Just One Night: Gute Mädchen gibt es schon zu viele ... - Jana Aston - E-Book

Just One Night: Gute Mädchen gibt es schon zu viele ... E-Book

Jana Aston

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4,99 €

Beschreibung

Habt ihr schon mal einen One-Night-Stand geplant? Nein? Bin ich hier die Einzige? Okay, war nur ein Scherz. So was würde ich natürlich niemals tun. Normalerweise zumindest nicht ... Doch dann dachte ich, warum nicht? Ich bin mein ganzes Leben lang ein gutes Mädchen gewesen und es hat mir rein gar nichts eingebracht! Weder einen netten Job, noch eine schicke Wohnung. Und auch keinen festen Freund. Ich habe ein wenig Spaß verdient, nicht wahr? Eine kleine Belohnung dafür, immer anständig gewesen zu sein. Klar, neue Schuhe hätten es auch getan, aber Mr. Fremd-&-Sexy macht die Sache einfach aufregender. Ein Brite. Ich schwöre, jedes amerikanische Mädchen hegt Fantasien, in denen ein heißer Brite die Hauptrolle spielt. Die meisten zumindest. Oder ich eben. Wisst ihr, was man über gut ausgetüftelte Pläne sagt? Schön, ich auch nicht, aber ich schätze, sie gehen meistens schief. Wie mein One-Night-Stand ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 407




NEW YORK TIMES BESTSELLERAUTORIN

JANA ASTON

JUSTONENIGHT

Gute Mädchen gibt es schon zu viele …

Contemporary Romance

Aus dem Amerikanischen von Friederike Bruhn

JUST ONE NIGHT:

Gute Mädchen gibt es schon zu viele …

Jana Aston

© Die Originalausgabe wurde 2017 unter demTitel SURE THING von Jana Aston veröffentlicht.

© 2019 Romance Edition Verlagsgesellschaft mbH8712 Niklasdorf, Austria

Covergestaltung: © SturmmöwenTitelabbildung: © sakkmesterke (Depositphotos)Lektorat: Stephanie BöselKorrektorat: Melanie Reichert

ISBN-Taschenbuch: 978-3-903130-90-6ISBN-EPUB: 978-3-903130-91-3

www.romance-edition.com

Inhalt

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

35. Kapitel

36. Kapitel

37. Kapitel

38. Kapitel

Epilog

Danksagung

Die Autorin

Leseprobe

PROLOG

1. KAPITEL

2. KAPITEL

3. KAPITEL

4. KAPITEL

1. Kapitel

Violet

Ich kann das.

Daisy kann es ja auch. Sie macht es ständig. Eigentlich möchte ich nicht andeuten, dass meine Schwester das Luder von uns beiden ist, aber letzten Endes ist sie das.

Ich richte meinen Blick wieder zur Hotelbar und sehe dem Fremden in die Augen. Drei Sekunden lang. Für drei ewige Sekunden starren wir uns an, ehe ich lächle und wegsehe. Diesen Tipp habe ich aus einer Frauenzeitschrift. Der Artikel hatte eine Überschrift, die in etwa lautete: Wie du in zwanzig Minuten oder weniger jeden Mann rumkriegst, den du willst. Der Drei-Sekunden-Blick und das Lächeln waren der zweite Tipp. Der dritte lautete, ihn anzusehen und sich dabei über die Lippen zu lecken. Doch ich glaube, dass das jenseits meiner Fähigkeiten liegt. Denn dabei handelt es sich schon um Verführung für Fortgeschrittene und ich bin definitiv eine Anfängerin auf diesem Gebiet.

Der erste Tipp besagte, man solle den Mann ansehen und dabei an seinen Haaren herumspielen. So dumm.

Ich hab’s trotzdem gemacht.

In verzweifelten Zeiten …

Wenn Tipp Nummer zwei nicht wirkt, gehe ich zurück auf mein Hotelzimmer. Allein.

Moment … sind diese Tipps vielleicht darauf ausgerichtet, dass man sie alle auf einmal anwendet? Hätte ich ihn drei Sekunden ansehen, lächeln und gleichzeitig noch mit meinem Haar herumspielen sollen? Vielleicht habe ich es verbockt? Ach, was soll’s. Ich meine, wie soll das überhaupt funktionieren? Als ob es wirklich nur drei Sekunden Blickkontakt bräuchte, um einen heißen Fremden dazu zu kriegen, mit mir ins Bett zu gehen. Wie soll das klappen?

Daisy wüsste es.

Manchmal hasse ich es, dass sie scheinbar immer auf alles eine Antwort hat, als hätte sie schon viel länger gelebt als ich, was definitiv nicht der Fall ist.

Ich seufze, während ich die Cocktailkirsche beobachte, die im Rest meines Drinks herumschwimmt. Ich frage mich, ob ich sie erreiche, wenn ich das Glas etwas kippe, oder ob sie einfach am Boden haften bleibt und mich wie eine Idiotin aussehen lassen würde.

Idiotin, entscheide ich.

Ich sollte um die Rechnung bitten und gehen, denn ich habe eine geschäftige Woche vor mir. Eine lange, bedeutende und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit desaströse Woche. Daher sollte ich mir lieber eine ordentliche Mütze Schlaf gönnen, statt hier zu sitzen und Verführungstricks aus einer Zeitschrift auszuprobieren, die ich unter dem Sofa meiner Schwester gefunden habe. Aber als ich den Kopf hebe, um nach der Rechnung zu fragen, wird ein neuer Drink vor mich hingestellt.

»Von dem Typen in dem blauen Shirt«, sagt die Barkeeperin mit kurzem Blick in dessen Richtung. Dann lächelt sie mich an und zieht beiläufig eine Braue in die Höhe, ehe sie sich einem Gast zuwendet, der nach einem weiteren Drink ruft.

Heilige Scheiße, es hat funktioniert? Der dreisekündige Blick und das Lächeln haben tatsächlich gewirkt? Überrascht weite ich meine Augen, während ich zu dem Mann am anderen Ende der Bar spähe und dann wieder zu dem Drink vor meiner Nase starre. Was zur Hölle habe ich mir dabei gedacht? Was soll ich jetzt machen? Ich hätte besser den ganzen Artikel lesen sollen.

»Stört es dich, wenn ich mich zu dir setze?«

Als ich aufblicke, steht er neben meinem Stuhl, einen Drink in der Hand, den er dazu benutzt, auf den leeren Platz neben mir zu deuten. Und was war das? Habe ich da einen Akzent herausgehört? Ich glaube schon, aber so viel Glück kann ich nicht haben. Ich schlucke meine Nervosität hinunter und mustere ihn rasch von Kopf bis Fuß. Groß. Sportlich. Sein Hemd trägt er lose über ausgewaschenen Jeans. Seine Füße stecken in Lederschuhen und auf seinem Kinn ist ein Bartschatten zu erkennen. Dichtes, kurz geschnittenes und gut gestyltes dunkles Haar, dazu beeindruckend braune Augen, mit denen er mich interessiert ansieht.

»Ich hoffe, der Drink ist zu deiner Zufriedenheit.« Er nickt mit dem Kopf in Richtung meines Glases.

Oh.

Mein.

Gott.

Sein Akzent hat sich soeben bestätigt. Ich habe scheinbar den Heiligen Gral möglicher One-Night-Stands erwischt.

»Du bist Brite«, stelle ich fest und versuche, ein breites Grinsen zu unterdrücken.

»Ich werte das als ein Ja«, erwidert er, stellt sein Glas auf der Theke ab und setzt sich auf den Stuhl neben mir. Seine langen Beine muss er etwas anwinkeln, damit er seine Füße entspannt auf dem Boden abstellen kann. »Es sei denn, du hast ein Problem mit meinem Heimatland?«, fragt er nach, eine seiner Brauen in die Höhe gezogen und ein kleines Lächeln auf den Lippen.

Wisst ihr, was so toll an britischen Männern ist?

Alles.

Auch wenn ich vor ihm noch keinen getroffen habe und sie wahrscheinlich ganz genauso sind wie amerikanische Männer – aber der Akzent macht den Unterschied. Der ist das Beste. Glaubt ruhig, dass es sich dabei um ein Klischee handelt, aber mal ehrlich! Dieser Akzent ist einfach wahnsinnig scharf. Mir ist natürlich bewusst, dass er die gleiche Sprache spricht wie ich, doch die Worte klingen aus seinem Mund einfach so viel besser.

»Ich bin Jennings«, stellt er sich vor und streckt mir seine Hand entgegen, woraufhin ich mir nur knapp ein Lachen verbeißen kann.

Jennings? Das ist ganz offensichtlich nicht sein richtiger Name. Dieser Typ ist zu alt, um einen trendigen Millennial-Namen wie Jennings zu haben. Außerdem klingt er wie die britische Version von Ich nenne dir einen Fake-Namen.

Aber von mir aus, ich bin dabei. »Rose«, antworte ich und ergreife seine Hand. Er umschließt meine und streicht mit dem Daumen sanft über meinen Handrücken, anstatt mich sofort wieder loszulassen. Ich mag das Gefühl sehr. Die Wärme seiner Haut lassen in mir sofort den Wunsch aufflammen, noch ganz andere Dinge von ihm zu berühren.

»Rose«, wiederholt er und legt den Kopf ein wenig zur Seite, als würde er mir nicht glauben. Sollte er auch nicht, denn so heiße ich nicht. Aber es ist nah genug am Original und immerhin hat er mir auch nicht seinen richtigen Namen verraten, von daher ist das alles, was er bekommt. Ich sollte nicht mal hier sein, deswegen also Rose.

»Rose«, bestätige ich. »Und nein, ich habe keinerlei Probleme mit deinem Heimatland.« Ich lächle und lasse meinen Blick einen langen Moment auf seinem Gesicht verweilen. Ehrlich gesagt, bin ich sogar ein wenig anglophil. Als William und Kate geheiratet haben, bin ich extra früh aufgestanden, um mir die Übertragung im Fernsehen anzuschauen, und ich habe alle sechs Staffeln von Downtown Abbey durchgesuchtet. Zwei Mal sogar. Außerdem bin ich der Meinung, dass so ein Nachmittagstee genau meine Sache wäre, auch wenn ich bisher noch nie einen getrunken habe. »Danke für das Getränk«, sage ich und halte mein Glas hoch.

»Gern geschehen. Was genau trinkst du da eigentlich?«, fragt er und beäugt mein Glas, während er einen Schluck aus seinem nimmt. Ich glaube, er selbst trinkt Bourbon. Ein einziger Eiswürfel schwimmt in bernsteinfarbener Flüssigkeit. Sie sieht teuer aus, insofern ich den Preis seines Getränks mit einem Blick beurteilen kann. Dass der Kerl in einem unscheinbaren Hotel am Flughafen so nobel wirkt, muss wohl an seinem britischen Akzent liegen.

»Ein Champagner-Cocktail«, antworte ich und werde rot. Das ist ein komischer Drink, aber ich mag ihn.

»Ah«, erwidert er und selbst dieses halbe Wort klingt durch seinen Akzent gleich viel besser. »Ist das ein beliebtes Getränk in diesem Land?«

Ist es nicht.

Aber Halt. Das weiß er ja nicht, oder?

»Sehr sogar.« Ich nicke. Wow. Wer hätte gedacht, dass ich eine so gute Lügnerin bin? Die Woche wird vielleicht doch nicht so schlimm wie erwartet. »Also, was führt dich nach Washington?«, frage ich und wechsle damit rasch das Thema. Ich fahre mit dem Finger den Rand meines Glases entlang und überlege, ob ich das hier wirklich durchziehen kann. Andererseits – es ist eine großartige Gelegenheit, oder nicht? Er ist perfekt, wirkt an mir interessiert und ich werde ihn nie wiedersehen. Um mich wieder in den Sattel zu schwingen, könnte ich mir außerdem kein besseres Szenario ausmalen. Oder ein anderes Pferd. Ein echtes Vollblutpferd, das außerhalb meiner Liga spielt, ich aber definitiv gern reiten würde.

»Die Arbeit«, antwortet er. »Und dich?«

»Ebenso.« Ich winke ab. »War langweilig«, ergänze ich lächelnd und verdrehe die Augen.

»War langweilig, ja«, stimmt er zu und sieht mich an, ehe er seinen Blick auf meine Lippen senkt.

Ich spüre, wie ich erröte, und muss schlucken. »Bist du für eine Weile in der Stadt?«

»Was meinst du mit eine Weile, Rose?« Er lacht und nippt an seinem Drink, während er mich beobachtet.

»Ähm, vielleicht vier Tage?« Ich habe keine Ahnung, wie lang er auf seinem Businesstrip sein wird, aber das klingt zumindest gut.

»Auf jeden Fall werde ich keine zwei Wochen in Amerika sein.«

Perfekt.

Ich sehe auf seine Hände und schaue nach, ob er einen Ring trägt. Ich mag ihn gern dafür benutzen, um mein Sexleben aufzupolieren, aber einen Fremdgeher will ich dabei nicht unterstützen.

»Was ist mit dir, Rose? Wo bist du zu Hause, wenn du nicht in diesem Hotel übernachtest?«

Schmerzliches Thema. »Hier und da.« Auf der Couch meiner Schwester, aber das sage ich nicht. Ich bin viel zu alt, um keine eigene Wohnung zu haben und zwischen verschiedenen Jobs hin- und herzupendeln. Also erzähle ich ihm auch hundertprozentig nichts davon. Stattdessen lächle ich und genehmige mir einen großen Schluck meines Getränks. In dieser Woche geht’s sowieso ums Bluffen.

»Hier und da?«, hakt er mit hochgezogener Augenbraue nach und legt den Kopf schräg. Na toll. Jetzt denkt er vermutlich, dass ich für einen One-Night-Stand nicht gefestigt genug bin. Ich muss die Unterhaltung in eine andere Richtung lenken.

»Wo, hast du gesagt, lebst du?«, frage ich und ergänze ratend: »London?« Denn ja, meine Geographiekenntnisse sind so herausragend, dass London die einzige Stadt in England ist, die mir auf die Schnelle einfällt.

»London, ja«, bestätigt er, wobei er mich weiter unverwandt ansieht. »In Mayfair. Hertford Street.« Ich bin mir ziemlich sicher, dass er so genau antwortet, um zu betonen, wie vage ich mich ausgedrückt habe. Tja, Pech gehabt.

»Das klingt schön.«

»Ja?« Er lächelt mich an, als würde ich ihn amüsieren. Ich trinke einen weiteren Schluck und starre die Kirsche auf dem Boden meines Glases an. Die letzte ist mir durch die Lappen gegangen, als die Barkeeperin mein fast leeres Glas durch den Drink von Jennings ersetzt hat.

»Ich mag dein Hemd«, versuche ich es mit einem zweiten Themenwechsel. »Ist es eine Spezialanfertigung?«

»Was meinst du damit? Ob es maßgeschneidert ist?« Er schüttelt den Kopf und lacht. »Nein.« Er hält inne und betrachtet sein Hemd. »Dieses Hemd hier ist nicht maßgeschneidert.« Die Pause zwischen seinen Worten sorgt dafür, dass ich mich frage, ob seine anderen Hemden maßgefertigt sind. Er wirkt schon ziemlich schick, aber wer lässt sich seine Hemden schon auf Maß schneidern? Niemand, den ich kenne, das ist auf jeden Fall sicher.

Ich werde abgelenkt, als eine Schar von Kindern, die offenbar zu einem Fußballteam auf Reisen gehören, durch die Lobby zum Fahrstuhl läuft. Aufgeregte Rufe, wer mit wem in einem Zimmer schläft und über ein Treffen am Hotelpool, hallen durch die Räumlichkeiten.

»Es wird ganz schön laut hier drinnen«, sage ich und sehe zum Eingang der Lobby, durch den die Kinder längst verschwunden sind. Das stimmt nicht, nicht wirklich. Aber ernsthaft, wie willst du sonst von den Drinks zum Sex kommen? Wie?

»Hm«, murmelt Jennings, den Blick wieder auf mich gerichtet.

»Möchtest du irgendwo hingehen, wo es ein wenig ruhiger ist?«, schlage ich vor.

Er hält in der Bewegung inne, das Glas schon halb an den Lippen, und sieht mich überrascht an. Scheinbar bin ich echt schlecht in dieser Sache. Hat meine Schwester also doch recht? Argh. Es tut weh, so was auch nur zu denken. Gott, bewahre mich davor, es jemals laut aussprechen zu müssen. Meine Schwester hat selten recht, aber in diesem Fall hat sie es vielleicht. Möglicherweise bin ich nicht dazu in der Lage, etwas wie das hier über die Bühne zu bringen.

»Du kommst ja direkt zum Punkt, was?« Er grinst. »Ich dachte, du würdest noch zwei weitere Runden an Drinks herumdrucksen, ehe du bereit wärst.«

Bereit? Meint er bereit für Sex? Ich mustere wieder die Kirsche in meinem Glas und zwinge mich dann, zu ihm aufzublicken. Ich sehe ihn drei Sekunden lang an, ehe ich spreche. Hat ja schließlich vorhin auch gewirkt, oder? »Hör zu, ich bin eine sichere Nummer«, sage ich mit einem leichten Schulterzucken und wende den Blick ab, nur um ihn dann gleich darauf wieder anzusehen.

»Ist das so?« Seine Miene lässt deutlich erkennen, wie amüsiert er ist.

Nein, bin ich nicht. Das war ich auch noch nie. Aber ich war vorher auch noch nie Rose, von daher zur Hölle damit – heute Nacht bin ich es.

»Ja«, bestätige ich, wobei mehr Selbstbewusstsein in meiner Stimme mitschwingt, als ich tatsächlich empfinde.

»Hm«, sagt er wieder und meine Güte, sein Gemurmel ist das Heißeste, was ich je gehört habe. Er hält mein Glas schräg und fischt mit seinen langen Fingern die Kirsche heraus. Dann hält er sie mir hin und ich öffne den Mund und nehme sie. Mit der Zunge umspiele ich seine Finger, als ich mit den Zähnen die süße Frucht aus seinem Griff befreie. Ich lasse die Kirsche über meine Zunge rollen und sehe meinem Gegenüber in die Augen, mich fragend, wie es jetzt weitergeht.

»Na, dann lass uns gehen, oder?«

Oh Scheiße. Ich schlucke die Kirsche runter und mache mir für einen Moment Sorgen, dass sie in meiner Kehle stecken bleibt und ich würgen muss. Habe ich gerade wirklich einem Wildfremden gesagt, ich sei eine sichere Nummer?

2. Kapitel

Jennings

Diese Frau lügt. Ich bin mir nicht sicher, wobei sie unehrlich ist – über ihren Namen auf jeden Fall, aber wer weiß, was noch alles eine Lüge ist. Nicht, dass es etwas bedeuten oder mich interessieren würde. Sie ist eine Ablenkung, mehr nicht. Eine sehr willkommene und unerwartete Ablenkung vor dem Beginn einer langweiligen, aber hoffentlich informativen Woche.

Eine sichere Nummer hat sie gesagt. Ich verkneife mir ein Schmunzeln, als ich auf den Knopf des Aufzugs drücke, und füge es der Liste ihrer Lügen hinzu. Ich habe den Drink für sie bestellt, als ich bemerkte, wie sie mich in der Bar angesehen hat, dachte aber nicht, dass das irgendwo hinführen würde. Angesichts ihres schüchternen Lächelns nahm ich an, dass sie genug Interesse an mir hätte, um nichts dagegen zu haben, dass ich mich zu ihr setze. Ein bis zwei Stunden Konversation und dann hätte sie sich sittsam entschuldigt, indem sie vorgegeben hätte, am nächsten Morgen früh aufstehen zu müssen. So sah zumindest meine Erwartung aus. Dass sie stattdessen jedoch tief einatmete und vorschlug, an einen ruhigeren Ort zu gehen, hat mich überrascht. Als ich daraufhin fragend den Kopf schräg legte und sie damit herausplatzte, dass sie eine sichere Nummer sei – tja, was sollte ich dazu sagen?

»Rose«, sage ich, als sich die Fahrstuhltüren öffnen. Sie antwortet nicht, sondern ist gänzlich auf ihr Handy konzentriert, während sie versucht, so unauffällig wie möglich eine Nachricht an jemanden zu versenden. Wenn ich raten müsste, würde ich tippen, dass sie einer Freundin eine Sicherheitsnachricht zukommen lässt. Insofern ihr GPS denn an ist. Sie hat vermutlich auch ein Bild von mir geschossen, als ich abgelenkt war, und es ihr ebenfalls gesendet.

Sie ist süß.

»Rose«, wiederhole ich und lege ihr eine Hand auf den Arm. Einen Moment lang sieht sie verwirrt aus, so kurz nur, dass es mir nicht aufgefallen wäre, hätte ich nicht darauf geachtet. Sie heißt definitiv nicht Rose.

Sie lächelt und folgt mir in den Aufzug, während ich mich frage, was sie hierhergeführt hat, in dieses Hotel und zu diesem Moment. Langeweile? Eine unschöne Trennung? Will sie sich selbst beweisen, dass sie begehrenswert ist?

Nun, dabei helfe ich ihr nur zu gern.

Aber ich kann sie nicht Rose nennen. Wenn sie an diese Nacht zurückdenkt, soll sie mich dabei nicht den Namen einer anderen sagen hören. Und sie wird an diese Nacht zurückdenken.

Die Türen des Aufzugs schließen sich und ich drehe mich zu ihr um. Sie trägt ein kurzärmeliges Oberteil; ihre Brüste formen eine bezaubernde Kurve unter dem Material. Ich streiche mit dem Finger ihren Arm hinunter und sehe, wie sich ihre Nippel aufrichten, während ihr Blick erst zu mir, dann zu den Knöpfen des Aufzugs und wieder zurück zu mir wandert.

»Schlägst du vor, dass wir es gleich hier treiben? Denn wenn du schnell genug bist, um zu kommen, bevor sich diese Türen wieder öffnen, habe ich ehrlich gesagt kein Interesse.« Sie zieht die Brauen zusammen und ihre Miene spiegelt eine Mischung aus Bedauern und Erregung wider.

Dieses Mal lache ich wirklich, als ich hinter ihr den Knopf für den dritten Stock drücke. »Nein, Love, ich war nicht auf eine schnelle Nummer im Fahrstuhl aus«, versichere ich ihr und trete näher an sie heran, ohne sie zu berühren. Ihre Pupillen weiten sich und ihre Brust hebt sich, als sie scharf die Luft einzieht und ihren Kopf nach hinten legt, um mich anzusehen. Sie trägt einen knielangen Rock und hochhackige Sandalen an den Füßen. Der Rock ist fließend und würde sich ganz einfach ihren gespreizten Beinen anpassen, sollte ich sie hochheben und sie ihre Beine um meine Hüften schlingen. Der Gedanke ist verführerisch und Rose leicht genug dafür, um sie hochzuheben und gegen eine Wand gedrückt zu vögeln. Aber nein, ich habe andere Pläne. Ich kann ihr definitiv mehr als ein paar Minuten meiner Zeit schenken.

Der Boden unter uns gibt einen Hauch nach, was uns signalisiert, dass sich die Fahrstuhltüren gleich wieder öffnen werden. Ich sehe sie unverwandt an, als die Türen aufgleiten, und lehne mich dann an ihr vorbei, um eine Hand gegen die geöffnete Fahrstuhltür zu pressen, damit sie sich nicht wieder schließt.

»Nach dir«, sage ich leise.

Rose dreht sich um, verlässt den Fahrstuhl, bleibt aber sogleich stehen, als ihr Blick auf die gegenüberliegende Wand fällt, wo ein Pfeil in eine Richtung zu den Zimmern 300 bis 319 zeigt und ein anderer zu den Zimmern 320 bis 340. Ihr Innehalten lässt die Frage in mir aufkommen, ob das Ganze hier für sie plötzlich zu real geworden ist und sie einen Rückzieher machen wird.

Ich nehme ihre Hand und führe sie nach rechts den Flur hinunter. Sie folgt mir, ihre weiche Hand in meiner und ihre Schritte trotz ihrer hohen Absätze auf dem Teppichboden des Hotels kaum vernehmbar. Ich halte die Schlüsselkarte vor das elektronische Schloss an meiner Zimmertür und drücke sie auf, als das Licht auf Grün springt. Dann strecke ich den Arm aus und halte meiner Begleitung die Tür auf. Sie lässt meine Hand los, betritt das Zimmer und ich merke auf einmal, wie schön ihr Haar ist. Lange Locken in einem tiefen Haselnussbraun, die auch schwarz sein könnten, fallen ihr über den Rücken. Sie werden auf meinem Kissen sogar noch viel besser aussehen.

Nach ein paar Schritten in den Raum hinein, bleibt Rose stehen und sieht mich über ihre Schulter hinweg an, als die Tür hinter mir ins Schloss fällt. Der Anblick von ihr in meinem Hotelzimmer löst in mir einen Moment des Bedauerns aus. Obwohl ich sie gar nicht kenne, weiß ich, dass sie mehr verdient hat als dieses Zimmer. Nicht, dass mit diesem Hotelzimmer irgendwas nicht stimmen würde. Es ist absolut annehmbar, aber halt eher für Businessreisen oder Familientrips eingerichtet. Viel lieber hätte ich sie in einem Fünfsternehotel auf mein Zimmer eingeladen – mit Blick über die Stadt, deren Lichter einen sanften Glanz im Raum erzeugen. Mit einem Badezimmer aus Marmor und einer Dusche, die groß genug für zwei ist. Aber wir sind nun mal hier, daher wird der Ausblick auf das Restaurant einer Fast-Food-Kette genügen müssen.

Alles, was Rose dabeihat, ist eine kleine Tasche, in die nicht viel mehr passen kann als ihr Handy und etwas Geld. Ich beobachte sie dabei, wie sie sie auf der Kommode gegenüber des Betts ablegt und sich dann zu mir umdreht. Sie hebt ganz leicht das Kinn an, so als wolle sie sich daran erinnern, warum sie hier ist, während in ihrem Gesicht zu lesen ist, dass sie sich gedanklich ein paar aufmunternde Worte zuspricht. Dann befeuchtet sie die Lippen und lächelt, aber das Lächeln ist nicht an mich gerichtet, sondern gilt ihr selbst.

Sie hat absolut keine Ahnung, wie sie weitermachen soll. Ich hatte schon Jungfrauen im Bett, die offensiver waren als diese Frau.

»Wie willst du das hier angehen?«, frage ich und überbrücke dabei mit langsamen Schritten die Distanz zwischen uns, die Hände in den Taschen meiner Jeans vergraben. Vor ihr bleibe ich stehen. Als sie sich nicht bewegt, ziehe ich die Hände aus den Taschen und fahre mit dem Finger ihre Ohrmuschel entlang.

Sie beißt sich auf die Unterlippe.

»Nackt«, sagt sie ernst und sieht von meinen Augen zu meiner Brust. »Ich würde es gern nackt machen.«

Ich werde sie definitiv die ganze Nacht hierbehalten.

»Nimm die ab«, fordere ich sie auf und tippe sacht gegen einen ihrer Ohrringe. Sie nimmt beide ab und legt sie neben ihre Tasche auf die Kommode, ehe sie wieder erwartungsvoll zu mir aufsieht.

»Wie hättest du den Sex gern?«, frage ich und nehme ihre Hand. Ich küsse die Innenseite ihres Handgelenks und sehe sie wieder an. »Sanft oder hart? Schnell oder langsam? Dreckig oder sehr dreckig?«

»Ähm …« Sie blinzelt, ihr Gesicht ist errötet. »Ja.«

Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt verarbeitet hat, was ich gerade gefragt habe, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Antwort darauf bereits hatte, noch bevor die Tür hinter uns zugefallen ist. Letzten Endes habe ich auch nur gefragt, um ihre Reaktion darauf zu sehen. Sie ist überhaupt nicht offensiv, sie wird es mögen, wenn ich die Zügel in die Hand nehme und jeden Zweifel in ihrem Gehirn darüber auslösche, ob sie begehrenswert ist oder nicht. Ich werde keinerlei Zweifel aufkommen lassen, an ihr interessiert zu sein. Und das bin ich tatsächlich. Ich will sie in jeder möglichen Position ficken, bis sie schließlich einschläft – erschöpft und befriedigt.

Ich lasse ihr Handgelenk los, reibe mir kurz mit dem Daumen über die Unterlippe und genieße diese Vorstellung.

»Deine Bluse.« Mein Ton lässt keine Widerrede zu, nicht, dass ich eine erwartet hätte. »Zieh sie aus.«

»Okay, und du zieh deine Hose aus«, antwortet sie und ihre Zungenspitze blitzt zwischen ihren Lippen hervor. Sie hat ihre Finger bereits an einem der Blusenknöpfe, als ihr Blick in Richtung meines Schwanzes wandert.

Ich werde hart. Verdammt, ich war schon hart wegen ihr, bevor ich überhaupt wusste, dass sie mitmachen würde. Ihre Bluse landet auf dem Boden, während ich meinen Gürtel und den Reißverschluss öffne, ehe ich mein Hemd von unten her aufknöpfe. Rose hält für einen winzigen Augenblick inne, bevor sie nach hinten greift und einen scheinbar versteckten Reißverschluss an ihrem Rock nach unten zieht. Er fällt ebenfalls zu Boden, sie steigt heraus und lässt ihre Sandalen dabei zurück. Dann verzieht sie das Gesicht zu einer kleinen Grimasse, hebt ihre Kleidung auf und platziert sie neben ihrer Tasche und ihren Ohrringen.

Sie strafft die Schultern, als sie sich zu mir umdreht und nackt, bis auf eine hübsche Kombi aus BH und dazu passendem Höschen, vor mir steht. Aus Baumwolle, vermute ich, mit einem zarten Spitzenrand. Süß. Sie ist süß. Erneut frage ich mich, was sie heute Nacht zu mir geführt hat. Hat sie jemand verletzt? Der Gedanke, dass sie jemand betrogen haben könnte, ist lächerlich, genauso wie die Tatsache, dass ich überhaupt diesen Gedanken habe, obwohl ich sie gerade mal eine Stunde kenne. Ehrlich gesagt, nicht mal eine Stunde. Ich kenne sie überhaupt nicht. Ich habe sie ja noch nicht mal geküsst. Warum will sie das hier? Warum jetzt?

Ich werfe mein Hemd zu Boden und lasse es dort liegen. Meine Hose folgt und Rose sieht einen Moment auf meinen Klamottenhaufen. Ihre Finger zucken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie darüber nachdenkt, meine Kleidung ebenso vom Boden aufzuheben, wie sie es mit ihrer gemacht hat, aber sie hält sich mit einem leichten Kopfschütteln davon ab und richtet dann lächelnd ihre Aufmerksamkeit auf meinen nackten Oberkörper. Ein lebhaftes kleines Grinsen macht sich auf ihren Lippen breit, das sie jedoch für wenig intellektuell halten muss, denn sie versucht sofort, es zu verstecken.

»Also«, sagt sie, während sie mit den Schultern zuckt und schließlich ihre Hand auf meine Brust legt. Ihr leichtes Aufatmen und fröhliches Grinsen zeigen mir, dass sie mit ihrer Wahl für eine einmalige Nacht zufrieden ist und etwas Selbstbewusstsein dadurch gewinnt. Sie presst die Lippen aufeinander, um ihr Grinsen zu unterdrücken, dann fragt sie: »Also, was nun?« Dabei legt sie den Kopf leicht schräg und ihre rosafarbene Zungenspitze blitzt kurz hervor. Dafür kann ich sehr wahrscheinlich eine bessere Verwendung finden.

Das reicht. Ich werde nicht noch länger warten. Ich packe ihren Nacken, ziehe sie zu mir heran und bedecke ihren Mund mit meinem. Ihre Lippen sind weich und warm und sie schmeckt noch ein wenig nach der Kirsche, die sie vorhin von mir entgegengenommen hat, außerdem nach Vanille und möglicherweise Kokosnuss. Ich glaube, es ist ihr Haar, das danach riecht.

Und dann stöhnt sie, ein ganz reizendes, winziges Stöhnen der Erregung oder Zustimmung. Es gefällt mir, was auch immer es bedeutet. Ich vergrabe die Finger in ihren Haaren und vertiefe den Kuss. Sie sind genauso seidig, wie ich sie mir vorgestellt habe. Dichte, seidig weiche Strähnen, die sich verführerisch zwischen meinen Fingern anfühlen. Strähnen, die ich mit der Faust umschließen könnte, während ich sie von hinten ficke oder sie vor mir kniet, mein Schwanz in ihrem Mund.

Ich hebe Rose hoch und sie umschlingt mit ihren Beinen meine Hüften, während ich uns zum Bett manövriere und gleichzeitig ihren BH öffne. Ihre Arme hat sie hinter meinem Nacken verschränkt und ihre Finger finden ihren Weg in mein Haar. Sie löst ihre Lippen von meinen und küsst sich meinen Kiefer entlang, während sie mir ihr Becken entgegendrückt, indem sie ihre Hüften leicht anhebt. Ich setze sie auf der Bettkante ab, streife ihr den BH von den Schultern, bis dessen Träger an meinen Fingern baumeln, und werfe ihn dann beiseite. Roses rechte Schulter zuckt kurz, aber ihr Blick folgt dem BH nicht. Stattdessen betrachtet sie meine Brust und beißt sich dabei auf die Unterlippe, ehe sie diese wieder freigibt.

Was denkt sie und warum kümmert mich das? Sie ist heiß und sie will mich. Punkt.

»Ich habe nicht mit dir gerechnet, Rose, aber ich bin froh, dass du hier bist. Auf meinem Bett. Bereit für mich.«

Sie wirkt für einen Moment unsicher. Fast so, als würde sie ihre Entscheidung noch einmal überdenken, was in mir die Frage aufwirft, wie viel Erfahrung sie hat. Ob ich mir Sorgen machen sollte, dass sie vielleicht noch nicht volljährig ist? Ich bezweifle es, aber es ist besser, nachzuhaken. Fragen und nicht einfach vermuten, so habe ich es immer in Bezug auf Frauen gehandhabt. »Wie alt bist du, Love?«, will ich wissen, woraufhin ihr Blick von meiner Brust hoch zu meinen Augen schnellt.

»Sechsundzwanzig«, antwortet sie sofort. Sie sieht nicht länger verunsichert, sondern verärgert aus. »Wie alt bist du?«

»Sechsunddreißig.« Ich lächle, denn ich mag sie. Ich glaube, dass ihr mein Alter schnurzegal ist. Sie hat nur nachgehakt, um zu kontern.

»Sechsunddreißig?« Sie zieht die Stirn kraus und unterzieht mich einer schnellen Musterung, ehe sie mit den Schultern zuckt und versucht, ihren überraschten Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle zu bringen. »Okay, ich nehme an, das geht in Ordnung.«

Ich hebe eine Braue. Macht mich dieses Mädchen, das ich nach dieser Nacht nie wiedersehen werde, tatsächlich gerade wegen meines Alters schief von der Seite an?

Sie richtet ihren Blick wieder auf meine Brust und legt den Kopf schief, wobei sie ein an sich selbst gerichtetes Hm ausstößt. Dann beißt sie sich erneut auf die Lippe und sieht mir wieder in die Augen. »Ja, das geht in Ordnung.«

Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Frau getroffen zu haben, die so offen mit ihren Gedanken umgeht.

Ich rolle ihren Nippel zwischen den Fingern hin und her und sie keucht auf. Ihre Reaktionen sind der Wahnsinn. Es wird Zeit, dieses Spiel wieder auf Spur zu bringen. Also knie ich mich vor sie hin, hake meine Daumen unter das Bündchen ihres Slips und ziehe daran, bis sie ihre Hüften genug anhebt, sodass ich ihn ihr ausziehen und auf den Boden gleiten lassen kann. Ihre Zehennägel sind in einem leuchtenden Pink lackiert. Ich fahre mit den Händen die Kontur ihrer Füße entlang, während ich bewundere, wie schön sie ist. Die sanfte Kurve ihrer Hüfte, die Form ihrer Unterschenkel, schmale Knöchel und ein kleines Muttermal über dem linken Fuß.

Ich schiebe ihre Knie auseinander und positioniere mich zwischen ihren weit gespreizten Beinen. Ihr stockt der Atem, als ich einen ihrer Nippel zwischen meine Zähne nehme und leicht daran ziehe. Ihre Brüste sind genauso perfekt wie der Rest von ihr, aber auf ihnen liegt gerade nicht mein Fokus. Ich möchte sie schmecken – nein, ich muss sie schmecken. Ich brauche die Erinnerung an ihren Geschmack auf meiner Zunge, wenn ich an diese Nacht zurückdenke, oder ich werde mich immer fragen, was mir entgangen ist.

Ich drücke sie zurück aufs Bett und bahne mir mit dem Mund einen Weg ihren Bauch hinunter, mein Ziel klar im Visier. Rose zuckt kurz mit den Beinen, doch dann entspannt sie sich und öffnet ihre Schenkel sogar noch weiter, während ihr diese Mischung aus Seufzen und Stöhnen entschlüpft, die ich bereits mit ihr verbinde.

Mit den Daumen spreize ich ihre Weiblichkeit auseinander und bin nun froh über das Licht; Neonlicht oder was auch immer da von der Straße aus in den Raum fällt. Entzückend. Sie ist so verdammt schön. Sie ist dort unten ganz glatt und ich möchte jeden Zentimeter von ihr mit meinem Mund und meiner Zunge bedecken. Sie ist bereits feucht, dabei habe ich sie bisher kaum berührt, aber ihre Erregung glänzt mir wie ein unartiges Geschenk entgegen.

Ich berühre Rose mit der Zunge und lasse sie einmal über ihr Geschlecht hinauf- und hinabgleiten. Als ich schließlich ihre Klitoris zwischen meine Lippen ziehe, hat Rose ihre Hände in meinem Haar vergraben. Innerhalb der nächsten Minute hat sie einen Fuß flach auf dem Bett aufgestellt, um genug Halt zu haben, während sich die Ferse ihres anderen in meinen Rücken bohrt.

Ihre Hingabe ist unwiderstehlich, ihr Geruch betörend. Sie ist wirklich ein Geschenk, das ich heute Nacht nicht erwartet habe.

Ich dringe mit einem Finger in sie ein und sie stöhnt irgendwas Unzusammenhängendes über Jesus. Das wird nicht funktionieren. »Jennings«, erinnere ich sie. Ihre Augen sind glasig und sie braucht einen Moment, um zu realisieren, dass ich meine Zunge zum Reden benutze, anstatt sie dort einzusetzen, wo sie sie haben will.

»Stimmt.« Sie blinzelt. »Stimmt, ich habe es nicht vergessen. Ich kann dich auf jeden Fall Jennings nennen.«

Sie ist ein seltsames kleines Ding. Eine süße Frau mit einem sexy Touch, von der ich mehr will. Gott, ich will sie. Meinen Blick lasse ich unverwandt auf sie gerichtet, als ich meinen Finger wieder in ihre feuchte Hitze schiebe. Ich liebe dieses Gefühl – die Wärme und Beschaffenheit, die Feuchtigkeit ihrer Erregung. Ich vermisse das Gefühl, ohne Kondom in einer Frau zu sein. Fuck, es ist schon ewig her, seit ich das gespürt habe. Nicht, dass ich daran heute Nacht etwas ändern würde. Ich bin ja kein Idiot.

Aber als ich wieder an Roses Klit sauge, während ich gleichzeitig zwei Finger gegen den empfindsamen Punkt in ihrem Inneren presse, und sie aufschreit, wünschte ich, es wäre anders.

3. Kapitel

Violet

Oh, Heiliger!

Das, was er da gerade gemacht hat, war wie ein Staatsdienst. Ein Staatsdienst, der allen Frauen offenstehen sollte, überall. Unabhängig von politischer Gesinnung, Rasse, Religion oder Staatsgrenze. Dafür sollte es ein Gesetz geben, denke ich lachend und lege einen Arm über meine Augen. Ich frage mich, was dieser Kerl noch alles draufhat. Wie konnte er mich so schnell zum Kommen bringen? Wir sind noch nicht mal fertig und das hier mutiert bereits zum besten One-Night-Stand aller Zeiten. Ich kann nicht glauben, dass so was gerade in meinem Leben passiert!

»Amüsiert dich etwas, Love?«, fragt er, als er aufsteht, nach seiner Hose greift und ein Kondom aus seinem Portemonnaie zieht, ehe er das Kleidungsstück wieder auf den Boden wirft. Um seine Augen haben sich feine Fältchen gebildet, die mich vermuten lassen, dass er über mein Lachen eher belustigt als verärgert ist.

»Nein, alles ist gut«, antworte ich, kann aber das Grinsen nicht aus meinem Gesicht verbannen.

Ich rutsche auf dem Bett nach oben, bis mein Kopf auf dem Kissen zum Ruhen kommt. Dann erinnere ich mich an die investigative Reportage, die ich über Hotelbetten gesehen habe, und zucke zusammen. Ich glaube allerdings, dass ich auf einer Tagesdecke liege, und die waschen sie doch sicherlich, oder? Zur Sicherheit schiebe ich aber dennoch die Beine darunter, schlage die Decke zurück und schubse sie dann ans Fußende.

Der Typ – Jennings – hält lächelnd inne und beobachtet mich. Kann er ruhig. Keime sind keine spaßige Angelegenheit.

Ich lehne mich gegen das Kopfende und lächle ihn ebenfalls an. »Was hast du noch drauf?«, frage ich ihn und – warum zur Hölle auch nicht – lasse meinen Blick über seinen gesamten Körper wandern. Er hat noch immer seine Unterwäsche an, deshalb kann ich nicht alles sehen, aber das, was ich sehe, gefällt mir definitiv. Breite Schultern. Beeindruckende Bauchmuskeln – wie kann es sein, dass er schon fast vierzig ist? Schmale Hüften. Starke Beine. Stattliche Beule. Was denn? Als hätte ich bei meiner Musterung nicht für einen Moment dort verweilt. Ich klopfe auf den Platz neben mir und grinse.

»Was ich sonst noch draufhabe?« Er lacht und wirft das Kondom auf den Nachttisch, ehe er mich am Knöchel packt und nach unten zieht, bis ich mich in der Horizontalen befinde. Ich kreische überrascht auf, bevor ich den Atem anhalte, als er sich über mir aufbaut und mit den Armen neben mir abstützt. Dann küsst er mich und ich stöhne. Ich kann mich selbst noch auf seiner Zunge schmecken und das macht mich erneut ganz feucht. Dieser Mann. Sein Mund. Er ist … sinnlich und das liebe ich. Vielleicht ist das so eine britische Sache? Vielleicht sind sie alle supertoll im Bett? Ich hatte noch nie etwas mit einem Mann aus einem anderen Land, daher habe ich keinen Vergleich. Alles, was ich weiß, ist, dass heute Nacht eine ziemlich gute Entscheidung war.

Sein Akzent wird mich noch umbringen. Auf die beste Art und Weise. Ich bin froh, dass er mich gerade nicht Rose nennt. Ich wünschte, er würde meinen richtigen Namen kennen. Violet aus seinem Mund zu hören, wäre … Und wie er mich immer wieder Love nennt – das ist so britisch von ihm, oder? Es gefällt mir auf jeden Fall. Sehr sogar.

Die magischen Fähigkeiten seines Mundes enttäuschen beim Küssen genauso wenig. Es sollte seltsam sein, einen Fremden zu küssen. Das klingt allerdings auch seltsam, wenn man bedenkt, was er gerade mit seinem Mund angestellt hat. Dass ich überhaupt einen zweiten Gedanken an die Intimität des Küssens von Mund zu Mund verschwende. Beim Küssen spielen so viele Dinge eine Rolle – der Atem, der Speichel, der Geschmack, die Zungen, der Winkel und der Druck – und Mr Mouth hier ist gut in allem davon. Er gleitet mit seinen Lippen zu meinem Kiefer, während ich meine Finger wieder in seinem Haar vergrabe. Zärtlich beißt er in mein Ohrläppchen, während mich der kleinste Atemhauch erzittern lässt, ehe Jennings mit der Zunge über diesen einen Punkt direkt hinter meinem Ohr leckt. Ich drücke ihm mein Becken entgegen, mich verzweifelt nach mehr sehnend.

Mehr hiervon, mehr davon. Mehr von dem, was auch immer er mir gibt.

Dann spüre ich seine Lippen wieder auf meinen und ich stöhne, als er sich so weit hinunterbeugt, dass meine Nippel gegen seine Brust reiben, und er seine Zunge in meinen Mund schiebt, um mit meiner zu spielen. Stöhne wieder, als er mir in die Unterlippe beißt und sich dann küssend meine Kehle hinabarbeitet. Als er sich schließlich noch weiter nach unten bewegt und die Unterseite meiner Brust umfasst, während er mit dem Daumen über meine Brustwarze streicht, bin ich bereit, zu betteln. Doch stattdessen fluche ich. »Fuck … Jennings.« Ich stöhne erneut und wölbe meinen Rücken durch, als er mit der Zunge meine Brust entlangfährt und mit seinem Daumen immer wieder meinen Nippel liebkost. Dieser verfluchte Mund von ihm.

Ich brauche den Kerl in mir. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so darauf aus war, vom Vorspiel zum Sex überzugehen. Bisher kenne ich es so, dass ein paar flüchtige Küsse ausgetauscht werden, ehe der Kerl seinen Schwanz rausholt und grunzt, als würde er viel besser ficken, als er es schließlich tut. Wie beispielsweise mein Ex Mark manchmal gern Nimm es, nimm es geblafft hat, während er aggressiv in mich hineinstieß, und ich so etwas wie Hm, ja murmelte, während ich mit meiner Hand zu meiner Klitoris wanderte und Was soll ich nehmen? dachte. Was genau soll ich nehmen? Denn meistens fühlte es sich eher so an, als würde er auf mir herumturnen und mich mit einem besonders großen Tampon anstubsen, während er das Alphamännchen spielte. Und das sage ich nicht aus der Warte einer verbitterten Ex-Freundin heraus. Sein Penis war absolut normal gebaut. Es ist nur so, dass manche Männer eine wirklich übertriebene Meinung bezüglich ihrer Fähigkeiten mit ihren normal großen Schwänzen haben. Das ist alles.

Was Mr Magic-Mouth angeht, bin ich mir jedoch absolut sicher, dass er das, was auch immer er in der Hose hat, gekonnt einzusetzen weiß. Er wirkt ziemlich talentiert. Vielleicht hat es ja Vorteile, schon fast vierzig zu sein? Gott, ich hoffe, dass er immer noch eine gute Ausdauer hat. Verlieren Männer nicht an Ausdauer, wenn sie älter werden? Lass mich nicht im Stich, Jennings, denke ich, als ich meine Hände zu seinen Boxershorts wandern lasse und sie nach unten ziehe. Es ist deutlich, worauf ich aus bin. Lass mich nicht im Stich. Du bist mein erster One-Night-Stand, sei bitte nicht mein letzter. Sei nicht der Grund, dass ich komplett aufgebe und stattdessen anfange, zu nähen und in eine Vibratorensammlung zu investieren. Sei nicht …

Egal.

Als ich die Boxershorts endlich über seinen Hintern gezogen habe, springt sein Schwanz hervor und prallt gegen meinen Bauch. Im wahrsten Sinne. Wenn mein Bauch dazu in der Lage wäre, ein Ächzen auszustoßen, würde er es tun. Heiliger, ja. Bleib ruhig und mach weiter. God save the Queen. Denk an England. Mir entschlüpft ein Kichern, als Jennings nach dem Kondom greift.

»Du bist eine seltsame Art von Frau, kann das sein?«, fragt er, lächelt dabei aber. Ein träges, lusterfülltes Lächeln, das seine Augen erreicht. Er hat schöne Augen.

»Normalerweise bin ich die Vernünftige«, murmle ich. Alle Bedenken in den Wind zu schlagen, war nie meins, aber ich denke, jetzt werde ich es tun. Warum auch nicht, oder? Es ist ja nicht so, als hätte ich ein Apartment oder einen tollen Job zu verlieren. Beides ist schon weg, von daher kann ich mich ganz easy hierauf einlassen. Nutze den Tag, carpe diem. Ganz locker und leicht.

»Die Vernünftige?«, hakt Jennings nach, ehe er die Kondomverpackung mit den Zähnen aufreißt. Warum ist das so sexy? Ich sollte wahrscheinlich öfter ausgehen, wenn mich bereits dieser Move antörnt.

»Schon gut«, antworte ich und ergänze: »Vergiss es.«

Mit dem geübten Griff einer Hand hat er sich inzwischen das Kondom übergezogen und sich wieder zwischen meinen Beinen platziert. Er stützt sich auf einem Arm ab und nutzt die andere Hand, um seinen Schwanz an Ort und Stelle zu positionieren. Er dringt in mich ein und bereits das fühlt sich gut an. Ich habe das vermisst und entscheide in diesem Moment, dass mein neues, sorgenfreies Ich mehr danach streben wird.

Jennings dringt tiefer in mich ein und das ist sogar noch viel besser als nur gut.

Unsere Blicke halten einander fest, während er mich gänzlich ausfüllt. Er keucht und ich ziehe scharf die Luft ein. Dann kreise ich ein wenig mit dem Becken, um mich an das Gefühl von ihm in mir zu gewöhnen, und beiße mir dabei auf die Unterlippe. Jennings befreit meine Lippe mit seiner und küsst mich, was meiner Kehle ein seltsames Geräusch entlockt. Er fühlt sich einfach so perfekt an. Ich ziehe meine inneren Muskeln um ihn zusammen, was seine Augen dunkler werden lässt, ehe er sie kurz schließt. Als er sie wieder aufmacht, grinst er und küsst mich, bevor er sich fast gänzlich aus mir herauszieht und dann wieder in mich hineinstößt. Er neckt mich mit köstlich langen und gezielten Stößen. Tief, dann wieder nicht. Er zieht sich zurück, nur um dann wieder kraftvoll in mich einzudringen. Als er sich bis zur Spitze aus mir löst, kralle ich meine Finger in seine Schulter – ich will ihn wieder spüren. Ich würde ihn darum anbetteln, wenn er das verlangen würde.

Doch stattdessen kniet er sich hin, legt sich meine Beine über seine Unterarme und zieht meinen Po in die Höhe, ehe er sich wieder in mir versenkt. Dieses Mal schnell und hart. Ich greife nach oben und drücke meine Hände gegen das Kopfende, um einerseits nicht dagegenzudonnern, und andererseits, seinen Stößen entgegenzukommen. Sex hat sich noch niemals so angefühlt. Noch nie.

»Oh mein Gott, hör nicht auf.«

»Mach ich nicht, Love. Keine Chance.«

Seine Eier schlagen gegen meinen Unterleib, wenn er in mich hineinstößt, und es ist so verdammt anzüglich, dass man im Raum nur das Aufeinandertreffen zweier Körper hört, gemischt mit unserem Atem. Es ist feucht und heiß, hart und dreckig, und ich möchte am liebsten sofort kommen, will aber auch, dass es noch länger so weitergeht.

Spoileralarm: Es geht noch länger.

Mr Magic-Mouth ist zudem eine Art Orgasmusgenie, denn er weiß scheinbar genau, wie er mich am Rande eines Höhepunkts hält, wie er mich bis kurz davor bringt, nur um sich dann wieder zurückzuziehen. Es ist eine Qual.

»Bitte lass mich kommen«, wimmere ich. »Bitte, bitte, bitte.«

»Du bist wirklich eine entzückende kleine Überraschung, Love«, sagt er, während er uns herumrollt, sodass ich jetzt oben bin.

»Bin ich das?«, keuche ich. Diese neue Position kam unerwartet und ich halte für einen Moment inne. Ich mag es nicht wirklich, oben zu sein.

»Das bist du.« Er zieht eine Braue in die Höhe und tippt gegen meine Hüfte, um mir zu signalisieren, dass ich jetzt das Kommando habe.

Normalerweise fühle ich mich wie auf dem Präsentierteller, wenn ich oben sitze. Entblößt. Aber scheiß drauf, ich werde diesen Typen nie wiedersehen und ich will endlich kommen. Und hier oben habe ich die Kontrolle. Außerdem ist die Art und Weise, wie er mich ansieht, berauschend. Als wären meine Brüste nicht zu klein und als würde mein Bauch aus diesem Blickwinkel nicht moppelig wirken. Nein, ich sehe nichts als lustvolle Aufmerksamkeit in seinen Augen.

Ich lasse meinen Blick wieder über ihn wandern, ehe ich mich etwas nach oben bewege und mich dann wieder auf ihm niederlasse. Er hat wirklich einen tollen Oberkörper. Gut gebaut und straff, mit wenigen Haaren darauf, die jedoch heiß und nicht wild aussehen.

»Fass dich an«, kommandiert er und ich sehe ihm rasch in die Augen. Seine Hände hat er mittlerweile auf meinen Beinen platziert und seine Finger ruhen verführerisch auf meiner Haut.

Ich muss schlucken und sehe kurz weg, ehe ich ihn wieder anblicke und meine Finger auf meine Klit lege. Dann reibe ich mit zwei Fingern daran, während ich den Rhythmus auf seinem Schwanz vorgebe. Ich schaukle hin und her, hoch und runter. Er sieht mich unverwandt an und als sein Blick dort hingeht, wo wir miteinander verbunden sind, halte ich kurz inne, mich selbst zu streicheln, bis er sagt: »Hör nicht auf.« Seine Stimme ist tief und verführerisch, seine Augen sind halb geschlossen und ein Keuchen löst sich aus seiner Kehle.

Ermutigt mache ich weiter. Seine Lust ist anspornend. Ermächtigend. Also schlage ich einen schnelleren Rhythmus mit meinen Bewegungen und meinen Fingern an, bis ich komme.

Der Höhepunkt schleicht sich an mich heran. Trifft mich dann schnell und hart. Ich lasse den Kopf nach vorn fallen, meine Hände habe ich auf seiner Brust abgestützt, damit ich die Balance nicht verliere. Er wird bewegungslos, tief in mir drinnen, während ich mich noch um seinen Schwanz zusammenziehe. Mit den Händen an meinen Hüften hält er mich eng an sich gedrückt, bis die Zuckungen nachlassen. Dann hämmert er von unten in mich hinein und kommt mit einem Fuck, Love auf den Lippen selbst zum Orgasmus, die Augen geschlossen, den Kopf in Ekstase zurückgeworfen. Sein Kiefer spannt sich an und sein Griff um meine Beine wird noch fester. In dem Moment denke ich, dass er schön ist. Ich katalogisiere all seine Züge in meinem Kopf, ehe ich auf seiner Brust zusammenbreche.

Das hier war perfekt.

Der perfekte One-Night-Stand.

4. Kapitel

Jennings

Mein lieber Schwan, diese Nacht war unerwartet. Und das amerikanische Mädchen etwas Besonderes. Während ich die letzten Reste des Rasierschaums von meinem Kinn entferne, überlege ich, ob ich sie nach ihrer Nummer hätte fragen sollen. Nein. Ich bin nur noch einen Tag in Washington, ehe ich in einen gottverdammten Bus steigen und auf glücklichen Touristen machen muss. Im Übrigen habe ich nicht mal ihren richtigen Namen erhalten, da hätte sie mir wohl kaum ihre Nummer gegeben.

Sie ging heute Morgen, ohne viel zu sagen. Nach einem Blick auf die Uhr stürzte sie aus dem Bett. Zog sich an und war in weniger als einer Minute durch die Tür verschwunden. »Danke«, zwitscherte sie noch, eine Hand an der Türklinke. »Es war schön, dich kennenzulernen!«, fügte sie hinzu, dann war sie weg.

Es war auch sehr schön, dich kennenzulernen, Love.

Ich bin nicht sicher, ob mir diese Worte schon mal jemand am Morgen danach gesagt hat, aber es war in der Tat sehr schön.

Ich liebe Frauen. Ich liebe es, sie zum Essen auszuführen. Sie zur Tür zu begleiten. Über ihre Wangen zu streicheln, ihr Kinn zu umfassen und sie zu küssen, ehe sie mich bitten, zu bleiben. Aber am meisten liebe ich es, sie zu ficken. Ich liebe es, zu entdecken, was sie feucht werden lässt. Was ihnen den Atem stocken und sie wahnsinnig werden lässt. Welche Kombination eine Frau zum Schreien und dazu bringt, auf meinem Schwanz zu kommen.

Rose – oder wie auch immer ihr Name ist – ist nicht das, was ich sonst mache. Überhaupt nicht. Aber sie hat mich zum Lachen gebracht. Die Art und Weise, wie sie bezüglich ihres Namens gelogen hat – als wäre ein Zusammentreffen mit einem Fremden eine verdeckte Mission. Vielleicht war es das für sie. Was es auch war, es hat mir ein Lächeln entlockt. Und das Aufleuchten in ihren Augen, als sie mich gefragt hat, ob ich Brite sei, Fuck. Als wir nackt auf dem Bett lagen, hat sie mich gebeten, etwas typisch Britisches zu sagen. Ich schüttle den Kopf und lache angesichts der Erinnerung laut auf. Und dann dieser lächerliche Champagner-Cocktail, den sie getrunken hat. Eine weitere Lüge. Dieser Drink ist in keinem Land dieser Welt angesagt. Darüber hinaus kann ich mich nicht mehr erinnern, wann mich das letzte Mal eine Frau nach dem Sex abserviert hat.

Vielleicht werde ich sie heute Abend wieder in der Hotelbar vorfinden. Vielleicht. Will ich das? Normalerweise bin ich nicht auf eine Wiederholung aus, aber eine weitere Nacht mit dieser Frau würde ich nicht ausschlagen.

Warum zur Hölle habe ich sie heute Morgen abhauen lassen? Sie hat mich mit ihrem Abgang überrascht; ich war noch immer vom Sex benebelt und darum bemüht, mit den verschobenen Zeitzonen klarzukommen. Und dann war sie verschwunden und mit ihr der Geruch nach Kokosnuss, während ich mir das Bild von ihrem breiten Lächeln einprägte. Den Ausdruck auf ihrem Gesicht, als ich sie zum Höhepunkt brachte – mehrmals. Der Anblick ihrer Haare, die sich über mein Kissen ergossen. Den Moment, in dem sie kurz innehielt, als sie plötzlich auf mir saß, ehe sie ihre Hände auf meiner Brust abstützte und sich zu einem weiteren Orgasmus ritt.