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Kriminalität ist ein Spiegelbild der Macht! Jo W. Gegen ungewollte Kinder hilft die Pille oder die geschürte Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Senioren sind eine Geldquelle, und weil diese nicht mehr sprudelte, haben sich findige Köpfe der Senioren – Residenz eine Lösung ausgedacht! Keiner ahnt, dass Heiminsassen mit Mandeltee, nach Unterzeichnung eines Leibrentenvertrages vergiftet werden. Dieser Detektivroman ist die Fortsetzung des im Januar 2014 bei BOD erschienenen Romans „Organ – Handel“. In Organ-Handel beschäftigt sich die Detektei Jo W. mit der Organmafia, die weltweit agiert. Sie hatte den Auftrag, eine in Tschechien gestohlene Niere für den Geschädigten wieder zu finden. Im 2. Teil; Senioren-Residenz klärt die Detektei ein verbrecherisches Komplott auf. Die Geschäftsleitung bereichert sich über Leibrentenverträge mit Todesfolge, an Senioren. Um an ihr Ziel zu kommen schrecken sie nicht einmal vor einer Kindesentführung zurück.
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Seitenzahl: 154
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Kriminalität ist ein Spiegelbild der Macht!
Jo W.
Gegen ungewollte Kinder hilft die Pille oder die geschürte Angst den Arbeitsplatz zu verlieren.
Senioren sind eine Geldquelle und weil diese nicht mehr sprudelte haben sich findige Köpfe der Senioren – Residenz eine Lösung ausgedacht!
Keiner ahnt, dass Heiminsassen mit Mandeltee, nach Unterzeichnung eines Leibrentenvertrages vergiftet werden.
Personen und Orte sind fiktiv, sie kommen der Realität sehr nahe.
Ähnliches ereignete sich in den 90er Jahren.
DIE SENIOREN – RESIDENZ
WARUM TUE ICH MIR DAS AN?
DER NEUE AUFTRAG
DIE SENIOREN-RESIDENZ
DAS UNGELIEBTE KIND
DIE NEUEN IN BEDRÄNGNIS
LEIBRENTENVERTRÄGE
ILLEGALE ADOPTION
GLÜCKLICHER AUSGANG
Josephine Wendler hat sich Silvester vorgenommen das neue Jahr erfolgreicher zu gestalten und ihrem Leben wieder einen neuen Sinn zu geben. Die Hoffnung von der Aktensuchanstalt Unterstützung zu erhalten, hat sie inzwischen aufgegeben. Ihre Beziehungen beschränken sich nur noch auf das Überprüfen ihres Vermögens, das sie wohl kaum mit den staatlich verordneten Almosen aufbessern kann und der Nachweisführung über Bemühungen wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Alle Bemühungen von Josephine, ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse einem Arbeitgeber schmackhaft zu machen, waren bisher auf Grund ihrer Überqualifikation, dem Alter und ihrem Handicap, eine Frau zu sein, gescheitert.
Ihre Selbstständigkeit als Detektivin hatte sie umständehalber vor sechs Jahren aufgegeben. Aus diesem Grund beschließt Josephine wieder einmal, wie sie das seit Jahren nicht anders gelernt hat, ihre Arbeitskraft gemeinnützig zur Verfügung zu stellen. Sie spürt sehr schnell, dass sich damit ihre finanzielle Situation noch verschlechtern würde. Denn Josephine muss für die Aufwendungen der ehrenamtlichen Tätigkeit, zum Beispiel die Fahrtkosten, die in diesem Jahr bei den städtischen Verkehrsbetrieben wieder gestiegen sind, zusätzlich noch aufkommen. Dafür hatte sie das trügerische Gefühl, wieder in der Gesellschaft gebraucht zu werden. Ist das ihre Bestimmung für die Zukunft? Die Vergangenheit stellte Josephine Wendler vor viele Aufgaben, die ihr als unlösbar erschienen, im Ergebnis hatte sie immer wieder hinzugelernt.
Genau das war ihre Motivation, diese unbezahlte Mission zu übernehmen und sich dabei genau so einzubringen, wie sie es bei einem gut bezahlten Job getan hätte. Es kam wieder einmal ganz anders.
Der Verkehr pulsiert auf dem Platz, der seinen Namen von einem großen deutschen Dichter entliehen hat. Am Gehsteig steht eine reifere Dame und wartet auf das grüne Ampelmännchen, das ihr den Weg zu einer neuen Herausforderung freigibt. Beim Passieren der Kreuzung, die wie immer völlig überlastet, mit nervös hupenden Autos, quietschenden Reifen der Überlandbusse und klingelnden Straßenbahnen ist, sowie dem Stimmengewirr der Passanten und Touristen, wirft die Frau einen prüfenden Blick auf die nostalgische Stadtuhr.
Der Zeiger steht auf Viertel vor zehn. Sie überlegt, soll sie zu ihrem Antrittsbesuch wirklich schon so früh erscheinen oder ist es nicht besser pünktlich 10.00 Uhr an der ihr avisierten Tür zu klopfen, um Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu dokumentieren? Ihr Blick gleitet über den belebten Platz, schnell findet sie den Eingang zu dem Haus, das sie aufsuchen will. Langsam schlendert die Frau an dem Haus vorbei. Nach 100 Metern erreicht sie die nahe gelegene Uferpromenade. Auf der anderen Flussseite erheben sich prächtige bewaldete Berghänge. Der Blick der Frau umfasst diese atemberaubende Landschaft.
Sie bleibt tief einatmend an einem Geländer stehen und nimmt Zwiesprache mit ihrem Unterbewusstsein. Warum bin ich hier, will ich mich wirklich als ehrenamtliche Helferin in dem Seniorenheim vorstellen?
Josephine hat die 50 schon überschritten. Ihr Lebensweg war erlebnisreich. Nach der Schule erlernte sie den Beruf einer Reporterin, ging zur Polizei, später war sie in einer Rechtsanwaltskanzlei tätig. Vor zehn Jahren hatte Josephine sich mit einer Detektei selbstständig gemacht. Sie hatte vor Jahren die notwendige Prüfung als Anwaltsgehilfin erfolgreich bestanden und daraufhin die Lizenz als Privatdetektivin erhalten.
Ein großes Glück hatte Josephine, dass sich der Kriminalrat Meissner ihrer Person, als gute Polizistin und Schützenkönigin, erinnerte.
Wenn Ermittlungen anfielen, für die seine Dienststelle nicht zuständig war, gab er sie an ihre Detektei weiter. Das war vor sechs Jahren, seit dem ist Josephine ein gebranntes Kind, sehr skeptisch und aufmerksam. Manchmal hat sie das Gefühl für etwas zu büßen, das sie selbst gar nicht zu verantworten hat. Von ihrer Mutter weiß Josephine, dass ihr Leben in den ersten Wochen nach der Geburt an einem seidenen Faden hing. Ihre Heilung an einer doppelseitigen Lungenentzündung war damals für die Familie einem Wunder gleichzusetzen.
In ihrem Leben wurde Jo, so wird sie in ihrem Freundeskreis gerufen, vor viele Herausforderungen gestellt. Oft stand sie schon am Abgrund und wurde durch besondere Umstände vor dem Absturz gerettet.
Im Rahmen ihrer Ermittlungen als Detektivin war sie Menschen- und Organhändlern auf die Schliche gekommen. Die Kriminellen erhielten Schutz und sie geriet in Bedrängnis. Sie wurde unter Datenschutz gestellt und damit ihr sozialer Abstieg programmiert. Diese Erlebnisse lagen sechs Jahre zurück, der Datenschutz endete, am Silvestertag. Jo hatte nie wieder im Berufsleben Fuß gefasst und die zermürbende Unsicherheit und Angst vor den Kriminellen hatte sie gezeichnet.
Die Hoffnung endlich aus der Isolation treten zu können, hatte Jo auf eine Anzeige reagieren lassen. Sie bewarb sich als ehrenamtliche Helferin in einem Seniorenheim.
Die Frau erwacht aus ihrem Tagtraum, nimmt die Umwelt wieder wahr und beobachtet die Schwäne, die sich auf den Wellen des Flusses wiegen. Sie bemerkt eine Menschenansammlung am Ufer, die auf einen Mann der am Boden hockt, starren. Jo folgt den Blicken und entdeckt, dass sich der Mann über einen Schwan beugt, den er mühevoll einen Gurt um den Leib legt und diesen daraufhin untersucht. Danach trägt der Mann in ein Notizheft die ermittelten Werte ein und gibt das Tier wieder frei. Der Schwan bleibt am Boden hocken, erst allmählich begreift das Tier, dass es wieder frei ist und begibt sich langsam, sehr langsam, zu seinen Artgenossen in den Fluss. Zuerst flüchten die Schwäne, nachdem sie bemerken, dass der Mann am Ufer, mit Lockrufen und Toastbrot, sich ein weiteres Opfer aussuchen will. Ein Schwan löst sich tapfer aus dem Schwarm, diesen bereits registrierten, will der Mann am Ufer nicht. Das schlaue Tier hat erkannt, dass das Brot genießbar ist und von dem Mann keine Gefahr ausgeht.
Die Beobachter am Ufer lachen.
Ein Vorwitziger ruft zur Belustigung der Anderen, „die haben den Braten gerochen!“
So bleibt dem Wissenschaftler nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge seine Utensilien einzupacken.
Für Jo wird es Zeit, in fünf Minuten muss sie ihren Termin wahrnehmen. Pünktlich 10 Uhr steht sie in dem gemütlichen Eingangsbereich des Seniorenheimes. Resolut klopft sie an der Tür der Wirtschaftsleiterin.
Die Tür bleibt verschlossen. Die Besucherin ärgert sich, wollte sie gerade damit ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit dokumentieren. Sie läuft unruhig auf und ab, dabei studiert sie die Aushänge. Endlich erscheint die Wirtschaftsleiterin in Begleitung einer Heimbewohnerin. Sie bittet Jo noch einige Minuten vor der Tür zu verharren. Zehn Minuten später sitzt Jo der dezent geschminkten Managerin gegenüber. Diese erklärt ihrer Besucherin, dass sie sich sehr viel Zeit für die ehrenamtlichen Helfer nimmt. Sie spricht über die Agenda und das Anliegen des Seniorenheimes. Jo hat wenig Gelegenheit zu ihrer Person zu sprechen. Die Managerin füllt einen Anmeldebogen aus und nimmt nur die wesentlichen Daten; Name, Geburtsdatum, Anschrift und Erreichbarkeit auf. Jo erinnert sich an die These, „wer fragt der führt!“ Sie hat in dem Gespräch wenig Gelegenheit zu fragen, muss sogar manchmal den emotionalen Redeschwall ihres Visavis unhöflich unterbrechen, um zu Wort zu kommen.
Die Managerin deutet ihr an, dass sie an der Vergangenheit der ehrenamtlichen Hilfskräfte nicht interessiert ist, sondern nur an deren Zuverlässigkeit. Sie erklärt weiter, dass Jo für ihre Aufwendungen keine Erstattung erhält, jedoch dafür kostenlos ein Mittagessen einnehmen kann und ihr bei Ausflügen der Senioren, als Helferin keine Kosten entstehen. Danach schließt sich eine Besichtigung des Heimes an. Die Wände in den Gängen sind gelb gestrichen und jede Etage hat eine andere farbige Bordüre, damit sich die Heimbewohner zurechtfinden.
Die Zimmer haben eine Grundausstattung, die aus einem Bett, Nachttisch, Wäscheschrank, Tisch und Stuhl, sowie einer Nasszelle bestehen. Die Heimleitung legt Wert darauf, dass die Bewohner einige eigene Möbel mitbringen.
In den Gemeinschaftsbereichen schaffen Vogelbauer mit Insassen eine anheimelnde Atmosphäre. Der Gebäudekomplex ist so konzipiert, dass die Bewohner des größeren Hauses an der Hauptstraße über die Dächer zum Fluss und die bewaldeten Flusshänge sehen können. Jo hat das Gefühl, dass die Managerin bei den Angestellten und Heimbewohnern sehr beliebt ist und voll in ihrer Profession aufgeht. Während Jo den Worten der Managerin folgt und vom Gangfenster die schöne Aussicht auf den Fluss genießt, verspürt sie einen Klaps auf ihrem verlängerten Rückenteil. Verschmitzt lächelnd rollt ein älterer Heimbewohner im Rollstuhl an den Frauen vorbei. Die Managerin bemerkt Jos Fassungslosigkeit. „Das ist unser nettester Heimbewohner, ihm steckt der Schalk im Nacken!“
Nach einer Stunde steht Jo wieder auf dem pulsierenden Platz vor dem anheimelnden Seniorenheim.
Am Abend lässt sie die Ereignisse des Vormittags Revue passieren. Jo wird bald als ehrenamtliche Helferin eines Seniorenheimes eingesetzt. In ihr kommen Zweifel auf. Will ich wirklich ein Nobody sein? Warum habe ich mich jahrelang mit der Vervollständigung meiner Bildung, auf eigene Kosten beschäftigt? Jo weiß aus eigener Erfahrung, dass es keine Zufälle gibt, dass sie bewusst den Weg in dieses Seniorenheim gegangen ist. Soll das ihre, vom Schicksal vorbestimmte Zukunft sein? Warum?
Dass Jo hier auch auf Unregelmäßigkeiten stößt, wie es in der Vergangenheit war, kann sie sich nicht vorstellen.
Die nun zur Hilfskraft degradierte, allseitig gebildete, hoch qualifizierte Akademikerin, rekonstruiert das Gespräch in dem Seniorenheim und achtet dabei auf die versteckt, übermittelten Botschaften. Sie stellt einige für sie noch nicht nachvollziehbare Tatsachen fest.
Warum werden die Auslagen der ehrenamtlich tätigen Helfer, die am untersten Existenzminimum leben und mit ihren Mitteln nur ihre pure Existenz sichern können, nicht erstattet.
Es gibt einige Maßnahmen, wie ein „1 €-Job“ und das Bürgergeld, eine Aufwandsfinanzierung für derartige ehrenamtliche Arbeiten?
Die Managerin zeigte Jo den Aufenthaltsraum, wo das Rauchen erlaubt ist. Sie erklärte die Sicherheitsanlagen und bat Jo alle Zuwiderhandlungen der Heimbewohner zur Anzeige zu bringen. Die Managerin war auf die Unzufriedenheit fast aller Heimbewohner, die alle eine Pflegestufe haben eingegangen, ohne Genaueres zu erklären. Jo kann sich auf alles keinen Reim machen, soll sie wirklich alles im Kauf nehmen, für ein Ziel, das sie nicht voraussieht
Das Klingeln des Telefons reißt sie aus ihren Gedanken. „Hallo Andreas, wie kommt es, dass mein kleiner Bruder sich an meine Existenz erinnert?“
Andreas ist seit fünf Jahren der Juniorpartner von Rechtsanwalt Dr. Wichmann und hat sehr wenig Zeit für familiäre Probleme. Jo kann sich noch ganz genau an die konstruktive Zusammenarbeit mit Andreas und dem Rest der Familie beim Fall „Organ Handel“ erinnern. Sie weiß bis heute nicht, ob der Diebstahl der Niere von Herrn Schmidt, beziehungsweise der verdeckte Organhandel, endgültig aufgeklärt wurde. Um ihr Leben nicht weiter in Gefahr zu bringen, hatte sie sich danach von allen öffentlichen Ämtern zurückgezogen und ihre Selbstständigkeit aufgegeben. Andreas, der an den Recherchen aktiv mit beteiligt war, fand dabei seine Berufung, schloss sein Jurastudium erfolgreich ab und aus dem Praktikum bei Dr. Wichmann war eine fruchtbringende Zusammenarbeit entstanden. Jo weiß, wenn Andreas sie einmal kontaktiert, dann gibt es etwas Interessantes zu bereden. Heute will er einen Rat von seiner Schwester einholen.
„Andreas, das Angebot als Jurist mit einen Managergehalt für eine Schweizer Firma in China zu arbeiten, ist sehr verlockend. Es war richtig, dass du während deines Studiums zusätzlich Chinesisch gelernt hast. Ich kann dir nur raten mache die Gegenrechnung, wo kannst du dich weiter entwickeln und hast eine sichere Existenz. Bei Dr. Wichmann hast du deine sichere Perspektive und eines Tages wirst du seine Kanzlei übernehmen. In der Schweiz und danach in China betrittst du Neuland. Wie lange hast du Zeit, dich zu entscheiden?“
Sie hört, auf der Sessellehne sitzend dem Bruder gespannt zu.
„Ist es nicht besser, wenn wir uns persönlich zu der einschneidenden Perspektive unterhalten? Ich habe eine Aufgabe gefunden. Heute Morgen stellte ich mich als ehrenamtliche Helferin in einem Seniorenheim vor. Nein ich bekomme dafür keine Bezahlung, wenn du danach fragen willst. Nicht einmal eine Aufwandsentschädigung, aber die Managerin ist sehr kulant, ich darf kostenlos Mittagessen und bei den Ausflügen der Senioren brauche ich keinen Pfennig zu zahlen.“
Jo verzieht den Mund bei der Antwort ihres Bruders und denkt, da kommt sofort der Rechtsanwalt durch.
„Gut Andreas, du willst mit mir über deine Zukunft reden und das gleich. Warum regst du dich nur so auf? Danke, du bist der Beste! Früher, lang, lang ist es her, hieß der Satz immer Jo ist die Beste! Ich werde inzwischen dein Lieblingsessen vorbereiten, bis bald.“ Jo legt den Hörer auf und beginnt nachzudenken. Warum ist Andreas auf einmal so verärgert?
Wenig später steht der stattliche Rechtsanwalt vor der Wohnungstür der Schwester. Andreas lässt sich keine Zeit für bedeutungslose Worte. Er stürzt gleich mit der Tür ins Haus. „Bist du von allen guten Geistern verlassen, von dir hätte ich mehr Selbstbewusstsein erwartet!“, herrscht er die Ältere an.
„Was willst du damit sagen?“
„Du gehst jeden Samstag an die Tafel, hast nicht einmal mehr das Geld fürs Theater, Kino und an Urlaub kaum zu denken. Wofür? Weil du immer nur an Andere gedacht hast. Die haben dich inzwischen vergessen und nun willst du wieder nur so einen ehrenamtlichen, undankbaren Scheiß machen. Das kannst du als reiche Unternehmers Hausfrau tun, aber nicht, wenn dir das Geld gerade so zum Überleben reicht. Mache mir mal vor, wovon du zusätzlich die Aufwendungen für die ehrenamtliche Arbeit hernehmen willst? Weißt du überhaupt, dass bei deinen Bezügen allein für die Fahrkarte nur 60 Cent täglich berechnet wurden. Du bezahlst bis zum Altersheim allein 1,80 € Fahrtkosten und zurück nochmals die gleiche Summe. Bei nur drei Tagen in der Woche kostet dich die An- und Abfahrt 10,80 €, das sind im Monat 43,20 €.“
„Die Managerin ist doch sehr kulant, sie lässt mich dafür kostenlos Mittag essen.“
„Das ist ja lächerlich, die alten Leutchen, essen eh sehr wenig und bezahlen sehr viel dafür, also bleibt eine bezahlte Portion immer übrig. Von wegen kulant, eher raffiniert. Ich erinnere mich, dass du wie in jedem Jahr wieder einmal abnehmen willst, also gibt es dort gar nicht das Essen, was du für deine Diät brauchst“, dabei betrachtet er seine Schwester abschätzend von Kopf bis Fuß.
„Wenn du das so siehst, muss ich dir leider Recht geben. Bitte bedenke noch, ich komme endlich unter Menschen und kann wieder Kultur erleben.“
„Für welchen Preis? Erstens musst du dir geeignete und bequeme Schuhe zulegen, damit du die Rollstühle ohne eigenes Handicap, schieben kannst und passende Kleidung nicht zu vergessen, das sind weitere zusätzliche Ausgaben. Zweitens wirst du nicht viel von den Ausflügen und der Kultur haben, weil du dich um die behinderten, alten Menschen kümmern musst. Drittens; glaube ich kaum, dass sich die Demenzkranken sehr viel mit dir unterhalten wollen.“
„Bei diesen drei Punkten muss ich dir wieder zustimmen. Denn im Heim habe ich beobachtet, dass die Bewohner selbst in den Gemeinschaftseinrichtungen, unzufrieden, in sich gekehrt und stumpfsinnig da saßen. Es war, außer dem Zwitschern der Kanarienvögel, kein Ton zu hören.
Andreas nimmt seine Schwester beim Kopf und drückt sie, während er erklärt, „ich bin sichtlich erleichtert, dass du endlich einsiehst, mit dieser ehrenamtlichen Aufgabe finanziell überfordert zu sein. Selbst die Helfer an den Tafeln erhalten für ihre Aufwendungen ein Bürgergeld und die Managerin des privaten, bestimmt nicht billigen Altenheimes, will nicht für deine Hilfe bezahlen. Da ist ganz einfach was faul. Lass die Hände davon!“
„Danke Andreas. Aus dem Funkeln in deinen Augen muss ich entnehmen, dass du noch mehr auf dem Herzen hast.“
Andreas lümmelt sich erleichtert auf einen bequemen Sessel und beginnt weiter zu sprechen, indem er ganz genau die Reaktionen seiner Schwester beobachtet.
„Ich kann dir wirklich nichts vormachen, liebes Schwesterlein. Es gibt keine Zufälle, und dass du ein Seniorenheim gerade jetzt kennengelernt hast, kommt mir sehr entgegen. Willst du nicht wieder als Detektivin arbeiten?“
„Wo denkst du hin, ich bin da raus. Sechs Jahre konnte ich mein Büro nicht halten und meine Aufträge beim Nachlassgericht hat ein anderer Kollege übernommen.“
„Das meine ich nicht. Dr. Wichmann hat einen Klienten, der dringend Unterstützung benötigt. Wenn du mehr darüber wissen willst, komme bitte morgen in unsere Kanzlei. Nun verspüre ich mächtigen Hunger, zumal ich aus der Küche sehr wohl den Geruch der fertigen Lasagne in der Nase verspüre.“
Dr. Wichmann empfängt Jo nicht in seiner Kanzlei, sondern im Sommergarten. Sie fühlt sich sofort heimisch. Während Andreas mit der Frau von Dr. Wichmann auf der Terrasse sitzen bleibt, spazieren der Rechtsanwalt und Jo durch den Garten und betrachten die Rosen. Nachdem Dr. Wichmann seinen Vortrag über Rosenzucht abgeschlossen hat, beginnt er seiner Besucherin eingehend darzustellen, weshalb er einen Schutzverein für Geschädigte einer Senioren-Residenz ins Leben gerufen hat. Er erklärt, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis der Schwindel auffliegt und genau dazu benötigen seine Schutzbefohlenen und sein Mandant die Hilfe einer Detektei. Es handle sich um unzählige Fälle, wobei alte Menschen um ihre Ersparnisse und damit um die Sicherheit ihres Daseins gebracht werden. Seine Schutzbefohlenen und er dankbar für jegliche Hilfe, zumal die Detektei Wendler immer einen guten Namen hatte und Frau Josephine mit ihrem Sachverstand, erfolgreich die Täter zur Strecke bringen konnte. Bei diesen Worten sieht der Ältere Jo mit treuherzigen und verschmitzten Augen an. Jo ist beschämt, sie will die Vorschusslorbeeren nicht und erklärt, „ich weiß nicht, ob ich ihnen nützlich sein kann. Sie wissen, dass ich seit sechs Jahren keine Ermittlungen mehr durchgeführt habe und über keine aktuellen Kontakte verfüge.“
„Ich habe nie an ihren Fähigkeiten gezweifelt. Die Umstände für ihre Pausierung lagen nicht in ihrem Ermessen, sondern waren eine Folge der Ohnmacht unserer Regierung gegen das organisierte Verbrechen. Also stellen sie ihr Licht nicht unter den Scheffel!“
„Gut, wenn sie das so sehen, werde ich mich in den Fall einarbeiten.“
„Etwas anderes habe ich nicht von ihnen erwartet, liebe Frau Josephine. Mein junger Kollege, der wohlweißlich auch ihr Schüler war, wird sie über alle Details informieren.
Darf ich sie bitten mit mir zur Kaffeetafel zu schreiten, damit ich gestärkt meine Nachmittagstermine wahrnehmen kann.“
Wenig später sitzt Jo ihrem Bruder in dessen gemütlichem Büro gegenüber.
„Ihr haltet die Spannung am Sieden, lichte endlich das Geheimnis um meinen neuen Auftrag, liebes Brüderchen.“
„Dr. Wichmann hatte vor sechs Jahren einen Klienten. Dieser wurde wegen Todschlag, nur auf Indizien, verurteilt. Nach Abbüßung seiner Haftstrafe fand er eine Arbeit im Ausland. Vor einem Monat kehrte er zurück, weil seine Mutter plötzlich verstorben ist.
