Organhandel - Karel Hruby - E-Book

Organhandel E-Book

Karel Hruby

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Beschreibung

In Europa gibt es immer noch unterschiedliche Regelungen zur Organspende. Während in Deutschland die Angehörigen ihre Zustimmung zu einer Organspende geben müssen, gibt es diese Regelung in Osteuropa, Spanien und anderen Ländern nicht. Unsicherheit und berechtigte Angst vor Missbrauch ist vielfach ein Argument gegen eine Organspende. Diese Spende rettet Leben, vielleicht auch eines Tages das Ihre! Organ Handel Ein Tanktourist verschwindet an der deutsch-tschechischen Grenze. Wochen später taucht er mit einer Narbe im Unterbauch wieder auf. Eine Detektei ermittelt im Auftrag des Geschädigten und stößt auf weltweit agierende Organhändler.

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Seitenzahl: 170

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Unsicherheit und berechtigte Angst vor Missbrauch ist vielfach ein Argument gegen eine Organspende.

Diese Spende rettet Leben, vielleicht eines Tages das Ihre!

Jo W.

Personen, Orte und Handlungen sind fiktiv.

Organ Handel

Exposé

Broker V erhielt den Auftrag eine Niere zu kaufen. Er benutzte die Kontakte seiner unbedarften Freunde zu einem Opfer, dabei ahnte er nicht, dass dies sein Todesurteil war.

Der Abgeordnete van Holms, bevorzugter Kandidat für ein Spitzenamt, brach am Wahltag zusammen.

Seine Frau wurde erpresst und getötet. Sie unterstützte zwei Patenkinder in Brasilien. Nachdem sie die Kinder aufsuchte, machte sie eine schlimme Entdeckung. Der Heimleiter betätigte sich als Zuhälter. Ein elfjähriges Mädchen konnte sie retten. Ihr zweites Patenkind, ein achtjähriger Junge wurde vor sechs Monaten umgebracht und an Organhändler verkauft. Unabhängig davon zahlte sie monatelang Patengelder an ein internationales Kinderhilfswerk.

Ein Reporter forderte am Wahltag von dem Abgeordneten einen Exklusivbericht zu den Vorgängen in Brasilien. Nach Verlassen des Abgeordnetenbüros informierte der Reporter seine Redaktion mit der Schlagzeile:

„Spitzenkandidat in Menschenhandel verstrickt?“

Danach wurde er Opfer eines inszenierten Verkehrsunfalls.

Am Abend brach der Spitzenkandidat vor der Pressekonferenz zusammen und wurde ins Krankenhaus gefahren. An diesem Tag standen ihm zwei Nieren zur Transplantation zur Verfügung. Der Abgeordnete starb auf dem OP-Tisch. Daraufhin arbeiteten die Mühlen der Medien, Schmähungen über einen Toten begannen.

Nach zehn Tagen wurde ein im Ausland Verschollener im Straßengraben mit einer großen Schnittwunde gefunden, er litt an Amnesie.

„Was nicht sein darf, wird nicht ermittelt!“

Der Geschädigte engagierte eine Privatdetektei. Die Detektei ermittelte mit internationaler Unterstützung und nahm Kontakt zu dem Organbroker auf.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 1

„Herr van Holms, bitte kommen sie zum Abfertigungsschalter!“, hört Ingolf zum wiederholten Mal die Aufforderung aus dem Lautsprecher.

„Wo ist sie schon wieder?“, spricht der attraktive Mann, dem man den Politiker ansieht, verärgert vor sich hin. Er blickt sich suchend um. Da sieht er seine hübsche Gattin im Gedränge der Fluggäste auftauchen.

„Nun wird es Zeit, wo bist du so lange gewesen?“

„Das erzähle ich dir im Flugzeug“, beruhigt sie ihn sanft. Nachdem die Maschine von Wien nach Berlin gestartet ist, beginnt Cornelia ihrem Mann zu berichten.

„Ich sah in der Halle des Abflugbereiches eine Ausstellung - Hinschauen statt wegschauen. Kinder brauchen Schutz, weltweit! - Weißt du, es geht um die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern im Rahmen des Tourismus. Es wurden Möglichkeiten aufgezeigt diese Verbrechen wirksam zu bekämpfen. Da waren Stände von Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, Adel und internationalen Kinderschutzorganisationen, mit denen ich ins Gespräch kam.“

„Und wenn Frauen labern, vergessen sie die Welt um sich.“

“Nein so war das nicht, dabei habe ich an dich gedacht.“

„Ich kann da keine Verbindung zu mir erkennen.“

„Warts ab, lass mich erst einmal weitererzählen.“ Das Flugzeug beginnt zu flattern, es rumpelt wie auf einer asphaltierten Straße. Ingolf verzieht sein Gesicht.

„Was ist mit dir, Liebling, hast du wieder Schmerzen?“

„Ja, ich habe geglaubt im Flugzeug weniger Probleme als im Zug zu haben, das war ein Trugschluss.“

„Wie lange willst du diese Schmerzen noch ertragen? Wir können nur noch in die Orte fahren, wo du eine Möglichkeit hast, an die Dialyse angeschlossen zu werden. Bevor du für das Spitzenamt kandidierst, musst du unbedingt operiert werden.“

„Das sagst du so leicht. Bitte Cornelia erkläre mir, woher bekomme ich organische Ersatzteile?“

Cornelia überlegt, „kommt Zeit, kommt Rat“, sagt sie dann besänftigend.

„Bitte erzähle weiter, mir geht es wieder besser, seitdem die Maschine wieder ruhiger fliegt.“

„Wo war ich stehen geblieben?“

„Nicht zu glauben, meine Frau wird vergesslich. Du hattest dich mit den Politikerfrauen verplaudert und mich warten lassen, dass wir beinahe unseren Flieger verpasst hätten.“

„Ach ja, mir kam dabei ein Gedanke. Während du dich auf deine politische Laufbahn vorbereitest und eh keine Zeit für mich hast, werde ich ein Kinderprojekt unterstützen.“

„Das klinkt gut, woran denkst du?“

„Ich hörte einen Bericht von der Kinderschutzorganisation aus Brasilien und Indien. Brasilien interessiert mich eher, ich wollte schon immer mal dahin reisen.“

„Musst du denn gleich dorthin fahren, um zu helfen?“

„Nein, natürlich nicht. Während ich in meiner Tasche nach einen Stift suchte, trat ein junger Mann an mich heran und übergab mir seine Visitenkarte. Er stellte sich als Vorsitzender eines internationalen Kinderhilfswerkes vor. Mehr würde ich im Internet über seine Organisation erfahren, die viele internationale Kinder- und Jugendprojekte im In- und Ausland betreut.“

Sie reicht Ingolf die Visitenkarte, die sie eilig in ihre Jackentasche gesteckt hatte.

„Gut, und was willst du dort machen?“

„Zuerst werde ich für zwei Kinder die Patenschaft übernehmen, das kostet 25 € pro Kind im Monat. Für uns ist das wenig Geld, diese Kinder können damit einen Monat in einem Kinderheim in São Paulo leben. Wenn ich das Projekt des Kinderhilfswerkes kennengelernt habe, werde ich ein Wohltätigkeitsessen organisieren. Natürlich bringe ich die Spenden persönlich in das Kinderheim, um mich zu vergewissern, dass die Spenden wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden.“

„Damit kann ich mich anfreunden“, erklärt Ingolf. Er küsst seine Frau dankbar und liebevoll auf die Wange. Nach dem Imbiss fällt Ingolf ein, „bitte entschuldige Cornelia, ich musste gestern so schnell weg, dass du mir nichts über dein Klassentreffen erzählen konntest, nun haben wir dazu genügend Zeit.“

Cornelia berichtet gern. Noch immer ist sie begeistert, nach 30 Jahren ihre Schulfreundinnen wieder getroffen zu haben.

„Wir trafen uns in dem Hinterraum einer Gaststätte. Die Ersten hatten es gut. Immer wenn die Tür sich öffnete und ein Mitschüler bzw. Schülerin eintrat, begann das große Rätseln. Wir erkannten die Meisten an ihren Gesten. Es war für mich beklemmend, an den Anderen erkannte auch ich, wie die Jahre uns geprägt und älter gemacht haben.“

„Das kann ich nicht bestätigen, du siehst immer noch so entzückend aus, wie ich dich vor 25 Jahren kennengelernt habe“, schmeichelt Ingolf. „25 Jahre? Ingolf, dann feiern wir im Herbst Silberhochzeit!“

„Ich weiß, dafür habe ich eine besondere Überraschung. Schau mich nicht so an, diesmal verrate ich dir nichts!“

Ingolf sieht müde aus, oder sind es seine Schmerzen? Die Frau lehnt sich besorgt in ihren Sessel zurück und geht ihren Gedanken nach, während Ingolf die Augen schließt. Cornelia ist in Gedanken wieder beim Klassentreffen. Sie freut sich über die Wiedervereinigung des vierblättrigen Kleeblatts.

Carmen Bergmann, die sich nunmehr Krämer nennt, hatte sie sofort erkannt. Die Freundinnen fielen sich vor Freude um den Hals. Als Sabine Berger eintrat, war Cornelia positiv überrascht, das ehemalige Pummelchen hatte sich ganz schön gemausert, studiert und ein Diplom soll sie haben. Sie umarmten sich herzlich. Die Letzte war, wie eh und je, Helga Schuster, diese stellte sich als Helga Schmidt vor. Helga war immer sehr grazil, kaum zu fassen, wie unförmig Helga auseinandergegangen war. Die Begrüßung, von Cornelias Seite, fiel deshalb nicht ganz so herzlich aus.

Jeder berichtete, was er die Jahre über erlebt hatte. Sie sprachen über ihre Kinder und gescheiterten Ehen. Dann unterhielten sich die Meisten in zweier Gruppen, bis auf das vierblättrige Kleeblatt, Carmen, Cornelia, Sabine und Helga.

„Das Letzte, was wir von dir hörten, war, dass du ein Verhältnis mit Thomas Weizmann hattest. Wie hast du das nur angestellt? Wir waren in der Schulzeit alle in Thomas verliebt“, stellte Carmen verschmitzt fest.

„Es ist lange her“, lenkte Cornelia ab.

Carmen lies nicht locker. „Das musst du uns ausführlich erzählen, wir waren das unzertrennliche Kleeblatt und teilten alle Geheimnisse.“

Da klingelte Cornelias Handy und Ingolf meldete sich. „Liebling, ich kann dich nicht abholen, ich bin noch in der Konferenz.“

Verärgert hatte sie mit den Worten aufgelegt, „dann lege dich zukünftig mit deiner Politik ins Bett!“ Carmen nickte verständnisvoll, „ich habe die gleichen Probleme mit meinem Mann, der in der Wirtschaft arbeitet und kaum noch nach Hause kommt.“ Mit dem Versprechen, das sich die vier Freundinnen nun öfter treffen, verabschiedeten sie sich voneinander.“

Cornelia erwacht aus ihren Gedanken und schaut zu Ingolf. Dieser ist eingeschlafen und atmet tief. Die Frau kehrt zu ihren Erinnerungen zurück und errötet, als sie an ihre, immer wieder auffrischenden Affären mit Thomas Weizmann denkt.

Sie sah ihn in der letzten Zeit öfter. Thomas war der Einzige, der zur Verfügung stand, um sie vom Klassentreffen abzuholen. Sie waren an diesem Abend nicht nach Hause, sondern in einen Pärchenklub gefahren. Als sie im Morgengrau den Klub verlassen wollten, hatte Thomas mit der Geschäftsleitung einen Streit. Cornelia wusste nicht, warum es ging. Sie hatte das Gefühl, in dem separaten Raum, in dem sie sich mit Thomas liebte, beobachtet zu werden. Die Frau fühlte sich in Thomas Nähe geborgen und willigte ein, ihn am nächsten Tag wieder zu treffen. Cornelia fühlte, dass sie Ingolf nicht immer mit dem gleichen Mann betrügen durfte. Die Gewissensbisse trieben sie dazu in der vornehmen Villa auf und ab zu gehen. Im Magen verspürte sie das Gefühl eines nicht wieder gutzumachenden Verlustes. Ingolf kränkelte immer mehr. Seine Ausdauer brauchte er für die Politik, da blieb wenig Zeit für das Eheleben und Thomas war immer noch der ungebremste zärtliche Liebhaber. Für wen soll ich mich entscheiden? Mit diesen Gedanken legte sie sich aufs Bett, nahm ein Buch zur Hand und versuchte sich abzulenken, es gelang ihr nicht. Sie stand auf, begab sich unter die heiße Dusche und stellte zufrieden fest, dass ihre Brüste noch straff waren. Ich muss meine Zeit nutzen, nicht lange, dann werden sie schlaff. Vielleicht sollte ich langsam mit einer Gymnastik beginnen. Dachte sie über ihren Körper nach und an Thomas, auch ihr Körper begab sich in eine Erwartungshaltung. Cornelia wusste, dass er ihren Reizen immer noch erlegen war. In einem Badetuch eingewickelt legte sie sich ins Bett, die Magenschmerzen hatten sich gelegt. Sie grübelte weiter, vielleicht will er gar nicht, dass ich mich scheiden lasse, sonder nur ein Abenteuer. Warum sollte sie ihre Sicherheit an Ingolfs Seite aufgeben. Cornelia sah auf die Uhr, es wurde Zeit Thomas wartete bestimmt schon. Die Tür schlug zu. Ohne sich umzusehen, begab sich die Frau zu ihrem Auto. Von Ingolf, der wieder auf einer Versammlung war, hatte sie nichts zu erwarten. Sie startete ihr Auto. Vor dem Pärchenklub nahm der schon wartende Thomas sie zärtlich in die Arme. Die Beiden waren so mit sich beschäftigt, dass sie das Klicken einer Kamera nicht bemerkten.

Der Flugkapitän kündigt die Landung an, Cornelia erwacht aus ihrem Tagtraum.

„Was war mit dir los Liebling, du hast so glücklich ausgesehen?“

„Nichts! Ich habe an unseren 25. Hochzeitstag gedacht.“

Kapitel 2

Ingolf van Holms betritt am nächsten Tag sein Büro. Frau Heidenreich, seine unermüdliche Vorzimmerperle, eine Frau im älteren Semester, blickt auf.

„Herr Abgeordneter, sie sind schon da!“

„Guten Morgen gibt es etwas Neues?“

„Nein, die Post habe ich auf ihren Schreibtisch gelegt. Ach ja, eine Frau Berger hat sich für 10.00 Uhr angemeldet.“

„Danke, ich brauche dringend meinen Referenten. Bitte rufen sie Joachim Redlich.“

„Der wartet bereits in ihrem Büro.“

„Danke.“ Ingolf öffnet die Tür zu seinem Büro.

„Guten Morgen Joachim. Es ist schön, dass sie bereits hier sind.“

„Guten Morgen, wie war die Reise und Konferenz?“

„Danke, wie immer sehr informativ, darüber berichte ich in der Fraktionssitzung.“

„Ich habe vorerst eine dringende Aufgabe für sie. Bitte prüfen sie die Angaben auf der Visitenkarte und holen sie mir alle Informationen über dieses Hilfswerk zusammen.

Ich brauche das möglichst schnell.“

Mit diesen Worten übergibt Ingolf seinem Referenten die Visitenkarte des Kinderhilfswerkes.

„Was muss ich beachten?“

„Meine Frau hat wieder ein neues Hobby. Sie will Kinder in Brasilien unterstützen und sich um zwei Patenkinder kümmern. Wie sie wissen, kann Cornelia keine eigenen Kinder bekommen.“

„Ich werde mich bemühen, den Wunsch ihrer Frau so schnell wie möglich zu erfüllen.“

Der junge Mann verlässt das Büro seines Chefs und denkt, die kühle Cornelia ist viel zu berechnend, da steckt bestimmt mehr dahinter.

Die Wechselsprechanlage schrillt. „Was gibt es?“

„Hier ist Frau Berger.“

„Ich erwarte die Dame“, entgegnet Ingolf aufstöhnend und überlegt. Bis jetzt bearbeite ich nur die Wünsche von Cornelia, zu meiner eigentlichen Arbeit bin ich noch nicht gekommen.

Die Tür öffnet sich sanft, eine gut gekleidete

Frau betritt den Raum. Ingolf erhebt sich von seinem Stuhl, geht der Fremden entgegen und reicht ihr die Hand.

„Guten Tag. Sie sind also eine der ältesten Freundinnen meiner Frau.“

Sabine Berger lächelt zurückhaltend. Sie ist dankbar über diese freundliche Begrüßung.

Ingolf sieht blendend aus, viel besser als auf den Wahlplakaten, stellt sie fest.

„Danke, dass sie mich trotz ihres vollen Terminkalenders schon heute empfangen.“

„Keine Ursache, ich habe ja schließlich auch ein Interesse daran. Bitte setzen sie sich.“

Damit geleitet er die Frau zu seinem Schreibtisch und schiebt ihr einen Stuhl hin.

„Sehr geehrte Frau Berger, bitte berichten Sie von sich. Die ersten zehn Jahre können sie auslassen, die kenne ich von meiner Frau.“

Sabine legt ihm ihre Bewerbungsunterlagen auf den Schreibtisch, der noch mit der unerledigten Post überfüllt ist. Sie lächelt verständnisvoll über die Unordnung.

„Nur das Genie beherrscht das Chaos, deshalb brauche ich dringend Hilfe für den Aufgabenbereich Wahlvorbereitung.“ Ingolf blättert in den Bewerbungsunterlagen, während Sabine Berger spricht. Ohne Umschweifen zählt sie auf, wo sie für seine Partei tätig war. Er betrachtet sein Gegenüber. Sie hat einen sinnlichen Mund und blaugraue Augen, die etwas zu weit auseinander stehen. Das dunkle Haar trägt sie hochgesteckt. Ein angenehmer Parfümduft umgibt ihre Person.

„Danke, sie haben mich überzeugt“, unterbricht er sie.

„Soll das heißen, ich habe die Stelle?“, ruft Sabine begeistert. Ein heiteres Funkeln leuchtet aus ihren Augen.

Ingolf schließt sie sofort in sein Herz.

„Ja, sie sind ab nächstem Monat meine Wahlkampfleiterin und können sich ihr Team zusammenstellen. Bitte klären sie alle Einstellungsmodalitäten mit dem Personalbüro, meine Sekretärin wird ihnen dabei behilflich sein.“

Ingolf steht auf, übergibt Sabine die Bewerbungsunterlagen und drückt ihre Hand. Sie spürt, dass er es ehrlich mit ihr meint, der Händedruck dauert länger als gewöhnlich.

Ingolf geleitet sie zur Tür und bittet Frau Heidenreich sich um die zukünftige Mitarbeiterin zu kümmern. Dann schließt sich hinter ihm die Tür und er beginnt die Post zu bearbeiten.

Joachim tritt mit einem Computerausdruck ins Büro.

„Ich habe alle Seiten der Homepage des Kinderhilfswerkes für sie ausgedruckt. Das Hilfswerk hat eine beeindruckende Präsentation, ist augenscheinlich integer, ich meine es ist gemeinnützig und hat einen Spendensiegel. Ich habe zusätzlich die Seiten mit den Bildern der Patenkinder ausgedruckt.

„Zeigen sie her.“

„Ich möchte noch auf etwas hinweisen.“

„Haben sie Bedenken?“

„Die Kinder sind zwischen acht und vierzehn Jahre alt und dabei befinden sich sehr attraktive Mädchen. Wenn ich nicht wüsste, dass es sich um ein Kinderhilfswerk handelt, könnte ich mutmaßen es sind Angebote für Kinderprostitution.“

„Sie haben zu viel Krimis und die Revolverpresse gelesen. Die Kinder sind ordentlich angezogen und haben ihr Lieblingstier im Arm. Sagen sie, wie soll ihrer Ansicht nach sonst ein Pate gefunden werden?“

„Ich bin etwas zu vorsichtig. Wenn etwas schief geht, steht ihr guter Ruf auf dem Spiel!“

„Geben sie mir nochmals die Fotos. Es sind wirklich reizende Mädchen und Jungen. Ich denke an diese wird Cornelia ihr Herz verlieren. Danke für die schnelle Hilfe.“

„Dafür haben sie mich schließlich eingestellt, oder?“

Das Telefon schrillt. Joachim nimmt den Hörer ab.

„Hier ist das Büro des Abgeordneten van Holms, was kann ich für sie tun?“

Er übergibt den Hörer seinem Chef.

„Es ist ihre Frau.“

„Hallo Liebling, „ja, ja!“

Ingolf verdreht die Augen und gibt Joachim zu verstehen, dass er ihn nicht mehr benötigt. Bei seiner Frau kommt Ingolf sehr selten zu Wort.

„Lässt du mich bitte zu Wort kommen, na also! Wir haben im Internet recherchiert und alle Seiten des Kinderhilfswerkes für dich ausgedruckt. Dann kannst du dir deine Patenkinder allein aussuchen.“

Er legt den Hörer auf den Tisch. Cornelia lässt ihn wieder nicht zu Wort kommen und beginnt einen Geschäftsbrief zu lesen. Nach einer Weile nimmt er den Hörer wieder auf.

„Ja Liebling, ich habe dich verstanden. Du kannst dir die Bilder bei Frau Heidenreich abholen, wenn ich in der Fraktionssitzung bin.

Willst du nicht wissen, was ich mit deiner Freundin Sabine vereinbart habe. Ach so, du warst dir sicher, dass ich sie einstelle. Danke für dein Vertrauen.“

Ingolf legt verärgert auf.

Die Wechselsprechanlage läutet.

„Ja Frau Heidenreich, ich weiß es ist Zeit in die Sitzung zu gehen. Bitte händigen sie meiner Frau die Recherchen über das Kinderhilfswerk aus, sie wird diese gleich abholen.“

Sabine steht nach wenigen Minuten auf der Straße, wobei ihr plötzlich einfällt, ich sollte ja noch ins Personalbüro gehen. Um ihre Lippen spielt ein Lächeln und ihre sanften Augen verraten, dass sie glücklich ist. Eigentlich verabscheut Sabine selbstzufriedene Männer. Ingolf van Holms ist ihr heute in einem anderen Licht erschienen. In ihrem Inneren regt sich ein unbekanntes schönes Gefühl. Sie kann es kaum erwarten ihn wieder zu sehen. Das muss sie vor ihrer Freundin Cornelia verheimlichen, sonst geht daran ihre jahrelange Freundschaft kaputt.

Kapitel 3

Acht Monate später findet in der Villa van Holms ein Wohltätigkeitsempfang statt. 100 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kunst haben die Einladung von Cornelia dankend angenommen. Sie präsentiert das Hilfsprojekt eines internationalen Kinderhilfswerkes. Zwei große Poster zeigen ihre zwei Patenkinder, den achtjährigen Manolo und die elfjährige Silvia aus Brasilien, denen sie seit sechs Monaten je 25 € über das Kinderhilfswerk spendet.

„Ihr wollt schon gehen?“

Cornelia ist enttäuscht. Ihre drei Freundinnen stehen reisefertig vor der Hausherrin. Helga entschuldigt sich für die anderen. „Sabine will uns mit dem Auto in die Stadt mitnehmen, wir haben uns entschieden mitzufahren.“

„Hat euch mein Wohltätigkeitsempfang nicht gefallen?“, fragt Cornelia schmollend.

„Das hast du ganz toll organisiert, vor allem die Band aus den Siebzigern war für alle eine Überraschung. Du solltest dich mehr um deine prominenten Gäste kümmern, die du wegen uns vernachlässigt hast“, besänftigt sie Carmen.

„Vergiss uns nicht anzurufen. Natürlich wollen wir wissen, was du heute für deine Patenkinder eingenommen hast!“, erinnert sie Helga.

„Ja, will nicht eine von euch mit mir nach Brasilien fliegen?“

„Wir melden uns, tschüss!“, rufen die Drei aus einem Munde und schon sind sie aus der Tür. Cornelia fühlt sich auf einmal einsam.

„Schöne Frau darf ich um den nächsten Tanz bitten!“

„Thomas lass diese Vertrautheiten, ich habe meinem Mann gesagt, dass du ein Vertreter der Presse bist.“

„Und deshalb darfst du nicht mit mir tanzen?“

„Richtig, Ingolf war sauer, als ich ihm sagte, für welche Zeitung du schreibst. Ich habe ihm gesagt, dass es eine Gefälligkeit von dir ist, mich bei der Öffentlichkeitsarbeit für mein Kinderprojekt zu unterstützen, weil du indirekt zu unserem Kleeblatt gehörst.“

„Ein fünfblättriges Kleeblatt, das habe ich noch nicht gesehen, gut einverstanden. Jedenfalls waren die anderen drei Blätter wesentlich liebevoller zu mir, was ich von dir heute Abend nicht behaupten kann.“

„Thomas lass deine Anzüglichkeiten.“

„Erst wenn du mit mir tanzt, gebe ich mich zu mindestens für heute geschlagen.“

„Also gut, nur einen Tanz darfst du haben, dann gehöre ich wieder meinem Mann.“

„Vergiss nicht, die Rechte an einem Artikel über deinen Brasilien Aufenthalt bekomme ich!“

„Das muss ich mir redlich überlegen“, kokettiert sie und tanzt mit ihm einen Stones Walzer. Als Jugendliche hatten sie diesen trainiert und konnten ihn immer noch. Die anderen Gäste bilden einen Kreis um das tanzende Paar. Ingolf zieht begreifend die Augenbrauen hoch.

Kapitel 4