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Doktor Tod - Doktor Satanos - Mister Mondo - der Aufräumer von Hackney ... All diese Namen und Begriffe verband ich mit den ›Visionären‹, einer Gruppe skrupelloser Wissenschaftler, die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gingen - und diese häufig genug wiederbelebten, um sie auf die Menschheit loszulassen! Ein Informant gab mir einen Tipp. Wenn ich mehr über die Visionäre erfahren wollte, sollte ich mich zu einem einsam gelegenen alten Haus begeben. Das tat ich. Und obwohl ich von Anfang an ein mulmiges Gefühl hatte, betrat ich dieses Haus - und es entpuppte sich als Todesfalle!
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Haus der bösen Träume
Grüße aus der Gruft
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
von Ian Rolf Hill
Schon bei seinem bloßen Anblick bekam ich Beklemmungen!
Das aus schiefergrauen Steinen errichtete Haus mit seinen verwinkelten Türmchen, Erkern und Vorsprüngen machte auf mich den Eindruck, als hätte ein Kind seiner Fantasie freien Lauf gelassen oder der Architekt schlicht und ergreifend den Verstand verloren.
Das Haus lag abgeschieden in einem verwilderten Park. Auf meinem Weg hierher war ich an einem Pavillon vorbeigegangen, der vollständig von Gestrüpp überwuchert war.
Das Anwesen musste schon seit Jahrzehnten leer stehen, und offenkundig fühlte sich auch niemand dafür verantwortlich.
Doch obwohl es auf mich einen verlassenen Eindruck machte, war ich mir sicher, dass es nicht unbewohnt war.
Es war das pure Böse, das sich hier eingenistet hatte.
Das Kreuz reagierte nicht.
Das geweihte Silber, das auf die Anwesenheit von Dämonen oder das Wirken schwarzer Magie mit leichter Erwärmung reagierte, ruhte unverändert auf meiner Brust.
Trotzdem zog ich es unter dem Hemd hervor und legte es auf meinen Handteller. Eine Bewegung, die ich schon tausend Mal und mehr ausgeführt hatte und die mir im Laufe der Jahre in Fleisch und Blut übergegangen war. Das Silber war nicht kalt, doch die Wärme stammte von meinem Körper und war nicht auf eine dämonische Bedrohung zurückzuführen.
Nun ist es allerdings so, dass das Kreuz nicht auf jede Form der Magie gleichermaßen reagiert. Manchmal verfärbt sich das Silber auch bloß, ohne dass es zu einer spürbaren Veränderung der Temperatur kommt. Beispielsweise wenn es mit der Magie des Druidenreiches Aibon, dem sogenannten Fegefeuer, konfrontiert wird.
Geht es um die ägyptische Mythologie, passiert es nicht selten, dass lediglich einzelne Symbole aufleuchten, etwa das Henkelkreuz, das Auge des Horus oder das Allsehende Auge des Gottes Osiris, die neben den Insignien der vier Haupterzengel ebenfalls in das wertvolle Kleinod eingearbeitet sind. Und zwar von dem Propheten Hesekiel im babylonischen Exil, fünfhundert Jahre vor Christi Geburt.
Nur ein weiteres von vielen seltsamen und wunderlichen Dingen, die mir im Laufe meiner Karriere als Geisterjäger und Spezialist für das Übernatürliche untergekommen sind.
Ob dieses Haus ein weiteres magisches Rätsel darstellte, musste sich erst noch zeigen. Bislang war es bloß ein Gefühl, das ich nicht rational erklären konnte.
Es war nicht das erste unheimliche Haus, vor dem ich stand, und einige von ihnen hatten echt üble Geheimnisse in ihrem Innern verborgen. Und wenn ich mir dieses düstere, trutzige Gemäuer so anschaute, dann hätte es mich nicht gewundert, wenn das auch hier der Fall war.
Die tiefhängenden Wolken, aus denen leichter Schneeregen fiel, verstärkten den Eindruck der Beklemmung noch. Kein einziger Sonnenstrahl spiegelte sich in den vor Schmutz starrenden Scheiben, sofern sie überhaupt noch vorhanden waren.
Obwohl es mitten am Tag war, war das Haus von Schatten umgeben. Die blattlosen Gerippe knorriger Bäume umstanden das Gemäuer wie stumme Wächter.
Ich hängte mir das Kreuz wieder um den Hals und setzte meinen Weg fort.
Himmel, was hatte ich in letzter Zeit nicht alles erlebt, und das meist sogar noch in anderen Dimensionen beziehungsweise Parallelrealitäten. Da war doch so ein unheimliches Haus eigentlich nur eine Kleinigkeit, sollte man meinen.
Ich war zusammen mit meinem Partner Suko, der Werwölfin Morgana Layton und der Berserkerin Lykke in die Hexenwelt gereist und hatte dort unsere Freundin Denise Curtis aus den Fängen der Vampirin Justine Cavallo befreit, die jetzt Assungas Zaubermantel trug. Danach waren Jane Collins und ich auf Hawaii auf die Götter der dortigen Ureinwohner getroffen – und auf den nordischen Gott Loki, der ein grausames Spiel mit uns getrieben hatte.
Daraufhin hatte es Suko und mich nach Aibon verschlagen, der Welt der Druiden, und zwar in die versunkene Stadt Lazarus, und danach waren wir in London einmal mehr mit dem Supervampir Corvin Hades aneinandergeraten.
Doch das alles wurde um einiges getoppt von unserem letzten Abenteuer, das mir noch immer in den Knochen steckte – und ebenso meinen Mitstreitern, die dabei gewesen waren und es wie ich nur knapp überlebt hatten.
Kurz vor Weihnachten, in den sogenannten Raunächten, war es zur Ragnarök gekommen, zur Götterdämmerung, der die meisten Asen – die germanischen Götter – zum Opfer gefallen waren und fast auch die ganze Welt. Selbst der mächtige nordische Göttervater Odin war gefallen, denn die Totengöttin Hel hatte Asgard erobert.
Dass wir das überlebt hatten, dass Bill und Johnny einen Angriff von Xorron auf den Bungalow der Conollys heil überstanden hatten, dass die Welt noch existierte – das war schon ein Wunder, denn diesmal waren wir alle nur haarscharf am Untergang vorbeigeschrammt.
Und jetzt bereitete mir dieses Haus vor mir ein mulmiges Gefühl im Magen? Dabei hatte ich so viel Schlimmeres hinter mir. Oder lag es gerade daran? Waren nach all den überstandenen Schrecken meine Nerven einfach angegriffen und lagen blank?
Wie auch immer, ich ging weiter. Der Kies knirschte unter meinen Sohlen, als ich auf die Eingangstür zuschritt, die hinter maroden Steinsäulen im Schatten einer schmalen Veranda lag.
Mit jedem Schritt wuchs das beklemmende Gefühl, mein Magen zog sich zu einem eiskalten Klumpen zusammen, mein Herz klopfte schneller.
Dabei war ich gar nicht in erster Linie wegen dieses Hauses hier. Das Gebäude diente lediglich als Treffpunkt. Ein Informant wollte sich hier draußen mit mir treffen. Angeblich hatte er wichtige Informationen für mich.
Informationen über die Visionäre!
Bei diesem Begriff war ich sofort hellhörig geworden, immerhin verbarg sich hinter diesem an und für sich harmlosen Namen eine Organisation skrupelloser Wissenschaftler und Ärzte, die keinerlei moralische Bedenken oder ethische Grenzen kannten. Die Forschung stand für sie an erster Stelle. Der Zweck heiligt die Mittel, lautete ihr Credo. Wobei Zweck nicht selten gleichgesetzt werden konnte mit persönlichem Geltungsbedürfnis oder schlicht und ergreifend Machthunger.
Schon sehr früh in meiner Laufbahn war ich mit einigen Mitgliedern dieser illustren Gesellschaft aneinandergeraten, ohne auch nur im Mindesten zu ahnen, was für eine Macht hinter ihnen steckte. Für mich waren Gestalten wie Dr. Satanos oder Dr. Tod zunächst nicht mehr als wahnsinnige Einzeltäter gewesen. Erst Jahre später hatte ich von den Zusammenhängen erfahren.
Die Visionäre saßen überall auf der Welt und verfügten über schier unbegrenzte Mittel, mit denen sie ihre Forschungen und Experimente vorantrieben.
Mein erster großer Erzfeind, Doktor Tod, war das beste Beispiel dafür. Der hatte praktisch auf der ganzen Welt seine Stützpunkte gehabt, hier in England ebenso wie in Spanien, Rumänien und sogar auf Hawaii, wie ich vor einigen Jahren hatte feststellen müssen.
Wie genau die Visionäre organisiert waren, ob es einen Anführer oder überhaupt eine Form der Hierarchie gab, war uns nicht bekannt. Bislang hatten wir es lediglich mit einzelnen Mitgliedern zu tun bekommen, die zwar untereinander vernetzt waren, aber anscheinend unabhängig voneinander agierten, auch wenn es bisweilen zum Austausch von Forschungsergebnissen kam.
Die Möglichkeiten waren dank des Darknets in den letzten Jahren noch viel größer geworden.
Zuletzt hatten wir es in London, genau genommen im Stadtteil Hackney, mit den Visionären zu tun bekommen. Zumindest mit einem weiteren Schüler von ihnen, denn der eigentliche Drahtzieher war seitdem untergetaucht.*
Ich dachte nur ungern an diesen Fall zurück und wurde doch regelmäßig an ihn erinnert. Praktisch jedes Mal, wenn ich Marisa Douglas begegnete, einer guten Freundin von mir, die mittlerweile als Psychologin für den sozialpsychiatrischen Dienst der Metropolitan Police arbeitete. Marisa war damals von dem angehenden Visionär verstümmelt worden und trug seitdem eine Arm- und eine Beinprothese.
Wir mussten diese Organisation unter allen Umständen zerschlagen. Deshalb hatte ich auch nicht lange gezögert, als sich der Informant bei mir gemeldet hatte. Selbst auf die Gefahr hin, dass es sich um eine Falle handelte.
Gerne hätte ich Suko als Rückendeckung mitgenommen, doch der Informant hatte klargestellt, dass er nur mit mir sprechen wolle. Außerdem war Suko sowieso nicht im Büro gewesen. Unsere oberste Vorgesetzte, Commissioner Christina Dick, hatte Suko zu einer Fortbildung verdonnert, von der er noch nicht zurückgekehrt war.
Also hatte ich mich allein auf den Weg gemacht und ihm lediglich eine Nachricht hinterlassen.
All dies ging mir durch den Kopf, als ich die Steinstufen hinaufschritt und mich der Eingangstür näherte.
Die schwang wie von Geisterhand bewegt auf, begleitet von einem infernalischen Quietschen, ohne dass ich Hand angelegt hatte ...
Wie vom Donner gerührt blieb ich vor der Schwelle stehen.
Abwartend, lauschend und in die Dunkelheit starrend, in der Hoffnung, dass sich der unbekannte Informant zeigte. Vielleicht hatte er meine Ankunft gesehen und lauerte jetzt hinter der Tür.
»Hallo?«, fragte ich mit belegter Stimme. »Ist hier jemand?«
Stille antwortete mir.
Ich tastete nach meiner Beretta, die wie immer im Schulterholster unter der linken Achsel steckte.
Ich zögerte noch immer, die Schwelle zu übertreten. Allmählich wurde mir die Sache nicht nur unheimlich, ich spürte auch, dass ich ärgerlich wurde. Ich mochte es nicht, wenn man mich an der Nase herumführte und meine Zeit verschwendete.
»Hören Sie auf mit den Spielchen!«, rief ich schon eine Spur lauter.
Der andere durfte ruhig wissen, wie es um meine Laune bestellt war. Trotzdem ließ er sich nicht blicken.
Ich seufzte und zückte meine Bleistiftleuchte.
So klein und schmal die Taschenlampe auch aussehen mochte, so leistungsstark war sie.
Ich schickte den Strahl voraus. Der Lichtkegel glitt über die Schwelle und wurde von der Finsternis förmlich aufgesaugt. Der Schein verlor sich nicht einfach im Dunkeln, er endete wie abgeschnitten. Das war definitiv nicht normal, und wieder konzentrierte ich mich auf das Kreuz, das noch immer keine Reaktion zeigte.
Das Phänomen erinnerte mich an den Spuk, ehemals der Herrscher des Schattenreichs. Doch der Spuk existierte nicht mehr. Jedenfalls nicht so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Sein Schatten, sein ganzes Reich waren von Pandora annektiert worden.
Steckte sie etwa hinter dem Phänomen?
Nur, was hatte Pandora mit den Visionären zu tun? Zwar hatten sich einige dieser angeblichen Forscher mit finsteren Mächten verbündet und sich schwarzer Magie bedient, doch aus irgendeinem Grund wollte ich nicht daran glauben, dass die ehemalige Unheilsbringerin hier ihre Finger im Spiel hatte. Pandora hatte es nicht nötig, mich auf solch eine Weise in die Falle zu locken. Das war unter ihrer Würde.
Was also tun?
Wenn ich Licht in das Dunkel bringen wollte – und das auch im wahrsten Sinne des Wortes –, blieb mir nichts anderes übrig, als das Haus zu betreten.
Ich überlegte, ob ich mir das Kreuz offen vor die Brust hängen sollte, nur würde ich dann leider nicht mitbekommen, wenn es sich erwärmte, weil ich bei dem Wetter Pullover und dicke Unterwäsche trug.
Also ließ ich es, wo es war, und wechselte lediglich die Bleistiftleuchte in die linke Hand, während ich mit der rechten die Beretta zog.
Dann gab ich mir einen Ruck und trat über die Schwelle.
Ich schwenkte den Arm mit der Taschenlampe – und ...
Eine Gestalt stand vor mir!
Eingehüllt in einen dunklen Mantel, einen Hut tief ins Gesicht gezogen.
»Was soll ...?«
Den Rest des Satzes schluckte ich zusammen mit meinem Ärger herunter, denn ich hatte meinen Irrtum erkannt. Der Mantel hing an einem Kleiderständer und der Hut direkt darüber.
Ich zerbiss einen Fluch.
Der große Geisterjäger erschrickt vor einem Kleiderständer. So weit war es also schon gekommen.
Ein dumpfer Knall ließ mich zusammenfahren.
Die Tür war ins Schloss gefallen. Hätte ich nicht die Taschenlampe in der Hand gehalten, wäre es stockfinster gewesen.
Dabei hatte ich von außen deutlich die großen Fenster links und rechts der Tür gesehen, die mich wie trübe, blinde Augen angestarrt hatten.
Auch wenn sie schmutzig und verstaubt waren, es hätte genügend Licht hindurchfallen müssen, sodass ich mich auch ohne Taschenlampe hätte zurechtfinden können. Aber bis auf den Strahl und den Lichtkegel herrschte um mich herum absolute Finsternis.
Ein weiteres Phänomen, das mir bewies, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging.
Das Geräusch, mit dem die Tür zugeknallt war, hatte sich zudem angehört, als wäre der Deckel eines Sarges zugefallen, und sofort brach mir der kalte Schweiß aus.
Der Gedanke, lebendig begraben zu sein, löst bei mir immer eine leichte Panikattacke aus. Die Vorstellung ist für mich der absolute Horror, denn tatsächlich war mir so etwas schon widerfahren, und der Schock davon saß tief, hatte sich regelrecht in meine Seele gebrannt.
Reflexartig trat ich auf die Tür zu und wollte nach der Klinke greifen. Da spürte ich einen Luftzug im Nacken, und gleichzeitig vernahm ich ein flappendes Geräusch wie von Flughäuten.
Mir sträubten sich die Nackenhärchen, meine Instinkte schlugen Alarm. Ohne lange nachzudenken, sprang ich zur Seite und duckte mich.
Ich fühlte, wie etwas haarscharf über mich hinwegstrich, und riss den Arm mit der Taschenlampe hoch.
Mir stockte das Blut in den Adern, als ich den massigen Leib der Riesenfledermaus erblickte, die mich nur knapp verfehlt hatte.
Solche Tiere kamen in der Natur nicht vor, das Vieh war größer als jeder Flughund.
Aber es war ja auch kein Flughund, sondern ein Vampir!
Noch während mir diese Erkenntnis durch den Kopf schoss, griff das Biest auch schon wieder an. Es hatte seine Überraschung schneller verdaut als ich.
Dass es mich dennoch nicht erwischte, hatte ich dem Licht der Taschenlampe zu verdanken. Ich hatte das Monster damit kurzzeitig geblendet.
Wieder duckte ich mich, und der Vampir flatterte über mich hinweg.
Ich kreiselte herum, riss den Arm mit der Beretta hoch und feuerte ... nicht!
Die Fledermaus war verschwunden, dafür erblickte ich im Schein der Taschenlampe die Stufen einer Treppe, die in den ersten Stock führte. Das Monster musste über sie hinweg in die obere Etage geflogen sein.
Ich atmete tief durch, ohne dass es mir gelang, mein klopfendes Herz zu beruhigen.
Eines stand fest – ich war nicht umsonst gekommen. Aber was hatten die Visionäre mit Vampiren zu tun?
Ich dachte an Corvin Hardes, der sich ebenfalls in eine Riesenfledermaus verwandeln konnte. Hatte ich es möglicherweise mit ihm zu tun? Waren die Hinweise auf die Visionäre nur ein Köder gewesen?
Zuzutrauen war es ihm. Ebenso, dass er sich mit den Visionären verbündete. Denn er suchte Verbündete, das hatte vor Kurzem sein Pakt mit Anne Murdock bewiesen, die zu einer Medusa geworden war.*
Dass ich dem Vampir in den ersten Stock folgte, lag in diesem Fall vermutlich in Corvins Absicht. Aber da kannte er mich schlecht.
Zu Beginn meiner Karriere hätte ich mich vielleicht noch darauf eingelassen, doch auch ich hatte dazugelernt und war besonnener geworden. Ich brauchte niemandem etwas zu beweisen, auch nicht mir selbst. Und schon gar nicht meinen Gegnern.
Nein, wenn tatsächlich Corvin hinter all dem steckte, brauchte ich Unterstützung. Also beschloss ich, den Rückzug anzutreten, um Suko anzurufen.
Das wollte ich im Freien tun.
Ich wollte mich gerade umdrehen, als ich stutzte.
Wenn das wirklich Corvin gewesen war, der mich angegriffen hatte, wieso hatte das Kreuz dann nicht reagiert?
Wieder blieb ich gedanklich an den Visionären hängen.
Was, wenn es gar kein Vampir gewesen war, sondern lediglich eine Mutation?
Kein Wiedergänger, der sich verwandelt hatte, sondern eine hochgezüchtete Vampirfledermaus, möglicherweise genetisch verändert? Das würde erklären, weshalb das Kreuz nicht reagiert hatte.
Hier stimmte definitiv etwas nicht, aber darüber konnte ich auch später nachdenken. Jetzt erst mal Suko benachrichtigen.
Ich drehte mich um und wollte auf die Eingangstür zugehen und das Haus verlassen.
Es blieb beim Wollen, denn dort, wo sich die Tür befunden hatte, war nichts weiter zu sehen als eine glatte, fugenlose Mauer.
Im selben Augenblick gellte ein markerschütternder Schrei durch das Innere des Hauses.
Norman Walsh erwachte in vollkommener Dunkelheit.
Der Achtunddreißigjährige zitterte vor Furcht und Kälte. Wo war er hier? Wie war er hierhergekommen?
Nun, zumindest die letzte Frage war leicht zu beantworten. Man war ihm auf die Schliche gekommen. Dabei hatte er wirklich geglaubt, an alles gedacht zu haben und keine Spuren zu hinterlassen.
