KAISERFRONT Extra, Band 9: Aufstand in Irland – Der Untergang Dublins - Christian Schwochert - E-Book

KAISERFRONT Extra, Band 9: Aufstand in Irland – Der Untergang Dublins E-Book

Christian Schwochert

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Beschreibung

Das patriotische Heer der Iren rund um Eoin O‘Duffy und Hans von Dankenfels scheint völlig vernichtet zu sein. Doch der deutsche Feldherr hat den Sprung in die reißende Strömung überlebt und ist fest entschlossen, den Kampf fortzuführen. Derweil versuchen die Briten Irland wieder völlig unter ihre Kontrolle zu bringen, während der Verbrecher Emanuell Wacron geschickt den Konflikt zum Eskalieren bringt; infolge seiner Intrigen brennt bald darauf sogar Dublin. Das Deutsche Kaiserreich bereitet eine weitere Expeditionstruppe auf die Landung in Irland vor. Die Streitmacht soll von dem Offizier Erwin Rommel angeführt werden, der bereits einige Pläne hat, wie er die Briten bekämpfen will. Von Dankenfels nimmt zur selben Zeit mithilfe einer Kriegslist einen britischen Außenposten in Irlands Mooren ein, um von dort aus Kontakt mit der Heimat aufzunehmen.

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Seitenzahl: 248

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Kaiserfront Extra

 

 

Band 9

Aufstand in Irland – Der Untergang Dublins

 

Military-Fiction-Roman

von

Christian Schwochert

Inhalt

Titelseite

Vorgeschichte

Kapitel 1: Rückkehr von den Toten

Kapitel 2: Dublin in Flammen

Kapitel 3: Die Unfassbaren

Kapitel 4: Die Schlacht der fünf Heere

Kapitel 5: Der kurze Weg zum Frieden

Nachspiel

Empfehlungen

COMPACT Geschichte

Stahlzeit

Aldebaran

Alternativer Beobachter

Impressum

Vorgeschichte

Inspiriert durch ihre Erfolge in Finnland und im Spanischen Bürgerkrieg entschlossen sich die Deutschen, Irlands Patrioten bei ihrem Kampf um Unabhängigkeit zu unterstützen. Auslöser war das Verhalten des von England auf der Grünen Insel eingesetzten Vizekönigs Emanuell Wacron. Er brachte die Iren gegen sich auf, was eine Rebellion zur Folge hatte.

Um den Freiheitskämpfern gegen Wacron zu helfen, entsandte Kaiser Wilhelm III. den kampferfahrenen General Hans von Dankenfels, der sich zusammen mit Reinhard Gehlen, 2.500 Kameraden sowie einigen später hinzugekommenen Franzosen dem Anführer der »Irisch Royalistischen Armee« anschlossen. Dabei handelte es sich um Eoin O’Duffy, der im Spanischen Bürgerkrieg das Lager Francos unterstützt hatte. O’Duffy wiederum arbeitete eng mit John Joseph O’Kelly zusammen, der die patriotische Partei Sinn Féin anführte und seit Jahren auf politischer Ebene dafür kämpfte, dass seine Heimat unabhängig wurde.

Die beiden Patrioten entschlossen sich zu Beginn des Aufstands, auf getrennten Wegen für die Freiheit Irlands zu fechten. O’Duffy auf militärischem und O’Kelly auf politischem Weg. Während die Sinn Féin gewaltige Proteste in Dublin organisierte, kämpfte sich O’Duffy mithilfe von Reinhard Gehlen und Hans von Dankenfels durch den Süden der Grünen Insel. Gleichzeitig schickte Gehlen seine Spione, Saboteure und Attentäter aus, um dem Gegner empfindliche Schäden zuzufügen. Mit der wichtigsten Aufgabe betraute er die ehemalige Sowjetagentin Natascha; sie sollte Vizekönig Wacron töten. Zwar schaffte sie es, seine Spur aufzunehmen, aber bisher war es ihr nicht gelungen, in die Nähe ihres Feindes zu gelangen.

Wacron rief derweil zahlreiche zwielichtige Gestalten zu seiner Unterstützung auf die Insel. Tausende Freiwillige folgten seinem Aufruf aus unterschiedlichen, aber keinesfalls ehrbaren Motiven.

Während der Vizekönig und das ihm folgende Gesindel zahlreiche Kriegsverbrechen begingen, entschied die britische Hochfinanz, ihren Marionettenherrscher nicht länger als solchen zu benutzen. Zwar hielten die Machthaber im Moment offiziell an ihm fest, aber sobald sich die Lage beruhigt hatte, plante man den Störenfried zu entfernen. Seine sofortige Absetzung erfolgte lediglich deshalb nicht, weil die Hintergrundmächte vor den rebellischen Iren keine Schwäche zeigen wollten. Allerdings war ihnen klar, dass Wacron weg musste, weil er durch sein Verhalten für den Aufstand verantwortlich war.

Auch dem sowjetischen Diktator Josef Stalin war das natürlich bewusst und er hatte ganz eigene Pläne mit Wacron, weshalb er Kapitän Seizew mit einem Unterseeboot zur Grünen Insel schickte, um Wacron dort abzuholen. Vier sowjetische Matrosen gingen unauffällig an Land und machten sich auf die Suche.

Langsam wurde es unmöglich, per Schiff Kämpfer nach Irland zu schicken; die Briten begannen ihre Nachbarinsel regelrecht abzuriegeln und schickten mehrere große Armeen herüber. Kaiser Wilhelm III. entschloss sich, in Absprache mit seinem Vater und Vorgänger, weitere Kämpfer unter Führung von General Erwin Rommel zu senden. Sie sollten bei Nacht und Nebel von Brest aus mit Zeppelinen dorthin transportiert werden. Als sich Rommel in Brest einfand, traf er auf General Charles de Gaulle und wartete dort, bis alle Vorbereitungen für den Transport nach Irland abgeschlossen waren.

Inzwischen zwangen die terroristischen Aktionen des Vizekönigs den Sinn Féin-Chef zur Zusammenarbeit mit dem britischen General Smith, der auf Befehl Londons Dublin besetzte.

Währenddessen kämpfte die Armee um Hans von Dankenfels, Eoin O’Duffy und Reinhard Gehlen verbissen gegen ein zahlenmäßig weitaus stärkeres Heer der Briten. Zwar gelang es ihnen, dem Feind erhebliche Verluste zuzufügen, aber schließlich stand General von Dankenfels’ Truppe in die Enge gedrängt am Fluss Suck und wurde vom Gegner regelrecht überrannt. Bevor die Engländer den deutschen Feldherrn töten konnten, schnappte sich die IRA-Kämpferin Sandra Simmens den General und sprang mit ihm zwanzig Meter tief in den Suck. Ein Blick hinunter zu den spitzen Felsen, die aus dem Wasser ragten, ließ die britischen Soldaten schlussfolgern, dass die beiden nicht überlebt hatten.

Kapitel 1: Rückkehr von den Toten

Dublin, 04.10.1937

John J. O’Kelly und seine Männer schafften es, das Wasserwerk zu erreichen, die Schäden zu beseitigen und die Anlage wieder in den Griff zu bekommen. Das war nicht leicht, aber am 04. Oktober 1937 verfügte Dublin wieder über fließendes Wasser. Strom gab es zwar nach wie vor keinen, jedoch war wenigstens eines der Probleme beseitigt. Viele Iren beruhigten sich, als die Wasserversorgung wieder klappte. Sie ahnten nicht, dass der für Dublin zuständige General Smith 45.000 Soldaten der britischen Südirlandarmee in die Hauptstadt beordert hatte, weil ihm die Lage unkontrollierbar erschien. Ebenso wenig wussten sie etwas von den Plänen Emanuell Wacrons, der sich nordwestlich von Dublin mit einigen Getreuen aufhielt. Wacron wiederum ahnte nichts von den mehr als 8.000 Freiwilligen aus England, die auf ihn zusteuerten, um sich seinem Kampf anzuschließen. O’Kelly hatte ebenfalls keine Ahnung von diesen Ereignissen. Er war froh und dankbar, dass sie mit der Reparatur des Wasserwerkes einen kleinen Erfolg verbuchen konnten. Erschöpft wischte sich der Anführer von Sinn Féin den Schweiß von der Stirn und sagte zu seinen Kameraden und den sie begleitenden britischen Soldaten: »Das war’s! Gute Arbeit, Männer. Jetzt gehen wir zum Parlamentsgebäude zurück und informieren General Smith, dass in Dublin alles wieder gut wird.« Das Wasserproblem ist gelöst, jetzt muss ich mich einem weitaus schwierigeren widmen: Wie schaffe ich es, dass morgen die Proteste für ein unabhängiges Irland fortgesetzt werden?

John O’Kelly überlegte lange, auf welche Weise er den britischen General überzeugen könnte, ihn weitermachen zu lassen. Während er sich verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf gehen ließ, band nördlich von Dublin Vizekönig Wacron seine Männer enger an sich, indem er sie Treueeide schwören ließ und ihnen etliche Versprechungen machte, was für sie alles rausspringen würde, sobald er wieder über die Grüne Insel herrschte. Geld, Frauen, hohe Posten und schöne Häuser. Wacron war sich für keine Lüge zu schade. Ob er sie tatsächlich einhalten würde, war selbstverständlich eine andere Sache. Gleichzeitig rückte ein über 8.000 Mann starkes Freiwilligenheer aus England dem Lager Wacrons von Stunde zu Stunde näher.

Östlich des Flusses Suck, 04.10.1937

Reinhard Gehlen hustete und spuckte Blut. Mehrere Stunden waren vergangen, seit er im Gesicht getroffen worden war und seine Gegner ihn für tot hielten. Der General schaute zum Himmel hinauf und dankte Gott, dass es ihm gelungen war, zu überleben. Die Engländer hatten die Körper ihrer besiegten Gegner ins Wasser geworfen, wobei ihnen zum Glück entging, dass Gehlen nur bewusstlos war, aber noch lebte. Er erwachte erst bei seinem Aufschlag auf dem eiskalten Wasser des Flusses. Erfolgreich zerrte er sich aus dem Suck hinaus und versorgte provisorisch seine Wunden. Einem britischen Gewehrkolben verdankte Gehlen die Beule an seinem Hinterkopf. Wesentlich schlimmer fand er jedoch die Schusswunde an seiner linken Wange. Ihretwegen gelangte immer wieder Blut in seinen Mund, aber glücklicherweise wurde es langsam weniger. Provisorisch hatte Gehlen die Schusswunde mit Nadel und Faden versorgt; beides trug er immer bei sich, um gegebenenfalls seine Uniform nähen zu können. Wenn ich nicht gähne oder spreche, müsste die Verletzung eigentlich einigermaßen dicht bleiben, dachte der Kastrup-General, während er Nadel und Faden wieder wegsteckte.

Vorsichtig schaute sich Gehlen um und stellte fest, dass der kleine Strandabschnitt dunkel und leer war.

Der Offizier betrachtete seine Uniform, die er inzwischen ausgezogen hatte; sie trocknete auf dem sandigen Boden. Gehlen blickte auf den Suck und dachte: Zuerst warte ich ab, bis die schwarze Uniform getrocknet ist. Das bisschen Kälte halte ich solange schon aus; da habe ich im Laufe der Jahre weitaus Schlimmeres durchgestanden. Sobald die Kleidung trocken ist, suche ich das nächste Dorf und organisiere mir zivile Anziehsachen. Anschließend begebe ich mich unauffällig auf die Suche nach weiteren Überlebenden. Wenn ich es geschafft habe, ein solches Schlachtfest zu überstehen, ist das vielleicht auch einigen Kameraden gelungen.

Er schaute nach oben zu den Sternen und genoss die Aussicht.

Etwas später befühlte Reinhard Gehlen dann erneut seine Kastrup-Uniform und stellte zufrieden fest: Jetzt ist sie bereits wesentlich weniger nass. Eine halbe Stunde dauert es vielleicht noch, bis ich sie wieder anziehen kann.

Tatsächlich konnte er sich wenig später vollständig bekleidet auf den Weg in Richtung Osten begeben, um das nächstgelegene Dorf zu suchen. Dort angekommen schlich sich Gehlen heimlich zu einem älteren Haus, neben dem eine Wäscheleine gespannt von einem Holzbalken zum anderen hing. Rasch schnappte er sich einen alten Mantel und verdeckte damit seine Uniform. Mit einem Hut bedeckte der General das verletzte Gesicht und verschwand anschließend in der Dunkelheit.

Südlich des Flusses Suck, 04.10.1937

Nach ihrem waghalsigen Sprung in die Tiefe hatten Sandra Simmens und Hans von Dankenfels es mit Mühe und Not wieder ans Ufer geschafft. Inzwischen hockten die beiden Überlebenden an einem Baum, der sich im nahegelegenen Moor befand. »Danke, dass Sie mich zum Sprung ermutigt haben«, sagte von Dankenfels zum wiederholten Mal zu der IRA-Kämpferin.

»Keine Ursache. Allerdings finde ich, Sie haben mir in den vergangenen Stunden oft genug gedankt. Was ich tat, war meine Pflicht. Ich habe gesehen, wie alle anderen Anführer unserer Truppe im Kampf gefallen sind. Wir durften Sie nicht auch noch verlieren. Unsere Revolution ist zum Scheitern verurteilt, wenn wir über kein fähiges Führungspersonal verfügen«, meinte Sandra, während sie kurz zum sternenbedeckten Himmel hinaufschaute.

»Damit haben Sie natürlich recht.«

»Sie sind ein fähiger und kampferfahrener General. Dank Ihnen sind wir weit gekommen; viel weiter als während des Osteraufstands, der damals auf dramatische Weise gescheitert ist. Zwar führte er dazu, dass viele englische Großgrundbesitzer die Nase voll hatten und Irland verließen, aber unsere Unabhängigkeit erreichten wir nicht. Auf die Großgrundbesitzer folgte nichts Besseres; vieles wurde verstaatlicht. Mit Ihrer Hilfe konnten zahlreiche Städte befreit und viele Briten besiegt werden.«

»Gewiss, aber dafür bin ich nicht alleine verantwortlich«, entgegnete von Dankenfels.

»Richtig. Sie hatten viel Hilfe von uns Einheimischen und den externen Truppen.«

»Im Moment sind wir nur zu zweit. Ich fürchte, die Rebellion ist gescheitert; es sei denn, viele Iren schließen sich dem bewaffneten Kampf an und der Kaiser schickt weitere Soldaten. Allerdings halte ich die Wahrscheinlichkeit für sehr gering; dazu sind wir zu grandios gescheitert. Sollte er jedoch trotzdem zusätzliche Truppen schicken, müssten die ja auch irgendwo gefahrlos landen können.«

»Da haben Sie recht, Herr General. Vielleicht hat der Aufstand noch eine Chance, wenn es uns gelingt, Kontakt zu einem der Unterseeboote vor Irlands Küste aufzunehmen und darüber mit Berlin in Verbindung zu treten. Nur, wie sollen wir das anstellen?«, fragte Sandra den Feldherrn.

»Vor unserem letzten Gefecht wurde mir davon berichtet, dass sich ein paar Kilometer östlich des Derg ein kleiner Armeestützpunkt befindet. Natürlich müsste der über ein Funkgerät verfügen. Allerdings wird es meines Wissens nicht leicht, dort einzudringen. Die Anlage befindet sich auf einem kleinen Hügel, der vom Moor umgeben ist. Lediglich eine Holzbrücke führt darüber. Sie wird von einem Wachturm aus im Auge behalten. Das Moor in der Gegend soll sehr gefährlich sein; ein Mensch kann darin innerhalb von Sekunden versinken. Und das Schlimmste ist, dass Moor- und Graslandschaft unbemerkt ineinander übergehen. Wie mir gesagt wurde, bemerkt es ein Besucher überhaupt nicht, bis er plötzlich mittendrin steht.«

»Ich weiß. Schließlich gibt es in Irland mehrere Orte solcher Art«, erinnerte sich Sandra.

»Mein gefallener Fähnrich war der Ansicht, dass der Stützpunkt trotzdem unser nächstes Ziel sein sollte. Denn mit dem dort befindlichen Gerät und der richtigen Frequenz schaffen wir es vielleicht, eine Funkverbindung herzustellen.«

»Einen Versuch ist es wert. Nur frage ich mich, wie wir zu zweit in den Stützpunkt hineinkommen?«, überlegte Sandra.

»Dass wir lediglich zwei Untergrundkämpfer sind, ist nicht unbedingt ein Nachteil; im Gegenteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir von der Stützpunktbesatzung entdeckt werden, ist dadurch sehr gering; das Einschleichen könnte somit funktionieren«, schätzte General von Dankenfels.

»Vielleicht kommen wir vorher sogar durch ein paar Ortschaften und es gelingt uns, einige Leute von der IRA oder Sinn Féin für unsere Sache anzuwerben. Was meinen Sie?«, sagte Sandra.

»Angesichts des bisher eher geringen Zulaufs für den bewaffneten Kampf glaube ich nicht daran, dass sich uns größere Verbände anschließen. Trotzdem kann der Versuch nicht schaden.«

»Die meisten Iren protestieren eben lieber friedlich.«

»Natürlich, aber sowohl der bewaffnete Kampf als auch die friedlichen Proteste sind notwendig, um den Krieg zu gewinnen. Aber genug davon. Ich kenne mich auf der Grünen Insel nicht sonderlich gut aus; können Sie mich zu diesem Stützpunkt bringen?«, fragte Hans von Dankenfels.

»Selbstverständlich.«

»Wir sollten die Anlage zunächst beobachten, um einen Weg hinein zu finden«, befand der deutsche Feldherr.

»Ich verstehe«, sagte Sandra, »wir sollten es auf jeden Fall probieren.«

»Wenn das nächste Dorf in Reichweite ist, sollte einer von uns versuchen, Neuigkeiten aus Irland und der Welt zu erfahren. Schließlich kann es nicht schaden zu wissen, was momentan los ist. Die Zeitungen erzählen zwar meistens nur Lügen, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, besteht trotzdem die Möglichkeit, einige Tatsachen herauszufinden«, meinte General von Dankenfels.

»Gut. Marschieren wir los; vorläufig immer nach Süden.«

Hans von Dankenfels nickte der IRA-Kämpferin zu, und gemeinsam machten sie sich auf den Weg.

Dublin, 05.10.1937

Als die Sonne über Irlands leidgeprüfter Hauptstadt aufging, befanden sich die von General Smith aus dem Süden herbeorderten 45.000 Soldaten bereits ganz in der Nähe. Zwar stand Dublin dank des nun fließenden Wassers wieder einigermaßen unter Kontrolle, aber Smith wollte trotzdem nicht auf diese große Streitmacht verzichten. Sicher ist sicher, dachte der erfahrene Offizier, als ein Soldat ihm davon berichtete, dass die Truppe beabsichtigte einzurücken.

John O’Kelly wusste davon noch nichts; er war damit beschäftigt, die »London Times« gründlich zu lesen. Das britische Blatt war aufgrund des Strommangels mehrere Tage lang nicht erschienen. Überhaupt gelang der Informationsfluss nur geringfügig. Deswegen wurde die britische Luftwaffe dafür genutzt, Tausende Pakete mit dem Propagandablatt der englischen Hochfinanz abzuwerfen. »Wenigstens mussten wir für das Schundblatt kein Geld ausgeben«, murmelte einer von O’Kellys Kameraden.

»Das ist die einzig gute Nachricht. Laut den Artikeln dieses Machwerkes haben die Briten unsere kämpfenden Patrioten vernichtend geschlagen und Eoin O’Duffy gefangengenommen«, knurrte der Anführer von Sinn Féin.

»Gab es noch weitere Überlebende?«, fragte ihn jemand.

»Nein. Gemäß diesem Schmierblatt hat lediglich O’Duffy überlebt. Ansonsten sind alle im Kampf heldenhaft gefallen; sowohl die Iren als auch die Deutschen und Franzosen«, entgegnete O’Kelly, erschüttert über die schreckliche Niederlage.

»Dann ist die Sache klar: O’Duffy ist unser Verbündeter; ja, unser Bruder! Wir müssen ihn befreien!«, rief einer der Patrioten entschlossen aus.

»Richtig. In der Zeitung steht sogar, wo er hingebracht werden soll. Weil in Dublin momentan Chaos herrscht, soll O’Duffy nach Longford gebracht werden. Ich denke, wir sollten unsere nächsten Demonstrationen absagen und O’Duffy befreien. Er und ich mögen politisch unterschiedliche Auffassungen haben, aber wir sind Kameraden. Dublin kann sich eine Weile von allem erholen; die Menschen haben mangels Strom sicher andere Sorgen und keine Zeit für Proteste«, meinte O’Kelly.

Seine Männer nickten zustimmend, und bereits in der folgenden Nacht machte sich John O’Kelly mit zwanzig Verbündeten auf den Weg nach Longford. Vorher wies er einige Kameraden an, sich in Dublin darum zu kümmern, dass die Lage ruhig blieb.

Nordwestlich von Dublin, 06.10.1937

Emanuell Wacron war sehr erfreut, als die über 8.000 Unterstützer auf ihn und seine Truppe trafen. Der hinterhältige Vizekönig hieß sie herzlich willkommen und ließ anschließend alle Anwesenden einen Treueeid auf ihn schwören. Kurz darauf kamen einige kleinere Einheiten dazu, die Tage zuvor im Nordosten der Insel gelandet waren. Auch sie waren Freiwillige, die sich ihm anschließen wollten. Wacron ließ auch diese den Eid ablegen und anschließend plante er seinen nächsten Schritt.

Er wollte gerade einen weiteren Sabotageakt gegen Dublin anordnen, als mehrere Späher herbeigeeilt kamen und ihm meldeten, dass mehr als 40.000 britische Soldaten in die Hauptstadt der Grünen Insel einmarschierten. »Verdammt! Der zuständige General muss dieses Riesenheer zur Verstärkung wegen der Strom- und Wasserausfälle gerufen haben!«, schlussfolgerte Wacron.

Er befahl seinen Spähern, sich nach Dublin zu schleichen und Genaueres herauszufinden. Wacron wollte wissen, wie viele Soldaten sich jetzt in der Stadt befanden und was führende Köpfe wie der britische Befehlshaber und John O’Kelly trieben. »Seid vorsichtig, aber beeilt euch«, wies Wacron seine Handlanger an.

Sofort machten sich die Genossen daran, den Befehl ihres Herrschers auszuführen. Als sie Stunden später wieder bei Wacron eintrafen, berichteten sie ihm, dass sich O’Kelly und einige seiner Leute nicht mehr dort befanden und die Engländer über ungefähr 65.000 Soldaten verfügten. »Soweit mir berichtet wurde, haben die IRA-Kämpfer und ihre Komplizen der britischen Nordarmee erhebliche Verluste zugefügt. Der Rest hat diese Leute zwar besiegt, ist allerdings enorm geschwächt. Das weiß ich aus den Zeitungen, wenngleich die Blätter natürlich keine genauen Zahlen nennen. Wichtig ist nur: Fast alle britischen Streitkräfte befinden sich jetzt in Dublin. Abgesehen von den Resten der Nordarmee und einigen im Süden zur Sicherung stationierten Einheiten. Wenn wir es klug genug anstellen, können wir die Gegner in Dublin völlig vernichten«, sagte Wacron zu einigen seiner Schergen.

»Was muss ich da hören?!«, fragte Winston Noinu entsetzt.

Der britische Verbindungsoffizier schaute Wacron entsetzt an. Dieser stellte seinen schlichten Koffer beiseite und ging zu Noinu. »Sie haben völlig richtig gehört. Weil Sie in letzter Zeit keinen Kontakt zu externen Kräften hatten, wussten Sie selbstverständlich nichts über den Verrat der britischen Regierung«, meinte Wacron und legte Noinu seine rechte Hand auf die Schulter.

»Ich bin, ebenso wie Sie, der britischen Regierung verpflichtet! Wir müssen uns mit der Führung in Verbindung setzen. Wie können Sie diese Leute als Feinde betrachten? Immerhin verdanken wir beide ihnen unsere Posten und deshalb …«

Weiter kam Winston Noinu nicht, denn Wacron rammte ihm mit der linken Hand ein Messer in die Eingeweide. Dreimal stach der hinterhältige Sozialist aus Frankreich zu, während sein ehemaliger Verbindungsoffizier zusammensackte. Sekunden später lag Noinu tot im Gras. »Schafft den Verräter weg!«, befahl Wacron, woraufhin sich mehrere seiner Spießgesellen um die Leiche kümmerten.

So ergeht es jedem, der nicht auf meiner Seite steht. Wenn nötig, steche ich jeden Briten nieder, der sich meinen Plänen in den Weg stellt, dachte der Vizekönig. Wieder an seine Schergen gewandt erklärte Wacron seinen Plan: »Ich denke, Ihr solltet die Sache folgendermaßen durchführen: Schleicht euch in die Stadt und nutzt die Abwesenheit O’Kellys, um die Bürger zum Aufstand zu bewegen. Berichtet ihnen, dass sich eine Befreiungsarmee vor der Stadt befindet und nur darauf wartet, Dublin vor den verhassten Briten zu retten. Macht den Iren klar, dass unsere Truppe die Hauptstadt nur retten kann, wenn sie interne Hilfe erhält. Wenn nötig, holt ein paar von ihnen her und zeigt ihnen einen Vorposten, den Ihr vorher von ein paar Genossen aufbauen lasst. Sie sollen sich überzeugend als Kämpfer der IRA ausgeben; sucht dafür also nur Leute aus, welche die Landessprache beherrschen. Gebt euch Mühe, sie zu überzeugen; je eher der Aufstand beginnt, desto besser.«

»Was ist, wenn sie uns nicht glauben?«, kam daraufhin eine berechtigte Frage.

»Sie werden euch glauben, weil die Iren einen solchen Hass auf die Briten haben, dass sie euch glauben wollen. Ihr schafft das schon. Vertraut mir. Es wird funktionieren. Wenn unsere Gegner sich massiv gegenseitig schaden und der Aufstand ein Erfolg wird, sind wir unserem Ziel ein großes Stück näher. Bald gehört die Insel uns«, meinte Wacron.

»Was ist, wenn der Aufstand in Dublin nicht klappt?«, lautete die Frage eines der Freiwilligen.

»Dann gilt dasselbe; unsere Feinde werden sich gegenseitig dezimieren. Dublin nehmen wir aber noch nicht ein. Es ist leichter, eine Stadt zu beherrschen, die nur sehr wenige Einwohner hat. Je mehr Leute der Hauptstadt aus Gründen wie Krieg oder mangelhafter Versorgung den Rücken kehren, desto besser für uns«, sagte der Vizekönig.

Seine Kumpane stimmten ihm zu und machten sich anschließend an die Arbeit.

Östlich des Flusses Derg, 07.10.1937

Mit einer großen Portion Glück hatten sich Hans von Dankenfels und Sandra Simmens bis zum Moor östlich des Derg durchgeschlagen. Im Stillen hatte von Dankenfels Gott gedankt, dass sie unterwegs eine Pferdekutsche erbeuten konnten. Als die beiden schließlich am Rand des Moores ankamen, weigerte sich das Pferd weiterzulaufen, weshalb sie es ausspannten und gehen ließen. Das edle Tier machte sich instinktiv auf den Heimweg.

Tatsächlich konnte man kaum erkennen, wie das Grasland ins Moor überging. Die Bäume, die diese finstere Gegend überwucherten, waren noch weit weg; sie kennzeichneten die tückischen Teile der tödlichen Landschaft. »Jetzt müssen wir nur noch den Stützpunkt der Briten finden. Irland ist eine wunderschöne Insel, aber diese Gegend scheint mir schwer zugänglich zu sein«, stellte von Dankenfels fest.

»Orte wie diesen gibt es viele bei uns; Irland ist reich an Mooren«, entgegnete Sandra.

»Wir müssen vorsichtig sein. Jeden Schritt sollten wir gut bedenken«, meinte der Feldherr.

Sandra stimmte ihm zu. Anschließend begaben sich die beiden in Irlands unheimliche Moorlandschaft. Schritt für Schritt schlichen sie sich voran, bis Hans von Dankenfels plötzlich mit dem Fuß steckenblieb. Rasch hielt sich der Kastrup-Offizier mit der rechten Hand an einem Baumstamm fest und zog seinen Fuß aus dem Matsch heraus. Sandra war stehen geblieben und wollte ihrem Kameraden helfen, aber das Problem konnte von Dankenfels alleine lösen.

Wenn die beiden sich unsicher waren, ob ein Weg Gefahr bedeutete, warfen sie kleine Steine darauf. Meistens versanken die Wurfgeschosse, woraufhin der General und seine Begleiterin die Stelle umgehen mussten.

Zweimal versank der deutsche Feldherr beinahe im Moor, aber immer waren Sandra oder ein rettender Ast rechtzeitig da, um das Schlimmste zu verhindern. Einmal hätte es auch beinahe die schöne Irin erwischt, aber der deutsche Feldherr hielt sie schnell genug fest, um ihr Versinken im Schlamm abzuwenden.

Mehrere Stunden später gelangten Sandra und von Dankenfels in die Nähe des Stützpunktes. Hinter einem Dornenbusch versteckt, blickten sie in Richtung der kleinen Festung, zu der lediglich eine leicht überschaubare Holzbrücke führte. Zudem fiel es den Wachposten sicherlich leicht, vom Hügel aus ein Auge auf die ganze Gegend zu haben. Zwar gab es vereinzelte Deckungsmöglichkeiten, aber von Dankenfels hatte keinen Plan, wie er und Sandra vom Dornenbusch aus unbemerkt näher herankommen sollten.

»Hinter uns befindet sich das Moor, mit vielen Bäumen und einigen Büschen. Vor uns hingegen eine freie, sumpfige Fläche mit kaum vorhandener Deckung. Sollten wir jetzt zum Hügel eilen, knallen uns die Wachposten einfach ab«, flüsterte General von Dankenfels der Irin zu.

»Dann bleibt uns nur eine Möglichkeit: Wir beobachten den feindlichen Stützpunkt und versuchen erst etwas zu unternehmen, sobald die Nacht hereinbricht«, meinte Sandra.

Washington, 07.10.1937

George S. Patton saß in seiner Offiziersuniform im Vorzimmer des US-Präsidenten. Es war nicht das erste Mal, dass der erfahrene Kämpfer das Weiße Haus von innen sah.

Roosevelt hatte Patton wegen der Situation in Irland herbestellt. Diesem Treffen ging der Vorschlag Amerikas an England voran, den Briten bei der Irlandkrise zu helfen.

Die Londoner Hochfinanz und ihre Genossen in der Politik hatten sich noch nicht entschieden, ob sie das Angebot annehmen wollten. Allerdings plante Roosevelt, bereits jetzt Vorbereitungen für den Fall der Fälle zu treffen. Und außerdem wollte er von General Patton erfahren, wie das ›Deutsch-Amerikanische-Freundschaftstreffen‹ in der Schweiz verlaufen war.

Nachdem Roosevelt Patton hereingerufen hatte, fragte er den Offizier zunächst nach dessen Aufenthalt in der neutralen Schweiz. Kurz und knapp berichtete Patton von seinen Erlebnissen und ließ dabei durchblicken, dass er für die Deutschen als Volk durchaus Sympathie hegte und ihre militärischen Erfolge bewunderte.

Diese Einstellung schmeckte dem US-Präsidenten zwar nicht, aber weil er den kampferfahrenen Haudegen höchstwahrscheinlich bald brauchte, schluckte er dessen Deutschenfreundlichkeit herunter und begann damit, Patton mit der Situation in Irland vertraut zu machen: »Sicher haben Sie bereits einiges von dem Konflikt auf der Grünen Insel mitbekommen. Trotzdem bringe ich Sie kurz auf den neuesten Stand.«

»Ich bin ganz Ohr«, entgegnete Patton.

»Momentan sieht es so aus, als würden die Briten gewinnen. Wir haben ihnen Hilfe angeboten, aber vielleicht benötigen sie diese gar nicht. Sollten die Engländer Erfolg haben, wäre das ganz in unserem Sinne; schließlich schadet der Aufstand auch unserer Wirtschaft und der Wall Street. Immerhin streiken zahlreiche Einwanderer aus Irland aus Solidarität und das sorgt für gewisse Probleme. Allerdings wurden die IRA und ihre Verbündeten am Suck vernichtend geschlagen, und die wenigen Widerstandsnester, die noch vorhanden sind, dürften bald vernichtet werden. Bedauerlicherweise ist der in Ungnade gefallene Vizekönig Emanuell Wacron nach wie vor aktiv und macht auf der Grünen Insel, was er will. Der englische Botschafter hat mir anvertraut, dass die britische Regierung Wacron offiziell absetzen will, sobald der Krieg vorbei ist und sich die Lage beruhigt hat. Soweit der theoretische Plan. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass Wacron sich Englands Zugriff entzieht und die von ihm herbeigerufenen Freiwilligenverbände jede Menge Ärger verursachen. Der neueste Stand ist, dass die Situation langsam wieder unter Kontrolle gebracht wird, aber für den Fall einer weiteren Eskalation greifen wir ein, um Irland zumindest teilweise zu befrieden. Die Engländer werden diese Hilfe unsererseits kaum abschlagen können; wir werden sie ihnen einfach aufzwingen, denn schließlich sind auch amerikanische Interessen bedroht. Daher ernenne ich Sie zum Befehlshaber einer 10.000 Mann starken Armee, die wir im Ernstfall auf die Grüne Insel schicken«, erklärte Roosevelt.

»Danke. Ich fühle mich geehrt«, sagte Patton.

»Also gut. Hoffen wir, dass sich die Lage weiter beruhigt und bald Frieden herrscht. Dann werden wir dort nicht gebraucht.«

»Das sehe ich ebenso. Werden wir Panzer nach Irland mitnehmen?«, fragte der General seinen Präsidenten.

»Nein. Panzer sind in diesem Fall nicht nötig«, entgegnete Roosevelt.

»Dann wüsste ich gerne noch etwas: Gegen wen sollen wir in Irland eigentlich kämpfen? Sie erwähnten die Streiks der Iren in den USA; diese werden wohl kaum aufhören, wenn wir auf Seiten Englands in die Schlacht ziehen«, schätzte George Patton.

»Richtig. Deswegen greifen wir vorläufig nicht aktiv in diesen Krieg ein. Wir errichten im Nordwesten eine offiziell neutrale Schutzzone, wo alle Kriegsflüchtlinge hingehen können und in Sicherheit sind. In den letzten Wochen sind 75 Flüchtlinge aus Irland zu uns gekommen; wenn die Lage weiter eskaliert, könnten daraus leicht 75.000 werden. Das gilt es zu verhindern, zumal ein weiterer Zustrom von Einwanderern unser Land destabilisieren dürfte. Deswegen ist es, auch im Interesse der inneren Sicherheit, besser, keine weiteren hereinzulassen, sondern ihnen vor Ort zu helfen. Immerhin könnten sich unter den Flüchtlingen Terroristen verstecken; das wäre nicht das erste Mal. Wenn wir den Iren vor Ort helfen, natürlich ohne die Briten zu bekämpfen, gewinnen wir auf diese Weise die Iren für uns und die Streiks hören höchstwahrscheinlich endlich auf.«

»Sie sprachen von einer ›offiziell neutralen Schutzzone‹. Was ist inoffiziell?«, fragte Patton.

»Inoffiziell kommandieren Sie neben den 10.000 regulären Soldaten zusätzlich 100 verdeckt operierende Kämpfer, die heimlich gegen Gruppen wie die IRA und Wacrons Freiwillige kämpfen.«

»Wissen die Briten davon?«

»Selbstverständlich. Sie und Ihre Armee landen an der Westküste Irlands, sollte das Feuer der Revolution nicht bald gelöscht werden. Halten Sie sich bereit. Die Truppe besteht aus Freiwilligen und wird sich innerhalb der nächsten Tage südlich von Norfolk zusammenfinden. In dieser Zeit entscheidet sich, ob wir das Heer über den Ozean schicken oder nicht«, meinte Roosevelt.

»Okay. Ich freue mich schon auf den Einsatz. Sobald ich bei den Männern eintreffe, werde ich dafür sorgen, dass sie in Bestform sind. Lediglich wegen der 100 verdeckt kämpfenden Kameraden habe ich Bedenken. Es erscheint mir irgendwie hinterhältig, einerseits Neutralität vorzuspielen und andererseits heimlich an den Kämpfen teilzunehmen.«

»Der Zweck heiligt die Mittel. Außerdem haben die Deutschen es in Finnland und Spanien auch nicht anders gemacht. Daher ist es nur gerecht, wenn wir ebenso handeln«, meinte der Präsident.

»Wie Sie meinen, aber ich kann nicht sagen, dass mir das gefällt«, entgegnete Patton.

»Die Hauptsache ist, dass Sie die 100 im Untergrund arbeitenden Männer ihre Missionen erledigen lassen; es muss Ihnen nicht gefallen. Die Leute haben ohnehin ihren eigenen Anführer; Sie haben also mit der Sache im Prinzip nichts zu schaffen. Sie lernen den Mann in Norfolk kennen.«

»Na schön. Ich lasse ihn und seine Leute ihre Arbeit durchführen«, lenkte Patton wenig begeistert ein.

»Ich sehe, ich habe den richtigen Mann mit dieser Mission betraut. Viel Erfolg«, sagte Roosevelt, woraufhin Patton salutierte.

Der US-Präsident erwiderte den militärischen Gruß, dann reichten sich beide Männer die Hand, und George Patton machte sich auf nach Norfolk.

Dublin, 08.10.1937

General Smith hatte sich gerade mit den Offizieren unterhalten, welche die massive Verstärkung anführten. Mit dieser gewaltigen Truppenmasse in Dublin ist die Stadt völlig sicher. Was mich allerdings beunruhigt, ist die Frage, wo sich John O’Kelly befindet? Der Chef von Sinn Féin verschwand aus Irlands Hauptstadt, ohne eine Spur zu hinterlassen. Er hat sich bisher friedlich verhalten und wird hoffentlich auch in Zukunft keinen Ärger machen, denn dafür bräuchte er eine schwer bewaffnete Armee und Erfahrung als militärischer Anführer. Über beides verfügt lediglich Eoin O’Duffy, und der befindet sich in britischer Gefangenschaft, fand Smith.

Er fühlte sich völlig sicher und ahnte nicht, dass Wacrons Schergen in Dublin bereits die Saat einer gewalttätigen Rebellion gegen Englands Truppen ausbrachten. Dabei argumentierten sie beispielsweise, O’Duffys Kampf dürfe nicht umsonst gewesen sein und jetzt müssten die Bürger das Werk des IRA-Anführers fortsetzen. »Sonst ist die Rebellion verloren!«, argumentierten Wacrons Leute.

Dann berichteten die Gauner den Dubliner Bürgern von der Armee nahe ihrer Stadt. »Diese kann nur gewinnen, wenn sie massive Hilfe von euch bekommt!«, erklärten sie dem Volk.

Die Banditen schafften es tatsächlich, viele Bürger von der Notwendigkeit eines bewaffneten Aufstands zu überzeugen. Bürger, die am Vorhandensein einer Armee zweifelten, führte man zu den falschen Vorposten. Schließlich rotteten sich etliche kleine Gruppen zusammen und trafen in der Nacht Vorbereitungen für den Kampf. Hunderte Einzelkämpfer polierten ihre Messer und Äxte, während rasch zusammengestellte Einheiten von drei bis zwanzig Mann planten, wo und wie sie am besten zuschlagen konnten.

Der Plan unseres ruhmreichen Vizekönigs scheint voll und ganz aufzugehen. Bald werden Iren und Soldaten sich gegenseitig zu Tausenden abschlachten, frohlockte einer der Gauner.

Wacron war sehr zufrieden, als man ihm die Nachricht überbrachte, wie erfolgreich seine hinterhältige Idee in die Tat umgesetzt wurde.