John Sinclair 2478 - Ian Rolf Hill - E-Book

John Sinclair 2478 E-Book

Ian Rolf Hill

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Beschreibung

Thor, Fenris, Loki, das Schicksal von Odin und der ganzen Welt! Nichts wird so bleiben, wie es war! Die Flucht von Bill Conolly und seinem Sohn Johnny scheint zu Ende zu sein! Sie sind gefährlichen Halbstarken in die Hände gefallen, für die Gewalt ein großer Spaß ist - bis sie mit Xorron Bekanntschaft machen, dem Herrn der Zombies und Ghouls! John Sinclair, Morgana Layton und Myxin kämpfen zur selben Zeit in einer Dimension des Grauens ums nackte Überleben, ebenso wie Suko, Jane Collins, Sheila und Shao in der Apokalypse, die die Erde heimgesucht hat! Und in Alaska gehen Werwölfe und Berserker aufeinander los und töten sich gegenseitig - und mittendrin Denise Curtis und der schwer verletzte Thor! Menschen und Götter sterben - denn auf dem Thron von Asgard sitzt die Totengöttin Hel!

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Die Herrschaft der Totengöttin

Grüße aus der Gruft

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Die Herrschaft der Totengöttin

(Teil 3 von 4)

von Ian Rolf Hill

In Asgard regierte der Tod! Und er langweilte sich sprichwörtlich zu Tode.

Hel saß auf dem Thron des Göttervaters Odin, das Kinn in die rechte schneeweiße Hand gestützt, während sie mit der linken in unregelmäßigen Abständen an der Kette zerrte, um ihre Gefangene aus der Reichweite der Ghouls zu ziehen, zu denen diese immer wieder kriechen wollte, als hätte sie Todessehnsucht.

Sollte das tatsächlich der Fall sein, war das der Beweis dafür, dass Frigg anscheinend doch nicht komplett plemplem war und zumindest ein Teil ihres Verstandes noch funktionierte.

Oder verlor Satans Marotte etwa an Kraft?

Das Narrenzepter, in dem der Geist eines wahnsinnigen Dämons gebannt war, war in letzter Zeit ziemlich oft zum Einsatz gekommen. Möglicherweise hatte Hel seine Macht einfach überstrapaziert.

Doch das war auch egal. Sie hatte erreicht, was sie wollte.

Sie hatte die Götter aus Asgard vertrieben und den Fimbulwinter ausgelöst, der das Ende der Welt einläuten würde. Oder zumindest das Ende der Götter.

Die Frage war nur, was kam danach? Sollte dies etwa schon alles sein?

Hel gähnte.

Sie hatte Asgard viel lebhafter in Erinnerung. Aber hier war ja so gar nichts los. Wahrscheinlich waren die Asen deshalb so leicht zu überwältigen gewesen.

Sie dachte an Loki und Fenris, die sie auf die Erde geschickt hatte, um die entflohenen Asen einzufangen und zu beseitigen. Und an Xorron, der Sinclair und seinen Freunden den längst überfälligen Denkzettel verpassen sollte.

»Alle haben Spaß, nur ich sitz hier dumm herum und starre Löcher in die Luft. Asendreck, wenn wenigstens Garm hier wäre. Oder Ganglot.«

Der Höllenhund und ihre Magd weilten zusammen mit ihrem Knecht Ganglati in Helheim. Irgendwer musste ja auf die Festung achtgeben.

Zumal Garm und Ganglati noch lange nicht wieder die Alten waren, nachdem sie während des Kampfes um Helheim von Xorron getötet worden waren.*

»Stattdessen muss ich mich mit dir friggidem Miststück herumschlagen.«

»Holle!«, lallte die ehemalige Fruchtbarkeitsgöttin.

»Was?«

»Ich bin Frau Holle! Ich lasse es schneien und ...«

»Ich bin Frau Holle!«, zischte Hel. »Schon vergessen? Ich belohne die Faulen und bestrafe die Tugendhaften.« Sie legte einen Zeigefinger an ihr Kinn. »Oder war es andersrum?«

Frigg kniete sich auf die unterste Stufe des Throns und tat so, als würde sie Schneeflocken in die Luft schleudern. »Es soll schneien.«

»Hör auf damit!«, schrie Hel und zerrte an der Kette, sodass Frigg hintenüberfiel.

Sie wälzte sich herum und schaute die Totengöttin traurig an. »Aber ich bin doch Frau Holle!«

»Ich bin Frau Holle!«, brüllte Hel. »Du dämliches Miststück!«

Unvermittelt sprang sie auf und schaute sich um. »Wo ist meine Peitsche?«

»Du hast keine Peitsche!«, sagte jemand hinter ihrem Rücken.

Hel wirbelte herum. »Wer hat das gesagt?«

Doch es war niemand zu sehen, nur Frigg kicherte leise, während die Ghouls bloß stupide vor sich hin schlürften und schmatzten.

Hel verengte die Augen und wandte langsam den Kopf. »Warum habe ich keine Peitsche?«

Doch sie erhielt keine Antwort auf ihre Frage. Stattdessen sagte die Stimme: »Warum nimmst du nicht das güldene Schwert?«

Hel gackerte. »Für wie dämlich hältst du mich? Ich weiß genau ...«

Sie verstummte abrupt, als ihr bewusst wurde, woher die Stimme kam. Nämlich direkt aus dem grinsenden Maul der Harlekinfratze, die am Ende von Satans Marotte steckte.

Das Narrenzepter lag zwischen Sitzfläche und linker Armlehne.

Langsam trat Hel näher, streckte den Arm aus und nahm die Marotte an sich. Sie drehte es in der Hand, bis das faustgroße grinsende Gesicht sie mit seinen leeren Augenhöhlen anglotzte.

»Hallo?«, fragte sie leise.

»Buh!«, machte die Fratze.

Hel zuckte zurück. »Das ist ja schräg. Seit wann kannst du sprechen?«

»Das ist ja schräg«, erwiderte der Harlekin. »Seit wann kannst du sprechen?«

»Ich habe zuerst gefragt!«

»Ich habe zuerst gefragt«, äffte die Fratze sie nach.

Hel schüttelte das Zepter. »Hör auf damit!«

»Hör auf damit!«

»Ich bin Frau Holle«, rief Frigg dazwischen. »Ich lasse es schneien!«

»AUFHÖREN!«, brüllte Hel. »SOFORT AUFHÖREN! ICH BIN FRAU HOLLE!«

»Ich bin Frau Holle!«, gackerte das Zepter.

»Nein, ich bin Frau Holle!«, rief Frigg und giggelte.

Mit einem Satz war Hel bei der ehemaligen Göttin und drosch mit dem Narrenzepter auf sie ein, bis das Blut nur so spritzte und sich die Gefangene nicht mehr rührte.

»So, das hast du jetzt davon!«, keuchte die Totengöttin. »Bist du nun zufrieden?«

»Bist du nun zufrieden?«

»Aaaah!«, schrie Hel und schleuderte die Marotte von sich. Sie flog durch die Halle und verschwand in den Schatten.

Die Ghouls krochen auf die reglos am Boden liegende Frigg zu, deren Gesicht nur noch eine blutige Masse war.

»Weg da!«, kreischte Hel. »Los! Verschwindet! Sofort!«

Aber die Leichenfresser beachteten sie gar nicht.

Da lief Hel zum Thron hinüber und ergriff das Goldene Schwert – natürlich mit der rechten Hand – und wirbelte herum.

Wie eine Furie kam sie über die Ghouls und tötete mit wenigen wuchtigen Schlägen ein halbes Dutzend Leichenfresser. Panisch ergriffen die anderen die Flucht.

Sie wogten gegen das Portal, das in den Angeln erzitterte, und quetschten sich durch den Spalt in der Mitte beziehungsweise unter den Türhälften hindurch.

Hel folgte den Ghouls, die zu einem schleimigen Klumpen verschmolzen waren, in den die Totengöttin immer wieder die Klinge hineinstieß. Es zischte und fauchte. Die Ghouls stimmten ein wehleidiges Heulen an.

Die pulsierende schleimige Masse fing an, von den Einstichstellen ausgehend, zu kristallisieren. Sie wurde schwarz und trocknete aus.

Hel drosch weiter mit dem Goldenen Schwert auf die sterbenden Leichenfresser ein, bis nur noch ein Haufen puderiger schwarzer Asche übrig war.

»Wie ich sehe, hast du hier richtig viel Spaß!«

Hel schnellte herum. »Halt deine verfickte Fresse!«

»So sprichst du also mit deinem Vater? Ich sollte dir den Mund mit Seife auswaschen!«

Erst da begriff Hel, dass die Stimme nicht aus der Richtung gekommen war, in die sie das Narrenzepter geschleudert hatte, sondern vom Thron her.

Und dort saß eine Gestalt, leicht vornübergebeugt, während eine ölige schwarze Flüssigkeit aus ihrer Brust auf die Stufen des Podestes tropfte.

Hel kannte die Person nur allzu gut. Ohne sie wäre es ihr vermutlich nie gelungen, bis zu Odin und Frigg vorzudringen und die Asen zu überwältigen.

Es war ihr Vater.

»Loki!«

»Was machen wir mit ihnen?«

»Och, da wird mir schon was einfallen«, antwortete eine weibliche Stimme. »Der Jüngere von ihnen sieht schnuckelig aus.«

»Denkst du eigentlich nur ans Vögeln, Ginger?«

Ein gurrendes Kichern erklang. »Bist du eifersüchtig, Jerry? Ihr könnt euch wohl kaum beschweren. Ich bin es jedenfalls nicht, die eine Pause ... Scheiße, Burt, hast du etwa gegen den Kack-Weihnachtsbaum gepisst?«

»Ich ... ich musste mal!«

»Dafür gibt es Toiletten, du Wichser!«, fauchte Ginger. »Und du – hör auf, mit dem Ding da herumzufuchteln. Sonst ...«

BAMM!

Der Knall dröhnte durch Bills Schädel, der sich anfühlte, als wäre er um mindestens das Doppelte seiner ursprünglichen Größe angeschwollen. Übelkeit und Schmerzen quälten ihn, Anzeichen einer Gehirnerschütterung.

Verflixt, wo war er? Was war passiert? Und wieso konnte er sich nicht bewegen?

»Hu, hu, hu!«, kicherte der Kerl namens Jerry.

»Fuck, willst du uns umbringen?«, brüllte Ginger.

»Reg dich ab. Ist doch nichts passiert. Ich wollte doch bloß mal sehen, ob die echt ist.«

»Du bist so ein Idiot. Ihr seid beide Idioten. Keine Ahnung, warum ich überhaupt mit euch abhänge?«

»He, ich glaube, der eine von denen ist wach!«, rief Burt.

»Wer?«, fragte Ginger.

»Der da! Der Jüngere!«

»Bist du sicher?«

»Ich hab gesehen, wie er zusammengezuckt ist.«

»Na siehst du? War doch gut, dass ich die Knarre ausprobiert hab.«

»Halt die Schnauze!«

Zwei nackte Füße traten in Bills Blickfeld. Der Nagellack auf den Zehennägeln blätterte bereits ab. Die Haut war blass, auf dem rechten Unterschenkel prangte ein Tattoo. Eine Schlange wand sich daran herum, als wollte sie am Bein hinaufklettern.

Mehr konnte Bill nicht erkennen. Er befand sich in einer höchst unbequemen Position.

Er hatte längst bemerkt, dass er an einen Stuhl gefesselt war. Das Kinn war auf die Brust gesunken. Die Stiche, die seinen Schädel malträtierten, strahlten bis in seinen Nacken aus.

Ein unangenehm süßlicher Geruch kitzelte Bills Nase. Irgendein billiges Parfüm, in das sich der Gestank nach Schweiß und Sex mischte.

Wer waren diese Typen? Und wer war noch hier?

Verdammt, wenn er sich doch bloß erinnern könnte.

»Hey, mein Süßer. Komm, wach auf! Ich hab hier eine Überraschung für dich. Eigentlich sogar zwei.« Sie kicherte.

»Wenn der deine Titten sieht, wird er sofort wieder ohnmächtig.«

»Fresse!«, keifte Ginger. »Eben konntest du gar nicht genug von ihnen bekommen.«

»Mann nimmt, was Mann kriegt!«

»Du bist ein Arschloch!«

Jerry gluckste, doch das Lachen verging ihm schnell. »Hey, bist du bescheuert?«

Bill vernahm ein Plätschern, der Geruch von Bier drang in seine Nase. Neben ihm fing Johnny an zu japsen.

Johnny!

Sein Sohn war also auch hier.

Und dann war die Erinnerung plötzlich da. Xorron hatte sie angegriffen!

Sie waren nur mit knapper Not entkommen und zu den McGuffins geflohen. Die Familie war über die Feiertage verreist und hatte die Conollys gebeten, ab und zu mal die Blumen zu gießen, da ihre Haushälterin krank geworden war.

»Wer ... wer seid ihr?«, fragte Johnny, als er wieder zu Atem gekommen war. »Was ... was wollt ihr von uns?«

»Die Fragen stellen wir hier, kapiert?«, sagte Jerry. »Also, warum seid ihr schon wieder zurück? Ginger sagte, ihr wärt mindestens zwei Wochen weg.«

»Wir wohnen hier nicht!«, erklärte Johnny.

Die nackten Füße verschwanden aus Bills Blickfeld, dafür tauchten zwei Sneakers darin auf. Socken trug der Kerl keine, Hosen auch nicht. Der Knabe beugte sich vor und stützte sich auf den Oberschenkeln ab. Eine Kette klimperte.

»Sieh an, dann seid ihr also hier eingebrochen. Das heißt, wir können mit euch machen, was wir wollen. Und kein Schwein wird sich dafür interessieren.«

»Ihr wohnt doch auch nicht hier«, antwortete Johnny.

»Aber wir haben einen Schlüssel«, säuselte Jerry. »Die liebe Ginger hier hat ihn uns besorgt. Ihre Mutter buckelt für diese Schnösel.«

»Und da dachtet ihr, ihr kommt vorbei und macht ein wenig Party?«

»Du hast es erfasst. Wir hüten das Haus!«

»Indem ihr an den Weihnachtsbaum pinkelt.«

Jerry richtete sich auf. »Ey, der Kerl hat recht«, schnauzte er seinen Freund an. »Kannst du dich nicht wie ein zivilisierter Mensch benehmen?«

»Entschuldige, Jerry.«

»Geht doch!« Jerry wandte sich wieder Johnny zu. »So, mein Freund, und jetzt verrat mir doch mal deinen Namen, vielleicht werden wir dann Freunde.«

»Johnny!«

»Johnny? Ist ja niedlich. Wie Johnny Depp, ja? Hey, Johnny, ich sag dir mal was. Wenn du meiner Ginger noch mal auf die Titten glotzt, schneid ich dir die Augen raus! Klar soweit?«

»Ich habe nicht ...«

»Ob das klar ist?«, brüllte Jerry.

»Hey!«, rief Ginger. »Ich glaube, da ist jemand.«

»Was? Wo?«

»D-da draußen! Ich hab eine Bewegung vorm Fenster gesehen.«

»Das war der Schnee.«

»Quatsch. Da ... da war eine Gestalt. Sie ... sie war riesig. Und ... und sie war ganz hell, so ... so als ... als würde sie irgendwie ...«

»Was?«

»Leuchten?«, erwiderte Ginger kleinlaut.

Jerry fing an zu wiehern, und Burt fiel in das Gelächter mit ein. »Leuchten? O Mann, hast du das gehört, Johnny-Boy?«

Er stieß seinen Gefangenen mit der Beretta an, die er ihm vermutlich abgenommen hatte. Bills Beretta war von Xorron zerstört worden.

»Ginger hat den Weihnachtsmann gesehen.«

»Das war nicht der Weihnachtsmann!«, schrie Ginger. »Er hatte ja nicht mal einen roten Mantel an!«

»Sondern?«

»Gar nichts. Er ... er war nackt, glaub ich.«

»Ich sag doch, du denkst nur ans ...«

»Sie hat recht«, sagte Bill.

»Was?«

Langsam hob der Reporter den Kopf. Jerry stand vor ihm, nur mit seinen Sneakers, einer Boxershorts und einem Muscle Shirt bekleidet. Der Kopf war kahl, um seinen Hals hingen zwei sogenannte Hundemarken, wie sie von der U.S. Army benutzt wurden, um gefallene Soldaten zu identifizieren. Bill bezweifelte, dass sie echt waren.

Ginger war ein mageres Geschöpf. Sie hatte kurzes blondes Haar, Augen und Lippen waren stark geschminkt. Sie trug ein viel zu weites T-Shirt, dessen Saum bis zu den Oberschenkeln reichte.

Burt konnte Bill nicht sehen, da er hinter ihm stand. Doch er wusste ja, wie er aussah.

Der Reporter hatte ihn bei frischer Tat ertappt, kurz bevor Jerry ihm eins mit dem Golfschläger übergebraten hatte.

»Ich sagte, sie hat recht«, wiederholte Bill.

Jerry glotzte ihn irritiert an. Dann grinste er. »Ah, ich verstehe. Ihr seid also nicht allein gekommen.«

»Nein, aber ...«

»Wusste ich's doch!«, schrie Jerry und fing an zu lachen. »Hey, Burt, zieh dir was an.«

»Was? Aber ... aber warum?«

»Weil wir jetzt rausgehen und den Penner umnieten.«

»Das würde ich an eurer Stelle nicht tun«, sagte Johnny.

»Schnauze!«, brüllte Jerry und zog Johnny den Handrücken durchs Gesicht.

Dessen Kopf flog zur Seite.

Bill schäumte vor Wut.

Jerry richtete die Mündung der Beretta auf seine Stirn. »Willst du vielleicht etwas sagen, Alter?«

»Ihr werdet sterben!«

Für einen Moment starrten sich Jerry und Bill an. Dann senkte der Kahle die Pistole und beugte sich vor. »Die Einzigen, die heute sterben werden, seid ihr. Aber zuerst gehen wir raus und machen deinen Kumpel fertig. Komm, Burt!«

Jerry wandte sich um und winkte seinem Kumpel, der brav wie ein Hündchen folgte.

Ginger trippelte hinter ihnen her. »Wartet doch mal! Was, wenn er recht hat?«

»Du bist ja schon genauso bescheuert wie die da. Hast zu viel gekifft, was?«

Jerry kehrte zurück. Er hatte eine Jeans angezogen und eine Lederjacke übergestreift. Vor Ginger blieb er stehen. »Pass auf, dass die beiden keine Dummheiten machen. Und lass die Finger von dem Kleinen.«

»Jerry!«

Doch Jerry hörte nicht auf sie. Er war schon an der Tür.

Burt wirkte nicht halb so sicher wie sein Freund. Auch er hatte sich eine Hose, Schuhe und Jacke angezogen. In seinen Augen flackerte es. Lag es an der Furcht oder am Gras, das er geraucht hatte?

Jerry und Burt verschwanden im Flur, kurz darauf wurde die Tür geöffnet. Burt zog sie hinter ihnen ins Schloss. Ginger stand im Durchgang zum Wohnzimmer und wandte den Conollys den Rücken zu. Als ihre Freunde verschwunden waren, drehte sie sich um.

»Sorry, Kleine«, sagte Bill. »Aber ich fürchte, deine Freunde sind soeben auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung.«

»Geht's, Emma?«

»Wie oft willst du das noch fragen?«

»Sorry, ich mach mir doch bloß Sorgen!«, sagte ihre Schwester Cathy Graham.

Sie hatte Shaos Platz eingenommen, die Emma bis eben gestützt hatte.

Auf der anderen Seite löste Sheila gerade Marisa ab, die es sich trotz ihrer Prothesen nicht hatte nehmen lassen, ihrer Frau zu helfen.

Emma hatte sich den Knöchel verdreht, als Marisa und Shao sie aus dem BMW gezogen hatten, kurz bevor ein riesiger Keiler mit rot glühenden Augen ihn zur Seite geschaufelt und in einen Haufen Metallschrott verwandelt hatte.

Die Frauen hatten eine vorweihnachtliche Shoppingtour machen wollen und waren gerade bei ›Harrods‹ gewesen, als sich die Situation immer weiter zugespitzt hatte. Und das galt nicht nur für das Schneechaos, zu dem auch noch ein heftiger Sturm gekommen war, der sich mittlerweile in einen regelrechten Blizzard verwandelt hatte. Auch die Menschen hatten sich verändert. Es war, als wären sie von einer Art Krankheit befallen, die sie immer aggressiver machte.

Während Shao und ihre Freundinnen in einen verhältnismäßig harmlosen Zank in den Umkleidekabinen bei ›Harrods‹ verwickelt worden waren, war es vor Scotland Yard zu einer handfesten Schlägerei zwischen Autofahrern und Polizisten gekommen, und auch John Sinclair und Suko waren hineingezogen worden.

Suko hatte daraufhin seine Lebensgefährtin angerufen und ihr dringendst geraten, mit all den anderen, mit denen sie auf Shoppingtour war, zu den Conollys zu fahren, wo Bill und Johnny dabei waren, den Baum zu schmücken. Dort wären sie in Sicherheit.

Nur leider hatte Suko die Rechnung ohne den Wirt gemacht beziehungsweise nicht damit gerechnet, dass Wetter und Verkehr so schlimm werden würden. Doch dann hatte sich Glenda bei den Frauen gemeldet und ihnen geraten, zu Jane Collins zu fahren, die viel näher wohnte, nämlich in der Villa der verstorbenen Horror-Oma Lady Sarah Goldwyn in Mayfair, nur eine Steinwurfweite von der Straße entfernt, durch die erst vor wenigen Minuten der riesige Keiler gestapft war.*

»Wollen wir wirklich durch den Hyde Park gehen?«, fragte Emma.

»Nein«, sagte Sheila. »Es wäre zwar kürzer, aber der Park ist so zugeschneit, dass wir bestimmt doppelt so lange bräuchten. Auf den Straßen und Gehwegen schmilzt der Schnee schneller.«

»Sehe ich auch so«, sprang Marisa ihr bei.

»Gut, also sind wir uns einig«, meinte Shao. »Dann brauchen wir uns ja nur noch in Bewegung zu setzen.«

»Ja doch«, keuchte Emma. »Scheiße, ich hab mir das doch auch nicht ausgesucht.«

»Schon gut, ich ... bin nur nervös«, erwiderte Shao. »Was, wenn das Vieh zurückkommt? Oder nicht allein war?«

Als hätte der Keiler ihre Worte gehört, hallte sein Quieken durch die Häuserschluchten, dicht gefolgt von mehreren dumpfen Explosionen. Helle Lichtreflexe blitzten am Ende der Straße auf. Im nächsten Augenblick stürmte der Keiler um die Ecke.

Er hatte so viel Schwung drauf, dass er über ein Autowrack stolperte, über den Bürgersteig flog und gegen die Hauswand prallte. Die Fensterscheiben in der unteren Etage zerplatzten.

Der Keiler rappelte sich wieder auf. Rauch und Qualm stiegen aus seinem borstigen Pelz, als er, wie von der Tarantel gestochen, auf die Frauen zugaloppierte.

»Weg hier!«, rief Sheila und zog Emma und Cathy mit sich.

Die Panik verlieh ihnen neue Kräfte. Emma schien nicht mal mehr Schmerzen zu verspüren. Trotzdem kamen sie viel zu langsam voran, während der Keiler immer schneller wurde und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Straße stürmte, genau auf Shao und ihre Freundinnen zu.

Doch das Monster hatte es gar nicht auf die Frauen abgesehen.

Ohne langsamer zu werden, stapfte er über die Knightsbridge Road und verschwand hinter einem japanischen Restaurant auf dem Serpentine Walk, der direkt in den Hyde Park führte.

»Wir gehen definitiv nicht durch den Park!«, sagte Marisa.

Sie brauchten fast eine halbe Stunde, bis sie Hyde Park Corner erreichten, dahinter lag schon der Buckingham Palace. Und von dort drangen erneut Schüsse an ihre Ohren.

Wäre der Verkehr nicht zum Erliegen gekommen, hätte man sie über das Heulen des Windes hinweg vielleicht gar nicht wahrgenommen. So aber war das trockene Knattern der automatischen Gewehre deutlich zu hören.

Grelle Lichtblitze flammten hinter den Wipfeln der Bäume auf, dort, wo der königliche Palast stand. Gegen wen mochte die Home Division dort kämpfen?

»Mein Gott«, murmelte Sheila. »Was geht da bloß vor sich? Das klingt gerade so, als wäre dort der Krieg ausgebrochen!«

Suko ritt im vollen Galopp auf das aufgebrochene Tor des Buckingham Palace zu, durch das soeben eine Rotte Wildschweine auf das Gelände strömte.