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Martin verbringt mit zwei Freunden ein Wochenende in Irland, um seinen Junggesellenabschied mit ihnen zu feiern. Als er zu Hause die Digitalfotos von dem Wochenende bearbeitet, fällt ihm auf einem Bild im Hintergrund eine Frau auf. Diese erinnert ihn an eine Freundin aus der Schulzeit, welche eine besondere Rolle in Martins Leben gespielt hatte. Als ihm die Sache keine Ruhe lässt, begibt er sich auf Spurensuche.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Martin hielt seine Spiegelreflexkamera vor das Gesicht, sah durch den Sucher und rief: »So, bitte lächeln!« Seine beiden Freunde Michael und Holger postierten sich an den Schieferplatten, welche die Absperrung an den „Cliffs of Moher“ bilden und grinsten. Martin drückte auf den Auslöser. »Das wird ein tolles Bild«, freute er sich und zeigte es den beiden anschließend auf dem Display der Kamera.
Im Hintergrund lagen die über 200 Meter hohen „Cliffs of Moher“. Die berühmten Klippen an der Westküste Irlands im County Clare, mit ihrer atemberaubenden Aussicht, die jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Besucher aus aller Welt anziehen.
»Mit einem Glas Guinness in der Hand wäre es noch genialer«, meinte Holger lachend.
»Übrigens, die Höhle da hinten sieht man bei Harry Potter und der Halbblutbrinz«, fuhr er fort und deutete auf einen großen Spalt im Hintergrund, der an der Seite der Klippen zu sehen war.
»Das war die, die Harry und Dumbledore betraten, um einen Horkrux zu finden.«
»Cool. Wir brauchen noch ein Foto von uns allen zusammen«, bemerkte Michael anschließend.
Martin stellte die Kamera auf Automatik-Modus und ging zu einem der Touristen, die sich gerade in der Nähe befanden. Er glaubte, dass er im Vorbeigehen ein paar Worte auf Deutsch gehört hatte.
»Entschuldigung, sprechen sie Deutsch?«, fragte Martin den Mann aus der Gruppe. »Ja, wir sind aus Deutschland«, erwiderte dieser freundlich.
»Könnten Sie bitte ein Foto von uns machen?«
Der Mann willigte ein und Martin gab ihm die Kamera. Die drei Freunde postierten sich zusammen an dem Platz, an dem vorher Holger und Michael standen. Der Tourist betätigte den Auslöser. Als Martin das Foto anschließend auf dem Display begutachtete, bedankte er sich und verabschiedete sich. Anschließend rief er seinen Freunden zu: »Das werde ich mir als Poster drucken lassen!«
»Was haltet ihr von einem Kaffee?«, fragte Martin nach ein paar Minuten in die Runde.
Da es langsam windig wurde, schoben sich allmählich mehr Wolken vor die Sonne. Die beiden Freunde hielten den Vorschlag für gut und die drei machten sich auf den Weg zum Besucherzentrum. Dort gab es neben Toiletten und einem Souvenirladen auch ein Restaurant mit Selbstbedienung.
Martin Kugler, Holger Steidel und Michael Ebner waren ein nahezu unzertrennliches Trio. Die drei kannten sich seit der Grundschule und waren seitdem enge Freunde. Alle drei wohnten in Mering, einem Ort mit circa 15.000 Einwohnern, südlich von Augsburg und gingen in dieselbe Klasse.
Martin war dunkelblond, schlank und mit 42 noch ledig. Trotz diverser langjähriger Beziehungen hielt er es nicht für notwendig, zu heiraten. Er wollte ohnehin keine Kinder, daher hatte er sich nie mit dem Thema „Heiraten“ beschäftigt.
Nun wollten er und Elke in ein paar Wochen doch den Bund fürs Leben schließen und so kamen die drei Freunde auf die Idee, einen Junggesellenabschied der besonderen Art zu zelebrieren. Es sollte nicht in einem Saufgelage mit Stripperin und einem ordentlichen Kater am nächsten Morgen enden, sondern etwas Besonderes werden. Etwas, an das man sich nach 30 Jahren noch erinnern sollte.
Eines Abends kam Holger auf die Idee, mit Martin und Michael über ein Wochenende nach Irland zu fliegen. Holger war in den letzten Jahren mehrmals im Urlaub auf der Grünen Insel und war begeistert von allem, was mit Irland zu tun hatte. Michael war mit 43 Jahren noch überzeugter Single und sofort begeistert von der Idee. Martin meinte: »Das wäre schon genial. Ich werde das mit Elke besprechen. Ich möchte sie nicht vor vollendete Tatsachen stellen.«
Elke Greiner war 40 und Ärztin im Augsburger Klinikum und die Idee, zu heiraten, kam ursprünglich von ihr. Ihr Vater war Professor im selben Krankenhaus. Er war ein Mann vom alten Schlag und drängte immer wieder auf geordnete Verhältnisse. Bei jeder Gelegenheit fragte er Elke, wann sie endlich heiraten würde. Sie wäre schließlich nicht mehr die Jüngste und so weiter. Für Elke war Heiraten und Kinder kriegen kein Thema. Sie war, wie Martin, eher ein Mensch, der Wert auf Karriere und Freiheit legte. Die Idee, zu heiraten, entstand eher aus einem Gespräch vor dem Fernseher. Elke meinte eines Abends, dass sie und Martin doch heiraten könnten. Schließlich waren sie jetzt fast vier Jahre zusammen. Als beide in den darauffolgenden Tagen darüber nachdachten, beschlossen Sie, nun doch eine Familie zu gründen.
Elke ging ebenfalls in dieselbe Schule wie die drei Freunde. Über deren wilde Zeiten in jungen Jahren wusste sie daher nur zu gut Bescheid.
Holger war der Lausbube unter ihnen. Mit knapp 17 Jahren hatte er, als seine Eltern im Urlaub waren, an einem Sonntag gegen 6 Uhr morgens das Auto seines Vaters aus der Garage geholt. Er wollte ein Mädchen nach Hause fahren, welches er am Abend zuvor in einer Disco kennengelernt hatte. Ein Freund von Holger hatte die beiden auf dem Heimweg nachts noch bei ihm abgesetzt und sie blieb über Nacht bei ihm, denn Holger hatte sturmfrei.
Am nächsten Morgen hatte sie Holger panisch erzählt, dass sie daheim sein müsste, bevor ihre Eltern aufstehen, um sich für die Kirche fertigzumachen. Holger versuchte, seine Freunde zu erreichen, die am Vorabend mit dabei waren. Beide waren 18 und hatten ein Auto. Einer von ihnen könnte das Mädchen hoffentlich rasch abholen und die circa 12 Kilometer nach Hause fahren. Aber seine Kameraden schliefen anscheinend alle noch und gingen nicht ans Telefon, denn auch die beiden hatten am Abend zuvor noch ordentlich Alkohol getrunken. Somit fiel diese Option aus.
In seiner Not kam Holger auf die Idee, das Mädchen selbst mit dem Auto nach Hause zu bringen. Seine Eltern waren mit dem Flugzeug verreist und das Auto stand in der Garage. Autofahren konnte er, denn sein Vater fuhr mit ihm öfters zu einem abgeschlossenen Gelände, wo er üben konnte. Im nächsten Jahr sollte er sich für den Führerschein anmelden.
Kurzerhand schnappte sich Holger den Autoschlüssel, fuhr den Wagen aus der Garage, parkte ihn an der Straße und schloss schnell und leise das Garagentor. Zum Glück war es Sonntag früh und die Nachbarn hatten noch alle die Rollos geschlossen. Anschließend brachte er seine Besucherin bis vor das Haus ihrer Eltern, zwei Orte weiter. Anschließend fuhr er nach Hause und stellte den Wagen in der Garage ab. Holger sah sich nochmal vor dem Haus um. Offenbar hatte keiner der Nachbarn die Aktion bemerkt. Erleichtert legte er sich zurück ins Bett. Das war typisch Holger, wie man ihn kannte.
Elke wusste, wenn die drei zusammen unterwegs sind, wird es zwar lustig, aber nicht ausarten. Michael und Holger würden ihren zukünftigen Ehemann hoffentlich im Zaum halten, sollte dieser auf dumme Gedanken kommen. Außerdem waren die Jungs alle um die 40, da sollten sie vernünftig und erwachsen genug sein. Daher stimmte Elke dem Plan mit dem Irland-Wochenende zu. Auch Holger konnte seine Frau überzeugen.
Als das geklärt war, buchte Michael die Flüge für alle. Eine Woche später saß das Trio im Flieger nach Dublin. Holger war nicht zum ersten Mal in Irland und hatte daher Erfahrung mit dem Linksverkehr. So wurde er einstimmig zum Fahrer erklärt. In Dublin holten sie nach der Ankunft am Freitagnachmittag den Leihwagen ab, den sie vorab gebucht hatten, danach ging es in Richtung Westküste.
Da der Aufenthalt nur bis Montag geplant war, einigte man sich darauf, ein Bed & Breakfast (B&B) zu buchen, um die Kosten im Rahmen zu halten. Das von Holger ausgesuchte B&B befand sich in Doolin, einem Fischerdorf mit circa 500 Einwohnern, welches etwa 8 Kilometer von den Cliffs of Moher entfernt lag. Von dort aus wollten die Freunde tagsüber kleine Touren in die Gegend unternehmen und sich abends in einem der Pubs bei Livemusik ein paar Guinness gönnen.
Aufgrund der Wolken, welche langsam aufzogen, wurde es voller im Restaurant des Besucherzentrums, daher suchten Holger und Michael drei Plätze während Martin sich in der Schlange anstellte, um Kaffee und Gebäck zu besorgen. Als er mit dem Tablett den Tisch erreichte, stellte er es vorsichtig ab und ließ sich auf den Stuhl fallen.
»Da haben wir nochmal Glück gehabt, es wird windig draußen und jetzt wird es langsam voll hier drin«, bemerkte Michael.
»Ja«, bestätigte Holger, »das Wetter schlägt hier schnell um, aber genauso schnell wird es auch wieder schöner. Das ist typisch Irland.«
»Aber besser als in Deutschland. Wenn es da regnet, bleibt das eine Zeit lang so. Lasst uns das Wochenende genießen.«, erwiderte Martin lachend und sah seine Freunde an, während er die Kaffeetasse in die Luft hob, als hätte er einen Bierkrug in der Hand.
Die beiden hoben ebenfalls ihre Tassen und Michael sprach mit feierlichem Tonfall: »Auf unser Irland-Wochenende!«
Holger und Martin stimmten fröhlich mit ein: »Auf unser Irland-Wochenende!«
Nach einer halben Stunde kam wieder die Sonne durch und die drei Freunde standen auf und packten ihre Jacken, die über den Lehnen der Stühle hingen. Holger und Michael warteten auf Martin. Der brachte noch schnell das Tablett mit den leeren Tassen und Tellern zurück. Als sie aus dem Restaurant in die Eingangshalle gingen, sagte Holger: »Wartet, ich gehe noch schnell auf die Toilette, solange wir hier sind.«
Martin fand das eine gute Idee und meinte: »Ich geh‘ auch nochmal, bevor wir fahren.«
Michael nahm die Jacken der beiden und wartete in der Halle vor dem Souvenirladen. Nach einigen Minuten kam Holger zurück. »Mann, ist das voll da drin«, bemerkte er mürrisch. Nach einigen Minuten kam Martin aus der Türe, die zu den Toiletten führt. Er wollte gerade seine Jacke nehmen, als er mit ausgestrecktem Arm eine Sekunde lang stehen blieb und den Kopf in Richtung des Haupteingangs drehte. Kurz danach schaute er wieder zu seinen Freunden, war aber für einen Moment abgelenkt.
»Was ist los?«, fragte Michael, »Hast du da drin was vergessen?«
»Nein, mir war gerade, als habe ich …«, erwiderte Martin, ohne den Satz zu beenden.
»So ein Quatsch, vergiss es«, murmelte er und lachte, während er hinzufügte: »Wir sind hier in Irland.«
Holger und Michael sahen sich fragend an. Zusammen mit Martin machten sie sich auf den Weg nach draußen. Sie verloren kein weiteres Wort mehr über die Sache. Holger schlug vor, noch ein paar Fotos vor dem O’Brien’s Tower zu machen, bevor sie zurück ins B&B fahren.
Der 1835 von dem örtlichen Grundbesitzer und Cornelius O'Brien errichtete Rundturm mit seinen burgähnlichen Zinnen ist der höchste Punkt der Cliffs of Moher.
»Klar«, freute sich Michael, »diese Fotos bekommen wir so nicht mehr.«
Er postierte sich mit Holger vor dem Turm. Auf den Steintreppen davor tummelten sich unzählige Touristen. Martin stand mit der Kamera im Anschlag bereit und wartete auf den passenden Moment um abzudrücken. Als die kleine Reisegruppe, die sich breit vor dem O’Brien’s Tower aufstellte, endlich weitergezogen war, machte Martin ein paar Bilder. Diesmal waren nur wenige Personen im Hintergrund zu sehen.
Wieder fragte Martin einen der Passanten, ob er nicht ein Foto von den drei Freunden machen könnte. Als auch diese Bilder gemacht waren, begaben sie sich zum Besucherparkplatz, wo der Leihwagen stand. Da es mittlerweile schon später Nachmittag war, fuhren sie zurück ins B&B, um sich vor dem Abendessen noch etwas auszuruhen und sich frisch zu machen.
Martin war ein ambitionierter Hobbyfotograf, der auf seinem Rechner diverse Programme zur Bildbearbeitung hatte. Er brachte abends seine Kamera mit ins Restaurant. Als sich Holger und Michael mit ihm die Bilder des ersten Tages in Irland ansahen, deutete Martin auf eines der Fotos. Es zeigte die drei Freunde vor dem O’Brien’s Tower. Er tippte mit dem Zeigefinger auf das Display.
»Das ist genial geworden«, bemerkte er stolz. »Wenn ich das zu Hause bearbeite und die paar Leute wegretuschiere, haben wir ein schönes Foto von uns. Das werde ich mir daheim ins Büro hängen.«
»Stimmt, das Bild ist echt gut geworden«, bestätigte Holger und fügte grinsend hinzu: »Meine bessere Hälfte wird neidisch sein.«
Den Rest des Abends verbrachte die fröhliche Runde in einem Pub in der Nähe des B&B’s und am Sonntag unternahmen sie eine Tour durch das Burrengebiet, einem circa 250 km2großen Kalksteingebiet. Bei dieser Gelegenheit machten sie auch einen Abstecher zum „Burren Birds Of Prey Center“, wo sie eine Greifvogelschau besuchten.
Für Martin war dieses Wochenende ohnehin ein besonderes Erlebnis, denn er war zum ersten Mal in Irland. Für Michael war es der zweite Besuch auf der Grünen Insel. Vor Jahren war er mit seinen Eltern auf einer Kurzreise, bei der sie den Ring of Kerry entlangfuhren. Später hatte er sich vorgenommen, nochmal nach Irland zu fliegen, hatte es jedoch nie mehr geschafft. Somit kam ihm das Wochenende ganz gelegen.
Am Montag ging es zurück nach Dublin. Der Rückflug nach Deutschland ging gegen Mittag.
Elke wartete bereits am Flughafen in Memmingen auf Ihren Verlobten und seine beiden Freunde. Sie war auch mit Holgers Frau befreundet und hatte mit ihr vereinbart, alle drei abzuholen und zu Hause abzusetzen.
»Na, da seid ihr endlich wieder!«, freute sich Elke, während sie Martin um den Hals fiel. Danach begrüßte sie Michael und Holger und fügte hinzu: »Und ihr seht richtig erholt aus.«
»Das sind wir auch“, meinte Michael grinsend. »Was dachtest du denn?«
»Na, ihr drei zusammen, das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Ich war darauf gefasst, drei verkaterte Gestalten vom Flughafen abzuholen«, antwortete Elke lachend und verdrehte die Augen. Danach ging sie mit den drei Männern zu ihrem Auto. Nach knapp einer Stunde waren sie zu Hause und Elke setzte Holger und Michael bei deren Wohnungen ab.
Beim Abendessen zu Hause sprach Martin nur noch von Irland und dem Wochenende mit seinen Freunden. »Da müssen wir beide unbedingt auch mal gemeinsam hin«, schwärmte er, während Elke geduldig zuhörte. Elke war noch nie in Irland, somit wäre es für beide eine tolle Reise. Vor allem, anders als der übliche Urlaub in Italien oder Spanien. Martin war ohnehin nicht der Typ, der tagelang am Strand herumlungerte. Ihn interessierten eher Länder wie Island oder Norwegen, in denen es unzählige Fotomotive gab. Nach dem letzten Wochenende gehörte natürlich auch Irland auf diese Liste, denn er wollte unbedingt noch mehr von diesem Land sehen.
»Gut, dass ich morgen noch Urlaub habe«, stöhnte Martin, dem nach dem Abendessen fast die Augen zufielen. Das Wochenende mit Pub-Besuchen, frischer Meeresluft und dem Flug machte sich langsam bemerkbar.
»Die Fotos bearbeite ich erst morgen früh. Heute bin ich zu müde dazu. Sind aber ganz gute dabei, du wirst sehen.«
»Klar, Schatz, ich bin morgen ohnehin in der Arbeit, so hast du genug Zeit und niemand stört dich«, antwortete Elke.
Sie hatte in dieser Woche Spätdienst und würde erst gegen 21 Uhr zu Hause sein.
Martin war Verkaufsleiter bei einer Augsburger Firma, die Roboteranlagen und Fertigungssysteme herstellt und weltweit Niederlassungen hatte. Er konnte zwar überwiegend im Homeoffice arbeiten, hatte aber gelegentlich Termine in Europa, zu denen er persönlich erscheinen musste, wenn zum Beispiel ein Neukunde akquiriert wurde.
Martin schlief schon während des Abendkrimis vor dem Fernseher ein und wachte gegen 23 Uhr auf. Er schaltete den Fernseher aus und schleppte sich müde ins Schlafzimmer. Dort legte er sich ins Bett, wo bereits Elke tief und fest schlief. Auch Martin schlief sofort wieder ein.
Am nächsten Tag stand Martin gegen 9 Uhr auf. Nachdem er sich im Bad frisch gemacht hatte, machte er sich erstmal eine Tasse Kaffee. Elke war bereits auf und bereitete sich auf Ihren Arbeitstag vor. In Jogginghose und T-Shirt setzte er sich an den PC in seinem Homeoffice. Er begann nun, die fast zweihundert Dateien von der Speicherkarte auf seine Festplatte zu kopieren. Nach ein paar Minuten war der Kopiervorgang beendet und Martin öffnete das Bildbearbeitungsprogramm. Er wollte sich erstmal einen Überblick verschaffen. Zunächst musste er aussortieren, welche Bilder er sofort wieder löschen konnte. Einige waren unscharf, andere doppelt oder dreifach vorhanden.
Nun ging es an das Bearbeiten. Bild um Bild wurde akribisch nachgebessert, nachgeschärft, die Farben verstärkt oder der Horizont begradigt.
Als er das Bild bearbeitete, auf dem die drei Freunde zusammen vor dem O’Brien’s Tower standen und er beim Abendessen gemeint hatte, das würde er sich in sein Büro hängen, ging er in derselben Reihenfolge vor. Anschließend vergrößerte er das Bild, um die störenden Personen zu entfernen. Als er die auf der rechten Seite des Turmes entfernt hatte, machte er sich an die paar Leute, die links davon zu sehen waren. Diese waren auch heller und deutlicher zu erkennen, da die Sonne von dieser Seite auf den Turm schien. Plötzlich blieb sein Blick an einer Frau hängen. Er vergrößerte den Bildausschnitt, bis sie die Höhe des Bildschirms füllte. Danach schärfte er das Bild nach, so gut es ging.
