jwd* - Janz weit down under - Claudia Thiele - E-Book

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Claudia Thiele

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Beschreibung

Frau im dritten kritischen Alter kurz vor dem psychischen Zusammenbruch reist aus, um dem Hamsterrad der Langeweile zu entkommen. Der liebe Ehemann, von Freunden und Familie aufgefordert, der reizenden Gattin ihre wieder einmal absurde Idee auszureden, zuckt nur mit den Schultern und freut sich insgeheim auf drei Monate Männerwirtschaft. Nur, wie soll Frau, also ich, jemals dort ankommen? Falsches Flugzeug, falscher Ort und, schwups, säße die Gemahlin, also immer noch ich, in Paraguay, statt in Australien und redete den Eingeborenen ihren Boomerang gerade! Und das in rudimentärem Englisch. Aufhalten? Keine Chance! Würde das gut gehen? Niemals! Allen Warnungen zum Trotz startete der Flieger ans andere Ende der Welt und mit im Gepäck reiste das Chaos. Grundlegende Probleme vor Ort: es wurde tatsächlich kein Deutsch gesprochen, Hostels sind keine Fünf-Sterne-Luxus-Resorts, die Busfahrer Down Under besitzen den gleichen Charme wie Zuhause und meine ausgeprägte Orientierungslosigkeit sorgte nicht nur für kleine-große Katastrophen sondern führte auch zu der Erkenntnis, dass zum Glück bereits alles entdeckt und verwlant war. Zwischenfazit: Frau hat ihr lebendiges Chaos auch nach drei-monatigem Aufenthalt gesichert und plant fröhlich neue Abenteuer.

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Frau im dritten kritischen Alter kurz vor dem psychischen Zusammenbruch „reist“ aus, um dem Hamsterrad der Langeweile zu entkommen. Der liebe Ehemann, von Freunden und Familie aufgefordert, der reizenden Gattin ihre wieder einmal absurde Idee auszureden, zuckt nur mit den Schultern und freut sich insgeheim auf drei Monate Männerwirtschaft.

Nur, wie soll Frau, also ich, jemals dort ankommen? Falsches Flugzeug, falscher Ort und, schwups, säße die Gemahlin, also immer noch ich, in Paraguay, statt in Australien und redete den Eingeborenen ihren Boomerang gerade! Und das in rudimentärem Englisch.

Aufhalten? Keine Chance! Würde das gut gehen? Niemals!

Claudia Thiele, geboren 1970 in Luckenwalde, lebt als Weltenbummlerin in ihrer Wahlheimat Hannover. Um dem eintönigen Kaufmannsdasein zu entfliehen, sorgten zur Horizonterweiterung eine Ausbildung zur Mediatorin und zum Coach, Reisen und der unstillbare Durst nach Abenteuer.

Inhaltsverzeichnis

Bestseller

Die Vorbereitung

Entschluss

No worries

Ankunft

Hop on/Hop off

Hot Water Beach

Nächster Stopp Rotorua

Kiwi Experience

Tongariro National Park

River Valley und die Hobbits

Der Franz-Josef-Gletscher

Queenstown

Christchurch

Melbourne

Formel 1

Perth

Mit Rhett entlang der Westküste

Volmit - Tour Whale Sharks at Ningaloo

Cottesloe

Sydney

Blue Mountains

Alice Springs

Watarraka Kings Cannon

Flying Doctors

Die Rettung aus dem Outback

Cairns

Daydream Island

Airlie Beach

Hamilton Island

Platz 67K

Singapurdollar

Gedanken

Fakten

Bestseller

Mein Buch würde schon auf Platz eins der Bestsellerliste im Fachhandel stehen und ich könnte von den Einnahmen meinen Alaskatraum leben, wenn ich mehr Zeit ins Schreiben als in die Vorbereitung und Ausgestaltung meines Künstlertraumes investiert hätte. Unser Arbeitszimmer habe ich zur Sperrzone erklärt, um das von mir verursachte Chaos nicht aufräumen zu müssen. Und so sitze ich bei strahlendem Sonnenschein selbstverständlich nicht in meinem Chaos, sondern mit einer Cola light vor der Markthalle und lasse mich ganz wunderbar von der Abrissbirne des alten Gartencenters ablenken.

Um mich herum sitzen sie alle, die ehemaligen Größen mit ihren Beziehungen in blond und zwanzig Jahre jünger und halten stark gestikulierende Reden zu den lokalen B-Promis aus Politik und Wirtschaft, denen sie natürlich alle persönlich zu ihrem Erfolg verholfen haben ... damals ... Sie erzählen laut und unüberhörbar von ihren Heldentaten in der Hoffnung, dass das beisitzende Blondchen zuhört.

Dann sind da noch die Schönheiten aus längst vergessener Zeit mit unechten Perlen und übergroßen Sonnenbrillen, hinter denen sie das solarienstrapazierte Gesicht verstecken. Mit Schmollmündern, die durch zu viel Rot die Zahnverfärbungen noch betonen, sitzen sie da, verkniffen nach Aufmerksamkeit haschend, hektisch an der Zigarette ziehend, während ihr Blick durch die Tische streift, um den Partner fürs Leben zu finden. Ich könnte jetzt rufen: »Tisch drei! Der Nusseis-Gigolo! Der erfüllt mit falschen Versprechen all eure Sehnsüchte!«

Und genau in dieser Atmosphäre trete ich den Versuch an zu schreiben: über den Entschluss zum Aufbruch, die Planung meines Abenteuers und meine Reiseerinnerungen.

Schwierig. Sehr schwierig!

Das eigentliche Abenteuer bestand nicht in der Erforschung unentdeckter Gebiete oder im Bezwingen von Naturgewalten. Ich habe meine Reise auch nicht mit dem Fahrrad oder im Segelboot rückwärts ohne Helm zurückgelegt.

NEIN, es war meine persönliche Herausforderung ... die, die mich kennen, zweifeln nicht daran.

Mit fünf Paar Socken, ohne Mascara, ohne Fön und High Heels durch Neuseeland und Australien zu reisen, war die eigentliche Prüfung und für mich ein unvorstellbares, kaum zu bezwingendes Abenteuer.

Ich bin ohne Verhaftungen und längere Hungersnot, von einseitiger Ernährung mal abgesehen, nach mitteleuropäischem Standard in unzugänglichen Gebieten unterwegs gewesen.

Johann Wolfgang von Goethe, meine heimliche Liebe, könnte meine kleinen Schwächen nicht charmanter mit tröstenden Worten formulieren und ich denke, er nimmt mir meine eigene Interpretation nicht übel. ;-)

»Man reist nicht, um anzukommen.«

Die Vorbereitung

Wer glaubt, meine Vorbereitung bestand aus Tasche packen und los, ist auf dem Holzweg – obwohl das natürlich im Nachhinein das Richtige gewesen wäre. Zur Beruhigung meiner Nerven und unter erheblicher Strapazierung meines Kontos schaffte ich jede Menge nicht unbedingt benötigter Dinge an. Für eine spontane Expedition in den Dschungel Papua-Neuguineas oder an den Nordpol wäre ich bestens ausgestattet gewesen.

Ich bin auch im Nachhinein nicht schlauer. Ich glaube, es ist ein Gen in mir, das unbedingt und immer auf alllllleee Fälle vorbereitet sein möchte und dann an mein Unterbewusstsein das Signal »Kaufen!« sendet.

Hitzi, ein Kumpel mit besten Outdoor-Erfahrungen und siebtem Sinn für lebensnotwendige Dinge, checkte meinen Rucksack noch vierzehn Tage vor Abflug mit mir durch. Wir diskutierten stundenlang über ein viertes Paar Socken, Nagelschere, Duschgel, Mascara, High Heels, Batterien und darüber, ob ich die Zahnbürste zum Zweck der Gewichtsreduktion unterhalb der Bürste abbrechen sollte oder nicht. Er erklärte mir, dass ein halbes Stück Seife zwanzig Tuben Duschgel ersetzt und ich weder den kleinen Damenrasierer noch Kamm und Bürste benötigen würde. Um den Verbleib jedes für mich so notwendigen Parfümpröbchens musste ich argumentieren – und selbstverständlich hatten die Pröbchen keine Chance. Meine Worte an den sturen Outdoorking Hitzi fanden kein Gehör und da ich die ausweglose Situation erkannt hatte, packte ich diese für mich doch wichtigen Dinge nach der Kontrolle heimlich wieder ein. Vor meinem inneren Auge sah ich mich ungekämmt mit abstehenden Haaren wie der Struwwelpeter und unrasierten Beinen wie Frodo aus dem Auenland: ein Traum!

Trotz des kleinen Auspack-Einpack-Spiels erleichterten wir meinen Rucksack um erstaunliche 3,5 kg! Dafür war ich später in Australien sehr dankbar, denn es schuf den nötigen Platz für meine kleinen Shopping-Erlebnisse in Melbourne, wie Mascara, High Heels, Nagelschere ...

Der praktische kleine platzsparende Tütentrick, den mir Hitzi verriet, hat mich so begeistert, dass ich ihn auch heute noch bei jeder Kurzreise anwende. Er geht ganz leicht: Man nimmt eine kleine Plastiktüte mit Zipper, legt die Bekleidung hinein, presst die Luft heraus und fertig ist das Verstauungswunder.

Für meine Eltern war der wichtigste Aspekt die Sicherheit und ein vernünftiges Hotel. Es fiel mir schwer, meiner Familie zu erklären, welche Art von Unterbringung ich mir leisten konnte. Ich erwähnte nur beiläufig, dass ich in Hostels schlafen würde, in der Hoffnung, dass der Begriff »Hostel« ähnlich charmant klingen würde wie »Fünf Sterne all in ...«, aber weit gefehlt! Der Alarm ging los! »… mit stinkenden Backpackern in maroden, dreckigen Schlafsälen?!?« Ich ließ den Redeschwall über mich ergehen. Was für mich zu diesem Zeitpunkt noch nach Abenteuer roch, sollte sich später als stinkende Wahrheit herausstellen.

An dieser Stelle möchte ich mich kurz vorstellen:

Ich bin 44 Jahre jung, oder je nach Tagesform auch alt, und meistens blond. Ich besitze keinen ausgeprägten Orientierungssinn, meine Englischkenntnisse lassen viel Spielraum und werden meistens durch ausdrucksstarke Mimik und heftige Gestik ergänzt.

Alles fing ganz harmlos an. Jeder kennt die Situation: Langeweile im Job, das dritte schwierige Alter und die große Angst, im Leben etwas zu verpassen.

Es gibt nur eine Möglichkeit Träume zu verwirklichen: loslegen!

Nicht ahnend, was ich mir da wieder eingebrockt hatte, legte ich voller Tatendrang und mit meinem übergroßen Mundwerk los. Es war nicht mein erster verrückter Einfall. Ich hätte auf Freunde und Familie hören können, aber auch mein lieber Mann sagte zu meiner Verwunderung nichts dazu. Ja, ich bin auch für mich manchmal sehr anstrengend. Zu diesem Zeitpunkt wäre aber alles besser für mich gewesen, als in meiner Tretmühle hängenzubleiben. Ich wollte Abenteuer um jeden Preis! Von dem Augenblick an, in dem das Ziel »Auszeit in Neuseeland und Australien« feststand, war die Umsetzung nur noch ein kurzer Sprung. Ich hatte schon seit recht langer Zeit festgesteckt in meinen eigenen Gedanken und den Vorstellungen, wie man sein Leben zu leben hat. Mein geliebter alter Job war über Jahre hinweg einen ganz langsamen Tod gestorben. Wenn es im Leben so richtig knallt, ist das oft mit einem Schrecken verbunden, aber der absolut nicht zu unterschätzende Vorteil ist: Man wird wach und ist zur Veränderung gezwungen.

In meinem Fall war es anders. Ich arbeitete im Einzelhandel und da in jedem Menschen Bequemlichkeit steckt, und nicht immer der große Wille zur Veränderung, bemerkte ich das Laufrad nicht, das sich immer weiterdrehte. Diese Wirklichkeit in meinem Leben wollte ich nicht sehen und hoffte stattdessen immer wieder, dass bessere Zeiten kommen würden. Was natürlich absoluter Blödsinn war, da für den Einzelhandel keine besseren Zeiten mehr kommen werden.

Dass der Beruf, den ich mit viel Spaß zwanzig Jahre lang ausgeübt hatte, nicht mehr der erfüllende Job für mich war, wollte ich einfach nicht glauben. In meinem Unternehmen gab es ein paar habgierige, narzisstische Visionäre, die ein gesundes Unternehmen aus purem Egoismus zerstörten. Darüber zu philosophieren, würde Bände füllen und in mir schlechte Laune aufsteigen lassen.

Was mich an dieser Stelle so traurig macht, ist der Gedanke, dass wir doch alle nur dieses eine Leben haben und uns häufig in entscheidenden Fragen der Mut zur Veränderung fehlt. Wir, also auch ich, nehmen lieber in Kauf, dass uns ein schlecht bezahlter Job in einem zukunftslosen Unternehmen die Gesundheit kostet, als mit ein wenig Anstrengung und Mut aus dem Hamsterrad zu springen.

Im Rückblick denke ich auch, ich brauchte fünf Jahre, bis der Leidensdruck so groß wurde, dass ich meinen Entschluss, zu gehen, umsetzte. Heute „danke“ ich dem pensionierten Geschäftsführer, der mir und vielen meiner Kollegen das Leben zur Hölle machte! Wäre er nicht so ein fieser, manipulativer, selbstverliebter Mensch gewesen (und das ist mein nettester Versuch, ihn zu beschreiben) und hätte er mir nicht jeden einzelnen Tag vermiest, wäre ich geblieben und hätte weiter mit den Windmühlen gekämpft.

Bis zur Einladung zu einer Geburtstagsparty hatten mir der zündende Gedanke und ein Ziel gefehlt, das ich in meinem Leben erreichen wollte. Als die Idee, nach Neuseeland und Australien zu gehen, geboren war und ich die Chance bekam zuzugreifen, hatte ich das starke Bauchgefühl, nie mehr in das alte Laufrad zurückspringen zu müssen. Ich verwandelte meine Auszeit spontan in eine Kündigung.

Der beste Entschluss 2015! Ich hatte mein Leben wieder!

Es war eine geniale Gelegenheit, zu sehen was geht, ein Vorhaben zu starten, im völligen Bewusstsein, wahrscheinlich den größten Mist meines Lebens angeleiert zu haben. Aber der Entdeckergeist in mir war geweckt und es gab kein Zurück. Schade, dass zu diesem Zeitpunkt bereits alle Kontinente und Ozeane von wilden Abenteurern und Piraten vor mir erforscht und auf Google Maps eingetragen worden waren, doch das änderte nichts: Ich war bereit!

Entschluss

Da war diese Geburtstagsparty, deren Motto mich emotional völlig überforderte: »Brunch« lautete das Zauberwort. Ich hasse Kaffee-und-Kuchen-Veranstaltungen und Smalltalk am Tisch und zum Anziehen hatte ich auch nichts. So begann die Suche nach dem richtigen Outfit. Mit meinem brummigen Gesicht (und ich meine an dieser Stelle nicht meinen lieben Ehemann ) zog ich durch die Stadt.

Der kleine Versace Rock war schnell gefunden und den Blicken auf der Party nach zu urteilen wieder einmal zu kurz, zu grün und zu irgendwas.

Ich weiß nicht mehr genau, wann der Höhepunkt der Langeweile für mich erreicht war: vor oder nach der Eröffnung des Buffets? Olli, außer mir der einzige Gast, der nicht so ganz in die Kaffee-und-Kuchengesellschaft passte, gesellte sich an meine brunchfeste Seite. Wir checkten die Lage und fragten uns: »Was geht? Rocken wir das Buffet oder bestellen wir ein Kaltgetränk?«, um es mit Ollis Worten auszudrücken. Nach Verzehr des Kaltgetränks und einem Blick in die Runde der illustren Gesellschaft, sondierten wir unsere ausweglose Lage. Die Idee, die sanfte Beschallung der Gäste durch Verlagerung der Lautsprecherboxen etwas zu verstärken und somit die Stimmung zu heben, war schnell in die Tat umgesetzt. Da uns aber schon nach kurzer Zeit die Musikauswahl schaudern ließ, zogen wir an das andere Ende der Tafel, bestellten uns ein Bier und fingen an zu träumen. Outback, Gummistiefel in Pink, das Gefühl von Weite oder auch ein Glas Bier zu viel berauschten meinen Geist und somit stand ich ein halbes Jahr später auf dem Flughafen.

No worries

Mit 14,9 kg Gepäck, bestehend aus winzig kleinen, platzsparend verpackten Vakuumplastiktüten mit Zipper im nigelnagelneuen, farblich abgestimmten Backpack ging meine Reise los. Einen Tag zuvor hatte ich auf Nachfrage meines lieben Mannes bemerkt, dass mein Abflughafen nicht Frankfurt, sondern Düsseldorf war. Ich war der durchorganisierte, detailverliebte New Age Backpacker aus der Generation X, der die Reiseroute in kleine Kästchen schreibt, jede Etappe mit Datum plant und unterwegs alles wieder umschmeißt – und den Abflughafen nicht kennt.

Here we go … here we go … here we go

Nach Ansteuerung des richtigen Flughafens und Erreichen des Terminals war sie auf einmal da: die Aufregung, Panik ... ich hatte Schiss! Zum Glück gab es nur ein paar Tränen und kein Zurück mehr. Auf dem letzten Drücker habe ich noch mein Handgepäck erleichtert und das Tablet ausgepackt. Gute Entscheidung!