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Steffen sitzt in seiner Freizeit oft im Paddelboot und erkundet neue Gewässer. Es dürfen auch gern ständig andere Boote sein. So hat er seine Erlebnisse und Erfahrungen auf immer neuen Gewässern und in immer neuen Booten in acht Geschichten zusammengefasst. Interessant und spannend schildert er, was ihm in 30 Jahren Paddelsport so widerfahren ist und mit welchem Boot er das Erlebte in Verbindung bringt.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2022
Kajaks und Gewässer
Wahre Geschichten vom Paddeln
Steffen Hahn
© 2022 Steffen Hahn
Lektorat: Udo Siffermann
Buchsatz von tredition, erstellt mit dem tredition Designer
ISBN Softcover: 978-3-347-58811-0
ISBN E-Book: 978-3-347-58812-7
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Dem Strom entgegen
Gegen den Uhrzeigersinn
Doch nicht ganz allein
Kajak bevorzugt
Drop stitch
Odyssee
Auf der Jagd
Rendezvous mit Elchen
Nachwort
Vorwort
Paddeln muss nicht teuer sein.
Es gibt wesentlich kostspieligere Sportarten.
Man braucht nicht viel – ein Boot, ein Paddel, Rettungsweste und vielleicht eine Spritzdecke.
Dann kann es eigentlich schon losgehen.
Aber ich bin ständig neugierig, wie wohl andere Boote fahren und kaufe sie dann, um es herauszufinden.
Dann ist es kein günstiges Hobby mehr.
Nicht dass ich immer mit meinen aktuellen Modellen unzufrieden wäre, ich bin einfach neugierig.
So habe ich in 30 Jahren Kanusport ca. 25 Kajaks und Canadier besessen, ich bin nicht mehr sicher, wie viele es genau waren.
Ich habe also zahlreiche Boote ausprobiert. Mit vielen davon verbinde ich Erlebnisse auf dem Wasser, die ich gern teilen möchte. In erster Linie soll dieses Buch der Unterhaltung dienen, nicht als Flusswanderführer. Die Beschreibung der Gewässer soll anregen, diese selbst zu erleben, deshalb ist nicht jedes Detail genau beschrieben.
Alle Eindrücke, die ich hier teile, von Booten, Gewässern und Erlebnissen, sind meine persönliche Sichtweise und Erkenntnis. Wenn ein Anderer mit dem gleichen Boot denselben Fluss herunterfährt, erlebt er diesen vielleicht ganz anders. Nebenbei erkläre ich zum besseren Verständnis Dinge, die vielleicht viele schon wissen, aber andere eben auch nicht. Ich hoffe, dass ich mit diesem Buch den Reiz des Paddelns näherbringen kann.
Wenn das Lesen so viel Spaß macht wie das Schreiben, würde ich mich freuen. Gute Unterhaltung!
Dem Strom entgegen
Es ist Frühling, schönes Wetter, 10:30 Uhr. Ich bin fit, ausgeschlafen und stehe mit Auto und Kajak in Kasenort an der Stör.
Hier mündet, durch ein Fluttor von der Stör getrennt, die Wilsterau. Sie schlängelt sich durch die Wilstermarsch, um nach 18 km am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) zu enden. Ein schöner, fast strömungsloser Fluss.
Fast!
Parkplätze und eine öffentliche Einsetzstelle gibt es hier und sogar Toiletten.
Wenn man nach dem Einsetzen den kleinen Hafen verlassen hat, kommt nach 2 km der Steg und das Bootshaus der Kanu-Gruppe Wilster. Danach geht´s schon in den Ort hinein.
Hier stehen die Häuser direkt am Wasser und die Au bildet eine enge Gasse hindurch.
Hat man dann das Städtchen hinter sich gelassen kommt eine lange Gerade (die einzige), auf der man sich keinen Gegenwind wünscht.
Danach schlängelt sich das Flüsschen durch die Landschaft.
Ich bin in einem sportlichen Einer-Kajak aus Polyethylen unterwegs, das eben über vier Meter lang und sehr schmal ist.
Gern würde ich hier den Hersteller und das Modell angeben, nur tappe ich da völlig im Dunkeln.
Ich habe es gebraucht erstanden und auf dem Boot ist nichts zu lesen.
„No Name“ wäre die richtige Bezeichnung.
Noch nie habe ich ein so schnelles Boot besessen, allerdings geht das auf Kosten des Komforts.
Durch die schlanke Form ist es sehr kippelig und der Platz für die Beine ist nicht gerade üppig.
Als ich das Kajak ungefähr ein Jahr zuvor gekauft hatte, habe ich leider das Probesitzen versäumt.
Als ich dann zu Hause das erste Mal Platz nahm, stellte ich fest, dass ich mit meinen 1,80 m gar nicht hineinpasse.
Es ist vermutlich eher für Jugendliche vorgesehen.
Die Form des Boots hat mir jedoch so tolle Fahreigenschaften suggeriert, dass ich den Sitz und die Fußstützen umgebaut habe. Und die Mühe hat sich gelohnt!
Dieses relativ kleine, leichte Kajak fährt einfach toll.
Ungefähr nach der Hälfte auf dem Weg zum NOK ist schon klar, dass ich heute die Strecke in Rekordzeit fahre.
Eilig habe ich es nicht, weil ich heute einen freien Tag habe und erst um 18:00 Uhr mit der Familie bei unserem Lieblings-Griechen verabredet bin.
Also wäre genügend Zeit, um es gemütlich anzugehen und noch ausgiebig Pause am Umkehrpunkt zu machen.
Trotzdem bin ich gern flott unterwegs und mache Pause, wenn ich am Ziel bin.
Der weitere Verlauf der Strecke ist zwar unspektakulär, aber trotzdem schön.
Es gibt immer mal einen Rastplatz mit Steg und man passiert diverse Bauernhöfe.
Nach ungefähr zwei Dritteln des Hinwegs ist die Au höher als die Wiesen am Ufer, auf die man ungewohnt hinunterschaut.
Als Nächstes kommt in der Ferne die charakteristische Eisenbahnbrücke von Hochdonn in Sicht.
Ein Stück weiter glaubt man seinen Augen nicht zu trauen.
Es scheint, als würden riesige Containerschiffe durch die Wiesen fahren. Tatsächlich aber sind sie auf dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs, den man jedoch noch nicht sehen kann. Ein erstaunlicher Anblick!
Knapp einen Kilometer vor dem Endpunkt gibt es einen Hofladen mit Steg und Café. Früher musste man hoffen, dass die Bäuerin zu Hause ist, um hier einen Kaffee zu bekommen.
Einmal bin ich an den Junior geraten, der mir versichert hat, dass nur seine Mutter hier Kaffee kochen kann.
Jetzt gibt es zum Glück eine kleine Hütte, in der ein Kaffeevollautomat steht.
Aus diesem kommt auf Knopfdruck herrliches Gebräu, und gezahlt wird auf Vertrauensbasis
in eine Dose.
Ich fahre aber erst einmal bis zum Ende.
Als ich auf die Uhr sehe, kann ich es kaum glauben, dass ich für die 18 km nur zwei Stunden gebraucht habe.
Dann wundere ich mich über ein unbekanntes Geräusch aus dem Pumpenhaus am Ende der Wilsterau.
Ich bin schon häufig hier gewesen, aber dass das Wasser aus der Au in den NOK gepumpt wird, nehme ich zum ersten Mal wahr.
Ich steige gar nicht aus und trete gleich den Rückweg an.
Kaum fahre ich in die andere Richtung, bemerke ich eine Strömung von vorn.
Das erklärt natürlich, warum ich so schnell hier gewesen bin.
Dann muss bei meinem Start an der Stör das Fluttor leicht geöffnet gewesen sein, und am anderen Ende wird das überflüssige Wasser in den Kanal gepumpt.
So entsteht die Strömung, die ich auf dem Hinweg nicht wahrgenommen habe. Halb so wild, ich paddle zunächst nur bis zum Hofladen und genehmige mir einen Kaffee und einen Müsliriegel, denn ich habe ja Zeit!
Als ich nach meiner Pause wieder starte, merke ich, dass ich die Strömung nicht so stark eingeschätzt habe wie sie wirklich ist.
Ich schaufle ganz ordentlich, um einigermaßen zügig voranzukommen.
Nach ein paar Kurven kommt nun auch noch Wind von vorn, den man auch nicht wahrnimmt, wenn er von hinten kommt.
Das wird harte Arbeit auf dem Weg zurück.
Der Schweiß läuft mir schon ins Gesicht.
Beim Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass mir nun die Zeit wegläuft.
Unglaublich, wie groß der Unterschied zum Hinweg ist.
Jetzt werden auch langsam die Arme schwer, und der Rückweg kam mir noch nie so lang vor.
Auf keinen Fall möchte ich, dass meine Familie beim Griechen sitzt und auf mich wartet.
Ich gebe alles, um es noch pünktlich zu schaffen, aber Strömung und Wind sind gegen mich. Mir wird irgendwann klar, dass es nicht zu schaffen ist, zumal ich nach dieser Anstrengung auf jeden Fall noch unter die Dusche muss, bevor wir essen gehen.
Der Anruf fällt mir schwer, aber besser die Tischreservierung verschieben als durchgeschwitzt und zu spät im Restaurant zu erscheinen. Die Familie ist erstaunlich verständnisvoll.
Jetzt bin ich zwar etwas entspannter unterwegs, aber die Arme paddeln nur noch mechanisch schwerfällig.
War der Hinweg wirklich genauso lang?
Auf dem langen geraden Abschnitt vor Wilster kommt der Wind natürlich genau von vorn, und in Wilster wird es noch einmal richtig hart.
