eingeladen. Höhepunkt war der Auftritt des Bundestagskabaretts, mit dem Anliegen, eine Spendensammlung für die Erhaltung des Waisenheimes durchzuführen. Er richtete an Jo die Bitte seinen Besuch am 8. Januar im Kinderheim vorzubereiten.
Der Grenzort war vollkommen aus dem Häuschen, der Botschafter der in Berlin Tschechien vertritt, sollte in das Grenzstädtchen kommen. Die Bürger standen hinter den Gardinen ihrer Fenster, um den hohen Gast zu sehen. Der Bürgermeister hatte die Straßen der Stadt nochmals gründlich reinigen lassen. Im Kinderheim waren inzwischen die Gäste aus Deutschland angereist, die von den zwei Bürgermeistern, dem Landrat und den Damen des Kreisamtes begrüßt wurden.
Alle saßen in dem schlichten Aufenthaltsraum des Kinderheimes und warteten. Die Tür öffnete sich, der Heimleiter und die Sozialarbeiterin traten ein, hinter ihnen folgte eine junge Frau mit einem Aktenkoffer.
Da stand der Botschafter im Türrahmen, ein stattlicher älterer Herr, seine dunkelbraunen Augen waren Vertrauens einflößend, warm und herzlich. Er hatte die Herzen der Arbeitsgruppe im Sturm genommen. Alle schauten sich freundlich an und waren zuversichtlich, das Kinderheim erhalten zu können. Ganz unspektakulär reichte er den Anwesenden die Hand und bedankte sich bei Pani Jo für die Einladung zur Sitzung der Arbeitsgruppe. Der Heimleiter sprach über die Situation des Waisenheimes, seine Sorgen und Wünsche. Der Botschafter hatte die Bitte die Häuser des Kinderheimes, den Park und die Kinder zu sehen. Liebevoll strich er über die kleinen Köpfe der Schutzbefohlenen. Manch Kinderherz wünschte sich so einen lieben Großvater. Nach dem Rundgang bat der 1. Bürgermeister die Gäste in die neu renovierte Stadtbibliothek zur Beratung. Pani Jo eröffnete die Beratung der Arbeitsgruppe. Der Bürgermeister begrüßte noch einmal den prominenten Gast des Auswärtigen Amtes in seiner Stadt. Der Vertreter des Ordens stellte die Konzeption der Stiftung vor, die Jo vorbereitet hatte und bat den Botschafter um Mitarbeit im Stiftungsrat. Der Botschafter bedankte sich für die Ehre und erklärte seine Bereitschaft.
Er übergab der Arbeitsgruppe die Spende von der vorweihnachtlichen Veranstaltung, „Der Wasserwerker”, in der Tschechischen Botschaft Berlin. Pani Jo reichte er die Hand und sagte, „ich bedanke mich für ihre humanitäre Hilfe für die Waisenhäuser in Nordböhmen.”
Er versprach die Beantragung der Fördermittel beim "Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds" in Prag zu unterstützen.
Nochmals ergriff der 1. Bürgermeister das Wort und erklärte, „die Gemeindevertreter haben mir die Genehmigung erteilt, 600.000 Kronen für die Dachsanierung des Waisenheimes zur Verfügung zu stellen!” Alle klatschten Beifall. Nach der Beratung reiste der Botschafter nach Prag weiter.
Die in Deutschland, Pani Jo für die Spendenaquise zur Verfügung stehenden 11 TDM, wurden dem Heimleiter für das separate Konto der Arbeitsgruppe übergeben, um bei der Beantragung von Fördergeldern beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds für die Baumaßnahmen nachzuweisen, dass ausreichend Eigenkapital vorhanden war. Förderungen vom Fond in Prag wurden nur ausgereicht, wenn ein Konto, mit ausreichendem Eigenkapital, in Tschechien vorhanden war. Damit hatte Jos Verein in Deutschland zur Absicherung der Spendenaquise keine Mittel mehr, sie mussten wieder auf private Ersparnisse zurückgreifen.
Eine regionale Radiostation startete auf Jos Bitte einen Hilferuf für das Waisenheim. Viele Hilfstransporte von Sponsoren, die das Maß des Bedarfs dieses Kinderheimes weit überstieg, wurden von Jo und dem Verein in das Kinderheim geleitet.
Als Gegenleistung wollte der Heimleiter die nicht benötigten Hilfsgüter an andere tschechische Kinderheime weitergeben.
Mehrmals fuhr Jo mit ihrem neuen PKW, auf Privatkosten ins Heim und übergab Spenden, die bei ihr mit der Post angekommen waren.
Die Sozialarbeiterin Diana glich nicht nur mit ihrer Frisur, sondern auch mit ihrer Figur der Prinzessin von Wales. Jo blödelte, während sie in dem kleinen Büro dieser sympathischen Frau saß und die Bilder vom Weihnachts-, Faschingsfest der Kinder ansah, für die sie ihr ganzes Herzblut gab, um die traurigen Schicksale zu verkraften.
Selten sah sie die Kinder persönlich, nur wenn Medien darum baten oder bei außergewöhnlichen Besuchern, wie der Botschafter.
Jo sagte, “Diana, du siehst aus wie die „Princessna!”
Diana antworte verschmitzt, „ ano, Matka Theresa!”
Beide Frauen hatten Sympathie füreinander.
Diana kochte Jo bei ihrem Eintreffen mit Spenden, nachdem sie vier Stunden mit dem Auto unterwegs war, immer erst eine Tasse Kaffee, zur Stärkung vor der Rückreise. Das war die einzige Gegenleistung, die Jo für ihre Hilfe in diesem Kinderheim erhielt und sie war Diana dafür dankbar!
Sponsoren, ein Zahnarztverein aus Mitteldeutschland, hatte Jo gebeten zwei Tage zum Kinderheim zu kommen, über das Kinderheim zu berichten und Geld in Empfang zunehmen. Sie erfüllte die Bitte, ungeachtet ihrer Freizeit, obwohl sie dafür nicht zuständig war, sondern ganz allein das Hilfe suchende Waisenheim. Der Zahnarztverein entschied das Geld nicht dem Heim zu übergeben, sondern auf das deutsche Vereinskonto zu überweisen. Jo und ihr Team trafen sich mit den Sponsoren im Kinderheim, sie musste zusätzlich noch die Übernachtungskosten tragen, die ihre ehrenamtliche Hilfe weit überstieg.
Der Heimleiter sprach plötzlich nicht mehr deutsch. Er hielt es nicht für notwendig einen Dolmetscher zu bestellen. Jo übersetzte das Gesagte. Er sprach über die Not der Waisenkinder, dass er ein Auto, da der alte PKW nicht mehr fahrtüchtig war, ein neues Kommunikationssystem, Kleidung und Lebensmittel benötigt. Jo legte ihm und den Sponsoren die Papiere für einen Kleinbus, der günstiger war als ein PKW, für den Krankentransport der Heimkinder und Spendenaquise vor. Der Heimleiter nahm die Kopie des Fahrzeugbriefes an sich. Er war sichtlich mit dem Kauf einverstanden.
Er erhielt zwei Aufkleber, des Zahnarztvereins, mit der Bitte das Auto zu beschriften, gesponsert von...
Der Heimleiter hatte wenig Interesse mit den Zahnärzten und Jos Team den Abend im Hotel zu verbringen. Die Vertreter des Zahnarztvereins aus Mitteldeutschland waren mit ihrem Auto angereist, das von einem tschechischen Bediensteten des Hotels die ganze Nacht bewacht werden musste. Hingegen Jos Auto stand unbewacht im Dunklen.
Die Sponsoren erklärten, dass für die Waisenkinder Lebensmittel gekauft werden und der gesundheits- gefährdende Bauzustand verändert werden muss. Dafür wollten sie 15 TDM spenden, Geld, das vom Zahngold ihrer Patienten stammt.
Der Heimleiter erzählte am nächsten morgen den Sponsoren aus dem Zusammenhang heraus, dass er nicht allen Helfern aus Deutschland trauen kann. So sagte er, plötzlich auf perfektem Deutsch, „ich habe dem Hilfsdienst des Ordens 1000 DM für einen Spendentransport aus Deutschland gegeben, und die haben mir nur alte schmutzige Sachen gebracht und das Geld nicht abgerechnet.”
Die Gäste waren empört, und fragten, „warum lassen sich diese Leute den Transport bezahlen?”
Jo erklärte die Situation. Am 2. Feiertag reiste der Hilfsdienst des Ordens mit Sommerreifen nach Sachsen, im Gepäck 130 Spendenkisten.
Die Witterung war umgeschlagen und es herrschte Blitzeis. Eine Weiterfahrt ins Gebirge zu dem Kinderheim mit der großen Last war nicht möglich, deshalb wurden die Kisten in Sachsen zwischengelagert. Um die Schleckereien an die Kinder und die Präsente für die Mitarbeiter des Kinderheimes zu bringen, fuhren die Ordensvertreter und Jo, mit ihrem winterfesten PKW ins Kinderheim und übergaben die Geschenke.
Diese wurden in der Kanzlei gelagert, Kinder sahen die Gäste nicht. Der Heimleiter war verärgert, seinen gesamten Hilfstransport nicht erhalten zu haben. Er bestätigte die Überweisung von 1000 DM für die Transportaufwendung des Ordens von Jos deutschen Vereinskonto innerhalb von Deutschland und bat um eine detaillierte Kostenabrechnung.
Jo entstanden durch den Weitertransport der 130 Kisten erneut Transport- und Zollkosten von 600 DM. Geld, das der Heimleiter gern auch noch auf das Sonderkonto gelegt hätte.
Jo kaufte im Auftrag des Zahnarztvereins und Heimleiter Engel den abgestimmten Kleinbus, dessen Kopien der Fahrzeugdaten der Heimleiter in seinem Schreibtisch hatte. Der Kleinbus wurde nach Wunsch des Heimleiters mit Kindersitzen versehen und nachgerüstet, beschriftet, in Deutschland versichert und zugelassen.
Dann erhielt das Kinderheim die gewünschten Lebensmittel, Kleidung, Ausstattung sowie die notwendige Kommunikationstechnik zur Erneuerung der veralteten Telefonzentrale.
Die Bedarfsliste des Kinderheimes überstieg bei Weitem die Spendensumme des Zahnarztvereins aus Mitteldeutschland. Jo unterrichtete die Vereinsmitglieder in Mitteldeutschland ständig über die Anschaffungen und übergab vom Heimleiter unterzeichnete Übergabeprotokolle.
Der Zahnarztverein erhob plötzlich Beschwerde gegen die Anschaffung der PCs zur Erneuerung der Kommunikation, die als Internetverbindung nach Deutschland, von den Bauspezialisten, für den Bau als effektiv und preiswerter als eine Kabelverbindung angesehen wurde.
Die Antragstellung beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds wurde nur von Jo und ihrem Team vorbereitet. Nach den Angaben der Bausachverständigen konnte ein Bedarf von 1,5 Millionen DM ermittelt werden, mindestens 25 % mussten als finanzieller Eigenanteil des Kinderheimes, auf dem Sonderkonto liegen.
Um diese Probleme zu beraten, erklärte sich die Deutsche Botschaft in Prag bereit Unterstützung zu geben. Dafür fand eine Beratung der Arbeitsgruppe im Rathaus in Nordböhmen statt. Eingeladen waren; eine Vertreterin der deutschen Botschaft, Vertreter der sächsischen Kirche, der Bürgermeister, Heimleiter, Jo und Mitglieder des Vereins.
Die Botschaftsvertreterin bat den Verein, sie vom Zug aus Prag in Decin abzuholen und mit dem Bus ins Kinderheim zu fahren. Sie lobte die gute Ausstattung des Fahrzeuges für das Kinderheim und das Summen des Dieselmotors, das sie als angenehm empfand. Vor Beginn der Beratung begutachteten alle den neuen Kleinbus.
Die Bewohner der Kleinstadt blieben stehen, „Kinder Haus” gesponsert vom Zahnarztverein aus der BRD. Der Bürgermeister beauftragte den Heimleiter Engel, ihm für die Zollbehörde eine Kopie des Fahrzeugbriefes von dem Kleinbus zu übergeben.
In der Beratung berichteten, der Heimleiter und Pani Jo, von dem Besuch der Vereinsmitglieder des Zahnarztvereins und dem Verwendungszweck der 15 TDM Spende.
Es wurde im Protokoll festgelegt;
Die 15 TDM sind wie folgt zu verwenden:
5,5 TDM für den Kauf des Busses und 9,5 TDM für Lebensmittel und die Bausanierung des Kinderheimes.
Die Botschaftsvertreterin erklärte, „es müsste so schnell wie möglich ein Termin in Prag verabredet werden. Dazu ist es notwendig, dass vor allem der Heimleiter, als Betreiber, endlich eine Zuarbeit liefert, er habe schließlich die Verantwortung für die Kinder und den Nutzen!“
Sie erklärte weiter, „um die 25-%-Co-Finanzierung zu erreichen ist es notwendig das Eigenkapital des Heimes, unabhängig vom separaten Darlehenskonto, aufzustocken!“
Dazu empfahl sie, dass der Heimleiter eine Liste, des gesamten Jahresbedarfes an Lebensmitteln, Kleidung und Geräten erstellt. Um damit eine weitere gezielte Spendensammlung in Deutschland vornehmen zu können. Das dafür eingesparte Geld wird das Eigenkapital für die Reparaturarbeiten erhöhen. Dann hat der Bürgermeister 600.000 Kronen für die Dachsanierung zugesagt, wie sie das aus dem Protokoll der Beratung mit dem Botschafter ersehen hat, so kommen wir der erforderlichen Eigenkapitalsumme näher.“
Der Bürgermeister konnte sich an diese Zusage nicht mehr erinnern! Er erklärte Probleme mit der Kreisreform zu haben. Damit war die Bausanierung des Kinderheimes bereits ein Auslaufmodell! Der sympathische tschechische Botschafter war inzwischen in Rente gegangen, sein Nachfolger arbeitete sich in Berlin erst ein.
Die angereisten deutschen Kirchenvertreter schüttelten die Köpfe über die Gedächtnislücken der Stadtobrigkeit, die Hilfe ohne Gegenleistung haben wollten. Sie teilten nach ihrer Abreise schriftlich mit, dass sie andere seriösere Hilfsprojekte in Tschechien unterstützen, eine Hilfe für das Heim ist nicht vertretbar.
Auch die Botschaftsmitarbeiterin schrieb später, „ich habe nach der Beratung das Scheitern des Hilfsprojektes vorausgesehen.”
Der Heimleiter legte in der Beratung ein Kontenblatt des Sonderkontos vor, das nur noch 9,5 TDM auswies, statt der übergebenen 11 TDM. Er erklärte mit dem Geld notwendige Ausgaben bestritten zu haben, die er in der nächsten Beratung abrechnen wolle. Dazu hatte er weder das Recht noch die Erlaubnis!
Für die von der Arbeitsgruppe geforderte gezielte Spendensammlung, die den Jahresbedarf des Heimes abdecken sollte sowie die weitere Anschaffung von Gebrauchsgegenständen, Lebensmittel, Kleidung, für das Heim, sollten nach Festlegung der Beratung, nunmehr die 9,5 TDM des Zahnarztvereines verwendet werden. Auf das verbliebene Geld in gleicher Höhe (9,5 TM) vom Sonderkonto, das der Heimleiter unberechtigt abgehoben hatte, durfte nicht mehr zurückgegriffen werden, weil es die Rücklage für den Eigenkapitalnachweis für Prag war. Der Zahnarztverein nahm das zur Kenntnis. Er erhielt nach der Beratung ein Übergabeprotokoll, über Waren, die mit dem Bus transportiert wurden und ein Bild, das den Heimleiter mit Diana vor dem neuen, mit ihrem Logo beschrifteten Bus zeigte.
Der Heimleiter arbeitete das erste Mal zu und übergab Anfang Mai die Jahresbedarfsliste, nachdem er von Jo, in einem weiteren Spendentransport, die bestellten zwei Computer für die Büro Kommunikation der Heim- und Bauleitung, in Empfang genommen hatte. Er reichte nach einem halben Jahr, Bitten und Betteln von Jo keine Zuarbeit für die Beantragung der Fördermittel an den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds nach Prag ein, wofür ihm das Darlehen von 11 TDM zur Verfügung gestellt worden war.
Wovon er 1,5 TDM verbraucht hatte und darüber nie einen Nachweis vorlegte.
Dieses Mal beschwerte er sich bei Vertretern des Ordens, dass er von Pani Jo, um 15 TDM gebracht worden sei. Der Hilfsdienst des Ordens kannte seit dem Konflikt mit dem Spendentransport der 130 Kisten die Zusammenhänge mit dem Bus nicht.
Es war eine Forderung des Zahnarztvereins, den Orden das Geld nicht anzuvertrauen. Der Zahnarztverein hatte dem Heimleiter eine Klage zu der fehlenden Abrechnung der 1000 DM für den Spendentransport der 130 Kisten des Ordens empfohlen, der seinen Bestimmungsort nicht erreichte!
Die Ordensvertreter nahmen Rücksprache mit dem Zahnarztverein, der wiederum angeblich nichts über die Zusammenhänge mit dem Bus wusste.
Daraufhin erfolgte eine Rückfrage des Ordens an Jo. Diese war über solch eine Intrige und die Undankbarkeit des Heimleiters verärgert, sie stellte den Heimleiter zur Rede.
Dieser schrieb scheinheilig, „ich verstehe ihre Frage nicht. Das Waisenhaus und die Stadt wissen, was sie für eine große Hilfe geleistet haben. Wenn sie Probleme mit dem Orden haben, müssen sie das mit dem Orden klären!”
Für die Stadt hatte Jo die Rekonstruktion der Waldbühne ins Auge gefasst. Dazu schrieb sie renommierte Fußballvereine in Deutschland an, die eine neue Bestuhlung vorgenommen hatten, in Sachsen fand sie dazu offene Ohren. Auch mit der Geschäftsleitung einer Europaschule hatte sie Kontakte zu dem Bürgermeister und Landrat aufgebaut. Diese Sponsoren wollten Vorhaben der tschechischen Kreisstadt unterstützen.
Jo und die aktiven Mitglieder ihres Vereins waren so verärgert, dass sie planten, den Bus Anfang Juni mit dem vollständigen Jahresbedarf für das Kinderheim zu übergeben und die Zusammenarbeit damit zu beenden. Innerhalb eines Monats hatte Jo mit Unterstützung des Vereins die Jahresbedarfsliste des Kinderheimes abgearbeitet. Mit welchem großen Aufwand diese Bedarfsliste abgearbeitet wurde, interessierte die Beschenkten nicht. Der Heimleiter bestätigte lediglich die Entgegennahme von Waren, inklusive Bus im Wert von 41,6 TDM. Der Zahnarztverein erhielt eine Kopie der Übergabelisten, der Wert überstieg die gesponserte Summe von 15 TDM. Durch die Übernahme der Güter von 41,6 TDM hatte der Heimleiter Engel seine geplanten Jahreskosten eingespart, die nur mit 30 TDM für Lebensmittel und Kleidung geplant waren. Er konnte das eingesparte Geld anderweitig verwenden.
Der Bau war von der tschechischen Seite ein Vorwand. Der Heimleiter wollte nur Geld aus Deutschland. Jos Hilfeaktion hatte für das Waisenheim einen Gesamtgewinn von 82,6 TDM erzielt. Der Heimleiter blieb auf dem Standpunkt von Pani Jo betrogen wurden zu sein und verlangte nochmals 9,5 TDM. Der Zahnarztverein bemühte einen Anwalt, die Polizei, Staatsanwalt und die Presse, um Jo nachzuweisen, dass sie die 9,5 TDM unterschlagen hat.
Jo schrieb dem tschechischen Landratsamt, das den Kontakt zu diesem Kinderheim hergestellt hatte.
“Wir bitten die gesamte Spendenverwendung des Kinderheimes zu überprüfen!“
Ihr wurden plötzlich die Worte des zweiten Bürgermeisters der tschechischen Gemeinde bewusst. Die er äußerte, nachdem der Heimleiter einräumte, sich an dem Sonderkonto bedient zu haben.
Jo hatte den zweiten Bürgermeister beruhig, dass das Geld nur mit zwei Unterschriften, Heimleiter Engel und ihrer abgehoben werden kann. Deshalb hatte Jo nunmehr auch die Sperrung und Überprüfung des Kontos über das Kreisamt veranlasst.
Es war im Laufe der Zeit zu beobachten, dass der Heimleiter, der anfangs so sehr die Restaurierung der Gebäude in den Vordergrund stellte, an dieser gar nicht interessiert war, sondern an den Finanzierungsmitteln.
Zu einem Vertrag kam es nie, es erfolgte keine Eigeninitiative. Zuarbeiten beschränkte sich auf Forderungen, Bettelbriefe, Bedarfslisten und Bestätigung des Empfanges von Spenden. Nur Pani Jo und ihr Team waren für das Kinderheim ehrenamtlich ohne jegliche Hilfe auf eigene Kosten aktiv geworden. Sie hatten viele Vereine und Sponsoren in Deutschland gebeten, die Bauvorbereitungen zu fördern.
Der Heimleiter Engel war ein schlanker drahtiger Mann, geschieden, ab und zu durfte er seine Kinder sehen. Er erzählte, „ich habe in der Innenstadt ein Bürgerhaus erworben. Der Blick vom Fenster ist genau auf das Bordell”, fügte er lachend hinzu. Jo wusste aus den Bauunterlagen, dass sein Gehalt für eine derartige Investition zu gering war, er erhielt 60.000 Kronen Jahresgehalt, das waren umgerechnet ca. 3.000 DM. Hatte er geerbt?
Die Busübergabe mit Spenden war für Juni geplant. Morgens 8.00 Uhr wurden der Kleinbus und Jos PKW mit weiteren Spenden beladen. Zwei Vertreter der Tageszeitung mit den vier großen Buchstaben warteten schon. Die Fahrt der voll beladenen Pkws und des Kleinbusses verlief ohne Probleme. An der Grenze kontrollierte der Zoll die Unterlagen und Spendengüter, ohne Beanstandung. Der Fotograf der Zeitung dokumentierte diese Kontrolle und den ganzen Tag.
Der erste Stopp fand in einem Kinderheim vor den Toren der Kreisstadt von Engels Waisenheim statt, das Jo auf Wunsch des Landratsamts zusätzlich betreuen sollte. Die Kinder warteten hinter den Fenstern auf die Gäste aus Deutschland. Der Dolmetscher und die Heimleiterin erklärten das Prinzip des Zusammenlebens in diesem Kinderheim. Ältere Waisenkinder betreuten die Kleinen, die nicht jünger wie fünf Jahre waren.
Nach einer Besichtigung des gepflegten, aber zu kleinen Heimes, führten die Kinder ein Kulturprogramm vor und übergaben den Gästen gebastelte Geschenke.
Beim Abschied wurden der Heimleiterin 200 DM, Geschenke und Kleidung übergeben.
„Das Heim braucht dringend Geld. 200 TDM würden ausreichen, für Computer und den Ausbau des Dachgeschosses. Die Kinder haben nach Verlassen des Heimes keine Chancen, die meisten Mädchen haben das gleiche Schicksal wie ihre unbekannten Mütter!”, erklärte die Heimleiterin beim Abschied. Der Dolmetscher bestätigte, „von dem Heimleiter Engel, haben wir nie ein Spendengut aus Deutschland erhalten.”
Wo waren die Kleidungsstücke für die größeren Kinder geblieben, die im Kinderheim von Engel für alle Kinder eingelagert wurden?
Zehn Minuten später, in Engels Kinderheim angekommen, begrüßte nur die Sozialarbeiterin Diana, Jo und die Pressevertreter.
Sie erklärte, „Herr Engel ist eigenartig geworden, er schließt auch vor mir alles ein”.
Zwei Stunden warteten alle auf den Heimleiter. Als er kam, war er unnahbar. Der Zeitungsschreiber sagte zu Jo, „dieses Heim ist ein großer Unterschied zu dem ersten Kinderheim. Sie kamen dorthin das erste Mal und wurden freundlich begrüßt. In dieses Heim haben sie so viel Spenden gebracht und werden nicht zur Kenntnis genommen - eigenartig.”
Engel genehmigte die Besichtigung der Räume und Fotoaufnahmen, er nahm selbst daran nicht teil. Die Zeitungsvertreter verabschiedeten sich und fuhren wieder nach Deutschland. Die Sozialarbeiter entluden inzwischen mit Jo den Jahresbedarf an Lebensmitteln, mehrere Paletten Mehl, Fertignahrung, Kinderwagen, Kleidung und weitere technische Geräte aus dem Kleinbus. Der Heimleiter bestätigte die Entgegennahme. Jo übergab ihm die Autoschlüssel des Busses und erklärte. „ich melde morgen den Bus in Deutschland ab und nach Abmeldung der Zulassung erhalten sie das Original des Kraftfahrzeugbriefes.“
Sie habe bereits alle erforderlichen Busdaten an ihren Bürgermeister weitergeleitet, nachdem er diese in seiner Beratung mit der Botschaftsmitarbeiterin gefordert hat?“
Zwei Tage später war der Heimleiter im Besitz der Buspapiere, die er in Kopie seit dem Besuch des Zahnarztvereins aus Mitteldeutschland, in seinem Schreibtisch hatte.
Jo erwartete noch am gleichen Tag einen Hilfstransport (IPA aus NRW), den die Polizeikameraden ihres Onkels Rudolf für das Kinderheim vorbereitet hatten. Sie durfte sich nicht im Heim aufhalten, sondern musste mit ihren Helfern im Gasthof warten. Als der Hilfstransport der deutschen Polizeikameraden mit ihren tschechischen Partnern sehr spät am Abend eintraf, half Jos Team den riesengroßen Laster zu entladen. Der Hilfstransport brachte unter anderem die Einrichtung für die Bauleitung mit. Schwere Eichenmöbel, die ein Radiosender für Jos Baubüro zu Verfügung gestellt hatte.
Die Möbel für die Bauleitung waren so schwer, dass diese nur mit Hilfe von Hydraulik zu transportieren waren. Sie freute sich über diese problemlose Hilfe und das persönliche Kennen lernen insbesondere mit dem netten Initiator, den sie nur vom Telefon und aus Briefen kannte. Dieser bemerkte mit seinem polizeilichen Spürsinn, dass Jo traurig war und auch die Sozialarbeiterin Diana bedrückt wirkte. Er nahm erstaunt zur Kenntnis, dass Pani Jo ihre Arbeit einstellen wollte. Er konnte die Beweggründe nachvollziehen. Jo bat den IPA Vertreter der tschechischen Polizei die Autoschilder vom Kleinbus zu entfernen, damit diese in Deutschland entstempelt werden können.
Nach dem Entladen des Hilfstransporters suchten sich die Polizeikameraden ein Hotel. Das hatte der Heimleiter Engel versäumt zu organisieren. Jo fuhr kurz vor Mitternacht mit ihrem Team nach Deutschland zurück. Schon am frühen Vormittag erledigte sie die Abmeldung des Busses und brachte die Papiere nach Tschechien auf die Post zur Weiterleitung in das Kinderheim.
Einige Tage später erhielt sie einen Brief von der Hilfsorganisation der Polizei, mit einem Bericht über die Geschehnisse nach ihrer Abreise. Die drei Polizisten und ihr tschechischer Begleiter hatten die Nacht auf eigene Kosten in einem Hotel verbracht. Als sie am nächsten Morgen gegen 10.00 Uhr das Kinderheim aufsuchten, waren die schweren Möbel für die Bauleitung nicht mehr da.
Dann hatten sie den Wunsch geäußert, die Heimkinder zu sehen und ihnen Süßigkeiten zu übergeben.
Der Heimleiter erklärte den Polizisten. „Die Kinder bekommen gleich Mittagessen, davor dürfen sie nichts Süßes essen.“
Diese Aussage verstanden die internationalen Ordnungshüter nicht. „Es ist erst 10.00 Uhr?”
Erst nach Einschreiten der Sozialarbeiterin Diana genehmigte der Heimleiter Engel den Besuch der Kinder, für deren Wohl, die Polizisten den Transport aus NRW übernommen und die Süßigkeiten mitgebracht hatten. Sie wollten wenigstens als Dank die glücklichen Kinderaugen sehen. Der Heimleiter sprach weiter, „ich habe Anweisung niemanden zu den Kindern zu lassen. Die Heimleitung wünscht keine Besichtigung des Kinderheimes!”
„Wer ist die Heimleitung?“
„Die Heimleitung ist der Ritterorden aus NRW”, erhielten die Polizisten zur Antwort.
dem Verbleib der Spenden gefragt, erklärte der Heimleiter, „ich habe alles für den Orden sichergestellt, denn diese Sachen müssen in dessen Beisein nochmals verzollt werden.”
Nun waren die Ordnungshüter, die in Begleitung eines Vertreters der tschechischen Polizei waren, vollkommen sprachlos. Dachte der Heimleiter Engel, er könne die Polizei hinters Licht führen? Warum hatten sie, nach dem Grenzübertritt beim tschechischen Zoll über mehrere Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit warten müssen, um den Spendentransport überprüfen zu lassen. Was lief hier gänzlich schief? Über die Geschehnisse in diesem Kinderheim berichteten die Polizisten der deutschen und tschechischen Botschaft und baten um Überprüfung.
Das erste Mal seit ihrem Engagement setzte sich eine andere Hilfsorganisation für Jos Interessen ein. Jo war prinzipiell die Ansprechpartnerin für Menschen in Notsituationen geworden. Traten Probleme auf, hatte Jo persönlich diese ständig auszubaden. Sie wurde für ihre aufopferungsvolle unendgeldliche Hilfe ständig zum Sündenbock gestempelt.
Nun stand ihr ein Schutzengel, der Initiator der Hilfsorganisation der Internationalen Polizei, zur Seite. Nach dem Bericht der Polizei zog Jos Verein die Antragstellung der 1,5 Millionen DM für die Baumaßnahmen am Kinderheim beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds in Prag zurück.
Daraufhin holte der Heimleiter Engel zum Gegenschlag aus. Jo erhielt von dem Zahnarztverein einen Brief.
„Wie uns der Heimleiter Engel mitteilte, haben sie unsere Spende von 15 TDM nicht auf das Heimkonto überwiesen. Wir geben ihnen zwei Wochen Zeit dies nachzuholen!”
Jo antwortete sofort und erklärte die Zusammenhänge. Wieder ein Brief aus Mitteldeutschland, dem ein Brief vom Heimleiter Engel beilag. Er hatte die Sponsoren darüber informiert, dass der Bus in Tschechien nicht zugelassen wird. Jo solle diesen wieder nach Deutschland holen, auch habe er keine Papiere und keine Zollbestätigung für den Bus und dann hätte er nur alte Sachen erhalten. Die Spendenübersicht, über das fabrikfrische Mehl und die Fertignahrung mit einem Haltbarkeitsdatum von einem Jahr, sei oberflächlich.
Wieder beantwortete Jo umgehend die Schreiben. Daraufhin erhielt sie, vom Zahnarztverein um Mitternacht ein Fax, mit der letzten Aufforderung dem Kinderheim das Geld zu überweisen. Ein Schreiben des Zahnarztvereinsanwalts folgte mit der dringenden Aufforderung endlich das Geld auf das Kinderheimkonto von Engel zu überweisen.
Was wollte der Heimleiter eigentlich.
Er konnte nach der Kündigung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds über das Sonderkonto verfügen. Also war es ihm ein Leichtes, nach der Freigabe durch die tschechischen Kreisverwaltungsorgane, die 9,5 TDM auf sein Kinderheimkonto zu transferieren.
Wie erst später festgestellt wurde, war das Konto kein Sonderkonto, sondern der Heimleiter hatte das Konto, mithilfe der Bankangestellten auf seinen Namen eingerichtet und konnte sich jederzeit am Darlehenskonto bedienen.
Deshalb hatte er bereits weitere 1 TDM abgehoben. Das Konto von 11 TDM war auf 8,5 TDM geschmolzen.
Was wäre geworden, wenn er die Summe von 1,5 Millionen DM vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds auf dieses Konto überwiesen bekommen hätte?
